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Heute ein paar Gedanken dazu, warum die win-win-Lösung in meiner Familie bei der Weihnachtsfeier funktioniert hat – und warum es leider nicht überall und jederzeit möglich ist, dass Menschen eine solche Lösung akzeptieren oder zulassen können.

Im Beispiel vom Donnerstag, 2. Jänner hat meine Mutter akzeptiert, dass sie nicht die einzige Person ist, die dazu fähig oder vielmehr berechtigt ist, den Weihnachtsbaum zu schmücken.

Ich kenne heute, Jahrzehnte später, Frauen – Gleichaltrige in meinem Bekanntenkreis -, die um nichts auf der Welt jemand anderen (sprich: Ehemann, Kinder, auch wenn diese . B. 14 Jahre alt sind, …) diese Aufgabe überlassen würden.

Es gibt auch Familien, wo eine Änderung des Prozedere (wer ist an welchem Tag bei wem zum Essen oder Kaffee eingeladen inklusive Uhrzeit) auf gar keinen Fall und unter keinen Umständen denkbar ist.

Wir sehen schon: Fixe Vorstellungen, starre wie Dogmen feststehende Regeln sind oft die Ursache, dass eine gute Lösung, die für alle vorteilhaft wäre, nicht in die Tat umgesetzt werden kann.

Die Demut einzusehen, dass man selbst nicht mehr (sondern höchstens andere) Fähigkeiten hat als die anderen, dass man selbst nicht mehr Rechte hat usw., und die Bereitschaft, dazuzulernen und kommunikativ gemeinsam an Lösungen heranzugehen, sind nötig.

Win-Win-Situationen sind grundsätzlich bei Konflikten oder Problemen immer möglich – aber sie entstehen nicht von selbst.

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2. Seminartag

Als kleine Kinder sind wir völlig von unserer nächsten Umgebung abhängig. Im Normalfall sind es die Eltern, die uns beibringen, wie das Leben funktioniert – und zwar ganz einfach durch ihr Da-Sein, durch ihr Tun, durch ihr Vorbild. Sie brauchen uns nicht viel zu erklären. Wir bekommen automatisch mit, was erwünscht ist und was nicht – und was auf gar keinen Fall geht…

Bis ca. um Alter von 7 Jahren halten wir Erwachsene für unfehlbar; was sie sagen und tun, gilt uns als unumstößliches Gesetz.

Wir lernen aber ununterbrochen dazu, wir lernen stets neue Menschen kennen und werden mit anderen Werten, Vorstellungen, Lebenshaltungen … konfrontiert. Manche gefallen uns besser als die, die wir in der eigenen Familie vorfinden.

Spätestens in der Pubertät stellen wir sowieso alles in Frage, was Autoritäten so von sich geben… Dies ist die gesunde und normale Entwicklung, denn: Wir sind auf der Suche nach unserer eigenen Ordnung, nach unseren eigenen Werten, wir werden erwachsen.

Und das ist gut so – unsere Eltern sind ja wie alle Menschen in keiner Weise unfehlbar – und wir tun gut daran, immer wieder zu überprüfen, was Sinn macht und was eventuell über Bord geworfen gehört.

Jetzt kann es aber sein, dass wir gar nicht mitbekommen, dass eine Werthaltung die wir gelernt haben, nicht wirklich ok ist. Auch wenn das Beispiel übertrieben erscheint: Denken wir an einen Mafiaclan, in dem Kinder von klein auf lernen, dass es normal ist, wenn Stärkere die anderen mit Schutzgeldzahlungen erpressen, dass man Rache üben darf, …und dass Widerspruch dem Boss gegenüber absolut tabu ist, will man am Leben bleiben…

Es kann auch sein, dass Familienrituale ewig unverrückbar beibehalten werden, obwohl im Grunde niemand glücklich damit ist.

2 Beispiele:

Eine Familie in einer der Pfarren, die ich geleitet habe, fuhr jeden Sonntag zur Oma, die ca. 25 km entfernt wohnte; pünktlich um 11.30 mussten die Kinder mit PartnerInnen und Kindern antreten zum gemeinsamen Mittagessen plus anschließendem Kaffee und Kuchen… so ca. ab 15.00 Uhr war es möglich, den Heimweg anzutreten. UNMÖGLICH schien es, dieses Ritual auch nur an einem einzigen Sonntag auszulassen.

Man kann sich vorstellen, wie blockiert die jungen Familien in ihrer eigenen Sonntagsgestaltung gewesen sind … Sportveranstaltungen oder Erstkommunionvorstellgottesdienst mit Pfarrcafé usw. oder ein gemeinsamer Ausflug, wandern, schwimmen gehen … waren UNVEREINBAR mit dem Altgewohnten. „Das können wir der Oma/Schwiegermutter nicht antun …“ lautete der resignierte Kommentar.

Weder Außenstehende fragt sofort: „Warum nicht?“ …

Weites Beispiel:

Das gemeinsame Weihnachtsfest. Der Abend beginnt um 17.00 – seit mehr als 20 Jahren. Damals war diese Uhrzeit sinnvoll wegen der kleinen Kinder, die nach der Bescherung und dem gemeinsamen Essen spätestens um 20.00 todmüde ins Bett fielen…

Die Kinder spielen inzwischen bei einer Musikkapelle – und können UNMÖGLICH bei der Kindermette musizieren, weil sie dann nicht rechtzeitig um 17.00 zu Hause aufkreuzen … UNDENKBAR, dass die Beginnzeit z. B. auf 18.30 verschoben wird…

Ihr seht schon: Es gibt so manches, das unverrückbar erscheint. Eine Änderung würde allen Beteiligten entgegenkommen, sie froh und glücklich machen…

Die heutige Übung:

Welche Gewohnheit, welches Muster behalte ich immer noch bei, obwohl es weder einem Zweck dient noch irgendjemanden glücklich macht?

Was möchte ich ändern?

Gestern und vielleicht auch vorgestern seid ihr immer wieder mit Gedankenmustern konfrontiert worden, die euch davon abhielten, eure Wünsche u verwirklichen.

Das, WAS NICHT GEHT (angeblich; aber als Kind konntest du das nicht wissen, du hast deinen wichtigsten Bezugspersonen blind vertraut), starre Traditionen, fixe Vorstellungen, Mindset … , all das wird in der Regel in frühester Kindheit zugrundegelegt. Noch dazu mit der besten Absicht der Eltern oder sonstiger Erziehender.

Heute lade ich dich zu folgender Übung ein:

Forsche nach der ersten, frühesten Erinnerung in deinem Leben, als dir etwas verboten wurde. Wir sprechen hier nicht über Themen der Hygiene oder des guten Benehmens bzw. Verträglichen Verhaltens anderen Menschen gegenüber. Vielmehr geht es um Sinnloses, über gesellschaftlich gewachsene oder traditionell gedankenlos weitergegebene Zwänge, wie z. B.:

  • Mädchen dürfen nicht pfeifen
  • Buben spielen nicht mit Puppen
  • Buben weinen nicht
  • Mädchen werden nicht zornig
  • Lautes Lachen ist verpönt
  • Der Einschaltknopf an Radio oder Fernseher oder das Telefon waren tabu
  • Man berührt sich nicht „da unten“
  • Man oder eher: frau trägt keine bunten, schon gar keine roten Schuhe
  • (zu) auffällige Kleidung ist unerwünscht
  •  … oder du wurdest angehalten, mit bestimmten Personen nicht zu sprechen, keinen Umgang zu haben
  • … oder
  • … oder

Du wirst etwas finden, vermutlich sogar zwei oder mehr Dinge.

Es kann gut sein, dass du erst während deiner Jugendjahre oder noch später, z. B. in der Familie der Ehepartnerin/des Ehepartners auf vergleichbare Vorstellungen gestoßen bist. Dass von dir stillschweigend oder vehement gefordert wurde, mitzuspielen im Reigen der engstirnigen Verhaltensweisen … 

Schreib alles auf, was dir einfällt.

Wenn Tränen kommen oder Zorn dich packt: gut so! Lass es nur zu!

Nimm dir Zeit für deine Gefühle.

Und: Versuche, so ehrlich und vollständig wie möglich zu sein.

Für diese Übung am ersten wirklichen Tag der Reihe wünsche ich dir Kraft und Mut.

… diesmal in Haid.

 

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

 

Als Motto für den heurigen Erntedank hat sich der Liturgiefachausschuss „Blumenwiese“ ausgesucht. Wir bekommen auch als kleine Aufmerksamkeit im Lauf des Gottesdienstes ein kleines Sackerl mit Wiesenblumensamen geschenkt.

Was hat eine Blumenwiese mit dem Erntedankfest zu tun?

 

Im Evangelium spricht Jesus von den Lilien auf dem Feld. Da sind die normalen Wildblumen auf der Wiese gemeint. Die sollen wir uns zum Vorbild nehmen.

Weil Gott sie wichtig nimmt. Jede einzelne. Obwohl wir sie normalerweise nicht beachten, ist der Rede wert …

Wenn wir in der Blumenhandlung eine Rose oder Orchidee kaufen oder ein paar Gänseblümchen und Glockenblumen – was kostet mehr? Natürlich die besonderen, exotischen Blüten, die nicht von selber so wachsen … die Unscheinbaren von der Wiese hinter dem Haus gibt es im Geschäft nicht einmal.

 

Vor ca. 10 Tagen haben Marion, Frau Stöger und ich hinter die Pfarrkanzlei geschaut und festgetellt, es sieht furchtbar aus, alles wächst fast kniehoch und gehört vor dem heutigen Festtag dringend gemäht, was durch die Stadtgemeinde auch dankenswerterweise geschehen ist.

Ich habe angemerkt: He, auf dieser „wilden Gstätten“ wachsen mindestens 6 Heilpflanzen …:  Sauerampfer, Brennnesseln, Schafgarbe, Beifuß, Spitzwegerich, Gänseblümchen, Löwenzahn. Das, was wir oft als Unkraut bezeichnen, trägt unglaubliche Heilkräfte in sich.

Auch Holler, Weide, Walnuss, Beinwell, Wiesenkümmel, Johanniskraut, Frauenmantel, Augentrost, Gundelrebe, Baldrian, Königskerze, Pfefferminze, Wiesenthymian …

 

Die Wiesenblumen und -pflanzen, Kräuter schauen nicht nur hübsch aus, sondern könnten ein Zeichen für uns sein, dass Gottes Herrlichkeit und Liebe, auch Sorge um unser leibliches Wohlbefinden, sich überall – auf Schritt und Tritt – offenbart. Es ist gegen alles ein Kraut gewachsen…

 

Und wie es bei den unscheinbaren Pflanzen ist, so ist es auch bei uns im Leben.

Viele Kleinigkeiten nehmen wir als selbstverständlich, halten wir für nebensächlich oder unwichtig … und weil die wirklich großen Highlights, Höhepunkte eher spärlich auftreten, verlernen wir es, dankbar zu sein. Obwohl wir jeden Tag, ja beinahe jeden Augenblick Grund dazu finden würden.

 

Welche unscheinbaren Dinge sind das z. B.?

Das Wasser, das uns in unserem Land reichlich und in Topqualität zur Verfügung steht. Die Luft. Dass wir aus einer Vielfalt von Nahrungsmitteln reichlich auswählen können. Dass es medizinische Versorgung gibt, wenn wir sie brauchen.

Oder dass wir eben meistens keine brauchen, weil wir schmerzfrei stehen und unsere 5 Sinne gebrauchen können.

Das freundliche Grüßen der Nachbarn. Das Schnurren der Hauskatze. Unser Zuhause. Der Ehepartner. Die Kinder und Enkel, Freunde, der Verein, ein kleines Geschenk, ein Lächeln, ein  bereinigtes Missverständnis, jedes Dazulernen, kleine Zufälle, die uns erfreuen und drauf aufmerksam machen, dass da im Universum jemand ist, dessen Liebe uns voll Macht ununterbrochen wirksam umgibt und begleitet …

Liebe Brüder und Schwestern, Jesus möchte uns vermitteln:

Gott will uns glücklich haben.

Wenn wir achtlos durch den Alltag gehen, oder noch schlimmer, immer bejammern, was alles nicht funktioniert, nicht da ist, lästig oder furchtbar … dann verlernen wir nicht nur dankbar zu sein, sondern kommen in so eine Grundhaltung hinein: als ob immer alles zuwenig wäre. Als ob wir ja so arm wären …

Gott will, dass wir uns reich beschenkt fühlen, was wir ja auch tatsächlich sind.

 

Die Welt ist nach menschlich bürgerlichen Maßstäben unperfekt. Aber genau das macht sie wunderbar. Gott hat keinen englischen Rasen geschaffen, sondern wildwuchernde Pracht und Herrlichkeit. Es wächst sozusagen im Garten, auf den Wiesen und überall weitaus mehr, als wir in unserer Kleinkariertheit und Engstirnigkeit für nützlich halten. Die Schöpfung verdient es, dass wir ununterbrochen staunen und uns freuen.

 

Eine kleine Übung zur Steigerung unseres Glücks schlage ich Ihnen heute vor:

Suchen wir uns wie die Kinder heute an jedem Abend drei Dinge, für das wir dankbar sind. Fangen wir noch heute damit an. Und sprechen wir unseren Dank auch aus – Gott gegenüber und den Menschen, von wem halt gerade etwas Gutes kommt.

 

 

 

 

Die Predigt: