Schlagwortarchiv für: Angst

Das hebräische Wort für Frieden, Schalom, bedeutet gleichzeitig “Fülle”.

Ein Frieden ohne Fülle ist nicht möglich.

Wer sich arm, benachteiligt … vorkommt, im Mangelbewusstsein lebt, sieht alles negativ – v.a. das Verhalten anderer Menschen.

Wer ständig befürchtet, zu kurz zu kommen, übervorteilt zu werden usw., ist stets auf dem Sprung, der (vermeintlichen) Gewalt zuvorzukommen.

Tipp: Lasst es euch möglichst gut gehen.

Lasst euch verwöhnen.

Genießt das Dasein.

Freut euch am leben, an jeder Sekunde!

Reich beschenkt gönnen wir allen Gutes.

Predigt                                    Elisabethsonntag     13. / 14. 11. 2021

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

So, das soll also eine frohe Botschaft sein? Da kann man ja richtig Angst bekommen…

Alles bricht zusammen oder auch auseinander, sogar die kosmische Ordnung funktioniert nicht mehr…

Weltuntergang…

Wir haben schon darüber geredet heute, wovor wir Angst haben und wie wir damit umgehen bzw. wie wir damit fertig geworden sind…

Für die Menschen damals, als dieser Text geschrieben wurde, war das, was Jesus da sagt, genau das, was ihnen in ihrer Angst geholfen hat. So unglaublich das heute jetzt für uns klingt.

Die Christen wurden verfolgt, das Heimatland von Jesus war erobert und besetzt von Feinden, in Rom und anderswo waren sie in der Minderheit, dass Jesus möglichst bald wiederkommt und mit all den menschlichen Furchtbarkeiten ein für alle Mal aufräumt, das war ihre große, ihre einzige Hoffnung.

Unsere Ängste sind anders.

Wir haben auch viele Wörter für verschiedene Arten – da gibt es leichtes Unbehagen, spürbare Beunruhigung, stärkere Besorgnis, tiefe Sorge, Befürchtungen, Furcht vor bestimmten Dingen, Menschen, Ereignissen, vor einer Aufgabe, vor einer Operation, Krankheit usw. … Panik gibt es und leichtes Schaudern, Erschrecken und Horror…

Angst klingt deswegen so schrecklich, weil sie oft diffus ist und man nichts Konkretes unternehmen zu können glaubt.

Angst vor der Zukunft – wie wird es weitergehen. Das beschäftigt uns.

Heute ist auch Elisabethsonntag, wo es um die Armen in unserer Gesellschaft geht.

Wir dürfen bei all unserer Angst, die wir vielleicht haben, eines nicht übersehen:

Bei vielen ist all das, wovor man sich fürchten könnte, bereits eingetroffen.

Familie und Partnerschaft zerbrochen, Gesundheit weg, Arbeitsplatz weg, Geld zu wenig …

Viele Menschen weltweit erleben hautnah und lebensbedrohlich die Auswirkungen des Klimawandels, der Naturzerstörung. Trockenheit südlich der Sahara nimmt Nahrungsquellen und Wasser und treibt in die Flucht.

Bosheit, Egoismus, Geltungswahn erzeugt Diktaturen, Gewaltherrschaft. Die Flüchtlinge ander Grenze zwischen Litauen, Polen und Weißrussland …

Kriege – die hat alle einmal jemand angefangen …

Unsere Aufgabe als Christen ist es, nicht Ängste zu beschwichtigen oder wegzubeten, sondern die Gründe für die Ängste zu beseitigen.

Ja, Gott ist anwesend in dieser Welt und interessiert sich dafür, was wir machen und hilft auch gern – aber er hat jedem von uns 2 Hände und ein Gehirn und ein Herz gegeben, Fähigkeiten, …

Beten hilft, wenn es momentan gilt, unseren eigenschock zu bekämpfen, jeder Helfer in der Notsituation muss das zuerst machen, um sinnvoll und wirksam helfen zu können. Der Glaube an Gottes liebende Nähe ist die beste Voraussetzung dafür, dass wir uns unseren Ängsten stellen können.

Aber dann – gleich dann – sind wir aufgerufen etwas zu tun.

Liebe Brüder und Schwestern!

Fürchten Sie sich vor dem Tod? Oder gehen Sie ihm gelassen und getrost entgegen?

Was fühlen und denken Sie, wenn sie daran denken, dass Sie eines Tages sterben werden?

Es ist durchaus angebracht, dass wir uns mit dieser Frage beschäftigen. Denn:

Unser Sterben ist das einzige Ereignis, das uns allen, jedem/r einzelnen, todsicher bevorsteht.

In der öffentlichen Meinung, in Büchern und Fernsehbeiträgen, Zeitungen und Liedern usw. und auch im religiösen und kirchlichen Bereich gibt es verschiedene Meinungen, wie mit dem Tod umzugehen sei:

  1. Die Toten bleiben lebendig, weil und insofern wir oft an sie denken.  Grab pflegen, oft besuchen, Kerzen anzünden, Erinnerung hochhalten (Fotos, deren Besitztümer …)
  2. Sterben ist ganz normal, weil das Erdenleben sowieso nur eines von vielen ist und wir eh wieder geboren werden.
  3. Man braucht sich vor dem Tod nicht fürchten, weil es dann nicht „aus“ ist, sondern in anderer Form weitergeht, schöner und besser, schmerzfrei, und man die vorausgegangenen Lieben wieder trifft.
  4. Und dann gibt es noch immer oder schon wieder diese Angstmacherei, wo Menschen mit Höllenvisionen und Drohbotschaften terrorisiert werden. Obwohl man einmal vor 30 Jahren geglaubt hat, damit ist es endgültig vorbei.

Wenn wir uns von dieser letzten Vorstellung zu Recht abwenden, so ist damit noch nicht gesagt, dass uns die anderen erstgenannten froh machen.

Mir kommt das so als Verharmlosung vor. Teils ein Verdrängen, was auch von weiten Kreisen gemacht wird, aber doch so ein nicht ganz ernst Nehmen, auf die leichte Schulter, so als ob eh nichts Besonderes passiert …

Bei der Idee von der Wiedergeburt erlebt man es ja immer wieder, dann kanns nicht so arg sein.

Es ist verständlich, wenn Menschen bestrebt sind, eigene und fremde Angst zu bekämpfen. Aber wird da nicht etwas ganz Wesentliches weggenommen, und vorenthalten, was zum Menschsein dazugehört?

Viele leiden darunter – meist ohne zu wissen, wieso -, dass vieles nicht ernst, beliebig ist, dass es so aussieht, als käme es auf den einzelnen Menschen nicht an, als sei wurscht, was wir sagen, denken, glauben, hoffen, tun, entscheiden … wofür wir uns einsetzen, welche Partei wir wählen oder Regierung wir haben …

Vor Jahrzehnten schon gab es das Buch „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“.

Wir Menschen halten es nicht aus ohne Tiefe, ohne Ernsthaftigkeit, ohne Sinn.

Der Tod ist der Ernstfall des Lebens.

Da gibt es kein Ausweichen. Da vertritt uns niemand.

Da kommt es auf uns an. Nur auf uns.

Da geschieht an uns, was nicht rückgängig gemacht und kein weiteres Mal erlebt werden kann.

Es ist normal und soll niemand ausgeredet werden, sich zu fürchten davor.

Aber nicht, weil es bestimmt so furchtbar und schrecklich werden wird, sondern weil dieses Geschehen so wichtig und unwiederholbar und einzigartig ist.

Weil es in diesem Moment ganz auf uns ankommt. Furcht im Sinn von Ehrfurcht  …

Und – ja, Jesus hat es so gesagt und ich glaube, weil wir vor Gottes Angesicht stehen und uns unserer Verantwortung bewusst werden, die wir während unseres Lebens hier gehabt haben.

Die Ernstfälle des Lebens, wo es ganz auf uns ankam oder angekommen wäre. Wir nehmen diese Verantwortung ja nicht immer wahr.

Die Momente, wo wir zu Recht aufgeregt sind – wegen ihrer Bedeutung und Tiefe – wenn wir einen Beruf wählen und antreten, ein Haus kaufen oder verkaufen, heiraten, ein Kind bekommen, beim schwerer Krankheit oder Tod von Nahestehenden, wenn wir einem Menschen beistehen, wenn wir für Recht und Gerechtigkeit und Wahrheit oder Menschenliebe, Barmherzigkeit einstehen, uns zu Wort melden und einsetzen entgegen einer andersdenkenden Mehrheit, wo wir unserem Gewissen folgen, obwohl wir Nachteile für uns erwarten müssen.

Diese Ernstfälle des Lebens sind es, die uns vorbereiten für den letzten.

Wie soll ein Mensch vorbereitet sein, wenn er diese Gelegenheiten alle vermieden und versäumt hat?

Wir schieben auch die Begegnung mit dem lebendigen Gott auf – zumindest viele von uns. Auch da brauchen wir keine Angst zu haben im Sinn von etwas Schrecklichem, das uns widerfahren könnte – sehr wohl aber ist es aufregend und spannend, herausfordernd, in diese Beziehung einzutreten.

Und dieser „Ernstfall des Lebens“ kann immer und jederzeit eintreten, von uns wahrgenommen werden.

Drücken wir uns nicht davor.

Lassen wir die Augenblicke unseres Lebens nicht achtlos verstreichen. Sie sind zu kostbar dafür. Sie sind uns geschenkt, damit wir etwas daraus machen.

Unsere Persönlichkeit ändert sich nicht, sobald wir gestorben sind. Und unser Leben auch nicht mehr. Wir werden die sein, zu denen wir uns entwickelt haben – mit genau der Gottesbeziehung und –vertrautheit, die wir uns heute und hier schenken haben lassen, die wir zugelassen haben.

Ob es uns danach so vorkommen wird wie in einem fremden Land, in das wir eigentlich nicht wollten, oder wie die Heimat, die wir schon lange oder zumindest insgeheim erhofft haben, das, liebe Brüder und Schwestern, denke ich, liegt an uns.

Eine Filmempfehlung:

Alphabet – Angst oder Liebe.

Ein Film von Erwin Wagenhofer über unser Bildungssystem, über Bildung überhaupt, Grenzen und Möglichkeiten …

Anschauen!

Lernen!

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Was ist ein unreiner Geist?

Wir glauben so etwas nicht. Seltsam. Böse Geister gehören ins Märchen. Oder in Gruselgeschichten.

Was passiert im Evangelium?

Jesus kann dem Befehle erteilen. Jesus ist mächtiger.

Gibt es in unserer heutigen Zeit – und da frage ich jetzt auch die Erwachsenen – nicht jede Menge unreiner Geister?

Denkhaltungen, die Menschen halb oder ganz verrückt machen?

Konsumdenken, Hektik, Habgier – ein Radl, das knechtet, wo einer nicht einfach aussteigen kann, sobald er will? Wo Leistung alles ist, Selbstbehauptung, Aggressivität …

Und die totale Angst: was, wenn ich es nicht mehr schaffe, arbeitslos werde, zu alt, zu krank, zu wenig tüchtig bin …?

Die Folgen des Wirtschaftsterrors: Umweltzerstörung, neue Krankheiten wie Corona, was uns seit 11 Monaten in Atem hält … die Ausrottung ganzer Völker und irgendwann der Menschheit …

Oder die Esoterik, die rapide um sich greift wie eine Seuche.

Unglaube. Wenn man alles gleich glauben kann und es gleichgültig – wurscht ist: Es wird irrelevant, dass Jesus gekreuzigt wurde und auferstanden ist.

Auf der anderen Seite Fanatismus, religiöse Engstirnigkeit.

Wo es wiederum Denkverbote geben soll…

Am ärgsten von allem ist die Angst, die um sich greift – vor all dem, was ich geschildert habe. Terror, Horror heißt ja Angst, Schrecken.

Vieles was sich heute weltweit tut, kommt mir vor wie eine Krankheit: Zuerst merkt man es gar nicht, dass etwas nicht in Ordnung ist – man hat sich angesteckt, fühlt sich möglicherweise nicht 100prozentig wohl, denkt sich aber nicht viel.

Wenn es dann ausbricht ist es zu spät.

Vieles empfinden wir nicht als krank, weil es so normal ist – was alle, fast alle haben, das fällt nicht auf – wie in der Zeit des Nationalsozialismus diese Denkweise normal war. Allgemein üblich.

Aber eben nicht gesund und gut.

Der Mann in der Synagoge aus dem Evangelium hat sich vielleicht gar nicht krank gefühlt.

Erst als Jesus eintritt, kommt es auf, was ihm fehlt. In der Nähe Jesu, in der Anwesenheit Gottes, hält sich das Böse nicht länger.

Wo man wieder spürt, wie das Gute ist, sein könnte, erst da merkt man auf einmal, wie störend die Krankheit ist. Wie sie das Wohlbefinden beeinträchtigt.

Liede Brüder und Schwestern: Wie gern würden wir unsere Kinder, aber natürlich auch uns selber und alle unsere Lieben, vor allem Unguten, Kranken, Schädlichen bewahren und schützen.

Unter normalen Umständen würden wir an diesem Sonntag eine Kindersegnung haben im Gottesdienst.

Aber ich kann mir noch etwas vorstellen, was besser wirkt:

Wenn sie Jesus immer bei sich haben, ständig in seiner Nähe leben. Schließlich ist es ja auch so. Wir haben recht, wenn wir uns gesegnet fühlen und wissen.

Wie kann man da tun? Wie geht das?

Beten jeden Tag.

Mit ihm leben. Sich vorstellen und fragen: was würde Jesus tun, sagen … in der einen oder anderen Situation?

Jesus vertreibt den unreinen Geist.

Vielleicht ist manches bei uns so, dass wir auch zunächst einmal schreien möchten vor Trauer und Schmerz über das, was schief läuft in unserer Welt oder in unserer Familie, Gesellschaft …

Aber dann wird es besser. Und zwar ziemlich rasch. Wir erkennen, dass wir Christen heute diejenigen sind, die die Aufgabe haben, das Böse (Krankheit, Unrecht, Unfrieden, Armut, Dummheit…) in jeder Form zum Verschwinden zu bringen. Es unterstützt uns einer dabei, der bewiesen hat, dass er’s kann.

Angst ist ein schlechter Ratgeber. So heißt das Sprichwort. Eigentlich DIE angst, also RatgeberIN…

Gehirn und Gefühle, Intuition und Logik, all das schrumpft, wird blockiert, wenn ein Mensch in Panik verfällt. Das Krokodilhirn wird aktiviert, und da gibt es: Kampf oder Flucht oder Sich Totstellen, was auch im Grund eine Art Flucht ist, Flucht davor, sich der Verantwortung, den Herausforderungen zu stellen.

Ignatius von Loyola meinte: Wenn es einem schlecht geht (in Zeiten ohne “Tröstung”) solle man keine Entscheidungen treffen. Sein Leben, die aktuelle Situation nicht ändern.

Ich bin sicher:

Solange in puncto Corona Angst verbreitet wird bzw.dasDenken und Planen beherrscht, wird es keine guteLösung geben.

Weil 90 % (oder sogar mehr) der möglichen Lösungswege nicht gesehen werden. Der Blick ist ja zum extremen Tunnelblick verengt bis zum Gehtnichtmehr.

Alles, was Angstvertreibt oder verhindert, sollte von der Regierung gefördert werden:

Theater, Kabarett, Kino, Konzerte, Bälle, Geselligkeiten, Museen, Ausstellungen, Galerien, Gasthäuser, Kulinarik, Buchhandlungen, Lesen, Mode, Schmuck, Luxus … Diskussionen, Bildungsveranstaltungen …

Sport! Endorphine! Wer hat nicht schon erlebt, wie quälende Sorgen nach einem Lauf oder Training wie weggeblasen waren oder sich plötzlich eine Lösung ergab … weil das Hirn nicht mehr blockiert war …

Und die Tröstungen der Religion, Spiritualität … Gottesdienste, miteinander singen!

Chor, Vereinstätigkeit …

Gespräche unter Freunden, Gelächter, gemeinsam sich treffen undaustauschen …

Lieber – nein, nicht lieber, sondern verblendeter Herr Kurz und Co: Ändern Sie Ihr Denken, überprüfen Sie Ihre Ihre Entscheidungen.

Jeder Tag mehr des Lockdowns wird die Situation nur verschlimmern.

Ignatius von Loyola hat noch etwas gesagt: Gesundheit ist nicht der höchste Wert (auch nicht der eigentliche Zweck des Lebens), sondern dass Gottes Wille geschieht.

Als da wäre: Dass die Menschen glücklich sind. Und zwar auf ewig.

Predigt                                                                   So., 9. 8. 2020, 9.00 Haid

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

War Petrus mutig oder feig? …

Zuerst war er mutig. Dann war er feig.

Mutig, weil er den wahnwitzigen Gedanken laut ausspricht und sich tatsächlich traut, aus dem Boot auszusteigen. Zuerst hat er ganz auf Jesus vertraut. Der hat ihn aufgefordert, eingeladen, aus dem Boot auszusteigen und zu ihm zu kommen. Mitten durch die hohen Wellen und den Sturm hindurch.

Aber dann: Dann hat Petrus vor lauter Wellen auf Jesus vergessen. Er hat nicht mehr hingeschaut, dass er ja eh da ist.

Und dann hat er sich zu fürchten begonnen und ist untergegangen.

Glücklicherweise hat er sich im letzten Moment noch an Jesus erinnert und ihn um Hilfe gerufen.

Uns geht es auch oft so, dass manches so groß und furchtbar wird, dass es uns den Blick total verstellt. All unsere Gedanken blockiert. Sorgen um die Gesundheit. Die Firma, der Arbeitsplatz. Finanzielle Probleme. Schwierigkeiten mit Nachbarn, Verwandten, Kollegen … Feindschaft. Vielerorts leben Menschen in Krieg, Dürre, Katastrophengebieten, in Unrechtssituationen, …

Wir können Jesus nicht mehr sehen. Wir vergessen auf ihn, dass er eh da ist.

Was das in unserem Leben ist, das uns den Blick verstellt, das weiß jeder selber. Jesus lädt uns ein, dass wir in solchen Momenten nicht auf ihn vergessen, sondern daran denken, dass wir jederzeit und unter allen Umständen nach ihm rufen können, um Hilfe vor dem Untergang.

Es kann aber noch was anderes sein, was uns dazu bringt, nicht auf Gott zu schauen, ihn nicht um Beistand und Schutz zu bitten.

Viele glauben, Gott ist so gewaltig – wenn da ein Unglück oder was Schreckliches geschieht, dass das Gott geschickt oder verhängt hat – als Strafe oder Prüfung oder was weiß ich.

In der Vergangenheit haben sind leider viele Glaubensverkündiger, Priester, Theologen, einem Irrtum verfallen.

Sie haben sich Gott so vorgestellt wie einen der Herrscher, diesie zu ihrer Zeit vor Augen gehabt haben. Einen älteren Mann, der unbedingten Gehorsam verlangt, keine Widerrede duldet, auch die kleinsten Übertretungen seiner Gebote aufs Grausamste bestraft oder zumindest nicht vergisst, wo man im Grunde nie weiß, wie mandran ist und im besten Fall durch unbedingte Unterwerfung, verschiedene Opferleistungen und stetiges Schöntun eine Chance auf willkürliche Gnadenerweise, kleinere oder größere Gefälligkeiten erhalten kann…

In der Bibel steht nichts dergleichen. Die Mächtigen haben sich da nach ihrem eigenen Vorbild etwas gebastelt, konstruiert, was man bestenfalls als Götzen bezeichnen kann – wie die Götter im griechischen Altertum, oder eher eine Karikatur oder Horrorversion derselben.

Eine Gottesvorstellung, die die herrschenden Unrechts- und Machtverhältnisse legitimieren, rechtfertigen soll – zu Recht haben kluge und aufrichtig denkende, gesund empfindende Menschen gespürt, so etwas kann es nicht geben – …

Der Prophet Elia hat auch so ähnlich über Gott gedacht. Am Anfang der Geschichte, die wir heute als Lesung gehört haben.

Wissen Sie, was der vorher gemacht hat?

Da waren Priester einer anderen Religion in seinem Land, mit denen hat er einen Streit gehabt. Die haben ihn ausgelacht und gesagt. Wir sind viele und du bist ganz allein. Dein Gott kann nicht so mächtig sein …

Da hat er sich geärgert und gebetet und ein Wunder heraufbeschworen und mit Hilfe der königlichen Soldaten alle fremden Priester umbringen lassen.

Er hat geglaubt, Gott ist so gewalttätig, dass er die von der anderen Religion nicht mag, dass er das tun darf.

So wie er haben unzählige religiöse Obrigkeiten vor und nach ihm – bis heute – die Religion dazu missbraucht, Gewalt über andere Menschen auszuüben.

Dann hat er Angst bekommen und ist in die Wüste geflüchtet. Irgendwie hat er gespürt, das passt nicht. Gott ist eigentlich hoffentlich … ja , wie?

In einer Höhle hat sich Elia versteckt. Und Gott hat ihm gezeigt, wie er wirklich ist.

Gewalttätig zerstörerisch wie das Feuer? Ohrenbetäubend laut wie der Sturm? Furchterregend wie das Erdbeben?

Nein. Eben und genau das nicht.

Im leichten sanften Säuseln, im wohltuenden kühlenden Wehen des Windes in der heißen Wüste hat Elia gespürt, wie es Gott meint …

Wo Gott wirkt, hören die Stürme auf.

Jesus setzt sich im Evangelium zu den Jüngern ins Boot.

Wenn wir mitten im Sturm nicht wissen, was wir tun sollen und Angst bekommen: Denken wir daran, dass wir nicht alleingelassen sind.

Wir können etwas tun – wie Petrus. Aus der Situation kurz aussteigen und mit Jesus sprechen. Dann mit ihm zurückkommen und ihn einladen, sich zu uns ins Boot zu setzen.

Laden wir Jesus ein – holen wir ihn ins Boot: in unser Lebensboot. In unser Firmenboot. In unser Familienboot. Ins Kirchenboot … Und schauen wir einfach, was geschieht.

Predigt                                                                 Sonntag, 28. 6. 2020

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Sind wir nicht gerade erschrocken beim Anhören des Evangeliums?

„Wer Eltern oder Kinder mehr liebt als Jesus, ist seiner nicht würdig… ?

Soll das etwa gute Nachricht, frohe Botschaft sein?

Umfragewerte heute zeigen: Die Familie genießt den höchsten Stellenwert.

Das war übrigens zur Zeit Jesu genauso, damals war der Stellenwert sogar noch höher.

Und genau deswegen sagt Jesus diese Worte.

Schauen wir uns die damalige Situation einmal an:

Im damaligen Israel gab es nichts Wichtigeres als die Familie. Das war das Um und Auf.  Die mizpoche, die Sippschaft, im heutigen Judentum ist es noch so, da hält man zusammen, ja es ist fast so: außerhalb kein Heil. Vielleicht waren manche von uns in Mittel- oder Süditalien auf Urlaub oder haben Bekannte, Verwandte dort, im Mittelmeerraum ist es viel stärker. Und erst recht im Orient, besonders damals. Ein herausfallen aus diesem Familienverband war beinahe gleichbedeutend mit einem Herausfallen aus der Gesellschaft.

Die ersten Christen, die Anhänger Jesu haben die Erfahrung gemacht: wenn wir an Jesus und sein Evangelium glauben, dann fallen wir heraus aus unseren Lebenszusammenhängen, dann sind wir bedroht und verfolgt, dann geht es uns nicht mehr gut …

Die frohe Botschaft, die Jesus für sie hat, lautet: es gibt etwas, das noch wichtiger ist als die Familie. Das ist Gott selber und das seid ihr selber, als Mensch, als Person, egal wo und wie ihr lebt … Ihr seid unendlich wertvoll und geliebt unabhängig von eurem Familienstand und eurer sonstigen Zugehörigkeit …

Wenn ihr gesellschaftlich und religiös – wegen Jesus Christus – aus euren Bezügen und Verbänden und Gemeinschaften herausfallt, dann seid ihr dennoch bei Gott geborgen, ja erst recht deswegen schaut Gott, schaue ich besonders auf euch.

Liebe Brüder und Schwestern, diese Botschaft gilt uns heute.

Das Orientieren an dem, was Gott, was Jesus will, ist für viele Menschen schwieriger, als wir uns im Moment vorstellen.

Ja, es gibt Menschen, die halt nicht am Sonntag in die Kirche oder auch in eine Gruppe, Bibelrunde usw.  gehen oder sich in der Pfarre engagieren, obwohl sie sich dafür interessieren würden, weil sich Familienmitglieder, der Partner, die Eltern, die Kinder, die Nachbarn, Kollegen … darüber lustig machen – weil sie befürchten, etwas von ihrem Ansehen zu verlieren.

Zu mir hat einmal ein Vater von einem Schüler oder einer Schülerin, die ich in Religion hatte, gesagt: Naja, Sie müssen ja in die Kirche gehen …

Er hat es eher bedauernd gemeint, so in der Art, ich wäre im Grunde ganz ok, ich kann ja nichts dafür, weil ich muss … gehört zum Beruf dazu und der Chef möchte es wohl …

Ich hab gesagt, nein, ehrlich gesagt, ich gehe freiwillig und absichtlich und sehr gern in die Kirche, und das hat er nicht wirklich verstanden…

Noch mehr werden Menschen aber in unserer Gesellschaft  – ja sogar verunglimpft und beschimpft und in den sozialen Medien bedroht, wenn sie öffentlich für die Werte des Evangeliums eintreten und deswegen caritativ tätig sind. „Das sind ja Gutmenschen“ ist da noch relativ harmlos, obwohl es durchaus als Schimpfwort gemeint ist.

Werte des Evangeliums – dass jeder Mensch gleich viel wert und gleich schützens- und achtenswert ist wie jede/r andere …

Im heutigen Text liegt noch eine radikalere Botschaft, von der sich in den letzten 2000 Jahren viele Christen leiten haben lassen, die uns heute nicht mehr so geläufig ist…  Wenn ich Jünger, eine Jüngerin Jesu, getaufte/r Christ/in bin, dann gibt es für mich keine Fremden mehr. Vor Gott sind wir alle Geschwister…

Und wenn die Blutsverwandtschaft und eigene Familienzugehörigkeit im Judentum zur Zeit Jesu den denkbar höchsten Stellenwert hatte und Jesus so spricht wie heute im Evangelium, dann können wir daraus ableiten, wie wichtig wir Menschen nehmen sollen, die nicht im bürgerlich traditionellen Sinn zu unserer Familie gehören.

Alle die, die z. B. in irgendeiner Weise Unterstützung brauchen. In der Bibel gibt es da zig Mal die gleiche Aufzählung: Fremde, Alleinstehende jeder Art (in der Heiligen Schrift heißt es Witwen und Waisen), Arme. Das sind genau die, die bei Gott in besonderem Ansehen stehen, auf die er schaut …

Wenn wir heute am Ende des Gottesdienstes für die Caritas etwas ins Körbchen hinten geben, dann unterstützen wir im Grund unsere eigenen Geschwister …

Es kann auch eine Option, gute Möglichkeit sein, wenn wir bei der nächsten Gelegenheit, wo jemand über die Caritas oder über „Gutmenschen“ schimpft,  diesem Tun. beherzt entgegentreten.

Ich freue mich auch, wenn es Menschen gibt, die in einem Caritasausschuss der Pfarre mittun – den gibt es nämlich derzeit nicht, es wäre aber höchst notwendig.

Und überhaupt mehr auffallen, wenn es darum geht, Gutes zu tun.

Predigt                                                                      21. 6. 2020  Haid

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

„Muss ich euch das wirklich dreimal sagen!?“

Wer sagt so etwas, wer hat das schon einmal von jemandem gehört?

Genervte Eltern zu den Kindern: … dass ihr im Wohnzimmer nicht Ball spielen sollt! … – dass die Kirschen noch nicht reif sind und ihr sie noch nicht essen sollt … dass zuerst die Hausübung gemacht wird und ihr nachher auf dem Spielplatz dürft …?!“ Oder vom Arzt: „… Dass Ihre Beschwerden nicht besser werden, solange Sie Ihre Ernährung nicht umstellen …“

Meistens ist es etwas, was wir NICHT tun sollen.

Auch Jesus sagt im heutigen Evangelium etwas dreimal: Fürchtet euch nicht!“

Diese Aufforderung steht im Neuen Testament übrigens genau 120 mal. Engel sagen es, Gott selber, und eben Jesus.

Ja gut, werden wir jetzt sagen, aber Angst ist doch normal, die tritt einfach auf, was kann ich da dagegen schon tun?

Angst, Furcht hat aber 2 Nuancen.

Es gibt die gesunde Angst. Der Mechanismus des Unterbewusstseins: Kampf oder Flucht. Der Puls beschleunigt sich, alle Kraftreserven werden mobilisiert, um adäquat auf die aktuelle Situation reagieren zu können. Es würde zu lange dauern, wenn wir bewusst darüber nachdenken müssten, also geht es praktisch automatisch. Gäbe es diese Art der Angst nicht, wäre die Menschheit vermutlich schon ausgestorben.

Und dann gibt es die Angst, die gelernt wurde, die antrainiert ist, die gesellschaftlich oder kulturell üblich und allgemein ist, aber vielleicht nicht oder schon lange nicht mehr logisch begründbar. … Was könnten die anderen denken … religiöse oder gesellschaftliche Tabus … eine Katastrophe könnte ausbrechen, wenn …

Die wirklich gute Nachricht heute von Gott an uns: er möchte uns Menschen von beiden Arten der Furcht frei machen.

Die Angst nämlich, dass die Jünger Jesu verfolgt werden würden, zu Außenseitern der Gesellschaft, Verurteilung und Tod drohten, war in der Realität begründet. Es waren Tatsachen, mit denen gerechnet werden musste.

Und nicht einmal da sollen sie sich fürchten.

Wie viel mehr, liebe Brüder und Schwestern, gilt die Aufforderung zur Furchtlosigkeit uns heute!

Wovor fürchten sich Menschen in unseren Breiten, zu unserer Zeit im Normalfall?

Wovor haben wir Angst – Sie und ich? Höchstwahrscheinlich nicht vor Verfolgung aufgrund unserer Glaubenszugehörigkeit.

Eher vor schwerer Krankheit und Tod. Vor Schmerzen, vor Leiden, vor Unheilbarkeit.

Davor, einen lieben Menschen zu verlieren.

Dann gibt es die Angst, zu wenig zu bekommen – an materiellen Gütern.

An Zuwendung, Aufmerksamkeit und Liebe.

Und die Angst, dass die eigenen Rechte beschnitten werden, dass die Integrität verletzt wird, die Würde.

All diese Ängste machen das Denken eng. Sie sind Ursache sämtlicher Sünden, die wir auf dieser Erde kennen. Sich bereichern auf Kosten anderer, auf Kosten der Natur, auf Kosten der Völker im Süden, in armen Ländern. Falschheit, Misstrauen, Hass, Gewalt, Verstellung, Zurückhaltung von Informationen, andere klein halten, damit man selbst groß herauskommt … lauter Absicherungsmaßnahmen, damit es einem selbst so gut wie möglich geht. Fanatismus in den Religionen, Unterdrückung, weltanschauliche Verfolgung… Unfreiheit, mangelnde Bildung … untaugliche aber allgemein verbreitete Mittel, um de eigene angst zu bekämpfen, die eigene Unsicherheit in Glaubensfragen, Zweifel nicht aufkommen zu lassen…

In den vergangenen Monaten haben wir erlebt, wie die Angst vor Erkrankung und die Angst vor Unfreiheit durch Kontrolle und Überwachung aufeinanderprallen.

Angst ist eine schlechte Ratgeberin, wie es das Sprichwort sagt.

Vor vielen Jahren hat ein Exerzitienbegleiter zu mir gesagt: Die einzige wirkliche Sünde ist das Misstrauen Gott gegenüber, dass wir seiner Güte nicht vertrauen.

Oder, das sage ich: dass wir ihn aus unseren Überlegungen überhaupt ausblenden und tun, als gäbe es ihn nicht.

Jesus lädt uns ein zum gelingenden Leben. Er möchte, dass wir glücklich sind. Wenn er uns auffordert und herausfordert, unsere Furcht loszulassen, dann setzt er etwas dagegen, dann bietet er uns eine Alternative an: Das Gottvertrauen imBewusstsein, dass meine Haare auf dem Kopf gezählt sind, dass alle meine Ängste und Sorgen und Lebensumstände – gegebenenfallls auch Missstände – bestens bekannt, liebevoll im Blick Gottes geborgen und aufgefangen sind.

Die äußeren Umstände haben nicht die letzte Macht und das letzte Wort – die oberste Instanz ist Gott selber, an den wir uns jederzeit wie an einen guten Papa wenden dürfen. Und Jesus ist bei uns. Wenn ich das weiß, dann besteht tatsächlich kein Grund, sich zu fürchten.

In meiner Jugend war ich zwei Jahre krank, zeitweise litt ich unter derart schlimmen Kreislaufstörungen, dass ich eigentlich am liebsten nicht außer Haus gegangen wäre. Es kam für mich nicht in Frage, eingesperrt zu sein, nicht fortzugehen, studieren, einkaufen gehen usw…Leute treffen.

Ich habe dann wortwörtlich darauf vertraut, dass Jesus wie ein Bruder oder Freund überall mit mir hingeht. Das hat mir wirklich geholfen.

Die Angst löste sich auf.

Und das wird sie bei jedem von uns tun. Wenn es eng wird, richten wir unseren Blick auf den, der bei uns ist, und er wird sich weiten.

Sonntagskommentar, erschienen im aktuellen JA-die neue Kirchenzeitung

Angst vorm Welt“untergang“?

Haben die Esoteriker und fundamentalistischen Evangelikalen recht, die seit Jahren (2012 war so ein Eckdatum) vom Weltende reden, vom bevorstehenden „Gericht“, weswegen man sich schleunigst bekehren, d. h. sich der entsprechenden Gruppierung anschließen bzw. mittels strahlensicherer Bunker und Vorratshaltung sich auf die weltweit zu erwartende Katastrophe vorbereiten  soll?

Tatsächlich hören wir im Evangelium dieses Sonntags die Prophezeiung eines katastrophalen Endes dieser Welt aus dem Mund Jesu. Was daran ist „Frohe Botschaft“?

Wenn so ziemlich alles, was auf dieser Erde normalerweise Halt und Sinn gibt, mit mehr oder weniger Getöse verschwindet: religiöse (Tempel) und staatliche (Kriege) Ordnung, Grundversorgung (Hunger, Seuchen), Stabilität der Natur (Erdbeben), familiärer Zusammenhalt (Verrat durch Nahestehende), ist das

furchtbar genug.

Wir dürfen nicht vergessen: 1. In weiten Teilen der Erde ist dies bereits Alltag.

2. Es handelt sich bei diesen Dingen, so wichtig sie sind, um Zweitrangiges. Die jetzt sichtbare Wirklichkeit wird nicht auf ewig bestehen.

Erstrangig ist: Jesus kündigt für diese Zeit sein Wiederkommen als Weltenrichter an. Müssen wir uns davor fürchten?

Ein einfacher Vergleich aus der Justiz: Wer fürchtet sich vor der Gerichtsbarkeit: Übertäter/in oder Geschädigte/r?

Leben wir so, dass wir uns freuen können, wenn alles in die gute Ordnung Gottes umgewandelt wird!

Das göttliche endgültigen Richten, In-Ordnung-Bringen von allem und jedem macht unseren Einsatz für eine bessere Welt keineswegs überflüssig, sondern gibt ihm erst richtig Sinn – weil es schlussendlich Erfolg haben wird.