Hier meine Predigt zum aktuellen Anlass.

„Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden!“

Das sagt Gott zu Jesus, als er sich taufen lässt.

Ist hier jemand, der ebenfalls getauft wurde?

Ja, klar, natürlich. Wir alle sind getauft. Es ist im Taufbuch dokumentiert. Lässt sich beweisen mit Hilfe des Taufscheins, da ist unser Name verzeichnet.

 

Der Name steht für unsere Persönlichkeit, für das, was und wer wir sind.

Ich habe vor ca. 10 Jahren eine Reise nach Norwegen gemacht, dort und auch in Schweden und Island ist es so, da gibt es Familiennamen wie Olafson oder Gunnarsdottir. Der Sohn des Olaf oder die Tochter des Gunnar. Da weiß man gleich, von wem eine Person abstammt. Wer der Vater oder die Mutter ist.

 

Bei Jesus war das so,er wurde als Erwachsener getauft, und er war, davon spricht das Evangelium, als „Sohn des Zimmermanns“ oder auch „Sohn der Maria“ bekannt.

Bei der Taufe erklärt jetzt Gott selber, woher dieser Jesus wirklich abstammt: Er ist Sohn Gottes.

 

Liebe Brüder und Schwestern, wir sind alle ebenfalls Getaufte.

 

Was geschieht, was ereignet sich, wenn wir dieses Sakrament empfangen?

Sakrament heißt, eigentlich handelt Gott. Gott wird aktiv und macht etwas mit dem Menschen.

Wer getauft wird, wird Kind Gottes. Und: Wir werden von der Erbsünde befreit.

Eh klar. Wissen wir längst, haben wir in der Schule gelernt. Lang gewohnte Worte.

Aber ist uns wirklich klar, was das bedeutet?

 

So ein kleines Menschenkind, das geboren wird, tritt in der Tat ein schweres Erbe an. Es muss sich in einer Welt zurechtfinden, in der vieles ganz und gar nicht in Ordnung ist, in den meisten Ländern der Erde noch weit mehr als hier bei uns.

Eltern machen sich viele Gedanken, wie es gehen kann, ihr Kind in der bestmöglichen Weise groß werden zu lassen, zu begleiten bis es erwachsen ist.

Verschiedene Einflüsse wollen wir lieber nicht an unsere Kinder heranlassen: Krankheitserreger, Umweltschäden und Umweltgifte, Denkweisen und Grundhaltungen oder bestimmte Menschen, die uns negativ erscheinen. Dafür gesunde Ernährung, umsichtige Erziehung, die beste Schule, die Begabungen des kleinen Wesens fördern…

 

So ein kleiner Mensch, ein Mädchen, ein Bub, muss viel lernen: wir die Naturgesetze, die Gesetze von Ursache und Wirkung, von Wirtschaft und Politik … auch die der eigenen Religion, dann die herrschende Gesellschaftsordnung, bestimmte Traditionen und Spielregeln der eigenen Familie und der Gruppen, in denen eine/r beheimatet ist.

 

Bei Jesus war das auch so.

Er hat uns aber gezeigt, oder Gott zeigt eindrücklich, dass diese Gesetze und Ordnungen nicht alles sind. Und die religiösen Gesetze des Judentums und die gesellschaftlichen Spielregeln waren damals wirklich wie eiserne Ketten, die Menschen geknechtet haben.

In der Taufe demonstriert uns Gott: he, dieser hier ist nicht nur Menschenkind, er ist Gottessohn. Gott ist Herr über die von Menschen gemachten Gesetze und Spielregeln, auch über Naturgesetze, das beweist Jesus auch immer wieder.

 

Dieses ganze von Menschen erdachte und erzeugte und von einer Generation an die nächste weitergegebene Konglomerat von Zwängen, Gesetzen, Systemen, … das einengen und Menschen und ihr Glück zu zerstören imstande ist, das ist mit Erbsünde gemeint.

Aufgrund unserer Taufe sind wir an das alles nicht gebunden.

Bei unserer Taufe bei jedem/r einzelnen von uns und von jedem Christen weltweit hat sich das ereignet: Der Himmel öffnet sich und Gott spricht sein Machtwort: Du – setzen wir unseren eigenen Namen ein!- bist meine geliebte Tochter, mein geliebter Sohn – du stehst aufgrund meiner Gnade über den Strukturen und dem kompletten ererbten Wahnsinn der Menschheitsgeschichte.

Liebe Schwestern und Brüder -was für ein Potential für die Menschheit!

Du, jeder darf neu anfangen in Freiheit.

Wenn Jesus mein Herr ist, hat nichts und niemand sonst auch nur die geringste Macht über mich.

 

Die Sache hat einen Haken: Wir müssen es wollen.

Die Taufe ist wie jedes Sakrament ein Geschenk, das wir auspacken und verwenden sollen.

 

Als Babies wurden wir nicht gefragt. Heute haben wir die Gelegenheit, unseren Bund mit Gott, mit Jesus Christus, zu erneuern. Unser Geschenk zu aktivieren.

Statt des Glaubensbekenntnisses heute das Taufversprechen. Die Antwort lautet jeweils „ich widersage“ oder „ich glaube“. Jede/r kann nur für sich selbst die Entscheidung treffen.

 

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