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zu Mk 10, 35-45

Liebe Kinder, liebe Brüder und Schwestern!

„Bei euch aber soll es nicht so sein.“ Erstaunlich, dass fast sämtliche Christen in der Geschichte der letzten 2000 Jahre offenbar diesen Satz überlesen, überhört haben.

Klar haben Kirchenfürsten genauso wie weltliche Herrscher ihre Untertanen unterdrückt, Sklaven und Leibeigene gehabt und ihre Macht nicht immer zum Wohl der Menschen eingesetzt, sondern auch missbraucht.

Die Menschenrechte sind innerhalb der Katholischen Kirche noch immer nicht rechtlich verankert. Wer eine „Hierarchie“ für normal hält, für den sind eben nicht alle Menschen gleichberechtigt.

Auch bei den Armen ist es so, auch auf den Philippinen, in Lateinamerika und Afrika – in Madagaskar, dem heurigen Beispielland – sobald irgendwer eine gewisse Macht über andere spürt, nützt er sie aus.

Bei uns ist es auch nicht anders. Schauen wir uns Firmenchefs an oder manche Politiker, die, wenns nach ihnen ginge, keiner mehr kontrollieren darf, auch nicht bei Millionenprojekten, weil die dann … ja, was eigentlich? Böse werden, zu schreien anfangen – tut nicht weh. Oder weil man sich für sich selber einen Machtverlust, einen Einkommensnachteil befürchtet, wenn man nicht „brav“ ist und ja und amen dazu sagt, was der macht?

 Woher kommt das?

Vielleicht werden wir schlauer, wenn wir uns die beiden Jünger ansehen, mit denen die Geschichte beginnt. Jakobus und Johannes möchten im Reich Gottes links und rechts neben Jesus sitzen, d. h., sie wollen die besten Plätze neben dem Herrscher. Dies deutet darauf hin, dass sie in keiner Weise verstanden haben, worum es im „Reich Gottes“ geht. Sie halten es fälschlich für ein Königreich als Fortsetzung der real existierenden, und sie übertragen die herrschenden Regeln auf dieses Gottesreich. Die Freunde des Königs haben den meisten Einfluss, haben das Sagen.

Es wird aber noch ärger. Ihre Antwort auf Jesu Frage, ob sie den Kelch trinken können, den er trinkt – damit ist die Kreuzigung gemeint -, antworten sie frischfröhlich mit „Ja, wir können es“. Sie haben von Gott nichts verstanden …

Im Reich Gottes gelten die Regeln Gottes, nicht die der Menschen.

Gott interessiert, wer sich für das Wohl der Mitmenschen bemüht. Goethe hat das begriffen, der betont, wer der erste einer Gruppe ist (und er war mehrmals Minister), hat am meisten zu tun: Schauen, dass alle zu ihrem Recht kommen, dass es allen möglichst gut geht, Streit schlichten, Meinungsverschiedenheiten ausgleichen, Interessen verknüpfen …

Fragen sie einmal den Chef, die Chefin/Inhaberin eines kleineren Betriebes. Wenn es da nicht allen Beteiligten, Angestellten und Arbeitern, gut geht, ist bald einmal Schluss.

In der Mission hat die Kirche lange Zeit die alten Fehler gemacht. Wenn Christen in anderen Kontinenten als Herren auftreten und die dort Einheimischen zu Sklaven degradieren, kann man sich ausrechnen, wie viel Erfolg die Glaubensverkündígung hat.

Indianische Bevölkerung hat sich umgebracht, um nicht in den Himmel der Europäer zu kommen.

Australien – Protestanten haben die Aborigines weit ärger unterdrückt, sie wollten die gesamte Kultur auslöschen.

Mission muss Dienst sein: Fragen: Was braucht ihr? Was habt ihr schon, das ausbaufähig ist? Sich in die andere Kultur einfühlen. Mitleben.

Krankenhaus eröffnen, für Gerechtigkeit sorgen…  Gott kommt früher als der Missionar.

Inzwischen gibt es unzählige Priester und Ordensleute, die im Geiste Jesu auf der Seite der Armen und Unterdrückten sind, ihnen wieder Zugang verschaffen zu Selbstachtung, zu ihren Rechten, zu Bildung und Gesundheit und den Gütern des Lebens. Nicht selten unter Einsatz des eigenen Lebens.

Weil jede Frau, jedes Kind, jeder Mann dieser Erde ist unserem Gott heilig ist…

Diese Art der Mission ist es wert, dass wir sie unterstützen.

Predigt                                                                                 28. 8. 2022

Liebe Brüder und Schwestern!

Das, was Jesus im Evangelium sagt, ist für uns 100%ig einleuchtend. Logisch und nachvollziehbar. Und das war es für die Gäste des vornehmen Simon damals auch.

Jetzt hat Jesus aber nicht wirklich im Sinn, als Trainer guten Benehmens zu wirken. Wenn er etwas sagt und lehrt, geht es ihm immer um Gott, um das Reich Gottes, um das Verhältnis zwischen Gott und den Menschen.

Übrigens gab es Zeiten, in denen das, was Jesus da vermitteln möchte, überhaupt nicht verstanden, ja nicht einmal gesehen worden ist.

Im Mittelalter oder bis vor ca. 100 Jahren auch hier bei uns in unserem Land: da gab es die großen Standesunterschiede. Es wäre einem Grafen oder Baron nie im Leben eingefallen, mit den Knechten und Mägden, auch wenn sie freie Menschen waren und keine Leibeigenen, das gab es nämlich bis Maria Theresia auch in der Geschichte der Christenheit, zusammen am selben Tisch zu sitzen.

Ein absolutes NoGo. Geht nicht. Undenkbar.

So sehr undenkbar, dass man die Botschaft Jesu nicht wahrnehmen konnte. Außerhalb des Blickfeldes.

In der katholischen Kirche gab es Gegenden, da wurden in die Kirchenräume hinein sogenannte Sakramentshäuschen reingebaut: quasi ein „Extrazimmer“ nur für die Priester, wo die Wandlung und das Hochgebet gesprochen wurden – die Normalsterblichen, wie wir so schön sagen, sollten das nicht sehen – zu minder, nicht würdig, … oder was immer.

Vor ca. 30 Jahren war ich Pastoralassistentin in Hörsching. Da wurde mir von einem großen Bauern, der in den 60erJahren eingeheiratet hatte, erzählt, es hat 20 Jahre gebraucht, bis er am Stammtisch der örtlichen Bauern Platz nehmen durfte … War ja schließlich kein Hiesiger …

In Hörsching hat der Pfarrer, der war auch der größte Bauer im Ort, alles, wo dann der Fliegerhorst und der Flughafen entstanden, bis zur Zeit des 2. Weltkriegs übrigens 2 Pfarrerköchinnen gehabt: eine für sich und den Verwalter und Gäste, und eine fürs Gesinde …

Liebe Brüder und Schwestern, zum Glück sind wir alle bereits in einer Demokratie geboren worden und erzogen worden.

Bei Gott gibt es keine Rangunterschiede zwischen Menschen.

Und das hat Jesus sicher auch im Blick gehabt: Unter Glaubenden spirituellen Menschen gibt es auch so eine Art Wettbewerb oder Hierarchiebildung: Wer ist frömmer, wer betet mehr, wer ist fortgeschrittener im geistlichen Leben, näher bei Gott z. B. …

Eine Weisheitsgeschichte erzählt:

Einige Mönche streiten, wer von ihnen Gott näher sei. Ich bete länger, sagt der eine. Ich bin schon länger Mönch, sagt der nächste. Ich halte das Fasten am längsten durch. Ich die Stille und Einsamkeit. Ich begeistere am meisten durch meine Predigt. Ich bewege die Menschen zu großen Spendenbeträgen …… Und so geht es eine Zeit weiter …

Bis der Meister sagt: Am frömmsten von allen, weitaus frömmer als ihr, ist diese Bäurin, die da gerade vom Feld kommt.

Was, die? Schreien sie durcheinander – die betet doch fast nie… und im Tempel sieht man sie auch nur, wenn es unbedingt sein muss…

Gefäß in flacher Schale tragen ohne zu verschütten mit Wasser – im Kloster und auf der Hauptstraße. Zweiteres unmöglich.

Der Meister sagt: Ja, ihr betet viel. Mitunter den ganzen Tag.

Aber diese Bäurin arbeitet täglich hart auf dem Feld, versorgt ihre 6 Kinder und den gesamten Haushalt und hat oft keine freie Minute. Wenn sie am Morgen und Abend für einen kurzen Augenblick ihre Augen zum Himmel erhebt und ein kurzes Gebet stammelt oder auch nur einen Gedanken fasst, weil sie bei alldem nicht auf Gott vergisst, hat das droben mehr Gewicht als eure ausgesuchten Worte, für die ihr alle Zeit der Welt habt.

Gottes Tisch ist aber eine Tafelrunde. Jeder mit der gleichen Entfernung oder Nähe.

Heute habe ich einen jungen Mann beerdigt, der aus der Kirche ausgetreten war, weil er nicht glauben konnte.

Dieses Gedicht von Marie Luise Kaschnitz habe ich am Grab vorgelesen:

 

Glauben Sie fragte man mich
An ein Leben nach dem Tode
Und ich antwortete: ja
Aber dann wusste ich
Keine Antwort zu geben
Wie das aussehen sollte
Wie ich selber
Aussehen sollte
Dort

Ich wusste nur eines
Keine Hierarchie
Von Heiligen auf goldenen Stühlen
Sitzend
Kein Niedersturz
Verdammter Seelen
Nur

Nur Liebe frei gewordene
Niemals aufgezehrte
Mich überflutend

Kein Schutzmantel starr aus Gold
Mit Edelsteinen besetzt
Ein spinnwebenleichtes Gewand
Ein Hauch
Mir um die Schultern
Liebkosung schöne Bewegung
Wie einst von tyrrhenischen Wellen …
Wortfetzen
Komm du komm

Schmerzweb mit Tränen besetzt
Berg- und Talfahrt
Und deine Hand
Wieder in meiner

 

So lagen wir lasest du vor
Schlief ich ein
Wachte auf
Schlief ein

Wache auf
Deine Stimme empfängt mich
Entlässt mich und immer
So fort

Mehr also, fragen die Frager
Erwarten Sie nicht nach dem Tode?
Und ich antwortete
Weniger nicht.