In Österreich ist heute ein Feiertag: Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau Maria“ heißt er offiziell.
Was ist das jetzt wieder: Kann man Sünde erben?
Klarerweise nicht. Ein Übersetzungsfehler, wie sie immer wieder passieren – und, als feministische Theologin muss ich das anmerken, trotz besseren Wissens lange zuungunsten der Frauen beibehalten wurden.
Also: Für die Gottesdienste ist die Erzählung vom sogenannten „Sündenfall“ vorgesehen. Lest den Text gern selber nach: Gen 3, 9-20.
Ihr wisst schon: Das mit Eva und der Schlange und dem Apfel, der Frucht vom Baum der Erkenntnis.
Jahrhunderte hindurch wurde die „Erbsünde“ als Ungehorsam definiert: Weil Eva verbotenerweise die Frucht gegessen und auch ihrem Mann gegeben habe, seien alle folgenden Generationen von Gott irgendwie getrennt und müssten sich durch Wohlverhalten, Gehorsam, Buße usw. die Gnade verdienen … Frauen seien besonders sündig (weit weg von Gott), weil durch sie ja das Paradies verloren worden sei…
Im Lauf der Zeit, durch Theologiestudium und Exerzitien, an denen ich teilnahm, stieß ich auf eine andere Definition: Das Schlimme sei der Vertrauensverlust Gott gegenüber – dass sich die Menschen von einem Wildfremden, den sie vorher nie gesehen hatten, einreden ließen, Gott meine es nicht gut mit ihnen.
Wie auch immer – Eva, also die Frau, war noch immer die mehr Schuldige… diese Anschauung legitimiert bis heute die Einstufung von Frauen als irgendwie minderwertige Wesen…
Das eigentliche Problem:
Sämtliche Theologen (bewusst hier nicht gegendert, weil es sich ausschließlich um Männer handelte) haben übersehen, dass sie ihre eigene theologische katholische Lehre nicht ernst nahmen.
Denn die christliche Lehre lautet: Durch die Taufe werden wir von der Erbsünde befreit.
Einmal ganz davon abgesehen, dass man den biblischen Mythos und sämtliche davon abgeleiteten Äußerungen und Verhaltensweisen ernst nehmen kann oder auch nicht: Auch wer streng religiös im Sinne der Kirche leben möchte, sollte und darf wissen:
Wenn heute groß gefeiert wird: Maria, die Mutter Jesu, war frei von der Erbsünde – nun gut: Wir getauften Frauen sind das alle auch.
(Und denen, die nichts mit dem Christentum am Hut haben, kann die katholische Lehre sowieso egal sein).
Die eigentliche „Erbsünde“ als üble Folge des Misstrauens, dass Menschen nicht ins Dasein vertrauen und ständig befürchten, es könnte zuwenig da sein, zeigt sich in der Ausbeutung der Natur, in der bedenkenlosen Zerstörung natürlicher Ressourcen. Erbsünde, so verstanden, ist eine Angelegenheit von Männern der industrialisierten Welt und der westlichen Konsumgesellschaft.
Eine Übung für heute:
Stellt euch JHWH („Ich bin da“) als liebende zärtliche Göttin vor. Die nichts so sehr möchte, als dass es uns gut geht. Uns, den geliebten Töchtern.
Dann denkt an drei Dinge, die nach strenger katholischer Auslegung als „sündhaft“ gelten würden und die ihr selber ausübt – möglicherweise mit einem kleinen bisschen schlechten Gewissens.
Denkt euch eine absolut schräge, unmögliche, lustige „Buße“ aus (10x auf dem linken Bein hüpfen oder mit einem selbstgebastelten Gebilde aus Reisig und Stoffresten auf dem Kopf das Haus verlassen und es als die letzte Hutmode ausgeben beispielsweise…), die ihr natürlich durchführen sollt.
Damit ist alles wieder ok
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Predigt Christkönigsonntag 2025
Liebe Brüder und Schwestern!
Könige – die gibt es bei uns heutzutage nicht mehr.
Höchstens in manchen Illustrierten, die so tun, als ob echte und vermeintliche Skandale diverser europäischer Königshäuser irgendwen interessieren… ein künstliches Interesse an Hochzeiten, Kindersegen und Krankheiten wach halten…
Könige mancher Filme, die eher als degenerierte Witzfiguren in Erscheinung treten…
Oder es fallen uns die Herrscher der sogenannten guten alten Zeit ein, der Sagen und Märchen, die weisen und gütigen, wo alle anderen Untertanen sind, und nichts zu lachen haben, wenn der König zufällig einmal weniger weise und gütig ist – und sich nur durch Gewalt und Unterdrückung an der Macht halten kann… Wer spürt, die eigene Position ist angemaßt, muss Opposition verfolgen… da ist man dann heilfroh, in einem demokratischen Land zu leben.
Diese Königs-Erfahrungen haben leider auch unser Gottesverständnis geprägt. Die Menschen haben sich ein Bild gemacht – auch der beste der tatsächlichen Herrscher war ein Mensch mit Fehlern, und wir haben angst, Gott könnte einem solchen ähnlich sein, tyrannisch, undurchschaubar, willkürlich, rachsüchtig…
Solche Gottesbilder hindern uns am Glauben.
Ich habe den Eindruck, Gott tut das ganze AT hindurch nichts anderes, als durch den Mund der Propheten diese allzumenschlichen Vorstellungen aufzusprengen, zu widerlegen. Weitgehend ohne Erfolg. Die guten Gegenbilder – Gott als Vater, Mutter, Suchender, Tröstender, Liebender…
Bis er selber kommt, in Jesus – Jesus, die Verkörperung all dessen, die Inkarnation. Ja, auch der König, so wie ihn sich Menschen erträumt haben und wie es kein menschlicher König zustandebringt…
Der Vorbild ist im Guten, der allen voraus ist in Güte und Weisheit, wo das Kleine und Schwache Platz haben… vielleicht denken wir an Jesaja: Das geknickte Rohr zerbricht er nicht, und den glimmenden Docht löscht er nicht aus. Ja, er bringt wirklich das Recht. Durch Beispielwirkung, nicht gewaltsam – weil er die Verantwortung und Sorge trägt, seine Krone aus Dornen drückt und sticht, ist Belastung, nicht Schmuck und Rangabzeichen wie bei den Königen, die keiner mehr ernst nimmt… der König, der sich lieber umbringen lässt als seine Botschaft – Liebe – zu verleugnen.
Der eine der beiden Männer, die neben Jesus gekreuzigt werden, kommt in diesen Stunden des qualvollen Sterbens drauf: So nicht wie bisher, vermutlich waren beide Freiheitskämpfer, die eben auch Römer und Kollaborateure überfallen, umgebracht, ausgeraubt haben… der eine denkt um, der andere verharrt in seiner Enttäuschung: der politische Messias, ein neuer irdischer König David, wäre ihm lieber gewesen, an so einen Schwächling glaube ich nicht, verschwende ich keinen Gedanken, wenn du der Messias bist, dann hilf dir und uns…
Der andere bekommt eine Ahnung von Gottes Wirklichkeit – und erlebt gleich noch mehr davon, wie dieser Jesus ist: er tröstet, hilft, richtet auf, noch am Kreuz.
Ist das nicht ungeheuer befreiend für uns?
Nicht Macht, Gewalt, Unterdrückung, Berechnung, Hierarchien, menschliche Strukturen in Erfolg-Misserfolg, Arm-Reich,— werden sich im letzten durchsetzen, sondern das Gute, Barmherzigkeit, Recht, Hilfsbereitschaft, Geduld, Durchhalten, zweckfreie Zuwendung… Gott selber hat es bewiesen, worauf es ankommt.
Liebe Brüder und Schwestern, wir sind Jesu Königsgeschwister – wir sollen ein bisschen so sein wie er, an ihn erinnern, ………… Wir haben Anteil an seiner königlichen Würde. Besonders dann, wenn uns unsere kleine Königsgeschwisterkrone drückt und sticht: die Verantwortung, die wir übernehmen für Mitmenschen in der Familie, im Betrieb, in der Freizeit, in Gesellschaft und Politik. Die Arbeit, die wir uns antun, weil wir helfen, uns engagieren für gesunde Umwelt, für Gerechtigkeit, Freiheit, Frieden…
Wenn wir mehr arbeiten als andere, weil wir nicht Dienst nach Vorschrift machen, nach Minimalanforderung, sondern putzen, kochen, reparieren, erziehen und unterrichten, bauen, pflegen, kaufen und verkaufen, planen und verwalten als Stellvertreter und Stellvertreterinnen unseres Herrn, vor seinem Angesicht, als ob er selbst es tun würde. Dieser Einsatz bedeutet mühsame Kleinarbeit, manchmal auch Spott und Verfolgung.
Und immer wieder ist es auch so, dass unser Einsatz keinen Erfolg hat, dass etwas völlig misslingt.
Könige wurden im AT gesalbt, man hielt ein Sakrament, könnten wir vergleichsweise sagen, für nötig, die besondere Begleitung und den Schutz und Segen Gottes, damit sich ein Mensch – und ein Mensch ist fehlbar und angefochten – überhaupt diesen Anforderungen stellen kann…
Wir sind getauft, gefirmt – mit hl. Öl gesalbt, dieses Sakrament, das uns Verantwortung tragen hilft, gibt es, genau dadurch sind wir ja Jesu Geschwister, wir Christen…
Indem wir diese Verantwortung übernehmen, wird Gottes Weltanschauung auf dieser Erde nachhaltig bekannt gemacht – und seine Königsherrschaft hält Einzug, immer wieder ein Stück mehr. Glauben wir daran.
Die Einheit der Kirchen – interessiert das überhaupt noch wen?
Vor 10, 20 Jahren konnte sich die Kirchenobrigkeit noch total aufregen: Interkommunion, strengstens verboten …
Als ob irgendwer wüsste, wie und wie sehr Jesus jeweils in der Hostie der jeweiligen Konfession anwesend ist tatsächlich oder nicht …
Alle Getauften …
Wenn wir das Neue Testament, Paulus v. a., ernst nehmen: Probleme verschwinden…
Denkt einmal darüber nahc!
Und zuvor: Teilnehmen an einem ökumenischen Gottesdienst, z. B. in der evangelischen Kirche Haid.
Predigt Taufe Jesu So., 9. 1. 2022
Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!
Was ist in einer Pfarre normal? Was macht eine Pfarre aus?
Der Gottesdienst, zumindest am Sonntag? Das Kirchengebäude? Die hauptamtlichen SeelsorgerInnen? Die Gruppen und Runden, die sich mehr oder weniger regelmäßig treffen? Dass das Pfarrbüro geöffnet ist? Dass Menschen in Not ein offenes Ohr und konkrete Hilfe erwarten dürfen?
…
Wann ist es noch eine Pfarre, wenn eines oder mehrere dieser Dinge fehlen?
Liebe Schwestern und Brüder, wir wählen in wenigen Wochen, am 20. März, einen neuen Pfarrgemeinderat.
Wir halten das meiste für selbstverständlich und bedenken nicht: dass das nicht automatisch geht ohne Menschen, die hier mittun und sich engagieren.
Wir sind eingeladen, von dieser Haltung der Konsumenten wegzukommen – sie beruht nämlich auf einem gewaltigen Irrtum.
Die Pfarre – das ist nicht ein Institut wie ein Supermarkt oder eine Arztpraxis, wo jemand etwas anbietet und ich hingehe, wenn ich etwas haben will.
Bei der Pfarre sind wir diejenigen, die sie zustandekommen lassen. Es ist wie eine Familie, und wir sind die Familienmitglieder. Die Eigentümer. In der Bibel steht: Erben.
Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter.
Das hat Gott nicht nur ein einziges Mal zu Jesus aus Nazaret gesagt.
Gott sagt das zu jedem und jeder von uns bei der Taufe.
Wir sind getauft – und Gott hat bei der Taufe zu jedem und jeder von uns ganz JA gesagt. Hat uns erfüllt mit den Gaben des Geistes. Jeden mit einer besonderen, speziellen Mischung.
Wir haben jeder eine persönliche Berufung. Wir sind unersetzbar, nicht austauschbar.
Unsere Begabungen sind dazu da, dass wir sie einsetzen.
Was ist die Taufberufung? Selber den Kontakt mit Gott zu halten, zu pflegen – und: Andere in Kontakt zu ihm bringen. Und genau das ist auch der Zweck jeder Pfarre. Menschen das Heil zu bringen: durch Verkündigung, durch Gemeinschaftspflege, durch caritative Sorge. Gottes Nähe zu würdigen und zu feiern.
Wenn Menschen durch eine Arbeit oder ein Angebot der Pfarre nicht zu einem besseren Leben kommen als bisher, nicht glücklicher werden, dann kann man sich diese Tätigkeit sparen.
Viele, die sich schon lange hier engagieren, kommen sich wirklich zeitweise überfordert oder doch sehr sehr gefordert vor.
Da brauchen wir keine Angst haben. Zur Taufgnade gehört es dazu, dass Gott uns alles schenkt, was wir brauchen. Nicht nur persönlich, sondern natürlich auch im christlichen Wirken. Simone Weil hat das die „Schwerkraft der Gnade“ genannt. Was immer wir tun, wir landen in der Hand Gottes.
Kennen sie das „Pareto-Prinzip“
20 % des Einsatzes erzielen 80 % des Erfolges oder Ergebnisses.
Bei uns Christen reichen 10 %. Gott erledigt den Rest. Das ist jetzt kein Witz, das verhält sich wirklich so. Probieren sie es aus!
Übrigens halten höchstens 10 % der Katholiken das Pfarrleben aufrecht. Von ca. 2.300 katholischen Christen im Pfarrgebiet Pucking kommen rund 230 Personen einmal im Jahre mit der Pfarre näher in Berührung – Gottesdienstbesuch oder Mitarbeit.
Wir sind berufen, die Freude und das Glück in Pucking zu vermehren. Vielleicht möchten Sie da ja selber mittun. Man darf. Kann und soll sich auch selber für den PGR vorschlagen.
Und schreiben Sie Menschen auf, die Ihnen einfallen!
Predigt Mariä Empfängnis
Ohne Erbsünde – Erbsünde, was ist das überhaupt? Was wird da ver- oder geerbt – und von wem?
Liebe Brüder und Schwestern!
Das Wort ist eine sehr schlechte Übersetzung.
Im Lateinischen heißt es „peccatum originale“.
Originalsünde. Wir wissen was ein Original ist – die Ur- oder 1. Sünde ist sozusagen das Markenzeichen der Menschen. Wir haben das Copyright darauf.
Es ist zugleich die Ursache aller weiteren Sünden, Fehlhaltungen und Schandtaten, die Menschen begehen können und auch immer begangen haben. Der Grund für diese.
Woran leiden Adam und Eva – im Mythos so dargestellt – eigentlich, in welcher Beziehung verhalten sie sich falsch?
Sie kündigen Gott das Vertrauen auf.
Sie lassen sich von jemand X-Beliebigem, den sie gar nicht kennen und zu dem sie keinen Bezug haben, einreden, dass ihnen etwas fehlt. Man muss sich das vorstellen: Dass ihnen im Paradies etwas abgeht.
Jemand stört das Vertrauen, das gute Einvernehmen, die Beziehung zwischen den ersten Menschen und Gott.
Und gleich ist auch die Beziehung zueinander gestört – statt Vertrauen hat Adam plötzlich Angst vor Gott – und so kündigt er Eva, dem Liebsten, was er haben sollte, auch gleich das Vertrauen auf – gut dastehen will und muss er schließlich.
Fehlhaltungen entstehen aus einem Mangel an Vertrauen.
Schauen wir uns an, was aus dem Feiertag, dem 8. Dezember, geworden ist:
Es ist ja typisch menschlich, sich schnell einmal benachteiligt vorzukommen.
Dann sehen wir die Fülle um uns nicht, sondern nur das eine, das wir gerade nicht haben (können).
Die Diskussion um den 8. Dezember begann, als der 8. Dezember auf einen Adventsamstag fiel, langer Einkaufssamstag hieß das früher. Da erwartete man sich Umsatz, den großen Geschäftsgewinn – schrecklich, geschlossen halten zu müssen, keiner kann einkaufen gehen, und besonders in grenznahen Gebieten, z. b. in Braunau, in Salzburg oder Schärding, fürchteten Geschäftsleute, Kunden würden ins nahe Ausland ausweichen. Geschäftsentgang.
Heuer muss das auf- und nachgeholt werden, was in den letzten 3 Wochen wegen des Lockdowns nicht möglich war …
Da könnte einer das Geld verdienen, mit dem eigentlich ich gerechnet hätte …
Es ist dann nur logisch, dass, gleich in welchem Berufszweig, auch am Sonntag gearbeitet werden muss – sonst erwirtschaftet man ja um ein Siebentel weniger …
Kriege entstehen, weil sich Völker im Vergleich zu ihren Nachbarn benachteiligt fühlen.
Gewalt, Raub, Raubbau an der Natur und an der menschlichen Gesundheit, Diebstahl, Verleumdung, Mobbing …
Und so weiter und so fort …
Genau diese Grundhaltung hatte Maria nicht.
Im Gegenteil. Das genaue Gegenteil wird von ihr gesagt: „du bist voll der Gnade“.
Du bist reich beschenkt.
Wir alle sind das im Grunde genommen auch. Gott nimmt dieses menschliche „Markenzeichen“ von uns weg, in der Taufe geschieht das grundsätzlich.
Aber mit uns ist es oft so wie mit einem Haus, dessen Fensterläden geschlossen sind. Erst wenn wir die aufmachen, kann das Licht hineinströmen. Wenn wir es bei uns finster haben, dann sehen wir die anderen nicht, die Mitmenschen sind bedrohlich, werden als Gefahr erlebt, vor der man sich schützen muss. Wo es licht ist, kann ich mich freuen, dass sie da sind.
Maria war offen und empfänglich. In ihrem Leben war es hell.
Wir können das lernen, so zu sein. Wir brauchen nur zu sagen: Bitte, ja ich möchte das. Bitte, lass die Gnade in mir wirken, lass mich das spüren und erleben. Dann wird es hell in uns – versuchen Sie es einfach!
Predigt Taufe Jesu So., 12. 1. 2020 Haid
Liebe Brüder und Schwestern!
Jesus hat sich in der Menschenschlange angestellt und von Johannes dem Täufer taufen lassen. Sensationell daran ist: Die Taufe des Johannes war eine Bußtaufe, ein Akt zur Vergebung der Sünden.
Jesus, der auch ganz Gott ist – braucht der das?
Jesus ist auch ganz Mensch. Er ist in einem familiären Umfeld aufgewachsen und war den kulturellen und sozialen Einflüssen seiner Zeit ausgesetzt. Die Leute in Nazareth haben vermutlich schon getuschelt – jetzt ist der über dreißig, er hätte schon längst eine Familie gründen sollen, erfolgreich sein in seinem Betrieb als Zimmermann, eine Säule der Gemeinde, der für die Witwen und Waisen in der Verwandtschaft sorgt … statt dessen ist er ein Herumtreiber, monatelang in der Wüste, …
Und jetzt steht er da im Jordan, und sein Weg wird gleich zweimal bestätigt: Johannes, der ja mit ihm verwandt ist, erkennt in ihm den, der mit Feuer und Heiligem Geist taufen wird, der über ihm steht, ihm als Erfüllung seines Vorläufertums folgen wird. Der der erwartete Messias – auf Hebräisch Meschiach, ist, der Gesalbte des Herrn.
Jesus verlangt es aber – und kaum dass er getauft ist, kommt die Bestätigung oder Beglaubigung durch Gott selber: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen habe.
Das Matthäusevangelium komponiert diesen Text in genialer Weise.
Im Judentum gab und gibt es unterschiedliche Messiasvorstellungen. Eine davon schaut so aus, dass ein religiöser Vorläufer kommt, ein strenggläubiger, der predigt und bewirkt, dass sich die Menschen bekehren.
Kurz darauf oder noch gleichzeitig soll dann der eigentliche in Erscheinung treten, der als politischer König ein neues Reich errichten wird.
So wird uns auch klar, wieso die religiöse Elite damals von Jesus erwartet hat, dass er wirklich sich als König outet. Und es wurde in keiner Weise verstanden, dass er das nicht getan hat, dass er sich kreuzigen ließ– das Judentum wartet ja heute noch.
Es kommt aber noch etwas dazu, was alle Erwartungen übertrifft und auch sprengt. Gott spricht hörbar zu den Menschen.
Bei der Taufe Jesu ertönt nicht nur die Stimme, es ist auch etwas zu sehen: Gottes Geist kommt sichtbar wie eine Taube auf ihn herab.
Die Taube ist uns bestens vertraut als Darstellung für den Heiligen Geist.
Im Judentum handelte es sich allerdings um ein Symbol, das tabu war. Und zwar absolut. Die Taube ist das heilige Tier der Göttin Ischtar, der großen Muttergöttin und Liebesgöttin im arabischen Raum, gegen die das ganze AT wettert – da die Menschen immer wieder zu diesem Glauben abgedriftet sind.
Matthäus stellt nun richtig, dass alles Gute von diesem einen Gott kommt, der weder männlich noch weiblich ist – egal auf welche Weise Menschen ihn/sie anrufen.
Die Liebe, Barmherzigkeit, Vergebung, Geduld, das Lebenlassen, die Schönheit, der Reichtum der Natur, das Blühen und die schönen Seiten des Lebens – und dass angesichts von Gewalt nicht Gegengewalt das rettende Mittel ist – dieser Gott ist hier anwesend in diesem Menschen Jesus.
Und dieser ist nicht nur der Retter Israels, sondern der ganzen Welt.
Auch bei unserer Taufe ertönt die Stimme Gottes: Das ist meine geliebte Tochter, mein geliebter Sohn.
Wir werden frei von der Erbsünde, von der menschheitsumfassenden Schuldverstrickung, d. h., äußere Umstände können uns nicht gefangen nehmen.
Wir werden gesalbt – zu KönigInnen, PriesterInnen und ProphetInnen.
Was tun Könige?
Sie tragen Verantwortung. Sorgen für Recht und Ordnung. Schauen, dass alle haben, was sie brauchen, dass die Menschen im Land gut und glücklich leben können. König sein ist im Grunde ein Sozialberuf. In der Taufe bekommen wir den Auftrag und zugleich Gottes Hilfe zugesagt, wenn wir Verantwortung übernehmen in Familie, Beruf, Gesellschaft, Staat … uns für andere einsetzen, dass ihr Leben besser, schöner wird.
Was tun Priester?
Darauf aufmerksam machen, dass diese sichtbare Welt nicht alles ist, was es gibt. Brücken bauen zwischen Gott und Mensch. Verbindung pflegen zwischen Himmel und Erde. Bei Gott eintreten für die Menschen – für Gottes Anliegen Werbung machen bei den Menschen.
Jede/r von uns kann das auch und hat es, vermute ich einmal, schon öfter getan.
Propheten sind in der Bibel Menschen, die die Welt mit Gottes Augen sehen – und darauf aufmerksam machen, wo Menschen eine gottferne Ordnung erstellen, die lebensfeindlich ist.
Wir haben heute jetzt dann gleich die Möglichkeit, unsere Taufe zu erneuern. Ja zu sagen zu unserer einzigartigen Berufung und Würde.
Heute habe ich das 4, Kind getauft an meiner neuen Arbeitstelle als Pfarrassistentin in Haid und Pucking. Insgesamt sind es, glaub ich, 40 Kinder – in 20 Jahren.Eigentlich in 14 Jahren, denn 6 Jahre lang habe ich nicht getauft.
Ich finde es derart schön, sinnvoll, bereichernd, dass wir jetzt dank Bischof Manfred Scheuer wieder taufen dürfen in der Diözese Linz – vom Erstkontakt zur Familie über das Taufgespräch, die gemeinsame Vorbereitung der Feier und natürlich zuletzt das Spenden des Sakraments.
Kurz: Es ist mir eine Freude …
Heute möchte ich auf eine wunderbar hilfreiche Einrichtung aufmerksam machen: den Behelfsdienst der Diözese Linz – ok, ich war auch schon einige Male im Behelfsdienst der Diözese St. Pölten, aber in Linz bin ich naturgemäß einfach regelmäßig.
Von Glückwunschbilletts für sämtliche denkbare Lebensereignisse über Matrikenbücher und -formulare, Materialien für Firmung, Erstkommunion, Taufe, Gottesdienstgestaltung, Begräbnis, Umkehr und Buße, für Schulunterricht und pfarrlichen Gruppenbetrieb, Hilfen für Pfarrgemeinderat und Fachausschüsse, Kalender, Geschenke, Bücher, Kleinschriften … Hostien und Weihrauch …
Also beinahe nichts für den kirchlichen Gebrauch, was es NICHT gibt …
dazu enorme Hilfsbereitschaft und eine große Dosis Freundlichkeit.
Wo das zu finden ist?
Kapuzinerstraße 84, 4020 Linz
Tel.: 0732 7610 3813
