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Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit.

Barmherzigkeit: Was ist das überhaupt?

Begnadigung von Häftlingen – fällt mir spontan dazu ein.

Wenn nicht die Folge einer Handlung eintritt, sondern es gut oder besser weitergeht als erwartet.

Wenn die Folge eines Verhaltens eintritt, dann nennen es viele „Karma“.

Die indische Religion geht davon aus, dass Menschen verantwortlich sind für ihre Zukunft im Jenseits bzw. für die Art und Qualität ihrer Wiedergeburt oder Erlösung.

Beim Training im positiven Mindset haben wir das auch immer wieder: Unsere Gedanken, unsere Vorstellungen beeinflussen, wer wir werden – entscheiden über Erfolg oder Misserfolg, wenn man will.

Absolute Selbstverantwortung jedes Menschen für das eigene Schicksal.

Da spart man aber eine Dimension aus:

Gott/Göttin, höhere Macht – tut ebenfalls etwas: Sie setzt dieses Gesetz des Karma außer Kraft.

Menschen sind nicht an ihre Vergangenheit, an ihre gesetzten Taten gebunden – sondern können jederzeit umdenken, anders handeln – und ab diesem Zeitpunkt gilt dann das Neue.

Die Folgen des Früheren bleiben aus.

Es gibt keine Strafe.

Nur eine Bedingung: Wenn wir das wollen.

Reihenweise reden ja Leute heutzutage vom Karma, als ob es Bibel und Christentum nicht gäbe, als ob Jesus nie gelebt hätte…

Die kommen gar nicht auf die Idee, dass es was anderes auch noch gibt – Barmherzigkeit eben. Vergebung im Vollsinn des Wortes- Gnade hat man lange Zet dazu gesagt.

Da es ja ein Geschenk ist – Gnade heißt auf lateinisch gratia – es ist gratis. Die Bedingung: Wenn wir das Geschenk nicht annehmen, haben wir es nicht – obwohl es für uns da wäre, obwohl es bereit liegt.

Also…

Liebe Leute: Lassen wir uns beschenken! Ein Neuanfang ist jederzeit möglich.

Liebe Brüder und Schwestern!

„Meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt …“, sagt Jesus im Evangelium zu den JüngerInnen und Jüngern. Er sagt es heute zu uns. Was meint er denn damit?

Frieden: da kann Verschiedenes damit gemeint sein – in unserer Sprache verwenden wir für alles dasselbe Wort.

Pax: Der Begriff aus dem Imperium Romanum, der römischen Weltmacht. Gemeint war: Ruhe und Ordnung, die durch ständige Gegenwart des römischen Militärs in sämtlichen Provinzen des Reiches hergestellt worden war – und aufrecht erhalten wurde mühsam, mit strengem Durchgreifen, mit Grausamkeit und einheitlichen genauen Normen für alles und jeden. Palästina war eine dieser römischen Provinzen, das kannte man dort. Eine Art Friedhofsruhe – vergleichbar vielleicht mit dem ehemaligen Ostblock: da rühmte man sich damit, dass man die niedrigste Verbrechensrate der Welt hatte – klar, ständige Überwachung, Bespitzelung und rigorose Bestrafung für alles Abweichende waren ja an der Tagesordnung…

Und dann gibt es noch eine andere Art des Friedens.

Die Heilige Schrift hat dafür den Begriff „Schalom“. Das meint weit mehr als die Abwesenheit von Krieg. Es meint das völlige Fehlen von Gewaltausübung – denn die war bei der Pax Romana notwendig… Es steckt Fülle drin. Vielfalt, Toleranz, ein liebevolles Miteinander. Gerechtigkeit, Lebensfreude, Sinn… Dass alle ausreichend haben, was sie benötigen, dass jede einzelne, Frau, Mann, Kind, jedweder Herkunft und Aussehens, … zu seinem/ihrem Recht kommt. Leben in Freiheit, Würde, und einem gewissen Luxus. Mit ausreichend Freizeit, Kultur, Sport, Bildung, medizinischer Versorgung… Der Anklang des Paradieses… Dies alles auf der Grundlage eines gesunden Gott- und Selbstvertrauens. Glückliche Menschen, die stark sind, frei und gebildet und in sich ruhen, begehen kein Unrecht.

Es ist ein so umfassender Friede, der unsere menschliche Vorstellungskraft und das was wir gewohnt sind, übersteigt und den es nicht ohne Hilfe von oben gibt – Jesus sagt: Er selbst will ihn uns geben.

Es gibt nur eine einzige Bedingung: Wir müssen es wollen.

Jahwe ist selber der Inbegriff dieses Friedens – er zwingt uns nicht, oktroyiert uns nichts auf. Mit Ruhe und Ordnung, alle gleichgeschaltet, haben die himmlischen Mächte nichts am Hut.

Wir erleben ja, dass dieser Schalom nicht verwirklicht ist auf unserem Planeten.

Wieso eigentlich nicht?

Am Anfang des heutigen Evangeliumstextes spricht Jesus dreimal von Gott: „der Vater wir lieben, wer an Jesu Wort festhält – die Worte Jesu stammen vom „Vater“ – und der „Vater“ wird „den Heiligen Geist“ schicken.

Der griechische Urtext tut da genau das Gegenteil. Er hält sich nicht an Jesu Worte. Haben Sie das gewusst?

Wie hat Jesus JHWH genannt? ABBA. Papa, Papi, lieber Vati. Oder warum auch nicht gleich „Mama“ – aber wenn Jesus zu JHWH Mama gesagt hätte, wöre er nach seiner ersten Predigt nicht mehr auf der Bildfläche erschienen, weil gesteinigt und mausetot.

Jesus hat aramäisch gesprochen – und: Er verwendet jedenfalls das Kosewort des kleinen Kindes, das zum Beispiel ein Spielzeug nicht selber derglengt im Regal oben und sagt, Papi, bitte Teddybär… Wenn da immer und immer wieder „Vater“ im Text steht, stellen sich Menschen der letzten 1950 Jahre zumindest eher so einen Familientyrannen vor, der nur in Erscheinung tritt, wenn es schlimme Kinder zu bestrafen gilt, dem man es nur ja immer recht machen muss, Patriarch … Familienoberhaupt, das für Ordnung sorgt und Gehorsam verlangt – nach dem Muster der Pax Romana.

Solange Menschen dieses Gottesbild mit allem Drum und Dran im Kopf haben, wird es den Schalom im Sinne Jesu nicht geben.

Mit dem Heiligen Geist ist durch die Übersetzung Ähnliches geschehen: Ruach – lebendiger Atem Gottes, Leben, Hauch der wärmt oder kühlt, je nachdem, was grad nötig ist … ruach ist ein weibliches Wort. Die große Theologin Dorothee Sölle hat es mit „Lebensstiftende Aufregung Gottes“ übersetzt.

Im griechischen Text steht pneuma. Luft. Noch ärger in der lateinischen Übersetzung. Spiritus. Geist. Wie beim Spiel „Stille Post“ – Einer übersetzt vom anderen – und immer wird es ein bisschen anders…

Wo ist da jetzt in alle dem die Frohe Botschaft für uns?

  • Gottes gute Geistkraft liebt uns Menschen und lehrt uns tatsächlich alles, was wir benötigen. Was Sache ist, wie es Jesus gemeint hat.

Und das ist die Voraussetzung für den Frieden, wie Jesus ihn sich vorstellt. Den Schalom Gottes. Das, worum wir eigentlich beten, wenn wir sprechen: „Dein Reich komme“. So und nur so, in der ständigen Rückbindung an Jesus und die Ruach und Vergewisserung, wie wir jetzt im konkreten Fall tun sollen – und dann mit unserem vollen Einsatz -,wird dieser Friede möglich sein.

Liebe Brüder und Schwestern!

Das Gleichnis aus dem Lukasevangelium, das wir eben gehört haben, ist nicht nur einer der bekanntesten Texte unter Christen, sondern ist weltweit bekannt, gehört praktisch zur Weltliteratur.

Worum geht’s?

Der jüngere Sohn ist erstens an seiner Notlage selber schuld.

Zweitens kehrt er bemerkenswerterweise nicht zu seinem Vater zurück, weil er plötzlich große Sehnsucht nach seiner Familie verspürt, sondern schlicht und einfach, um nicht zu verhungern.

Dann bekommt er nicht nur gerade das Notwendigste, sondern wird als Mitglied der Familie wertschätzend wieder aufgenommen.

Und viertens regt sich sofort jemand auf, der eigene Bruder, bei dem, der geholfen hat, dass es ihm wieder gut geht.

Mit all dem ist die Caritasarbeit und die Menschheit allgemein ständig konfrontiert.

Viele helfen leichter und lieber, wenn Menschen unverschuldet in Not geraten sind, aufgrund einer Katastrophe, Brand, Unfall, Krankheit … Das ist oft ganz wichtig bei der Berichterstattung in den Medien, bei Hilfs- und Spendenaufrufen.

Wenn da wer „selber schuld“ ist, auch nur vermeintlich, schaut die Sache schon anders aus. -Aha, der war eingesperrt, die haben sich scheiden lassen, da sind Drogen, Alkohol, Spielsucht die Ursachen, oder die Menschen, die ihr Land wegen der dort herrschenden Not oder wegen des Krieges verlassen …….…man hört sogar den Ausspruch „Ich bin ja nicht die Caritas“

Nun: Wir sind die Caritas, schließlich sind wir Christinnen und Christen – oder?

„Die Caritas hilft allen, da wird gar nicht mehr gefragt, ob das Christen sind, ja wenn die alle wenigstens in die Kirche gehen würden!“ – Der Vorwurf ist auch zu hören.

Gottseidank ist das seit mehreren Jahrzehnten so, dass man nicht Kirchgänger sein oder einer bestimmten Religionsgemeinschaft angehören muss, um Hilfe zu erfahren.

Das Kriterium, ob jemandem geholfen wird, ist die Notlage, dass es ein Mensch ist, der oder die Hilfe braucht. Sonst nichts.

Die Organisation der Caritas arbeitet – auch seit mehreren Jahrzehnten – höchst professionell. Durchdacht, strukturiert und wissenschaftlich und weltanschaulich, christlich theologisch fundiert.

Das christliche Menschenbild kennt nur Familienmitglieder auf Augenhöhe. Eine Hilfe von oben herab, so ein bisschen Almosen auf der Basis „mei bist du arm“, wo es Underdogs gibt, die irgendwie doch nicht so ganz dazugehören, weil man für sie sorgen muss, weil sie selbstständig nicht über die Runden kommen, weil sie das gesellschaftliche schöne Bild – alles perfekt, gesund, wohlsituiert – stören … so etwas kommt nicht in Frage.

Der ältere Bruder, der ordentliche brave Bürger, hätte sich, denke ich, nicht aufgeregt, wenn der abgesandelte Heimkehrer tatsächlich als Tagelöhner hätte arbeiten müssen. 

Jesus erzählt dieses Gleichnis ja gerade deswegen, weil die damaligen „Guten“ es in keiner Weise eingesehen haben, dass die Zöllner und Sünder die gleichen Chancen bei Gott haben, von Jesus Zuwendung und Heil erfahren.

Und: Missgunst und Neid, auch allzustrenges „Bravsein“, verstellen den Blick. Ich finde es höchst bezeichnend, dass der ältere Bruder, der tüchtige, anständige Bürger, es die ganzen Jahre, die er „seinem Vater dient“, nicht auf die Idee kommt, dass er ja selber der Eigentümer oder zumindest Miteigentümer ist – er sieht nur das Negative, fühlt sich als Knecht und unrecht behandelt.

Wie geht es uns da?

Wie fühlen wir uns?

Reich beschenkt vom Universum?

Eines lehrt das wunderbare Gleichnis nämlich noch: JHWH ist überaus großzügig. Wie oft und wie sehr und aus welchen Gründen wir unser Vermögen verspielen, Misserfolg haben, scheitern …; Die Fülle steht für uns bereit, und jederzeit und unter allen Umständen sind wir geliebt und Anwärterinnen für die Fülle und den Reichtum. Immer und immer wieder. Bedingungslos. Einfach, weil wir ihre Kinder, Töchter oder Söhne, sind.

Predigt zu Mariä Empfängnis 2024

L

Ohne Erbsünde – Erbsünde, was ist das überhaupt? Was wird da ver- oder geerbt – und von wem?

Liebe Brüder und Schwestern!

Das Wort ist eine sehr schlechte Übersetzung.

Im Lateinischen heißt es „peccatum originale“.

Originalsünde. Wir wissen was ein Original ist – die Ur- oder 1. Sünde ist sozusagen das Markenzeichen der Menschen. Wir haben das Copyright darauf.

Es ist zugleich die Ursache aller weiteren Sünden, Fehlhaltungen und Schandtaten, die Menschen begehen können und auch immer begangen haben. Der Grund für diese.

Woran leiden Adam und Eva – im Mythos so dargestellt – eigentlich, in welcher Beziehung verhalten sie sich falsch?

Sie kündigen Gott das Vertrauen auf.

Sie lassen sich von jemand X-Beliebigem, den sie gar nicht kennen und zu dem sie keinen Bezug haben, einreden, dass ihnen etwas fehlt. Man muss sich das vorstellen: Dass ihnen im Paradies etwas abgeht.

Jemand stört das Vertrauen, das gute Einvernehmen, die Beziehung zwischen den ersten Menschen und Gott.

Und gleich ist auch die Beziehung zueinander gestört – statt Vertrauen hat Adam plötzlich Angst vor Gott – und so kündigt er Eva, dem Liebsten, was er haben sollte, auch gleich das Vertrauen auf – gut dastehen will und muss er schließlich.

Fehlhaltungen entstehen aus einem Mangel an Vertrauen.

Schauen wir uns an, was aus dem Feiertag, dem 8. Dezember, geworden ist:

Es ist ja typisch menschlich, sich schnell einmal benachteiligt vorzukommen.

Die Diskussion um den 8. Dezember begann, als der 8. Dezember auf einen Adventsamstag fiel, langer Einkaufssamstag hieß das früher. Da erwartete man sich Umsatz, den großen Geschäftsgewinn – schrecklich, geschlossen halten zu müssen, keiner kann einkaufen gehen, und besonders in grenznahen Gebieten fürchteten Geschäftsleute, Kunden würden ins nahe Ausland ausweichen. Geschäftsentgang.

Da könnte einer das Geld verdienen, mit dem eigentlich ich gerechnet hätte …

Es ist dann nur logisch, dass, gleich in welchem Berufszweig, auch am Sonntag gearbeitet werden muss – sonst erwirtschaftet man ja um ein Siebentel weniger …

Kriege entstehen, weil sich Völker im Vergleich zu ihren Nachbarn benachteiligt fühlen.

Gewalt, Raub, Raubbau an der Natur und an der menschlichen Gesundheit, Diebstahl, Verleumdung, Mobbing …

Und so weiter und so fort …

Genau diese Grundhaltung hatte Maria nicht.

Im Gegenteil. Das genaue Gegenteil wird von ihr gesagt: „du bist voll der Gnade“.

Du bist reich beschenkt. Sie hatte diesen Mangelkomplex nicht, als ob Gott oder wer immer ihr etwas vorenthalten würde. Sie sagt um Verkündigungsengel nicht: O, ich bin nicht würdig… da gibt es besser Geeignete … wie lange hab ich Bedenkzeit … ich schaffe das nicht…

Nein. Selbstbewusst und im Vertrauen auf Göttins Hilfe erklärt sie sich bereit, das Wagnis und die große Verantwortung auf sich zu nehmen, nimmt sie es, Konigin bzw. Königsmutter zu sein.

Wir alle sind das im Grunde genommen auch: befreit von unserem ererbten Markeneichen. Die Taufe beseitigt die Erbsünde, so formuliert es die Theologie.

Also dann …

Aber mit uns ist es oft so wie mit einem Haus, dessen Fensterläden geschlossen sind. Erst wenn wir die aufmachen, kann das Licht hineinströmen. Wir sind wie vernagelt, wie es so schön heißt…

Maria war offen und empfänglich. Sie hat die Fülle Gottes, alle Geschenke, zu sich, in ihr Leben strömen lassen.

Wir können das lernen, so zu sein. Wir brauchen nur zu sagen: Bitte, ja ich möchte das. Probieren wir es doch!

Predigt                                                                       10. 11. 2024, gehalten in Kienberg, NÖ

Liebe Brüder und Schwestern!

Die Lebensbedingungen der Ärmsten, der Witwen, sind Gradmesser für die Gesundheit , den Entwicklungsstand der Spiritualität einer Gemeinde/ eines Systems.

„Ich hab ja nichts zu verschenken.“

Können Sie sich noch an diesen Satz erinnern?

Vor einer Reihe von Jahren kam er regelmäßig in der Werbung vor: Niki Lauda, einer der reichsten Menschen Österreichs, sprach ihn aus. Er lässt sich die Reste von seinem Mittagessen einpacken. Dagegen ist nichts einzuwenden, es ist schließlich wirklich schade drum und muss sonst weggeworfen werden.

Bedenklich, und zwar sehr, finde ich die Mentalität, die da angesprochen und verstärkt wird unter der Normalbevölkerung. Wenn einer der Superreichen nichts zu verschenken hat, wieso soll dann ich als Durchschnittsbürger/in …?

Wo ich doch ganz sicher weniger habe als der …

Dabei ist diese Geisteshaltung ohnehin schon viel zu stark verbreitet. Sich benachteiligt oder arm vorzukommen und sich mit diesem Argument ins private Dasein zu vertschüssen, sich aus der Verantwortung für die Allgemeinheit und vor dem Anspruch der Nächstenliebe zu verstecken.

Eine Legitimierung des Egoismus. Da braucht man kein schlechtes Gewissen mehr zu haben, wenn sogar der nichts hergibt …

Es ist eine traurige Tatsache und weltweit zu beobachten, dass ärmere Menschen gastfreundlicher sind als wohlhabendere. Woran das liegt? Vielleicht bekommt Besitz ab einer gewissen Höhe des Wertes eine Eigendynamik, wo einem dann leid drum ist, dass mans hergibt … Oder man vergisst ganz einfach, wie es ist, in Not zu sein ….

So gesehen hat der Prophet Elia Glück gehabt, gerade auf die Witwe in Sarepta zu treffen, die selbst fast nichts mehr hatte.

Und so gesehen ist es vorbildlich und lobenswert, wenn die vielen Reichen im Evangelium viel in den Opferstock werfen. Das findet auch Jesus.

Was er tut, ist, die Leistung der Witwe besonders hervorzuheben.

Diese hat nämlich ihren ganzen Lebensunterhalt hergegeben. Hergeschenkt.

Wieso macht sie das?

Oder, besser gefragt: Wie kommt sie dazu, was bringt sie dazu?

Wo nimmt sie die Kraft her, das Vertrauen?

Wo hat der Hl. Martin, dessen Gedenktag wir morgen feiern, die Kraft hergenommen, das einzige, was er hatte, herzugeben? Den halben Mantel?

Es ist, so dürfen wir annehmen, genauso eingeübt wie das Mangeldenken, unter dem viele in unserem Land leiden – und das aus politischem Kalkül jahrelang hochgezüchtet wurde.

Ja, Jesus meint, wir können lernen, von der Fülle her zu denken, vom Beschenktsein her – im Stand der Gnade leben hat man früher einmal gesagt.

Die Witwe in Jerusalem konnte das. Obwohl sie ihren Mann verloren hatte und am Existenzminimum angekommen war.

Sie kommt ja in den Tempel, sie betet, weiß sich mit Gott verbunden.

Was können wir tun, um dieses Bewusstsein der Gnade, des Beschenktseins, zu bekommen – und dann daraus zu schöpfen?

Denken wir doch an unsere Vergangenheit – wo in unserem Leben bisher haben wir erlebt, dass Gott bei uns ist – uns hilft – uns etwas schenkt, weil wir darum gebeten haben – oder ohne dass wir darum gebeten haben? Glückliche Zufälle, unbeschwerte Tage, ein schöner Urlaub oder Waldspaziergang – die Schöpfung, Berge, Flüsse, Seen, Wiesen, das Meer, … Menschen, die wir lieben – mit denen wir uns versöhnt haben – Gesundheit – oder Heilung in Krankheit?

Die Fülle unserer Fähigkeiten und Möglichkeiten …

Oder einfach eine Art Geborgenheit – stiller Frieden inmitten des Alltagsstress?

Gott ist in unserem Leben auch jetzt gegenwärtig.

Es gibt nichts, was er uns nicht schenken könnte.

Gewöhnen wir uns offene Herzen und Hände an – um seine Fülle zu empfangen – und um sie weiterzugeben.

Übung: 10 Dinge, für die ich dankbar bin … jeden Abend aufschreiben

Als Meditation ur Übertragung der Hostien noch einmal…

Predigt zum 3. Fastensonntag 2024, gehalten beim Gottesdienst in Lunz am See

Liebe Mitchristen!

Die 10 Gebote. Wie haben Sie die kennengelernt? Wahrscheinlich im Religionsunterricht in der Schule. Und ziemlich sicher einfach zum Auswendiglernen. Sie sind ja weltweit bekannt. Und den meisten kommen die Gebote 4 bis 10 normal, verständlich vor selbsterklärend – die ersten drei, die sich auf Gott beziehen stehen halt auch noch da.

Aber wieso? Dazu gibt es eine Hintergrundinformation. Die Geschichte drum herum – und wenn wir die nicht kennen, fehlt Wesentliches.

Erinnern Sie sich an den Einleitungssatz – bevor die Gebote aufgezählt werden?

„Ich bin der Herr, der dich auf Ägypten herausgeführt hat.“ Am Anfang steht all das Großartige, das Gott für uns getan hat. Damals für das Volk Israel: wir kennen die Geschichte: Von der Sklaverei befreit, die längste Zeit in der Wüste auf wunderbare Weise erhalten, in das Land gebracht, in dem Milch und Honig fließen. Reiche Fülle.

So hat Gott die Basis, die Grundlage geschaffen für das Vertrauen, das Menschen ihm entgegenbringen dürfen.

Gott möchte nichts anderes, als dass es uns gut geht. Dass wir glücklich sind.

Wieso steht da dieser grausige Satz: Die Schuld der Eltern verfolge ich an den Kindern? Weil die Erwachsenen mit ihrem Verhalten vorzeigen und vorleben, Gutes wie Schlechtes. Kinder wachsen in eine Kultur und ein Umfeld hinein. Mit all den Fehlhaltungen…

Du sollst dir kein Gottesbild machen. Die Erfahrung zeigt: Menschen zu allen Zeiten haben sich Bilder von Gott gemacht. Der alte Mann mit weißem Bart ist so eines davon. Menschen haben sich Gott vorgestellt wie die Herrscher, die sie in ihrer Umwelt gekannt haben. Wie politische Machthaber, in unseren Breiten wie Familienoberhäupter im Bürgertum und im Bauernstand. Und wie man so einem Patriarchen gegenüberzutreten hatte, so stellte man sich vor, dass Gott das auch möchte. Opfer, Geschenke, um ihn gnädig zu stimmen. Wohlverhalten. Besonders positiv auffallen, damit er mir sein Ohr zuneigt. Klar können wir Gott etwas schenken – unsere Zeit und Aufmerksamkeit, Danke sagen z. B. und schätzen und würdigen, was Gott schenkt, indem wir es genießen und uns daran freuen.

Im heutigen Evangelium regt sich Jesus im genau darüber auf: Der Opferbetrieb im Jerusalemer Zentralheiligtum bedient und verstärkt ein schiefes Gottesbild. Als ob man sich Gott andienen, ihn sich geneigt machen müsste… Kinder schenken ja auch der Mutter zum Muttertag nicht etwas, damit sie in Zukunft für die Kinder etwas tut, für sie sorgt, sie liebt …

Das Gottvertrauen – dass da jemand über alle Maßen gut es meint und super für mich , für uns alle, sorgt, dass ich total geliebt bin – das ist die Grundvoraussetzung des guten Lebens, das wir vor Gottes Angesicht haben können.

Wo Menschen das nicht mehr haben, wo diese Basis fehlt, da braucht es erst die weiteren  Gebote. Andere Götter – wir sollen nicht anderes anbeten, für über alle Maßen wichtig halten. Den Umständen, den Sachzwängen, Politikern, Krankheiten, irgendwelchen Gurus oder Heilsversprechen mehr Macht zutrauen, sie für mächtiger halten als Gott selbst. Weil wir dann nämlich in Panik verfallen, und nicht mehr wissen was wir tun.

Weil Menschen dann sich selber stressen und glauben, sie müssten rund um die Uhr verfügbar sein, arbeiten wie besessen, auch am Sonntag, sich keine freie Minute mehr gönnen, wo nur mehr Leistung zählt, Anerkennung bei den Mitmenschen, Erfolg um jeden Preis.

Die Schwachen, die nicht mithalten, die Pflegebedürftigen Alten z. B. werden als weniger wert angesehen.

Und weil ich ja ständig selber sorgen und ruachln muss, nicht mit
Gottes Hilfe rechne, darf ich ein bisschen tricksen. A bisserl Unehrlichkeit erscheint einem dann nicht nur erlaubt, sondern notwendig. Die Wahrheit verdrehen, Wichtiges verschweigen, andere auflaufen lassen, …unfair und nicht hilfsbereit agieren … Ich muss mir möglichst viel nehmen, auch von anderen zur Not, damit ich immer sicher sein kann, genug zu haben.

Die Lebensgrundlagen in weiten Teilen der Erde werden zerstört – Stichwort Amazonas – oder Landraub in Afrika und Asien um Palmöl und Biotreibstoff anzubauen oder Baumwolle für Massenmodeartikel. Kriege werden geführt, weil man das Nachbarland besitzen möchte.

Normalverbraucher bei uns erleben Mobbing – Rufmord. Hasspostings. Beginnen kann es ganz klein – mit der Tratscherei, die jemand so ein bisschen in ein schlechtes Licht rückt…

Angst, es könnte zu wenig für uns da sein. Neid, Missgunst, Habgier … der Trugschluss: weil da wer mehr hat, haben andere zu wenig… statt Gottes unerschöpflicher Fülle zu vertrauen.

Das alles könnte auch ganz anders sein. Nur: Wo bekommen wir dieses Gottvertrauen her, wenn wir es nicht haben?

Ich möchte Sie zu einer Übung einladen. Nehmen Sie sich heute oder morgen Abend ein bisschen Zeit, ein paar Minuten. Schreiben Sie 10 Dinge, Ereignisse, Zufälle, Menschen … auf, für die Sie an diesem Tag dankbar sind. Halten Sie für möglich, dass es kleine Zeichen der Liebe Gottes sind für Sie persönlich.

Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Und Freude. Und Vertrauen.

Mittwoch,                             

22. 3. 2023, 19.00

Pfarrsaal Pucking                    

Mit MMag. Dagmar Ruhm,

Pfarrassistentin                                                    

Thema:

Fastenzeit – fade Zeit, Verzicht, Einschränkung …? Oder: Sehen lernen, was da ist – in meinem Leben, im Glauben, in der Natur, … und mit Freude verwenden und genießen.

       Was mich erwartet:

        Impuls, kreative und meditative Übungen,   

        spirituelle Texte, saisonale Köstlichkeiten, die

        wir gemeinsam zubereiten und genießen.

Anmeldung erforderlich:

0676 87765305

Unkostenbeitrag: EUR 10,-   

Predigt                         Segnung für Liebende    11. 2. 23,19.00

Liebe Brüder und Schwestern!

Dieser Bibeltext, den wir soeben gehört haben, wird oft und gern bei Hochzeiten ausgesucht. Ja, weil es um eine Hochzeit dabei geht, natürlich. Aber da steckt noch mehr dahinter.

Die Verwandlung von Wasser in Wein, in einer unglaublichen Menge. 600 Liter sind ja wirklich nicht gerade wenig.

Bisschen schräg, was da von Jesus erzählt wird. Manchen kommt das beinahe unmoralisch vor. Will er alle betrunken machen?

Liebe Brüder und Schwestern, Jesus zeigt da etwas davon, wie Gott ist. Wie Gott es meint mit den Menschen, mit uns. Mit Ihnen, … mit jedem und jeder.

Gott gönnt uns alles Gute in großer Fülle. Es gibt da keine knausrige Kleinkariertheit, bürgerliche Engstirnigkeit, was jemandem unter Umständen gerade noch zusteht und was nicht. Kalkulation und Berechnung. Weil: es könnte ja irgendwann aus sein, die Ressourcen sind begrenzt, einmal wird es zu Ende sein mit dem Segen…

Nein, bei Gott gibt es keine Knappheit, keine Missgunst und Zurückhaltung …

Gott wünscht sich nichts mehr, als dass wir in Freude und Fülle leben. In Begeisterung.

Alles möchte er uns, IHNEN, schenken und noch mehr.

Aber – jetzt kommt das große ABER.

Die Menschen müssen auch etwas machen dafür. Im Evangelium ist es zunächst nötig, dass die Diener Jesus Vertrauen schenken. Zutrauen, dass er weiß, was er tut, ist ja keine Kleinigkeit, die 6 großen Krüge zu füllen, das bedeutet schließlich Wasser schleppen. Das ist ganz schon anstrengend. 60 Gänge zum Brunnen und zurück mit einem 10-Liter-Eimer.

Wir bitten heute Gott um seinen Segen. Das heißt, wir vertrauen ihm, trauen ihm zu, dass er sich um uns kümmert, uns begleitet, Situationen in der Zukunft zum Guten wendet, Sie als Paar und Familie – genauso aber auch als Einzelperson wachsen und gedeihen lässt.

Viele ganz junge Paare haben am Anfang in der Phase der großen Verliebtheit NICHT im Blick, dass sie auch selber an der Beziehung arbeiten werden müssen. Dass eine gute Freundschaft, Beziehung, Partnerschaft … kein Zufall ist und nicht einfach so vom Himmel fällt.

Gottes Segen meint: Unterstützung auf jeder Linie, wenn wir erproben und lernen, wie das geht, schwierige Zeiten gemeinsam zu überstehen.

Diese Anstrengung, dass Menschen das Ihre tun, ist Voraussetzung, dass Gott das Seine in der besten Weise tun kann.

Er stattet uns mit Fähigkeiten und Begabungen aus, damit unser Glück von Dauer sei, damit Beziehung gelingt.

Aus den vielen Kleinigkeiten, wo wir im Alltag Verständnis zeigen, Selbstbeherrschung, Verzeihen, ein Lächeln, wo uns zuerst gar nicht danach ist, wo wir den ersten Schritt machen, eine winzige Geste oder Aufmerksamkeit … das sind die vielen Tropfen und Liter Wasser, die Gott in die Kostbarkeit einer wundervollen Beziehung verwandelt …

Und zur Erinnerung daran, dass das so ist, habe ich heute Weihwasser mitgebracht. Diese 2 Tropfen, mit denen wir ein Kreuz auf die Stirn uns gegenseitig zeichnen – oder bekommen -, ergeben, wenn wir es oft tun, auch eine ganz schöne Menge.

Und nach dem Gottesdienst dürfen wir miteinander anstoßen mit einem Glas Sekt- Auf die Liebe, auf das Leben, auf Gottes Sein mit uns.

Predigt Erntedank 2022                                                      Pucking

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Danken für das, was uns Kraft und Energie gibt – das habe wir uns im Vorbereitungsteam heuer als Thema ausgemacht.

Anlass war da die Angst vor der drohenden Knappheit von Gas und der Verteuerung sämtlicher Energiequellen. Aber natürlich geht es um unsere Ressourcen als Menschen, als Christen – welche Kraftquellen stehen uns zur Verfügung? Geistig, spirituell …?

Kinder, ihr habt aufgezeichnet oder aufgeschrieben, was euch Kraft gibt für euer Leben. Schauen wir uns einmal eure Zeichnungen an:

Gründe für Verzweiflung gibt es derzeit viele. Krieg in europa, absurd hohe Inflation und die Gefahr kalter Wohnungen im Winter sind nur einige davon, die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

So heute im Standard auf Seite 16.

Die Tageszeitung „Der Standard“ widmet an diesem Wochenende eine ganze Beilage dem Thema: Was können wir tun bei großen Sorgen – Menschen erzählen, wie sie mit extremen Situationen fertiggeworden sind, sie bewältigt haben. Ganz wichtig waren: Dankbarkeit für das, was gelungen ist, was schön ist – und Humor – dass wir was lustig finden und darüber lachen.

Dankbar werden wir und Kraft gibt uns, wenn wir uns erinnern, was wir schon alles geschafft haben. Wie wir in der Vergangenheit mit Schwierigkeiten umgegangen sind, wie wir Auswege, Lösungen gefunden haben.

Denn wenn es früher ging, dann ist klar, dass es jetzt, heute ebenfalls möglich ist.

Wir vergegenwärtigen uns, was uns irgendwann einmal Kraft und Energie gegeben hat – und wenden das Gelernte an.

Im Evangelium sagt Jesus, wir sollen uns nicht ängstlich sorgen – denn Angst ist eine schlechte Ratgeberin.

Problem- und Sorgenkoma, wo Menschen die Chancen und das Gute nicht mehr sehen können… das ist eigentlich keine Haltung, die für glaubende Christen angemessen ist.

Ja, wir können etwas bewirken – und wir sollen das auch.

Auch etwas ganz Kleines kann sehr hilfreich und kostbar sein. Und manchmal sehen wir den Wert noch auf den ersten Blick.

Wie bei einer Nuss.

Eine Nuss hat eine Schale. Eigentlich hat sie sogar zwei, die grüne ist bei diesen Nüssen schon weg. Diese harte Schale kann heute ein Hinweis sein: Um an die Nuss zu gelangen, müssen wir uns etwas einfallen lassen. Uns ein anstrengen, ein bisschen zumindest.

Gott schenkt uns im normalen Leben alles mögliche, das uns zuerst ungenießbar vorkommt, hart, schwierig zu bewältigen… und wo wir erst nach und nach das Kostbare daran erkennen.

Ein Sprichwort sagt. Gott schenkt uns Nüsse, aber er knackt sie nicht auf.

Und das ist sehr gut so. sogar menschenfreundlich.

Wir wären auf Dauer gar nicht glücklich und zufrieden, wenn uns alles, was wir uns wünschen, auf dem Präsentierteller vor die Nase gestellt würde. Es macht uns froher, wenn unser Einsatz gefragt ist. Was von selber geht, ist uninteressant.

Gott hat uns schließlich Kräfte und Fähigkeiten gegeben.

In jeder Krise steckt eine Chance, die Möglichkeit, dass etwas anders wird, sich zum Besseren ändert in unserem Leben.

Und wir sollen etwas ändern auf dieser Welt, etwas bewirken. Z. B. Frieden, Fülle, Gerechtigkeit … das Reich Gottes. Dem soll unsere 1. Sorge gelten.

Jesus sagt: Um die Sorge, was soll ich essen, trinken, anziehen … usw. geht es den Heiden.

Ein Heide ist ein Mensch, der bewusst sein Leben ohne Gott gestaltet.

Ich glaube, Jesus möchte uns das lehren, da ist immer einer, der uns verwöhnt.

Wir können uns entscheiden: Für eine heidnische Denkweise. Die Angst, dass ich allein im Kosmos bin, auf mich gestellt, und dass das Recht des Stärkeren regiert.

Oder dafür, umzudenken und voller Dankbarkeit staunend zu bemerken: Gott schaut ständig, dass es mir gut geht. Liebe Brüder und Schwestern: Versuchen Sie es einmal!

Das hebräische Wort für Frieden, Schalom, bedeutet gleichzeitig „Fülle“.

Ein Frieden ohne Fülle ist nicht möglich.

Wer sich arm, benachteiligt … vorkommt, im Mangelbewusstsein lebt, sieht alles negativ – v.a. das Verhalten anderer Menschen.

Wer ständig befürchtet, zu kurz zu kommen, übervorteilt zu werden usw., ist stets auf dem Sprung, der (vermeintlichen) Gewalt zuvorzukommen.

Tipp: Lasst es euch möglichst gut gehen.

Lasst euch verwöhnen.

Genießt das Dasein.

Freut euch am leben, an jeder Sekunde!

Reich beschenkt gönnen wir allen Gutes.