Schlagwortarchiv für: Weihnachten

Sonntag, 21. 12. 2025,

19.00 – ca. 20.30 Uhr

online

Was euch erwartet:

Wissenswertes über die Religionsgeschichte der „dunkelsten Nacht“ und die Geburt des neuen Lichtes, das christliche Weihnachten und die Rauhnächte; kreative Übungen, spirituelle Texte, Austausch, Segensritual

Nehmt eure Wünsche für das kommende Jahr in schriftlicher Form mit, eine Kerze oder euren Adventkranz; Stift und Schreibpapier; ev. Räucherschale, ein kleines Gefäß mit Wasser, einen grünen (Tannen)Zweig … und was ihr gern beim Ritual dabei habt!

Teilnahmebeitrag: EUR 50,-

Anmeldung und genauere Info: www.kostbarleben.jetzt/landingpage  

Der Zoomlink wird tags zuvor per Mail zugeschickt.

Mail: dagmar.ruhm@kostbarleben.jetzt   



Sicher erinnert ihr euch an eure Kindheit, als ihr in der Vorweihnachtszeit einen Adventkalender hattet – entweder gekauft mit 24 Türchen oder selbst gebastelt – ich erinnere mich an einen großen mit Jutesäckchen, von denen jede/r, auch die Erwachsenen, reihum täglich eines öffnen durfte. Zum Teil waren Vorschläge drin, wie man jemandem eine Freude machen konnte, und natürlich in manchen auch Süßigkeiten, kleine Gegenstände, Geschichten, Rezepte …

Ja, und möglicherweise hättet ihr gern wieder einmal so einen Adventkalender bei euch.

Ich stelle für heuer gerade einen spirituellen Begleiter durch die Advent- und Weihnachtszeit zusammen, der eben auch die Zeit der Rauhnächte umfasst, die heilige Zeit bis zum 6. Jänner 2026. An diesem Tag wird es zusätzlich online ein Abschlussritual geben.

Wenn ihr Interesse habt, schaut auf meiner Landingpage vorbei. Dort findet ihr genaue Informationen und könnt euch über den Button auch gleich anmelden.

Wenn altgewohnte Familientraditionen nicht mehr ur neuen Situation passen und ohnehin fast alle Beteiligten unter der tradierten Form leiden, könnte man auch einfach einen Feuerkorb im Freien aufstellen und gemeinsam Steckerlbrot backen … oder auch nicht… Seht euch gern mein Video zu diesem Thema an in meiner Facebookgruppe:

www.facebook.com/groups/goettinneninausbildung/

Predigt    25. 12. 2024                           am Weihnachtstag

Liebe Brüder und Schwestern!

Hat Gott eigentlich Ziele?

He, wieso diese Frage gerade zu Weihnachten …? Was soll das?

Im heutigen Evangeliumstext, der Johannesprolog (Joh 1) geht es – dichterisch, poetisch formuliert – genau darum.

Gott möchte, dass es uns Menschen gut geht – und ebenso allen Wesen, der ganzen Schöpfung. Dass er/sie uns liebt. Jesus ist genau deshalb gekommen, dies aufzuzeigen, immer und immer wieder – und auch das folgende:

Viele Religionen, ja im Grunde alle, stören diese Absicht JHWHs; sie arbeiten mit Begrenzungen, Einschränkungen … kurz: sie machen Menschen das Leben schwer, nennen sie Sünder/innen, die die religiösen Machthaber benötigen, um „rein“, „gottgefällig“ usw. zu werden, erfinden Normen und Gebote – statt die Frohe Botschaft zu verkünden: dass Göttin alle liebt, dass es immer einen Ausweg gibt und eine Hoffnung, dass tatkräftige Hilfe organisiert werden kann – und muss.

Ich habe zum Diakon in meiner Gemeinde Pucking einmal gesagt: Wir (Pfarre, Kirche ,,,) sind dazu da, Probleme zu lösen – und nicht dazu, sie zu erzeugen …“

Ja, warum machen das Kleriker aller Religionen und Konfessionen dann, um Gottes willen?

Es ist bequem und gut fürs Ego, Untertanen zu haben. Menschen, die von einem abhängig sind. Andere klein halten, um selbst möglichst groß dazustehen …

Herrschsucht, religiös verbrämt.

Genau das gälte es abzulegen.

Aber wer verzichtet schon gern auf Macht? Vor allem, wenn ich so leicht der Menschheit einreden kann, Not und Unglück fraglos hinzunehmen …

Freie selbstbewusste eigenverantwortliche Menschen würden sich dafür einsetzen, Unglück zu wenden – oder in Zukunft zu verhindern…

ReligionspolizistInnen – wieso sollte irgendjemand auf sie hören, wo doch ihr Tun nichts anderes als Ausdruck schlechter Charaktereigenschaften (Rechthaberei, Engstirnigkeit, Herrschsucht, Sadismus …) ist?

Im Evangelium steht: „Das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.“ (Joh 1,5)

Es besteht Hoffnung, dass alles anders wird.

Heute, zu Weihnachten 2024, lautet die Gute Nachricht für uns: Jedes neugeborene Kind bringt die Chance mit sich, jeder Mensch trägt die Möglichkeit ins sich, alles zu verändern.

Jede und jeder von uns hat als Tochter und Sohn JHWHs den göttlichen Kern und kann jederzeit alles wenden – kann die Welt um Guten verändern.

Warum also nicht heute sofort damit anfangen, am Weihnachtstag 2024?

Wintersonnenwende – 1. Rauhnacht – Geburt des neuen Lichtes – Weihnachten

Herzlich lade ich euch schon heute ein zu meinem nächsten Onlineritual am Samstag, 21. 12. 2024, 19.00 – ca. 20.30.

Anmeldung ist per Mail ab sofort möglich: dagmar.ruhm@kostbarleben.jetzt

Liebe Brüder und Schwestern!

Drei Sterndeuter

Im Evangelium begegnen uns heute drei Phantasten. Sie beschäftigen sich mit Sternen und ihrer Bedeutung für die Menschheit. In ihrer Neugier verfolgen sie eine Spur, für die ein halbwegs realistischer Mensch weder Zeit noch Geld investieren würde. Sie nehmen sogar die Strapazen einer langen Reise auf sich. Auf ihrem Weg begegnen sie einem Politiker, der vor allem daran interessiert ist, was deren Theorien für seinen Machterhalt bedeuten könnten. Weiters begegnen sie Verwaltern alter religiöser Überlieferungen, deren Tätigkeit ähnlich exotisch ist wie ihre eigene Wissenschaft. Aber immerhin bekommen sie von diesen einen kryptischen Tipp, der ihnen weiterhilft. Schließlich landen sie bei einem Stall mit einem Neugeborenen und dessen Eltern. Und hier sind sie sich gewiss, das Gesuchte gefunden zu haben.

Im Stall.

Vielleicht waren sie anfangs ein bisschen enttäuscht.

Vielleicht haben sich die drei darüber unterhalten, ob denn das sein kann, dass sie bei diesem armseligen Stall am Ziel sind. Oder ob sie sich vielleicht geirrt haben.

Dann trauen sie sich hinter die Tür zu sehen.



Es ist eine phantastische und zugleich realistische Geschichte, die uns da erzählt wird: Die Sehnsucht, etwas für die ganze Menschheit Bedeutungsvolles zu entdecken treibt seit jeher wissensdurstige und wache Geister aus allen Völkern. Einigen von ihnen gelingt es, die Mosaiksteine ihrer Erkenntnisse so zusammenzufügen, dass sie eine neue, tiefere Sicht großer Zusammenhänge ermöglichen.

Menschen, die wirklich auf der Suche sind – den weiten Weg auf sich nehmen, Reisen war zur Zeit Jesu alles andere als eine Urlaubserholung, war lebensgefährlich …

Aber sie mussten um jeden Preis sehen, wer da geboren wurde … Den großen König. Den besonderen, einzigartigen.

Wir wissen, wo sie ihn gefunden haben. Den, den die Sterne lange zuvor angekündigt hatten.

Liebe Brüder und Schwestern, bei uns gibt es zu wenige Menschen, die auf der Suche sind. – Menschen, die wirklich auf der Suche sind – auch einen weiten Weg und einige Anstrengungen auf sich nehmen…

Im spirituellen, religiösen Bereich sowieso – aber nicht nur dort.

Wie viele nehmen sich wirklich ausreichend Zeit, machen sich die Mühe und schauen hinter die Fassaden?

Das Äußerliche ist oft das Um und Auf. Wer arm oder hässlich oder unwichtig wirkt, da riskiert man keinen 2. Blick. Unsere Forschungen bleiben oft bei den Königshöfen und etablierten Antworten hängen.

Man sucht möglicherweise spirituelle Erfahrung, einen Guru, Erleuchtung durch Meditation oder sonstige fromme Übungen oder was weiß ich – aber nicht das Göttliche, das in jedem Menschen verborgen steckt und auf die Entdeckung wartet.

Auf Entdeckung und Förderung, Entfaltung.

In jedem Kind – gerade auch der armen Länder – schlummern ungeahnte Möglichkeiten.

Sie sind es wert, ans Licht zu kommen. Die Sternsingeraktion will heuer dazu einen Beitrag leisten. Unser Geld für Schulbildung dort …

Lernen wir wieder, über den Tellerrand unserer selbst auferlegten Wahrnehmungsbeschränkungen und über scheinbare Sachzwänge hinauszuschauen. Öffnen wir den Blick für die Weite und Tiefe unserer menschlichen Existenz, für die wir in unserem Alltag meistens so wenig Platz haben.

Die Welt braucht Phantasten, die den Traum nicht aufgeben, dass die Probleme dieser Welt lösbar sind, die die Mühe, Sorgfalt, Geduld und Mittel aufbringen, sie anzupacken, ihre Vision in die Tat umzusetzen. Die das Heil nicht von der großen Politik und da besonders vom „starken Mann“, von einer Ideologie oder von den Religionsführern dieser Erde erwarten, sondern vom eigenen Einsatz, von den Menschen in den Ställen, Notunterkünften außerhalb der Zentren und Glaspaläste…

Die Welt braucht Menschen wie unsere Sternsingerkinder und Begleitpersonen. Gott und die Welt braucht uns.

Liebe Brüder und Schwestern!

Jesus Christ Superstar – in meiner Jugend gab es plötzlich dieses Musical. Die Absicht war es, das damalige Geschehen in Israel zu aktualisieren. Und es ist ja tatsächlich so: Die Massen sind Jesus nachgelaufen, er hatte 1000e Follower, würden wir heute sagen, er musste sich manchmal verstecken vor dem Andrang… An den heutigen Stars und Sternchen orientieren sich auch die Massen. Prominent heißt übersetzt „herausragend“.

Ein strahlender Stern am Nachthimmel der finsteren Welt.

Dieser Vergleich mit dem Stern – da erschließen sich unerwartete Zusammenhänge.

Das Weltall – im physikalischen Sinn – ist stockdunkel. In dieser Schwärze gibt es die Sterne.

Menschen, die in der Wüste Orientierung suchen oder auch Seeleute in der vorindustriellen Zeit haben sich an den Sternen orientiert.

So konnte in unbekannter Umgebung die Richtung gefunden und gehalten werden, damit man sich nicht verirrte, sondern das Ziel erreichen, im sicheren Hafen einlaufen oder in der nächsten Oase die Wasservorräte auffüllen konnte.

So ein Stern der Sicherheit wäre Jesus eigentlich für uns – wenn wir uns bloß an ihm ausrichten würden.

Bei den Sternen, die wir am Nachthimmel sehen, handelt es sich um Fixsterne – abgesehen von einigen Planeten unseres Sonnensystems, die aber auch nur deswegen sichtbar sind, weil sie von unserer Sonne beleuchtet werden.

Unser Zentralgestirn ermöglicht und schenkt Leben – ständige Explosionen, durch die sich die Sonne allmählich aufbraucht, spenden Licht und Wärme. Auch noch Millionen Kilometer entfernt. Sonst könnten wir die Sterne ja nicht sehen.

Im Kosmos wäre es ohne die Sonnen nicht nur absolut finster, sondern auch unwahrscheinlich kalt: Minus 273 ° Celsius, der absolute Nullpunkt, bei dem die Bewegung der Atomteilchen zum Stillstand kommt. Die Materie fällt in sich zusammen … die Schöpfung verpufft ins Nichts …

So. Und wo ist da jetzt die gute Nachricht an uns heuer zu Weihnachten?

Die frohe Botschaft formuliert es so: Das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.

Ein einziger Licht- oder Energiefunke ist genug, damit die Schöpfung Bestand hat. Damit alles gut ausgeht.

Der eine absolut Gute, der Licht ist, reicht aus…

Das ist aber noch nicht alles.

Es steht da in der Heiligen Schrift noch etwas: Allen, die ihn aufnahmen, gab er die Macht, Kinder Gottes zu werden.

So zum Licht zu werden wie er. So ein Leuchtpunkt zu werden, der Funke, auf den es ankommt, dass irgendwo das Gute überhandnimmt und schließlich siegt – in einer Familie. In einem Betrieb. In einer Pfarre. In einer Schulklasse. In einer Organisation. In einem Konflikt. In einem Land. Auf einem Kontinent…

Und, ja, es ist super und empfehlenswert, wenn wir bekennende und brennende Christen sind voll Engagement und Liebe im Herzen. Wenn wir Jesus Christus voll und ganz aufnehmen.

Und wenn wir solche sind, dann regt es uns wie jedes Mal zu Weihnachten auf, dass grad am Hochfest alle die in die Kirche kommen – einmal im Jahr – wegen der Stimmung, der Musik, wegen der Kindheitserinnerungen oder einer unbestimmten Sehnsucht …

Und da dürfen wir uns nicht täuschen.

Jesus, der Stern, wirkt wie unser Fixstern: Die Sonne hält auch den entferntesten Planeten im System in seiner Bahn und spendet dort Licht.

Wenn wir da nicht wirklich was damit anfangen können: Jesus aufnehmen – wir brauchen uns bloß nicht wegdrehen. Wie weit auch immer wir uns von ihm entfernen – wenn wir ihn grad noch sehen, so eine letzte oder vorletzte Ahnung behalten im Herzen – eine Spur weihnachtliches Brauchtum zum Beispiel -: Liebe Brüder und Schwestern: Das wirkt! Der Sog der Energie Gottes hält uns, lässt uns nicht los.

Die Schwerkraft der Gnade hat es eine heilige Frau des 20. Jh., Simone Weil, genannt.

Das Licht Jesu strahlt uns an – und wenn es auch wenig ist und selten, weil wir uns im Allgemeinen davor verstecken: Es färbt ab auf uns. Es entzündet unsere eigene Flamme der Hoffnung, der Sehnsucht und der Begeisterung – und während wir uns noch für nicht so wirklich Glaubende halten oder höchstens Fernstehende, werden wir selber zu leuchten beginnen und das Licht weitertragen wohin immer wir gehen.

Und so gesehen, besteht absolut kein Grund, die Hoffnung aufzugeben.

So furchtbar es auch auf unserer Erde grade zugeht:

Das Licht ist stärker. Jesus lädt uns gerade heute besonders ein, daran zu glauben.

Predigt                                        Christmette 24. 12. 2022, 22.00     Haid

Liebe Brüder und Schwestern!

Vor nicht einmal 2 Wochen haben wir das Finale der Fußballweltmeisterschaft miterlebt. Die Stars, Torkönige, werden da mitunter auf Händen über das Spielfeld getragen.

Wir haben hier bei uns die vielen Hände aus Papier zu einer Decke zusammengefügt – sie liegt in der Krippe und ist uns ein Zeichen dafür: Wir wollen Jesus mit unseren Händen tragen, in unser Leben einladen…aufnehmen bei uns.

Dies können wir auf verschiedene Weise tun:

  • Wir laden Jesus in unser Leben ein als Star. Wir kommen zu seinen Events – an Sonn- und Feiertagen in die Kirche und jubeln ihm vielleicht da auch zu; zu Hause haben wir ein Bild von ihm hängen oder sein Zeichen, das Kreuz um den Hals…
  • Oder wir nehmen ihn vielleicht auf als Besucher. In unser schön hergerichtetes Wohnzimmer, mit unserem Sonntagsgesicht. Mit unseren Nöten undSorgen, mit unseren Problemen und Handicaps, mitSchuld und Misserfolg behelligen wir ihn nicht. Natürlich nicht. Wir wollen einen guten Eindruck hinterlassen.
  • Wir können jesus aber auch in unser Leben, in unser Lebenshaus einladen als Verwandten, als Familienmitglied oder wie einen besten Freund. Wir teilen Freud und Leid mit ihm, bitten und erwarten seine Hilfe. Wir sind im Alltag mit ihm verbunden.
  • Manche laden Jesus ein, wie man einen Arzt holt oder vielleicht die Feuerwehr: Im Notfall. Dann aber soll er bitte sofort und effektiv helfen. Gern zeigen wir uns im Erfolgsfall dann auch erkenntlich…
  • Wir können Jesus noch aufeine weitere Art in unser Leben einladen: Als Eigentümer. Als Hausherrn. Wir können ihm unser gesamtes Leben mitsämtlichem Zubehör anvertrauen, übereignen. Heile mich. Leite mich. Lehre mich. Stärke mich.

Er wird dann etwas tun, womit wir möglicherweise nicht gerechnet haben: Er wird aufräöumen. Ordnung schaffen. Wurscht, wie arg es grade ausschaut da.

Gott ist im Stall geboren.

Da ist es dreckig. Es stinkt. Keine feine Umgebung.

Der kleine menschgewordene Babygott wird in Windeln gewickelt. Weil er sie braucht.

In der Antike, in den ersten 300 – 500 Jahren der Christenheit, gab es einflussreiche Irrlehrer. Theologen, z. b. Markion,diegemeinthaben: Gott in Windeln? Unmöglich. Kann ich mir nichtvorstellen. Braucht der doch nicht, wenn es denn Gott ist.

Schafft mir die Windeln aus den Augen, die haben im Evangelium nichts verloren…

Aber: Gott ist Mensch geworden.

Nichtsdestoweniger ist er Gott.

Wenn es in meinem Leben zugeht wie in einem Saustall, wenn es drunter und drüber geht und zum Himmel stinkt: Ich darf das Gott nicht nur zumuten. Er ist genau aus diesem Grund Mensch geworden, damit wir uns nicht scheuen, mit allem, mit wirklich allem und jedem unter allen Umständen zu ihm zu kommen. Damit er Ordnung macht. Ausmistet. Reinigt und heilt.

Gott hält mein Chaos aus. Ja er möchte eingeladen werden genau da hinein. Mensch geworden ist er exakt aus diesem Grund, nichts Menschliches ist ihm fremd.

Gott selber will zu uns kommen. Wir müssen nur eines tun: Ihn einladen dazu, ihn aufnehmen. Öffnen wir unsere Hände zu einer Schale. „Herzlich willkommen, da hast du mich, wohne in meinem Leben, gestalte es um wie es gut ist in deinen Augen. Fülle den Raum, sodass alles recht wird …“

Öffnen wir uns – und Wunder werden geschehn. Nicht nur in dieser heiligen Nacht.

Hermann Knapp – Lesung eigener Texte. Super! Formulierungskunst, tiefgründiger Humor, feine Menschenkenntnis und -freundlichkeit.

Predigt                                                       Fronleichnam 2022 Haid

Liede Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Wir glauben ja und feiern es heute extra: Jesus ist gegenwärtig. Im allerheiligsten Altarsakrament, wie es theologisch formuliert heißt.

Aber in der Kirche, beim Gottesdienst oder vor dem Tabernakel – und da halten wir uns ja im Normalfall, im Alltag, nicht auf.

Also wo ist er? Wo können wir Jesus heute finden?

Wir werden nachher, nach dem Gottesdienst hinausgehen auf den Stadtplatz und zu unserem Mahnmal vor der Kirche. An vielen Orten der katholischen Welt gehen die Fronleichnamsprozessionen hinaus – auf die Felder, durch die Städte und Ortschaften, an Gemeindeämtern, Geschäften. Krankenhäusern, Altenheimen, Betrieben und Fabriken, Wohnblöcken vorbei …

All diese Orte, so möchten wir es, sollen gesegnet werden durch die Gegenwart Gottes, die Gegenwart Jesu –

Und was ist, wenn die Prozession wieder vorbei ist?

Ist dann Jesus auch noch da – an unseren Alltagsorten – oder nicht?

Die Menschen haben sich früher vorgestellt: Da ist die Welt, das Irdische, Materielle die Vorstellung kommt aus der griechischen Antike, und geistert noch immer in unseren Denkmodellen herum: Geist ist gut, Materie irgendwie schlechter, 2.rangig oder so.  – irgendwie unvollständig, nicht ganz so gut … und das braucht den Segen durch das Göttliche, geistige, eine himmlische Macht …

Und das natürlich immer wieder, weil es mit der Zeit verpufft oder nicht mehr so wirksam ist …!

Stellen wir uns da etwas Richtiges und Wahres vor?

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren: Gott findet das ein bisschen seltsam …

Oder ist es viel mehr so:  Gott wird in Jesus Mensch, ganz und vollständig … das Baby Jesus ist total angewiesen auf Fürsorge, Muttermilch, Windeln wechseln, baden, Streicheleinheiten … abhängig von Temperatur, Wasser, Luft, … Gott wird materiell, begibt sich in diese Welt — dann wäre ja das Fronleichnamsfest die logische Folge, der logische Endpunkt von dem, was zu Weihnachten begonnen hat …

In der griechischen Antike hat man sich als Ideal vorgestellt: der Mensch wird göttlich. Also immateriell.

Das ist aber ein großer Irrtum. Im Christentum besteht die Erlösung gerade darin, dass umgekehrt Gott materiell, sterblich wird.

Gott ist ganz in dieser Welt zuhause, in der Sphäre des irdisch – Sichtbaren und Angreifbaren.

Der Segen besteht gerade darin, dass Gott nicht mehr extra von außen kommt, sondern er ist schon mitten drin. Untrennbar mit dem Alltäglichen verwoben …

Anbauen und Ernten, kochen und essen, wohnen und arbeiten und einkaufen und Freizeitaktivitäten – es gibt keinen Bereich, wo Gott nicht ist.

Es gilt nicht mehr Profan oder sakral. Die Trennung ist aufgehoben.

Und das hat Folgen.

Diese Erde und ihre Güter, Boden, Wasser, Luft, alles was wächst, Lebewesen, Pflanzen und Tiere möchten so behandelt werden, wie es Gott zukommt. Mit Ehrfurcht und Sorgfalt.

Weil wir Gott essen und trinken dürfen im Sakrament – dürfen wir alles essen und trinken ohne Ausnahme. Allerdings nicht unbedacht einfach so – sondern mit Ehrfurcht vor allem Lebendigen.

Und mit unseren Mitmenschen dürfen wir nur so umgehen, wie wir mit Gott umgehen würden Wir erinnern uns an diese andere Sache, von der Jesus einmal spricht: Was ihr dem geringsten Menschen getan habt, habt ihr mir getan.

Diese Welt ist nichts Profanes oder gar Gottloses – in Jesus hat er/sie sich in diese Welt hineinbegeben. Und zwar nicht probeweise oder nur mal so zum Ausprobieren wie vielleicht im orientalischen Märchen von Harun al Raschid, dem Kalifen, der verkleidet als einfacher Bürger erforscht, ob es in seinem Land ordentlich zugeht.

Sondern in echt.

Und er ist nicht wieder aus ihr weggegangen …

Gott ist in der Ukraine an der Front. Im russischen Arbeitslager. Im afrikanischen Hungergebiet, In der Klinik. Im Supermarkt. Im Fitnesstempel. Im Kino. Im Nachtlokal. Im Parlament. In der Schule, im Kindergarten, auf der Universität, im Gefängnis. In den Familien.

Niemals mehr ist es gleichgültig, was wir tun oder ob wir etwas tun oder nicht.

Wer durch das Essen des heiligen Brotes mit Jesus verbunden ist, kann sich niemals mehr heraushalten. Denn wir sind an ihn gebunden. Wir sind mitten drin mit ihm.