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Liebe Brüder und Schwestern!

Denken sie sich manchmal: Das, diese Aufgabe, Herausforderung, was Sie tun sollen, ist eine Nummer zu groß für mich – das schaffe ich nie und nimmer, das übersteigt meine Fähigkeiten und Möglichkeiten?

Das heutige Evangelium, der Text, den wir gerade als Evangelium gehört haben, will uns da wirklich eine gute Nachricht und eine frohe Botschaft bringen:

Da geht es um ein paar Menschen, die überfordert sind.

Zuerst als Fischer. Obwohl das eigentlich ihr angestammter Brotberuf ist, fangen sie nichts. A Wahnsinn, net amal das bringen wir zusammen … Erst als Jesus ihnen hilft, und auf einmal sind sie äußerst erfolgreich.

Petrus ist ebenfalls überfordert.

Die dreimalige Frage und Antwort erinnert uns, das hat der Autor beabsichtigt, an die dreimalige Verleugnung. Petrus selber ist sich dessen nur zu deutlich bewusst. Der, dem er praktisch die _Freundschaft aufgekündigt hat – ja, wie lange ist das her, ein paar Tage, eine gute Woche vielleicht, der steht jetzt vor ihm und schaut ihm ins Gesicht und fragt genau danach: Liebst du mich?

Für uns hört es sich schon eindringlich genug an. Dabei werden im griechischen Urtext 2 verschiedene Wörter verwendet: Jesus fragt nach der Agape – Ganzhingabe, die Liebe, mit der eigentlich er uns geliebt hat bis zum Tod am Kreuz ist das – eine Mutter, die für das kleine Kind Tag und Nacht parat steht …

Petrus antwortet: phileo te – ich bin dir freundschaftlich verbunden, ich mag dich, du bist mir sympathisch, du taugst mir irgendwie … das ist das, wozu er imstande ist im Moment.

Aber wir spüren: da liegen Welten dazwischen, das passt nicht zusammen – und Petrus spürt es selber, das kanns nicht sein, das bleibt hinter dem zurück, was Jesus entsprechen würde … und er wird traurig.

Jesus fragt ihn zweimal nach der Agape – und als sich Petrus gerade selber zu fragen beginnt, ob er das irgendwann können wird vielleicht – ob es nicht doch drin wäre, Jesus so zu lieben – da steckt Jesus zurück. Er passt sich dem an, was Petrus zu leisten imstande ist, und fragt: Bist du mir freundschaftlich verbunden? Und Petrus meint, ja, du weißt, wie es mit meiner Liebe und Liebesfähigkeit, mit meinen Möglichkeiten steht …

Das ist die Frohe Botschaft:

Jesus beauftragt Petrus – nichts nimmt er zurück. Im Gegenteil: Du bist der Fels – an dir sollen sich die anderen orientieren und anhalten können, du stärke deine Brüder … Er holt Petrus dort bei dem ab, wo der sich momentan geistig und kapazitätsmäßig befindet.. Das, wozu Petrus fähig ist, ist nicht das, was Jesus sich eigentlich wünschen würde, aber es reicht aus.

Liebe Brüder und Schwestern, wir dürfen aufatmen.

Gott, Jesus, nimmt niemanden in Anspruch über seine Möglichkeiten hinaus. Er nimmt jede/n so an mit dem, was wir einbringen können.

Der große Anspruch nach der Ganzhingabe bleibt bestehen – aber Jesus freut sich über alles und kann alles brauchen, schätzt alles, was wir ihm bieten, wie weit es auch hinter dem, was im Optimalfall möglich wäre, zurück bleibt.

Wir kennen das aus allen Bereichen, in denen Menschen für das Reich Gotte arbeiten: in Pfarren, in Büros und Organisationen der Kirche, in Ordenshäusern …

Wir meinen oft, alles müsste perfekt sein, und alles muss mit voller Hingabe getan werden. Oft gibt es die, die pausenlos im Einsatz sind und sich zu Hause noch etwas überlegen und ihr Bestes geben – und dann gibt es die, die ein Mal im Jahr kommen, wenn es was zu feiern gibt und sich sonst nicht blicken lassen – und es gibt sämtliche Abstufungen dazwischen. Und es ist gar nicht so selten, dass die sehr Engagierten über die seltenen schimpfen und sich ärgern. Der sucht sich die schönen Dinge aus … und umgekehrt lachen oft die weniger Eifrigen: Ja, die haben ja einen Vogel, dauernd sans in der Pfarre, was haben sie denn davon.

Schauen wir doch auf Jesus: Zuerst hilft und stärkt er uns einmal. Er sorgt dafür, dass die Jünger eine Menge Fische fangen. Und als sie von ihren Booten kommen, hat er schon ein Frühstück für sie bereitet. Kommt und stärkt euch einmal …

Keinem sagt er: Das, was du einbringst, genügt nicht für die Verkündigung und das Leben im Reich Gottes. Nicht alle haben dieselben Zeit- und Kraftreserven. Das, was du kannst, super, mach das.

Tu, was dir Freude macht und möglich ist.

Er lädt uns ein, nicht auf das leere Netz zu schauen: was wir alles nicht können, schaffen, was liegenbleibt und wichtig wäre, … sondern auf unsere Möglichkeiten, was wir können.

Er würde uns sagen: O.K., wenn du bloß meine Ideen gut findest, was immer du tust dafür, es ist gut. Es dienst der Botschaft vom Reich Gottes. Du dienst dem Heil der Welt.

… diesmal in Haid.

 

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

 

Als Motto für den heurigen Erntedank hat sich der Liturgiefachausschuss „Blumenwiese“ ausgesucht. Wir bekommen auch als kleine Aufmerksamkeit im Lauf des Gottesdienstes ein kleines Sackerl mit Wiesenblumensamen geschenkt.

Was hat eine Blumenwiese mit dem Erntedankfest zu tun?

 

Im Evangelium spricht Jesus von den Lilien auf dem Feld. Da sind die normalen Wildblumen auf der Wiese gemeint. Die sollen wir uns zum Vorbild nehmen.

Weil Gott sie wichtig nimmt. Jede einzelne. Obwohl wir sie normalerweise nicht beachten, ist der Rede wert …

Wenn wir in der Blumenhandlung eine Rose oder Orchidee kaufen oder ein paar Gänseblümchen und Glockenblumen – was kostet mehr? Natürlich die besonderen, exotischen Blüten, die nicht von selber so wachsen … die Unscheinbaren von der Wiese hinter dem Haus gibt es im Geschäft nicht einmal.

 

Vor ca. 10 Tagen haben Marion, Frau Stöger und ich hinter die Pfarrkanzlei geschaut und festgetellt, es sieht furchtbar aus, alles wächst fast kniehoch und gehört vor dem heutigen Festtag dringend gemäht, was durch die Stadtgemeinde auch dankenswerterweise geschehen ist.

Ich habe angemerkt: He, auf dieser „wilden Gstätten“ wachsen mindestens 6 Heilpflanzen …:  Sauerampfer, Brennnesseln, Schafgarbe, Beifuß, Spitzwegerich, Gänseblümchen, Löwenzahn. Das, was wir oft als Unkraut bezeichnen, trägt unglaubliche Heilkräfte in sich.

Auch Holler, Weide, Walnuss, Beinwell, Wiesenkümmel, Johanniskraut, Frauenmantel, Augentrost, Gundelrebe, Baldrian, Königskerze, Pfefferminze, Wiesenthymian …

 

Die Wiesenblumen und -pflanzen, Kräuter schauen nicht nur hübsch aus, sondern könnten ein Zeichen für uns sein, dass Gottes Herrlichkeit und Liebe, auch Sorge um unser leibliches Wohlbefinden, sich überall – auf Schritt und Tritt – offenbart. Es ist gegen alles ein Kraut gewachsen…

 

Und wie es bei den unscheinbaren Pflanzen ist, so ist es auch bei uns im Leben.

Viele Kleinigkeiten nehmen wir als selbstverständlich, halten wir für nebensächlich oder unwichtig … und weil die wirklich großen Highlights, Höhepunkte eher spärlich auftreten, verlernen wir es, dankbar zu sein. Obwohl wir jeden Tag, ja beinahe jeden Augenblick Grund dazu finden würden.

 

Welche unscheinbaren Dinge sind das z. B.?

Das Wasser, das uns in unserem Land reichlich und in Topqualität zur Verfügung steht. Die Luft. Dass wir aus einer Vielfalt von Nahrungsmitteln reichlich auswählen können. Dass es medizinische Versorgung gibt, wenn wir sie brauchen.

Oder dass wir eben meistens keine brauchen, weil wir schmerzfrei stehen und unsere 5 Sinne gebrauchen können.

Das freundliche Grüßen der Nachbarn. Das Schnurren der Hauskatze. Unser Zuhause. Der Ehepartner. Die Kinder und Enkel, Freunde, der Verein, ein kleines Geschenk, ein Lächeln, ein  bereinigtes Missverständnis, jedes Dazulernen, kleine Zufälle, die uns erfreuen und drauf aufmerksam machen, dass da im Universum jemand ist, dessen Liebe uns voll Macht ununterbrochen wirksam umgibt und begleitet …

Liebe Brüder und Schwestern, Jesus möchte uns vermitteln:

Gott will uns glücklich haben.

Wenn wir achtlos durch den Alltag gehen, oder noch schlimmer, immer bejammern, was alles nicht funktioniert, nicht da ist, lästig oder furchtbar … dann verlernen wir nicht nur dankbar zu sein, sondern kommen in so eine Grundhaltung hinein: als ob immer alles zuwenig wäre. Als ob wir ja so arm wären …

Gott will, dass wir uns reich beschenkt fühlen, was wir ja auch tatsächlich sind.

 

Die Welt ist nach menschlich bürgerlichen Maßstäben unperfekt. Aber genau das macht sie wunderbar. Gott hat keinen englischen Rasen geschaffen, sondern wildwuchernde Pracht und Herrlichkeit. Es wächst sozusagen im Garten, auf den Wiesen und überall weitaus mehr, als wir in unserer Kleinkariertheit und Engstirnigkeit für nützlich halten. Die Schöpfung verdient es, dass wir ununterbrochen staunen und uns freuen.

 

Eine kleine Übung zur Steigerung unseres Glücks schlage ich Ihnen heute vor:

Suchen wir uns wie die Kinder heute an jedem Abend drei Dinge, für das wir dankbar sind. Fangen wir noch heute damit an. Und sprechen wir unseren Dank auch aus – Gott gegenüber und den Menschen, von wem halt gerade etwas Gutes kommt.

 

 

 

 

Die Predigt: