Onlineseminar Tag 25

Predigt zum 1. Advent

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Unser Symbol, das uns in diesem Jahr in der Kirche durch den Advent begleitet, ist ein Weg. Wir haben mit einem dicken Seil einen Weg gelegt – von hier vorne vor dem Lesepult führt der Weg bis dorthin, wo zu Weihnachten die Krippe stehen wird.

Der Weg zum Weihnachtsfest.

Heute, am Beginn, habt ihr Landkarten mitgebracht. Hier sehen wir sie.

Wichtig ist es, bevor wir einen Weg beginnen, den wir noch nie gegangen sind, dass wir zuerst schauen, wie wir überhaupt gehen müssen.

Eine Landkarte besorgen …

Bevor wir uns den Weg anschauen und ihn festlegen, müssen wir noch etwas wissen.

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Wohin wollen wir eigentlich?

Das Ziel muss bekannt sein. Wir brauchen ein Ziel. Erst dann kann ich die richtige Landkarte, Wegbeschreibung besorgen.

Wenn ich von Kairo nach Tunis will, nützt mir diese Österreichkarte da überhaupt nichts.

Wenn ich von Zeitlham zu Fuß zum Maximarkt wandern möchte, nützt sie mir auch nichts, weil sie zu groß ist, da brauche ich eine genauere Karte, z. B. nur von Pucking und Haid…

Und erst dann wird es interessant, wie der Weg verläuft. Ist es eine Autobahn, die Landstraße, ein Feldweg – oder müssen wir durch die Stadt, geht es steil bergauf – oder über einen Fluss, wo ist es zum Abbiegen, und wie lange werden wir unterwegs sein?

Jesus sagt im Evangelium, wir sollen wachsam sein. Die Augen offen halten. Nicht schlafwandlerisch durchs Leben gehen. Irgendwie und irgendwo – sondern gezielt und bewusst.

Es ist nicht ratsam, wenn wir nur einmal vor Antritt der Reise schnell schauen, sondern vernünftigerweise bei den Kreuzungen, oder wenn es unwegsam wird… auch wenn viel los ist, auf der Autobahn, oder im Stadtverkehr, geht es nicht, zwischendurch wegzudösen …

Wo wollen oder müssen wir denn hin? Wo ist unser Ziel – in diesem Advent und überhaupt in unserem Leben?

Christen sind unterwegs zur Wiederkunft Jesu. Zum Ende der Welt, so kann man es ausdrücken, obwohl es kein „Weltuntergang“ sein wird, sondern ein Wandel – ein Leben in der unmittelbaren Anwesenheit Gottes.

Jesus meint, es ist gut, wenn wir uns jetzt schon vorbereiten auf diese Situation. Stellen wir uns ruhig vor, wir würden mit Jesus Christus in einem Haushalt leben. Wie würde es in diesem Fall bei uns zugehen?

Oder einfach in einem der Häuser in Pucking. Oder er wäre ein Arbeitskollege, oder unser Chef. Oder in der gleichen Sportmannschaft oder im Musikverein. Oder im Pfarrgemeinderat …

Wie würden wir uns dann benehmen?

Ich meine, er ist jetzt da schon überall dabei. Aber eines Tages, dann eben, wird es für alle live erlebbar, sichtbar sein.

Der Advent, die Wochen vor Weihnachten, die wir jedes Jahr feiern, sollen eine Erinnerung sein, dass wir seit seiner Auferstehung die ganze Zeit schon Advent haben – wir warten darauf, dass er wiederkommt in Herrlichkeit, wie es in der Messe jedesmal heißt. Wir befinden uns im Status der Vorbereitung, oder sollten es jedenfalls.

In Vorbereitung darauf, dass Gott kommen kann.

Denn Jesus, Gott, ist ebenfalls unterwegs. Er ist auf dem Weg zu jedem Menschen. Er braucht keine Landkarte, um uns zu finden, aber er tut sich leichter, wenn wir seiner Ankunft keine Hindernisse in den Weg legen.

Es könnte nämlich sein, dass wir ihn nicht bemerken, wenn er kommt.

Weil wir mit etwas anderem beschäftigt sind, weil wir abgelenkt sind durch Arbeits- und Freizeitstress, durch das ständige Getriebe und Getöse, das in unserer Welt herrscht. Oder weil wir inzwischen andere Götter gefunden haben, denen wir dienen, das kann eine wirklich andere Religion sein – buddhistische hinduistische Vorstellungen oder esoterische Praktiken … oder Geld oder Karriere oder Anerkennung bei den falschen Personen … Bequemlichkeit, eine Sucht oder Sünde oder sonst etwas.

So eine Landkarte oder Wegbeschreibung erleichtert das Finden des Zieles. Wir wären schön dumm, wenn wir sie nicht benützen.

Wir sind eingeladen, es uns leicht zu machen auf unserem Weg – und es Gott leicht zu machen auf dem Weg zu uns.

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