Schlagwortarchiv für: Vorbereitungsgebet

Heute ist der letzte Tag unseres Glaubensseminars.

Glauben ist ein nicht unbedingt 100% passendes Wort dafür, worum es eigentlich geht:

Lebendige Beziehung unter lebendigen Personen.

Im Alten Testament wird Gott „der Lebendige“ genannt.

Im Kontakt zu dieser Wirklichkeit werden wir Menschen immer lebendiger. Glaube stellt sich nicht idealerweise so dar, dass ich etwas für wahr halte und praktiziere, und als Folge stellt sich eine Gewissheit ein oder Belohnungen kommen in mein Dasein …

Die Freundschaft mit dem Lebendigen ist die Belohnung, der Sinn, der Zweck, das Ziel …

Jesus drückt es so aus: Ich bin der Weg, die Wahrheit, das Leben.

Im Leben und in einer guten Beziehung gibt es immer wieder Überraschungen, nicht Geplantes, nicht Planbares.

Die ersten Christen wurden genannt und nannten sich „Leute des neuen Weges“.

Ein Unterwegssein, ständiger Wandel, Anstrengung und Freude, Abenteuer und Erfolg, Gemeinschaft, Gefahr, Müdigkeit, Aufgebenwollen, …

Das alles gehört dazu.

Dazu gehört aber auch das Dranbleiben.

Bleiben Sie dran!

Zum Abschluss dieser 4 Wochen Glaubensseminar und zum Neubeginn Ihrer persönlichen spirituellen Reise hier noch einmal das Vorbereitungsgebet des Ignatius von Loyola:

Herr, öffne mir die Augen,

damit ich sehe,

was ich noch nicht erkenne.

Herr, öffne mir die Ohren,

damit ich dein Wort nicht nur höre,

sondern verstehe, was du mir sagen willst.

Herr, gib mir ein großzügiges Herz,

das sich deinem Wort überlässt

und zu tun wagt, was es noch nicht getan hat.

Herr, ich weiß, dass ich nur lebe,

wenn ich mich von dir rufen

und verändern lasse.

Amen.

Einen schönen Sonntag wünsche ich!

Die letzte Frage gestern lautete: Wie sieht mein Leben aus, wenn ich frei und glücklich bin?

Es gilt weiterhin die Einladung, am Beginn meiner Gebetszeit das Vorbereitungsgebet zu beten.

Anschließend begebe ich mich auf eine Reise in meiner Vorstellung.

Ich stelle mir vor, wie ich an einen Urlaubsort fahre – oder an einen Ort, wo ich mich gern aufhalte, es kann auch das eigene Haus, Schlafzimmer sein, z. B. an einem Sommertag… oder ein Zelt oder Wohnwagen, wenn das zu meinen geliebten Freizeiterfahrungen gehört.

Ich stelle mir folgendes vor:

Ich erwache am Morgen ausgeruht und froh, dehne und strecke mich, steige aus dem Bett/Schlafsack und öffne das Fenster/ die Balkontüre/ den Zelteingang, gehe vielleicht ein paar Schritte ins Freie.

Ich atme tief ein – die Luft ist wunderbar, erfüllt von Gerüchen des Grases, der Blumen, vielleicht des Wassers an einem See oder Meeresstrand … von Vogelgezwitscher und Blätterrauschen.

Und etwas ist absolut neu:

Ich fühle mich leicht, beschwingt und frei wie noch nie zuvor. Alle meine Sorgen und Probleme sind weg. Haben sich gelöst. Ich spüre dem nach, wie es sich anfühlt: eine Krankheit, ein körperlicher oder seelischer Schmerz, Trauer oder Zorn über eine Situation, Unfrieden, Konflikt mit jemandem, Unstimmigkeiten, eine Unrechtssituation, unter der ich bis jetzt immer gelitten habe, persönliche Schuld, Charakterfehler, Suchtverhalten, Mängel,  (an Bildung, Vermögen, Freunden …), ein Zuwenig oder gänzliches Fehlen von etwas, eine Sorge um jemanden, Angst vor einem Ereignis, vor einem oder mehreren Menschen, Erfahrungen von Einsamkeit oder Stress, von Sinnlosigkeit, Erfolglosigkeit, Scheitern, Unfähigkeit (dass ich etwas schlecht oder gar nicht kann oder vermag, eine übliche menschliche Tätigkeit nicht ausführen kann), wo mich etwas hindert, Machtlosigkeit, Überforderung, Ausweglosigkeit …

Was immer mich bisher belastet haben mag:

Es ist weg. Aufgelöst. Für immer.

Tag 1                                     Sonntag, 22. 3. 2020

Heute sind wir eingeladen, das Sonntagsevangelium zu betrachten.

Joh 9, 1-41 (Text s. unten)

Eine BETRACHTUNG nach Ignatius von Loyola lädt zu folgenden Schritten ein:

  • Ich begebe mich bewusst in Gottes Gegenwart (Kerze anzünden, Kreuzzeichen, kurzes Gebet; z. B. das Vorbereitungsgebet – Text s. unten …)
  • Ich lese die Bibelstelle aufmerksam durch
  • Ich versetze mich in eine der beteiligten Personen hinein – in diesem Fall: der Blinde oder einer der Pharisäer, der Zuschauer/innen, der Jünger/innen, Jesus – und begebe mich in die Szene hinein, erlebe wie in einem Film das, was im Evangelium geschildert wird
  • Ich bete, d. h. ich komme mit Jesus Christus / Gott ins Gespräch über das, was ich gerade erlebt habe
  • Bewusster Abschluss der Gebetszeit: freies Dankgebet oder Vater unser oder Verneigung, Kreuzzeichen …

Ich kann mir Notizen machen: Gedanken und Gefühle, die gekommen sind, neue Erkenntnisse …

WICHTIG: „Nicht das Vielwissen ist das Ziel, sondern das Verkosten der Dinge von Innen her.“ „Lebe das, was du vom Evangelium verstanden hast, und sei es noch so wenig – aber lebe es!“

Es ist erlaubt und gut, wenn ich bei einem Satz, bei einer kleinen Handlung oder Szene hängen bleibe und mich z. B. 15 Minuten nur damit beschäftige. Ich darf daran glauben, dass der Heilige Geist mich führt und leitet während der Gebetszeit.

TEXTE:

Joh 5, 1-41

Die Heilung des Blindgeborenen

1 Unterwegs sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. 2 Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst oder seine Eltern, sodass er blind geboren wurde? 3 Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden. 4 Wir müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr wirken kann. 5 Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. 6 Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen 7 und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Das heißt übersetzt: der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen. 8 Die Nachbarn und jene, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte? 9 Einige sagten: Er ist es. Andere sagten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es. 10 Da fragten sie ihn: Wie sind deine Augen geöffnet worden? 11 Er antwortete: Der Mann, der Jesus heißt, machte einen Teig, bestrich damit meine Augen und sagte zu mir: Geh zum Schiloach und wasch dich! Ich ging hin, wusch mich und konnte sehen. 12 Sie fragten ihn: Wo ist er? Er sagte: Ich weiß es nicht. 13 Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern. 14 Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte. 15 Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Er antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen und ich wusch mich und jetzt sehe ich. 16 Einige der Pharisäer sagten: Dieser Mensch ist nicht von Gott, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen. 17 Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann sagte: Er ist ein Prophet. 18 Die Juden aber wollten nicht glauben, dass er blind gewesen und sehend geworden war. Daher riefen sie die Eltern des von der Blindheit Geheilten 19 und fragten sie: Ist das euer Sohn, von dem ihr sagt, dass er blind geboren wurde? Wie kommt es, dass er jetzt sieht? 20 Seine Eltern antworteten: Wir wissen, dass er unser Sohn ist und dass er blind geboren wurde. 21 Wie es kommt, dass er jetzt sieht, das wissen wir nicht. Und wer seine Augen geöffnet hat, das wissen wir auch nicht. Fragt doch ihn selbst, er ist alt genug und kann selbst für sich sprechen! 22 Das sagten seine Eltern, weil sie sich vor den Juden fürchteten; denn die Juden hatten schon beschlossen, jeden, der ihn als den Christus bekenne, aus der Synagoge auszustoßen. 23 Deswegen sagten seine Eltern: Er ist alt genug, fragt ihn selbst! 24 Da riefen die Pharisäer den Mann, der blind gewesen war, zum zweiten Mal und sagten zu ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist. 25 Er antwortete: Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht. Nur das eine weiß ich, dass ich blind war und jetzt sehe. 26 Sie fragten ihn: Was hat er mit dir gemacht? Wie hat er deine Augen geöffnet? 27 Er antwortete ihnen: Ich habe es euch bereits gesagt, aber ihr habt nicht gehört. Warum wollt ihr es noch einmal hören? Wollt etwa auch ihr seine Jünger werden? 28 Da beschimpften sie ihn: Du bist ein Jünger dieses Menschen; wir aber sind Jünger des Mose. 29 Wir wissen, dass zu Mose Gott gesprochen hat; aber von dem da wissen wir nicht, woher er kommt. 30 Der Mensch antwortete ihnen: Darin liegt ja das Erstaunliche, dass ihr nicht wisst, woher er kommt; dabei hat er doch meine Augen geöffnet. 31 Wir wissen, dass Gott Sünder nicht erhört; wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut, den erhört er. 32 Noch nie hat man gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet hat. 33 Wenn dieser nicht von Gott wäre, dann hätte er gewiss nichts ausrichten können. 34 Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus. 35 Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn? 36 Da antwortete jener und sagte: Wer ist das, Herr, damit ich an ihn glaube? 37 Jesus sagte zu ihm: Du hast ihn bereits gesehen; er, der mit dir redet, ist es. 38 Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder. 39 Da sprach Jesus: Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen: damit die nicht Sehenden sehen und die Sehenden blind werden. 40 Einige Pharisäer, die bei ihm waren, hörten dies. Und sie fragten ihn: Sind etwa auch wir blind? 41 Jesus sagte zu ihnen: Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde. Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen. Darum bleibt eure Sünde.

Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe© 2016 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart Alle Rechte vorbehalten.

Vorbereitungsgebet:

Herr, öffne mir die Augen,

damit ich sehe,

was ich noch nicht erkenne.

Herr, öffne mir die Ohren,

damit ich dein Wort nicht nur höre,

sondern verstehe, was du mir sagen willst.

Herr, gib mir ein großzügiges Herz,

das sich deinem Wort überlässt

und zu tun wagt, was es noch nicht getan hat.

Amen.

Ignatius von Loyola schreibt, Menschen, die Exerzitien machen,sollten in der Gebetszeit eine Bibelstelle „betrachten“. Eine Begebenheit aus dem Evangelium sich so vorstellen, als ob man selber dabei wäre und eine der angegebenen Rollen dabei übernehmen.

Heute würde man sagen: Stell dir vor wie Jesus z. B. heilt oder predigt, wie einen Film, in dem du auch in irgendeiner Rolle (die du dir aber aussuchst!) mitspielst.

Über die dabei entstehenden Gedanken und Gefühle, Erkenntnisse, Eindrücke usw. komm anschließend mit Gott oder Jesus ins Gespräch …

 

Zu Beginn deiner Gebetszeit bete das Vorbereitungsgebet:

 

Herr, öffne mir die Augen,

mach weit meinen Blick und mein Interesse,

damit ich sehen kann,was ich noch nicht erkenne.

 

Herr, öffne mir die Ohren,

damit ich dein Wort nicht nur höre,

sondern verstehe,

was du mir sagen willst.

 

Herr, gib mir ein großzügiges Herz,

das sich deinem Wort überlässt

und zu tun wagt,

was es noch nicht getan hat.