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Die Kardinaltugenden. Heute: Tapferkeit

Die alte Tugendlehre verwendet lateinische Begriffe, und der entsprechende lautet „fortitudo“.

Es stecken gleich mehrere Bedeutungsfelder drin.

Das, was uns vermutlich als erstes einfällt, hat mit Stärke zu tun. Mut, Tatkraft, Energie, Durchsetzungskraft – aber auch Widerstandsgeist, Durchhaltevermögen – und das, was wir heute „Resilienz“ nennen, schwingt ebenfalls mit.

Fortitudo erinnert an die Sprache von Militär und Krieg, und das ist nicht ganz falsch, weil Soldaten und Kampf(tüchtigkeit), im Römischen Reich der Antike eine bedeutende Rolle spielten.

Und doch ist viel mehr gemeint. Etwas anpacken, durchziehen und zum Abschluss bringen. Verantwortung übernehmen statt sich davor zu drücken. Werte, Überzeugungen, sich selbst und andere verteidigen. Einstehen dafür, beherzt eintreten für das Gute, für Wahrheit und Gerechtigkeit ungeachtet möglicher Nachteile für einen selbst.

Zivilcourage.

Aber genauso der Lebensmut an sich, Bereitschaft, sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen, statt sich zurückzuziehen und es sich in den eigenen vier Wänden allzu sehr gemütlich zu machen.

Entdeckerfreude, Pioniergeist.

Sich und anderen etwas zutrauen. Ein gesundes Selbstbewusstsein.

Und:

Unangenehmes, wenn es sich nicht vermeiden lässt, tapfer ertragen. Eine Situation, eine Zeit der Entbehrungen oder auch einen Konflikt durchstehen. Geduldig ausharren.

Eine Therapie oder medizinische Behandlung, eine Entwicklung oder Arbeitsschritte auf sich nehmen.

Nicht vorschnell aufgeben, wenn der gewünschte Erfolg noch ausbleibt.

Tapfere Menschen sind solche, auf die man sich im Ernstfall verlassen kann.

Bildnachweis: Johanna von Orleans, Jeanne d‘Arc von DominiqueVince auf Pixabay

Heute ist Barbaratag.

Vielleicht ist es bei euch so, dass Kirschzweige abgeschnitten und in eine Vase gestellt werden. Bis Weihnachten sollen sie dann aufgeblüht sein.

Woher kommt dieser Brauch?

Die heilige Barbara war bereits Christin, ohne dass ihr (heidnischer) Vater das wusste. Als er sie mit einem vornehmen jungen Mann, der ebenfalls Heide war, verheiraten wollte, weigerte sie sich, v. a., weil sie befürchtete, ihr Chriostsein dann nicht leben zu können. Ihr Vater sperrte sie in einen Turm – quasi als letzte Frist, damit sie es sich anders überlege. Da sie bei ihrer Haltung blieb, ließ er sie enthaupten.

Vor dem Turmfenster stand ein großer Kirschbaum; da gibt es nun 2 Erzählvarianten: 1. Der Baum begann mitten im Winter zu blühen und schenkte Barbara so Freude.

2. Barbara erklärte, sie werde sich entschließen, die vom Vater arrangierte Ehe einzugehen, sobald die Kirschblüte vorbei sei – worauf der Baum immerfort weiterblühte.

Dieses Blühen zur falschen Jahreszeit bzw. trotz widriger äußerer Bedingungen (Winterkälte oder Sommerhitze) ist auch Symbol für großes Durchhaltevermögen, für Widerstandsgeist – Eigenschaften, die Barbara offenbar besessen hat.

Hole dir einen Barbarazweig aus dem Garten (es geht auch Weichsel, Ringlotte, Marille, Zwetschke …) und stell ihn auf deinen Feierplatz.

Wo brauchst du Durchhaltevermögen? Wobei sind Widerstand oder entschlossenes energisches Auftreten gefragt und sinnvoll?

PS.: Du kannst auch darum bitten. Es handelt sich um eine Gabe des Heiligen Geistes („Stärke“); Gott schenkt sie dir gern, wenn du in seinem Sinne unterwegs bist …