Gestern nahm ich an einem berührenden Konzertabend in der ehemaligen Synagoge in St. Pölten teil. Lieder des Trostes und des Überlebens von jüdischen Autorinnen, Ilse Weber und Elfriede Gerstl, anlässlich des Gedenkens an die Novemberpogrome 1938.

Bei Teilen v. a. bei den Vertonungen von Elfriede Gerstls Texten, handelte es sich um eine weltweite Uraufführung.

Was habt ihr anlässlich des Gedenkens unternommen? Wart ihr bei Feiern, Lesungen, …?

Warum ich als katholische Theologin auch schamanisch arbeite?

Schamanisches Tun ist unglaublich effektiv, umfassend, bereichernd,  hat mein Denken geöffnet und wirkt zugleich entspannend und heilsam.

Besonders ein Seminar, an dem ich 2016 im Stift Schlägl teilnahm, hat mir mehrere Aha-Effekte vermittelt. Einer davon:

Davor war es für mich seltsam, dass es in der katholischen Kirche immer hieß, man solle für die Verstorbenen beten. Ich stellte mir vor: Die sind ja im Bereich Gottes und uns nicht mehr zugänglich, bestens aufgehoben – also was soll das?

Die schamanische Sicht, dass es für Verstorbene gut ist, eine/n Führer/in in die Obere Welt zu haben, weil der Übergang nicht bei allen einfach und problemfrei erfolgt, dass wir von hier aus, aus dem Diesseits also, durchaus etwas beitragen kann zum Wohlbefinden verstorbener Menschen, hat mich – fast möchte ich sagen: – begeistert und mir auch beruflich geholfen.

Im Lauf meines Berufslebens von 2000 an bis heute habe ich hunderte von Begräbnisfeiern gestaltet und abgehalten. Bei den Vorbesprechungen mit den Angehörigen konnte ich mit der neu gewonnenen Sicht und v. a. durch den Hinweis auf den Seelengeleiter wohltuend wirken; zumal das schamanische Verständnis von Tod und Sterben mit dem christlichen erstaunlich vereinbar ist.

Von einer „Hölle“ (der Name stammt von der germanischen Totengöttin Hel, ursprünglich war da bloß „Totenreich“ damit gemeint) wird in der schamanischen Sicht nicht gesprochen. Ich persönlich stelle mir vor: Wenn man in der jenseitigen Welt allen anderen wieder begegnen, wird man sich für so manches persönlich zu verantworten haben, vieles klären und erklären und Abbitte leisten bzw. Vergebung üben…

Wir werden das auch morgen noch einmal sehen, wenn es darum geht, was „Heilige“ eigentlich sind – wir hatten ja vor einer Woche auch Allerheiligen.

Das schamanische Weltbild, das Denken und Spiritualität der Menschen vor der Zeit der Religionen geprägt hatte und unterschwellig bis heute wirksam ist, kennt ebenfalls eine Dreiteilung: eine (nichtalltägliche) Obere, eine (nichtalltägliche) Untere und eine Mittlere Welt, wobei letztere einen alltäglichen Aspekt bzw. Raum (die normale Realität der Menschen) und einen nichtalltäglichen „Raum“ enthält, der mit der Anderswelt der Kelten vergleichbar ist. In alle nichtalltäglichen Welten können schamanische Reisen unternommen werden.

Der unsterbliche Anteil der Menschen benötigt nach dem Tod normalerweise eine bestimmte Zeit (6 Wochen) der Umgewöhnung oder Vorbereitung im nichtalltäglichen Teil der Mittleren Welt, bis er in die Obere Welt gehen und dort bleiben kann.

Es kann vorkommen, v. a. bei einem überraschenden Tod, dass die jeweilige Person nicht bemerkt, dass sie verstorben ist und in einer anderen Dimension weilt; sie kann die Umgebung, das eigene Wohnhaus, die gewohnte Straße, bekannte Menschen usw. sehen und hören und wundert oder ärgert sich, weil sie selbst nicht wahrgenommen wird.

Es kann sein, dass die/der Verstorbene in diesem Fall Aktionen setzt, um wahrgenommen zu werden. Aus schamanischer Sicht ist so etwas wie „Geistern“ denkbar.

Eine der üblichen Aufgaben von SchamanInnen ist es (auf Wunsch der Angehörigen), Verstorbene, die in der Mittleren Welt feststecken oder hängenbleiben, gegebenenfalls zunächst davon zu überzeugen, dass sie verstorben sind, und dann, sie zum Überwechseln in die Obere Welt zu bewegen. Dies geschieht mittels einer schamanischen Reise des Schamanen zu der verstorbenen Person, wo bei diese überzeugt werden muss, dass der gute oder bessere Ort in der Oberen Welt zu finden ist – und entweder selbst als Begleiter/in zur Verfügung zu stehen oder für eine geeignete Begleitung unter den Spirits der Oberen Welt zu sorgen. Dies können bereits früher verstorbene Freunde oder Verwandte der betreuten Person sein oder/und bekannte vertrauenswürdige Persönlichkeiten.

Interessant: In der gesamten Geschichte des Christentums gilt Jesus Christus als dieser Seelenbegleiter, der in den kirchlichen Gebeten für Verstorbene auch als solcher angerufen wird; doch können auch Engel oder Heilige als Führer in den Himmel bzw. ins Jenseits sein.

Euch sind bestimmt die Forschungen von Elisabeth Kübler-Ross bekannt, die zahlreiche Nahtoderfahrungen beschrieben hat; die Sterbenden werden da fast immer durch vertraute Personen in Empfang genommen.

Dass Verstorbene 6 Wochen nach dem Tod noch eher erdverhaftet sind und sich erst danach endgültig verabschieden – diese Vorstellung ist mir immer wieder begegnet. Im Neuen Testament ereignet sich die „Himmelfahrt Jesu“ 40 Tage, also rund 6 Wochen nach der Auferstehung.

Im Schamanischen Weltbild wird so etwas wie eine Hölle nicht erwähnt, Wiedergeburt spielt keine Rolle, wird aber auch nicht ausgeschlossen.

Das schamanische Denken beruht, so wie es aussieht, auf Erfahrungswerten unzähliger Generationen; aus diesem Grund sind Elemente davon in allen Religionen zu finden. Wahres wurde immer wieder von Strenggläubigkeit übertüncht; zum Verschwinden konnte es nicht gebracht werden.

Vergangenen Samstag beim Ritual zu Allerheiligen/Samhain äußerte eine Teilnehmerin: „Also, dieses ganze Gerede in der Kirche von Himmel-Hölle-Fegefeuer zu Allerheiligen und Allerseelen, das kann ich nicht mehr hören, diese Angstmacherei; das wird jetzt wieder ärger als es schon einmal war – wie im Mittelalter!“

Woher kommt diese wahrscheinlich allen bekannte Vorstellung? In der Bibel finden wir sehr wenig; da geht es um den gerechten Ausgleich, um Belohnung für Gutes und Bestrafung für Böses und um die Auferstehung der Toten. Also: woher?

In der griechisch-römischen Antike gab es zwei große Dichtungen, die damals in den besseren Gesellschaftsschichten jeder männliche Jugendliche in der Schule lernen musste: Homers Odyssee und Vergils Aeneis. In beiden Dichtungen unternimmt der Titelheld jeweils eine Reise in die Unterwelt, um dort bestimmte Verstorbene zu treffen und von ihnen Informationen einzuholen. Vergil hat dabei die Schilderung Homers praktisch 1:1 übernommen. Aus meiner schamanischen Erfahrung handelt es sich jeweils um schamanische Reisen unter Führung durch die Seherin Pythia.

Die Unterwelt wird als dreigeteilt beschrieben: Elysium für besonders verdienstvolle Menschen; Tartaros als Bestrafungsort für extreme Verbrecher; neutrales Schattenreich für die „Unauffälligen“, die NormalverbraucherInnen.

Zwei Dinge geschahen:

Die sogenannten Kirchenväter, gebildete Männer wie z. B. Augustinus, die in den ersten Jahrhunderten des Christentums Theologie entwickelten, kannten aufgrund ihrer römischen Bildungslaufbahn diese Vorstellung, die der Bibel auch nicht widersprach und plausibel klang.

Im Mittelalter verwendete Dante Alighieri die Beschreibung Homers und Vergil, formte sie ein wenig um, „erfand“ das Fegefeuer – und die abendländische Kultur übernahm das Paradigma als theologische Wahrheit.

Früher als jede institutionalisierte Religion prägte das schamanische Weltbild die Spiritualität der Menschen – weltweit. Darüber erfahrt ihr morgen mehr.

Vor ein paar Jahren haben mir Bekannte in Lunz am See, wo ich bis Mai dieses Jahres ein Haus hatte, eine für sie verstörende Begebenheit erzählt:

Der Bischof war in diesem bezaubernden Bergdorf in den niederösterreichischen Alpen, und MitarbeiterInnen der Pfarre berichteten ihm begeistert, worauf sie in ihrer Gemeinde stolz waren. Offenbar ein Fehler; scharf wies er sie zurecht: Stolz sei eine schwere Sünde und habe im kirchlichen Bereich nichts verloren, sie sollten sich quasi schämen …

Ich war entsetzt und dachte mir (und habe es meinen Bekannten auch so gesagt😊):

Da hat der gute Mann etwas verwechselt – und seinen eigenen blinden Fleck nicht gesehen.

Es gibt zwei Arten von Stolz.

Selbstverständlich dürfen und sollen wir stolz sein auf unsere Leistungen, Einsichten, auf das, was wir gelernt und erworben haben usw. usf. Es ist gut und richtig, die eigenen Vorzüge nicht zu verstecken; Selbstbewusstsein, das Bewusstsein des eigenen Wertes und der eigenen Würde, ist gesund und erstrebenswert. Außerdem brauchen Menschen Vorbilder, denen sie nacheifern können.

Diese Art von gesundem Stolz kann kippen: in eine ungute Überheblichkeit, die sich besser vorkommt als Mitmenschen mit anderer Überzeugung, anderem Lebensentwurf, anderer Herkunft, anderem Aussehen, anderer Religion … Diese „anderen“ werden dann schnell abgewertet, von oben herab behandelt, vielleicht sogar offen verachtet.

Genau diese 2. Art, die Überheblichkeit, kritisiert Jesus auch im Text, der heute im katholischen Sonntagsevangelium für den Gottesdienst vorgesehen ist. „Wir, die Guten – die dort, die Schlechten“ – eine derartige Sichtweise verhindert eine heilsame Spiritualität. Es geht dann nur mehr um die Erfüllung von Normen und Geboten, nicht mehr um die Beziehung zur liebenden, menschenfreundlichen Gottheit. Klar begegnet dieser abschreckende Stolz in der Kirche und in Religionen ständig, und das hilft keinem.

Und weil JHWH will, dass es uns gut geht, dass wir glücklich sind, bekommen wir den Hinweis: He, so bitte nicht!

Möglicherweise flüchten Menschen in die Überheblichkeit, wenn ihnen der gesunde Stolz lange und gründlich aberzogen wird. Möglicherweise handelt es sich um eine „Sünde“, die in patriarchalen Gesellschaften besonders gute Entwicklungschancen hat; eher eine Sünde von Männern, weniger von Frauen…

Wie geht es euch mit dieser Sicht? Möchtet ihr eure Erfahrungen mit gesundem Stolz und unangenehmer Überheblichkeit teilen?

Samstag, 1. 11. 2025,

19.00 – 20.45 Uhr online      

Teilnahmebeitrag: EUR 50,-                                    

 Seit es uns Menschen gibt, glauben wir an eine   

 Dimension, in der wir nach dem irdischen Tod

 weiterleben, sowie unterschiedliche Bräuche und Riten

 für ein gutes „Danach“, den Übergang dorthin und für

 den Umgang mit Trauer.

 Samhain markierte zudem den Übergang von der  

 Üppigkeit zur Ruhe von Vegetation und damit

 verbundener Arbeit. Winterbeginn bei den Alten,

 Beginn des „Hexenjahres“, Zeit der Meditation, der

 geistigen Tätigkeiten…

Was euch erwartet:

Wissenswertes zur v. a. feministischen Religions- und Kulturgeschichte von Jenseitsvortellungen, Trauer, Tod und Sterben: kreative Übungen, spirituelle Texte/Meditation, Austausch, Ritual im Frauenkreis

Nach der Anmeldung (bis Donnerstag, 30. 10. 25, 12.00) werden den TeilnehmerInnen die Bankdaten für die Überweisung des Teilnahmebeitrages zugeschickt. Den Zoomlink erhaltet ihr ca. 24 Stunden vor Beginn des Rituals.Mail: dagmar.ruhm@kostbarleben.jetzt   

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Als Frau zur eigenen femininen Spiritualität finden – frei von einengenden, krankmachenden oder frauenfeindlichen Dogmen und Traditionen…

Den Ursprung entdecken, patriarchale Verdrehungen auflösen, Wissen sammeln und Praktiken lernen, die gut tun und wirklich etwas bewirken…

Denn: Wir sind so viel mehr …

Merkt euch gern schon die Termine vor:

Samstag, 1. 11. 2025: Allerheiligen/Allerseelen – Samhain – Hallow‘een

Sonntag, 21. 12. 2025: Wintersonnenwende – Rauhnächte – Weihnachten

Montag, 2. 2. 2026: Lichtmess – Imbolc

Montag, 23. 3. 2026: Frühjahrs-Tagundnachtgleiche – Ostara

Donnerstag, 30. 4. 2026: Walpurgisnacht

Montag, 22. 6. 2026: Sommersonnenwende – Mittsommer

Samstag, 15. 8. 2026: Hoher Frauentag – Mariä Himmelfahrt

Online via Zoom, Dauer jeweils 19.00 – ca. 20.30

Anmeldung bis spätestens zwei Tage zuvor 12.00

Kosten pro Abend: 50,-

Bei Buchung aller 7 Ritualabende bis 20. Oktober 2025 Bonuspreis: 300,-

Wie gewohnt erwarten euch jedesmal: Wissenswertes und aus feministischer Sicht Relevantes aus Religions- und Kulturgeschichte zur jeweiligen Festzeit, kreative und meditative Übungen, spirituelle Texte, Austauschrunde, Ritual

Ihr Lieben!

Hier in Niederösterreich hat gestern das neue Schuljahr begonnen – und für viele Menschen beginnt in diesen Tagen der Berufsalltag wieder, der Urlaub ist vorbei, der Sommer hält sich noch eine Zeit …

Doch liegt schon eine Ahnung in der Luft: die Abenddämmerung kommt früher, am Morgen ist es schon recht kühl, die ersten Blätter verfärben sich, der Wind bläst intensiver. Die Felder sind abgeerntet, Äpfel, Birnen, Zwetschken, Nüsse werden reif.

All das ist Sinnbild für unser Leben: Manches ist vorbei. Manches reift noch. Es tut gut, Störendes loszulassen und zu „kompostieren“, dass es Grundlage werde für Zukünftiges – und Gelungenes, Wertvolles zu bewahren, zu würdigen, dankbar zu feiern.

Wir erfahren immer wieder: Nicht alles hängt von uns ab, kommt aus eigener Anstrengung. Vieles stammt aus der Quelle, die unglaublich wohlwollend und großzügig achtet auf uns. Vielleicht sogar ist das Wesentliche immer geschenkt …

Im Ritual zur Herbst-Tagundnachtgleiche wollen wir Erntedank begehen – in einer anderen Form als üblich, spirituell, mit alten Traditionen, aber nicht in starrer Form einer Religion. Kreativ, freudig, bewusst, – und in der Gemeinschaft des Frauenkreises.

Vor Ort in Ratzersdorf (max. 8 Teilnehmende) am 20. 9. – oder online am 21. 9.

Hier der Link zu meiner Anmeldeseite, auf der du auch die genauen Infos bekommst. 

Ich freue mich, wenn du dabei bist!

Na servas …

Wir denken doch: Jesus bringt Harmonie, Frieden – durch eine christliche Einstellung wird alles besser, auch unsere zwischenmenschlichen Beziehungen.

Und das soll jetzt doch anders sein?

Überlegen wir einmal:

Jesus sagt da etwas, worüber erst die Psychologen des 20. Jahrhunderts sich sprechen getraut haben.

In Familien ist nicht alles in Ordnung, es kann sogar ziemlich extrem zugehen. Und da brauchen wir nicht sofort an Straftaten denken wie Missbrauch, Gewalt, Misshandlung, Freiheitsentzug usw. Oder an verbrecherische Strukturen – die „famiglia“ bei der Mafia z. B.

In jeder Familie gibt es Strukturen, die z. T. gewachsen sind, z. T. vererbt, übernommen wurden von Vorfahren. Meinungen, Handlungsmuster, Denkweisen, sogar Feindschaften – mit wem man redet und Kontakt pflegt, mit wem nicht, es bilden sich Hierarchien… Familienaufstellungen geben da mitunter Erkenntnisse, die für die Beteiligten schockierend sind. Man wird „betriebsblind“ und kann das für außenstehende Offensichtliche, wo es hakt, was im Argen liegt, nicht sehen.

Wenn dann ein Familienmitglied beginnt bewusst hinzuschauen, wenn Werte neu gelernt werden – und das haben Menschen damals durch die Frohe Botschaft Jesu, durch Orientierung an seinem Beispiel, durch die Predigt der JüngerInnen erlebt -: dann stößt dieses Neue auf Widerstand.

Denken wir nur an unsere eigene Vergangenheit in Mitteleuropa: Wenn da die Erleuchtung kommt: Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren – und auf die starre Tradition einer alteingesessenen Adelsfamilie prallt…

Oder denken wir an die heutigen Religions- und Kulturunterschiede – wenn da zwischen jungen Menschen Freundschaften entstehen, löst das nicht sofort helle Freude bei den Herkunftsfamilien aus…

Konflikte sind quasi vorprogrammiert…

Das Evangelium erspart uns solche Konflikte nicht. Ebenso wenig wie die Psychologie. Solche Konflikte sind heilsam und bedeuten einen Fortschritt. Wenn die Beteiligten gut damit umgehen, dazulernen.

Wo Wahres, Gutes, Schönes, Heilsames auf eine unterdrückende, ungute, krankmachende Struktur trifft, besteht immerhin jedesmal die echte Chance, dass sich das Bessere durchsetzt…

Und:

Dabei übrigens hilft uns die liebende Gottheit, die überaus interessiert ist an unserem Wohlergehen und unserer heilsamen Entwicklung und der der gesamten Menschheit, dabei hilft sie uns garantiert.

„Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel – weil wir so brav sind …“ oder strengstes Auswahlverfahren, dem kaum wer standhält, Prüfung auf Herz und Nieren …?

Was stimmt?

Gerade haben wir gehört: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen …“ – das deutet doch eher auf zweiteres hin, oder?

Ist das jetzt eine Drohbotschaft?

Will uns Jesus Angst machen?

Vielleicht hilft es uns weiter, anzuschauen, zu wem Jesus diese Worte sagt.

Und: Was Jesus noch alles sagt.

Es reicht keineswegs, mit Jesus gut bekannt zu sein – mit ihm gegessen und getrunken zu haben. Äußerlichkeiten spielen eine Rolle.

Das deutet darauf hin: Da fragt wer, der sich fromm fühlt, die jüdischen Gebote hält, sich für auserwählt hält, sich anstrengt – und eine Art Bestätigung hören will: ja, solche wie du – da gibt es eh nicht viele, denn die breite Masse schafft das nicht, …

Einer, der selbstgerecht auf die anderen herabschaut, die Zöllner und Sünder, die Heiden …einer, der genau weiß, wie die sich wohl gefälligst zu verhalten haben, damit sie ein Gott wohlgefälliges Leben führen …

Wir haben das auch bei uns:

Du musst: die Mundkommunion, knien bei der Wandlung, jeden Tag de Rosenkranz beten … unhinterfragt die Formen und Bräuche einer bestimmten Zeitepoche, des 19. Jh., für immer und ewig einzementieren, beibehalten …

Menschen, die voller Eifer dem Rest der Menschheit zeigen zu müssen glauben, wo es langgeht, denn wir haben ja recht, wir sind die nächsten Verwandten Gottes …

Machtmissbrauch ist das im geistlichen Sinn: du musst glauben und tun was ich sage, leben, wie ich es vorschreibe, damit du Gott gefällst, dazugehörst, ein guter Katholik bist …

Zu dem Sagt Jesus: Nein, so nicht. Bemüh dich du mit allen Kräften – hör niemals auf – oder fang wieder an, nach Gottes Willen zu fragen – und der sieht unter Umständen anders aus, als ihr in eurer Engstirnigkeit und Selbstgerechtigkeit für möglich haltet!

Es werden viele schon vor euch zu Gott gelangen, ihr werdet euch wundern, wer aller da dabei sein wird …

Jetzt kenne ich in meinem Bekanntenkreis kaum wen, der so ist.

Möchte Jesus uns auch etwas sagen?

Vielleicht: Es ist nicht „eh alles wurscht“ … Es macht Sinn, dahinter zu sein – auch im religiösen Leben. Sein Gewissen zu bilden, danach zu handeln, sich anzustrengen …

Im feuchtfröhlichen Lied geht der Text übrigens weiter: Wir kommen in den Himmel, weil wir so brav sind – das sieht sogar Petrus ein, …“

Nein, ich glaub im Gegenteil, der gute Petrus, gerade er, sieht das ganz und gar nicht ein. Er war nämlich einer, der in seinem Leben sich vehement für das eingesetzt hat, was er jeweils für richtig erkannt hat. Ihm war sicher nichts wurscht. Er hat sich engagiert, viel gemacht und dabei viele Fehler gemacht, und er hat daraus gelernt.

Ich habe bereits einmal von dem Spruch erzählt, den mein Großvater im Büro in der BH St. Pölten aufgehängt gehabt hat:

Wer arbeitet, macht Fehler.

Wer viel arbeitet, macht viele Fehler.

Wer wenig arbeitet, macht wenig Fehler.

Wer wenig Fehler macht, wird befördert.

Wer keine Fehler macht …                             ist ein fauler Hund.

Menschliche ängstliche Denkweise ist: Nur ja keine Fehler machen!

Wir werden nicht n den Himmel kommen, weil wir so „brav“ sind. Es ist hier nämlich nicht die alte mittelhochdeutsche Bedeutung gemeint, wo brav tapfer, tüchtig, engagiert, mutig meint.

In den Himmel kommt, wer Mut zum Fehlermachen bewiesen hat und weiter bereit ist dazu – sich und anderen Fehler zuzugestehen.

Wer glaubt, in den Himmel kommen zu können, sobald er/sie keine Fehler mehr hat, wird nicht hineinkommen. Ganz einfach, weil dieser Fall nie eintreten wird…

Aber: Wir können üben, uns auf die Denkweise Gottes einzustellen. Wir können üben und lernen, uns beschenken zu lassen – und anderen gegenüber großzügig zu sein.