Schlagwortarchiv für: Patriarchat

Ich empfehle, das Buch von Gertraud Klemm zu lesen, sobald sich euch die Gelegenheit bietet…
Soviel auch zur inzwischen aufgetretenen Frage, was Feminismus mit Frieden zu tun hat …… mehr

Ein Zitat daraus: „Nicht der Mensch hat die Erde und ihre Biosphäre auf dem Gewissen, das Patriarchat ist es, das unseren Planeten seit 5000 Jahren im Würgegriff hält.“

Der Artikel stammt aus dem „Standard“ online vom Montag, 28. 7. 2025.

Autorin Gertraud Klemm über phallokratische Zerstörungswut

„Liebe Brüder…“ – wie kam es dazu?

Im antiken Griechisch lautet die Mehrzahl, wenn Frauen und Männer, in unserem Fall „Brüder“ und „Schwestern“ (die damals übliche Bezeichnung der Christen oder JesusjüngerInnen untereinander) gemeint sind, immer „adelphoi“ mit grammatikalisch männlicher Endung „-oi“. Die korrekte Übersetzung lautet „Geschwister“ oder auch „Schwestern und Brüder“. Im Deutschen ist es umgekehrt, „Geschwister“ (der Anklang an die weibliche Form „Schwestern“ ist deutlich) meint auch die „Brüder“ mit.

Wie kam es nun zur Fehlübersetzung „Brüder“?

Die Heilige Schrift wurde vor allem in Männerklöstern immer wieder abgeschrieben und im Gottesdienst verwendet; auch wissenschaftliche Theologie wurde lange Zeit ausschließlich von Männern betrieben. Diese waren in den allermeisten Fällen Ordensangehörige. Als solche sahen und erlebten sie beinahe ihr ganzes Leben hindurch ausschließlich andere Männer – Klosterbrüder, Äbte = Väter usw.

Das an sich neutrale „adelphoi“ wurde aufgrund seiner grammatikalisch männlichen Endung mit „fratres“ (Brüder) wiedergegeben…

Es gab bereits unvollständige Übersetzungen, die (kirchlich illegal) im Umlauf waren, als Martin Luther die Bibel ins Deutsche übersetzte; das Alte Testament aus dem Hebräischen, das Neue Testament aus dem Griechischen und aus der lateinischen Vulgata; in dieser stand – aus eben genannten Gründen – bereits „fratres“ (Brüder), denn „sorores“ (Schwestern) war ein ganz anderer Wortstamm …

Auch Luther war ursprünglich Mönch. Er war Theologe, er war Mann – in seiner speziellen Zeit und in der damaligen Situation. Natürlich übersetzte er „Adelphoi“ mit „Brüder“… und erst recht „fratres“.

Die theologische Forschung (und nicht nur sie; man hätte nur die Paulusbriefe ordentlich zu lesen brauchen) stellte vor einigen Jahrzehnten fest: Paulus schrieb an Gemeinden, die von Frauen geleitet wurden oder in denen Frauen tonangebend waren. In seinen Briefanreden musste er dementsprechend „Geschwister“ gemeint haben, wenn er „adelphoi“ schrieb …

Die seit den 1980er-Jahren übliche Art, als LektorIn beim Vortrag der Lesung „Brüder und Schwestern“ auszusprechen, obwohl im Messlektionar nur „Brüder“ stand, schlug sich in der Neuauflage der Lektionare nieder, die wegen der Neuübersetzung der Einheitsübersetzung notwendig wurde.

Jetzt steht es also offiziell und Schwarz auf Weiß im Messtext …

Mein heutiger Beitrag zur Feministischen Theologie:

Lange Zeit wurde gepredigt, die Frau sei zweitrangig, minderwertig… mit der Begründung, Gott habe Eva als 2. Menschen nach Adam erschaffen – und noch dazu aus seiner Rippe, also indirekt.
Einmal davon abgesehen, dass es sich bei dem entsprechenden Text aus der Bibel (Gen 2,22) um einen Mythos handelt, also eine Glaubens-Erzählung, um einen spirituellen Text, der zeit- und kulturbedingt in einer patriarchalen Gesellschaft der Antike – und später als die erste, ursprüngliche Schöpfungserzählung – verfasst wurde und der theologischen Interpretation bedarf: Der eigentliche Sinn, der ausgedrückt werden sollte: Mann und Frau sind gleichen Wesens.
Man (die predigenden Kleriker) verschwieg geflissentlich die ältere, erste Schöpfungserzählung, in der es heißt: „JHWH schuf den Menschen als sein Ebenbild. Als sein Ebenbild schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf JHWH ihn“ (Gen 1,27). Gleichzeitig, gleichwertig, gleichebenbildlich, „Ebenbild“ wird verdoppelt, also extra betont. Gleichberechtigt ist die gottgewollte Folge, versteht sich von selbst.

Heute habe ich den Rücklauf meiner Umfrage zur feministischen Theologie/femininen Spiritualität abgeschlossen.
Eine Antwort, die immer kam: das Gottesbild, wie es in den großen monotheistischen Religionen vermittelt wurde – und wird -, stellt ein grundsätzliches Problem dar, weil die patriarchale kulturelle Situation, das Umfeld, immer mitverkündet und so als glaubwürdig weitertradiert wird – mit allen unguten, krankmachenden, kleinhaltenden Folgen für Frauen, die wir kennen…
Eines der Hauptgebote der Bibel lautet jedoch: „Du sollst dir kein Gottesbild machen …“ Fundierte Theologie ist dem auf der Spur – wie von Gott/Göttin sprechen, ohne „Bild“, ohne Voreingenommenheit, ohne menschliche Eingrenzungen, Vorbehalte usw….?
Der NAME – ha schem – ist ja genial: JHWH – ich bin da (für dich)
Wie geht es Ihnen/euch mit Gottesvorstellungen?

Heute eine Buchempfehlung:

Bei den Lunzer „Wellenklängen“ habe ich dieses Buch von Beatrice Frasl entdeckt und umgehend erworben.

Lesenswert!

Beatrice Frasl: Patriarchale Belastungsstörung. Geschlecht, Klasse und Psyche. HAYMON Verlag.

ISBN 978-3-7099-8175-7. Erhältlich bei Thalia!

Vielleicht ein toller Beitrag, wenn ihr euch in die Diskussion „Was ist normal“ einbringt…!

Dazu morgen mehr!

Gottesbilder

Ein Hindernis auf dem Weg zum Glauben, zum Gottvertrauen kann eine Vorstellung von Gott sein, die mehr abschreckend als hilfreich ist.

Viele stellen sich unter „Gott“ noch immer diesen alten Mann mit dem weißen Bart vor – wie Michelangelo ihn in der Sixtinischen Kapelle gemalt hat.

Jahrhunderte hindurch wurde von den Mächtigen ihrer Zeit über Gott in einer Weise, dass er dem Feudalherrn, dem Kirchenfürsten, dem König, dem Gutsherrn, dem Großbauern … sehr ähnelte.

Die wichtigste Botschaft war denn auch: Gehorsam.

So ein Gott hat Untertanen und Diener/innen, hat absolute Macht, duldet keine Widerrede und kein Abweichlertum – wer zur Großfamilie oder zur Grafschaft, zum Königreich nicht gehören wollte, wurde eines Besseren zwangsweise belehrt – oder musste das Weite suchen.

Da war folgendes passiert: Die Obrigkeiten dieser Welt hatten sich ein Bild von Gott nach ihrem eigenen Bild gemacht – und weil die kirchliche Verkündigung sakrosankt war, unangreifbar, „ewige Wahrheit“, zementierten sie so ihre eigene Machtstellung immer weiter ein.

Dieses Tun steht in diametralem Gegensatz zu dem, was die Bibel fordert.

Im Alten Testament gibt es das sogenannte Bilderverbot: Du sollst dir kein Bild (von Gott) machen, das 2. Der 10. Gebote.

Die Propheten des Alten Bundes prangern solche Erscheinungen an. Die Menschen damals dürften bereits dieser Versuchung erlegen sein, von Gott so zu reden, als ob er eine Verlängerung, Überhöhung, himmlische Beglaubigung ihrer selbst wäre – als ob sie göttlich beauftrag wären, „Herren“ zu sein über Knechte, Frauen, Arme, Andersdenkende …

„Das, was ihr verkündet, ist nicht Jahwe, das ist Baal“ (vgl. z. B. Jer 7 und 8)

Der Gott der Bibel steht ausnahmslos auf der Seite der Kleinen, der Benachteiligten, Schwächeren, ist der Anwalt und Verteidiger der Fremden, Witwen, Waisen und Armen.

Was in der Bibel (noch) nicht ausdrücklich formuliert ist: die Tatsache, dass Gott kein MANN, kein ER ist. Sondern: Reiner Geist, Vater UND Mutter, Freundin UND Freund, … Jahwe („ich bin da bzw, ich bin präsent, für euch da, anteilnehmend da …“) ist ein Tätigkeitswort und eben darum geschlechtsneutral.

Der Gottesname durfte und darf bis heute im Judentum nicht ausgesprochen werden; es wurde üblich !Adonai! statt dessen zu sagen, wenn Bibeltexte vorgelesen wurden. Das heißt „Herr“, klingt also männlich – und beeinflusst das Denken und die christlich- jüdische Vorstellungswelt bis heute.

Jesus (als Mensch Jude und Orientale) hat auch nicht vom „Vater“ geredet, sondern „abba“ gesagt – das ist der Papa, der das Baby wickelt, füttert, herumträgt, … voller Zärtlichkeit.

Morgen gibt es mehr zur weiblichen Seite Gottes!

Heute ist es gut, dies noch einmal durchzulesen – und mit Jahwe ins Gespräch zu kommen – und wenn es nur ein paar Minuten sind!