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Ein Ausflug, den ich wirklich empfehlen kann: Die Salzwelten in Bad Dürrnberg.

Zwischen 9.00 und 17.00 hat man im Viertel- oder Halbstundentakt die Möglichkeit, das Salzbergwerk zu besichtigen.

Kosten für Erwachsene: 30 Euro.

Dauer: 90 Minuten.

Es beginnt mit einem Film, dann wird die Schutzkleidung angezogen.

Dann die Einfahrt in den Stollen, ca. 600 m weit.

Einen weiteren Kilometer legen BesucherInnen zu Fuß zurück.

Man sieht 4 weitere Filme über die Geschichte des Salzabbaus von den Kelten bis zur Gegenwart und lernt Methoden dazu kennen.

Die Führung ist 1a – kompetent, umsichtig, fröhlich, mit Humor.

Es wird gerutscht und mit dem Boot über den unterirdischen Salzsee gefahren.

Ein gelungener Nachmittag.

Zusatzinfo: Der Kaffee im Bistro ist ein Gedicht!

Ukraine-Krieg – ein paar Sichtweisen von Dr. August Thalhamer, Linz

Arbeit für den Frieden

»Du wirkst heute so ausgeglichen Jutta.«

»Ich arbeite seit einiger Zeit für den Frieden.«

»Ach, du engagierst dich politisch?«

Ute war erstaunt.

»Nein, ich bin dabei, meinen inneren Frieden zu finden.«

»Und wie geht das?«

»Ich versuche, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, die mir früher, gerade auch in der Kindheit, wehgetan haben. Manches lerne ich dadurch besser zu verstehen und auch zu akzeptieren.

Außerdem besinne ich mich auf diejenigen, die ich im Laufe des Lebens gekränkt und verletzt habe.«

»Und wenn sie schon tot sind?«

»An die schreibe ich einen Brief und lese ihn ihnen am Grab vor. Bevor ich gehe, grabe ich den Brief tief in die Erde ein.«

Jutta holte tief Luft und fügte dann leise hinzu:

»Aber die anstrengendsten Gespräche sind die, die ich mit mir selbst führen muss.«

Und ein paar Bücher zum Thema FRIEDEN:

„Wer die Nachtigall stört“ von Harper Lee,

„Papa, was ist ein Fremder?“ von Tahar Ben Jelloun,

„Ich zähmte die Wölfin“ von Marguerite Yourcenar,

„Ist das ein Mensch?“ von Primo Levi oder

„Die Einsamkeit der Primzahlen“ von Paolo Giordano

Wenn Dich die politischen Hintergründe von Putins Angriff auf die Ukraine interessieren, kannst Du in der Beilage das kleine Dossier lesen, das ich dazu zusammengestellt habe. Denn ich finde es gut, auch die irdischen Zusammenhänge in den Blick zu nehmen, ohne die spirituelle Dimension aus den Augen zu verlieren, die einem helfen kann, nicht in Verzweiflung zu verfallen.

Dann kann man wie ein guter Mediator in aller Ruhe auf die schlimmen Verquickungen und festgefahrenen Positionen schauen, einen klaren Blick behalten, sich nicht involvieren lassen und um sich ein friedliches, wohlwollendes Feld erzeugen, das ausstrahlt.

Ich wünsche Euch, dass Euch das gelingt, denn im Gegensatz zu puren Materialisten und Rationalisten vertraue ich auf der Basis vieler konkreter Erfahrungen auf die Macht der Gedanken,

Gust Thalhamer

Ich war in der 68er Zeit schon politisch engagiert und bringe per E-mail jeden zweiten Tag (kostenfrei)an Interessierte politische/wirtschaftliche Hintergrundberichte heraus, die ich aus verschiedenen Medien entnehme – und die normalerweise um 2/3 kürzer sind als die Beilage 😉 Bei Interesse nehme ich Dich gerne in den Verteiler auf.

Psychologische Beratung & Therapie
Dr. August Thalhamer & Rita Haase    
A-4040 Linz, Rotterdamweg 8
Tel./Fax ++43 / 732 / 250752
[praxis@thalhamer-haase.at]praxis@thalhamer-haase.at
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Das schwarze Schaf Billy

Billy war traurig.

Die anderen Schafe hatten wieder einmal miteinander gespielt, gefressen und vor dem Schlafengehen Neuigkeiten ausgetauscht – aber ohne ihn. Jeden Tag ließen sie ihn merken, dass er irgendwie nicht dazugehörte, dass sie ihn nicht dabeihaben wollten, weil er anders war.

Alle Schafe hatten ein weißes Fell – nur Billy war schwarz.

Seine Mutter hatte ihn jedes Mal mit großen runden Augen angeschaut, wenn er zu ihr gekommen war – und oft hatte sie ihn stundenlang abgeleckt in der Hoffnung, dass die Farbe abgehen würde und ihr Sohn so aussehen würde wie die anderen.

Billy war mit dem Gefühl, ein Außenseiter zu sein, vertraut.

Heute aber war es besonders schlimm.

Die Hirten der Schafe waren ganz aufgeregt, froh und ein bisschen ängstlich zugleich – und diese Stimmung hatte sich auf die Schafe übertragen: Ein Gefühl der Erwartung und Vorfreude hatte sie noch lange vom Schlaf abgehalten.

Freilich, mit Billy redete niemand.

Heute schubsten ihn die größeren weißen Schafe mehrmals weg, als er ihnen lästig wurde mit seinen Fragen; sogar seine Mutter tat so, als würde sie ihn nicht bemerken.

Dabei hätte Billy zu gern gewusst, worum es ging. Es musste wohl etwas Besonderes und Schönes sein, soviel hatte er begriffen.

Nun kauerte Billy einsam in der Ecke des kleinen Stalls, in dem er schon oft seine Zuflucht genommen hatte. Tränen kullerten über sein Fellgesicht, und er wünschte sich wie so oft, dass alles doch ganz, ganz anders wäre …

So sehr war Billy mit seinen Gedanken beschäftigt, dass er die Leute erst bemerkte, als sie schon mitten im Stall standen. Erschrocken drückte sich das kleine schwarze Schaf in den dunkelsten Winkel.

Der Mann richtete Stroh zu einem Haufen zusammen, auf den sich die Frau mit einem Seufzen sinken ließ.

In den nächsten Stunden war ziemlich viel los im kleinen Stall. Hirten kamen und gingen; zwei ihrer Frauen blieben, und gegen Mitternacht war ein Menschenjunges geboren worden, das nun in der einen Futterkrippe ruhig lag.

Die Hirtenfrauen waren wieder gegangen, die Eltern des Babys eingeschlafen.

Nun traute sich Billy aus seiner Ecke hervor. So gern wollte er das neugeborene Kind sehen – er wusste jetzt, worum es bei der Aufregung bei Hirten und Schafen gegangen war.

Vorsichtig näherte Billy sich der Krippe. Einmal nur dem Kind ins Gesicht sehen…… Aber wie erschrak das kleine schwarze Schaf, als sein Gegenüber plötzlich die Augen öffnete – und ihn, Billy, den niemand mochte, anlächelte. Billy war so froh, dass er sich an das Kind kuschelte – und zugleich mit diesem glücklich einschlief.

Billy erwachte, weil Menschen miteinander redeten.

Ah, da ist ja der kleine Ausreißer … ja, wenn ihr ihn brauchen könnt, bittesehr, nehmt ihn als Geschenk von uns …

Zuerst erstarrte Billy, als er die Hirten hörte. Aber dann öffnete er die Augen, es war schon mitten am Tag, er sah ein wunderschönes liebevolles Gesicht, das sich jetzt weiter zu ihm herunterneigte. „Ja, so ein liebes kleines Schaf – es wird der erste Spielgefährte für unser Kind sein“, sagte die Mutter des Kleinen, und dabei kraulte sie Billy sanft hinter den Ohren.

Ein Stern berichtet – oder wie es Beobachtern gehen kann

Eines Nachts war die Stimmung im Kosmos irgendwie anders als sonst.

Der Stern auf seinem Beobachtungsposten im hinteren Mittelfeld der Milchstraße blickte höchst gelangweilt zum mindestens 23.Billionsten Mal in die Runde, bis jetzt war nie was, also…

Doch! Da hinten, am äußersten Rand des Universums beinahe, begann etwas wie wild zu blinken. Einmal, zweimal, … acht Mal.

In unerhört auffälliger Weise wurde der 3. Planet eines üblicherweise unauffälligen Sonnensystems beleuchtet.

Der Beobachtungsstern wäre auf die Idee gekommen, sich die Augen zu reiben, hätte er welche, und sah genauer hin. Da: Inzwischen blinkten mehrere Sterne, bildeten Muster am nachtschwarzen Himmel, Spiralen, Kreise, Bögen, jetzt einen Strahl, der wie ein Scheinwerfer einen kleinen Flecken Landes auf diesem Planeten erhellte, genau genommen ein Stück wilde Gegend in der Nähe eines Dorfes nicht weit einer Binnenmeerküste im suptropischen Gebiet des betreffenden Himmelskörpers.

Meldung an die Zentrale!

Gebe hiermit folgende Beobachtung zu Protokoll …

Wieso meldet sich da niemand?

Zentrale!

Hallo, Zentrale!

…     Wahrscheinlich melden sich gerade zu viele. Also:

Beobachte weiter: Beleuchtet wird ein Unterstand, frei stehend in der Landschaft. Ort dient offenbar der Nahrungsaufnahme dort im Umkreis lebender Tiere.

Wird bewohnt von 4 Schafen, einem Rind und einem Lasttier. Weiters von einem Menschenpaar, von dem das weibliche soeben ein Junges geboren haben muss, den Spuren zufolge.

Zentrale, hallo!

Verstehe nicht, wieso sich heute keiner meldet.

Andere Lebewesen ihrer Art, wach geworden aufgrund des außergewöhnlichen Lichtspektakels, bewegen sich auf den besagten Unterstand zu.

Freundliche Begrüßung, gemeinsames Verzehren der mitgebrachten Nahrungsmittel, Reden und Singen. Bewundern des Säuglings.

Zentrale!

Wichtige Meldung!

Ist da überhaupt irgendwer?

Was soll jetzt wieder dieses wilde Blinken da unten …

Zentrale! – Auch das noch! Nein, ich will jetzt keinen Gesang hören, hab echt keinen Nerv dafür.

Zentrale, hallo?

Nichts. Nur dieses Leuchten und Engelsgetöse da am Rand draußen, wo keiner freiwillig hinwill…

Zentrale?

Heute gibt es für euch eine Geschichte:

Das Puppenhaus            nach einer wahren Begebenheit aus der Nachkriegszeit

Ein paar Tage war er schon da, der Advent. Großvater fuhr sich durch die Haare – ja, beinahe fertig war das Puppenhaus. Nur noch einige kleine Möbelstücke lackieren und trocknen lassen, die Vorhänge an die kleinen Fenster,,, wie würde sich seine Enkelin freuen! Ihr und den zwei größeren Buben ging es zwar gut, schließlich war ihr Vater, sein Schwiegersohn, angesehener Gemeindearzt für dieses Stadtviertel ,,, aber er hatte Elisabeths Augen leuchten sehen, als vor mehreren Wochen ihre Mutter, seine Tochter, von ihrem eigenen Puppenhaus erzählt hatte, das er vor – ja, mehr als 30 Jahren – geschnitzt hatte und das es längst nicht mehr gab… 2 Kriege …

Fast jeden Tag schaute jemand von der Familie vorbei um den Fortschritt zu bestaunen, den das Puppenhaus machte – nur vor der kleinen Elisabeth wurde das Geheimnis bewahrt.

Soeben klopfte es ans Werkstattfenster. Ah, Otto, sein Schwiegersohn, schaute auf seiner Runde nach dem letzten Hausbesuch vorbei. “Wie geht es?“

„Ach, weißt du, das Wetter ist gut, etwas Schneefall, alles Routine … nur die kleine Veronika macht mir Sorgen, du weißt, sie geht mit Elisabeth in die gleiche Schulklasse, aber seit Anfang November ist sie krank … ich war in dieser Woche schon zum 3. Mal dort. Sie hat noch eine Lungenentzündung dazu bekommen, sie haben eh fast nichts, wohnen im Tiefparterre, ich fürchte das Schlimmste, die Lebenskräfte des kleinen Mädchens sind aufgezehrt…“

Dankend nimmt er die Tasse Tee, die ihm der Schwiegervater anbietet. Dann betrachtet er das fast fertige Puppenhaus von allen Seiten.

„Das ist ja wirklich prächtig geworden!“

Er hilft noch bei einigen Handgriffen, sie reden über den Advent, das bevorstehende Familienfest zu Weihnachten, und als Otto, der Arzt, seinen Mantel anzieht, um nach Hause zu gehen, hält er inne, dreht sich zu seinem Schwiegervater und meint:

„Ich habe da so eine Idee … „

Bei seinen Schilderungen leuchten die Augen des Älteren: Ja, das machen wir! Das kranke Kind soll zumindest noch eine Freude erleben in seinen letzten Lebenstagen: das Puppenhaus soll in ihrem Krankenzimmer aufgestellt werden.

Eifrig und voller Sorgfalt verpacken sie am nächsten Morgen, dem Samstag, das Puppenhaus in einen großen Karton und machen sich auf den Weg zu der armseligen Wohnung, in der Veronikas Familie wohnt.

Dort wird ihnen erstaunt geöffnet. Wie groß ist die freudige Überraschung der ganzen Familie und besonders bei der kleinen Veronika, als das Puppenhaus vorsichtig aus dem Karton ausgepackt und vor ihrem Bett aufgestellt wird.

„Morgen Nachmittag schaue ich wieder nach ihr!“ Mit diesen Worten verlässt der Arzt mit seinem Schwiegervater das Haus.

Das Unerwartete jedoch geschieht.

Sei es wegen der großen Freude, sei es wegen der Wertschätzung ihrer Person, die die kranke Veronika aufgrund des kostbaren Geschenkes spürt – sie erholt sich zusehends. Nach zwei Tagen sitzt sie bereits im Bett und lächelt dem Doktor entgegen, nach einer Woche steht sie auf, bedarf freilich noch der Erholung und Pflege, aber es besteht kein Zweifel, dass sie wieder ganz gesund werden wird.

Aber: Was ist jetzt mit dem Puppenhaus?

Wo bekommen wir, so der Großvater, Mutter und Vater, ein neues für das eigene Kind, für unsere Elisabeth her?

Keinesfalls kann das Puppenhaus, das so viel Gutes bewirkt hat, der kleinen Veronika wieder genommen werden…

Also macht sich der Großvater Mitte Dezember nochmals an die Arbeit, diesmal 12 Stunden täglich, und jeder der Familie, der irgendwie Zeit erübrigen kann, beteiligt sich an den Bastelarbeiten. Am 24. Dezember steht ein neues Puppenhaus unter dem Weihnachtsbaum im Haus der Arztfamilie, bestaunt von Elisabeth …

Advent heißt auch „Ankunft“.

Du bist schon mehrere Male oder oft irgendwo „angekommen“: In einer neuen Wohnung, an einem Urlaubsort, als Gast bei den Menschen, die dich eingeladen haben, am Ziel einer Fahrt … in der Früh in der Schule, am Arbeitsplatz …

Erzähle die Geschichte einer dieser Begebenheiten, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist! Achte vor allem auf deine Gefühle und Eindrücke, die du dabei hattest.

Du kannst deine „Ankunftserzählung“ in dein Tagebuch schreiben oder /und sie einer vertrauten Person erzählen.

Entscheidung

Martin Huber ging rasch über den Hof der Firma. Für die Stelle als Kranführer, um die er sich beworben hatte, war um 9.00 das Vorstellungsgespräch. Noch ein Blick auf die Uhr … wegen des starken Verkehrs war er knapp dran – und: Öha! Fast wäre er in einen offenen Schacht gestolpert!

Da musste er etwas unternehmen! Wie leicht könnte es einem anderen gerade so gehen wie ihm – und schnell wäre ein Unglück geschehen.

Suchend blickte er sich um – da, in einer der Lagerhallen, sah es nach Holzplatten aus. Er würde zu spät kommen zum Termin mit dem Chef – aber das Wohl von Menschen war schließlich wichtiger, fand er.

Und so schaute er sich in der Lagerhalle um, fand bald eine geeignete Holzplatte und legte sie über den offenen Schacht … stampfte sie etwas fest – und betrat um Punkt Neun das Bürogebäude, staubig und mit schmutzigen Händen, wie er jetzt eben aussah – rannte die Stiege in den ersten Stock hinauf.

Einige Männer standen da vor der Tür des Chefbüros und warteten. Offensichtlich hatte er nochmal Glück gehabt!

Da öffnete sich auch schon die Tür und der Firmeninhaber kam auf den Gang heraus. Zu aller Überraschung bat er den noch atemlosen Martin als ersten in sein Büro.

„Ich habe in den letzten Minuten vor 9 Uhr am Fenster gestanden und in den Hof geschaut. Da habe ich gesehen, wie Sie den offenen Schacht gesehen und die Gefahr, dass jemand hineinfallen könnte, beseitigt haben – trotz der Gefahr des Zuspätkommens zum Vorstellungstermin. Sie haben ja nervös mehrmals auf die Uhr gesehen.

Wem das Wohlergehen der Mitmenschen und das Richtige zu tun wichtiger ist als der gute Eindruck bei einem Vorgesetzten, besitzt großes Verantwortungsbewusstsein.

Und genau so einen Menschen brauche ich für den verantwortungsvollen Posten als Kranführer!“

Der Adler.

Ein Mann ging in einen Wald, um nach einem Vogel zu suchen, den er mit nach Hause nehmen könnte. Er fing einen jungen Adler, brachte ihn heim und steckte ihn in den Hühnerhof zu den Hennen, Enten und Truthühnern. Und er gab im Hühnerfutter zu fressen, obwohl er ein Adler war, der König der Vögel.
Nach fünf Jahren erhielt der Mann den Besuch eines naturkundigen Mannes. Und als sie miteinander durch den Garten gingen, sagte der: “Der Vogel dort ist kein Huhn, er ist ein Adler!” “Ja”, sagte der Mann, “das stimmt. Aber ich habe ihn zu einem Huhn erzogen. Er ist jetzt kein Adler mehr, sondern ein Huhn, auch wenn seine Flügel drei Meter breit sind.” “Nein”, sagte der andere. “Er ist noch immer ein Adler, denn er hat das Herz eines Adlers. Und das wird ihn hoch hinauffliegen lassen in die Lüfte.” “Nein, nein”, sagte der Mann, “er ist jetzt ein richtiges Huhn und wird niemals wie ein Adler fliegen.”

Darauf beschlossen sie, eine Probe zu machen. Der naturkundige Mann nahm den Adler, hob ihn in die Höhe und sagte beschwörend: “Vogel, der du ein Adler bist, der du dem Himmel gehörst und nicht dieser Erde – breite deine Schwingen aus und fliege!” Der Adler saß auf der hochgestreckten Faust und blickte um sich. Hinter sich sah er die Hühner nach ihren Körnern picken, und er sprang zu ihnen hinunter. Der Mann sagte: “Ich habe dir gesagt, er ist ein Huhn.” “Nein”, sagte der andere, “er ist ein Adler. Ich versuche es morgen noch einmal.”

Am anderen Tag stieg er mit dem Adler auf das Dach des Hauses, hob ihn empor und sagte: “Adler, der du ein Adler bist, breite deine Schwingen aus und fliege!” Aber als der Adler wieder die scharrenden Hühner im Hofe erblickte, sprang er abermals zu ihnen hinunter und scharrte mit ihnen. Da sagte der Mann wieder: “Ich habe dir gesagt, er ist ein Huhn.” “Nein”, sagte der andere, “er ist ein Adler und hat noch immer das Herz eines Adlers. Laß es uns noch ein einziges Mal versuchen; morgen werde ich ihn fliegen lassen.”

Am nächsten Morgen erhob er sich früh, nahm den Adler und brachte ihn hinaus aus der Stadt, weit weg von Häusern an den Fuß eines hohen Berges. Die Sonne stieg gerade auf, sie vergoldete den Gipfel des Berges, jede Zinne erstrahlte in der Freude eines wundervollen Morgens. Er hob den Adler hoch und sagte zu ihm: “Adler, du bist ein Adler. Du gehörst dem Himmel und nicht dieser Erde. Breite deine Schwingen aus und fliege!” Der Adler blickte umher, zitterte, als erfüllte ihn neues Leben – aber er flog nicht. Da ließ ihn der naturkundige Mann direkt in die Sonne schauen. Und plötzlich breitete er seine gewaltigen Flügel aus, erhob sich mit dem Schrei eines Adlers, flog höher und höher und kehrte nie wieder zurück.

Religionsbuch der 8. Kl. AHS

Zwei reisende Engel machten Halt, um die Nacht im Haus einer wohlhabenden Familie zu verbringen. Die Familie war unhöflich und verweigerte den Engeln, sich im Gästezimmer des Hauses auszuruhen.

Anstelle dessen bekamen sie einen kleinen Platz im kalten Keller.

Als sie sich aufdem harten Bodn ausstreckten, sah der ältere Engel ein Loch in der Wand und reparierte es. Als der jüngere Engel fragte, warum, antwortete der ältere Engel: “Die Dinge sind nicht immer fas, was siescheinen.”

In der nächsten Nacht rasteten die beiden im Haus einer sehr armen, aber gastfreundlichen Bauernfamilie.

Nachdem sie das wenige Essen, das sie hatten, mit ihnen geteilt hatten, ließen die Bauersleute die Engel in ihrem eigenen Bett schlafen und begnügten sich selbst mit der Bank hinter dem Ofen in der Kpche.

Als am nächsten Tag die Sonne aufging, fanden die Engel den Bauern und seine Frau in Tränen. Ihre einzige Kuh, deren Milch ihr alleiniges Einkommen gewesen war, lag tot im Stall.

Der jüngere Engel wurde wütend und fragte den älteren, wie er das habe geschehen lassen können.

“Der erste Mann hatte alles, trotzdem halfst du ihm!, meinte er anklagend. “Die zweite Familie hatte fast nichts, und du ließest die Kuh sterben.”

“Die Dinge sind nicht immer das, was sie scheinen”, sagte der ältere Engel. “Als wir im kalten Keller des Haupthauses ruhten, bemerkte ich, dass Gold in diesem Loch in der Wand steckte. Weil der Eigentümer so von Gier und Dünkel besessen war und sein glückliches Schicksal nicht teilen wollte, versiegelte ich die Wand, so dass er es nicht mehr finden konnte.

Als wir dann in der letzten Nacht im Bett der Bauersleute schliefen, kam der Engel des Todes, um die Bauersfrau zu holen. Ich bewog ihn, statt ihr die Kuh zu nehmen.

Die Dinge sind nicht immer das, was sie scheinen.”

Beim Schulanfangsgottesdienst der NMS Haid wurde heute eine Geschichte vorgelesen, die auch mich beeindruckt hat.

Hier der Text:

Joel stand kurz vor seiner Bar Mizwa (vergleichbar mit unserer Firmung).
Einige Wochen vorher  durfte er dem Rabbi einen Besuch abstatten.

Der Rabbi begrüßte Joel und seinen Vater mit einem freundlichen Händedruck.

Dann segnete er den Buben, damit er wachsen möge und eine Freude für die Gemeinde und seine Familie werde.

Schließlich  stellte der Rabbi eine ungewöhnliche Frage an Joel: „Bist du ein Fußball-Fan?“ Joel bejahrte die Frage.

„Von welcher  Mannschaft bist du ein Fan – von Rapid Wien oder  FC Salzburg?“ „Von FC Salzburg“, antwortete der  Bub.

„Ist auch dein Vater ein Anhänger dieser Mannschaft?“ „Ja“, antwortete Joel.

„Nimmt er dich zu den Spielen mit?“, fragte der Rabbi weiter.

„Hin und wieder“, sagte Joel. „Erst vor drei Wochen habe ich ein Spiel mit ihm gesehen.“

„Wie war das Spiel?“, fragte der Rabbi.

„Es war enttäuschend“, meinte der 13-jährige. „Bereits nach der ersten Halbzeit ist unsere Mannschaft 3:0 hinten gelegen. Daher haben wir uns entschieden, das Stadion zu verlassen.“

Da fragte der Rabbi: „Und haben auch die Spieler das Spiel verlassen, als ihr gegangen seid?“

„Aber nein, Rabbi. Die Spieler können das Spiel nicht mittendrin verlassen“, erklärte Joel.

„Warum nicht?“, fragte der Rabbi lächelnd. „Erkläre mir, wie das funktioniert.“

Joel sagte: „Also das ist so. Es gibt Spieler und es gibt Anhänger. Die Anhänger können gehen, wann immer sie wollen. Denn sie sind nicht Teil des Spiels. Das Spiel geht auch ohne sie weiter. Aber die Spieler müssen bleiben. Sie müssen bis zum Ende des Spiels versuchen zu gewinnen.“

Da lächelte der Rabbi erneut und sagte: „Das ist eine Lehre, die ich dir auch in Bezug auf die Religion und die Schule geben will.  Du kannst ein Anhänger oder aber auch ein Spieler sein. Sei ein Spieler!“