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Im Lauf meines Lebens, das ja schon eine Weile dauert, haben sich immer wieder Win-Win-Situationen ergeben, die mein Leben – und, so hoffe ich, das Leben aller Beteiligten – positiv beeinflusst haben.

Das früheste, an das ich mich erinnere, war kurz vor Weihnachten 1969. Ich ging damals in die 2. Klasse Volksschule und war sieben Jahre alt …. Die Geschichte, dass das Christkind den Baum und die Geschenke bringt, glaubte ich nicht mehr – einige KlassenkameradInnen hatten Wochen und Monate zuvor dafür gesorgt, dass wir alle nun wussten: Bäume werden von Erwachsenen besorgt, geschmückt – und schenken darf jede/r jedem/r …

Mein Vater nahm mich mit in den Wald (es war einfach eine Christbaumplantage, aber für solch genaues Wissen war ich zu klein), und ich durfte den Baum mit aussuchen. Der Bauer sägte ihn um, und wir fuhren damit nach Hause. Papa stellte ihn dann ihn den Christbaumständer – es war der 22. Dezember. Morgen würde ich schulfrei haben – meine Eltern allerdings mussten am nächsten Tag zur Arbeit. Beim Abendessen begannen sie, miteinander die Tätigkeiten bis zur Bescherung am Weihnachtsabend zu planen. Offenbar war es für meine Mutter irgendwie schwierig, das Schmücken des Christbaums terminmäßig unterzubringen… vielleicht könnte Oma noch gefragt werden …?

Einer spontanen Idee folgend meldete ich mich: „Mama, ich möchte den Christbaum schmücken!“ Kurzes leicht schockiertes Schweigen …

Nun, bald wurden die Schachteln mit dem Christbaumschmuck aus ihrem Depot geholt und auf dem Wohnzimmertisch sorgfältig angeordnet: Kugeln, Strohsterne, Engerl, Lametta, Süßigkeiten … Mama zeigte mir, wie die einzelnen Dinge am Baum anzubringen sind – mit Bindfaden oder ohne, mit Häkchen, Zuckerln mussten in Papier eingewickelt werden usw. … Jedenfalls freute ich mich riesig auf den nächsten Tag.

Vor lauter Aufregung wurde ich früh wach.. Frühstück, Bad, anziehen – und schon ging es los.

Mit der größten Sorgfalt und Begeisterung hängte ich all die wunderbaren Sachen auf die Äste des Baums, zuletzt das Lametta. Das Anbringen der Kerzen würde Papa übernehmen. Immer wieder stieg ich auf den Sessel, um auch die obersten Äste zu erreichen. Ich vergaß vollständig auf die Zeit … Und als meine Mutter nach 12 Uhr mittags vom Büro nach Hause kam, war der Baum fertig geschmückt, ich war glücklich, und Mama auch. Das, was mir unbändige Freude gemacht hatte, bedeutete für sie eine Arbeitsersparnis und weniger Stress zu Weihnachten.

Die Rauhnächte laden dazu ein, still zu sein.

Morgen ist der letzte Tag vor Weihnachten. Samstag. Die Geschäfte haben bis zum Abend geöffnet. Könnte ja noch jemand etwas einkaufen wollen…

Oder zu Hause etwas erledigen: putzen. Eine Weihnachtstorte backen. Den Baum schmücken, Drei oder fünfzehn Bekannte, Verwandte … anrufen. Irgendetwas reparieren, was schon Wochen nicht mehr in Ordnung ist. Oder … oder … oder …

Ich kann mich auch entscheiden: Keine Torte zu backen. Das Ding heute zumindest – nicht in Ordnung zu bringen. Nicht noch einmal schnell die Waschmaschine einzuschalten.

Das Ersatzteil für die Kamera nicht noch heute schnell zu besorgen.

Ich kann mich entscheiden: Mich still hinzusetzen und 20 Minuten zu lesen. Einen Spaziergang zu machen. Ein Entspannungsbad zu nehmen. Mir Zeit für eine Meditation zu nehmen.

Christbaumschmücken geht ganz rasch, leicht und freudig, wenn dabei Weihnachtliches im Fernsehen läuft oder eine CD mit ruhiger Musik.

Bis morgen also – morgen Abend werdet ihr den Unterschied spüren.