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Ihr seid das Salz der Erde.

Wozu ist Salz gut?

Salz brauchen wir zum Leben. Es bindet Wasser an den Körper. Ohne Salz würden wir nicht Nahrung aufnehmen und nicht Wasser im Körper, in den Zellen halten können – es gäbe keinen Stoffwechsel, keinen Austausch, keine Entgiftung des Körpers, kein Leben. Wir würden ohne Salz verdursten.

Essen schmeckt nicht nur besser mit Salz, sondern wir brauchen es dringend.

Wir Christen sind nötig, damit es Leben gibt auf dieser Erde. Alle Arbeit und jedes Vergnügen ist schal, geschmacksneutral, geschmacklos – ohne Sinn, ohne Zukunft.

Wasser gibt Stabilität.

Wir Christen sollen Stabilität geben: Erstens Sicherheit, Gewissheit in Zeiten des Umbruchs, des Zweifels, der Not – den Weg zeigen, Orientierung geben.

Eine Zuflucht sein für Gestrandete, für vom Leben Zerbrochene.

Zweitens sollen wir Rückgrat beweisen, einen aufrechten Gang gegenüber Unrecht, Willkür, Lüge, Gewalt usw.

Salz brennt in offenen Wunden.

Wir sollen auf offene Wunden dieser Welt aufmerksam machen, damit sie nicht schöngeredet oder vergessen werden, damit sich die Satten und Zufriedenen nicht an sie gewöhnen, die Armut, die Ungleichstellung verschiedener Menschen, Not, Krieg, unheilbare Krankheiten, Fanatismus, Dummheit, Bosheit Unrecht … für normal halten – „da kann man nichts tun“ – Christen haben die Verpflichtung, in schrecklichen, schwierigen und aussichtslosen Fällen etwas zu tun, sich einzumischen, die Wunden öffentlich zu machen.

Salz kann aber auch heilen. Wunden heilen schneller, wenn man z. B. im Meer badet. Brennt zwar am Anfang, aber hilft enorm.

Salz brauchen wir im Winter, um Glatteis aufzutauen.

Christen sollen auch unter eiskalten Bedingungen, Umwelt … das Eis des Hasses, der Gleichgültigkeit, der Feindschaft, des Unglaubens, … zum Schmelzen bringen.

Anderen helfen, die aufs Glatteis gelangt sind.

Menschen in Sicherheit bringen, für einen gangbaren Weg sorgen.

Für ein gefahrloses Ans Ziel Kommen.

Übrigens: Zuviel Salz im Essen ist ungesund, ja gesundheitsschädlich.

Ein ziemlich neues Buch heißt: „Ihr seid das Salz, nicht die Suppe.“

Bitte nicht zuviel des Guten. Wo es nichts anderes gibt als nur mehr Bibelverse, Moralkontrolle jeder durch jeden – christliche Milieus uah, Tilman Moser spricht da von Gottesvergiftung.

Es ist gut, sich bei allem an Jesus zu orientieren.

Aber es ist nicht gut, wenn jeder jedem dreinredet, wie er/sie gefälligst zu leben habe.

Es kann nämlich für jeden etwas anderes bedeuten. Einer ist zur ehre Gottes arm – ein anderer reich, einer erträgt Krankheit mit Geduld, ein anderer preist Gott durch die Heilung, einer durch gute ehe, einer im Orden ehelos.

Einer himmelt den Papst an aus Liebe zur Kirche, andere kritisieren ihn aus demselben Grund.

Das alles muss drin sein.

Nur eines geht nicht, meint Jesus: Gar nichts tun – oder nichts tun, weil es einen nicht interessiert oder weil wir uns zu minderwertig vorkommen, zu unbegabt, weil wir uns nicht in den Vordergrund rücken wollen, usw.

Das sollen wir nicht.

Er räumt uns einen Rang neben sich ein. Er ist ja das Licht der Welt. Hier sagt er, WIR sind es. Er traut uns viel zu. Schüchternheit ist nicht in.

Vor ein paar Jahren haben mir Bekannte in Lunz am See, wo ich bis Mai dieses Jahres ein Haus hatte, eine für sie verstörende Begebenheit erzählt:

Der Bischof war in diesem bezaubernden Bergdorf in den niederösterreichischen Alpen, und MitarbeiterInnen der Pfarre berichteten ihm begeistert, worauf sie in ihrer Gemeinde stolz waren. Offenbar ein Fehler; scharf wies er sie zurecht: Stolz sei eine schwere Sünde und habe im kirchlichen Bereich nichts verloren, sie sollten sich quasi schämen …

Ich war entsetzt und dachte mir (und habe es meinen Bekannten auch so gesagt😊):

Da hat der gute Mann etwas verwechselt – und seinen eigenen blinden Fleck nicht gesehen.

Es gibt zwei Arten von Stolz.

Selbstverständlich dürfen und sollen wir stolz sein auf unsere Leistungen, Einsichten, auf das, was wir gelernt und erworben haben usw. usf. Es ist gut und richtig, die eigenen Vorzüge nicht zu verstecken; Selbstbewusstsein, das Bewusstsein des eigenen Wertes und der eigenen Würde, ist gesund und erstrebenswert. Außerdem brauchen Menschen Vorbilder, denen sie nacheifern können.

Diese Art von gesundem Stolz kann kippen: in eine ungute Überheblichkeit, die sich besser vorkommt als Mitmenschen mit anderer Überzeugung, anderem Lebensentwurf, anderer Herkunft, anderem Aussehen, anderer Religion … Diese „anderen“ werden dann schnell abgewertet, von oben herab behandelt, vielleicht sogar offen verachtet.

Genau diese 2. Art, die Überheblichkeit, kritisiert Jesus auch im Text, der heute im katholischen Sonntagsevangelium für den Gottesdienst vorgesehen ist. „Wir, die Guten – die dort, die Schlechten“ – eine derartige Sichtweise verhindert eine heilsame Spiritualität. Es geht dann nur mehr um die Erfüllung von Normen und Geboten, nicht mehr um die Beziehung zur liebenden, menschenfreundlichen Gottheit. Klar begegnet dieser abschreckende Stolz in der Kirche und in Religionen ständig, und das hilft keinem.

Und weil JHWH will, dass es uns gut geht, dass wir glücklich sind, bekommen wir den Hinweis: He, so bitte nicht!

Möglicherweise flüchten Menschen in die Überheblichkeit, wenn ihnen der gesunde Stolz lange und gründlich aberzogen wird. Möglicherweise handelt es sich um eine „Sünde“, die in patriarchalen Gesellschaften besonders gute Entwicklungschancen hat; eher eine Sünde von Männern, weniger von Frauen…

Wie geht es euch mit dieser Sicht? Möchtet ihr eure Erfahrungen mit gesundem Stolz und unangenehmer Überheblichkeit teilen?

Predigt zu Mk 9, 38-41

So wie die Jünger da reagieren – das kommt uns bekannt vor. Oder?

Selbsternannte oder staatlich organisierte Religionspolizei tut das von jeher: Abweichlertum suchen und melden – und nach Möglichkeit zum Verschwinden bringen.

„Der hat sich uns nicht angeschlossen – und heilt und predigt trotzdem, indem er sich auf dich beruft, Jesus: wirklich unerhört!!

Bewundernswert, wie gelassen Jesus antwortet: Wer nicht gegen uns ist, ist für uns!

Ich habe in meiner Zeit in Braunau religiöse Fanatiker/innen kennengelernt, die ähnlich wie die Apostel im heutigen Evangelium eingestellt waren – und, wie ich stark vermute, auch jetzt noch immer sind …

Es wurden regelmäßig Prediger (ohne „-innen“ – es waren in der Tat ausschließlich Männer) eingeladen, die Thesen vertraten wie:

  • Die gesamte Naturmedizin, angefangen bei Heilkräutern, Bachblüten, Homöopathie, erst recht, wenn jemand Hände auflegt, Reiki usw. … das ist vom Bösen …(!)
  • Überhaupt samt und sonders alles, was sie (nämlich die Prediger selbst) unter Esoterik einstuften – ich würde eher meinen: Was sie nicht verstanden haben …😊 Schamanismus, Astrologie…
  • Traumreisen u. a. Methoden der psychotherapeutischen Arbeit …
  • Bücher, die phantastische Literatur sind – z. B. Harry Potter oder „Tintenherz! oder die „Unendliche Geschichte“ von Michael Ende … weil da Magie thematisiert wird bzw. Hexen und Zauberer vorkommen
  • Formulierungen, die sie als der Evangelischen Kirche oder einer nichtchristlichen Religion zugehörig einstuften …
  • Usw. usf. …

Egal, wie vorteilhaft sich etwas auf die Gesundheit von Menschen auswirkt; es darf nicht sein, weil es der Papst nicht erfunden hat …

Wie so oft, wenn kleine Geister sich ein Urteil über andere anmaßen: Was in der Bibel wirklich steht und gemeint ist, was Jesus tut und sagt, wird vernachlässigt, vergessen oder gleich verschwiegen (oder möglicherweise wissen sie es gar nicht – was bezeichnend ist für die Qualität dieser Art von Theologie.

Was sagt Jesus: Hindert ihn nicht, Gutes zu tun. Wer nicht gegen mich ist, ist für mich.

Möge uns diese Haltung auch bei der heutigen Wahlentscheidung helfen. Es ist ja nicht schwer festzustellen, welche Fraktionen im Sinne Jesu und des Evangeliums handeln – und welche nur lautstark christlich klingende Phrasen im Munde führen.

Predigt                             21. 7. 2024    Gaming und Kienberg

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Ausruhen. Viele Menschen können das heutzutage gar nicht mehr. Das Leben wird, so bestätigen es ForscherInnen, immer schneller. Reizüberflutung. Sogar bei einem guten Essen im Gasthaus mit der Familie, was ein Höhepunkt sein könnte, sieht man jedes Kind, das beginnt mit 4 Jahren, mit dem Handy herumspielen. Sie genießen nicht auf der Seeterrasse die wunderbare Aussicht, auch nicht das köstliche Essen – abgesehen davon, dass sie eh nur Schnitzel, Pommes frites oder Eis wollen, sondern sind ständig abgelenkt.

Aber die Kinder können nichts dafür. Sie sehen es von uns, von den Erwachsenen.

Was ist daran so schrecklich?

Wir versäumen das eigentliche Leben. Wir verpassen unsere eigene Kreativität, Persönlichkeitsentwicklung …Unser Geist entfaltet sich in der Muße – das ist dort, wo einem ein bisschen fad ist.

In den letzten 30 Jahren hat sich immer mehr eine Haltung breitgemacht, eine Art Weltanschauung, die es in der Zeit davor eine Weile nicht gab. Weiter in der Vergangenheit zurück nämlich schon.

Menschen machen keinen Urlaub mehr. Sie haben wohl Urlaub, weil ihnen die5 Wochen vom Gesetz her zustehen, aber dass man z. B. 14 Tage wohin fährt, in meiner Kindheit war das meistens entweder Urlaub am Bauernhof mit Wandern oder Kärntnen mit Faakersee oder IOtalien oder Jugoslawien mit Meer … einfach Erholung halt – so etwas buchen heute viel weniger Menschen als früher, und wenn, dann sind sie in meinem Alter. Nein, es liegt nichtam Geld, denn die gehen zumindest zuhause jeden Tag Baden …Sie fahren wohl 3,4 Tage schifahren oder übers Wochenende Wellness oder einen Städteflug.

Warum?

Ich möchte mit Ihnen eine Begebenheit aus meiner Jugend teilen.

Ich war ja mit einer halben Anstellung berufstätig und habe auf dem 2. Bildungsweg, mit 27, begonnen Theologie zu studieren.

Als ich im Familienkreis anmerkte, ab 20. Juli wäre ich 2 Wochen auf Urlaub, meinte meine Tante: Wie kannst denn du auf Urlaub fahren, wenn du noch nicht mit dem Studium fertig bist?

Ich weiß nicht mehr, wie das Gespräch weiterging, aber ich weiß, warum ich Urlaub machte: ganz einfach, weil ich ihn brauchte.

Urlaub, 2-3 Wochen abschalten, raus aus der üblichen Routine, bringt uns unglaublich weiter als Persönlichkeit. Ich erinnere mich noch an mehrere Bücher, die ich während solcher erholsamer Zeiten gelesen habe – sie haben mich unglaublich inspiriert und mein Leben beeinflusst…

Einen ganz ähnlichen Effekt hat auch die Sonntagsruhe – wenn man sie einhält.

Gott weiß, was wir brauchen. Und liebt uns so sehr, dass er uns das was uns guttut, verordnet.

Wir kennen alle das dritte von den 10 Geboten: Du sollst den Sabbat halten – für uns Christen ist es der Sonntag – … wer tut das noch wirklich?

Schieben wir es nicht auf die Landwirte – ich kenne das Problem, wenn alles schon tagelang gemäht oder geerntet gehört und nach einer Woche Regenwetter der Sonntag der erste sonnige Tag ist …

Das ist eine Ausnahme, sozusagen ein Notfall – wie bei Ärzten, Krankenhäusern Pflegeeinrichtungen, Tankstellen, Installateurnotdiensten usw. – da sind wir selbstverständlich froh, dass sie sich nicht ultraorthodox an den Wortlaut halten

Eine ganzandere Größenordnung ist es, wenn Menschen den freien Sonntag generell abschaffen wollen – wo Gewinnmaximierung das oberste Ziel von allen geworden ist…

Aber wie verhalten wir uns selbst, freiwillig, weil wir uns dazu entscheiden? Oder weil wir nicht nachdenken und uns vom Sog der Allgemeinheit mitreißen lassen?

Wie gestalten wir unsere freie Zeit, unseren Urlaub? Ist da wirklich Zeit zum Erholen, zum Nachdenken, für Faulenzen und Kreativität?

Die pädagogische Forschung hat etwas wie ich finde höchst Interessantes herausgefunden: Kinder, die oft, gewohnheitsmäßig mit anderen Kindern frei spielen – ohne Vorgaben von Erwachsenen, ihrer Phantasie quasi freien Lauflassen, sind in der Schule klüger, entwickeln sich zu weit intelligenteren und kreativeren Erwachsenen, was sich auch an der Berufslaufbahn zeigt, – verglichen mit sagen wir wohlbehüteten Kindern, die täglich einen durchgetakteten Terminplan haben – Musikschule, Ballett, Turnen, Klettern, Reiten, Heimstunde, Bastelkurs, Theatergruppe, vielleicht noch Nachhilfe, usw.

Natürlich sollen Kinder ihre Fähigkeiten herausfinden und ausbilden – aber doch nicht alles quer durch den Gemüsegarten und oft 2 Dinge am selben Nachmittag … so dass sie gar nicht zum Verschnaufen kommen, nach dem Vorbild ihrer Eltern, … da ist gut gemeint manchmal das Gegenteil von gut.

Wir stopfen unsere Tage ja auch immer wieder mit Vorhaben und Tätigkeiten voll, sogar im Urlaub muss noch dahin und dorthin gefahren werden und das und nochwas und immer noch etwas erlebt werden – warum? Kann das nicht damit zusammenhängen, dass wir zuwenig Gottvertrauen haben? Uns nicht vorzustellen wagen, dass und wie sehr der gute Hirte auf uns schaut, darauf, dass es uns gut geht, dass wir alles haben, was wir brauchen? Dass wir glücklich leben?

Wir tun oft so, als ob alles und jedes von unserem eigenen Planen und Tun abhinge. Ja, es ist super, wenn wir fähig und tüchtig und verantwortungsbewusst leben. Aber gleich so, als ob da keiner wäre, der sich in unglaublicher Weise liebevoll für uns interessiert…?

Die Jüngerinnen und Jünger damals in den guten 2 Jahren an der Seite von Jesus hatten nun wirklich die wichtigste Mission die es geben kann. Sie hätten wohl auch trotz Müdigkeit und erbrachter Leistung immer noch was und noch was unternommen – aber Jesus meint es gut mit ihnen und sagt: Ruht ein wenig aus.

Vertraut darauf, ihr seid alle immer zur richtigen Zeit am rechten Ort.

So wie wir alle, wenn wir bewusst in seiner Gegenwart leben. Ruht ein wenig aus.

Im heutigen Sonntagsevangelium erfährt die engste Familie von Jesus eine krasse Abfuhr. Sie wollen ihn mit Gewalt nach Hause zurückhole; weil sich die Massen bei ihm anstellen, um seine Predigt zu hören und geheilt zu werden, halten sie ihn für übergeschnappt. „Wer mein Wort hört und den Willen meines Vaters tut, ist für mich Schwester und Bruder und Mutter“, sagt er. Also: Das sind wir.

Jesus hatte seine spezielle Berufung, sein Wesen zutiefst erfahren – in der Szene, wo er sich taufen lässt, ist das verdichtet fassbar.

Und jetzt kommt die Familie und will ihn davon abhalten, zu tun, zu leben, was er als richtig und ultimativ heilbringend für die gesamte Menschheit erfahren hat.

Umso erstaunlicher, weil im Orient zur damaligen Zeit die Familie über alles ging. Ohne die mizpoche v. a. im Judentum heute noch erlebbar, war man niemand und eigentlich verloren.

In unserem modernen Verständnis ist es normal, dass Jugendliche sich von der Ursprungsfamilie entfernen, selbständig werden, sich ein eigenes Leben aufbauen – schon auch einmal konträr zum zu Hause Erfahrenen und Gelernten. Es gilt sogar als gesund und normal, den eigenen Weg zu gehen – auch und gerade über Widerstände hinweg.

Das Richtige zu tun: davon werden allerdings auch heute Menschen abgehalten oder lassen sich abhalten durch falsche Rücksichtnahme.

Wie viele werden heute noch neurotisch oder sonstwie krank oder unglücklich, weil sie auf die Meinung von Nachbarn, FreundInnen, Eltern, Verwandten, KollegInnen … gehört haben, sich nach ihnen gerichtet haben, obwohl sie spürten, dass etwas anderes richtig wäre?

Sich von der eigenen Berufung, von der eigenen Integrität abbringen lassen, um gut dazustehen, um nicht anzuecken …

Heute wird in der gesamten EU gewählt.

In unserem Land treten mehrere Parteien an. Da sind jetzt unter uns immer wieder Menschen „politikverdrossen“ – es geht nichts weiter in der Politik, und man wendet sich enttäuscht ab.

Es ist tatsächlich erschreckend, wie sehr Politikerinnen sich an Meinungsumfragen orientieren – nicht das entscheiden und umsetzen, was wichtig und richtig ist, sondern was opportun erscheint – damit man bitte nur ja von möglichst vielen gewählt wird.

Schade. So wird Integrität verspielt. Und weiter geht auch nichts, was schrecklich ist: in der Klimafrage, in der Asylpolitik, im Bildungsbereich, im Gesundheitswesen … in der Armutsbekämpfung…

Als Christen sind wir berufen, in der Politik mitzumischen. Uns zu orientieren an unserem großen Vorbild Jesus und unserem Gewissen. Leuchttürme sein. Nicht irgendwelches seltsames katholisches ewiggestriges Zeugs wiederzukäuen…

Dass das immer mehr und immer besser gelingt, dazu helfe uns Gottes inspirierende stärkende Geistkraft.

Ich wünsche euch einen schönen Sonntag – und eine gute Wahl!

Predigt                                Sonntag der Heiligen Familie, 26. 12. 2021

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Was ist eine Familie? – Das weiß jede/r, oder? Oder doch nicht?

Es gibt Idealbilder, die stammen aus dem Bürgertum des 19. Jahrhunderts, eigentlich aus der Romantik, unter anderem hergeleitet aus der Bewegung um Jean Jacques Rousseau mit dem Slogan „Zurück zur Natur“.

Vater und Mutter mit einigen Kindern, die sich selbst um die Erziehung derselben kümmern.

Kinder, die bei den eigenen Eltern aufwuchsen, waren damals keine Selbstverständlichkeit.

In den Adelshäusern kam der Nachwuchs meist mit ca. 7 Jahren außer Haus, um Umgangsformen bei einer anderen, im Idealfall bessergestellten Familie, wenn möglich am Königs- oder Herzogshof, zu lernen – oder in ein Kloster, um ab der Kindheit an dieses Leben gewöhnt zu sein.

Bei den Bauern kamen jüngere Kinder als Arbeitskraft zu anderen, vielleicht die beiden vielversprechendsten Töchter zu Lernzwecken, um später den eigenen Hof als Hausfrau führen zu können; oft starb die Mutter im relativ jungen Alter an den Folgen einer Geburt oder der Vater an einem Arbeitsunfall (Blutvergiftung), Kinder wurden auf Verwandte und Freunde aufgeteilt und hatten dort ein Leben als Magd oder Knecht vor sich.

Im besten Fall konnte ein großer Bauernhof alle Kinder selbst ernähren bzw. als Arbeitskraft brauchen, dann bildeten ca. 20 oder mehr Personen – incl. Gesinde – eine Großfamilie; ebenso in den städtischen Handwerkerhäusern.

Die Mutter übte in allen drei Fällen als Hausfrau eine Leitungsfunktion zur Versorgung der Großfamilie aus und hatte denkbar wenig Zeit für den eigenen Nachwuchs.

Heiraten konnten oder durften übrigens die wenigsten; dazu musste eine Versorgungsgrundlage gegeben sein. Sehr viele uneheliche Kinder lebten in den verschiedenen Systemen – Höfen und Häusern, und zwar eher nicht zusammen mit den leiblichen Eltern.

Der Vorteil: Kinder hatten immer eine Reihe von anderen Menschen, Bezugspersonen um sich, waren niemals einsam, hatten mehrere Vorbilder zur Auswahl, es war immer jemand da zum Reden, Trösten, Erklären …

Familie wie wir sie heute kennen oder – die Form verändert sich ja bereits wieder – oder wie wir sie selber kennengelernt haben und als Ideal und vorstellen, ist ein Produkt der Industrialisierung, der Berufstätigkeit außer Haus und der Mechanisierung des Alltags – es blieb Zeit und die Wohnungen waren klein und wurden ab dem 3. Kind unbequem. Ca. 100, eher nur 60 – 70 Jahre lang in der westlichen Welt die vorherrschende Form. Vorteil der bürgerlichen Kleinfamilie: Versorgungssicherheit; Geborgenheit, Zuwendung, Innigkeit zwischen Kindern und Eltern. Nachteil: in jeder 5. Familie spielt Gewalt eine Rolle – ist das Ausgeliefertsein. Man kann nicht aus, schon gar nicht als Kind. Ein Bauernhof war groß und wenn der Bauer im Suff ausrastete, war da immer noch wer, der einen liebhatte und beschützte.

Und jetzt schauen wir uns die Familien an, die in den heutigen Bíbeltexten vorkommen. Beide sind ja als Vorbild gedacht, als heilig.

Sara und Abraham sind eine lange Zeit verheiratet, ein kinderloses Ehepaar, das sich sehr liebt – aber es fehlt etwas. Gott verspricht Nachwuchs, es tut sich lange nichts, also zeugt Abraham mit der Dienerin Saras ein Kind, das stellt sich als problematisch heraus, das Kind und seine Mutter müssen wieder verschwinden …

Maria und Josef: beiden wird zugemutet, ihre Lebensplanung umzustoßen, Gott hat ein bisschen Aufwand und Mühe damit, den Josef dazu zu bringen, Maria, die schwanger ist ohne sein Zutun, nicht zu verlassen und als Verlobte mit sich zu führen … man weiß nicht, ob sie jemals geheiratet haben…

Zwei Familiensituationen, die wir alles andere als ideal einstufen würden …

Was macht diese Familien zu heiligen Familien?

Gott ist dabei. Zu Allerheiligen betonen wir jedesmal, dass „heilig“ nicht „perfekt“ bedeutet. Heilig ist nicht die perfekte Form, sondern dass Gott eine Rolle spielt, dass die Menschen, die eine Familie bilden, etwas mit Gott zu tun haben. Auf Gott hören.

Wenn wir verunsichert sind angesichts der verschiedenen Familienformen, der Entwicklungen im Zusammenleben, die uns Sorgen machen … es käme ja nur darauf an, dass die beteiligten Menschen Gott in ihr Herz aufnehmen, dass Gott mit ihrem konkreten Leben etwas zu tun bekommt …

Ja, Menschen und erst Recht Kinder benötigen Geborgenheit, einen sicheren Halt, vertrauenswürdige Menschen – Menschen, die einander Liebe und wohlwollen entgegenbringen, die einander – nicht nur den Kindern, sondern auch die Erwachsenen untereinander – einen guten Raum zum Wachstum eröffnen und offenhalten … ob das die biologischen Eltern, Männer oder Frauen oder beides sind, diese Frage stellt sich erst nach den ersten beiden.

Familien sind heilig, weil die die beteiligten Menschen heilig sind – heilig und heil sind wir, wenn wir im Bewusstsein leben, dass wir immer schon zur heiligen Familie gehören – ihr seid die Familie des Herrn, singen wir in einem Lied – und Jesus sagt: Wer den Willen Gottes tut, ist mir Schwester, Bruder und Mutter.

Im Reich Gottes spielen die biologischen Verwandtschaften sowieso nicht wirklich eine Rolle. Im Advent wird öfter der Stammbaum Jesu vorgelesen – finde das jedesmal lustig – höchstens der Stammbaum Josefs. Alle die genannten bei Abraham angefangen sind mit Jesus überhaupt nicht biologisch verwandt.      Genausowenig wie Sie und ich. Oder genausosehr.

Predigt 14. 7. 2019                  Der barmherzige Samariter     15. So. i. Jk. C

 

Liebe Brüder und Schwestern!

 

„Dann geh und handle genauso!“

Was hat der barmherzige Samariter denn eigentlich getan? Gehen wir es noch einmal durch:

Ein Händler auf Geschäftsreise, der von Jerusalem, der Hauptstadt, der Metropole, kommt – unterwegs zu weiteren Unternehmungen nach Jericho – sicher hat er gute Geschäfte gemacht, die Einnahmen vermutlich bei sich. Wenn jemand Angst vor Räubern haben musste, dann jedenfalls er. Der Priester, der Levit, die beide ebenfalls aus der Hauptstadt, vom Tempeldienst nach Hause zurückkehren, haben im Gegensatz dazu wahrscheinlich keine Reichtümer dabei, um die sie bangen müssten.

Nun ist der Mann aus Samarien ziemlich eilig und vorsichtig unterwegs – da sieht er eine Bewegung, hört einen Schrei oder ein Stöhnen – geht näher hin und zögert nicht zu helfen.

Kein Gedanke daran, dass dieser da ein Feind ist, beinahe zumindest, einer aus dem Volk Israel, die kein gutes Haar lassen an denen aus Samaria, hochmütig immer darauf pochen, wir haben die wahre Religion… und ihr nicht… als ob unser gemeinsamer Vater Jakob diesen Unterschied gemacht hätte…

All das weiß der Samariter, und es kümmert ihn nicht, denn da ist ein Mensch in Not, und sein einziger Gedanke ist: Wie helfe ich am besten und am schnellsten?

Und das macht er dann, in der bestmöglichen Weise. Er tut mehr als üblich, mehr als zu erwarten war.

 

Liebe Brüder und Schwestern, darauf käme es an.

Ich bin davon überzeugt, jede/r hier würde einem Menschen, der uns plötzlich unterwegs begegnet und auf uns angewiesen ist, helfen.

 

Leider herrscht bei sehr vielen auch in unserem Land, gerade bei Menschen, denen materielle Not eher fremd ist, die umgekehrte Grundeinstellung vor. Viel zu viele fragen als erstes: „Was brauche ich nicht zu tun?“ Wo kann ich mich heraushalten, unauffällig davonkommen…? Lieber tu ich nichts, bis zum Beweis des Gegenteils geht’s mich nichts an.

 

Jesus spricht bewusst vom „Nächsten“ – das bedeutet doch, wer mir begegnet, ist grundsätzlich so wie Bruder und Schwester. Ausdrücklich gilt das für alle Menschen, als Hilfesuchender genauso wie als Helfender, Glaube und Nationalität spielen keine Rolle.

Wir, die Jünger Jesu, die Christen, müssten darüber noch hinausgehen. Uns wäre es angemessen und zuzumuten, dass wir in dieser Grundhaltung leben und durch die Welt gehen: Ich bin angesprochen, es betrifft mich, ich bin gemeint, gefordert, gefragt. Was kann ich tun – und wie kann ich es bestmöglich tun?

Die Kapitänin der SeaWatch 2 Carola Rackete hat genau das getan. Und die Richterin hat – sie wurde ja angezeigt und kurzfristig in Italien eingesperrt – den Freispruch mit dem geltenden Völkerrecht begründet: Wer in Seenot ist, dem ist zu helfen. Gott sei Dank gibt es dieses Völkerrecht.

Im geltenden österreichischen Gesetz gilt ebenfalls: Wer in akuter Not ist, dem ist zu helfen. Fahrerflucht oder unterlassene Hilfeleistung stellen strafbare Tatbestände dar. Gott sei Dank.

Übrigens war das auch damals so – nach der Tora, dem mosaischen Gesetz … Der Priester und der Levit hätten es besser wissen müssen.

 

Wie kann das, was Jesus fordert, in unserem persönlichen normalen Leben aussehen?

 

Mit offenen Augen durchs Leben gehen. Ein offenes Herz haben gegenüber Mitmenschen, offene Ohren für Missstände in Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Umwelt, Kirche, für Hilfeschreie im Nachbarhaus, Zivilcourage im eignen Betrieb.

 

Jesus meint nicht, wir sollen ein krankhaftes Helfersyndrom haben. Er sagt auch: Ruht ein wenig aus, er selber zog sich oft zurück, um allein zu sein, und er konnte feiern, das Leben genießen, dass es manchen Frommen zu bunt war.

Uns ein Beispiel nehmen an Jesus selber. Ein vorurteilsfreier, offener, zugewandter Blick zum Menschen neben mir.

Manche Menschen machen sich zu gegenüber anderen, gegenüber den Anforderungen des Lebens. Viele davon kommen sich sehr brav, ordentlich und fromm vor. Wer nie was erlebt, macht sicher nichts falsch, aber er versäumt das Leben.

 

 

Mehr zu Carola Rackete erfahren Sie z. B. in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung FAZ, v. a. auf der entsprechenden Website.