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Am heutigen Sonntag ist als Lesung im Gottesdienst die Sündenfallerzählung vorgesehen.

Im Lauf der Jahrhunderte wurde kirchlicherseits derart viel Seltsames, Missverständliches, Frauenfeindliches und einfach Verkehrtes gelehrt und gepredigt, dass eine wohltuende Auflösung mehr als nötig ist – wenn auch nicht ganz einfach.

Kurzfassung (traditionell): In der Mitte des Garten Eden wachsen der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse und der Baum des Lebens; Gott hat Adam und Eva verboten, von deren Früchten zu essen.

Schlange/Teufel verführt Eva, vom Baum der Erkenntnis zu essen; sie gibt auch ihrem Mann davon, wodurch sie die Erbsünde begründen und aufgrund ihres Ungehorsams Gott gegenüber von diesem aus dem Paradies vertrieben werden, wobei er das Menschenpaar noch mit einigen Verfluchungen belegt (Arbeit im Schweiß des Angesichts, Geburtsschmerzen, patriarchale Gesellschaftsordnung).

Bekanntermaßen hat die theologisch verdrehte Rezeption dieser mythologischen Erzählung (die im Grunde bereits den unguten Ist-Zustand erklärt) zu einer extremen Abwertung der Frauen geführt à la „Eva ist an allem schuld“ und muss daher kontrolliert, kleingehalten, … usw. werden…

Dass TheologInnen und MystikerInnen immer schon bemerkt haben: Die eigentliche „Sünde“ besteht im Misstrauen Gott gegenüber (JHWH könnte es nicht gut mit uns meinen), dem Vertrauen-Schenken  einer wildfremden Person, die absichtlich Misstrauen sät zwischen einander Nahestehenden, das Mangeldenken (im Paradies, wohlgemerkt!), es könnte nicht genug da sein – dieser Umstand war zwar bekannt, wurde aber nicht der Allgemeinheit weitergegeben.

Irgendwie verständlich: Man(n) hätte sich ja beim weiblichen Geschlecht entschuldigen, die Frauen rehabilitieren, vieles revidieren müssen.

Das eigentliche Übel: Männer haben sich eine Gottesvorstellung geschaffen nach dem orientalischen antiken Patriarchatsmodell: Der Vater (Scheich) ist unumschränkte Obrigkeit, die absoluten Gehorsam fordert und Zuwiderhandeln bestraft (bei Nomaden wurden Missetäter buchstäblich in die Wüste geschickt).

Im Judentum übrigens wird das Hören auf die Schlange (Verkörperung von Wissen und Weisheit) und Mehr-Wissen-Wollen Evas positiv gesehen.

Schlange, fruchtbarer Garten: Es handelt sich um uralte Erinnerungen an die große Muttergottheit. Diese guten Erinnerungen, den älteren, lebensfreundlichen Glauben, wollten Autoren der Bibel auslöschen. Dazu mehr im morgigen Beitrag.

Liebe Brüder und Schwestern!

Wieso ist diese Familie heilig? Ja klar, Familienmitglieder heißen Maria, Josef und Jesus – das versteht sich fast von selbst.

Wir haben in den letzten Tagen und Wochen ja auch ausführlich über alle Beteiligten gehört. Über ihren Glauben, ihr Verhalten …

In der Lesung aus dem AT kommt auch eine Familie vor – von der haben wir noch nicht so viel gehört, möglicherweise hat sie uns gerade deshalb mehr zu bieten, wenn wir fragen, wie Familien heilig sein können.

Hanna ist mit Elkana verheiratet und leidet jahrelang darunter, dass sie keine Kinder bekommen kann. In der damaligen Situation gilt Kinderlosigkeit als große Schande, sie kommt sich von Gott beinahe wie verflucht vor. Interessanterweise stört ihren Mann das gar nicht – er beteuert „Du bist mir mehr wert als viele Söhne“ – es sind auch schon mehrere Kinder von seiner ersten Frau da.

Aber Hanna reicht das nicht – sie ist unglücklich wegen ihrer Kinderlosigkeit, und das AT schildert, ein paar Sätze zuvor, wie Hanna im Tempel inständig betet – Gott möge ihr Kinder schenken, damit sie von den Menschen ihrer Umgebung, vor allem von der anderen Frau Elkanas, Pennina, die mit den Kindern, nicht verachtet und verspottet wird.

Als Hanna so betet, erlebt sie, dass Gott sie als Person ganz ernst und annimmt.

Ihre Sorgen versteht – und um ihr zu helfen, ihr den Sohn Samuel schenkt – und danach noch weitere Kinder.

Hanna empfindet den Sohn ganz deutlich als Geschenk Gottes. Mit großer Dankbarkeit.

Und so betrachtet sie ihn nicht als Privateigentum, sondern überlässt ihn so früh wie möglich dem Handeln und Wirken Gottes, entlässt ihn in die Freiheit.

Dort darf er sein, wo er ungehindert seiner Berufung folgen kann.

Maria und Josef haben diese Einstellung nicht so leicht und einfach. „Kind, wie konntest du uns das antun“ – und da ist Jesus kein kleines Kind mehr, sondern nach seiner Bar Mizwa im religiösen Sinn als Jude erwachsen. Auch als Jesus als Prophet bekannt ist, ist seine Familie – die Mutter und die Brüder – bemüht, ihn so schnell wie möglich nach Hause zu holen. Er soll sich gefälligst nicht so verrückt aufführen, meinen sie.

Maria hat im Laufe ihres Lebens ständig dazugelernt. Sie war offen für die Anregungen des Heiligen Geistes. Das ist es, was Heilig Sein meint. Obwohl sie sich auch schwer getan hat immer wieder mit diesem besonderen Kind…

Wir alle können unseren Ehebund, unsere Familie jeden Tag wieder ausdrücklich in den Wirkungsbereich Gottes stellen. Eine Familie ist christlich, wenn sie auf Gott hin offen ist. Heilig, heil, gesund…

Familien, überhaupt Systeme die nicht vom Geist Gottes inspiriert sind, sind geschlossene Systeme und tun den Beteiligten nicht gut… Wo alles ein für alle Mal feststeht und reglementiert werden muss – Rollen, Regeln, Abläufe … Wo kein Raum für neue Ideen, Verhaltensweisen oder Personen ist – wo es Schwiegertöchter und –söhne schwer haben. Oder Kinder sogar beziehungsunfähig werden, weil sie ewig an der Mutter oder am Vater kleben.

Familie kann da leicht zum Albtraum werden.

Wo sich der Familienvater, die Familienmutter selbst von Gott getragen, beschützt, begleitet, gesegnet weiß – da brauchen sie nicht ständig aufpassen wie die Haftelmacher, bloß nichts falsch zu machen. Zigtausend Ernährungs-, Erziehungsratgeber und Tipps für die für die richtige Versicherung oder Schulwahl … Da können alle Beteiligten aufatmen, statt krampfhaft zu kontrollieren, da entsteht Freude und Freiheit, tiefes Vertrauen und Wohlwollen …

dort ist echte Liebe – nicht Abhängigkeit.

Bitten wir Gott, dass er unsere Familien zu solchen offenen gesunden, heiligen Systemen macht.