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Gerechtigkeit

Jede/r weiß, was das ist. Oder?

Wenn gute Taten belohnt, schlechte bestraft werden.

Wenn jede/r bekommt, was ihm/ihr zusteht.

Wenn für alle gleiches Recht, die gleichen Regeln gelten – und die Einhaltung garantiert wird.

Ok.

Und doch tun sich da einige Fragen auf:

Wer bestimmt, was gut oder böse ist? Frauen im Iran oder in Afghanistan werden bestraft, wenn sie ohne Kopftuch/Verhüllung in die Öffentlichkeit gehen.

In der NS-Zeit wurden Menschen bestraft, die anderen das Leben retteten (z. B. jüdische Menschen versteckten) oder herrschendem Unrecht offen Widerstand leisteten.

Oder: Wer bestimmt, was wem zusteht?

Messen gerade wir Frauen nicht ganz oft unsere eigenen Bedürfnisse und Wünsche mit anderem Maß als die unserer Männer, Kinder und sonstigen Umgebung?

Die gleichen Regeln und Gesetze gelten in unseren deutschsprachigen Ländern. Oft allerdings nur auf dem Papier.

Ja, heute ist Muttertag.

Kann die Zelebration dieses einzelnen Tages ein Jahr des Unrechts, der (Selbst-)Ausbeutung wettmachen?

Mütter haben diese Gabe der Gerechtigkeit meistens in hohem Maß. Wenn es um ihre Kinder geht.

Wenn es darum geht, Ansprüche ihres Kindes z. B. in der Schule gegenüber Lehrpersonen oder im Gesundheitssystem gegenüber Verantwortlichen einzufordern.

Ich habe in meiner Kindheit etwas Wunderbares gelernt:

Wenn es darum ging, ein Tortenstück, Schokolade oder ähnliches zu teilen, lautete die Regel: Eine/r teilt, der/die andere sucht sich zuerst ihr/sein Stück, den ersten Anteil aus.

Jahrzehntelang habe ich Achtjährige in Religion unterrichtet, weil sie in diesem Alter Erstkommunion hatten und der Schulunterricht mit der Festvorbereitung in der Pfarre eng verwoben war.

Kinder in diesem Alter haben ein hochgradig feines Gespür für diese Art von Gerechtigkeit.

Es ist zu wünschen, dass es ihnen für das ganze Leben erhalten bleibt.

Und den Müttern: dass sie auch für sich selbst Gerechtigkeit in Anspruch nehmen und einfordern.

Guter-Hirten-Sonntag, neuer Papst und Muttertag – wie passt das alles unter einen Hut?

„Hirte“ ließen sich die altorientalischen Könige titulieren, der ägyptische Pharao und Herrscher im antiken Rom bis ins Mittelalter… Ein Ehrentitel, der mit dem tatsächlichen Verhalten der oft tyrannischen, grausamen Herrscher nichts zu tun hatte.

Und die Kirchenfürsten, Bischöfe und Päpste haben diese Tradition weitergeführt, mit dem Anspruch, dass es ja im Evangelium steht – aber allzu sehr und allzu oft in der konkreten Ausformung eher wie die altorientalischen Potentaten. In der evangelischen Kirche steckt der „Hirte“ übrigens noch in der Bezeichnung: Pastor/in für PfarrseelsorgerInnen.

In der katholischen Kirche weigert sich die Obrigkeit (!) nach wie vor, Frauen zu kirchlichen Leitungsämtern, die eine Weihe bedingen, zuzulassen. Vermutlich wegen dieses altorientalischen Machtgehabes: da will man Frauen einfach nicht dabei haben…

Denn: das, was eigentlich, im Sinne Jesu, mit „Hirte“ gemeint ist, das können Frauen von Natur aus und automatisch und besser als Männer, die das meist in teuren Managementseminaren lernen müssen…

Mütter sind die vollkommenen Hirtinnen im Sinne des Evangeliums: Sie lieben die Ihren, setzen sich für sie ein oft bis zur Selbstaufgabe, haben den Überblick, was jede/r braucht, damit es ihm/ihr gut geht, sorgen für Recht und Ordnung in der Familie, halten die Kommunikation am Laufen …

Gute SeelsorgerInnen können das – leider oft mit dem Gefühl der Überforderung und unter Burnoutgefahr. Da verweise ich auf die frohe Botschaft des heutigen Evangeliumstextes: Jesus sagt ja von sich: ICH bin der gute Hirte.

In den letzten Tagen habe ich einen wunderbaren Rat gehört an sich überfordernde Mütter und Frauen: „Setz zuerst die eigene Sauerstoffmaske auf!“

Gemeint ist: Nur und erst wenn wir gut für uns selbst sorgen, sind wir in der Lage, gut für andere zu sorgen. Sonst wird das nichts.

Die Göttin, JHWH, ist für uns da, sorgt für uns, verwöhnt uns, möchte, dass es uns gut geht.

Wir sind getragen und beschenkt, gesegnet durch und durch. Geleitet und geliebt.

Also: Nur Mut, traut euch, Hirtinnen zu sein!

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Heute haben wir hier bei uns in der Kirche verschiedene Hirtinnen und Hirten versammelt.

Die Mütter, deren Ehrentag heute begangen wird; die Feuerwehrmänner und -frauen; die Mitglieder der Musikkapelle….

Menschen, die darauf schauen, dass es anderen gut geht, die für andere sorgen, für sie da sind.

Menschen, die sich für andere einsetzen. Tag für Tag, ja Tag und Nacht, Stunde um Stunde.

Die Feuerwehr hat in ihrem Patron, dem Heiligen Florian, das eindrucksvolle Vorbild eines guten Hirten: Er war ja zuerst beliebter und tüchtiger Stadtpräfekt in Lauriacum, vergleichbar einem heutigen Bürgermeister. Als die Christenverfolgung extrem wurde, war er abwesend – die Christengemeinde vor Ort brachte ihm eine Nachricht, wie schlimm es stand, und er blieb nicht in der sicheren _Ferne, sondern kehrte zu denen zurück, die ihm am Herzen lagen, nahm das Risiko des Martyriums in Kauf, was er dann auch erleiden musste. Zusammen mit seinen Gefährten…

Der Heilige Florian hatte seinerseits ein Vorbild: Jesus Christus selber.

Und alle anderen Hirtinnen und Hirten, allen voran die Mütter, haben dieses Vorbild auch.

Aber Jesus ist für sämtliche Eltern, Einsatzkräfte, Sozial- und Seelsorgsberufe nicht nur ein Vorbild.

Er sagt von sich: Ich bin der gute Hirte. Und die ihm Anvertrauten hören auf seine Stimme.

Im Idealfall.

Warum ist es für uns gut, wenn wir auf seine Stimme hören?

Im Jahr 2010 durfte ich 2 Wochen in der Mongolei verbringen, zu Fuß, mit dem Bildungshaus Puchberg.

Da trafen wir unterwegs immer wieder auf Hirten mit ihren Schaf- und Ziegenherden: Hunderte, ja manchmal über 1000 Tiere gehörten zu so einer Herde.

In der Weite der Steppe kommt für die Tiere alles darauf an, die Stimme ihres Hirten zu hören – die Herden sind wegen ihrer Größe manchmal auf einem Umkreis von ein oder 2 Kilometern verstreut. Zum Aufbruch ruft sie der Hirte zusammen, der auf einem Pferd reitet und von einem Hirtenhund begleitet wird. Wenn einzelne Tiere zurückbleiben würden, weil sie den Hirten überhören, wäre es verkehrt.

Wieso ist es gut, wenn wir die Stimme unseres Hirten hören,? Was sagt uns Jesus denn – oder Gott selber?

Menschen, die beruflich – und Mutter sein ist ein fordernder Beruf – genauso wie Feuerwehr oder Rettung … sich für andere einsetzen, gehen öfter über ihre eigenen Grenzen des Schaffbaren, des gesundheitlich Verträglichen und Zuträglichen und können irgendwann einfach nicht mehr. Bis zum Zustand des Krankseins.

Es ist gut, da zu wissen, es ist noch ein anderer Hirte da- Ich bin nicht für alles und jedes selber zuständig und verantwortlich. Da sorgt auch jemand für mich. Jemand, der das wirklich kann. Weil er allmächtig allgegenwärtig allwissend ist und weiß was ich gerade brauche, was nottut und was gut tut.

Viele Menschen betrachten Gott, wenn sie beten, wie einen Feuerwehrmann – es brennt der Hut, und er soll und möge bitte schleunigst Abhilfe schaffen.

Dabei handelt Gott eigentlich wie eine gute Mutter: Ist um uns bemüht, ohne dass wir es andauernd merken … auch und gerade in den kleinen Dingen des Alltags …

Der gute Hirte Jesus möchte uns mitteilen: dass er da ist – dass die menschlichen Hirten in ihren verschiedenen Erscheinungsformen nicht auf sich allein gestellt agieren müssen, sondern einen haben, der hilft. Der Mut macht – auch zur Pause und Erholung angesichts und trotz der Nöte dieser Welt, der neue Energie gibt, zu dem wir selber kommen dürfen mit unseren Fragen Zweifeln und Nöten, wo wir Trost und Stärkung finden – und zwar jederzeit.

Im Trubel des Geschehens dürfen wir seine beruhigende Stimme hören.

Gott sagt uns, dass wir nicht perfekt sein brauchen, sondern dass unser Einsatz so wie er ist, genügt.

Nur dort, wo Menschen Augen und Ohren verschließen so in der Einstellung, das alles geht mich nichts an, da will uns seine Stimme wachrütteln.

Ich möchte Ihnen, den Müttern, den Feuerwehrleuten und den Musikern, gratulieren: Ihr habt auf die Stimme gehört, die da sagt: Es kommt auf dich an. Du kannst und wirst etwas bewirken.

Und ich möchte Mut machen allen, die noch nicht so wirklich glauben, dass sie und niemand anderes der Hauptdarsteller, die Hauptdarstellerin im Film des eigenen Lebens sind. Nebenrollen oder Statisten gibt es nicht bei Gott. Jesus lädt uns ein, dass wir uns selbst so ernst und so wichtig nehmen, wie er es mit uns tut.

Wir stehen oft ein bisschen wie daneben, wie in einer Ecke, im Abseits, als ob wir nur Zuschauer/innen wären in unserem Leben.

Für den himmlischen Hirten – also in Wirklichkeit – sind Sie, jede/r einzelne, DER STAR, ohne den es nicht geht.