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Heute am Sonntag ein Irrtum im Bereich Theologie:

Die sogenannten „Seligpreisungen“ (Mt 5, 1-12) rufen bzw. Jesus ruft dazu auf, Unrecht und Gewalt widerstandslos hinzunehmen …

Ihr wisst schon: „Selig die keine Gewalt anwenden…“ 

Ganz und gar nicht.

Lange Zeit wurde gerade den Ärmeren, den unterdrückten Gesellschjaftsschichten, insbesondere den Frauen, vermittelt: Sich nicht zu wehren, alles still zu ertragen und zu erdulden … sei eine Tugend, und Gott würde die Betroffenen ja am Ende (im Jenseits) entschädigen…

Gepredigt haben das einflussreiche Männer, die ein Interesse daran hatten, dass alles so bleibt wie es ist: Wenige Mächtige und Reiche leben auf Kosten anderer, die bequemerweise glauben, dies sei in Ordnung so.

Dass die Worte genau an sie gerichtet sein könnten und tatsächlich auch waren, sahen sie nicht. Sich zufrieden geben mit dem, was man hat und nicht noch und noch mehr haben wollen und deshalb Kriege anfangen, andere ausbeuten, kontrollieren, alles für sich nehmen, sodass nichts übrig bleibt: das spielte sich auch zu biblischen Zeiten schon ab – und WER DAS NICHT TUT, SORGT DAUERHAFT FÜR FRIEDEN UND DAFÜR; DASS ES ALLEN GUT GEHT, lautet der Klartext.

Diesen Text ausschließlich als Vertröstung auf ein besseres Jenseits zu interpretieren, war und ist grundverkehrt.

Die Frohe Botschaft für die „NormalverbraucherInnen“: Wenn wir uns dafür einsetzen, dass Unrecht aufhört und gutes Leben für alle möglich wird, und lange keine oder wenig Erfolge sehen, brauchen wir nicht traurig zu sein; denn Gott/Göttin ist auf unserer Seite, und das Recht wird sich schlussendlich durchsetzen; rascher, je mehr darauf hinarbeiten. Jeder Einsatz zählt und wird vom Universum bemerkt und gewürdigt.

Liebe Frauen und irgendwie Kleingehaltenen: Seien wir NICHT genügsam und bescheiden oder zurückhaltend, wenn es um unsere Rechte und Lebenschancen geht!

Predigt                                                                        12. 2. 2022

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

„Selig“ – das ist so ein Wort…besetzt durch diese katholische Sprache… Seligsprechung usw. … gemeint ist eigentlich „glücklich“.

Wir alle wollen glücklich sein. Oder glücklicher werden, als wir sind.

Wir wollen, dass unsere Kinder glücklich sind.

Und wir verstehen darunter: gesund, klug, tüchtig, erfolgreich, gutaussehend, wohlhabend, – dass es ihnen an nichts fehlt. Ein sorgenfreies Leben.

Eltern überlegen oft schon, wenn sie noch ein Kleinkind haben: in welche Schule soll es gehen, in welchen Kindergarten, welche Ausbildung, welche Kurse … werden die besten sein?

Aber da fehlt etwas. Wenn wir Christen sind, aber wahrscheinlich auch sonst, merken wir: Als Menschen allein auf uns gestellt mit diesen Mitteln und Möglichkeiten, die die Welt uns bietet – das ist nicht genug. Wir schaffen es nicht, das Glück herzustellen.

Da braucht es Gott dazu. Eine Ebene mehr, wenn wir es so ausdrücken wollen.

Aber noch etwas: Kann es nicht sein, dass das Glück eventuell anderswo zu finden ist, als wir es im allgemeinen suchen?

Schauen wir uns noch einmal an, was Jesus empfiehlt, wer seiner Meinung nach glücklich zu schätzen ist:

Jedenfalls nicht, wer an das Recht des Stärkeren glaubt.

Oder dass sich der Lauteste durchsetzt. Oder dass, wer reich ist, sich mehr erlauben darf als wer anderer.

Gewaltfrei leben – nicht andere gegeneinander ausspielen, um selber besser dazustehen.

Sanft umgehen – auch mit der Natur. Nicht alles ausschinden aus Bergen, Meeren, Landwirtschaft, was irgendwie geht- sondern Ressourcen schonen.

Nicht alles tierisch ernst nehmen.

Wir sind voreingenommen, weil wir diesen Text schon so oft gehört haben und zu kennen glauben. Wiss ma eh schon …

Wer diese Sequenz zum ersten Mal hört, spürt: Da steckt jede Menge Humor drin.

Jesus meint auch: Mach das Unerwartete. Was keiner glaubt. Überrasche andere.

Steig aus aus dem Irrsinn der Zustände und Abläufe, die für normal gelten.

Es gibt einen tollen Spruch, der lautet: Sei du die Veränderung, die du von der Welt erwartest.

Das ist unmöglich, wenn man MitläuferIn ist, angepasst.

Denke selbst, sei eigenwillig und eigenartig – individuell.

Das schaffen wir nur, wenn wirGott auf unserer Seite wissen.

Ein Baum braucht, um sich gut entwickeln zu können, einen guten Boden – tiefe Wurzeln – Spirituell zu den Urgründen gehen. Zum Urgrund allen Seins.

Nur dann kann eine bestimmte Höhe und Weite nach außen erreicht werden.

Wie gesagt – Gott wünscht sich nichts mehr, als dass wir glücklich sind. Wir, alle Menschen auf diesem Planeten.

Lassen wir uns von ihm raten und helfen.