Die bekannte Empörungsreaktion auf das Schild, das vor einigen Tagen am Rand der Einfallstraße nach St. Pölten einen gut sichtbaren Platz bekam, lautet: „Das verletzt religiöse Gefühle!“ Fragt sich nur: von wem? Und wer stellt die Frage, wie sehr die religiösen Gefühle von Frauen über die Zeit hinweg verletzt wurden und noch werden, wenn immer nur von einem männlich vorgestellten „Gott“ die Rede sein durfte?

Also ein bisschen genauer: Das Christentum kennt die göttliche Dreifaltigkeit. Doch anders, als so mancher es sich vorzustellen gewohnt ist – Vater – Sohn – Heiliger Geist.

Denn: Der Gottesname JHWH ist geschlechtsneutral – oder überhaupt fernab jeglicher Zuschreibung welchen Genders auch immer, insofern es sich um eine Verbform handelt: „Ich bin da“ (in der Nuance „für euch“).

Jesus (Jeschua = JHWH rettet) war als Mensch männlichen Geschlechts. Wäre er weiblich auf die Welt gekommen, hätte er in der damaligen patriarchalen Welt und Gesellschaftsordnung wohl kaum eine Chance gehabt, seine Botschaft zu verbreiten.

Gesprochen hat er vom „Vater im Himmel“, allerdings nicht, um die göttliche Männlichkeit zu betonen, sondern um die Liebe, Nähe und Sorge JHWHs zu den Menschen zu vermitteln. Und er hat das Kinderwort „Abba“ („Papa“) verwendet. „Pater“ kam erst in der griechischen Übersetzung ins Neue Testament, Jahrhunderte nach Tod und Auferstehung, als sich das „Christentum“ zu etablieren begann und sich von der ursprünglichen Intention Jesu bereits entfernt hatte.

Hätte Jesus bei seiner Verkündigung über JHWH als „Mama“ gesprochen, wäre er von seinen jüdischen Zuhörern ziemlich rasch eliminiert worden – die mosaische Religion brauchte eine gefühlte Ewigkeit, um sich von den umliegenden Kulten der Muttergottheit (Astarte – Inanna – Ischtar usw.) abzugrenzen und sie als heidnisch und verfolgungswürdig zu stigmatisieren.

Und der „Heilige Geist“? Bei der biblischen Bezeichnung „ruach JHWH“ handelt es sich um ein weibliches Nomen (Hauptwort) – „Lebensatem“, „Lebenskraft, „Schöpfungskraft“, „Kreativität“ … Die Übersetzer haben dies mit dem griechischen „Pneuma“ wiedergegeben, dann zum lateinischen „Spiritus“ und schließlich im Deutschen zu „Geist“ vermännlicht.

Das zweite der „10 Gebote“: „Du sollst dir kein Bild von JHWH machen“ wurde ignoriert, permanent übertreten – Kirchenmänner durch die Predigt, Kunstschaffende durch ihre schriftlichen Formulierungen oder Darstellungen; man denke an Michelangelos älteren Mann mit weißem Bart …

Wenn jetzt einmal „Göttin“ steht, ist das kein Grund zur Aufregung, sondern zur Freude, ja recht und billig, weil das falsche einseitige Bild endlich zurechtgerückt wird.

Davon abgesehen bin ich stolz darauf, in einem Land zu leben, in dem Religionsfreiheit gilt. Niemand hat sich zu beschweren, auch wenn Menschen irgendwo Göttinnen im antiken, vorjüdischen oder vorbiblischen Sinn darstellen oder verehren.

Übrigens klebt das Schild auch in meinem Vorzimmer und begrüßt BesucherInnen…

Predigt                                                       24. und 25. 10. 2026

Liebe Gott von ganzem Herzen, mit ganzer Seele und all deiner Kraft – und liebe deinen Nächsten wie dich selbst.

Liebe Brüder und Schwestern!

Unzählige Menschen gibt es, die setzen sich mit großem Eifer und Kompetenz für Mitmenschen in Not oder soziale Anliegen ein: Tafel, die Hospizbewegung, einen Verein zur Resozialisierung Haftentlassener, den Verein Frauenhaus, ein Kinderschutzzentrum, Arbeit für Flüchtlinge usw. – auch viele Private mit ihren Initiativen, auch Feuerwehr und Rettungsdienste z. B. gehören da dazu.

Allerdings vom In-die-Kirche-Gehen oder Beten oder gar Veranstaltungen zur Glaubensvertiefung halten sie wenig bis nichts. „Das brauche ich nicht“, heißt es oft.

2 Kapitel weiter bei Matthäus erfahren wir, dass Jesus diese Menschen überaus schätztt.  „Was ihr dem Geringsten getan habt …“ Wir kennen die Stelle.

Und dennoch meint Jesus im heutigen Evangelium, beides gehört zusammen. Ja sogar noch ein Drittes: Nur wer sich selbst liebt, und zwar in dem Maß, wie sehr er/sie dies tut, ist zur Nächstenliebe fähig.

Es ist wie bei einem Dreieck: die Fläche wird umso größer und das Gebilde umso standfester, je länger jede einzelne Seitenlinie ist.

Zuerst sollen wir Gott lieben. Wie geht das? Wir sollen seine Nähe suchen. Kontakt aufnehmen. Gott liebt nämlich immer zuerst schon uns und wirbt um unsere Freundschaft und Aufmerksamkeit. Er möchte uns beschenken mit Liebe, Fülle, allem, was er zu bieten hat, seinem ganzen Reichtum – aber er hat ein Problem: er braucht unsere Zustimmung dazu.

Gottes Liebe ist umfassend und unwiderruflich. Egal, was wir tun, er steht zu uns. Verlässt uns nicht. Unsere Sünden und Charakterfehler und menschlichen Defizite behindern ihn nicht, uns zu lieben. Wir sind total angenommen, sie behindern aber uns, wenn wir eine schlechte Meinung über uns selber haben, trauen wir uns nicht in seine Nähe und fühlen uns unwürdig, uns beschenken zu lassen.

In der sich ständig weiterentwickelnden Beziehung mit Gott entfalten wir unsere Persönlichkeit, werden wir geduldig mit uns selbst, wir gönnen uns selber das Gute, das von Gott kommt – und mit unseren Mitmenschen können wir das dann auch.

Wer die Mitmenschen aus eigener Kraft zu lieben versucht, hört auf, wenn diese kraft aufgebraucht ist. Wenn man dann weiterzumachen versucht, erschöpft man alle Reserven und begibt sich in die Gefahr des Burnout. Man segelt dann nicht mit dem wind, obwohl es möglich wäre, sondern lebt aus dem begrenzten Tank.

Wir begehen übermorgen/morgen den Nationalfeiertag. Viele fragen seit ca. 2 Jahrzehnten betroffen, wie es kommt, dass in unserem Land trotz vergleichsweise größerem Wohlstand als in den 50er- und 60er-Jahren Egoismus und demokratiefeindliche Anschauungen immer mehr um sich greifen.

Kann das vielleicht damit etwas zu tun haben:

Das Evangelium ist zunehmend unwichtig geworden. Es ist nicht „in“, nach der Lehre einer Großkirche zu leben. Ok. Aber der gesamte spirituelle Reichtum wird beiseitegeschoben, ignoriert.

Es ist kein Wunder, dass die Kraft zur Nächstenliebe fehlt – die würde man ja aus der persönlichen Beziehung zu Gott, zu Jesus, aus den Sakramenten, aus dem eigenen Glaubensleben …  erhalten und täglich auffrischen und auffüllen.

Die Speicher sind aber leer, und man ist vollauf damit beschäftigt, zumindest die Liebe zu sich selbst aufrechterhalten zu können – irgendwie – durch Konsum und Freizeitaktivitäten und spirituelle Rausch- und Dopingmittel, wie sie die Esoterik oder extreme Weltanschauungen bereithalten, aber die feste Nahrung, das tägliche Brot, fehlt, und man weiß es nicht einmal …

Es ist eigentlich ganz logisch, wer selber Not leidet, geistlich unterernährt ist, wie soll der noch für andere etwas übrig haben?

Liebe Brüder und Schwestern, wie fühlt sich Jesus dabei, wenn wir es vorziehen, direkt neben seinen bis oben hin gefüllten Vorratskammern langsam aber sicher zu verhungern und zu verdursten?

Wir sind eingeladen und berufen, in der Fülle Gottes zu leben.

Und wir sind aufgefordert, allen zu zeigen, dass und auf welchem Weg dies auch für sie möglich ist.

Allerheiligen, Allerseelen… ich erinnere mich an Verwandtenbesuche, gemeinsame Friedhofsgänge und ein Festessen, Kaffee und Kuchen. Dass dabei von längst verstorbenen Urgroßmüttern, Onkeln, Tanten und der früheren Zeit erzählt wurde, gehörte dazu. Auch Tod und Sterben gehörten dazu; für mich als Kind und Jugendliche war da nichts mit Angst verbunden. Schließlich erlebte ich immer wieder, mindestens jedes Jahr, ein Begräbnis mit – aufgrund der zahlreichen älteren Geschwister samt Ehegatten meiner Großmutter (sie war das 10. Kind) und meines Großvaters mütterlicherseits.

Möglicherweise jedoch hast Du diese Themen ganz anders erlebt, beklemmend, abschreckend…  Die katholische Kirche sprach ja lange Zeit von Fegefeuer und ewiger Verdammnis, von einer Menge Vorbedingungen, die unerlässlich seien für ein glückliches Dasein im Jenseits. Bei mir bewirkte diese Art der Verkündigung höchstens ungläubiges Staunen.

Vielleicht wurde in Deinem Umfeld auch kräftig geschwiegen. Schwere Krankheit, Sterben und Tod gelten bei vielen Menschen als Tabuthemen, über die man nicht spricht, erst recht nicht in Gegenwart von Kindern…

Und vielleicht suchst Du schon immer nach Antworten, die für Dich stimmig sind. Antworten, die die Menschen aller Epochen und Kulturen gesucht und auf verschiedene Weise gefunden haben, mehr oder weniger vollständig, mehr oder weniger „richtig“…

Der Lebensabschnitt, der sich nicht im Hier und Jetzt, in der physikalisch sicht- und messbaren Welt abspielt, steht uns allen bevor.

Und die Portale in diese „Anderswelt“ sind nicht versperrt.

Wenn Du Dich gern näher mit dem Thema Sterben und Tod, den Zugängen der alten europäischen und der christlichen Geschichte beschäftigen will und auch für die eigene Spiritualität Bereicherndes erfahren willst, bist du herzlich zu meinem nächsten Ritual eingeladen:

Sonntag, 1. 11. 2026, 19.00 – 20.30

Genaueres auf meiner Landingpage und unter „Termine“!

Habt ihr Erfahrungen mit Schamanismus? Vielleicht ein Buch darüber gelesen oder Erzählungen von Bekannten gehört – oder selbst an einer Veranstaltung, einem Angebot oder Seminar teilgenommen?

Die FSSE, Foundation for Shamanic Studies Europe, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Core-Schamanismus nach Michael Harner zu bewahren, zu erforschen, zu praktizieren und weiterzuentwickeln.

Ihr könnt ganz einfach im Internet die Webseite der Foundation finden – und genauso das Buch von Michael Harner.

Ich habe es gelesen und bei der Foundation mehrere Seminare mitgemacht, organisiere und hoste jetzt abwechselnd mit einer Kollegin monatliche Online-Treffen namens „Change & Transformation“.

Seit wenigen Tagen gibt es auf der Webseite der FSSE auch einen interessanten Blog.

Viel Freude bei eurer Entdeckungsreise!

Bei einem gar nicht so langen Spaziergang in der Ratzersdorfer Traisen-Au hat mich die herbstliche Natur mit wunderschönen Farben und Formen beschenkt.

Sonntag, 1. 11. 2026,

19.00 – 20.30 Uhr – online      

Teilnahmebeitrag: EUR 50,-                                    

 Seit es uns Menschen gibt, glauben wir an eine   

 Dimension, in der wir nach dem irdischen Tod

 Weiterleben. Es gibt unterschiedliche Bräuche und    

 Riten für ein gutes „Danach“, den Übergang dorthin und

 für den Umgang mit Trauer.

 Samhain markierte zudem den Übergang von der  

 Üppigkeit zur Ruhe von Vegetation und damit

 verbundener Arbeit. Winterbeginn bei den Alten,

 Beginn des „Hexenjahres“, Zeit der Meditation, der

 geistigen Tätigkeiten…

Was Sie erwartet:

Wissenswertes zur v. a. feministischen Religions- und Kulturgeschichte von Jenseitsvortellungen, Trauer, Tod und Sterben: kreative Übungen, spirituelle Texte/Meditation, Austausch, Ritual mit Weg in die Anderswelt ,,,

Anmeldung bis Freitag, 30. 10. 26, 22.00

Den Zoomlink erhalten Sie am Tag vor dem Ritual per Mail, die Rechnung danach.

Mail: dagmar.ruhm@kostbarleben.jetzt   oder: 

Ich habe mein Diplom bekommen!

Ab sofort darf ich mein neues Angebot bewerben – denn: Fertig ist es schon.

Trainings- und Begleitprogramm zur ganzheitlichen Gesundheitsförderung in 12 Schritten.

Folgendes steht – unter anderem – in meiner Beurteilung:

Aber jetzt mal herzlichen Glückwunsch zur Abgabe deiner Diplomarbeit! Es ist wirklich beeindruckend und ein absolutes „Wow“, was du in deinem Leben schon alles gelernt und geleistet hast. Von deiner Ausbildung zur TEM-Praktikerin über deine langjährige seelsorgerische Arbeit bis hin zu deiner Selbstständigkeit als Energetikerin bringst du einen unschätzbaren Schatz an Lebenserfahrung mit. Dass du dieses Fundament nun mit der Ausbildung zur Ganzheitlichen Ernährungstrainerin abrundest und dein gebündeltes Wissen in Form eines 12-Schritte-Programms an Firmen und Einzelpersonen weitergibst, ist einfach großartig. Deine Einleitung ist wunderbar persönlich und zeigt sofort deine tiefe Motivation für dieses Thema.

(Mag. (FH) Sigrid Ornetzeder)

Kurz: Ich freu mich!

Besonders lustige Eindrücke aus der Zeit meiner Tätigkeit als Pfarrassistentin habe ich auf Wunsch erzählt – meiner Nachfolgerin hat es gefallen…

Googelt gern „Pfarrgemeinde St. Franziskus“ und schaut euch mehr an!

Gestern war ich bei der Filmpremiere im Cinema Paradiso in St. Pölten.

Heute habe ich deswegen wieder einmal, nach längerer Zeit, eine Filmempfehlung für euch: „Bruno. Der junge Kreisky“.

Das Leben des ehemaligen österreichischen Spitzenpolitikers und langjährigen Bundeskanzlers Dr. Bruno Kreisky zwischen seinem 16. und 27. Lebensjahr.

Nicht nur über ihn wird erzählt, sondern man erhält Einblick in die damaligen politischen Verhältnisse, Aufbrüche und Konflikte in unserem Land. in die Entwicklung der sozialdemokratischen Partei…

Spannend aufbereitet, super gespielt.

Mein Tipp: Hingehen, anschauen – so schnell wie möglich!

Ich war begeistert, berührt, aufgewühlt.

Nein, es ist kein „schöner“ Film. Aber ein zutiefst ehrlicher und lehrreicher.

Ja, und klar: Schöne Momente gibt es auch…

Wie kommt es dazu, dass Menschen etwas versprechen oder eine Aufgabe übernehmen, es aber nie zur Umsetzung kommt? Wir schimpfen öfter über Politiker, dass sie Wahlversprechen nicht erfüllen.

Die Grundhaltung der leeren Worte ist aber weit verbreitet.

Frage: Wieso?

Ich denke, die, die so handeln, wollen eigentlich ihre Ruhe haben. Um Frager und Bittsteller loszuwerden, sagen sie zu. Und weil sie tatsächlich ihre Ruhe haben wollen, tun sie nichts für die Durchführung.

Vielleicht steckt sogar mangelndes Selbstbewusstsein dahinter: So in etwa: Auf mich wird es schon nicht ankommen, ich bin ja nicht wichtig.

Das jahrhundertelange Abhängigsein von einer Obrigkeit hat epigenetisch seine Spuren hinterlassen.

Wir sind eingeladen zu lernen: Wir sind wichtig, sogar unersetzbar. Jede/r einzelne von uns. Es kommt darauf an, was wir denken, fühlen, sagen, tun.

Menschen, die wichtiger wären als andere, gibt es nicht.