So gehalten und Projekt durchgeführt in der Pfarre Braunau – St. Franziskus bis Weihnachten 2014. Die Gewinnerin erwirtschaftete 200 Euro.

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Eine Anleitung, möglichst viel Geld zu verdienen, im Evangelium? Ein „Talent“ ist eine Währungseinheit und bezeichnet 25 kg Silber. Es geht nicht um Kleinigkeiten, sondern heute würden wir sagen, um das Ausmaß einer Investition. Ausgehend vom derzeitigen Silberpreis handelt es sich bei einem Talent um über 10 000 Euro.

Und wer das nicht schafft, ist selber schuld und nicht einmal Gott mag den?

Es gibt tatsächlich Glaubensrichtungen, christliche Gruppierungen, die diesen Standpunkt vertreten.

Jetzt haben wir heute/morgen Caritassonntag.

Da passt ja das nun wirklich überhaupt nicht dazu. Da geht es ja gerade darum: Armut und Not zu lindern – und nicht wegzuschauen oder sich vor der Verantwortung für den Nächsten zu drücken, weil der/die ja sowieso selber schuld ist – oder sein kann.

Jesus kann das so nicht gemeint haben. Wie aber dann?

Jesus vertraut uns als seiner Kirche seinen Reichtum an. Begabungen und Charismen. Natürlich auch die materiellen Güter, die uns zur Verfügung stehen, unseren Besitz.

Er wird uns einmal fragen, was wir daraus gemacht haben.

Wenn wir drauf „sitzen“, kann daraus nichts werden.

Wir wissen, dass eine Begabung, die nicht entfaltet wird, nicht etwa irgendwo „ruht“ und später aktiviert werden kann, sondern verkümmert. Genauso wird Geld, das im Sparstrumpf im Kasten liegt, mit der Zeit weniger wert – Inflation …

Es geht um Einsatz, um Hergeben – ich muss ein Talent von mir geben, herzeigen, anderen aussetzen, was ich kann, damit es in Umlauf kommt, damit es sich entfaltet.

Ich muss etwas riskieren. Genauso beim Geld: Zuerst einmal loslassen, hergeben, es einsetzen, etwas damit machen, damit es mehr werden kann.

Damit es „lebt“.

Vermögen jeder Art – auch geistiges und geistliches – ist dazu da, dass es möglichst vielen zugute kommt.

Die heilige Elisabeth von Thüringen hat ihr Vermögen nach dem Tod ihres Mannes dazu verwendet, ein Krankenhaus für arme Menschen zu errichten.

Von uns hat diese Möglichkeiten nicht so bald jemand.

Aber wir haben uns gedacht, wir könnten in unserer Pfarre klein anfangen – dieses Evangelium heute soll der Anlass dazu sein.

Wir vergeben an 10 Personen oder Familien je 10 Euro. Bis zum 4. Adventsonntag haben diese Personen Zeit, das anvertraute Kleinvermögen zu vermehren und eben die 10 Euro mit Gewinn wieder der Pfarrcaritaskasse zurückzugeben. Für den/die, der das meiste erwirtschaftet hat, gibt es einen Preis.

Der größere preis ist aber, dass durch diese Aktion erstens möglicherweise verborgene Talente zum Vorschein kommen – und zweitens mehr armen Menschen der Pfarre geholfen werden kann als sonst. Gerade vor Weihnachten kommen auch mehr Bitten als zu anderen Zeiten.

Was kann man tun: Z. B. Zutaten für Torte/Weihnachtskekse kaufen um 10 Euro und die Kekse oder die Torte/n dann gewinnbringend verkaufen.

Oder Samen, Blumenzwiebeln besorgen und die Blumenstöcke verkaufen.

Oder Suppe machen, ein Gericht, das gegessen und bezahlt wird.

Oder etwas nähen, basteln, stricken … ein Bild malen usw. usf.

Wer einen Platz braucht, wo er/sie die hergestellten Produkte verkaufen kann, geht das bei der Hobbyausstellung –oder jeden Sonntag nach der Kirche.

Überlegen sie bitte bis zum Ende des Gottesdienstes, ob Sie das versuchen möchten.

Vor einigen Jahren wurde ich auf die Zeitschrift “fama” aufmerksam gemacht. Es handelt sich um die einzige feministisch-theologische Zeitschrift im gesamten deutschsprachigen Raum.

Herausgegeben von mehreren Schweizer Theologinnen, erscheinen monatlich Beiträge – kritisch, politisch, gesellschaftlich aktuell, theologisch relevant, mit Bezug zum täglichen Leben …

Lesenswert!

Die aktuelle Ausgabe zum Thema “fromm”.

Abobestellung ist möglich wie folgt: zeitschrift@fama.ch

In der Autobahnkirche Haid begingen die Kindergärten des Stadtteils Haid heuer nach 2 Jahren Pause wieder ihr großes Martinsfest.

9 Kindergartengruppen brachten ihre Beiträge – Lied, Gedicht, Spiel, Lichtertanz – alle Kinder waren am Programm beteiligt.

Und heuer hörten die Eltern ihnen wirklich zu. Ruhig, aufmerksam.

Ein großes Lob für die Kindergartenpädagoginnen, die so etwas zuwege bringen!

Heute eine empfehlung:

Café Schubert in St. Pölten an der Ecke Herrenplatz/Wienerstraße.

4 oder 5 Mittagsgerichte, davon immer ein Menü.

Getränke vom Feinsten (Café Schubert probieren! traumhaft!)

Köstliche Mehlspeisen.

Preise leistbar, personal 1 a +

Was will man mehr?

Ja, bevor ich es vergesse: Jede Menge Tageszeitungen und Illustrierte, sogar ein Bücherregal ist da: damit beim Warten aufs Essen keine Langeweile entsteht… In meiner Kindheit war da tatsächlich ein Qualitätsbuchhandlung.

Ein echter Lichtblick.

Predigt                                                                St. Leonhard, 6. 11. 2022

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Ich bin gekommen, den Gefangenen die Entlassung zu verkünden.

So stellt sich Jesus vor in seiner Antrittsrede in Nazaret.

Das Befreien von zu Unrecht Gefangenen gehört zutiefst und schon seit den Anfängen zur christlichen Tradition. Der Messias wurde zunächst als Befreier von (politischen) Gefangenen erwartet, die gab es nämlich, man hatte ja die römische Besatzungsmacht im Land …

Die ersten Christen haben Geld gesammelt, um getaufte Sklaven freizukaufen, man empfand es als absolut unpassend, dass Getaufte, freie Bürger des

Reiches Gottes, im römischen Staat als Unfreie leben sollten, und hat etwas dagegen unternommen.

Wenn wir uns bei Amnesty International oder CSI, Christen in Not für politisch, weltanschaulich oder religiös Verfolgte einsetzen, stehen wir in einer guten Tradition.

Jetzt hat aber das Befreien, das Lösen oder Sprengen von Ketten weitere Dimensionen.

Zunächst das Befreien aus dem Tod. Es gibt eine Reihe von Bildern, die Jesus als Auferstandenen zeigen, wie er an den Händen links und rechts die Verstorbenen aus der Unterwelt herausholt ins Licht, in seinen Bereich, in den Himmel.

Dann natürlich das Befreien von der Sünde, das Jesus bewirkt. Und da steckt mehr dahinter als die schnelle Lossprechung nach einer noch schnelleren Aufzählung von Verhaltensweisen, die uns verkehrt vorkommen.

Der Heilige Leonhard ist auch einer der Schutzpatrone für eine glückliche Geburt.

In den letzten Monaten ist in mehreren Industrieländern wieder neu die Abtreibungsproblematik ins Blickfeld gerückt.

Gesetzliche Lösungen wie z. B. in Österreich die Fristenlösung, wo eine Abtreibung gesetzlich verboten ist, aber unter strengen Voraussetzungen nicht strafrechtlich verfolgt wird, sind in weiten Teilen der USA und in Polen derzeit nicht mehr möglich.

Selbstverständlich sollen Menschen, v. a. Christen, Menschenleben schützen.

Die sog. Fristenlösung bei uns und anderswo ist aber das geringere Übel.

Es ist nämlich genauso das Leben der beteiligten Mutter schützenswert.

Wie kommt eine Frau dazu, ihr Kind nicht bekommen zu wollen?

Fragen wir nach dem beteiligten Vater.

In sämtlichen Fällen handelt es sich um eine Gewaltbeziehung. Um nicht einvernehmlichen Sex – wo der Mann nicht nach Verhütungsmitteln fragt. Wo es keine Kommunikation auf Augenhöhe gibt.

Der Mann verschwindet dann … oder er stellt die Frau vor ein Ultimatum: das Kind oder ich – von ihm ist sie aber finanziell abhängig, sie und die 3 Kinder, die es vielleicht schon gibt… oder es ist eine unterdrückende Familiensituation, wo die junge Frau in ihrer Herkunftsfamilie mit dem Schlimmsten rechnen muss…aber – in Migrationsfamilien – den Kindesvater, den Freund gar nicht heiraten darf, weil die Familie einen anderen Kandidaten ausgesucht hat …gibt es aber in alteingesessenen österreichischen Familien genauso – da darf auch nicht jede jeden heiraten, ohne ev. größten Unmut zu erzeugen…

Solche Mädchen und Frauen werden eine Abtreibung durchführen, weil sie sonst selber nicht mehr leben könnten. Illegal und nicht von Arzt oder Ärztin, sondern mit Pfuschmethoden. So bringen sie ihr Leben erst recht in Gefahr.

Der Hl. Leonhard würde heute vermutlich Mutter-Kind- Wohnungen initiieren.

Jesus ist gekommen, um Ketten jedweder Art zu entfernen, im übertragenen Sinn: er möchte uns den Klotz am Bein entfernen, der uns am glücklichen Leben hindert.

Was können wir tun?

Halten wir Jesus unsere Ketten hin, die wir aus eigener Kraft nicht loswerden: Gewohnheiten, Denkweisen, verfahrene Situationen, alles wo wir glauben es muss so sein aber im Grunde darunter leiden, fixe Vorstellungen, Festlegungen anderer, wie wir angeblich immer seien oder zu sein haben, gesellschaftliche Schranken, Standesdünkel, Feindschaften, Beziehungen, Gruppenzwänge, Süchte, seelische und körperliche Krankheiten… die Weltlage und und und …

Wir brauchen nur sagen, wir wollen das nicht mehr…

Heilige haben die Aufgabe, auf uns Menschen ein bisschen ein Auge zu haben – wie ältere Geschwister auf Kleinere. Bitten wir den Heiligen Leonhard, dass er sich für uns einsetzt, wo wir unfrei sind. Als Befreier aktiv wird Jesus, Gott, selber.

Wir brauchen uns nur überraschen lassen, wie und wie sehr.

Folgende Geschichte habe ich bei der Friedhofsandacht iA ansfelden am 1. 11. erzählt:

Die Prüfungsfrage

Der Warteraum zum Jenseits füllte sich mit Verstorbenen. Verschiedenste Menschen waren da, auch Gelehrte, sogar ein Pfarrer, ein Bischof und ein Theologieprofessor. Und auch ein kleines Mädchen.

Alle nahmen Platz, es sah aus wie in einer Schulklasse oder in einem Seminarraum.

Ein großer Engel kam und teilte an alle Fragebögen aus, die mehrere Seiten umfassten. Jeder bekam einen Stift, und der Engel sagte: So, meine Herrschaften, bearbeiten Sie bitte diese Fragebogen, werfen Sie den Bogen dann hier in die Box. Danach erfahren Sie mehr.

Alle begannen eifrig zu lesen.

Lesen Sie zuerst alle Fragen aufmerksam durch stand da, und dann begannen die Fragen:

„Wie alt war Sara, als sie mit Abraham aus Ur fortzog, stand da, oder: wieviele der 72 Jünger stammten aus Judäa wieviele aus Jerusalem direkt, wieviele Cherubim gibt es, zählen Sie die tödlichen, die schweren und lässlichen Sünden auf und begründen Sie den Unterschied, … und so weiter, und so fort, seitenweise.

Betroffen sahen sich der Theologieprofessor und der Pfarrer an – das war ja sogar für sie wirklich schwierig zu beantworten… Die Köpfe rauchten, die Stifte kratzten auf dem Papier, als das kleine Mädchen plötzlich fröhlich aufsprang, den Fragebogen abgab und unbeschwert bei der Tür hinaushüpfte.

Sie hatte die Anweisung befolgt und alle Fragen bis zur letzten durchgelesen. Ganz am Ende stand: Vergessen Sie all diese Fragen, vertrauen Sie auf Gottes Güte und Barmherzigkeit und verlassen Sie den Raum Richtung Himmelstor …

aus dem Gedächtnis von einer ähnlichen Veranstaltung

Liebe Brüder und Schwestern!

Fürchten Sie sich vor dem Tod? Oder gehen Sie ihm gelassen und getrost entgegen?

Was fühlen und denken Sie, wenn sie daran denken, dass Sie eines Tages sterben werden?

Es ist durchaus angebracht, dass wir uns mit dieser Frage beschäftigen. Denn:

Unser Sterben ist das einzige Ereignis, das uns allen, jedem/r einzelnen, todsicher bevorsteht.

In der öffentlichen Meinung, in Büchern und Fernsehbeiträgen, Zeitungen und Liedern usw. und auch im religiösen und kirchlichen Bereich gibt es verschiedene Meinungen, wie mit dem Tod umzugehen sei:

  1. Die Toten bleiben lebendig, weil und insofern wir oft an sie denken.  Grab pflegen, oft besuchen, Kerzen anzünden, Erinnerung hochhalten (Fotos, deren Besitztümer …)
  2. Sterben ist ganz normal, weil das Erdenleben sowieso nur eines von vielen ist und wir eh wieder geboren werden.
  3. Man braucht sich vor dem Tod nicht fürchten, weil es dann nicht „aus“ ist, sondern in anderer Form weitergeht, schöner und besser, schmerzfrei, und man die vorausgegangenen Lieben wieder trifft.
  4. Und dann gibt es noch immer oder schon wieder diese Angstmacherei, wo Menschen mit Höllenvisionen und Drohbotschaften terrorisiert werden. Obwohl man einmal vor 30 Jahren geglaubt hat, damit ist es endgültig vorbei.

Wenn wir uns von dieser letzten Vorstellung zu Recht abwenden, so ist damit noch nicht gesagt, dass uns die anderen erstgenannten froh machen.

Mir kommt das so als Verharmlosung vor. Teils ein Verdrängen, was auch von weiten Kreisen gemacht wird, aber doch so ein nicht ganz ernst Nehmen, auf die leichte Schulter, so als ob eh nichts Besonderes passiert …

Bei der Idee von der Wiedergeburt erlebt man es ja immer wieder, dann kanns nicht so arg sein.

Es ist verständlich, wenn Menschen bestrebt sind, eigene und fremde Angst zu bekämpfen. Aber wird da nicht etwas ganz Wesentliches weggenommen, und vorenthalten, was zum Menschsein dazugehört?

Viele leiden darunter – meist ohne zu wissen, wieso -, dass vieles nicht ernst, beliebig ist, dass es so aussieht, als käme es auf den einzelnen Menschen nicht an, als sei wurscht, was wir sagen, denken, glauben, hoffen, tun, entscheiden … wofür wir uns einsetzen, welche Partei wir wählen oder Regierung wir haben …

Vor Jahrzehnten schon gab es das Buch „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“.

Wir Menschen halten es nicht aus ohne Tiefe, ohne Ernsthaftigkeit, ohne Sinn.

Der Tod ist der Ernstfall des Lebens.

Da gibt es kein Ausweichen. Da vertritt uns niemand.

Da kommt es auf uns an. Nur auf uns.

Da geschieht an uns, was nicht rückgängig gemacht und kein weiteres Mal erlebt werden kann.

Es ist normal und soll niemand ausgeredet werden, sich zu fürchten davor.

Aber nicht, weil es bestimmt so furchtbar und schrecklich werden wird, sondern weil dieses Geschehen so wichtig und unwiederholbar und einzigartig ist.

Weil es in diesem Moment ganz auf uns ankommt.

Und – ja, Jesus hat es so gesagt und ich glaube, weil wir vor Gottes Angesicht stehen und uns unserer Verantwortung bewusst werden, die wir während unseres Lebens hier gehabt haben.

Die Ernstfälle des Lebens, wo es ganz auf uns ankam oder angekommen wäre. Wir nehmen diese Verantwortung ja nicht immer wahr.

Die Momente, wo wir zu Recht aufgeregt sind – wegen ihrer Bedeutung und Tiefe – wenn wir einen Beruf wählen und antreten, ein Haus kaufen oder verkaufen, heiraten, ein Kind bekommen, beim schwerer Krankheit oder Tod von Nahestehenden, wenn wir einem Menschen beistehen, wenn wir für Recht und Gerechtigkeit und Wahrheit oder Menschenliebe, Barmherzigkeit einstehen, uns zu Wort melden und einsetzen entgegen einer andersdenkenden Mehrheit, wo wir unserem Gewissen folgen, obwohl wir Nachteile für uns erwarten müssen.

Diese Ernstfälle des Lebens sind es, die uns vorbereiten für den letzten.

Wie soll ein Mensch vorbereitet sein, wenn er diese Gelegenheiten alle vermieden und versäumt hat?

Wir schieben auch die Begegnung mit dem lebendigen Gott auf – zumindest viele von uns. Auch da brauchen wir keine Angst zu haben im Sinn von etwas Schrecklichem, das uns widerfahren könnte – sehr wohl aber ist es aufregend und spannend, herausfordernd, in diese Beziehung einzutreten.

Und dieser „Ernstfall des Lebens“ kann immer und jederzeit eintreten, von uns wahrgenommen werden.

Drücken wir uns nicht davor.

Lassen wir die Augenblicke unseres Lebens nicht achtlos verstreichen. Sie sind zu kostbar dafür. Sie sind uns geschenkt, damit wir etwas daraus machen.

Unsere Persönlichkeit ändert sich nicht, sobald wir gestorben sind. Und unser Leben auch nicht mehr.Wir werden die sein, zu denen wir uns entwickelt haben – mit genau der Gottesbeziehung und –vertrautheit, die wir uns heute und hier schenken haben lassen, die wir zugelassen haben.

Ob es uns danach so vorkommen wird wie in einem fremden Land, in das wir eigentlich nicht wollten, oder wie die Heimat, die wir schon lange oder zumindest insgeheim erhofft haben, das, liebe Brüder und Schwestern, denke ich, liegt an uns.

Liebe Brüder und Schwestern!

Wer hier möchte heilig werden?

Als ich 18 oder 19 war, war ich zu Hause in meiner Pfarre in einer Jugendbibelrunde. Irgendwann einmal fragte der Kaplan damals: Wer von euch will heilig werden?

Nein danke, sicher nicht, war meine 1. Reaktion. Ich war mir ziemlich sicher, wie so ein heiliges Leben aussehen müsste: ohne Freude, Feste, Fröhlichkeit, Freiheit, Schönheit… In meiner Vorstellung gab es höchstens so etwas wie einen traurigen Heiligen oder einen komischen Heiligen, jedenfalls nichts, was irgendwo erstrebenswert ausschaute.

Im Evangelium steht „selig, die…“ Da ist nicht das kirchliche Seligsprechungsverfahren gemeint, sondern „glücklich“. „Makarios“ meint „glücklich“, und zwar nicht irgendwann und irgendwo, im Jenseits oder nach dem Tod, sondern hier und jetzt in diesem konkreten Leben.

Ändern wir die Frage: Wer von Ihnen möchte glücklich werden?

Die kirchliche Verbildung reicht so weit, dass ich erst vor ein paar Tagen in einem Kommentar gelesen habe: Das „Selig“ bezieht sich auf die Ewigkeit.

Na, sicher nicht. Jesus und sein Evangelium gelten immer für den speziellen Menschen.

Glücklich ist, wer hier und jetzt Gott zutraut,  dass er alles zum Guten wenden kann. Er wird es nämlich erleben.

Glücklich, wer mit seiner Trauer und seinen Sorgen sich an Gott wendet, denn Gott tröstet.

Wer keine Gewalt anwendet, durchbricht die Spirale der Gewalt und stiftet dauerhaft Frieden und Wohlstand.

Die Barmherzigen sorgen für ein Klima des Zusammenlebens, das ihnen selbst auch zugute kommt, wenn sie Fehler machen oder Hilfe brauchen.

Nur wer ein reines Herz hat, unverbildet von menschlichen Traditionen, Machtsystemen, egoistischen Interessen…, kann überhaupt erfassen, wie es Gott tatsächlich meint…

Gott zieht keine Trennungslinie mit seinem Heil zwischen vor und nach dem Tod. Aber Jesus wendet sich immer an hier und jetzt lebende wirkliche reale Personen mit einer handfesten Lebenswirklichkeit.

Deshalb gibt es unter den echten Heiligen auch keine Kopien, sondern nur Originale.

Wenn wir Lieblingsheilige nehmen, die wir auch gern als Vorbild nehmen, dann nicht um bestimmte Verhaltensweisen, Eigenheiten oder sogar Absonderlichkeiten nachzumachen, sondern um uns abzuschauen, wie das gehen kann, wie das schon einmal jemand geschafft hat: mit der eigenen Geschichte, mit all den persönlichen Eigenschaften, mit Vorzügen und Begabungen, aber auch Fehlern und Sünden, mit der je anderen gesellschaftlichen und kulturellen Herkunft und Erziehung – manchmal trotz dieser Herkunft und Erziehung – , zu verschiedenen Zeiten mit verschiedenem Familienstand und Beruf und Intelligenzquotienten den Weg als Christ/in mit Gott, mit Jesus zu gehen und auf diesem Weg GLÜCKLICH zu werden.

Aber jede/r von uns muss den eigenen Weg selber gehen.

Verheiratet oder Nicht, mit oder ohne Kinder, asketisch oder lebensfroh, arm oder reich, in sich gekehrt oder weltoffen, in einem Orden oder nicht, mit kirchlichem Beruf oder mit eigenem Geschäft, als Bäurin oder Angestellter, als Akademikerin oder Arbeiter, als Schülerin oder Pensionist…

Wie sich das Leben mit Gott gestaltet, ist für den einzelnen keineswegs beliebig.

Wer nicht zur Ehe berufen ist und das im Herzen spürt, würde mit Partner und Kindern nicht glücklich. Es wird auch nur der im Kloster glücklich, seine tiefste Erfüllung finden, für den das wirklich der persönliche Weg ist. Wessen Weg es ist, Straßenarbeiter oder Bettlerin zu sein, der/die wird als solcher weit glücklicher sein als ein Konzernchef, der im Grunde eine andere Berufung gehabt hätte. Katharina von Alexandrien ist ihrer Berufung, Theologin und Wissenschafterin, treu geblieben – sie hat gespürt: Gemahlin des Oströmischen Kaisers – das bringts nicht.

Elisabeth von Thüringen: Arbeit für Kranke, früher Tod – und sie war glücklich dabei. Sie hätte ebenfalls Gattin eines Kaisers werden können.

Jeder Mensch ist dazu berufen, einen ganz bestimmten Aspekt Gottes im Leben und durch sein Leben auszudrücken. Wir sind ja schon nur deswegen geboren worden, weil Gott uns ausdrücklich auf dieser Erde haben will.

Was das für jeden von uns ist?

Da können wir drauf kommen: wer Gott ernsthaft bittet, dem zeigt er diesen einzigartigen Weg, der von Grund auf glücklich macht: das ist an keine Altersgrenze gebunden. Wer Gott mit 12 bittet, ihm den Weg zu zeigen, der wird ihn natürlich früher finden als einer, der mit 40 oder 60 oder 80 Jahren zu fragen und zu suchen beginnt. Aber möglich ist es immer.

Gemeinsam ist ihnen: Ihr Leben ist durch und durch heil geworden. Sie haben zu ihrem tiefsten Wesen gefunden, ihre Berufung gelebt, sind glücklich geworden (das hat nichts mit dem bürgerlichen Erfolgsverständnis zu tun!), strahlen das Heil Gottes aus, Menschen haben gespürt: bei diesem Menschen ist es gut sein, da kann ich selber etwas von Gott spüren…

Und genau darauf kommts an.

Predigt     Sonntag der Weltkirche 2022                                    Pucking                                                  

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Wir kennen diese Stelle aus dem Evangelium alle schon lange und ziemlich gut.

Zachäus, der Jesus zu Besuch hat. Ausgerechnet.

Die anderen, die „Frommen“, haben das gar nicht verstanden, dass Jesus gerade bei Zachäus einkehrt, dem Zolleintreiber zugunsten der feindlichen Besatzungsmacht… und noch dazu mit dessen Freunden isst und trinkt, sich freut … mit ihnen zu reden. Und wie sich der dann besinnt und das unrechtmäßig Genommene zurückgibt.

Heute ist mir ein Blickwinkel, ein Detail dieser Evangeliumsstelle besonders aufgefallen.

Jesus sagt über Zachäus: Auch dieser ist ein Sohn Abrahams. Alle Verheißungen und Zusagen Gottes, alles Gute, das er für die Menschen bereithält und plant, ist genauso für ihn gedacht.

Für jeden einzelnen Menschen auf der Welt. Spirituell und materiell.

Heute geht es ja um die Weltkirche. Ich war ja in Brasilien und habe dort 2 Basisgemeinden vor Ort kennengelernt.

Seitdem sind mir die Anliegen der Entwicklungshilfe, wie es heißt, der Zusammenarbeit zwischen 1. Und 3. Welt, in Fleisch und Blut übergegangen.

Viele Menschen in den Industrieländern in der sogenannten „1. Welt“ verhalten sich ähnlich wie Zachäus vor seiner Begegnung mit Jesus.

Die Menschen tun dies nicht jede/r einzeln und geplant und gezielt. Die große Wirtschaft tut das.

Jahrzehntelang ist den Ländern des Südens alles genommen worden. Vor allem den einfachen Menschen dort. Die Mächtigen wurden z. T. reich durch die Zusammenarbeit, die Kollaboration mit der Weltwirtschaft, mit den großen Konzernen.

Begonnen hat es im 18. Jahrhundert mit dem Sklavenhandel. Baumwolle. Reis. Bananen. Schokolade. Kaffee. Ananas. Palmöl. Hölzer des Regenwaldes. Bodenschätze. Seltene Erden. Rindfleisch auf gerodetem Regenwald.

Seit den 80erJahren gibt es die EZA, die Initiative Entwicklungszusammenarbeit. Das Bewusstsein wird stärker, die Initiative greift, Erfolge, Kleinbäuerinnen … können leben von dem, was sie anbauen und tun.

Viele ArbeiterInnen in Fabriken und Bergwerken oder auf Plantagen können das nicht.

Ihnen jetzt das Evangelium zu verkünden oder den Kirchenbesuch nahezulegen allein hilft da nicht. Echte Missionare sorgen immer für gerechte Lebenschancen, für Gesundheit, Bildung, Gerechtigkeit…

Mission so gesehen kann nie längst überholt sein. Aber:  Hat das etwas mit uns zu tun?

Mission ist, wenn wir hinausgehen in die Öffentlichkeit.

Wir wirken als Gesamtperson.

Wenn wir ordentlich arbeiten, Fleiß, Verlässlichkeit, Tüchtigkeit, Genauigkeit, Umsicht, Verantwortung, gerecht, fair, hilfsbereit, anständig – auch großzügig, lebensfroh, humorvoll sind ..… dann wird es heißen: aha, Sie sind also ein Christ – interessant … kann ich das auch?

Wir sind Gottes Gesandtschaft – die Werbeträger der Botschaft.

Das Christentum ist niemals abstrakt – es ist die Religion der Menschwerdung, Inkarnation – das Evangelium wird an uns abgelesen oder eben nicht.

Die Trennung von „Sakral“ und „profan“ gibt es nicht. Alles ist Gottes gute Schöpfung, durchwoben und durchatmet von seiner Gegenwart.

Es gibt ein modernes Kirchenlied: „Jeder Mann, jede Frau, jedes Kind ist unserem Gott heilig“.

Katholisch heißt allumfassend – offene Augen, Interesse dafür, wie es anderswo zugeht – in Lateinamerika, Afrika, Asien, … Anteilnahme an den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, Einsatz für das Gute, für die Gemeinschaft – Salz sein, das in blind gewordenen Augen brennt, Sand im Getriebe der Rüstungs-, Umweltzerstörungs- und Menschenverachtungsmaschinerie.

Wer getauft ist, hat kein Recht, sich auf Dauer ins Privatleben, in einen Elfenbeinturm oder auf eine Insel der Seligen zurückzuziehen. Der Schlaf der Sicherheit. Geht mich nix an.

Wer getauft ist, hat überall Familie. Darauf möchte der Sonntag der Weltkirche jedes Jahr hinweisen.

In den letzten Tagen bin ich mit der Vorbereitung zum Sonntag der Weltkirche beschäftigt, den wir in der Pfarre Pucking am Sonntag, 30. 10. begehen. Der ursprünglich eingeladene Gastprediger hat leider abgesagt, also: selber …

Ich erinnere mich: Ca. 10 Jahre hat es gebraucht, bis ich vom Wortgebrauch meiner Kindheit und Jugend “Weltmissionssonntag” entwöhnt war und automatisch vom “Sonntag der Weltkirche” sprach, wie es seit ca. 1990 hieß.

Wir sollen ja nicht “missionieren”, sondern wir alle sind gleichberechtigte Partner/innen in der einen Weltkirche, so ungefähr wurde der Sinn der Bezeichnungsänderung erklärt.

Gut.

Wieso es jetzt seit etwa 4 Jahren wieder anders lautet, wird zwar irgendwo erklärt – missio ist da zuständig, die Päpstlichen Missionswerke, aber ich finde es seltsam, schlicht und einfach.

Werde auch dazu predigen morgen und übermorgen.

Das schöne Lied aus meiner Jugend hatte eine treffende Formulierung: “Lasst das Missionieren, Frieden ist das Ziel”

Im übrigen gefällt mir diese Art und Weise nicht, wie missio in letzter Zeit vorgeht – Rosenkranz, Priester Priester und nochmals Priester,

Da gab es schon einmal mehr. Da gibt es mehr.

Einsatz für Gerechtigkeit. Zum Beispiel. Ist ja kirchenintern auch nicht wirklich ein Thema. Sollte es aber sein.