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Vorgestern habe ich auf ein Facebookposting geantwortet, das auf meinem Profil erschien. Da wurde von einem frommen Menschen geschrieben: „Das Wichtigste, das Gott in der Bibel von uns verlangt, ist Demut.“

Aha, dachte ich mir – interessant … ich habe die gesamte Heilige Schrift gelesen und nirgendwo eine diesbezügliche Äußerung oder ein Prophetenwort oder dergleichen bemerkt … Paulus schreibt in einem seiner Briefe „seid demütig“, aber da meint er zwischenmenschliches Verhalten, d. h. das Gegenteil von Überheblichkeit, die Mitmenschen abwertet …

Ich hab also geantwortet: Steht nirgendwo – allerdings lautet die häufigste Aufforderung Gottes an die Menschen: „Fürchtet euch/fürchte dich nicht!“

Woher kommt dieses Demutsgerede? So nach dem Motto: Wir Menschen sind ja so klein und arm, wir haben nichts zu melden, bleibt brav bescheiden, stellt keine Ansprüche …“?

Meiner Meinung nach handelt es sich um einen religiös verbrämten Unterdrückungsmechanismus – denn die, die solches predigen und gerne haben wollen von anderen, die hätten gern, dass ihre Meinung unwidersprochen, dass ihre Stellung unangefochten sei – ob als freikirchlicher Predigtguru oder als Bischof oder oder …

Wenn wer von euch verlangt: seid demütig! – dann nehmt die Alarmglocken ernst, die in euch schrillen. In Wahrheit nämlich ist unser Potential als Menschen unglaublich, unerschöpflich, es muss nur gefördert werden.

Jesus sagt „Ihr seid Götter“. Weil wir nach dem Ebenbild Gottes erschaffen sind: klug, kreativ, mit Gerechtigkeitssinn, liebesfähig, verantwortungsbewusst, machtvoll, schön und wunderbar.

Denke heute einmal kurz darüber nach, wo dies auf euch zutrifft!

Erinnerung: Bis morgen, Sonntag, 16. Juni, 22.00 Uhr könnt ihr euch noch anmelden zum ersten Abend der „Schrägtheologie“ – wenn ihr mehr wissen wollt über Themen wie:

– nein, in der Bibel gibt es KEINE Abwertung von Frauen gegenüber Männern

– nein, der „Sündenfall“ bestand NICHT darin, dass Adam und Eva mehr wissen und können wollten

– nein, der alttestamentliche Schöpfungsmythos und die moderne Wissenschaft widersprechen einander in keiner Weise

… und … und … und …

Am Anfang war die Schöpfung – Eva stammt aus Adams Rippe (also minderwertig und zweitrangig) – das Wichtigste, was Gott verlangt, ist Gehorsam – es geht darum, Gebote zu befolgen – Andersgläubige kommen in die Hölle – …

ODER IST ALLES IN WAHRHEIT GANZ ANDERS…?

Meldet euch gern zu meinem 1. Seminar „Schreck- nein: Schrägtheologie“ an am Dienstag, 18. Juni 2024, vor Ort (begrenzte TeilnehmerInnenzahl) oder online.

Und, ja: Es geht um die Entstehung und den Aufbau des Alten Testaments, um die verschiedenen Gottesbilder darin, um historisch-kritische Bibelauslegung … und um UNS, um DICH und DEINE SPIRITUALITÄT, die zum Leben dient.

Beginn: 19.30

Beitrag: EUR 36,- (Überweisung bis 17. 6. 12.00 bei mir eingelangt) IBAN: AT152025600000020800

BIC: SPSPAT21XXX

dagmar.ruhm@kostbarleben.jetzt

Ihr wisst: Besonders setze ich mich für Frauenrechte und ein lebenswertes Leben besonders von Frauen ein.

In den letzten Wochen höre ich immer wieder die Meinung: Das ist doch ein Luxusproblem! Wir haben auf dieser Erde Krieg, Terror, Migration, Hunger, Krankheit, Klima- und Wirtschaftskrise … man sollte sich doch zuerst einmal um die „echten“ Sorgen der Menschheit kümmern …!

Aber: Das ist ein Trugschluss.

Wenn die Hälfte der Menschheit als minderwertig eingestuft wird, kann es auf diesem Planeten nicht gut zu leben sein.

Gerade in patriarchalen Gesellschaften und autoritären Systemen sind Frauen aufgrund ihres Geschlechts besonders benachteiligt; sie leiden unter den Folgen der Entscheidungen, die Männer getroffen haben, ohne dass sie selbst in die Entscheidungsfindung eingebunden waren oder sich auch nur wehren konnten.

Krieg, Fehlverwendung von natürlichen Ressourcen, Fanatismus im religiösen Bereich, Mangelwirtschaft (Geld für Aufrüstung und Prestigeprojekte statt für Landwirtschaft, Wissenschaft, Bildung und Gesundheit …) – von Männern begonnen, von Frauen – und im Endeffekt von allen Beteiligten – erduldet. Wie wäre die Lage im Gazastreifen, wenn Frauen sämtliche Entscheidungen träfen?

Ich habe brasilianische Basisgemeinden und eine Pfarre in Tansania vor Ort erlebt und weiß um die schlagartige umfassende positive Entwicklung, sobald Frauen Bildung, Entscheidungsmacht und etwas Geld erhalten.

Ist exotisch, das Problem gibt es bei uns nicht?

Heute, am 25. November wird wieder der Tag gegen Gewalt an Frauen begangen.

26 Österreicherinnen wurden in unserem Land seit Jahresbeginn von nahestehenden Männern ermordet.

Frauen – Gattin, Freundin, Tochter, Schwester, Mutter … als Eigentum zu betrachten, die sich dem Willen des Mannes zu beugen haben, wenn nötig mit Gewalt –  und wenn sie mir nicht gehören will, dann auf keinen Fall einem anderen; Wieso gibt es diese Einstellung in einem Land wie unserem noch? Wieso überhaupt? Ich meine: Menschen, Frauen und Männer, egal, und wo immer, werden ja nicht als von vornherein als bösartig und ungerecht geboren …

Die Bibel versucht das Phänomen Geschlechterungleichgewicht (vgl. Gen 3,16) mit einem Mythos zu erklären: als Folge des Sündenfalls.

Da dieser – um in der biblischen Denkweise und Sicht zu bleiben – aufgrund der Erlösung ungeschehen gemacht ist bzw. die Folgen nicht mehr zwingend eintreten, sondern aufgehoben sind, dürften – zumindest! – ChristInnen nicht in einer patriarchalen oder sonstwie ungerechten Ordnung leben und eine solche, wo immer sie auftritt, auf keinen Fall hinnehmen.

Paulus hat das genial erkannt: „Es gilt nicht mehr Mann und Frau, nicht Sklave und Freier, nicht Jude oder Grieche …“ (vgl. Gal 3,28)

Terror – richtet sich immer auch gegen Frauen (der eigenen Gruppe). Im Gazastreifen, in Kenia, im Iran, in Afghanistan zum Beispiel. Bei fundamentalistischen Christen in den USA und anderswo (Opus Dei, Engelwerk …), bei der politischen äußersten rechten Ecke …

Wie kann unser Beitrag zu einer gerechten Welt ausschauen? Höchstwahrscheinlich seid ihr alle, jede einzelne, bei der Veränderung dieser Welt zum Besseren aktiv.

Heute ist auch der Gedenktag der Heiligen Katharina von Alexandrien, Schutzpatronin der TheologInnen und eine der 14 „NothelferInnen“. Sie ist als Märtyrin gestorben – aber zuvor hat sie der Legende nach 500 ägyptische heidnische Priester bzw. Gelehrte durch ihre Predigt überzeugt, so dass sie sich taufen ließen.

Diese Power, dieses Selbstbewusstsein wünsche ich uns allen!

Und eine gute Zeit!

Wovor haben wir Angst?

Einige Antworten, die spontan kamen:

Teuerung, dass ich mir das Heizen, das normale Leben nicht mehr leisten kann

Überfall im Dunkeln, Raub, Gewalt …

öffentlich zu reden, aufzutreten

dass ich bei der Prüfung durchfalle

vor Rasern und rücksichtslosen Autolenkern

vor einem Unfall

mich mit Corona anzustecken

unheilbare Krankheit (Krebs …)

dass die Ehe scheitert

Streit

Arbeitslosigkeit

Es ist ziemlich gemischt. Manche Ängste sind wahrscheinlich gut, weil sie uns im Grunde beschützen, weil wir vorsichtig agieren.

Aber woher kommt z. B. die Angst davor, öffentlich laut zu sprechen vor anderen?

Handelt es sich eigentlich um die Angst vor Ablehnung – weil das, was wir zu sagen haben, beim Publikum auf Ablehnung stoßen könnte? Ist es die Angst, nicht dazuzugehören? sich zu sehr abzuheben von der (unsichtbaren) Masse?

Gehen wir unseren Ängsten am besten auf den Grund.

Und nehmen wir sie nicht zu ernst.

Es kann helfen, Gleichgesinnte oder gleich Leidende zu suchen und sich auszutauschen.

Vor allem: Lassen wir uns von ihnen das Leben nicht vermiesen, die Lebensfreude nicht nehmen, unseren Radius, unser Tun und Sein nicht einschränken.

Dann wäre schon viel gewonnen.

Übrigens: Wissen Sie, wozu in der Bibel Engel und Gott selbst die Menschen am häufigsten auffordern?

„Habt keine Angst!“

Der Heilige Abend ist gekommen. Lies dir das Weihnachtsevangelium durch:

Lk 2, 1-14

Bleib dann ein paar Minuten ruhig sitzen.

Frohes Fest!

Frieden schließen – das haben wir auch in Bezug auf Gott nötig.

Immer wieder einmal ist unser Vertrauen in Gott gestört. Die antrainierten oder althergebrachten Gottesvorstellungen sind stärker als die Vernunft, stärker als die Erinnerung an geglückte Momente der Meditation, der Gebetserfahrung, der verspürten Nähe … so scheint es zumindest.

Ihr wisst es alle, dass Gott sich nicht wie ein Polizist verhält, wie ein Kontrollor, wie ein orientalischer Despot (Gewaltherrscher) der schlimmsten Sorte … aber wir tun so, als ob es so wäre … Wir sagen Gott nicht alles, wir vertrauen uns ihm/ihr nicht offen an. Wir halten etwas zurück.

Manchmal hilft es (ein bisschen zumindest), wenn wir darüber nachdenken, wie Gott ist, sein könnte – und in der Bibel lesen…

Am besten ist es, direkt mit JHWH ins Gespräch zu kommen.

Sag ihm/ihr (Gott ist reiner Geist, weder männlich noch weiblich), was dich beschäftigt, wovor du Angst hast, was du nicht glauben kannst, was du erhoffst und was du dir wünschst.

Wir kommen uns normalerweise von Gott getrennt vor, so als ob wir extra etwas unternehmen müssten, uns bemerkbar machen…

Dabei handelt es sich um einen gewaltigen Irrtum.

Jahwe heißt „Ich bin da“.

Einfach still hinsetzen, durchatmen, aufmerksam werden.

Vor ein paar Tagen habe ich folgendes Buch fertiggelesen: „Die Stille der Frauen“ von Pat Barker.

Der Stoff der Ilias, erzählt aus der Sicht der Briseis. Höchst spannend! Ich habe das Buch kaum aus der Hand gelegt. Natürlich: düster, traurig … außerdem weiß man, wie die Geschichte ausgeht.

Besondere Erkenntnis: Die Menschen damals bzw. die Figuren im Buch beten oft. Briseis‘ Kommentar: Aber die Götter hören nicht, sie hören nicht auf einfache Menschen, sie erhören niemals die Gebete von Sklaven …

Ein immenses Glück, in der Tradition der Bibel aufgewachsen zu sein! Gott hört nicht auf die Gebete von Sklaven?

Ich weiß etwas anderes:

„Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen, und ihre laute Klage über ihre Antreiber habe ich gehört. Ich kenne ihr Leid. Ich bin herabgestiegen, um sie der Hand der Ägypter zu entreißen und aus jenem Land hinaufzuführen in ein schönes, weites Land, in ein Land, in dem Milch und Honig fließen …“ Ex 3,7-8a

Das Buch gibt es z. B. bei Thalia, Libro und in jedem guten Buchgeschäft.

Es gibt eine ganz neue Tendenz: Weiße (nun ja, helle halt, Europäer o. ä.) Menschen dürfen sich nicht für dunkelhöutige engagieren – weil: erst recht Rassismus.

Männer dürfen sich nicht für Frauenrechte einsetzen oder zu Wort melden, – weil: erst recht Sexismus.

Wahrscheinlich existieren noch mehr Varianten …

Meine Meinung. Man kanns auch übertreiben.

Im Geiste Jesu: wer sich engagiert nach bestem Wissen und Gewissen, ist willkommen und bewirkt etwas. Gottes Ruach macht vollkommen, was an unserem wollen und tun unvollkommen sein mag.

Daran glaube ich.

Und: Liebe ist wichtiger als Korrektheit. (steht in der Bibel)

Liebe Brüder und Schwestern!

Die Wüste hat 2 Seiten.

Ich weiß nicht, welche Ihnen momentan eher ins Auge springt.

Für uns ist eine Wüstenlandschaft eher etwas Exotisches, die Schönheit steht im Vordergrund.

Ja, die Wüste ist überwältigend schön. Schon allein die Farben. Der Sand der Sahara: aber auch in Jordanien und Israel: orangerot. Manche Reiseteilnehmer haben sich ein kleines Gefäß mit diesem Sand gefüllt, als Andenken für zu Hause.

Dann die grenzenlose Freiheit. Keine Obrigkeit, der man sich unterordnen müsste.

Die Israeliten nach dem Auszug aus Ägypten haben 40 Jahre in der Wüste verbracht – wenn man es nicht gewohnt ist, muss man Freiheit lernen, Selbstverantwortung.

Claudia Mitscha-Eibl singt im Mirjamlied von der Gefahr, zurückzufliehen – zu den Fleischtöpfen Ägyptens, in die Sicherheit der Sklaverei.

Denn: Das Leben in der Wüste – in der Freiheit – ist anstrengend und gefährlich.

Man muss genau auf jeden Schritt achten. Erfordert genaue Planung: wie viel Wasser und Nahrung brauche ich für welchen Weg. Nur das Wesentliche kann mitgenommen werden, jedes Zuviel bedeutet untragbare, unerträgliche Last.

Man kann verhungern und verdursten.

Sich verirren, auf wilde Tiere stoßen. Orientierung ist gefragt. Die Sterne des Himmels zeigten den Weg.

Fata Morganas, Luftspiegelungen, täuschen Leben und Ziel – Wasser, die rettende Oase – vor, wo keines ist.

Bei einem Unfall kann es sein, dass keine Hilfe kommt.

Am Tag droht der Sonnenstich, in der Nacht die Unterkühlung. Beim Sandsturm kann man ersticken.

Alles ist in der Wüste intensiver als im „normalen“ Leben. Als in der Stadt oder im fruchtbaren Tal.

„Wüste“ steht für eine Ausnahmesituation.

Ein Symbol für Ausnahmesituationen im Leben.

Für Zeiten der Not, Krankheit, Enttäuschung, des Mangels, der Einsamkeit und der Prüfungen, des Scheiterns und Nicht mehr Weiterwissens – wo wir an unsere Grundsubstanz kommen.

An unsere Grenzen.

Wo unsere Filter und Schutzhüllen wegfallen. Kultur, Tradition, Religion, Besitz, Herkunft …

Keine Ablenkung. Unsere Seele liegt bloß – Ausflüchte bringen nicht weiter.

Wir haben alle im letzten Jahr ein Stück „Wüste“ erlebt – die Gefahr des krankwerens, die drohende Not, Arbeitslosigkeit, echteNot durch Isolation, den Mangel an Ablenkung durch kulturelle, sportliche,vereinsmäßige, pfarrliche, … Tätigkeiten, durch Reisen, durch Lokalbesuche, den Freundeskreis, die Verwandtschaft.

Auf uns selbst zurückgeworfen wurden viele – einzeln und innerhalb der Kernfamilie.

In der Wüste und ähnlichen Regionen, z. B. auch bei Bergbauern, gibt es aber noch eine Besonderheit:

Legendär ist die Gastfreundschaft der Beduinen.

In Kargheit und Würde. Ohne Ansehen der Person.

Ausgeliefert sein, das Wissen: wir alle sind aufeinander angewiesen.

Jesus hat das gewagt. Alle Fülle und alle Macht als Gottes Sohn abgelegt.

Die Versuchung war, sich als göttlich und leidfrei zu zeigen, nicht an die Grenze zu kommen, kein Risiko einzugehen.

Wir sind in der Fastenzeit eingeladen, uns in die Wüste zu begeben.

Freiheit zu üben.

Selbstverantwortung. Achtsamkeit – ausprobieren, was ich alles nicht brauche, weil es zuviel ist … trotz Corona sind da immer noch Denkmuster, Abhängigkeiten und Strukturen die unfrei und krank machen …

Aussteigen – nicht für immer, aber für eine gewisse Zeit.

Nicht nur, weil wir diese Erfahrungen brauchen – damit wir mit Extremsituationen, die in unserem Leben auf uns zukommen, besser umgehen können. Wir wissen, was wir alles aushalten. Weil wir es trainiert haben. Menschen, die besser mit dem Lockdown zurechtgekommen sind, haben zuvor geübt!

Aber auch deswegen, weil wir die Erfahrung machen dürfen:

Wo wir uns aus unseren Schutzmauern und Panzern, aus unserer 100fach abgesicherten Zuckerwattewelt ins wirkliche freie und gefährliche Leben hinaustrauen, da hat es Gott ganz leicht, für uns sichtbar zu werden. Da wird die Grenze durchlässig zur „anderen“ Welt.

Es ist zu wünschen, dass wir zu spüren beginnen: da schaut jemand auf uns, der uns liebt.