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Wollen Sie, wollt ihr heilig werden? In der Jugendbibelrunde hat uns der Kaplan einmal genau diese Frage gestellt – da war ich 17, und wie selbstverständlich wie aus der Pistole geschossen kam die Antwort: Nein, ganz  sicher nicht.

Wir haben uns nämlich genau das vorgestellt, was einige hundert Jahre von der Kirche für ein Bild von den großen Heiligen gezeichnet worden ist. Blutleer, lebensfern, ständig beten, fasten und gehorsam sein … eine fade, freudlose Angelegenheit.

Die Kirchenschreiberlinge haben die Figuren stilisiert nach dem amtskirchlichen Lehramtsbedarf – wie sie sich vorgestellt haben, dass ideale Katholiken zu sein hätten, so haben sie die Bilder des Franz von Assisi, der Teresa von Avila, des Ignatius von Loyola, der Therese von Lisieux u. v.a. m. gezeichnet und propagiert.

Und: selbstverständlich will und soll auch nicht irgendjemand in ein Schema passen, das humorlose Mitmenschen erfunden haben.

Und genau das ist der Unterschied: Gehen wir zurück zu den Anfängen des Christentums, zu den Aposteln und Apostelinnen, zu Paulus, auch zu den großen Aufbrüchen der Kirche Franz von Assisi, Hildegard von Bingen, Teresa von Avila, Elisabeth von Thüringen, Ignatius von Loyola … – die dann oft ziemlich rasch kleingeschrumpft und zurückgestutzt worden sind … oder verschwiegen…

Gott will alles andere als uns in ein Schema pressen. Jede/r von uns ist einzigartig. Mit unverwechselbaren Begabungen und Eigenschaften. Wir alle befinden uns auf diesem Planeten, weil Gott uns ausdrücklich hier haben will.

Wenn die großen Heiligen Vorbilder sein können, dann insofern, weil sie ihre Einzigartigkeit, ihre individuelle Beziehung zu Gott gelebt haben, ihren unverwechselbaren nicht austauschbaren Auftrag angenommen und ausgeführt haben so gut und engagiert sie konnten.

Sie haben meistens etwas unglaublich Unerwartetes an sich: Franz und Elisabeth, Reichtum und Sicherheit total aufgeben. Johanna von Orleans. Die in den Krieg zieht – und ihn gewinnt… Teresa von Kalkutta – aus jeder Sicherheit heraus, sie war pensionsreif in ihrem Orden, hätte sich zur Ruhe setzen sollen und nicht sich in den Elendsvierteln häuslich niederlassen …

Die echten, klassischen Heiligen, die waren alle Originale, voll Blut und Leben, Vollblutmenschen und Vollblutchristen.

Sie haben ihre Berufung gefunden und gelebt.

Sie haben Jesus an die erste Stelle gesetzt in ihrem Leben. Das schließt nicht aus, verheiratet zu sein: Hildegard Burjan – sie ist in die Politik gegangen als Abgeordnete und Franz Jägerstätter, der für seine Nachfolge gestorben ist.

Heute würde man sagen: Diese Menschen sind authentisch. Und ein bisschen verrückt. Sie haben was Neues eingebracht, das es vorher so nicht gab in der Kirche, in der Menschheit. Was Menschen wie du und ich niemals tun oder wagen würden.

Und dazu jetzt noch eine Frage: Warum eigentlich nicht?

Ist es wirklich das Wichtigste im Leben, was andere von uns denken? Oder: Nicht aufzufallen? Überschaubare immer gleiche Sicherheit?

Ist das das Leben in Fülle?

Nicht wirklich, oder?

Die großen Heiligen haben das Risiko nicht gescheut. Manche sind im Inquisitionsgefängnis gewesen, manche als Märtyrer gestorben, viele wurden ausgelacht von ihren nächsten Angehörigen, sind bei den ersten Versuchen turmhoch gescheitert … aber alle haben genau das gemacht, was für sie richtig war. Glückliche Menschen. Erfüllung gefunden, weil sie ihrer Berufung gefolgt sind.

Bürgerliche Behaglichkeit ist nichts Verkehrtes – aber Leben in Fülle ist mehr, unermesslich viel mehr. Ja, heilig sein ist erstrebenswert – weil es glücklich macht. Uns und andere.

Lassen wir uns auf den Geschmack bringen.

Predigt                                                                       2. So. i. Jk. – 17. 1. 2021

Liebe Brüder und Schwestern!

Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!

Wir hören diese Worte jedes Mal, bevor wir zur Kommunion gehen. Seien wir ehrlich: wir sind diese Formulierung schon so gewohnt, dass wir gar nicht mehr hinhören und uns meistens auch nichts dabei denken.

Manche Worte werden kirchlich so oft verwendet, zum Beispiel auch „Sohn Gottes“, dass sie inflationär geworden sind – ihr Wert ist unbekannt geworden.

Manche Begriffe sind in den täglichen Sprachgebrauch gewandert.

Und manche tauchen in der Esoterik wieder auf, gefüllt mit neuer oder etwas anderer Bedeutung.

Jesus überhaupt steht hoch im Kurs. Thriller, spannende Abenteuerbücher für Erwachsene, sowie Sachbücher, die versprechen, bisher Unbekanntes über Jesus aufzudecken, halten sich Monate- und jahrelang auf den Bestsellerlisten.

Sehr viele Menschen, und das, finde ich, ist echt bemerkenswert, spüren: an diesem Jesus ist was, der geht mich unbedingt an. Über den will ich mehr wissen.

Und dann stoßen die – ich will sie einmal „theologisch interessierte Quereinsteiger“ nennen – dann stoßen die suchenden Menschen auf verschiedene Darstellungen von Jesus: Wunderheiler und Wanderprediger, religiöser Erneuerer, sozialer Revolutionär… , ein aufgestiegner Meister, der im gleichen Atemzug genannt wird wie Buddha, Sokrates, Zarathustra, Maria aus Nazaret, Mohammed, Laotse … Jesus als besonderer Mensch, als ganz besonderer, das schon, aber doch als einer unter vielen oder zumindest unter mehreren, „Sohn Gottes“ im allgemeinen verstanden, insofern alle Menschen Gottes Kinder sind…

In dieser Art von Spiritualität oder Esoterik wird dann Gott oft als ganz weit weg vorgestellt, wo der Mensch Vermittlung braucht, z. B. Engel oder Gurus… Insider der Szene – um mit ihm in Kontakt zu treten – oder der Direktkontakt überhaupt nicht möglich ist.

Wissen Sie, eigenartig ist das schon: Menschen, die sich als mündige Christen oder Bürger verstehen und keinem Papst oder Bischof ohne weiteres Vertrauen schenken, sondern alles zunächst in Frage stellen, dass die so ein Buch eines bis dahin völlig Unbekannten lesen oder ein Wochenendseminar bei Menschen, von denen sie nie zuvor gehört haben, mitmachen – und alles 1 zu 1 völlig unkritisch in ihr Leben übernehmen…

Liebe Brüder und Schwestern, wenn ich solche Sätze wo lese oder höre, da werde ich zornig; na, das ist mir zuwenig; einen Gott, zu dem ich keinen Kontakt haben kann, den brauche ich gar nicht. Ich, Dagmar Ruhm, bestehe darauf, direkt mit Gott reden zu können.

Ich meine, wir sollten das alle tun.

Wennes heißt, „Jesus, der die Sünde der Welt wegnimmt“ – beseitigt. Auch Unheil und Leid, wo immer er es angetroffen hat …

Mit Sünde ist genau das gemeint: Absonderung, Trennung, weit weg sein, sich fern von Gott vorkommen, als ob er sich nicht interessieren würde, als ob es zahlreiche Vorbereitungen und Übungen und Leistungen bräuchte, damit einer in seine Nähe, mit ihm Kontakt aufnehmen darf … Schuld entsteht, wo Menschen auf sich allein gestellt – ohne Gottes Nähe und Hilfe – glauben herumtricksen zu müssen, um ihr Leben einigermaßen erträglich zu gestalten.

Weil diese Vorstellung nicht und nicht ausrottbar ist, ist Gott selber zu uns gekommen, um diesen Irrglauben zu widerlegen. Jesus, Gott in Menschengestalt.

Damit wir nicht mehr so zu leben brauchen, als ob Gott mit uns nichts zu tun hätte …

Auch angesichts dieser vielschichtig vertrackten Situation angesichts Corona …

Die ersten Jünger, von denen das heutige Evangelium erzählt, machen etwas, das wir auch tun dürfen: Sie fragen: “Rabbi, wo wohnst du?“ Sie wollen Jesus kennenlernen, wollen es genau wissen: Wie ist es bei dem zu Hause? Was ist das für ein Mensch, wie lebt der, welche Gewohnheiten, Vorlieben, … sie wünschen sich Nähe, sie laden sich bei Jesus ein.

Und da liegen sie richtig.

Jesus wünscht sich ja nichts sehnlicher, als uns Menschen nahe zu kommen. Dass wir keine Scheu vor ihm haben.

Gurus, Halbgötter, Idole, heilige Gestalten gab es vor Jesus auch schon, stilisierte Figuren, fehlerlos und superfromm … die religiöse Obrigkeit damals hat Jesus den Messias nicht abgenommen – er war ihnen um einige Grade zu wenig strenggläubig und zu lebenslustig… in der Lebensweise höchst normal.

Höchst menschlich. Und deswegen ist es uns möglich, ihn nachzuahmen, seine Jüngerinnen zu sein.

Dazu reicht es aus, 2 Dinge zu beachten: 1. Wir müssen den Direktkontakt mit Jesus als möglich annehmen und 2. angesichts sämtlicher Eventualitäten, die eintreten können, jedesmal eine einzige Frage stellen: Was würdest du, Jesus, in dieser Situation tun?

 

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

 

Heilig – was ist das? Vielleicht schweben uns da noch so Bilder vor, wie es lange üblich war, eine Nonne, ein Mönch kniet auf dem Boden, die Augen verdreht Richtung Himmel, die Hände gefaltet …

Etwas blutleere Gestalten, nicht ganz auf dieser Erde, schon gar nicht mit beiden Beinen, schon fast jenseitig, tugendhaft und bedürfnislos …

 

Ich hab mir auch so was Ähnliches vorgestellt früher – in meiner

Heimatpfarre hat ein Kaplan einmal die Frage gestellt: wer von euch will heilig werden? Und wir haben reflexartig geantwortet: nein, sicher nicht.

 

Klar nicht – ich will schließlich das volle Leben.

Es hat ein bisschen gedauert, bis ich draufgekommen bin: ja, das volle Leben – und heilig – das ist ja ein und dasselbe! Das hat doch Gott gemeint.

 

Und da sind wir auf der richtigen Spur. „Heilig“, da steckt das „Heil“ drin, das Heil Gottes – Schalom – das Leben in Fülle, die volle Fülle – die können Menschen aus eigener Kraft nicht erreichen, die wird geschenkt. Von Gott.

 

Ich habe ein paar Bekannte gefragt, welche/r Heilige beeindruckt dich am meisten? Da wurden folgende genannt:

 

Franz von Assisi – weil er wirklich ganz arm und bedürfnislos gelebt hat, ohne Pomp – das, was er von Jesus als richtig erkannt hat

Hildegard von Bingen – sie hat es dem Domkapitel von Mainz „hineingesagt“, ihr Fehlverhalten, wo sie sich ändern müssen – als Frau auf dem Domplatz, öffentlich – wie die alttestamentlichen Propheten

Antonius – weil er alles findet, was ich verliere

Elisabeth von Thüringen – sie hat das gelebt, was sie als richtig erkannt hat,  ohne Wenn und Aber

Teresa von Kalkutta und Edith Stein, die ziemlich neu erst heiliggesprochen worden sind.

 

Jede/r von den Genannten hat etwas unglaublich Unerwartetes an sich: Franz und Elisabeth, Reichtum und Sicherheit total aufgeben. Teresa von Kalkutta – aus jeder Sicherheit heraus, sie war pensionsreif in ihrem Orden, hätte sich zur Ruhe setzen sollen und nicht sich in den Elendsvierteln häuslich niederlassen …

 

Die echten, klassischen Heiligen, die waren alle Originale, voll Blut und Leben, Vollblutmenschen und Vollblutchristen.

Sie haben ihre Berufung gefunden und gelebt.

Sie haben Jesus an die erste Stelle gesetzt in ihrem Leben. Damit auch 2 Verheiratete vorkommen: Hildegard Burjan – sie ist in die Politik gegangen als Abgeordnete und Franz Jägerstätter, der für seine Nachfolge gestorben ist.

 

Heute würde man sagen: Diese Menschen sind authentisch. Und ein bisschen verrückt. Sie haben was Neues eingebracht, das es vorher so nicht gab in der Kirche, in der Menschheit. Was Menschen wie du und ich niemals tun oder wagen würden.

Und dazu jetzt noch eine Frage: Warum eigentlich nicht?

 

Ist es wirklich das Wichtigste im Leben, was andere von uns denken? Oder: Nicht aufzufallen? Überschaubare immer gleiche Sicherheit?

 

Ist das das Leben in Fülle?

Nicht wirklich, oder?

 

Die großen Heiligen haben das Risiko nicht gescheut. Manche sind im Inquisitionsgefängnis gewesen, manche als Märtyrer gestorben, viele wurden ausgelacht von ihren nächsten Angehörigen, sind bei den ersten Versuchen turmhoch gescheitert … aber alle haben genau das gemacht, was für sie richtig war. Glückliche Menschen. Erfüllung gefunden, weil sie ihrer Berufung gefolgt sind.

Bürgerliche Behaglichkeit ist nichts Verkehrtes – aber Leben in Fülle ist mehr, unermesslich viel mehr.

Lassen wir uns auf den Geschmack bringen.

Jede/r ist Dichter, Dichterin –

aussprechen, was ist. Vorher es zu denken wagen. Anderen zugänglich machen.

Spielen mit Worten, Sätzen, Textfragmenten …

pure Kreativität

ob lustig, traurig, empört, zornig, aufbauend oder tiefgründig.

Form? Egal.

Erlaubt ist, was wahr ist. Echt. Authentisch.

Nehmt euch Zeit, zu SCHREIBEN.

Und: Nehmt euch Zeit für die Lesung bei mir im Lüftleck 13 in Lunz am See…

Dienstag, 30. 4., 19.30

Ich bin schon ganz gespannt auf eure Beiträge!

s. auch meine Veranstaltungen.