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Predigt zum 1. Advent

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Unser Symbol, das uns in diesem Jahr in der Kirche durch den Advent begleitet, ist ein Weg. Wir haben mit einem dicken Seil einen Weg gelegt – von hier vorne vor dem Lesepult führt der Weg bis dorthin, wo zu Weihnachten die Krippe stehen wird.

Der Weg zum Weihnachtsfest.

Heute, am Beginn, habt ihr Landkarten mitgebracht. Hier sehen wir sie.

Wichtig ist es, bevor wir einen Weg beginnen, den wir noch nie gegangen sind, dass wir zuerst schauen, wie wir überhaupt gehen müssen.

Eine Landkarte besorgen …

Bevor wir uns den Weg anschauen und ihn festlegen, müssen wir noch etwas wissen.

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Wohin wollen wir eigentlich?

Das Ziel muss bekannt sein. Wir brauchen ein Ziel. Erst dann kann ich die richtige Landkarte, Wegbeschreibung besorgen.

Wenn ich von Kairo nach Tunis will, nützt mir diese Österreichkarte da überhaupt nichts.

Wenn ich von Zeitlham zu Fuß zum Maximarkt wandern möchte, nützt sie mir auch nichts, weil sie zu groß ist, da brauche ich eine genauere Karte, z. B. nur von Pucking und Haid…

Und erst dann wird es interessant, wie der Weg verläuft. Ist es eine Autobahn, die Landstraße, ein Feldweg – oder müssen wir durch die Stadt, geht es steil bergauf – oder über einen Fluss, wo ist es zum Abbiegen, und wie lange werden wir unterwegs sein?

Jesus sagt im Evangelium, wir sollen wachsam sein. Die Augen offen halten. Nicht schlafwandlerisch durchs Leben gehen. Irgendwie und irgendwo – sondern gezielt und bewusst.

Es ist nicht ratsam, wenn wir nur einmal vor Antritt der Reise schnell schauen, sondern vernünftigerweise bei den Kreuzungen, oder wenn es unwegsam wird… auch wenn viel los ist, auf der Autobahn, oder im Stadtverkehr, geht es nicht, zwischendurch wegzudösen …

Wo wollen oder müssen wir denn hin? Wo ist unser Ziel – in diesem Advent und überhaupt in unserem Leben?

Christen sind unterwegs zur Wiederkunft Jesu. Zum Ende der Welt, so kann man es ausdrücken, obwohl es kein „Weltuntergang“ sein wird, sondern ein Wandel – ein Leben in der unmittelbaren Anwesenheit Gottes.

Jesus meint, es ist gut, wenn wir uns jetzt schon vorbereiten auf diese Situation. Stellen wir uns ruhig vor, wir würden mit Jesus Christus in einem Haushalt leben. Wie würde es in diesem Fall bei uns zugehen?

Oder einfach in einem der Häuser in Pucking. Oder er wäre ein Arbeitskollege, oder unser Chef. Oder in der gleichen Sportmannschaft oder im Musikverein. Oder im Pfarrgemeinderat …

Wie würden wir uns dann benehmen?

Ich meine, er ist jetzt da schon überall dabei. Aber eines Tages, dann eben, wird es für alle live erlebbar, sichtbar sein.

Der Advent, die Wochen vor Weihnachten, die wir jedes Jahr feiern, sollen eine Erinnerung sein, dass wir seit seiner Auferstehung die ganze Zeit schon Advent haben – wir warten darauf, dass er wiederkommt in Herrlichkeit, wie es in der Messe jedesmal heißt. Wir befinden uns im Status der Vorbereitung, oder sollten es jedenfalls.

In Vorbereitung darauf, dass Gott kommen kann.

Denn Jesus, Gott, ist ebenfalls unterwegs. Er ist auf dem Weg zu jedem Menschen. Er braucht keine Landkarte, um uns zu finden, aber er tut sich leichter, wenn wir seiner Ankunft keine Hindernisse in den Weg legen.

Es könnte nämlich sein, dass wir ihn nicht bemerken, wenn er kommt.

Weil wir mit etwas anderem beschäftigt sind, weil wir abgelenkt sind durch Arbeits- und Freizeitstress, durch das ständige Getriebe und Getöse, das in unserer Welt herrscht. Oder weil wir inzwischen andere Götter gefunden haben, denen wir dienen, das kann eine wirklich andere Religion sein – buddhistische hinduistische Vorstellungen oder esoterische Praktiken … oder Geld oder Karriere oder Anerkennung bei den falschen Personen … Bequemlichkeit, eine Sucht oder Sünde oder sonst etwas.

So eine Landkarte oder Wegbeschreibung erleichtert das Finden des Zieles. Wir wären schön dumm, wenn wir sie nicht benützen.

Wir sind eingeladen, es uns leicht zu machen auf unserem Weg – und es Gott leicht zu machen auf dem Weg zu uns.

Auszug aus der Predigt zum Elisabethsonntag                                                 17. 11. 2019 Haid

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Heute begehen wir den Caritas- oder Elisabethsonntag.

Beim Hören der Lesung hat es uns möglicherweise gerissen – die Formulierung des Paulus: „Wer nichtarbeitet, soll auch nicht essen“ -das ist ja quasi der Anti-Slogan der Caritasarbeit. Oder nicht?

In den letzten 2 Jahrzehnten wird ja vermehrt von “Sozialschmarotzern“ gesprochen, die auf Kosten derer leben, die ordentlich und fleißig arbeiten. Und die, die so blöd sind und ihnen helfen, werden als „Gutmenschen“ beschimpft.

So, was jetzt? Können sich Politiker, die einen harten Kurs gegen Arme jeder Art fahren, zu Recht auf Paulus berufen (die christlichen Fundamentalisten in Nord- und Südamerika tun das übrigens)?

Paulus und die ersten Missionare, die Apostel fanden folgende Situation vor:

Menschen, die zu Christen geworden waren, nahmen die Worte z. B. des heutigen Evangeliums im buchstäblichen Sinne todernst. Man erwartete das rasche Wiederkommen Jesu Christi, für die eigene Lebenszeit, für jederzeit, und man wollte sich bereithalten und entsprechend leben.

Eine Reihe von Leuten schlug nun diesen Weg ein, als ob alles sowieso schonegal wäre, dass sie nicht mehr arbeiteten, sondern tatsächlich Tag und Nacht im Tempel waren oder in den Häusern und beteten und predigten ohne einer Arbeit nachzugehen.

Es bilden sich immer wieder spirituelle Gruppen, wo auch einige spätberufene Jugendliche -Menschen um die 30 – plötzlich befinden, ihr Beruf sei zweitrangig, sie gehen jeden Tag in der Früh in die Heilige Messe, an Wochenenden fahren sie zu Versammlungen oder in Gebetszentren und Seminare – auch Familienväter, die plötzlich so tun, als sei die Wiederkunft Christi bereits hereingebrochen und jede Berufsausübung unwesentlich geworden, manche arbeiten ehrenamtlich in Sozialprojekten – aber als Techniker, Polizist oder Verkäuferin oder Bankangestellte Geld verdienen gilt als unschick.

Die Elterngeneration und auch Ehepartner, auf deren Kosten gelebt wird, regen sich zu Recht auf und manche Partnerschaft geht kaputt…

Wir wissen über den Apostel Paulus, dass er von Beruf Zeltmacher war und in Städten, wo er wirkte, immer bei Zeltmachern unterkam und dort im Betrieb mitarbeitete. Gepredigt hat er in der Freizeit, am Abend und am Sabbat.

Was heißt das für uns?

Selbstverständlich lautet die christliche Botschaft: Wir sollen nicht nur sondern müssen uns um Mitmenschen kümmern, die Notleiden. Fundierte Caritasarbeit – und man kann sogar Caritaswissenschaften studieren – bietet wo es geht Hilfe zur Selbsthilfe. Wenn möglich keine Almosen, sondern Sorge für Gereichtigkeit, fairen Lohn …

Das Ziel muss eine gesunde Gesellschaft sein, wo Menschen grundsätzlich geborgen sind und haben, was sie brauchen. Darum arbeitet qualitativ hochstehende Caritas immer auch sozialpolitisch und meinungsbildend.

Anfeindung von geizigen, selbstsüchtigen Kreisen ist auch Tradition – die Heilige Elisabeth von Thüringen hat da alles Mögliche von ihren Verwandten aushalten müssen.

Christen dürfen wissen: Bei welchem Einsatz immer für das Gute sind wir nicht allein, sondern handeln im Auftrag Gottes und haben ihn auf unserer Seite – und irgendwann wird jede Mühe ein Ende haben, weil diese sichtbare Welt nicht die endgültige ist.

Jedoch: Das göttliche endgültigen Richten, In-Ordnung-Bringen von allem und jedem macht unseren Einsatz für eine bessere Welt keineswegs überflüssig, sondern gibt ihm erst richtig Sinn – weil es schlussendlich Erfolg haben wird.

Sonntagskommentar, erschienen im aktuellen JA-die neue Kirchenzeitung

Angst vorm Welt“untergang“?

Haben die Esoteriker und fundamentalistischen Evangelikalen recht, die seit Jahren (2012 war so ein Eckdatum) vom Weltende reden, vom bevorstehenden „Gericht“, weswegen man sich schleunigst bekehren, d. h. sich der entsprechenden Gruppierung anschließen bzw. mittels strahlensicherer Bunker und Vorratshaltung sich auf die weltweit zu erwartende Katastrophe vorbereiten  soll?

Tatsächlich hören wir im Evangelium dieses Sonntags die Prophezeiung eines katastrophalen Endes dieser Welt aus dem Mund Jesu. Was daran ist „Frohe Botschaft“?

Wenn so ziemlich alles, was auf dieser Erde normalerweise Halt und Sinn gibt, mit mehr oder weniger Getöse verschwindet: religiöse (Tempel) und staatliche (Kriege) Ordnung, Grundversorgung (Hunger, Seuchen), Stabilität der Natur (Erdbeben), familiärer Zusammenhalt (Verrat durch Nahestehende), ist das

furchtbar genug.

Wir dürfen nicht vergessen: 1. In weiten Teilen der Erde ist dies bereits Alltag.

2. Es handelt sich bei diesen Dingen, so wichtig sie sind, um Zweitrangiges. Die jetzt sichtbare Wirklichkeit wird nicht auf ewig bestehen.

Erstrangig ist: Jesus kündigt für diese Zeit sein Wiederkommen als Weltenrichter an. Müssen wir uns davor fürchten?

Ein einfacher Vergleich aus der Justiz: Wer fürchtet sich vor der Gerichtsbarkeit: Übertäter/in oder Geschädigte/r?

Leben wir so, dass wir uns freuen können, wenn alles in die gute Ordnung Gottes umgewandelt wird!

Das göttliche endgültigen Richten, In-Ordnung-Bringen von allem und jedem macht unseren Einsatz für eine bessere Welt keineswegs überflüssig, sondern gibt ihm erst richtig Sinn – weil es schlussendlich Erfolg haben wird.