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Predigt                                                                       10. 11. 2024, gehalten in Kienberg, NÖ

Liebe Brüder und Schwestern!

Die Lebensbedingungen der Ärmsten, der Witwen, sind Gradmesser für die Gesundheit , den Entwicklungsstand der Spiritualität einer Gemeinde/ eines Systems.

„Ich hab ja nichts zu verschenken.“

Können Sie sich noch an diesen Satz erinnern?

Vor einer Reihe von Jahren kam er regelmäßig in der Werbung vor: Niki Lauda, einer der reichsten Menschen Österreichs, sprach ihn aus. Er lässt sich die Reste von seinem Mittagessen einpacken. Dagegen ist nichts einzuwenden, es ist schließlich wirklich schade drum und muss sonst weggeworfen werden.

Bedenklich, und zwar sehr, finde ich die Mentalität, die da angesprochen und verstärkt wird unter der Normalbevölkerung. Wenn einer der Superreichen nichts zu verschenken hat, wieso soll dann ich als Durchschnittsbürger/in …?

Wo ich doch ganz sicher weniger habe als der …

Dabei ist diese Geisteshaltung ohnehin schon viel zu stark verbreitet. Sich benachteiligt oder arm vorzukommen und sich mit diesem Argument ins private Dasein zu vertschüssen, sich aus der Verantwortung für die Allgemeinheit und vor dem Anspruch der Nächstenliebe zu verstecken.

Eine Legitimierung des Egoismus. Da braucht man kein schlechtes Gewissen mehr zu haben, wenn sogar der nichts hergibt …

Es ist eine traurige Tatsache und weltweit zu beobachten, dass ärmere Menschen gastfreundlicher sind als wohlhabendere. Woran das liegt? Vielleicht bekommt Besitz ab einer gewissen Höhe des Wertes eine Eigendynamik, wo einem dann leid drum ist, dass mans hergibt … Oder man vergisst ganz einfach, wie es ist, in Not zu sein ….

So gesehen hat der Prophet Elia Glück gehabt, gerade auf die Witwe in Sarepta zu treffen, die selbst fast nichts mehr hatte.

Und so gesehen ist es vorbildlich und lobenswert, wenn die vielen Reichen im Evangelium viel in den Opferstock werfen. Das findet auch Jesus.

Was er tut, ist, die Leistung der Witwe besonders hervorzuheben.

Diese hat nämlich ihren ganzen Lebensunterhalt hergegeben. Hergeschenkt.

Wieso macht sie das?

Oder, besser gefragt: Wie kommt sie dazu, was bringt sie dazu?

Wo nimmt sie die Kraft her, das Vertrauen?

Wo hat der Hl. Martin, dessen Gedenktag wir morgen feiern, die Kraft hergenommen, das einzige, was er hatte, herzugeben? Den halben Mantel?

Es ist, so dürfen wir annehmen, genauso eingeübt wie das Mangeldenken, unter dem viele in unserem Land leiden – und das aus politischem Kalkül jahrelang hochgezüchtet wurde.

Ja, Jesus meint, wir können lernen, von der Fülle her zu denken, vom Beschenktsein her – im Stand der Gnade leben hat man früher einmal gesagt.

Die Witwe in Jerusalem konnte das. Obwohl sie ihren Mann verloren hatte und am Existenzminimum angekommen war.

Sie kommt ja in den Tempel, sie betet, weiß sich mit Gott verbunden.

Was können wir tun, um dieses Bewusstsein der Gnade, des Beschenktseins, zu bekommen – und dann daraus zu schöpfen?

Denken wir doch an unsere Vergangenheit – wo in unserem Leben bisher haben wir erlebt, dass Gott bei uns ist – uns hilft – uns etwas schenkt, weil wir darum gebeten haben – oder ohne dass wir darum gebeten haben? Glückliche Zufälle, unbeschwerte Tage, ein schöner Urlaub oder Waldspaziergang – die Schöpfung, Berge, Flüsse, Seen, Wiesen, das Meer, … Menschen, die wir lieben – mit denen wir uns versöhnt haben – Gesundheit – oder Heilung in Krankheit?

Die Fülle unserer Fähigkeiten und Möglichkeiten …

Oder einfach eine Art Geborgenheit – stiller Frieden inmitten des Alltagsstress?

Gott ist in unserem Leben auch jetzt gegenwärtig.

Es gibt nichts, was er uns nicht schenken könnte.

Gewöhnen wir uns offene Herzen und Hände an – um seine Fülle zu empfangen – und um sie weiterzugeben.

Übung: 10 Dinge, für die ich dankbar bin … jeden Abend aufschreiben

Als Meditation ur Übertragung der Hostien noch einmal…

Predigt                                                                           7. 11. 2021 HAID

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Firmkandidaten!

Geiz ist geil. Alles für uns, für mich – nichts für andere.

Diese Grundhaltung wird seit mehreren Jahren propagiert – vorher waren Menschen zwar auch gierig und geizig, Jesus spricht davon im Evangelium, aber es war jedem klar, dass es eigentlich etwas Schlechtes ist, ein Charakterfehler, eine Sünde.

Wie schaut es denn bei uns damit aus?

Viele Menschen haben das Gefühl, sie kommen zu kurz, sie bekommen nicht das, was ihnen zusteht, worauf sie eigentlich einen Anspruch hätten … als ob nicht genug da wäre für alle. Interessanterweise ist das eher bei Personen der Fall, die eh alles haben. Arbeit, Haus, Familie, ein ausreichendes Einkommen, gute Pension … es gehört fast zum guten Ton, ein bisschen zu tricksen, um noch und noch einen Vorteil wo für sich herauszuschlagen, die Schnäppchen- und Rabattpolitik tun ein übriges.

Jesus kennt das. Die Pharisäer und Schriftgelehrten, die besseren Kreise in Jerusalem, bringen die armen Witwen und Waisen um ihre Häuser … weil sie nicht genug bekommen können.

Die Industrienationen fressen den Lebensunterhalt der Armen der Erde auf und plündern dazu die gute Zukunft sämtlicher ErdenbewohnerInnen …

Wenn etwas den Namen „Evangelium“ trägt, dann muss da aber eine gute Botschaft drin stecken. Ein Ausweg aus dem Übel.

Diese Angst, selber zu wenig zu haben, oder: es könnte insgesamt nicht genug für alle da sein – ist Folge eines Irrtums – dem die Begüterten zur Zeit Jesu aufsitzen und auch bei uns heute viele …

Die arme Witwe, die objektiv betrachtet nichts besitzt, eine arme Kirchenmaus, tut das offenbar nicht.

Sie sieht die Realität, und die heißt: Gott hat die Erde und das ganze Universum in Fülle und Schönheit mit allem Reichtum und Luxus erschaffen.

Es ist mehr als genug für alle da – und es existieren immer mehr Möglichkeiten, als Menschen zu sehen vermögen.

Gott möchte, dass wir glücklich sind. Eu-angelion … gute Nachricht…

Wir etwas versuchen. Wir können ab sofort ganz bewusst und gezielt auf das schauen, was wir haben, was gut ist und gelingt, was Freude macht, was wir gut können.

Ja, ich weiß: in der Schule macht ihr andere Erfahrungen, und viele Menschen in der Arbeitswelt tun das auch. Es ist in, Fehler zu suchen. Es wird v. a. betont, was nicht passt…

Wir können uns darauf konzentrieren und das betonen, was sich gut entwickeln könnte…

Worüber bin ich froh?

Was darf ich erwarten?

Ich schlage immer wieder vor, ein Dankbarkeitstagebuch zu führen. Am Abend jeden Tages 10 Dinge aufzuschreiben, für die ich an diesem Tag dankbar bin.

Dankbare, glückliche Menschen haben ein offenes Herz – auch für Mitmenschen, die Hilfe brauchen.

Die arme Witwe im Evangelium war dankbar und froh, dass sie 2 kleine Münzen hatte. Und sie stellte sie Menschen zur Verfügung, die keine 2 Münzen hatten.

Ich habe einige Zeit in Brasilien verbracht, v. a. bei P. Josef Hehenberger in Jacobina. Es war kein Problem, dass je 1 oder 2 von uns bei einer Familie dort ein paar Tage mitleben konnten. Die hatten selbst nichts. Grad etwas zu essen …

In Österreich ist es ein Problem, wenn für sagen wir 7 – 8 Fremde Familien gesucht werden.

Liebe Brüder und Schwestern, auch wenn uns diese Zeitjetzt einiges abverlangt: Wir haben Grund, uns eine neue Grundhaltung, Lebenshaltung anzugewöhnen: und zu testen, auszuprobieren. Das Vertrauen einüben: Gott sorgt für mich.

Und zwar bestens.

Eine orientalische Weisheitsgeschichte:

Ein vornehmer Mann, dem Vollkommenen in besonderem Masse zugetan, vernahm von dem Liebreiz eines armen Mädchens. Er hatte alle Schätze zu besitzen vermeint und glaubte sich gesättigt von ihrer Schönheit. Aber von diesem Tage an verzehrte er sich in Sehnsucht, und er wünschte nichts so sehr, als zu allen anderen Kostbarkeiten auch noch das Herz dieses Mädchens zu gewinnen. Er durchstreifte das Land viele Tagereisen weit, ohne sie erblickt zu haben, die er suchte. Einmal, am hohen Mittag, kam er in ein weites Tal. Die Sonne brannte so heiß, dass die Luft wie ein glühender Nebel vor seinen Augen wallte, und außer einigen niederen Sträuchern unterbrach nichts die Ruhe. 

Da und dort arbeiteten Leute auf den Feldern. Aber ihr hartes Los rührte nicht an das träge Herz des reichen Mannes, der seinem Wunschtraum nachjagte. Plötzlich trat aus einem der Büsche ein Mädchen auf ihn zu. Der Mann verhielt den Schritt, geblendet von ihrer Schönheit. Nie hatte er ein solches Ebenmaß an Gestalt, so zierliche Füße, so prächtiges Haar und einen so schönen Mund gesehen!

„Bist du es, die ich suche?“ fragte er. Aber da sah er plötzlich, wie die Blätter, welche ihre Hand gestreift hatten, zu welken begannen und wie die kleinen Tiere aus der Spur ihrer Schritte flüchteten. Ja, selbst der Bach, der die Felder tränkte, bog plötzlich wie erschrocken aus und änderte seinen Lauf. Nun erst bemerkte er voll Entsetzen, dass die Vermeintliche Schönheit innen hohl war und bedeutungslos.

Kaum hatte er das aber erkannt, so begann sich das schöne Antlitz auf eine so grauenhafte Art zu verändern, dass er schnell entfloh.

Er kam dabei vom Wege ab und geriet an eine schattige Stelle. Aber hier war es wenigstens nicht so unerträglich heiss. Eine Quelle sprudelte, die Zweige eines Baumes bedeckten wie ein Baldachin ein morsches Boot, der im Wasser schaukelte. Darin lag ein Mädchen und schlief. Es lag da mit nackten Füßen, in einem ärmlichen Gewand, das Gesicht zur Hälfte von einem Strohhut verdeckt. Das Mädchen schien nicht besonders hübsch zu sein, und seine Hände zeigten die Spuren harter Arbeit. Der Verirrte hätte es kaum beachtet, so aber weckte er es, um es nach dem Weg zu fragen. Als es aber die Augen aufschlug, da sah er: Ihre Augen lachten, obwohl sie seine Frage nach dem Weg ungeduldig beantwortete- um rascher wieder zu Ihrer Familie zu kommen, der sie bei der Feldarbeit helfen sollte.

Und er sah: Die kleinen Vögel kamen herbei, setzten sich auf den Baum und begannen zu singen, stärker sprudelte der Quell, und an jedem Zweig, den die Hand des Mädchens berührte, brach eine Fülle weißer Blüten auf. Und als der Mann näher herantrat, sah er das Wesen des Menschen ihm gegenüber leuchten in einer unsagbaren Schönheit. 
Da verneigte sich der Mann tief vor ihr, denn er erkannte in einem einzigen Augenblick, dass wahre Schönheit als ein göttliches Geheimnis aus den Tiefen steigt und nichts mit Äußerlichkeit gemein hat. Er bat sie, mit in seinen Palast zu kommen, und wurde einer der glücklichsten Menschen.