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Ja, Klugheit hat mit Wissen und Bildung zu tun.

Ohne wird es nicht funktionieren.

Doch viel zu wissen ist noch nicht gleichbedeutend damit, klug zu sein.

Ich denke, ihr habt schon den Begriff „Lebensklugkeit“ gehört.

Klug in diesem Sinne ist, wer in den verschiedenen Situationen und bei den vielfältigen Herausforderungen des Lebens weiß, was zu tun ist. Nicht automatisch, aber sich die Zeit nimmt zu überlegen.

Es ist nämlich genau das ein Zeichen dieser Klugheit, zu wissen, wann es angebracht ist, sich Zeit zu lassen. Noch einmal nachzudenken. Sich Wissen anzueignen, über das man noch nicht verfügt. Um Hilfe zu bitten, wo man etwas allein nicht schafft.

Die Tugend Klugheit ist verwandt mit echter Demut. Wissen, was man selbst nicht kann – nur Aufgaben zu übernehmen, die man bewältigt. Oder sich die nötigen Mittel zu beschaffen, die Erfolg versprechen.

Und genauso braucht echte Klugheit Mut: die Courage, etwas nicht zu tun, etwas sein zu lassen, etwas nicht haben zu müssen.

Klug ist, wer weiß, was NICHT im eigenen Kompetenzbereich, in der eigenen Zuständigkeit liegt – aber sehr wohl, wer dafür gefragt werden kann.

Die gestern beschriebene Gerechtigkeit braucht die Klugheit. Sie weiß, wie im Einzelfall zu entscheiden ist. Wie die Regeln anzuwenden sind, um Menschen zu helfen – und nicht, um sie zu ärgern.

Klugheit in ihrer menschenfreundlichen Weite ist der Gegensatz zu Engstirnigkeit, zu Dummheit (die übrigens in der Verkleidung von Bildung oder besser Intellektualismus und Besserwisserei daherkommen kann).

Dinge, Ereignisse, Menschen … richtig einordnen zu können mit dem Stellenwert, der ihnen zukommt. Die richtigen Prioritäten setzen.

All das steckt in der Klugheit.

Bild: misterfarmer-Pallas Athene

Die Kardinaltugenden. Heute: Tapferkeit

Die alte Tugendlehre verwendet lateinische Begriffe, und der entsprechende lautet „fortitudo“.

Es stecken gleich mehrere Bedeutungsfelder drin.

Das, was uns vermutlich als erstes einfällt, hat mit Stärke zu tun. Mut, Tatkraft, Energie, Durchsetzungskraft – aber auch Widerstandsgeist, Durchhaltevermögen – und das, was wir heute „Resilienz“ nennen, schwingt ebenfalls mit.

Fortitudo erinnert an die Sprache von Militär und Krieg, und das ist nicht ganz falsch, weil Soldaten und Kampf(tüchtigkeit), im Römischen Reich der Antike eine bedeutende Rolle spielten.

Und doch ist viel mehr gemeint. Etwas anpacken, durchziehen und zum Abschluss bringen. Verantwortung übernehmen statt sich davor zu drücken. Werte, Überzeugungen, sich selbst und andere verteidigen. Einstehen dafür, beherzt eintreten für das Gute, für Wahrheit und Gerechtigkeit ungeachtet möglicher Nachteile für einen selbst.

Zivilcourage.

Aber genauso der Lebensmut an sich, Bereitschaft, sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen, statt sich zurückzuziehen und es sich in den eigenen vier Wänden allzu sehr gemütlich zu machen.

Entdeckerfreude, Pioniergeist.

Sich und anderen etwas zutrauen. Ein gesundes Selbstbewusstsein.

Und:

Unangenehmes, wenn es sich nicht vermeiden lässt, tapfer ertragen. Eine Situation, eine Zeit der Entbehrungen oder auch einen Konflikt durchstehen. Geduldig ausharren.

Eine Therapie oder medizinische Behandlung, eine Entwicklung oder Arbeitsschritte auf sich nehmen.

Nicht vorschnell aufgeben, wenn der gewünschte Erfolg noch ausbleibt.

Tapfere Menschen sind solche, auf die man sich im Ernstfall verlassen kann.

Bildnachweis: Johanna von Orleans, Jeanne d‘Arc von DominiqueVince auf Pixabay