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Ja, Klugheit hat mit Wissen und Bildung zu tun.

Ohne wird es nicht funktionieren.

Doch viel zu wissen ist noch nicht gleichbedeutend damit, klug zu sein.

Ich denke, ihr habt schon den Begriff „Lebensklugkeit“ gehört.

Klug in diesem Sinne ist, wer in den verschiedenen Situationen und bei den vielfältigen Herausforderungen des Lebens weiß, was zu tun ist. Nicht automatisch, aber sich die Zeit nimmt zu überlegen.

Es ist nämlich genau das ein Zeichen dieser Klugheit, zu wissen, wann es angebracht ist, sich Zeit zu lassen. Noch einmal nachzudenken. Sich Wissen anzueignen, über das man noch nicht verfügt. Um Hilfe zu bitten, wo man etwas allein nicht schafft.

Die Tugend Klugheit ist verwandt mit echter Demut. Wissen, was man selbst nicht kann – nur Aufgaben zu übernehmen, die man bewältigt. Oder sich die nötigen Mittel zu beschaffen, die Erfolg versprechen.

Und genauso braucht echte Klugheit Mut: die Courage, etwas nicht zu tun, etwas sein zu lassen, etwas nicht haben zu müssen.

Klug ist, wer weiß, was NICHT im eigenen Kompetenzbereich, in der eigenen Zuständigkeit liegt – aber sehr wohl, wer dafür gefragt werden kann.

Die gestern beschriebene Gerechtigkeit braucht die Klugheit. Sie weiß, wie im Einzelfall zu entscheiden ist. Wie die Regeln anzuwenden sind, um Menschen zu helfen – und nicht, um sie zu ärgern.

Klugheit in ihrer menschenfreundlichen Weite ist der Gegensatz zu Engstirnigkeit, zu Dummheit (die übrigens in der Verkleidung von Bildung oder besser Intellektualismus und Besserwisserei daherkommen kann).

Dinge, Ereignisse, Menschen … richtig einordnen zu können mit dem Stellenwert, der ihnen zukommt. Die richtigen Prioritäten setzen.

All das steckt in der Klugheit.

Bild: misterfarmer-Pallas Athene

Gerechtigkeit

Jede/r weiß, was das ist. Oder?

Wenn gute Taten belohnt, schlechte bestraft werden.

Wenn jede/r bekommt, was ihm/ihr zusteht.

Wenn für alle gleiches Recht, die gleichen Regeln gelten – und die Einhaltung garantiert wird.

Ok.

Und doch tun sich da einige Fragen auf:

Wer bestimmt, was gut oder böse ist? Frauen im Iran oder in Afghanistan werden bestraft, wenn sie ohne Kopftuch/Verhüllung in die Öffentlichkeit gehen.

In der NS-Zeit wurden Menschen bestraft, die anderen das Leben retteten (z. B. jüdische Menschen versteckten) oder herrschendem Unrecht offen Widerstand leisteten.

Oder: Wer bestimmt, was wem zusteht?

Messen gerade wir Frauen nicht ganz oft unsere eigenen Bedürfnisse und Wünsche mit anderem Maß als die unserer Männer, Kinder und sonstigen Umgebung?

Die gleichen Regeln und Gesetze gelten in unseren deutschsprachigen Ländern. Oft allerdings nur auf dem Papier.

Ja, heute ist Muttertag.

Kann die Zelebration dieses einzelnen Tages ein Jahr des Unrechts, der (Selbst-)Ausbeutung wettmachen?

Mütter haben diese Gabe der Gerechtigkeit meistens in hohem Maß. Wenn es um ihre Kinder geht.

Wenn es darum geht, Ansprüche ihres Kindes z. B. in der Schule gegenüber Lehrpersonen oder im Gesundheitssystem gegenüber Verantwortlichen einzufordern.

Ich habe in meiner Kindheit etwas Wunderbares gelernt:

Wenn es darum ging, ein Tortenstück, Schokolade oder ähnliches zu teilen, lautete die Regel: Eine/r teilt, der/die andere sucht sich zuerst ihr/sein Stück, den ersten Anteil aus.

Jahrzehntelang habe ich Achtjährige in Religion unterrichtet, weil sie in diesem Alter Erstkommunion hatten und der Schulunterricht mit der Festvorbereitung in der Pfarre eng verwoben war.

Kinder in diesem Alter haben ein hochgradig feines Gespür für diese Art von Gerechtigkeit.

Es ist zu wünschen, dass es ihnen für das ganze Leben erhalten bleibt.

Und den Müttern: dass sie auch für sich selbst Gerechtigkeit in Anspruch nehmen und einfordern.