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Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Hier vorne steht heute ein Erntedankwagen, ein Kindertraktor … Wer möchte mit mir schauen, was drin ist?

Kraut, Kartoffeln, Äpfel, Weintrauben …Aber da ist noch etwas:

Kaffee

T-Shirt – aus Baumwolle

Eine Banane … wächst das bei uns?

Nein, über lange Wege werden diese Produkte aus anderen Erdteilen zu uns nach Mitteleuropa gebracht. Wir haben hier viel mehr zur Verfügung, als bei uns in Österreich wächst. Das ist gut, wenn es einen Austausch gibt.

Aber all das ist gar nicht teuer, sondern kostet nur soviel, dass es sich jeder bei uns kaufen kann. Die Preise werden künstlich niedrig gehalten. Das bedeutet auch, dass die Menschen, die in Afrika, Asien und Lateinamerika in der Landwirtschaft arbeiten, praktisch nichts damit verdienen. Große Firmen besitzen die Pflanzungen, wo sie den Landarbeitern viel zu wenig Lohn bezahlen. Die haben dann kein gutes Leben.

Eine Lösung ist der faire Handel in Zusammenarbeit mit selbständigen Bauern. Da sind Südfrüchte, Kaffee, Kakao und Baumwollkleidung doppelt so teuer, und die Familien in diesen Ländern können leben davon.

Danke, ihr dürft euch ein Erntedankmandala nehmen und wieder auf euren Platz gehen.

Liebe Brüder und Schwestern, bei uns gibt es diese Zusammenhänge auch in ähnlicher Form.

Dies hängt damit zusammen, dass die meisten Menschen immer mehr und mehr und zwar immer günstiger und billiger haben wollen – und alles jederzeit, unabhängig von der Jahreszeit und den regionalen Möglichkeiten.

Erdbeeren und grüner Salat zu Weihnachten … Faschingskrapfen und Lebkuchen das ganze Jahr über …

Das tut uns nicht gut. Aus mehreren Gründen.

Echter Genuss hat viel mit Hingabe an den Augenblick zu tun. Die Freude über die ersten Erdbeeren im Mai, das Schwelgen darin bis Juli … dann die Klaräpfel, Marillen, Pfirsiche, Melonen im Hochsommer … dann die Herbstäpfel, Birnen, Weintrauben, Nüsse … alles zu seiner Zeit und mit Dankbarkeit …

Wenn es alles immer und überall gibt – davon abgesehen, dass dieses künstlich gezüchtete Obst und Gemüse zur falschen Jahreszeit eh nach nichts schmeckt -, ist es nichts Besonderes mehr.

Christen feiern – zumindest grundsätzlich – jeden Sonntag ein Dankefest: Eucharistie, ein arbeitsfreier Tag der Besinnung auf das, was Freude macht, was uns geschenkt ist. Aufgrund unserer Anstrengung, aber weit darüber hinaus …

Dankbar sein erhöht unsere Lebensqualität ganz enorm.

Wahrscheinlich begegnen Ihnen auch immer wieder Menschen, denen nichts passt. Egal was ist, sie finden immer etwas zu meckern. Inzwischen bin ich dazu übergegangen zu glauben: das ist ihr Hobby. Kritisiersucht.

Glücklich wird damit niemand. Nicht die ständig Unzufriedenen und auch nicht die anderen: ich nenne es Ausrottung der Dankbarkeit.

Und schwierig wird es, weil diese Sucht nach immer besser und immer mehr die Erde zerstört.

Wenn wir heute Erntedank feiern: Versuchen wir oder gewöhnen wir uns an, das Gute zu sehen, das Gelungene. Das, was unsere Mitmenschen gut können, wo sie sich bemühen. Gewöhnen wir uns an, zu loben. Wir können das jetzt gleich machen. Drehen wir uns zum linken Nachbarn/Nachbarin und sagen wir ihr/ihm, was uns an diesem Menschen gefällt.

Suchen wir jeden Abend 10 Gründe, an diesem Tag dankbar zu sein. Wir sind gesund. Wir haben genug zu essen. Eine Wohnung, ein Haus, können heizen, wenn es kalt wird, haben Familie, Freunde, Arbeit, wo haben wir gelacht, wem sind wir begegnet?

Wir haben Fähigkeiten. Was haben wir gelernt, dazugelernt Welche Pflanzen und Tiere leben rund um uns …

Ein gutes Buch, ein interessanter Artikel in der Zeitung …ein spannender Film im Fernsehen …und und und.

Reden wir darüber mit dem, der uns das Leben schenkt und erhält. Auch dass der immer da ist für uns, sich freut über uns und stolz ist auf uns, wenn wir Gutes tun und bewirken, ist ein Grund, danke zu sagen.

Wir brauchen es nur zu tun.