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Predigt                                                       24. und 25. 10. 2026

Liebe Gott von ganzem Herzen, mit ganzer Seele und all deiner Kraft – und liebe deinen Nächsten wie dich selbst.

Liebe Brüder und Schwestern!

Unzählige Menschen gibt es, die setzen sich mit großem Eifer und Kompetenz für Mitmenschen in Not oder soziale Anliegen ein: Tafel, die Hospizbewegung, einen Verein zur Resozialisierung Haftentlassener, den Verein Frauenhaus, ein Kinderschutzzentrum, Arbeit für Flüchtlinge usw. – auch viele Private mit ihren Initiativen, auch Feuerwehr und Rettungsdienste z. B. gehören da dazu.

Allerdings vom In-die-Kirche-Gehen oder Beten oder gar Veranstaltungen zur Glaubensvertiefung halten sie wenig bis nichts. „Das brauche ich nicht“, heißt es oft.

2 Kapitel weiter bei Matthäus erfahren wir, dass Jesus diese Menschen überaus schätztt.  „Was ihr dem Geringsten getan habt …“ Wir kennen die Stelle.

Und dennoch meint Jesus im heutigen Evangelium, beides gehört zusammen. Ja sogar noch ein Drittes: Nur wer sich selbst liebt, und zwar in dem Maß, wie sehr er/sie dies tut, ist zur Nächstenliebe fähig.

Es ist wie bei einem Dreieck: die Fläche wird umso größer und das Gebilde umso standfester, je länger jede einzelne Seitenlinie ist.

Zuerst sollen wir Gott lieben. Wie geht das? Wir sollen seine Nähe suchen. Kontakt aufnehmen. Gott liebt nämlich immer zuerst schon uns und wirbt um unsere Freundschaft und Aufmerksamkeit. Er möchte uns beschenken mit Liebe, Fülle, allem, was er zu bieten hat, seinem ganzen Reichtum – aber er hat ein Problem: er braucht unsere Zustimmung dazu.

Gottes Liebe ist umfassend und unwiderruflich. Egal, was wir tun, er steht zu uns. Verlässt uns nicht. Unsere Sünden und Charakterfehler und menschlichen Defizite behindern ihn nicht, uns zu lieben. Wir sind total angenommen, sie behindern aber uns, wenn wir eine schlechte Meinung über uns selber haben, trauen wir uns nicht in seine Nähe und fühlen uns unwürdig, uns beschenken zu lassen.

In der sich ständig weiterentwickelnden Beziehung mit Gott entfalten wir unsere Persönlichkeit, werden wir geduldig mit uns selbst, wir gönnen uns selber das Gute, das von Gott kommt – und mit unseren Mitmenschen können wir das dann auch.

Wer die Mitmenschen aus eigener Kraft zu lieben versucht, hört auf, wenn diese kraft aufgebraucht ist. Wenn man dann weiterzumachen versucht, erschöpft man alle Reserven und begibt sich in die Gefahr des Burnout. Man segelt dann nicht mit dem wind, obwohl es möglich wäre, sondern lebt aus dem begrenzten Tank.

Wir begehen übermorgen/morgen den Nationalfeiertag. Viele fragen seit ca. 2 Jahrzehnten betroffen, wie es kommt, dass in unserem Land trotz vergleichsweise größerem Wohlstand als in den 50er- und 60er-Jahren Egoismus und demokratiefeindliche Anschauungen immer mehr um sich greifen.

Kann das vielleicht damit etwas zu tun haben:

Das Evangelium ist zunehmend unwichtig geworden. Es ist nicht „in“, nach der Lehre einer Großkirche zu leben. Ok. Aber der gesamte spirituelle Reichtum wird beiseitegeschoben, ignoriert.

Es ist kein Wunder, dass die Kraft zur Nächstenliebe fehlt – die würde man ja aus der persönlichen Beziehung zu Gott, zu Jesus, aus den Sakramenten, aus dem eigenen Glaubensleben …  erhalten und täglich auffrischen und auffüllen.

Die Speicher sind aber leer, und man ist vollauf damit beschäftigt, zumindest die Liebe zu sich selbst aufrechterhalten zu können – irgendwie – durch Konsum und Freizeitaktivitäten und spirituelle Rausch- und Dopingmittel, wie sie die Esoterik oder extreme Weltanschauungen bereithalten, aber die feste Nahrung, das tägliche Brot, fehlt, und man weiß es nicht einmal …

Es ist eigentlich ganz logisch, wer selber Not leidet, geistlich unterernährt ist, wie soll der noch für andere etwas übrig haben?

Liebe Brüder und Schwestern, wie fühlt sich Jesus dabei, wenn wir es vorziehen, direkt neben seinen bis oben hin gefüllten Vorratskammern langsam aber sicher zu verhungern und zu verdursten?

Wir sind eingeladen und berufen, in der Fülle Gottes zu leben.

Und wir sind aufgefordert, allen zu zeigen, dass und auf welchem Weg dies auch für sie möglich ist.

Beitrag und Übung für Sonntag, 27. 10. 2024

Dolce Farniente – Sonntagsruhe …

„Hast du nichts zu tun?“

„Schau nicht in die Luft!“

„Von nichts kommt nichts …“

„Faulheit ist eine Schande“

Solche und ähnliche Sätze hast du wahrscheinlich von klein auf gehört. Fleißig sein – das war das oberste Gebot. Dazu am besten noch: ordentlich, sauber, bescheiden…

Diese Wertvorstellungen haben nach wie vor Geltung. Oft geht das so weit, dass Menschen sich keine ruhige Minute gönnen, in der Freizeit den Garten bewirtschaften, Im Liegestuhl in der Sonne noch handarbeiten oder ein kluges Buch (Weiterbildung!) lesen, in der Freizeit Sportrekorde aufstellen oder Schwammerl und Beeren sammeln…

Oh nein, natürlich sollen und dürfen wir all das tun, wenn es uns Freude macht!

Schlimm wird es, wenn du es für UNVEREINBAR und unmöglich hältst, ohne Anstrengung oder Dauerfleißübungen glücklich, erfolgreich, wohlhabend … zu sein.

Wenn du irgendwie das Gefühl hast, dass dein Wert als Person damit zusammenhängt, wie wenig echte Freizeit du dir gönnst.

In der Bibel verordnet Gott den Menschen per Gesetz einen arbeitsfreien Tag pro Woche. Sicher aus gutem Grund.

„Keine Arbeit darfst du tun“ heißt es da – auch nicht kochen, Nähzubehör benutzen … usw.

Unsere Vorfahren v. a. im ländlichen Raum (95 % der Bevölkerung waren das) lebten in ständiger Sorge, der Ernteertrag könnte über den Winter nicht reichen. Es wurden Vorräte angelegt – Ende nie.

Diese Haltung lebt unbewusst – oder auch sehr bewusst – in uns weiter. Wer sich nicht anstrengt, ist mit schuld, wenn es allen irgendwann schlecht geht. So dachte man.

Irrtümlich gehen wir auch im Jahr 2024 davon aus, dass unser Leben nur gelingt, wenn wir rund um die Uhr arbeiten.

Dass Pausen unabdingbar sind für Produktivität und Kreativität, lassen wir außer Acht, auch wenn wir wo davon gehört haben.

Dass es im Leben überhaupt nicht darum gehen kann, ununterbrochen etwas zu leisten, haben wir vergessen.

Wirklich reiche Menschen wissen: Alles, worauf es ankommt, bekommt man geschenkt. Aber davon morgen mehr!

Die heutige Übung – es ist sowieso Sonntag -: Lass es dir gut gehen. Vermeide es, Arbeit zu verrichten. Mach etwas, was dir Spaß macht – ohne einen Zweck darin zu suchen. Sitze einfach so herum oder geh spazieren allein oder mit deinen Lieben…

Ja, und: Eines davon reicht aus … 😊

Übermorgen, Sonntag, ist der Weltgebetstag um die Einheit der Christen.

Aus diesem Anlass wird jährlich ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert.

Heuer findet er in Haid, Traun und Linz-Dornach online statt, über Youtube.

Hier der Link – bzw. fügt die Textzeile in die Kopfzeile eures Browsers ein:

Wir bleiben in Christus verbunden. Katholische und Evangelische Seelsorger, Mitarbeiter und Musiker aus Haid, Linz-Dornach, Oedt, St. Martin und Traun feiern trotz Einschränkungen den Ökumenischen Onlinegottesdienst im Rahmen der Gebetswoche für die Einheit der Christen gemeinsam. Der Gottesdienst ist ab Samstag (17:00 Uhr) unter folgendem Link abrufbar: https://youtu.be/TMNsYK50ASQ

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Mit dem Feiertag übermorgen ist es wieder vorbei; aber heute war es noch ungewohnt wie nie zuvor – Sonntag, nach dem Frühstück wegfahren, in der Natur spazierengehen, Keksbacken, Mittagessen kochen, essen, lesen, Mittagsschlaf, nochmal Keks backen, mit lieben Menschen telefonieren, noch einmal kurz hinausgehen, ein paar Dinge ordnen, Computerarbeit, ausgiebige Schönheitspflege, schlafen gehen …

Viele haben solche Sonntage – viele nehmen nie oder sehr selten an Gottesdiensten teil.

Ja, mir geht es ab – ich bin ja fast immer zum Gestalten dran – das pünktliche Ankommen in der Pfarre, die Vorbereitung, die manchmal stressig ist, etwas aufgeregt bin ich immer noch – vor jedem Wortgottesdienst, vor jeder Predigt, die ich halte …

Das erhebende Gefühl nach dem Ende des Gottesdienstes in der Sakristei …

das beschwingte ermutigte Hinausgehen, Heimkommen, der Rest des Sonntags ab 10.30 …

Wie geht es euch?

Predigt  – virtuell                                                                     So., 3. 5. 2020

Liebe Brüder und Schwestern!

Heute ist der sogenannte „Gute-Hirten-Sonntag“. Und der Weltgebetstag um geistliche Berufungen.

Es kann jetzt natürlich nicht darum gehen, dass alle in einen Orden eintreten oder geweiht werden.

Jesus ist der gute Hirte – und Menschen sollen wie gute Hirten sein für ihre Mitmenschen.

Jesus sorgt sich um uns, sorgt für uns – keiner geht verloren, die Schwachen stärkt er, die Starken behütet und fördert er in ihrer Kraft, die sich verlaufen haben, sucht er und holt er zurück, die Verletzten pflegt er gesund – versuchen wir, nicht von Zufall zu reden, wenn uns ein kleineres oder größeres „Glück“ überrascht, sondern von Liebes- oder Freundschaftsbeweisen Gottes uns gegenüber …

Jesus lädt uns ein, dass wir uns selbst so ernst und so wichtig nehmen, wie er es mit uns tut.

Wir stehen oft ein bisschen wie daneben, wie in einer Ecke, im Abseits, als ob wir nur Zuschauer/innen wären in unserem Leben.

Wir lassen das Leben an uns vorbeiziehen – unbeteiligt. Cool.

Jesus, Gott, lädt uns ein, zu Mitwirkenden zu werden.

Ja, nicht nur das: Er lädt uns ein und fordert uns auf, die Hauptrolle zu spielen in unserem Leben.

Präsent zu sein. Voller Aufmerksamkeit. Alles mitzubekommen.

Stellen wir uns unser Leben vor wie einen Film.

Sie, liebe Bruder, liebe Schwester, sind in diesem Film nicht irgendwer, schon gar nicht Zuschauer/in, auch nicht ein Statist oder eine Nebenrolle – nein, Sie sind der Hauptdarsteller, die Hauptdarstellerin.

Auf Sie kommt es an.

Auf Sie kommt alles an, auf sie ist das Set zugeschnitten.

Ich möchte Ihnen eine Geschichte erzählen, die Geschichte einer Berufung, wo einer seine Sendung als Christ ernst nimmt.

In einer großen Firma war die Stelle eines Kranführers (einer Kranführerin) ausgeschrieben. Alle Bewerber wurden eingeladen, am Dienstag um 9.00 mit dem Chef ein Vorstellungsgespräch zu führen.

In der letzten Viertelstunde vor 9 Uhr sah man einige Menschen hastig das Fabriksgelände überqueren, manche sehr gestresst, manche eher gelassen.

5 vor 9 saßen 8 Personen im Vorraum zum Chefbüro.

Der Chef schaute inzwischen aus seinem Fenster. Er sah einen Mann, der an einem offenen Kanal vorbeikam – irgendjemand hatte wohl vergessen, den Deckel wieder zurückzubringen – leicht konnte ein Palettenfahrer oder sonst jemand das Loch übersehen, und ein Unglück würde geschehen.

Also blickte der Mann sich um, und als er den Deckel nicht finden konnte, lief er in eines der Gebäude, kam mit einem Brett wieder, legte es über die Öffnung und stampfte es fest, damit es auch halten würde.

Dann schaute er gestresst auf seine Armbanduhr – ohje, schon 5 nach 9 – und rannte so schnell er konnte, zum Haupteingang, die Stiegen hinauf zum Chefbüro, wo schon 8 Mitbewerber im Vorraum warteten.

Der Chef öffnete die Tür, bat den Mann, der noch ganz außer Atem war, zu sich hinein, und schickte die anderen fort: danke, meine Damen und Herren, Sie können gehen, die Stelle ist schon vergeben.

Und zu dem Mann, der ganz verdutzt dachte – wieso komme ich jetzt schon dran, ich bin doch als Letzter und sogar zu spät gekommen, meinte der Chef: Die Stelle des Kranführers ist ein sehr verantwortungsvoller Posten. Sie sind der einzige, der sich um das offene Kanalloch gekümmert hat – sogar obwohl Sie damit rechnen mussten, bei mir Unmut über Ihr Zuspätkommen hervorzurufen. Sie haben nicht gezögert, das einzig Richtige zu tun.

Ich bin überzeugt, Sie sind der Richtige für die Stelle des Kranführers.

Liebe Brüder und Schwestern, der Mann in dieser Erzählung hat gehandelt wie ein guter Hirte – wie Jesus selbst.

Er hat das Richtige getan – ohne Rücksicht auf ev. eigene Nachteile, ohne Sorge um die Meinung einer Obrigkeit, obwohl er noch gar nicht zu dieser Firma gehörte.

Er hat gewusst. Auf mich kommt es an!

In den eineinhalb oder zwei Stunden, bis alle Bewerbungsgespräche vorbei sind, was könnte da alles geschehen!

Warten geht nicht – auch nicht darauf, ob es vielleicht ein anderer machen wird.

Es hat vor mehreren Jahren einen Spruch gegeben: Wer, wenn nicht du?

Wann, wenn nicht jetzt?

Liebe Leute: es kommt auf Sie an – auf jede/n einzelne/n – nicht morgen, nicht nächsten Monat, wenn die Coronakrise vorbei sein wird, … oder vielleicht irgendwann – wir leben jetzt.