Predigt                                                                                 28. 8. 2022

Liebe Brüder und Schwestern!

Das, was Jesus im Evangelium sagt, ist für uns 100%ig einleuchtend. Logisch und nachvollziehbar. Und das war es für die Gäste des vornehmen Simon damals auch.

Jetzt hat Jesus aber nicht wirklich im Sinn, als Trainer guten Benehmens zu wirken. Wenn er etwas sagt und lehrt, geht es ihm immer um Gott, um das Reich Gottes, um das Verhältnis zwischen Gott und den Menschen.

Übrigens gab es Zeiten, in denen das, was Jesus da vermitteln möchte, überhaupt nicht verstanden, ja nicht einmal gesehen worden ist.

Im Mittelalter oder bis vor ca. 100 Jahren auch hier bei uns in unserem Land: da gab es die großen Standesunterschiede. Es wäre einem Grafen oder Baron nie im Leben eingefallen, mit den Knechten und Mägden, auch wenn sie freie Menschen waren und keine Leibeigenen, das gab es nämlich bis Maria Theresia auch in der Geschichte der Christenheit, zusammen am selben Tisch zu sitzen.

Ein absolutes NoGo. Geht nicht. Undenkbar.

So sehr undenkbar, dass man die Botschaft Jesu nicht wahrnehmen konnte. Außerhalb des Blickfeldes.

In der katholischen Kirche gab es Gegenden, da wurden in die Kirchenräume hinein sogenannte Sakramentshäuschen reingebaut: quasi ein „Extrazimmer“ nur für die Priester, wo die Wandlung und das Hochgebet gesprochen wurden – die Normalsterblichen, wie wir so schön sagen, sollten das nicht sehen – zu minder, nicht würdig, … oder was immer.

Vor ca. 30 Jahren war ich Pastoralassistentin in Hörsching. Da wurde mir von einem großen Bauern, der in den 60erJahren eingeheiratet hatte, erzählt, es hat 20 Jahre gebraucht, bis er am Stammtisch der örtlichen Bauern Platz nehmen durfte … War ja schließlich kein Hiesiger …

In Hörsching hat der Pfarrer, der war auch der größte Bauer im Ort, alles, wo dann der Fliegerhorst und der Flughafen entstanden, bis zur Zeit des 2. Weltkriegs übrigens 2 Pfarrerköchinnen gehabt: eine für sich und den Verwalter und Gäste, und eine fürs Gesinde …

Liebe Brüder und Schwestern, zum Glück sind wir alle bereits in einer Demokratie geboren worden und erzogen worden.

Bei Gott gibt es keine Rangunterschiede zwischen Menschen.

Und das hat Jesus sicher auch im Blick gehabt: Unter Glaubenden spirituellen Menschen gibt es auch so eine Art Wettbewerb oder Hierarchiebildung: Wer ist frömmer, wer betet mehr, wer ist fortgeschrittener im geistlichen Leben, näher bei Gott z. B. …

Eine Weisheitsgeschichte erzählt:

Einige Mönche streiten, wer von ihnen Gott näher sei. Ich bete länger, sagt der eine. Ich bin schon länger Mönch, sagt der nächste. Ich halte das Fasten am längsten durch. Ich die Stille und Einsamkeit. Ich begeistere am meisten durch meine Predigt. Ich bewege die Menschen zu großen Spendenbeträgen …… Und so geht es eine Zeit weiter …

Bis der Meister sagt: Am frömmsten von allen, weitaus frömmer als ihr, ist diese Bäurin, die da gerade vom Feld kommt.

Was, die? Schreien sie durcheinander – die betet doch fast nie… und im Tempel sieht man sie auch nur, wenn es unbedingt sein muss…

Gefäß in flacher Schale tragen ohne zu verschütten mit Wasser – im Kloster und auf der Hauptstraße. Zweiteres unmöglich.

Der Meister sagt: Ja, ihr betet viel. Mitunter den ganzen Tag.

Aber diese Bäurin arbeitet täglich hart auf dem Feld, versorgt ihre 6 Kinder und den gesamten Haushalt und hat oft keine freie Minute. Wenn sie am Morgen und Abend für einen kurzen Augenblick ihre Augen zum Himmel erhebt und ein kurzes Gebet stammelt oder auch nur einen Gedanken fasst, weil sie bei alldem nicht auf Gott vergisst, hat das droben mehr Gewicht als eure ausgesuchten Worte, für die ihr alle Zeit der Welt habt.

Gottes Tisch ist aber eine Tafelrunde. Jeder mit der gleichen Entfernung oder Nähe.

Am 7. August hatte ich ein eindrucksvolles Erlebnis von Hilfsbereitschaft.

Auf dem Weg zur Puckinger Kirche kam mir gleich nach meiner Hauseinfahrt mit stark überhöhter Geschwindigkeit ein weißes Auto entgegen. Reflexartig “sprang” ich mit meinem PKW einen Meter nach rechts – auf den Gehsteig.

Noch etwas erschrocken setzte ich dann die Fahrt fort, schließlich hatte ich den Gottesdienst zu halten.

Im Verlauf der Fahrt, nach vielleicht eineinhalb Kilometern, leuchtete die Anzeige auf: Reifendruck niedrig. Er wurde immer niedriger, bis ich vor Hasenufer bei der dortigen Bushaltestelle an den Fahrbahnrand fhhr und stehen blieb.

Was tun?

Diakon sowie Gattin gingen nicht an ihr Mobiltelefon.

Also: Ein ehemaliger Pfarrgemeinderat, der unwahrscheinlich viele Menschen kennt … er war am Telefon, sagte: Ich bin in 5 Minuten bei dir – chauffierte mich zur Kirche, ich gab ihm meinen Autoschlüssel, hielt den Gottesdienst – und bald danach rief er mich an: Du hast schon einen neuen Reifen drauf …

Der Reifenhändler Eckmann in Haid hatte am Sonntag Vormittag extra aufgesperrt und gearbeitet…

Auch das Autohaus in Lunz am See, das ich noch am Vormittag anrief, war am Telefon und versprach, den passenden Reifen – es war ein nicht zum Modell gehöriger Reifen drauf – gleich am Montag zu bestellen…

Als ich den zur Verfügung gestellten Autoreifen nach der Urlaubswoche in Lunz zur Fa. Eckmann zurückbrachte, hieß es: Danke, das kostet nichts.

Ich finde das Verhalten aller Beteiligten sensationell!

Predigt                                                    Sonntag, 21. 8. 2022, 9.00

Liebe Brüder und Schwestern!

„Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel – weil wir so brav sind …“ …Sie kennen dieses Lied, haben es vermutlich auch schon selber gesungen.

Gerade haben wir gehört: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen …“ – was stimmt jetzt?

Ist das jetzt eine Drohbotschaft?

Will uns Jesus Angst machen?

Die Jünger fragen Jesus: Sind es nur wenige, die gerettet werden?

Was bedeutet das eigentlich: „gerettet werden“?

Jesus ist der Retter. Erlöser, Messias. Alle möchte er zu Gott führen, zum Heil, zu Freude, Fülle, Frieden…

In der Lesung haben wir das schöne Bild von den Menschen, die getragen werden von Gott persönlich ins vollendete himmlische Jerusalem.

Jesus lässt uns aber die Freiheit. Er benötigt unsere Zustimmung, dass wir uns von ihm tragen lassen. Er rettet niemanden zwangsweise, gegen unseren Willen.

Es gibt einen alten Witz, vor 20 Jahren wurde er über den Bischof Krenn erzählt, aber die Geschichte ist viel älter.

Also: Nach einem sintflutartigen Regen wacht der Bischof Krenn in der Früh auf und schaut aus dem Fenster. Das Wasser steht schon fast bis in den 1. Stock und gerade fährt ein Schlauchboot draußen vorbei und die Rettungsleute sagen. „Herr Bischof, schnell, steigen Sie ein, wir bringen sie hier raus.“

Der Bischof antwortet: „Nein danke, der Herr wird mich retten.“

Das Hochwasser steigt weiter, der Bischof geht 2 Stockwerke höher in den Dachboden. Dort fährt wieder ein Boot vorbei und will ihn retten. Er sagt: „Nein, danke, ich warte. Der Herr wird mich bestimmt retten.“

Das Wasser steigt weiter, der Bischof klettert auf den Domturm, und als er sich ganz oben an der Spitze anklammert, kommt ein Hubschrauber vorbei, die Rettungsleute drin sagen: Jetzt aber rasch, Herr Bischof, es ist höchste Zeit, steigen Sie ein …!“

Bischof Krenn antwortet: „Danke, sehr nett, aber nein – der Herr wird mich retten.“

Das Wasser steigt weiter, er geht unter und ertrinkt. Im Himmel begegnet er Jesus. Sofort macht er ihm Vorwürfe: Also wirklich, Jesus, ich hab so sehr auf dich vertraut, warum hast du mich nicht gerettet …?“

Jesus antwortet: „Du bist gut – ich habe dir doch 2 Rettungsboote und einen Hubschrauber geschickt … wieso hast du sie denn nicht benützt?“

Die Erzählung zeigt eine ungesunde Art von Frömmigkeit auf, da gibt es nur den Blick auf Gott, Mitmenschen werden absolut ausgeblendet.

Die Frommen zur Zeit Jesu waren wirklich fromm, gläubig, haben die Gesetze und Religionsvorschriften bis aufs I-Tüpferl eingehalten, und haben Jesus zugehört, mit ihm über religiöse Fragen diskutiert, ihn live erlebt, mit ihm gegessen und getrunken.

Aber eines haben sie nicht: Getan, was er wollte.

Ihre Herzen geöffnet. Menschen als Geschwister wahrgenommen.

Und so haben sie zwar ein religiöses Erlebnis oder intellektuelle Bereicherung oder sogar Sensationen ev. erlebt – aber alles blieb beim Alten.

Nichts ist neu geworden. Neu im Sinne Jesu, das Reich Gottes konnte nicht anbrechen bei ihnen.

Und warum nicht?

Sie haben sich nicht getraut.

Sie wollten brav sein, damit sie in den Himmel kommen.

Was bedeutet das denn, brav sein? – Leider nicht das, was es im Mittelalter bedeutet hat: nämlich tüchtig, tapfer, beherzt, unerschrocken, mutig…

Im Lied geht es übrigens im Text folgendermaßen weiter:

„Das sieht sogar Petrus ein …“ … Nein, der sieht das ganz und gar nicht ein. Er selber war nämlich BRAV im alten Wortsinn: Beherzt, ein Mensch der Tat – mit dem Potential, Fehler zu machen, und das hat er, und mit der Bereitschaft, sich vergeben zu lassen, was bedeutet: die Chance zum Dazulernen ergreifen.

Das ist Himmel. Die Welt Gottes: Wir sind kreativ und tüchtig. Und deswegen machen wir Fehler. Aber das ist normal und gesund.

Der Himmel ist keine Beamtenburg. Mein Opa hat in seinem Büro einen Spruch aufgehängt gehabt, der hat mich als Volksschulkind fasziniert:

Wer arbeitet, macht Fehler.

Wer viel arbeitet, macht viele Fehler.

Wer wenig arbeitet, macht wenig Fehler.

Wer wenig Fehler macht, wird befördert.

Wer keine Fehler macht …                             ist ein fauler Hund.

Oder wie Willi Hoffsümmer schreibt: Ein Mensch erschien vor dem Gericht des Herrn und sprach: „Siehe, Herr, ich habe dein Gesetz beachtet, habe nichts Unrechtes, Böses oder Frevelhaftes getan. Herr, meine Hände sind rein.“ Gott antwortet: „Ohne Zweifel, doch sie sind leer.“

Menschliche ängstliche Denkweise ist: Nur ja keine Fehler machen!

Wer glaubt, in den Himmel kommen zu können, sobald er/sie keine Fehler mehr hat, ist auf dem falschen Dampfer…

Wer das Risiko zum Fehlermachen eingeht und weiter bereit ist dazu – sich die Hände schmutzig zu machen, macht es im Sinne Jesu richtig.

Wir können üben, uns auf die Denkweise Gottes einzustellen. Wir können üben und lernen, uns beschenken zu lassen. Jetzt, in unserem unperfekten Tun und dann am Ende unseres unperfekten Hierseins…

Predigt                                                                 17. 7. 2022

Liebe Brüder und Schwestern!

Aha – möchte uns Jesus etwa faul und untätig haben? Oder was soll das heute wieder im Evangelium? Sollen wir nur mehr beten und nicht mehr arbeiten?

Oder: ist unsere Vorstellung davon, was produktiv sein bedeutet, verkehrt? Zu eng, überholt? Hat Gott andere Maßstäbe als wir?

Stellen wir uns diese Situation, die geschildert wird, ganz konkret vor. Es kommt seltener Besuch. Die Hausfrau ist nicht wirklich greifbar, weil sie ununterbrochen herumsaust um besondere Festmenübestandteile zu zaubern zu ordern – es war ja ein vornehmes Haus mit Dienern, das Beste vom Besten soll es sei, ist ja ein denkbar vornehmer Gast.

Dieser Gast ist extra gekommen – warum? Um mit den Menschen, die er besucht, Kontakt zu pflegen. Um sich mit der Hausfrau, mit der Hausherrin, denn das war Martha, zu unterhalten, auszutauschen. Der Besuch gilt – ihr und dem Bruder Lazarus und der kleinen Schwester Maria … Der Gast würde sich über ein weniger aufwändiges Mahl, dafür über die Gesellschaft seiner lieben Freundin, durchaus mehr freuen.

Persönliche Beziehung ist wichtiger als äußere Perfektion.

Dann ist da die 2. Ebene – der Besuch, der da kommt, ist wie auch schon in der Lesung – Gott in Menschengestalt, Jesus.

Maria hat das Bessere erwählt, weil sie das wahrnimmt. Und entsprechend handelt – sie tut das Angemessene: sie begibt sich in seine Nähe, hört zu, nimmt ihn ernst, nimmt seine Botschaft in sich auf.

Uns geht es ja oft so: Wir sind wie Martha total beschäftigt – und zwar in kirchlichen Belangen, denn sie tut durchaus etwas für Jesus, für Gott – wie die vielen Ehren- und Hauptamtlichen, die in dieser und anderen Pfarren unermüdlich tätig sind – Fast hätt ich gesagt. Rastlos tätig sind. Denn genau das wäre verkehrt.

In Braunau – St. Franziskus habe einmal folgendes erlebt: Einer der Firmbegleiter und ich trugen 10 schwere Tische vom Keller ins Erdgeschoß, damit beim Eltern- und Patenabend am Abend des gleichen Tages die Leute im schönen Raum bei Tischen sitzen könnten. Wir machten das gleich in der Früh; der Firmbegleiter ging dann in die Arbeit, ich in den Schulunterricht.

Kurz nach Mittag rief mich eine sehr ordnungsliebende, fleißige Mitarbeiterin der Pfarre an und erklärte empört: „Also, die Leute sind wirklich furchtbar. Da lassen sie einfach 10 Tische mitten am Gang zur Kirche stehen Was denken sich die dabei?

Ich habe alle wieder in den Keller getragen!“

Wieviel Pläne wurden – in unserer Diözese, im Pfarrgemeinderat, in der einen oder anderen Gruppe oder Fachausschuss – schon gemacht, wieviel Seelsorgskonzepte existieren und füllen Bibliotheken, wieviel Ratgeber für Verkündigung und Liturgie kann man erwerben – und doch übersieht man oft das einzig Wichtige:

Auf Gott, auf Jesus selbst zu hören.

Beten.

Mit ihm in Kontakt treten, zuhören, mit dem Herzen hinspüren, was er gerade von mir, genau von diesem Gremium, exakt in dieser speziellen Situation, … will, was es braucht, was wirklich gut ist und angemessen. Und nicht nur Beschäftigungstherapie.

Seien wir ehrlich: Das persönliche Beten, überhaupt die Pflege unserer Spiritualität, da gehört Kunst, Kultur, Nichtstun dazu,  fällt oft unserer unermüdlichen Tätigkeit, unserer Überbeschäftigung zum Opfer.

Wie in den zwischenmenschlichen Beziehungen, dort ist es auch nicht das Wahre, machen wir es auch in der Freundschaft mit Jesus Christus: Wenn es stressig wird, wenn die Zeit knapp ist, sparen wir die Beziehungspflege ein, lassen wir die Kommunikation verarmen, …

Und dann wundern wir uns, wieso unsere Bemühungen ins Leere laufen…

Wir benötigen unbedingt den Austausch mit Gott, so bekommen wir Energie, Ideen, Ausdauer, …

Und dann gibt es noch eine dritte Ebene, eine Schieflage, die hier durch Jesus zurechtgerückt wird. Maria tut etwas, was zwar im Jünger- und Jüngerinnenkreis um Jesus üblich geworden war, was aber für das damalige und auch das heutige Judentum in seiner orthodoxen oder ultraorthodoxen Form unerhört ist: Sie sitzt zu Füßen des Rabbi, das ist die Position des Rabbinerschülers, des Jüngers. Sie hört den Ausführungen des Meisters zu und diskutiert vielleicht nicht heute, aber später mit. Und Schüler/in eines Rabbi zu sein hat ein Ziel: selber einer zu werden, zu lehren, schriftkundig zu sein.

Im orthodoxen Judentum dürfen Frauen die Hl. Schrift nicht lesen und auch die Torarolle nicht berühren – denn da drin ist Gott anwesend, und Frauen sind – unrein.

Die große Schwester Marta verhält sich umgekehrt genau so, wie es von der vorbildlichen jüdischen – und auch Jahrtausende lang christlichen – Hausfrau erwartet wurde (und wird).

Wenn Jesus jetzt das Verhalten Marias als vorbildlich lobt und Marta freundschaftlich tadelt – so in der Art – geh Marta, jetzt kennst mi schon so lang, denk do amal nach – dann rückt er die Rolle der Frauen zurecht – in die Richtung, wie es Gottes Absicht besser entspricht.

Der Platz der Frau ist laut Jesus im Kreis der Jünger/innen, bei der Theologie, in der Diskussionsrunde, dort wo Gesetze gemacht werden, denn genau das geschah unter Schriftgelehrten und Gesetzeslehrern, sichtbar und hörbar in der Öffentlichkeit. Nicht wie die Stammmutter Sara, die noch vom Zelt aus zuhört …

Es soll eine Aufmunterung für Marta sein und für alle Frauen, die heute noch -nicht nur – im orientalischen Bereich es allzuoft für normal, gottgegeben halten, sich mit dem privaten Bereich, mit Küche und Haushalt zu begnügen. Sondern das Bessere, ein besseres Los, zu wählen.

Jesus zeigt Gottes Menschenfreundlichkeit und Gerechtigkeit.

Und ich wünsche uns, Ihnen und mir, dieser zu vertrauen, sie annehmen zu wollen.

Liebe Brüder und Schwestern!

Wieder eine der bekanntesten Stellen der Bibel, weltweit und religionsübergreifend …

Das Markenzeichen von uns Christen st also die Nächstenliebe.

Da wird keiner widersprechen.

Aber geht es uns nicht ganz ähnlich wie dem frommen Pharisäer im Evangelium? Keiner der damals gläubigen Juden hätte das Gebot in Frage gestellt, den Nächsten zu lieben. Das galt als selbstverständlich.

Allerdings hat es im Bewusstsein der Menschen ganz enge Vorstellungen gegeben, wer dieser Nächste denn ist.

Und so ist es bei uns auch, fürchte ich.

Schauen wir uns an, wie Jesus das vorherrschende Bewusstsein aufdehnt.

Und zwar in provokanter Weise.

Ein Mann wird von einer Räuberbande überfallen und liegt halbtot am Straßenrand.

Zuerst erzählt Jesus einmal, wer ihm aller NICHT hilft:

Ein Priester und ein Levit; die haben nämlich keine Zeit bzw. wollen sich die Hände nicht schmutzig machen. Der Priester darf nicht mit Blut in Berührung kommen, dann könnte er am gleichen Tag beim Opfer im Tempel seinen Dienst nicht mehr versehen. Davon abgesehen würde er zu spät kommen.

Es wäre das absolut Normale und selbstverständliche, einem, der da liegt, zu helfen.

Da sehen wir, wie sich Religion und ihre Bestimmungen von wahrer Frömmigkeit entfernen können – beinahe unbemerkt.

Wir haben auch in unserer Kirche eine Menge Verfestigungen und Gebräuche, die einige Tonangebende als katholische Lehre und unverzichtbar ansehen, die aber mit dem Evangelium Jesu Christi und mit dem Heil der Menschen rein gar nichts zu tun haben – ja kontraproduktiv, störend sind. Massen

Aber es gibt noch viel Ärgeres: In Amerika, Nord wie Süd, gehen Menschen frommen Herzens in die Kirche, und sie meinen es ehrlich. Es fällt ihnen nicht einmal auf, dass es das Natürliche und Normale und mitmenschlich Erwartbare ist, dafür zu sorgen, dass Angestellte so verdienen, dass sie gut leben können. Dass Kleinbauern auch das Recht auf Privatbesitz, Grund und Boden haben – sie selbst, die Großen, pochen ja so darauf. Dass es bei Gott keinen Unterschied gibt, dass alle, arm und reich, gleich viel wert sind. Hautfarbe, Herkunft egal …

In unserem Land gehen ebenfalls Menschen gut gläubig, fromm, in die Kirche, die Menschen ohne mit der Wimper zu zucken ihre Menschenrechte absprechen, sobald sie aus Afrika und Asien kommen und eine dunklere Hautfarbe haben.

Sie kommen nicht einmal auf die Idee, dass sich ihre Denkweise mit dem Christentum nicht vereinbaren lässt.

Es wäre das Natürliche und Normale, einem, der Schutz sucht, beizustehen.

Schauen wir weiter im Evangelium:

Jesus erzählt weiter, WER hilft: Ein verhasster Ausländer, Glaubensabtrünniger.

Es spielt keine Rolle, es darf keine Rolle spielen, meint Jesus, welchen Glauben jemand hat, aus welchem Land er kommt man kann nicht theoretisch festlegen und per Gesetz verordnen, wer der „Nächste“ ist – jede/r kann es plötzlich sein, wenn ich auf ihn/Sie treffe. Es hat sehr viel mit Offenheit für die Anregungen des Heiligen Geistes zu tun.

Jahrhundertelang sind bei uns Menschen fromm und im guten Glauben in die Kirche gegangen – und tun es noch heute, in vielen Ländern der Erde, auch bei uns – kommen nicht auf die Idee, dass eine Frau ihre Nächste sein könnte: dass sie z. B. genauso viel Lohn bekommt für die Arbeit, gleiche Rechte haben könnte … Dass das was zu tun hat mit der Armutsgefährdung vieler Familien und der realen Not vieler Rentnerinnen bei uns – und mit der Not in den Ländern der sogenannten 3. Welt …

Liebe Brüder und Schwestern!

Lassen wir uns von Jesus, unserem Herrn, neu provozieren – herausrufen aus festgefahrenen Mustern.

Dieses Anecken, gegen den Strom Schwimmen, sich unbeliebt machen – ist nämlich geradeso ein Markenzeichen der Christen wie die Caritas. Das lateinische Wort für „Nächstenliebe“. Caritas ist wenn sie Qualität hat, immer zugleich eine Provokation für die Umgebung, für das Bürgertum, für die Zufriedenen und Satten: sie legt nämlich den Finger in die Wunden der Gesellschaft, zeigt die Ursachen auf, warum es die überhaupt gibt, und das ist eigentlich der Skandal, um die sie sich kümmert.

Die Armen, Einsamen, Traurigen, Randgruppen, Leidenden aller Art, die es in der Christenheit im Grunde gar nicht geben dürfte.

Denken wir aber jetzt nicht nur an „die anderen“. Immer wieder, wenn es um konkrete Hilfe für jemand geht, höre ich als Ausrede: „Ich bin doch nicht die Mutter Teresa.“ Wie komm grad ich dazu, zu helfen, ist gemeint. Da könnte ja jeder kommen. Da denk ich mir: Eigentlich ist es noch viel ärger: Jeder Christ repräsentiert in dieser Welt Jesus Christus – und wir sollten es da durchaus so tun, dass er erkennbar wird. Uns so verhalten, wie er es tun würde.

Machen wir uns die Hände schmutzig. Kündigen wir so manche unserer Verpflichtungen auf, um Zeit und Luft zu bekommen für das Wesentliche. Stellen wir das Heil der Menschen an die 1. Stelle.

Amen.

Ein Ausflug, den ich wirklich empfehlen kann: Die Salzwelten in Bad Dürrnberg.

Zwischen 9.00 und 17.00 hat man im Viertel- oder Halbstundentakt die Möglichkeit, das Salzbergwerk zu besichtigen.

Kosten für Erwachsene: 30 Euro.

Dauer: 90 Minuten.

Es beginnt mit einem Film, dann wird die Schutzkleidung angezogen.

Dann die Einfahrt in den Stollen, ca. 600 m weit.

Einen weiteren Kilometer legen BesucherInnen zu Fuß zurück.

Man sieht 4 weitere Filme über die Geschichte des Salzabbaus von den Kelten bis zur Gegenwart und lernt Methoden dazu kennen.

Die Führung ist 1a – kompetent, umsichtig, fröhlich, mit Humor.

Es wird gerutscht und mit dem Boot über den unterirdischen Salzsee gefahren.

Ein gelungener Nachmittag.

Zusatzinfo: Der Kaffee im Bistro ist ein Gedicht!

Ich lade euch herzlich ein, an meiner Veranstaltung teilzunehmen:

Heil an Leib und Seele,

Ein Trainings-, Erlebnis- und Genusstag.

Leiden ist im Leben als Anstoß zur Entwicklung vorgesehen – immer gibt es erfrischend originelle Lösungswege.

Spirituelle Übungen, theologische und naturkundliche Kurzvorträge, gemeinsames Zubereiten eines einfachen Mittagslunchs und eines abendlichen Festmahls. Einzeltraining je nach Bedarf – Methoden der traditionellen europäischen Medizin und des Schamanismus.

Freitag, 26. August 2022, 9.30 – 20.00

Lunz am See, Lüftleck 13

Kosten: 180,-

Anmeldung: dagmar.ruhm@kostbarleben.jetzt IBAN: AT152025600000020800 BIC: SPSPAT21XXX

Ab Herbst (Beginn: 20. September) auch als fortlaufender Kurs über 2 Monate buchbar. 2.200,-

h

T

Vor 20 Jahren wurden auf einem Donauschiff auf der österreichisch-deutschen Grenze 7 Frauen zu katholischen Priesterinnen geweiht.

Es gibt dazu ein Video.

Schaut es euch an – und fasst Mut!

Zu finden auf Youtube.

Und: Schreibt mir eure Meinung!

Kennt ihr die Erfolgsprogramme von Dr. Renee Moore?

Ihr findet Sie durch Googeln oder auf Facebook.

Ist einen zweiten Blick wert!

Predigt                                                       Fronleichnam 2022 Haid

Liede Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Wir glauben ja und feiern es heute extra: Jesus ist gegenwärtig. Im allerheiligsten Altarsakrament, wie es theologisch formuliert heißt.

Aber in der Kirche, beim Gottesdienst oder vor dem Tabernakel – und da halten wir uns ja im Normalfall, im Alltag, nicht auf.

Also wo ist er? Wo können wir Jesus heute finden?

Wir werden nachher, nach dem Gottesdienst hinausgehen auf den Stadtplatz und zu unserem Mahnmal vor der Kirche. An vielen Orten der katholischen Welt gehen die Fronleichnamsprozessionen hinaus – auf die Felder, durch die Städte und Ortschaften, an Gemeindeämtern, Geschäften. Krankenhäusern, Altenheimen, Betrieben und Fabriken, Wohnblöcken vorbei …

All diese Orte, so möchten wir es, sollen gesegnet werden durch die Gegenwart Gottes, die Gegenwart Jesu –

Und was ist, wenn die Prozession wieder vorbei ist?

Ist dann Jesus auch noch da – an unseren Alltagsorten – oder nicht?

Die Menschen haben sich früher vorgestellt: Da ist die Welt, das Irdische, Materielle die Vorstellung kommt aus der griechischen Antike, und geistert noch immer in unseren Denkmodellen herum: Geist ist gut, Materie irgendwie schlechter, 2.rangig oder so.  – irgendwie unvollständig, nicht ganz so gut … und das braucht den Segen durch das Göttliche, geistige, eine himmlische Macht …

Und das natürlich immer wieder, weil es mit der Zeit verpufft oder nicht mehr so wirksam ist …!

Stellen wir uns da etwas Richtiges und Wahres vor?

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren: Gott findet das ein bisschen seltsam …

Oder ist es viel mehr so:  Gott wird in Jesus Mensch, ganz und vollständig … das Baby Jesus ist total angewiesen auf Fürsorge, Muttermilch, Windeln wechseln, baden, Streicheleinheiten … abhängig von Temperatur, Wasser, Luft, … Gott wird materiell, begibt sich in diese Welt — dann wäre ja das Fronleichnamsfest die logische Folge, der logische Endpunkt von dem, was zu Weihnachten begonnen hat …

In der griechischen Antike hat man sich als Ideal vorgestellt: der Mensch wird göttlich. Also immateriell.

Das ist aber ein großer Irrtum. Im Christentum besteht die Erlösung gerade darin, dass umgekehrt Gott materiell, sterblich wird.

Gott ist ganz in dieser Welt zuhause, in der Sphäre des irdisch – Sichtbaren und Angreifbaren.

Der Segen besteht gerade darin, dass Gott nicht mehr extra von außen kommt, sondern er ist schon mitten drin. Untrennbar mit dem Alltäglichen verwoben …

Anbauen und Ernten, kochen und essen, wohnen und arbeiten und einkaufen und Freizeitaktivitäten – es gibt keinen Bereich, wo Gott nicht ist.

Es gilt nicht mehr Profan oder sakral. Die Trennung ist aufgehoben.

Und das hat Folgen.

Diese Erde und ihre Güter, Boden, Wasser, Luft, alles was wächst, Lebewesen, Pflanzen und Tiere möchten so behandelt werden, wie es Gott zukommt. Mit Ehrfurcht und Sorgfalt.

Weil wir Gott essen und trinken dürfen im Sakrament – dürfen wir alles essen und trinken ohne Ausnahme. Allerdings nicht unbedacht einfach so – sondern mit Ehrfurcht vor allem Lebendigen.

Und mit unseren Mitmenschen dürfen wir nur so umgehen, wie wir mit Gott umgehen würden Wir erinnern uns an diese andere Sache, von der Jesus einmal spricht: Was ihr dem geringsten Menschen getan habt, habt ihr mir getan.

Diese Welt ist nichts Profanes oder gar Gottloses – in Jesus hat er/sie sich in diese Welt hineinbegeben. Und zwar nicht probeweise oder nur mal so zum Ausprobieren wie vielleicht im orientalischen Märchen von Harun al Raschid, dem Kalifen, der verkleidet als einfacher Bürger erforscht, ob es in seinem Land ordentlich zugeht.

Sondern in echt.

Und er ist nicht wieder aus ihr weggegangen …

Gott ist in der Ukraine an der Front. Im russischen Arbeitslager. Im afrikanischen Hungergebiet, In der Klinik. Im Supermarkt. Im Fitnesstempel. Im Kino. Im Nachtlokal. Im Parlament. In der Schule, im Kindergarten, auf der Universität, im Gefängnis. In den Familien.

Niemals mehr ist es gleichgültig, was wir tun oder ob wir etwas tun oder nicht.

Wer durch das Essen des heiligen Brotes mit Jesus verbunden ist, kann sich niemals mehr heraushalten. Denn wir sind an ihn gebunden. Wir sind mitten drin mit ihm.