Vonder Rettungsstation zum Clubhaus

An einer gefährlichen Küste machten vor Zeiten ein paar Leute eine Rettungsstation für Schiffbrüchige auf. Zu dieser Rettungsstation gehörte nur ein einziges Boot. Mit diesem wagte sich die kleine, mutige Mannschaft immer wieder, bei Tag und bei Nacht,auf das Meer hinaus, um Schiffbrüchige zu retten.

Es dauerte nicht lange,bis dieser kleine Stützpunkt überall bekannt war. Viele der Geretteten und auch andere Leute der Umgebung waren gern bereit,die armselige Station mit Geld zu unterstützen. die Zahl der Gönner wuchs und wuchs. Mit dem Geld, das sie spendeten, wurde die Rettungsstation großzügig ausgebaut, immer schöner und komfortabler. Sie wurde allmählich zu einem beliebten Aufenthaltsort und diente schließlich den Menschen als eine Art Clubhaus. Immer mehr Mannschaftsmitglieder weigerten sich nun, auszufahren und Schiffbrüchige zu retten. Sie wollten den Rettungsdienst überhaupt einstellen, weil er unangenehm und dem normalen Clubbetrieb hinderlich sei.

Ein paar Mutige,die den Standpunkt vertraten, dass Lebensrettung ihre vorrangige Aufgabe sei, trennten sich von ihnen. Nicht weit davon entfernt begannen sie, mit geringen Mitteln eine neue Rettungsstation aufzubauen. Aber auch sie erfuhr nach einiger zeit dasselbe Schicksal: Ihr guter Ruf verbreitete sich schnell, es gab neue Gönner, und es entstand ein neues Clubhaus.

So kam es dann schließlich zur Gründung einer dritten Rettungsstation . Doch auch hier wiederholte sich die gleiche Geschichte…

Wer heute diese Küste besucht, findet entlang der Uferstraße eine beträchtliche Reihe exklusiver Clubs. Immer noch wird die Küste vielen Schiffen zum Verhängnis; nur heute rettet sie keiner mehr.

(Hoffsümmer: Kurzgeschichten 1. Mainz, 5. Aufl. 1983, S. 49 f)

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