Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

 

Heilig – was ist das? Vielleicht schweben uns da noch so Bilder vor, wie es lange üblich war, eine Nonne, ein Mönch kniet auf dem Boden, die Augen verdreht Richtung Himmel, die Hände gefaltet …

Etwas blutleere Gestalten, nicht ganz auf dieser Erde, schon gar nicht mit beiden Beinen, schon fast jenseitig, tugendhaft und bedürfnislos …

 

Ich hab mir auch so was Ähnliches vorgestellt früher – in meiner

Heimatpfarre hat ein Kaplan einmal die Frage gestellt: wer von euch will heilig werden? Und wir haben reflexartig geantwortet: nein, sicher nicht.

 

Klar nicht – ich will schließlich das volle Leben.

Es hat ein bisschen gedauert, bis ich draufgekommen bin: ja, das volle Leben – und heilig – das ist ja ein und dasselbe! Das hat doch Gott gemeint.

 

Und da sind wir auf der richtigen Spur. „Heilig“, da steckt das „Heil“ drin, das Heil Gottes – Schalom – das Leben in Fülle, die volle Fülle – die können Menschen aus eigener Kraft nicht erreichen, die wird geschenkt. Von Gott.

 

Ich habe ein paar Bekannte gefragt, welche/r Heilige beeindruckt dich am meisten? Da wurden folgende genannt:

 

Franz von Assisi – weil er wirklich ganz arm und bedürfnislos gelebt hat, ohne Pomp – das, was er von Jesus als richtig erkannt hat

Hildegard von Bingen – sie hat es dem Domkapitel von Mainz „hineingesagt“, ihr Fehlverhalten, wo sie sich ändern müssen – als Frau auf dem Domplatz, öffentlich – wie die alttestamentlichen Propheten

Antonius – weil er alles findet, was ich verliere

Elisabeth von Thüringen – sie hat das gelebt, was sie als richtig erkannt hat,  ohne Wenn und Aber

Teresa von Kalkutta und Edith Stein, die ziemlich neu erst heiliggesprochen worden sind.

 

Jede/r von den Genannten hat etwas unglaublich Unerwartetes an sich: Franz und Elisabeth, Reichtum und Sicherheit total aufgeben. Teresa von Kalkutta – aus jeder Sicherheit heraus, sie war pensionsreif in ihrem Orden, hätte sich zur Ruhe setzen sollen und nicht sich in den Elendsvierteln häuslich niederlassen …

 

Die echten, klassischen Heiligen, die waren alle Originale, voll Blut und Leben, Vollblutmenschen und Vollblutchristen.

Sie haben ihre Berufung gefunden und gelebt.

Sie haben Jesus an die erste Stelle gesetzt in ihrem Leben. Damit auch 2 Verheiratete vorkommen: Hildegard Burjan – sie ist in die Politik gegangen als Abgeordnete und Franz Jägerstätter, der für seine Nachfolge gestorben ist.

 

Heute würde man sagen: Diese Menschen sind authentisch. Und ein bisschen verrückt. Sie haben was Neues eingebracht, das es vorher so nicht gab in der Kirche, in der Menschheit. Was Menschen wie du und ich niemals tun oder wagen würden.

Und dazu jetzt noch eine Frage: Warum eigentlich nicht?

 

Ist es wirklich das Wichtigste im Leben, was andere von uns denken? Oder: Nicht aufzufallen? Überschaubare immer gleiche Sicherheit?

 

Ist das das Leben in Fülle?

Nicht wirklich, oder?

 

Die großen Heiligen haben das Risiko nicht gescheut. Manche sind im Inquisitionsgefängnis gewesen, manche als Märtyrer gestorben, viele wurden ausgelacht von ihren nächsten Angehörigen, sind bei den ersten Versuchen turmhoch gescheitert … aber alle haben genau das gemacht, was für sie richtig war. Glückliche Menschen. Erfüllung gefunden, weil sie ihrer Berufung gefolgt sind.

Bürgerliche Behaglichkeit ist nichts Verkehrtes – aber Leben in Fülle ist mehr, unermesslich viel mehr.

Lassen wir uns auf den Geschmack bringen.

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