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Predigt Christkönigsonntag 2025

Liebe Brüder und Schwestern!

Könige – die gibt es bei uns heutzutage nicht mehr.

Höchstens in manchen Illustrierten, die so tun, als ob echte und vermeintliche Skandale diverser europäischer Königshäuser irgendwen interessieren… ein künstliches Interesse an Hochzeiten, Kindersegen und Krankheiten wach halten…

Könige mancher Filme, die eher als degenerierte Witzfiguren in Erscheinung treten…

Oder es fallen uns die Herrscher der sogenannten guten alten Zeit ein, der Sagen und Märchen, die weisen und gütigen, wo alle anderen Untertanen sind, und nichts zu lachen haben, wenn der König zufällig einmal weniger weise und gütig ist – und sich nur durch Gewalt und Unterdrückung an der Macht halten kann… Wer spürt, die eigene Position ist angemaßt, muss Opposition verfolgen… da ist man dann heilfroh, in einem demokratischen Land zu leben.

Diese Königs-Erfahrungen haben leider auch unser Gottesverständnis geprägt. Die Menschen haben sich ein Bild gemacht – auch der beste der tatsächlichen Herrscher war ein Mensch mit Fehlern, und wir haben angst, Gott könnte einem solchen ähnlich sein, tyrannisch, undurchschaubar, willkürlich, rachsüchtig…

Solche Gottesbilder hindern uns am Glauben.

Ich habe den Eindruck, Gott tut das ganze AT hindurch nichts anderes, als durch den Mund der Propheten diese allzumenschlichen Vorstellungen aufzusprengen, zu widerlegen. Weitgehend ohne Erfolg. Die guten Gegenbilder – Gott als Vater, Mutter, Suchender, Tröstender, Liebender…

Bis er selber kommt, in Jesus – Jesus, die Verkörperung all dessen, die Inkarnation. Ja, auch der König, so wie ihn sich Menschen erträumt haben und wie es kein menschlicher König zustandebringt…

Der Vorbild ist im Guten, der allen voraus ist in Güte und Weisheit, wo das Kleine und Schwache Platz haben… vielleicht denken wir an Jesaja: Das geknickte Rohr zerbricht er nicht, und den glimmenden Docht löscht er nicht aus. Ja, er bringt wirklich das Recht. Durch Beispielwirkung, nicht gewaltsam – weil er die Verantwortung und Sorge trägt, seine Krone aus Dornen drückt und sticht, ist Belastung, nicht Schmuck und Rangabzeichen wie bei den Königen, die keiner mehr ernst nimmt… der König, der sich lieber umbringen lässt als seine Botschaft – Liebe – zu verleugnen.

Der eine der beiden Männer, die neben Jesus gekreuzigt werden, kommt in diesen Stunden des qualvollen Sterbens drauf: So nicht wie bisher, vermutlich waren beide Freiheitskämpfer, die eben auch Römer und Kollaborateure überfallen, umgebracht, ausgeraubt haben… der eine denkt um, der andere verharrt in seiner Enttäuschung: der politische Messias, ein neuer irdischer König David, wäre ihm lieber gewesen, an so einen Schwächling glaube ich nicht, verschwende ich keinen Gedanken, wenn du der Messias bist, dann hilf dir und uns…

Der andere bekommt eine Ahnung von Gottes Wirklichkeit – und erlebt gleich noch mehr davon, wie dieser Jesus ist: er tröstet, hilft, richtet auf, noch am Kreuz.

Ist das nicht ungeheuer befreiend für uns?

Nicht Macht, Gewalt, Unterdrückung, Berechnung, Hierarchien, menschliche Strukturen in Erfolg-Misserfolg, Arm-Reich,—  werden sich im letzten durchsetzen, sondern das Gute, Barmherzigkeit, Recht, Hilfsbereitschaft, Geduld, Durchhalten, zweckfreie Zuwendung… Gott selber hat es bewiesen, worauf es ankommt.

Liebe Brüder und Schwestern, wir sind Jesu Königsgeschwister – wir sollen ein bisschen so sein wie er, an ihn erinnern, ………… Wir haben Anteil an seiner königlichen Würde. Besonders dann, wenn uns unsere kleine Königsgeschwisterkrone drückt und sticht: die Verantwortung, die wir übernehmen für Mitmenschen in der Familie, im Betrieb, in der Freizeit, in Gesellschaft und Politik. Die Arbeit, die wir uns antun, weil wir helfen, uns engagieren für gesunde Umwelt, für Gerechtigkeit, Freiheit, Frieden…

Wenn wir mehr arbeiten als andere, weil wir nicht Dienst nach Vorschrift machen, nach Minimalanforderung, sondern putzen, kochen, reparieren, erziehen und unterrichten, bauen, pflegen, kaufen und verkaufen, planen und verwalten als Stellvertreter und Stellvertreterinnen unseres Herrn, vor seinem Angesicht, als ob er selbst es tun würde. Dieser Einsatz bedeutet mühsame Kleinarbeit, manchmal auch Spott und Verfolgung.

Und immer wieder ist es auch so, dass unser Einsatz keinen Erfolg hat, dass etwas völlig misslingt.

Könige wurden im AT gesalbt, man hielt ein Sakrament, könnten wir vergleichsweise sagen, für nötig, die besondere Begleitung und den Schutz und Segen Gottes, damit sich ein Mensch – und ein Mensch ist fehlbar und angefochten – überhaupt diesen Anforderungen stellen kann…

Wir sind getauft, gefirmt – mit hl. Öl gesalbt, dieses Sakrament, das uns Verantwortung tragen hilft, gibt es, genau dadurch sind wir ja Jesu Geschwister, wir Christen…

Indem wir diese Verantwortung übernehmen, wird Gottes Weltanschauung auf dieser Erde nachhaltig bekannt gemacht – und seine Königsherrschaft hält Einzug, immer wieder ein Stück mehr. Glauben wir daran.

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Die Weisen folgten dem Stern.

Weise – wer ist weise? Wer merkt, was wichtig ist und was nicht, was wirklich zählt. Worauf es ankommt, wofür sich der Einsatz lohnt.

Wer aus reicher Erfahrung schöpfen kann. Nicht wer mit dem Hirn viel Wissen erworben hat, sondern wer das, was er weiß, richtig anwenden kann.

Wer hinter die Kulissen sieht, dem man nichts vormachen kann, weil er/sie mit dem Herzen erspürt, was wahr ist … was läuft.

Die Sterndeuter oder Gelehrten, von denen das Evangelium erzählt, waren tatsächlich weise – sie haben bemerkt, dass der gesuchte große König nicht im Palast in der Hauptstadt zu finden ist – und haben den Mut gehabt, ihr Ziel zu neu festzulegen, sich am Stern zu orientieren und in die Provinz zu gehen, und dort noch einmal aus der Stadt, aus dem Zentrum hinaus in die Gegend.

Nicht das, woran alle Welt sich ausrichtet, sondern sich nicht zufrieden geben mit dem allzu Bekannten, die schmale Spur verfolgen …

Das kleine Kind armer Leute, da ist Gott zu finden. Sie sehen mehr als die Allgemeinheit, der das Wunder von Betlehem verborgen bleibt.

Und sie wissen mehr, als man logischerweise und normalerweise mit den 5 Sinnen erfassen kann: Sie träumen und vertrauen dieser Erfahrung. Nicht mehr nach Jerusalem, sondern auf raschestem Weg in die Heimat zurück.

Bei uns gibt es eine Reihe Kinder und Erwachsene, die auch dem „Stern“ folgen – die Ideale haben und zu ihnen stehen.

Einige haben ihre Ferienzeit zur Verfügung gestellt und waren als Sternsinger unterwegs – 1x oder 2x oder 5 x.

Diese Ideale: Es gibt etwas Wichtigeres als bequem zu Hause zu sitzen, nämlich für ärmere Kinder etwas zu unternehmen, sich anzustrengen. Mehrere zusammen haben es lustiger und schöner als eine/r allein.

Wir sind auch heuer leider wieder Menschen begegnet, die auf dem Standpunkt stehen: „Das brauche ich nicht“. Die Aktionen wie die Dreikönigsaktion für Blödsinn halten und die Kinder, die dabei mittun, für arm oder dumm.

Die Weisen aus dem Morgenland sind sicher auch für arm und ein bisschen blöd gehalten worden, weil sie nicht im Palast ihr heil gesucht haben, weil sie nach Hintertupfing gezogen sind, weil ihnen das arme Kind im Stall wichtiger war als Prunk und Macht …

Weil sie nicht mit dem König Herodes kooperiert, sondern sich seinem Zugriff entzogen haben…

Weil ihre Werte andere waren als üblich.

Alle weisen Menschen der Geschichte haben die Werte ihrer Umgebung, das was „man“ tut, nicht kritiklos übernommen.

Wenn die Weihnachtszeit morgen zu Ende ist, dann wäre es gut, weiterhin wie die „Weisen“ sein und sich verhalten zu wollen.

Selber denken und forschen statt Meinungen und Glaubenssätze zu ungeprüft zu übernehmen.

An das Gute glauben, daran dass sich Wahrheit durchsetzt und Recht und dass Frieden möglich ist – und ein gutes Leben auf dieser Erde für alle Menschen. Deswegen haben wir ja schließlich die Dreikönigsaktion durchgeführt und gespendet …

Die Ideale weit stecken und beibehalten, auch wenn manche Erfahrung und mancher Kleingeist dagegen spricht.

Die Botschaft von Weihnachten lautet: Das Licht ist stärker als die Dunkelheit.

Das Unscheinbare, das Kind ist mächtiger als die Machthaber.

Das Wesentliche geschieht im Kleinen, fürs erste oft unbemerkt.

Als kleine Einübung, das Wesentliche zu sehen, habe ich euch ein Rätsel/einen Buchstabensalat mitgebracht.