In Österreich ist heute ein Feiertag: Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau Maria“ heißt er offiziell.
Was ist das jetzt wieder: Kann man Sünde erben?
Klarerweise nicht. Ein Übersetzungsfehler, wie sie immer wieder passieren – und, als feministische Theologin muss ich das anmerken, trotz besseren Wissens lange zuungunsten der Frauen beibehalten wurden.
Also: Für die Gottesdienste ist die Erzählung vom sogenannten „Sündenfall“ vorgesehen. Lest den Text gern selber nach: Gen 3, 9-20.
Ihr wisst schon: Das mit Eva und der Schlange und dem Apfel, der Frucht vom Baum der Erkenntnis.
Jahrhunderte hindurch wurde die „Erbsünde“ als Ungehorsam definiert: Weil Eva verbotenerweise die Frucht gegessen und auch ihrem Mann gegeben habe, seien alle folgenden Generationen von Gott irgendwie getrennt und müssten sich durch Wohlverhalten, Gehorsam, Buße usw. die Gnade verdienen … Frauen seien besonders sündig (weit weg von Gott), weil durch sie ja das Paradies verloren worden sei…
Im Lauf der Zeit, durch Theologiestudium und Exerzitien, an denen ich teilnahm, stieß ich auf eine andere Definition: Das Schlimme sei der Vertrauensverlust Gott gegenüber – dass sich die Menschen von einem Wildfremden, den sie vorher nie gesehen hatten, einreden ließen, Gott meine es nicht gut mit ihnen.
Wie auch immer – Eva, also die Frau, war noch immer die mehr Schuldige… diese Anschauung legitimiert bis heute die Einstufung von Frauen als irgendwie minderwertige Wesen…
Das eigentliche Problem:
Sämtliche Theologen (bewusst hier nicht gegendert, weil es sich ausschließlich um Männer handelte) haben übersehen, dass sie ihre eigene theologische katholische Lehre nicht ernst nahmen.
Denn die christliche Lehre lautet: Durch die Taufe werden wir von der Erbsünde befreit.
Einmal ganz davon abgesehen, dass man den biblischen Mythos und sämtliche davon abgeleiteten Äußerungen und Verhaltensweisen ernst nehmen kann oder auch nicht: Auch wer streng religiös im Sinne der Kirche leben möchte, sollte und darf wissen:
Wenn heute groß gefeiert wird: Maria, die Mutter Jesu, war frei von der Erbsünde – nun gut: Wir getauften Frauen sind das alle auch.
(Und denen, die nichts mit dem Christentum am Hut haben, kann die katholische Lehre sowieso egal sein).
Die eigentliche „Erbsünde“ als üble Folge des Misstrauens, dass Menschen nicht ins Dasein vertrauen und ständig befürchten, es könnte zuwenig da sein, zeigt sich in der Ausbeutung der Natur, in der bedenkenlosen Zerstörung natürlicher Ressourcen. Erbsünde, so verstanden, ist eine Angelegenheit von Männern der industrialisierten Welt und der westlichen Konsumgesellschaft.
Eine Übung für heute:
Stellt euch JHWH („Ich bin da“) als liebende zärtliche Göttin vor. Die nichts so sehr möchte, als dass es uns gut geht. Uns, den geliebten Töchtern.
Dann denkt an drei Dinge, die nach strenger katholischer Auslegung als „sündhaft“ gelten würden und die ihr selber ausübt – möglicherweise mit einem kleinen bisschen schlechten Gewissens.
Denkt euch eine absolut schräge, unmögliche, lustige „Buße“ aus (10x auf dem linken Bein hüpfen oder mit einem selbstgebastelten Gebilde aus Reisig und Stoffresten auf dem Kopf das Haus verlassen und es als die letzte Hutmode ausgeben beispielsweise…), die ihr natürlich durchführen sollt.
Damit ist alles wieder ok
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Mein heutiger Beitrag zur Feministischen Theologie:
Lange Zeit wurde gepredigt, die Frau sei zweitrangig, minderwertig… mit der Begründung, Gott habe Eva als 2. Menschen nach Adam erschaffen – und noch dazu aus seiner Rippe, also indirekt.
Einmal davon abgesehen, dass es sich bei dem entsprechenden Text aus der Bibel (Gen 2,22) um einen Mythos handelt, also eine Glaubens-Erzählung, um einen spirituellen Text, der zeit- und kulturbedingt in einer patriarchalen Gesellschaft der Antike – und später als die erste, ursprüngliche Schöpfungserzählung – verfasst wurde und der theologischen Interpretation bedarf: Der eigentliche Sinn, der ausgedrückt werden sollte: Mann und Frau sind gleichen Wesens.
Man (die predigenden Kleriker) verschwieg geflissentlich die ältere, erste Schöpfungserzählung, in der es heißt: „JHWH schuf den Menschen als sein Ebenbild. Als sein Ebenbild schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf JHWH ihn“ (Gen 1,27). Gleichzeitig, gleichwertig, gleichebenbildlich, „Ebenbild“ wird verdoppelt, also extra betont. Gleichberechtigt ist die gottgewollte Folge, versteht sich von selbst.
Predigt Mariä Empfängnis
Ohne Erbsünde – Erbsünde, was ist das überhaupt? Was wird da ver- oder geerbt – und von wem?
Liebe Brüder und Schwestern!
Das Wort ist eine sehr schlechte Übersetzung.
Im Lateinischen heißt es „peccatum originale“.
Originalsünde. Wir wissen was ein Original ist – die Ur- oder 1. Sünde ist sozusagen das Markenzeichen der Menschen. Wir haben das Copyright darauf.
Es ist zugleich die Ursache aller weiteren Sünden, Fehlhaltungen und Schandtaten, die Menschen begehen können und auch immer begangen haben. Der Grund für diese.
Woran leiden Adam und Eva – im Mythos so dargestellt – eigentlich, in welcher Beziehung verhalten sie sich falsch?
Sie kündigen Gott das Vertrauen auf.
Sie lassen sich von jemand X-Beliebigem, den sie gar nicht kennen und zu dem sie keinen Bezug haben, einreden, dass ihnen etwas fehlt. Man muss sich das vorstellen: Dass ihnen im Paradies etwas abgeht.
Jemand stört das Vertrauen, das gute Einvernehmen, die Beziehung zwischen den ersten Menschen und Gott.
Und gleich ist auch die Beziehung zueinander gestört – statt Vertrauen hat Adam plötzlich Angst vor Gott – und so kündigt er Eva, dem Liebsten, was er haben sollte, auch gleich das Vertrauen auf – gut dastehen will und muss er schließlich.
Fehlhaltungen entstehen aus einem Mangel an Vertrauen.
Schauen wir uns an, was aus dem Feiertag, dem 8. Dezember, geworden ist:
Es ist ja typisch menschlich, sich schnell einmal benachteiligt vorzukommen.
Dann sehen wir die Fülle um uns nicht, sondern nur das eine, das wir gerade nicht haben (können).
Die Diskussion um den 8. Dezember begann, als der 8. Dezember auf einen Adventsamstag fiel, langer Einkaufssamstag hieß das früher. Da erwartete man sich Umsatz, den großen Geschäftsgewinn – schrecklich, geschlossen halten zu müssen, keiner kann einkaufen gehen, und besonders in grenznahen Gebieten, z. b. in Braunau, in Salzburg oder Schärding, fürchteten Geschäftsleute, Kunden würden ins nahe Ausland ausweichen. Geschäftsentgang.
Heuer muss das auf- und nachgeholt werden, was in den letzten 3 Wochen wegen des Lockdowns nicht möglich war …
Da könnte einer das Geld verdienen, mit dem eigentlich ich gerechnet hätte …
Es ist dann nur logisch, dass, gleich in welchem Berufszweig, auch am Sonntag gearbeitet werden muss – sonst erwirtschaftet man ja um ein Siebentel weniger …
Kriege entstehen, weil sich Völker im Vergleich zu ihren Nachbarn benachteiligt fühlen.
Gewalt, Raub, Raubbau an der Natur und an der menschlichen Gesundheit, Diebstahl, Verleumdung, Mobbing …
Und so weiter und so fort …
Genau diese Grundhaltung hatte Maria nicht.
Im Gegenteil. Das genaue Gegenteil wird von ihr gesagt: „du bist voll der Gnade“.
Du bist reich beschenkt.
Wir alle sind das im Grunde genommen auch. Gott nimmt dieses menschliche „Markenzeichen“ von uns weg, in der Taufe geschieht das grundsätzlich.
Aber mit uns ist es oft so wie mit einem Haus, dessen Fensterläden geschlossen sind. Erst wenn wir die aufmachen, kann das Licht hineinströmen. Wenn wir es bei uns finster haben, dann sehen wir die anderen nicht, die Mitmenschen sind bedrohlich, werden als Gefahr erlebt, vor der man sich schützen muss. Wo es licht ist, kann ich mich freuen, dass sie da sind.
Maria war offen und empfänglich. In ihrem Leben war es hell.
Wir können das lernen, so zu sein. Wir brauchen nur zu sagen: Bitte, ja ich möchte das. Bitte, lass die Gnade in mir wirken, lass mich das spüren und erleben. Dann wird es hell in uns – versuchen Sie es einfach!
