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Predigt am Weihnachtstag

Liebe Brüder und Schwestern!

Ich beginne mit einem Text:

Dieser Tag hat der Welt ein anderes Gesicht gegeben. Sie wäre dem Untergang verfallen, wenn nicht in dem heute Geborenen für alle Menschen ein gemeinsames Heil aufgestrahlt wäre … Wer richtig urteilt, wird in diesem Geburtstag den Anfang des Lebens … für sich erkennen … Die Vorsehung, die über allem Leben waltet, hat diesen Mann zum Heile der Menschen mit solchen Gaben erfüllt, dass er uns und den kommenden Geschlechtern als Heiland gesandt ist. Jedem Krieg wird er ein Ende setzen und alles herrlich machen. In seiner Erscheinung sind die Hoffnungen der Vorfahren erfüllt … Mit dem Geburtstag des Gottes beginnt für die Welt das Evangelium das sich mit seinem Namen verbindet.

Inschrift von Priene, bezieht sich auf Kaiser Augustus.

Da kommt uns manches ganz bekannt vor.

Die Evangelisten haben die bekannten Formulierungen – solche Lobgedichte auf Augustus waren gang und gäbe – verwendet und auf Jesus umgemünzt. Der Kaiser maßt sich de göttliche Legitimierung an – dieses kleine Kind im unbekannten Ort Betlehem kann sie beanspruchen.

Liebe Brüder und Schwestern, von wo her erwarten wir uns Licht und Heil?

Da gibt es Regierungschefs, Parteien, Politiker, den neuen Präsidenten, oder ein Star, wenn der seine Meinung äußert zu bestimmten Themen… oder bekante Wissenschafter, Wirtschaftschefs … da erwarten wir uns Aufschwung und Rettung – oder vor dem Jahreswechsel vielleicht noch von der Astrologie oder von Wahrsagern die massenweise, so scheint es, ihre Prognosen anbieten.

Oft, zu oft, bleiben wir mit unseren Erwartungen und unserer Hoffnung im rein menschlichen Bereich.

Obwohl wir Christen sind.

Das Johannesevangelium redet in der Sprache der hohen Philosophie. Für das Kind armer Eltern im Stall in der armseligen Krippe, an unbekanntem Ort, auf freiem Feld, im Unterstand der verachteten Hirten … verwendet er den Namen: Licht und fleischgewordenes Wort.

Die Uhren gehen anders, als man es üblicherweise glauben möchte: Gottes Ordnung ist eine andere als die menschliche, gesellschaftliche, politische, wirtschaftliche, kulturelle … total konträr…

Und es wird auch gleich gesagt: er kommt nicht an. Zu anders – zu klein zu unscheinbar zu gewaltlos und hilflos …  … Man hätte sich anderes erwartet.

Dieses Licht ist von Anfang an bedroht. Wir merken es, wenn wir unser Christsein ernst nehmen wollen: Da ecken wir an, wie Jesus, da fordern wir Widerspruch heraus, da riskieren wir unsere Ruhe, da kämpfen wir gegen Windmühlen …

Ja, es gibt auch die Erfolge – Hilfsbereitschaft, Anständigkeit, Ehrlichkeit, soziales Engagement … Geschwisterlichkeit unter Menschen –

Aber was ist das gegen so viel anderes? Dunkles aber auch Schrilles, Grelles, das den kleinen Lichtschein übertönt und überblendet?

Ist das wahr: die Finsternis hat es nicht erfasst?

Jetzt feiert alle Welt Weihnachten. 90 % haben mit dem Glauben und mit dem Christsein allerdings nichts am Hut. Weihnachten gibt es in Indien und China und in Filmen und Büchern- Brauchtum, die Herzen werden weich –  … ein beliebtes Fest.

Könnte es nicht sein, dass es wahr ist –

Könnte es nicht sein, dass alle diese Menschen, die Weihnachten feiern, wie auch immer – diese Hoffnung noch wach halten, diese Sehnsucht noch spüren, immer noch: dass es andere Werte gibt als Wachstum und Geld und politische Macht – dass das Kleine Wert hat, dass Gott sich interessier für die am Rand, für die draußen – dass das Gute und Wahre am Ende Recht behalten wird – und alle kleinen zaghaften Versuche Licht in die Welt zu bringen, niemals zum Scheitern verurteilt sind – sondern Bestand haben und Wirkung zeigen werden …?

… aus einem einzigen Grund: Weil mit der Menschwerdung, mit der Geburt Gottes als Kind der Mittelpunkt des Weltgeschehens woanders hingeraten ist, als die Weltordnung und die Mächtigen und Vornehmen es für möglich halten – das Datum unseres Weihnachtsfestes wurde in der frühen Kirche absichtlich auf den 25. Dezember gelegt, das war in Rom das Fest des Sol Invictus, des unbesiegbaren und unbesiegten Sonnengottes. Jesus ist größer, soll das bedeuten, die Sonne wird irgendwann nicht mehr da sein – Jesus Christus schon.

Das Zentrum der Weltgeschichte liegt nicht in Washington oder Moskau oder Peking, oder Rom – sondern in Betlehem, im brasilianischen Amazonien, in Moria oder Sipbach oder Hasenufer –  Gott selbst, das Licht der Welt, kam und kommt jedesmal an die Peripherie, zu den kaum Wahrgenommenen und zu den Verachteten, zu den Armen,  zu jedem und jeder von uns.

Das schwarze Schaf Billy

Billy war traurig.

Die anderen Schafe hatten wieder einmal miteinander gespielt, gefressen und vor dem Schlafengehen Neuigkeiten ausgetauscht – aber ohne ihn. Jeden Tag ließen sie ihn merken, dass er irgendwie nicht dazugehörte, dass sie ihn nicht dabeihaben wollten, weil er anders war.

Alle Schafe hatten ein weißes Fell – nur Billy war schwarz.

Seine Mutter hatte ihn jedes Mal mit großen runden Augen angeschaut, wenn er zu ihr gekommen war – und oft hatte sie ihn stundenlang abgeleckt in der Hoffnung, dass die Farbe abgehen würde und ihr Sohn so aussehen würde wie die anderen.

Billy war mit dem Gefühl, ein Außenseiter zu sein, vertraut.

Heute aber war es besonders schlimm.

Die Hirten der Schafe waren ganz aufgeregt, froh und ein bisschen ängstlich zugleich – und diese Stimmung hatte sich auf die Schafe übertragen: Ein Gefühl der Erwartung und Vorfreude hatte sie noch lange vom Schlaf abgehalten.

Freilich, mit Billy redete niemand.

Heute schubsten ihn die größeren weißen Schafe mehrmals weg, als er ihnen lästig wurde mit seinen Fragen; sogar seine Mutter tat so, als würde sie ihn nicht bemerken.

Dabei hätte Billy zu gern gewusst, worum es ging. Es musste wohl etwas Besonderes und Schönes sein, soviel hatte er begriffen.

Nun kauerte Billy einsam in der Ecke des kleinen Stalls, in dem er schon oft seine Zuflucht genommen hatte. Tränen kullerten über sein Fellgesicht, und er wünschte sich wie so oft, dass alles doch ganz, ganz anders wäre …

So sehr war Billy mit seinen Gedanken beschäftigt, dass er die Leute erst bemerkte, als sie schon mitten im Stall standen. Erschrocken drückte sich das kleine schwarze Schaf in den dunkelsten Winkel.

Der Mann richtete Stroh zu einem Haufen zusammen, auf den sich die Frau mit einem Seufzen sinken ließ.

In den nächsten Stunden war ziemlich viel los im kleinen Stall. Hirten kamen und gingen; zwei ihrer Frauen blieben, und gegen Mitternacht war ein Menschenjunges geboren worden, das nun in der einen Futterkrippe ruhig lag.

Die Hirtenfrauen waren wieder gegangen, die Eltern des Babys eingeschlafen.

Nun traute sich Billy aus seiner Ecke hervor. So gern wollte er das neugeborene Kind sehen – er wusste jetzt, worum es bei der Aufregung bei Hirten und Schafen gegangen war.

Vorsichtig näherte Billy sich der Krippe. Einmal nur dem Kind ins Gesicht sehen…… Aber wie erschrak das kleine schwarze Schaf, als sein Gegenüber plötzlich die Augen öffnete – und ihn, Billy, den niemand mochte, anlächelte. Billy war so froh, dass er sich an das Kind kuschelte – und zugleich mit diesem glücklich einschlief.

Billy erwachte, weil Menschen miteinander redeten.

Ah, da ist ja der kleine Ausreißer … ja, wenn ihr ihn brauchen könnt, bittesehr, nehmt ihn als Geschenk von uns …

Zuerst erstarrte Billy, als er die Hirten hörte. Aber dann öffnete er die Augen, es war schon mitten am Tag, er sah ein wunderschönes liebevolles Gesicht, das sich jetzt weiter zu ihm herunterneigte. „Ja, so ein liebes kleines Schaf – es wird der erste Spielgefährte für unser Kind sein“, sagte die Mutter des Kleinen, und dabei kraulte sie Billy sanft hinter den Ohren.

Ein Stern berichtet – oder wie es Beobachtern gehen kann

Eines Nachts war die Stimmung im Kosmos irgendwie anders als sonst.

Der Stern auf seinem Beobachtungsposten im hinteren Mittelfeld der Milchstraße blickte höchst gelangweilt zum mindestens 23.Billionsten Mal in die Runde, bis jetzt war nie was, also…

Doch! Da hinten, am äußersten Rand des Universums beinahe, begann etwas wie wild zu blinken. Einmal, zweimal, … acht Mal.

In unerhört auffälliger Weise wurde der 3. Planet eines üblicherweise unauffälligen Sonnensystems beleuchtet.

Der Beobachtungsstern wäre auf die Idee gekommen, sich die Augen zu reiben, hätte er welche, und sah genauer hin. Da: Inzwischen blinkten mehrere Sterne, bildeten Muster am nachtschwarzen Himmel, Spiralen, Kreise, Bögen, jetzt einen Strahl, der wie ein Scheinwerfer einen kleinen Flecken Landes auf diesem Planeten erhellte, genau genommen ein Stück wilde Gegend in der Nähe eines Dorfes nicht weit einer Binnenmeerküste im suptropischen Gebiet des betreffenden Himmelskörpers.

Meldung an die Zentrale!

Gebe hiermit folgende Beobachtung zu Protokoll …

Wieso meldet sich da niemand?

Zentrale!

Hallo, Zentrale!

…     Wahrscheinlich melden sich gerade zu viele. Also:

Beobachte weiter: Beleuchtet wird ein Unterstand, frei stehend in der Landschaft. Ort dient offenbar der Nahrungsaufnahme dort im Umkreis lebender Tiere.

Wird bewohnt von 4 Schafen, einem Rind und einem Lasttier. Weiters von einem Menschenpaar, von dem das weibliche soeben ein Junges geboren haben muss, den Spuren zufolge.

Zentrale, hallo!

Verstehe nicht, wieso sich heute keiner meldet.

Andere Lebewesen ihrer Art, wach geworden aufgrund des außergewöhnlichen Lichtspektakels, bewegen sich auf den besagten Unterstand zu.

Freundliche Begrüßung, gemeinsames Verzehren der mitgebrachten Nahrungsmittel, Reden und Singen. Bewundern des Säuglings.

Zentrale!

Wichtige Meldung!

Ist da überhaupt irgendwer?

Was soll jetzt wieder dieses wilde Blinken da unten …

Zentrale! – Auch das noch! Nein, ich will jetzt keinen Gesang hören, hab echt keinen Nerv dafür.

Zentrale, hallo?

Nichts. Nur dieses Leuchten und Engelsgetöse da am Rand draußen, wo keiner freiwillig hinwill…

Zentrale?

Weihnachten: das Fest des Friedens …

So hören wir es immer wieder. Aber: Stimmt das auch? Die Erfahrungen vieler Menschen sprechen dagegen. Gerade zu Weihnachten gibt es besonders viel Streit.

In diesem Jahr wollen wir ernsthaft versuchen, Frieden zu machen.

Heute geht es um den Frieden in uns selbst.

Überleg einmal: Womit bist du unzufrieden? Wo haderst du mit dir selbst?

Was stört bei dir den Frieden?

Fehler, die du gemacht hast?

Fähigkeiten, die du gern hättest, die aber nicht vorhanden sind?

Mangelnder Mut, etwas zu ändern?

Deine Familie, die dich deiner Meinung nach nicht richtig versteht?

Äußere Bedingungen wie die finanzielle Situation, dein Aussehen, der Wohnort, eine Krankheit oder körperliche Behinderung, eine Fertigkeit, die du nicht hast ,,,

Ich möchte dich ermuntern: Gott wollte genau DICH als Mensch auf diesem Planeten haben, sonst wärst du nicht hier.

So wie du bist, bist du geliebtes Kind und Ebenbild Gottes.

Du bist ok.

Stell dir vor, wie dich Gott anschaut – wie jemand, der/die dich über alles gern hat. Nobody is perfect, das ist richtig. Aber: Wer liebt, sieht zuallererst und vor allem das Gute und Großartige und Schöne und Besondere am anderen. Gott schaut so auf dich. Gewöhne auch du dir an, dich so zu sehen.

Mach Frieden mit deinen Handicaps und Unzulänglichkeiten, Charakter- und Schönheitsfehlern …

Mach Frieden mit dir.

Das Wunderbare ist es, worauf es ankommt.

In 10 Tagen ist Weihnachten.

Hast du dir schon überlegt, wie du den Heiligen Abend heuer verbringen willst?

Vieles wird vorgegeben sein, wenn du mit deiner Familie feierst, vor allem, wenn du als Kind oder Jugendliche/r zu Hause lebst.

Dennoch: Worauf freust du dich?

Gibt es etwas (Abläufe, Familienbräuche …), die du nicht so magst – oder lieber gar nicht hättest?

Warum sprichst du nicht einfach mit den anderen an der Feier Beteiligten darüber?

Wie kann der Weihnachtsabend schöner, gehaltvoller, … werden? Wie kann dein Beitrag dazu aussehen?

Dies soll ein Adventkalender zur Vorbereitung auf das heurige Weihnachtsfest sein – für Kids, mehr oder weniger Erwachsene, spirituell Suchende, Nichtglaubende und alle anderen.

Ich spreche alle mit „Du“ an, weil ich vor allem junge Menschen im Blick habe. Erwachsene, schreibt die Texte einfach um in „Sie“-Form, wenn ihr so leichter damit arbeiten könnt!

Dagmar

Hier der erste Impuls für den Tag vor Adventbeginn, also heute:

Tag der Vorbereitung

Heute Abend beginnt der Advent, die Zeit der Vorbereitung, der Einstimmung auf das Weihnachtsfest.

Du kannst einen Adventplatz für dich vorbereiten, wo du in der Zeit bis Weihnachten die Übungen mitmachen kannst,

Das kann dein Schreibtisch sein, wo vielleicht sowieso der Computer steht – oder der Platz im Wohnzimmer oder in der Küche oder wo ihr zuhause den Adventkranz habt.

Was du brauchst?

Eigentlich nichts außer ein paar Minuten Ruhe.

Wer mag, stellt eine Kerze auf oder einen Tannenzweig oder eine Schale mit Weihrauch – oder was für dich ein bisschen für Vorweihnachtsstimmung sorgt.

Vielleicht möchtest du eine bestimmte Zeit an jedem Tag reservieren. Oder jeweils tags zuvor festlegen, wann es am nächsten Tag am besten passt: vor dem Frühstück, nach dem Frühstück, am späten Nachmittag oder am Abend…trotz Lockdown gibt es ja Termine ohne Ende, und sei es online…

Morgen früh ab 5 Uhr findest du den ersten Impuls – also bis dann!

Predigt                                                              Christmette 2020

Liebe Brüder und Schwestern!

Wir haben oft den Eindruck, Weihnachten ist ein beschauliches, ruhiges Fest – oder sollte es zumindest sein. Vielleicht haben wir als gute Christen sogar ein bisschen ein schlechtes Gewissen, wenn wir noch kurz vor dem Heiligen Abend ziemlich gestresst sind.

Das Weihnachtsevangelium, das wir gerade gehört haben und das wir jedes Jahr wieder hören, spricht aber gar nicht von beschaulicher Ruhe.

Im Gegenteil: Ganz schön viel ist in Bewegung.

Schon der kaiserliche Befehl verursacht jede Menge Bewegung: Die Boten der Regierung strömen durchs ganze römische Reich.

Die Menschen sind unterwegs wegen der Volkszählung.

Maria und Josef suchen eine Unterkunft. Der Brauch des Herbergsuchens zeugt davon.

Die Hirten, eigentlich Nomaden, sind sowieso immer unterwegs, führen ein unstetes Leben ohne festen Wohnsitz.

Die Engel begeben sich vom Himmel auf die Erde, zu den Hirten und zum Stall.

Sogar der Stern von Bethlehem wird als Komet dargestellt, der vor den drei Weisen herzieht, aber davon später.

Auch die Geburt ist Bewegung: aus dem Mutterleib heraus in diese Welt, ins Freie.

Die Hirten kommen zur Krippe.

Und es dauert nicht lange bis zur Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten …

Gottes Kommen in die Welt bringt einiges in Bewegung, wenn nicht alles.

Es ist wie ein Umsturz des bisher Geltenden, eine Neuordnung.

Wenn man etwas neu ordnet, muss man es – alles – auch zuerst einmal vom gewohnten Platz weg bewegen.

Gott kommt zu uns Menschen, wird ganz menschlich: Er kommt mitten in unsere Hektik und Unordnung hinein, selbst ohne festen Wohnsitz, und die Nomaden, die keinen haben, bemerken und begreifen das als erste von allen …

Möglicherweise liegen wir falsch, wenn wir meinen, Gott käme, sobald alles ruhig und friedlich ist, geordnet und sicher.

Vielleicht ist es im Gegenteil gerade das Unstete, Ungesicherte, Improvisierte, die ungewisse Zukunft, der Gelegenheitsjob, die Übergangslösung, die getrennte und neu zusammengewürfelte Familie, die Flüchtlinge ohne Aufenthaltsgenehmigung, das Land ohne eigene Regierung, der viel Arbeitende, dem auf einem seiner gestressten Wege durch die Stadt kurz der Gedanke kommt, er könnte für einen Moment in die Kirche da hineinschauen …

Ja, vielleicht kommt Gott unangemeldet, ungeplant, im falschen Moment und zwischendurch … schneller und lieber und leichter, es käme nur drauf an, ihn zu bemerken …

Im AT ist Gottes Wohnung immerhin ein Zelt. Das ist etwas, wo man sich nicht fix niederlassen kann.

Als er Mensch wird, tut er das in einer Notunterkunft für Hirten und Tiere.

Alles bringt er durcheinander und in Bewegung: Die Weltordnung wird eine andere. Was Mächtige für unwichtig und vernachlässigbar halten (ein Kind armer Leute am Rand der Welt), wird zum Wesentlichen. Das übliche Verhalten wird als menschenfeindlich entlarvt. Die Menschen unten und am Rand der Gesellschaft, die in Unsicherheit und ständiger Bewegung leben müssen, sind die, auf die es ankommt, sind diejenigen, die Gottes Liebe zu spüren bekommen.

Die, die ihre starre Ordnung hinter geschlossenen Türen ängstlich zu bewahren suchen, bekommen nichts davon mit – höchstens eine kurze Störung merken sie, die sie aber nicht an sich heranlassen. Augen, Ohren, Herzen und Türen bleiben zu – angefangen in Bethlehem und bis heute.

Liebe Brüder und Schwestern: Auch Sie sind heute in Bewegung. Spät in der Nacht sind Sie noch in die Kirche gekommen.

Dieses Gehen in die Christmette ist ein Zeichen des Glaubens an diesen Gott und der Bereitschaft, sich von ihm in Bewegung setzen zu lassen. Die Feier in der Familie, zu Hause, das Essen, der Baum, die Geschenke und Gespräche, eigentlich ist es eine Störung, da herausgerissen zu werden.

Aber es ist die Gelegenheit, von Gott etwas mitzubekommen.

Denken wir an unser Leben: die Situationen, mit denen wir nicht gerechnet, die wir uns nicht gewünscht haben, gerade heuer, aber auch sonst überall, wo etwas schief gelaufen ist, wo wir traurig sind oder ein Stück ungeborgen oder heimatlos, gestresst oder überfordert, wo wir uns wünschen, es möge anders werden: Das, genau das sind die Orte, wo wir dem begegnen, wo der mitten drin ist, anwesend, präsent, der als Neugeborenes außer dem Stroh in der Krippe und einer Handvoll zwielichtiger Gestalten nichts weiter als Begrüßung durch die Welt vorgefunden hat.

Dies hat er sich zugemutet, selber. Weil so das durchschnittliche Schicksal eines der 8 Milliarden Menschen auf unserer Erde ausschaut.

Und wo er uns deswegen – von innen heraus- ganz und gar versteht. Weil er einer von uns geworden ist.

Liebe Brüder und Schwestern!

Jesus Christus ist das „Licht der Welt“. Das wissen wir, wir hören es oft, besonders zur Weihnachtszeit. Aber was soll das eigentlich bedeuten?

Was wir heute tun: ein Gedicht interpretieren.

Das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.

Licht ist stärker als die Dunkelheit.

Eine kleine Kerze, eine Taschenlampe reicht aus, und mit der Finsternis ist es dahin.

Klar: Licht ist Energie, Dunkelheit ist Abwesenheit von Energie. Wo Energie fehlt, wie kann das Kraft haben?

Menschen tun oft so, als wären sie in der Dunkelheit dieser Welt allein. Mit den Problemen, Schicksalsschlägen, mit Schuld, Irrtum, Bosheit, Feindschaft usw.

Ja, Sie haben richtig gehört: Wir tun als ob.

Wir verleugnen die Wirklichkeit.

Wir tun so, als ob das Licht nicht da wäre.

Als ob wir allein wären. Als ob es keine Hilfe, keine Aussicht, keine Rettung gäbe.

Als ob das Böse stärker wäre, die Krise stärker als ihre Lösung…

Wir tun so, als ob Gott nicht anwesend wäre in dieser Welt…

Tatsache ist:

Das Wort, Gottes Selbstmitteilung an uns Menschen, ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.

Ich habe Ihnen das am Weihnachtstag erzählt von Fritz Muliar, der in seiner Kindheit immer gemeint hat, bei der Familie im 1. Stock, mit der niemand etwas zu tun haben wollte.

Als Kind hat er sich das plastisch so vorgestellt.

Aber es steckt eine tiefe theologische Wahrheit dahinter.

Ja, Gott ist einer von uns geworden.

In jedem menschlichen Gesicht leuchtet uns Gottes Anwesenheit entgegen.

Jede/r ist Ort der Herrlichkeit Gottes.

Liebe Brüder und Schwestern, dies hat Konsequenzen für uns, für das Handeln der Menschen aneinander, für das Zusammenleben aller auf diesem Planeten.

Menschen, Christen, die das gesehen und begriffen haben, haben Lichtspuren hinterlassen – Krankenhäuser, Altenheime, Waisenhäuser, Schulen, Hilfsprojekte, Armenhilfe, die Gruppen und runden in den Pfarren, Besuchsdienste,  … Einsatz für Gerechtigkeit, Freiheit, Frieden, für Arme jeder Art: so verbreitet sich das Licht weiter – so verbreitet sich die frohe Botschaft – mit Lichtgeschwindigkeit.

Wir machen uns auch zeitweise Sorgen: Wie kann das weitergehen, wenn sich immer weniger Menschen für Christus, für die Kirche interessieren?

Das Evangelium zu Weihnachten möchte uns sagen. He, wie kann diese Sache gut ausgehen, diese Sache mit Gottes Menschwerdung, wo es schon so furchtbar anfängt, keiner nimmt ihn auf, im Stall geboren, arm, dann gleich in Lebensgefahr, auf der Flucht, im Ausland, liebe Leute, die Chancen stehen denkbar schlecht, wir garantieren für nichts, es könnte blöd hergehen, und von der Botschaft erfährt niemand je etwas –

Lieber Gott, danke, war gut gemeint, aber wir können leider nichts damit anfangen, mehr Erfolg möchten wir sehen, mehr Sicherheit haben, ein bisschen Prunk und eine gewisse Machtposition, …

Die Kirche ist lange Zeit diesen Weg gegangen – ohne zu merken, dass sie gerade damit das Licht verdunkelt hat – und ohne es zu wollen…

Es schaut manchmal so aus, als ob nichts weitergeht auf der Welt, die armen Länder sind ärmer als je zuvor, die Umweltzerstörung, die Gewalt, der Unfrieden.

Da denke ich mir: Wenn Gott dieses kleine schutzlose Kind mit Tricks und List zu dem bringt, was es werden soll – na kann er nicht diese kleinen Ansätze und Versuche, die Lichtpunkte und –spuren der Menschlichkeit hüten, schützen, zum sinnvollen Ende, zur Vollendung führen …?

Schlimm ist, dass viele so leben und so denken – als ob – das Gute, Gott, keine Macht hätte, nichts bewirken würde.

Ganz recht- als ob. Denn in Wirklichkeit ist es anders. Jesus hat bereits den Sieg errungen. Das Licht ist an der Macht.

Wenn uns das von der Weihnachtsbotschaft im Bewusstsein bleibt, dann hat es sich schon ausgezahlt …

Predigt                                            Hl. Stephanus 2019

Liebe Brüder und Schwestern!

Der rote Faden da verläuft von der Krippe … wohin? Zur letzten Kreuzwegstation. Der rote Faden des Evangeliums beginnt beim Weihnachten Feiern und zieht sich durch die Welt, durch die Geschichte …

Weihnachten feiern viele. Auch Atheisten, weil es so schön ist. Auch in den Harry Potter – Büchern wird jedesmal Weihnachten gefeiert.

Der rote Faden stört auch – wie Jesus. Einige von Ihnen haben geschaut, was das ist – versucht, ihn ein bisschen zur Seite zu schieben, haben sich sogar anderswo hin gesetzt, lenkt uns ein bisschen ab vom gewohnten Geschehen.

Jesus hat auch gestört:

  • die in Ruhe fromm auf ihrem Platz sein möchten
  • die nur die Idylle von Weihnachten oder von der Religion wollen
  • auch die, die nur das negative, das Kreuz sehen, die Drohbotschaft
  • die, die ihre Umgebung im Grunde nicht interessiert
  • die ausschließlich auf das Hier und Jetzt achten, ohne an Anfang, Gründe, Ziel und Ende zu denken
  • die nicht wahrhaben wollen, dass nicht alles in Ordnung ist … und dass Menschen etwas dagegen unternehmen können und sollen

Rot – bedeutet „Alarm!“ Stop! Tu was! Herz und Hirn einschalten!

Rot ist die Farbe des Lebens: Das volle Leben für alle möchte ich, sagt Gott – und eher lasse ich euch nicht in Ruhe.

Der rote Faden von Gottes Wirklichkeit zieht sich von der Krippe durch die gesamte Geschichte der Menschheit sowie jeder/s einzelnen. Wenn ein Mensch ihn nicht absichtlich auslässt oder abschneidet. Und wieder in das andere Leben hinein.

Menschen wie Stephanus machen auf den roten Faden aufmerksam – und bewirken, dass er allmählich zu einer immer breiteren Straße wird.

Rot ist auch die Farbe des Heiligen Geistes.

Menschen wie Stephanus sind vom Geist Gottes erfüllt, bringen die Gaben, ihre Charismen ein ins Kirchen- und Weltgeschehen.

Machen wir Gottes Straße breiter.

Predigt                                                     25. 12. 2019

Liebe Brüder und Schwestern!

„Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“

Wie oft haben wir diesen Satz schon gehört? Ist für uns nichts Besonderes mehr, nichts, das uns aufhorchen lässt.

Seien wir froh – denn das ist ein Beweis dafür, dass wir in einer christlichen Kultur, Umgebung leben.

Im 2. Jahrhundert noch hat diese Vorstellung Anstoß erregt – so sehr, dass der Theologe Markion in Kleinasien die Geburtsgeschichte Jesu nach Lukas, wie wir sie gestern Abend und in der Nacht gehört haben, aus der Bibel gestrichen hat. In einer Weihnachtspredigt soll er gesagt haben: „Schafft mir die Krippe aus den Augen und die eines Gottes unwürdigen Windeln!“

Bei Markion erscheint Jesus als verkleideter Gott mit einem Scheinleib in der Synagoge zu Kafarnaum und beginnt dort mit seinem Wirken.

Dass Gott in seiner Erhabenheit und Größe sich so weit herablässt, buchstäblich Fleisch zu werden, das ging nicht in Markions durch die griechische Philosophie ausgebildeten und verbildeten Kopf – Geist ist gut und daher höher zu bewerten als die schlechte minderwertige Materie … diese Vorstellung kommt aus dem Heidentum, nicht aus der biblischen Tradition.

In der Sprache der Bibel meint Fleisch die ebenso genuss- wie leidensfähige sterbliche Seite des Menschen.

Genau so einer wird Gott in Jesus. Ein Mensch aus Fleisch und Blut. Geboren werden, Kind sein, jung sein, glauben, hoffen, träumen, lieben, lachen und weinen können, beten, suchen und fragen, einen Willen haben, ein Herz, Freunde, ein Zuhause und einen Himmel haben.

Aber Menschsein heißt auch: Keinen Platz finden und kein Zuhause haben, nicht zugelassen werden, unerwünscht sein, hilflos und ausgeliefert, allein und einsam, enttäuscht und müde, nervös und unruhig; – Angst haben, sich ausgenützt und leer vorkommen, Wunden spüren auch hinter einem lächelnden Gesicht; Abschied nehmen, zurücktreten, sterben müssen.

So ein Mensch wird Gott.

Ein Mensch auf dieser Erde.

Was ist die Erde? Ein Staubkorn im riesigen Universum, ein wahres Nichts innerhalb der Galaxien. Die Geschichte der Menschheit: nicht einmal eine Hundertstelsekunde auf der Uhr unseres Kosmos.

In Israel – ein völlig unbedeutender Volksstamm unter den Großmächten der antiken Welt. Betlehem – ein winziges Kaff abseits der berühmten Metropolen wie Rom oder Athen.

Die Krippe: ein Unterstand und Futtertrog für Schafe und Ziegen.

Wenn hier der Ort ist, an dem wir Gott schauen, berühren und anbeten können: dann werden bestehende Werte umgestürzt.

Das Neugeborene, das angewiesen ist auf andere Menschen, die Mutterbrust braucht und in Windeln gewickelt wird, weil er sie durchaus nötig hat: dieser Jesus kommt in unser Fleisch, wird leiden, wie wir leiden, wird Einsamkeit und Ablehnung erfahren und am Kreuz sterben.

Seit er ganz einer von uns geworden ist, kann Gott selber erfahren, wie uns Menschen oft zumute ist.

Sie kennen den lange Jahre beliebten Schauspieler Fritz Muliar. Er erzählte in einer Anekdote aus seinem Leben: Als kleiner Bub in der Kirche war er total verblüfft – er hat das Evangelium gehört „und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ nd hat das wörtlich verstanden. Was, unter uns – da wohnten im Erdgeschoß die Müllers, und über die hat jeder getratscht in der Stadt, mit denen wollte man nichts zu tun haben, geradegegrüßt, bei denen stimmt es hinten und vorne nicht, weiß nicht, was der Müller arbeitet, es heißt, eins der Kinder ist gar nicht von ihm, und die Feiern, mit Unmengen Alkohol und Zigaretten, na freunde dich mit dem Sohn ja nicht an, hat die Mutter geraten.

Und grade bei denen da UNTER UNS, da soll der Herrgott wohnen – na danke. Unglaublich.

Liebe Brüder und Schwestern, aber genau das ist es. Gott wohnt wirklich bei Menschen wie den Müllers.

Gerade auf dem Hintergrund der Bilder, die uns täglich ins Haus geliefert werden, die zahllosen Menschen mit angeschlagener Würde durch Krieg, Katastrophen, Not, Gewalt, Unrecht: auch der letzte im hintersten Winkel der Erde und vor unserer Haustür, mit denen gemeinsam Weihnachten zu feiern uns nicht in den Sinn kommt: genau so einer ist Jesus geworden. Und so stellt er die Würde all derer wieder her. Keiner ist eine austauschbare Nummer, ein Zeit- und Kostenfaktor, Statistikfall, Arbeitskraft oder Stimmvieh. Jede und jeden, deren menschliche Würde auf dem Spiel steht, ist bei Gott ein Mensch mit Rang und Namen.

Jesus kennt seine Schwestern und Brüder.

Fürchten wir uns nicht.