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Liebe Brüder und Schwestern!

Wer hier möchte heilig werden?

Als ich 18 oder 19 war, war ich zu Hause in meiner Pfarre in einer Jugendbibelrunde. Irgendwann einmal fragte der Kaplan damals: Wer von euch will heilig werden?

Nein danke, sicher nicht, war meine 1. Reaktion. Ich war mir ziemlich sicher, wie so ein heiliges Leben aussehen müsste: ohne Freude, Feste, Fröhlichkeit, Freiheit, Schönheit… In meiner Vorstellung gab es höchstens so etwas wie einen traurigen Heiligen oder einen komischen Heiligen, jedenfalls nichts, was irgendwo erstrebenswert ausschaute.

Im Evangelium steht „selig, die…“ Da ist nicht das kirchliche Seligsprechungsverfahren gemeint, sondern „glücklich“. „Makarios“ meint „glücklich“, und zwar nicht irgendwann und irgendwo, im Jenseits oder nach dem Tod, sondern hier und jetzt in diesem konkreten Leben.

Ändern wir die Frage: Wer von Ihnen möchte glücklich werden?

Die kirchliche Verbildung reicht so weit, dass ich erst vor ein paar Tagen in einem Kommentar gelesen habe: Das „Selig“ bezieht sich auf die Ewigkeit.

Na, sicher nicht. Jesus und sein Evangelium gelten immer für den speziellen Menschen.

Glücklich ist, wer hier und jetzt Gott zutraut,  dass er alles zum Guten wenden kann. Er wird es nämlich erleben.

Glücklich, wer mit seiner Trauer und seinen Sorgen sich an Gott wendet, denn Gott tröstet.

Wer keine Gewalt anwendet, durchbricht die Spirale der Gewalt und stiftet dauerhaft Frieden und Wohlstand.

Die Barmherzigen sorgen für ein Klima des Zusammenlebens, das ihnen selbst auch zugute kommt, wenn sie Fehler machen oder Hilfe brauchen.

Nur wer ein reines Herz hat, unverbildet von menschlichen Traditionen, Machtsystemen, egoistischen Interessen…, kann überhaupt erfassen, wie es Gott tatsächlich meint…

Gott zieht keine Trennungslinie mit seinem Heil zwischen vor und nach dem Tod. Aber Jesus wendet sich immer an hier und jetzt lebende wirkliche reale Personen mit einer handfesten Lebenswirklichkeit.

Deshalb gibt es unter den echten Heiligen auch keine Kopien, sondern nur Originale.

Wenn wir Lieblingsheilige nehmen, die wir auch gern als Vorbild nehmen, dann nicht um bestimmte Verhaltensweisen, Eigenheiten oder sogar Absonderlichkeiten nachzumachen, sondern um uns abzuschauen, wie das gehen kann, wie das schon einmal jemand geschafft hat: mit der eigenen Geschichte, mit all den persönlichen Eigenschaften, mit Vorzügen und Begabungen, aber auch Fehlern und Sünden, mit der je anderen gesellschaftlichen und kulturellen Herkunft und Erziehung – manchmal trotz dieser Herkunft und Erziehung – , zu verschiedenen Zeiten mit verschiedenem Familienstand und Beruf und Intelligenzquotienten den Weg als Christ/in mit Gott, mit Jesus zu gehen und auf diesem Weg GLÜCKLICH zu werden.

Aber jede/r von uns muss den eigenen Weg selber gehen.

Verheiratet oder Nicht, mit oder ohne Kinder, asketisch oder lebensfroh, arm oder reich, in sich gekehrt oder weltoffen, in einem Orden oder nicht, mit kirchlichem Beruf oder mit eigenem Geschäft, als Bäurin oder Angestellter, als Akademikerin oder Arbeiter, als Schülerin oder Pensionist…

Wie sich das Leben mit Gott gestaltet, ist für den einzelnen keineswegs beliebig.

Wer nicht zur Ehe berufen ist und das im Herzen spürt, würde mit Partner und Kindern nicht glücklich. Es wird auch nur der im Kloster glücklich, seine tiefste Erfüllung finden, für den das wirklich der persönliche Weg ist. Wessen Weg es ist, Straßenarbeiter oder Bettlerin zu sein, der/die wird als solcher weit glücklicher sein als ein Konzernchef, der im Grunde eine andere Berufung gehabt hätte. Katharina von Alexandrien ist ihrer Berufung, Theologin und Wissenschafterin, treu geblieben – sie hat gespürt: Gemahlin des Oströmischen Kaisers – das bringts nicht.

Elisabeth von Thüringen: Arbeit für Kranke, früher Tod – und sie war glücklich dabei. Sie hätte ebenfalls Gattin eines Kaisers werden können.

Jeder Mensch ist dazu berufen, einen ganz bestimmten Aspekt Gottes im Leben und durch sein Leben auszudrücken. Wir sind ja schon nur deswegen geboren worden, weil Gott uns ausdrücklich auf dieser Erde haben will.

Was das für jeden von uns ist?

Da können wir drauf kommen: wer Gott ernsthaft bittet, dem zeigt er diesen einzigartigen Weg, der von Grund auf glücklich macht: das ist an keine Altersgrenze gebunden. Wer Gott mit 12 bittet, ihm den Weg zu zeigen, der wird ihn natürlich früher finden als einer, der mit 40 oder 60 oder 80 Jahren zu fragen und zu suchen beginnt. Aber möglich ist es immer.

Gemeinsam ist ihnen: Ihr Leben ist durch und durch heil geworden. Sie haben zu ihrem tiefsten Wesen gefunden, ihre Berufung gelebt, sind glücklich geworden (das hat nichts mit dem bürgerlichen Erfolgsverständnis zu tun!), strahlen das Heil Gottes aus, Menschen haben gespürt: bei diesem Menschen ist es gut sein, da kann ich selber etwas von Gott spüren…

Und genau darauf kommts an.

Predigt     Sonntag der Weltkirche 2022                                    Pucking                                                  

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Wir kennen diese Stelle aus dem Evangelium alle schon lange und ziemlich gut.

Zachäus, der Jesus zu Besuch hat. Ausgerechnet.

Die anderen, die „Frommen“, haben das gar nicht verstanden, dass Jesus gerade bei Zachäus einkehrt, dem Zolleintreiber zugunsten der feindlichen Besatzungsmacht… und noch dazu mit dessen Freunden isst und trinkt, sich freut … mit ihnen zu reden. Und wie sich der dann besinnt und das unrechtmäßig Genommene zurückgibt.

Heute ist mir ein Blickwinkel, ein Detail dieser Evangeliumsstelle besonders aufgefallen.

Jesus sagt über Zachäus: Auch dieser ist ein Sohn Abrahams. Alle Verheißungen und Zusagen Gottes, alles Gute, das er für die Menschen bereithält und plant, ist genauso für ihn gedacht.

Für jeden einzelnen Menschen auf der Welt. Spirituell und materiell.

Heute geht es ja um die Weltkirche. Ich war ja in Brasilien und habe dort 2 Basisgemeinden vor Ort kennengelernt.

Seitdem sind mir die Anliegen der Entwicklungshilfe, wie es heißt, der Zusammenarbeit zwischen 1. Und 3. Welt, in Fleisch und Blut übergegangen.

Viele Menschen in den Industrieländern in der sogenannten „1. Welt“ verhalten sich ähnlich wie Zachäus vor seiner Begegnung mit Jesus.

Die Menschen tun dies nicht jede/r einzeln und geplant und gezielt. Die große Wirtschaft tut das.

Jahrzehntelang ist den Ländern des Südens alles genommen worden. Vor allem den einfachen Menschen dort. Die Mächtigen wurden z. T. reich durch die Zusammenarbeit, die Kollaboration mit der Weltwirtschaft, mit den großen Konzernen.

Begonnen hat es im 18. Jahrhundert mit dem Sklavenhandel. Baumwolle. Reis. Bananen. Schokolade. Kaffee. Ananas. Palmöl. Hölzer des Regenwaldes. Bodenschätze. Seltene Erden. Rindfleisch auf gerodetem Regenwald.

Seit den 80erJahren gibt es die EZA, die Initiative Entwicklungszusammenarbeit. Das Bewusstsein wird stärker, die Initiative greift, Erfolge, Kleinbäuerinnen … können leben von dem, was sie anbauen und tun.

Viele ArbeiterInnen in Fabriken und Bergwerken oder auf Plantagen können das nicht.

Ihnen jetzt das Evangelium zu verkünden oder den Kirchenbesuch nahezulegen allein hilft da nicht. Echte Missionare sorgen immer für gerechte Lebenschancen, für Gesundheit, Bildung, Gerechtigkeit…

Mission so gesehen kann nie längst überholt sein. Aber:  Hat das etwas mit uns zu tun?

Mission ist, wenn wir hinausgehen in die Öffentlichkeit.

Wir wirken als Gesamtperson.

Wenn wir ordentlich arbeiten, Fleiß, Verlässlichkeit, Tüchtigkeit, Genauigkeit, Umsicht, Verantwortung, gerecht, fair, hilfsbereit, anständig – auch großzügig, lebensfroh, humorvoll sind ..… dann wird es heißen: aha, Sie sind also ein Christ – interessant … kann ich das auch?

Wir sind Gottes Gesandtschaft – die Werbeträger der Botschaft.

Das Christentum ist niemals abstrakt – es ist die Religion der Menschwerdung, Inkarnation – das Evangelium wird an uns abgelesen oder eben nicht.

Die Trennung von „Sakral“ und „profan“ gibt es nicht. Alles ist Gottes gute Schöpfung, durchwoben und durchatmet von seiner Gegenwart.

Es gibt ein modernes Kirchenlied: „Jeder Mann, jede Frau, jedes Kind ist unserem Gott heilig“.

Katholisch heißt allumfassend – offene Augen, Interesse dafür, wie es anderswo zugeht – in Lateinamerika, Afrika, Asien, … Anteilnahme an den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, Einsatz für das Gute, für die Gemeinschaft – Salz sein, das in blind gewordenen Augen brennt, Sand im Getriebe der Rüstungs-, Umweltzerstörungs- und Menschenverachtungsmaschinerie.

Wer getauft ist, hat kein Recht, sich auf Dauer ins Privatleben, in einen Elfenbeinturm oder auf eine Insel der Seligen zurückzuziehen. Der Schlaf der Sicherheit. Geht mich nix an.

Wer getauft ist, hat überall Familie. Darauf möchte der Sonntag der Weltkirche jedes Jahr hinweisen.

Predigt                                                                                 28. 8. 2022

Liebe Brüder und Schwestern!

Das, was Jesus im Evangelium sagt, ist für uns 100%ig einleuchtend. Logisch und nachvollziehbar. Und das war es für die Gäste des vornehmen Simon damals auch.

Jetzt hat Jesus aber nicht wirklich im Sinn, als Trainer guten Benehmens zu wirken. Wenn er etwas sagt und lehrt, geht es ihm immer um Gott, um das Reich Gottes, um das Verhältnis zwischen Gott und den Menschen.

Übrigens gab es Zeiten, in denen das, was Jesus da vermitteln möchte, überhaupt nicht verstanden, ja nicht einmal gesehen worden ist.

Im Mittelalter oder bis vor ca. 100 Jahren auch hier bei uns in unserem Land: da gab es die großen Standesunterschiede. Es wäre einem Grafen oder Baron nie im Leben eingefallen, mit den Knechten und Mägden, auch wenn sie freie Menschen waren und keine Leibeigenen, das gab es nämlich bis Maria Theresia auch in der Geschichte der Christenheit, zusammen am selben Tisch zu sitzen.

Ein absolutes NoGo. Geht nicht. Undenkbar.

So sehr undenkbar, dass man die Botschaft Jesu nicht wahrnehmen konnte. Außerhalb des Blickfeldes.

In der katholischen Kirche gab es Gegenden, da wurden in die Kirchenräume hinein sogenannte Sakramentshäuschen reingebaut: quasi ein „Extrazimmer“ nur für die Priester, wo die Wandlung und das Hochgebet gesprochen wurden – die Normalsterblichen, wie wir so schön sagen, sollten das nicht sehen – zu minder, nicht würdig, … oder was immer.

Vor ca. 30 Jahren war ich Pastoralassistentin in Hörsching. Da wurde mir von einem großen Bauern, der in den 60erJahren eingeheiratet hatte, erzählt, es hat 20 Jahre gebraucht, bis er am Stammtisch der örtlichen Bauern Platz nehmen durfte … War ja schließlich kein Hiesiger …

In Hörsching hat der Pfarrer, der war auch der größte Bauer im Ort, alles, wo dann der Fliegerhorst und der Flughafen entstanden, bis zur Zeit des 2. Weltkriegs übrigens 2 Pfarrerköchinnen gehabt: eine für sich und den Verwalter und Gäste, und eine fürs Gesinde …

Liebe Brüder und Schwestern, zum Glück sind wir alle bereits in einer Demokratie geboren worden und erzogen worden.

Bei Gott gibt es keine Rangunterschiede zwischen Menschen.

Und das hat Jesus sicher auch im Blick gehabt: Unter Glaubenden spirituellen Menschen gibt es auch so eine Art Wettbewerb oder Hierarchiebildung: Wer ist frömmer, wer betet mehr, wer ist fortgeschrittener im geistlichen Leben, näher bei Gott z. B. …

Eine Weisheitsgeschichte erzählt:

Einige Mönche streiten, wer von ihnen Gott näher sei. Ich bete länger, sagt der eine. Ich bin schon länger Mönch, sagt der nächste. Ich halte das Fasten am längsten durch. Ich die Stille und Einsamkeit. Ich begeistere am meisten durch meine Predigt. Ich bewege die Menschen zu großen Spendenbeträgen …… Und so geht es eine Zeit weiter …

Bis der Meister sagt: Am frömmsten von allen, weitaus frömmer als ihr, ist diese Bäurin, die da gerade vom Feld kommt.

Was, die? Schreien sie durcheinander – die betet doch fast nie… und im Tempel sieht man sie auch nur, wenn es unbedingt sein muss…

Gefäß in flacher Schale tragen ohne zu verschütten mit Wasser – im Kloster und auf der Hauptstraße. Zweiteres unmöglich.

Der Meister sagt: Ja, ihr betet viel. Mitunter den ganzen Tag.

Aber diese Bäurin arbeitet täglich hart auf dem Feld, versorgt ihre 6 Kinder und den gesamten Haushalt und hat oft keine freie Minute. Wenn sie am Morgen und Abend für einen kurzen Augenblick ihre Augen zum Himmel erhebt und ein kurzes Gebet stammelt oder auch nur einen Gedanken fasst, weil sie bei alldem nicht auf Gott vergisst, hat das droben mehr Gewicht als eure ausgesuchten Worte, für die ihr alle Zeit der Welt habt.

Gottes Tisch ist aber eine Tafelrunde. Jeder mit der gleichen Entfernung oder Nähe.

Predigt Weißer Sonntag 2022

Liebe Brüder und Schwestern!

Geht es uns nicht auch oft, ja meistens so: Wir haben so unsere Zweifel – vor allem ob Jesus, Gott, unser Beten wirklich hört – oder ob es nur eine fromme Übung von uns ist.

 …und wir sagen alles Mögliche über unseren Glauben – und waren total verblüfft, als genau das eingetreten ist, was wir gesagt haben – beim Beten z. B.

Jesus nimmt uns ernst.

Und dann vergessen wir es wieder. Bis zum nächsten Mal.

Leichter fällt es uns zu glauben, dass andere, vielleicht die Großen Heiligen, einen „direkten Draht“ zu Jesus gehabt haben.

Unser Glaube lebt zuerst von dem, was andere uns erzählen.

Thomas hat gehört, was die anderen Apostel erzählen über die Begegnung mit dem auferstandenen Jesus. Es ist eher nicht der Unglaube, der ihn das sagen lässt, was er sagt.

Thomas spürt: Das genügt nicht. Unsere Heranwachsenden, die kritischen jungen Menschen, die hungern nach Erfahrung, die spüren: das genügt nicht. Thomas will es selber erleben, was ihm vermittelt wird: Wenn ich nicht meine Hände in seine Wunden lege …

Es reicht nicht, fromm zu nicken und brav alles mitzumachen … Es ist sogar völlig inadäquat. Komplett untauglich.

Die Glaubenserfahrung sämtlicher Christen vor uns, und seien es die Apostel und die größten Heiligen selbst, ersetzt nicht unsere eigene.

In dieser Situation, im besten Fall, wenn ein Mensch gelernt hat und gewohnt ist zu beten, mit Jesus vertraut ist vom Hörensagen, wendet sich der/die Betreffende an Jesus, an Gott: Du, zeig mir doch selbst… wo bist du?

Im Evangelium geht Jesus direkt und absolut persönlich auf Thomas ein:  Er fordert ihn auf, genau das zu tun, handgreiflich zu erleben, was er braucht, damit er zum Glauben kommt. Gotteserfahrung, Jesusbegegnung.

Wir sind in diesem Schritt, in dieser Beziehung zu Jesus, nicht durch andere vertretbar. Jede/r ist selbst gefragt.

Wir können von unseren Erfahrungen erzählen, die Glaubensinhalte vermitteln, zu Gottesdiensten einladen, sie ansprechend gestalten. Aber dass ein Mensch wirklich und tatsächlich es mit Gott zu tun bekommt, ihm unmittelbar begegnet, dass entzieht sich dem Bereich dessen, was wir machen können, da wirkt Gott selber mit seiner Gnade.

Ich habe mir da schon gedacht: Wir haben Jesus live da in jedem Gottesdienst – wieso gehen die alle nicht voll Erwartung und Vorfreude in die christlichen Kirchen?

Liegt das an uns, wenn sie das Gefühl nicht haben, da geschieht etwas Außerordentliches?

Haben wir das Gefühl, hier Besonderes zu erleben? Wie der Apostel Thomas im Evangelium?

Merken, spüren wir, dass Jesus wirklich da ist?

Er ist lebendige Person und zeigt mir ständig, wie gern er mich hat. Dinge gelingen. Sogenannte „Zufälle“ ereignen sich. Hass und Ärger verflüchtigen sich, Versöhnung, Friede wird möglich. Heilung geschieht. Ich weiß, was ich wissen muss, im richtigen Moment. Freude an der Arbeit, Verantwortungsbewusstsein, Pflichtgefühl. Sinn.

Plötzlich alles da.

Das Christentum ist eine Erfahrungsreligion, eine Religion der Praxis.

Schicksalsgemeinschaft auf Gedeih und Verderb.

Karl Rahner hat gesagt: Der Christ des 21. Jahrhunderts wird ein Mystiker sein, oder er wird nicht mehr sein.

Die Frage, warum die Kirche schrumpft, stellt sich nicht. Wer lebt denn in einer Schicksalsgemeinschaft mit Christus, hat ihn als Freund und Herrn angenommen – so wie ich das vorhin beschrieben habe?

Menschen wollen es sehen und erleben, wie andere dieses Christsein leben, damit sie es nachmachen können.

Liebe Brüder und Schwestern: Auf geht’s.

Predigt                                                          26./27. 3. 2022

Liebe Brüder und Schwestern!

Das Gleichnis aus dem Lukasevangelium, das wir eben gehört haben, ist nicht nur einer der bekanntesten Texte unter Christen, sondern ist weltweit bekannt, gehört praktisch zur Weltliteratur.

In einem Liturgiebehelf habe ich allen Ernstes die Meinung gefunden; Der Vater verhält sich sehr ungewöhnlich, eigentlich ungehörig … Dahinter steckt eine Denkweise, an der, mit Verlaub, die Frohe botschaft Jesu Christi spurlosvorbeigerauscht sein dürfte.

Esging Jesus beim Erzählen dieses Gleichnisses ja darum zu demonstrieren, erahnvbar, vorstellbar zu machen, wie Gott handelt.

Ja, und in einem 2. Schritt ist es eine Handlungsanweisung für uns, für jede/n Christin/en.

Gäbe es sie nicht bereits, müsste man diese Geschichte erfinden.

Der jüngere Sohn ist erstens an seiner Notlage selber schuld.

Zweitens kehrt er bemerkenswerterweise nicht zu seinem Vater zurück, weil er plötzlich große Sehnsucht nach seiner Familie verspürt oder ihm bewusst wird, dass er denVater traurig gemacht hat durch seine Abwesenheit, sondern schlicht und einfach, um nicht zu verhungern.

Dann zu Hause bekommt er nicht nur gerade das Notwendigste, sondern wird als Mitglied der Familie wertschätzend wieder aufgenommen.

Und viertens regt sich sofort jemand auf, der eigene Bruder, bei dem, der geholfen hat, dass es ihm wieder gut geht.

Mit all dem ist z. B. die Caritasarbeit ständig konfrontiert.

Viele helfen leichter und lieber, wenn Menschen unverschuldet in Not geraten sind, aufgrund einer Katastrophe, Brand, Unfall, Krankheit … Das ist oft ganz wichtig bei der Berichterstattung in den Medien, bei Hilfs- und Spendenaufrufen.

Wenn da wer „selber schuld“ ist, auch nur vermeintlich, schaut die Sache schon anders aus. -Aha, der war eingesperrt, bei denen funktioniert die Ehe nicht, da sind Drogen, Alkohol, Spielsucht die Ursachen, oder die Menschen, die ihr Land wegen der dort herrschenden Not oder wegen des Krieges verlassen …….…man hört sogar den Ausspruch „Ich bin ja nicht die Caritas“

Nun: Wir sind die Caritas, schlicht und einfach, weil wir Christen sind.

Das Kriterium, ob jemandem geholfen wird, ist die Notlage, dass es ein Mensch ist, der oder die Hilfe braucht. Sonst nichts.

Das christliche Menschenbild kennt nur Familienmitglieder auf Augenhöhe. Eine Hilfe von oben herab, so ein bisschen Almosen auf der Basis „mei bist du arm“, wo es Underdogs gibt, die irgendwie doch nicht so ganz dazugehören, weil man für sie sorgen muss, weil sie selbstständig nicht über die Runden kommen, weil sie das gesellschaftliche schöne Bild – alles perfekt, gesund, wohlsituiert – stören … so etwas kommt nicht in Frage.

Der ältere Bruder, der ordentliche brave Bürger, hätte sich, denke ich, nicht aufgeregt, wenn der abgesandelte Heimkehrer tatsächlich als Tagelöhner hätte arbeiten müssen. 

Jesus erzählt dieses Gleichnis ja gerade deswegen, weil die damaligen „Guten“ es in keiner Weise eingesehen haben, dass die Zöllner und Sünder die gleichen Chancen bei Gott haben, von Jesus Zuwendung und Heil erfahren – geschenkt bekommen und nur anzunehmen brauchen.

Beim Glauben geht es um die persönliche Beziehung zu Gott.

Um Freundschaft.

Wir stehen vor Gott nicht so wie vor einem Polizisten oder einem Lehrer, der uns prüft. Nicht wie vor dem Firmenchef, wo wir möglichst mit Leistung punkten sollen.

Wir können aus der Gnade Gottes nicht herausfallen, Seine Liebe vergeht nicht. Immer und überall wird er sich für uns interessieren und schauen, dass es uns gut geht.

Gott freut sich, wenn wir fähig und tüchtig und erfolgreich sind, das schon. Aber er liebt uns nicht deswegen. Sondern weil wir seine Kinder sind.

Weil wir jeden Moment neu anfangen dürfen mit allen Chancen und Möglichkeiten, und zwar alle Menschen auf diesem Planeten, deswegen geht es uns gut, wir sind geborgen in Gottes Hand.

Adventkalender Tag 22

4. Adventsonntag, 19. Dezember 2021

Zum Evangelium Lk 1, 39-45

Wieso besucht Maria überhaupt ihre Tante? Wieso geht sie tagelang zu Fuß quer durchs Land?

Ich habe heuer dazu eine Erklärung gelesen, die neu für mich war und die mir zu denken gibt:

Maria hat die Aussage des Engels überprüft.

Wir erinnern uns: Bei der Verkündigung hat der Bote ja dick aufgetragen: Sohn des Höchsten wird er heißen, sein Reich wird kein Ende haben … usw.

Schon da hat Maria äußerst bedacht reagiert: Ja und wie bitte stellst du dir das vor? Sie wusste ja: Nach menschlichem Ermessen und dem Stand der Wissenschaft war es unmöglich, dass sie schwanger war.

Genauso unmöglich wie bei ihrer Tante, die die Wechseljahre hinter sich hatte.

Und gerade die hatte der Engel als Beispiel genannt – dafür, dass bei Gott nichts unmöglich ist.

Wenn jetzt Elisabeth tatsächlich ein Kind erwartete, dann, so muss Maria überlegt haben, ja dann kann auch all das andere stimmen, was der Gottesbote gesagt hat.

Vielleicht nehmen wir uns Maria zum Vorbild: In der Skepsis gegenüber übernatürlich erscheinenden Phänomenen und Spekulationen und Behauptungen aller Art.

OK, da war ein echter Engel bei ihr – und sie ist nicht vor Ehrfurcht erstarrt, sondern hat zuerst ihn ausgefragt und danach seine Behauptungen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft.

Bei uns ist gerade so viel Obskures in Umlauf, was Corona betrifft – der helle Wahnsinn.

Das Virus sei eigens erfunden worden, um die Weltbevölkerung zu verringern. Oder um mit der Impferei über die Pharmakonzerne unwahrscheinlich viel Geld zu scheffeln. Oder um durch die Maßnahmen eine weltweite Diktatur zu errichten … und … und … und …

Sogar himmlische Botschaften werden schon verbreitet: Wer sich impfen lässt, kommt nicht in den Himmel usw.

Da schrecken tatsächlich so manche vor nichts zurück.

Wir sind gefirmt, erwachsene Christen. Wir haben nicht nur die Fähigkeit, sondern die Pflicht, uns ordentlich zu informieren. Nachfragen, selber zu den Quellen gehen.

Was Menschen bezwecken, die Misstrauen gegenüber der Schulmedizin, der Ärzteschaft, der Politik usw. säen, kann auf keinen Fall etwas Gutes sein.

Davon bin ich überzeugt.

Maria hat sich auch deswegen auf den Weg gemacht, um herauszufinden, ob die ihr gemachten Verheißungen glaubwürdig sind.

Vernunft, Erkenntnis und Wissenschaft sind Gaben des Heiligen Geistes. Schätzen und erstreben und verwenden wir sie. Tauschen wir und mit unseren Mitmenschen aus. Stehen wir in ständigem Kontakt mit Gott. All das hat Maria gemacht.

Überprüfen wir – auch wo es nicht um Corona geht – alles, was uns seltsam vorkommt.

Das kann auch für uns nur von Vorteil sein.

Predigt                                                            29. 8. 2021

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Jesus meint, es ist wuscht, ob wir uns die Hände waschen? Kann das sein Ernst sein?

Eher nicht, oder?

Wir haben in den vergangenen eineinhalb Jahren gelernt, wie wichtig es ist, sich die Hände zu waschen – ja zu desinfizieren… wir sitzen mit einem Mundnasenschutz in der Kirche, weil wir niemand unwissentlich anstecken und gefährden wollen.

Wir haben aber leider auch erlebt, wie sich manche Menschen als Kontrollore aufspielen, und zwar nicht, weil sie um die Gesundheit der Menschen besorgt sind, sondern weil sie andere kontrollieren, sekkieren, schikanieren wollen. Das ist nicht ok. Jesus möchte, dass wir lieb und gut miteinander umgehen.

Die Bibelgelehrten damals haben sich enorm bemüht, sämtliche Gesetze, Reinheitsgebote der Heiligen Schrift bis ins Kleinste auswendig zu kennen – und sie haben bei ihren Mitbürgern peinlich genau darauf geachtet, ob die sich an alles halten. Ursprünglich wollten sie vermutlich Gott eine Freude damit machen. Aber zur Zeit von Jesus war es schon lange so, dass sie ihr Wissen und ihre Macht ausgespielt haben, missbraucht, dazu benutzt, die anderen zu sekkieren und zu schikanieren.

Und genau das möchte Jesus nicht.

Erinnert euch, dass es zuerst darum gehen muss, wie ihr im Herzen vor Gott dasteht, will er sagen – dass ihr lieb und gut seid zueinander, verständnisvoll und hilfsbereit… natürlich ist es vorteilhaft, sich die Hände zu waschen und alles sauber zu halten, Geschirr, Kleidung, Sachen … aber es gibt etwas, was noch wichtiger ist.

Wer erinnert sich an die Geschichte von den Geschenken für Tante Gusti?

Es waren doch drei gleiche Geschenke. War da vielleicht doch ein Unterschied dabei?

Ja, genau: Ein Kind wollte der Tante echt eine Freude machen mit der Karte.

Dem 2. Kind ist nichts Besseres eingefallen, es hat sich gedacht gute Idee, und es nachgemacht. Und das dritte Kind wollte sich nicht anstrengen und hat einfach irgendwas gemacht…und gedacht, es fällt bestimmt nicht auf.

Jesus möchte uns ermutigen, im Herzen ganz echt zu sein. Reden und Tun sollen zusammenstimmen.

Menschen können so schief und verbogen sein  – durch ihre Erfahrungen, Erziehung oder Gewohnheit …, dass ihnen das selber nicht mehr auffällt. Sie nennen sich christlich und sozial und treten gleichzeitig das Evangelium mit Füßen. In 9 von 10 Fällen …

Gott möchte es so – nicht wegen sich, sondern unseretwegen. Wir werden nicht glücklich, wenn wir halbherzig oder ein bisschen verkehrt herum irgendwas machen nur damit es nach außen für andere gut ausschaut.

Das wichtigste ist, dass uns Gott total wichtig ist, dass wir viel mit Gott reden, an ihn denken –  und wir unsere Mitmenschen so liebhaben wie uns selbst, dass sie uns so wichtig sind wie wir uns selber wichtig sind.

Gott interessieren Äußerlichkeiten nicht, wie beliebt und angesehen wir sind, wie reich wir werden, … unser Image – das Bild, das wir gern von uns vermitteln würden. Es zählt einzig, dass wir es ehrlich meinen mit dem Gutsein, und dass wir das Richtige tun.

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Was ist ein unreiner Geist?

Wir glauben so etwas nicht. Seltsam. Böse Geister gehören ins Märchen. Oder in Gruselgeschichten.

Was passiert im Evangelium?

Jesus kann dem Befehle erteilen. Jesus ist mächtiger.

Gibt es in unserer heutigen Zeit – und da frage ich jetzt auch die Erwachsenen – nicht jede Menge unreiner Geister?

Denkhaltungen, die Menschen halb oder ganz verrückt machen?

Konsumdenken, Hektik, Habgier – ein Radl, das knechtet, wo einer nicht einfach aussteigen kann, sobald er will? Wo Leistung alles ist, Selbstbehauptung, Aggressivität …

Und die totale Angst: was, wenn ich es nicht mehr schaffe, arbeitslos werde, zu alt, zu krank, zu wenig tüchtig bin …?

Die Folgen des Wirtschaftsterrors: Umweltzerstörung, neue Krankheiten wie Corona, was uns seit 11 Monaten in Atem hält … die Ausrottung ganzer Völker und irgendwann der Menschheit …

Oder die Esoterik, die rapide um sich greift wie eine Seuche.

Unglaube. Wenn man alles gleich glauben kann und es gleichgültig – wurscht ist: Es wird irrelevant, dass Jesus gekreuzigt wurde und auferstanden ist.

Auf der anderen Seite Fanatismus, religiöse Engstirnigkeit.

Wo es wiederum Denkverbote geben soll…

Am ärgsten von allem ist die Angst, die um sich greift – vor all dem, was ich geschildert habe. Terror, Horror heißt ja Angst, Schrecken.

Vieles was sich heute weltweit tut, kommt mir vor wie eine Krankheit: Zuerst merkt man es gar nicht, dass etwas nicht in Ordnung ist – man hat sich angesteckt, fühlt sich möglicherweise nicht 100prozentig wohl, denkt sich aber nicht viel.

Wenn es dann ausbricht ist es zu spät.

Vieles empfinden wir nicht als krank, weil es so normal ist – was alle, fast alle haben, das fällt nicht auf – wie in der Zeit des Nationalsozialismus diese Denkweise normal war. Allgemein üblich.

Aber eben nicht gesund und gut.

Der Mann in der Synagoge aus dem Evangelium hat sich vielleicht gar nicht krank gefühlt.

Erst als Jesus eintritt, kommt es auf, was ihm fehlt. In der Nähe Jesu, in der Anwesenheit Gottes, hält sich das Böse nicht länger.

Wo man wieder spürt, wie das Gute ist, sein könnte, erst da merkt man auf einmal, wie störend die Krankheit ist. Wie sie das Wohlbefinden beeinträchtigt.

Liede Brüder und Schwestern: Wie gern würden wir unsere Kinder, aber natürlich auch uns selber und alle unsere Lieben, vor allem Unguten, Kranken, Schädlichen bewahren und schützen.

Unter normalen Umständen würden wir an diesem Sonntag eine Kindersegnung haben im Gottesdienst.

Aber ich kann mir noch etwas vorstellen, was besser wirkt:

Wenn sie Jesus immer bei sich haben, ständig in seiner Nähe leben. Schließlich ist es ja auch so. Wir haben recht, wenn wir uns gesegnet fühlen und wissen.

Wie kann man da tun? Wie geht das?

Beten jeden Tag.

Mit ihm leben. Sich vorstellen und fragen: was würde Jesus tun, sagen … in der einen oder anderen Situation?

Jesus vertreibt den unreinen Geist.

Vielleicht ist manches bei uns so, dass wir auch zunächst einmal schreien möchten vor Trauer und Schmerz über das, was schief läuft in unserer Welt oder in unserer Familie, Gesellschaft …

Aber dann wird es besser. Und zwar ziemlich rasch. Wir erkennen, dass wir Christen heute diejenigen sind, die die Aufgabe haben, das Böse (Krankheit, Unrecht, Unfrieden, Armut, Dummheit…) in jeder Form zum Verschwinden zu bringen. Es unterstützt uns einer dabei, der bewiesen hat, dass er’s kann.

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Jesus rechnet uns im heutigen Evangelium etwas vor, da denke ich mir: Schade um die Mühe – wenn soviel vom Saatgut verlorengeht …?

Wir wollen da oft nicht hinschauen, aber uns geht es hier und heute ganz ähnlich: Schön gestaltete Gottesdienste, Runden und Gruppen der Pfarre, zig Angebote von Diözese und Ordensgemeinschaften … und wie viele aktive Christen bleiben unter dem Strich übrig?

Und wir lassen uns leicht entmutigen, sehen schwarz für die Zukunft unserer Pfarre – oder zumindest alles andere als rosa, und für die gesamte Kirche.

Evangelium heißt auf Deutsch: Frohe Botschaft.

Jesus möchte uns mit dem, was er sagt, nicht mutlos machen, sondern ganz im Gegenteil aufrichten, Freude und Hoffnung geben, unseren Glauben stärken, gute Perspektiven aufzeigen.

Wenn er das Verkündigen des Wortes mit einem biologischen Vorgang aus der Landwirtschaft vergleicht, dann bedeutet das: Es gibt ein natürliches organisches Wachstum. Wir können unser ängstliches Besorgtsein abgeben – wie es auch in der Lesung hieß: Gottes Wort bewirkt von sich aus, dass es sich ausbreitet und entfaltet sowieso eine Wirkung.

Nicht immer und überall, und das ist aber unvermeidlich, ganz normal und erwartbar. Dass nur ein Fünftel der Saat Frucht bringt.

Jesus beschreibt im Evangeliumstext übliche Vorgänge.

Da gibt es den steinigen Boden. Die Saat geht, sagt Jesus, schnell auf, verdorrt aber ebenso rasch wegen akuten Wassermangels. Wasser ist in der Heiligen Schrift Symbol für das spirituelle Leben.

Viele Menschen, sehr viele, hören von Jesus – und sind davon sehr angetan, berührt, vielleicht ins Herz getroffen – aber es bleibt beim einmaligen Kontakt. Ein Fernsehfilm. Ein Buch. Das Taufgespräch. Der Schulgottesdienst. Das Begräbnis eines Angehörigen. Die Hochzeit von Freunden. Die Erstkommunion oder Firmung – die der Kinder, Enkel, Nichten, Neffen, … oder der Aufenthalt im Krankenhaus und das Gespräch mit der KH- Seelsorge.

Und das wars dann auch schon.

Es geht nicht weiter.

Diese Menschen verdursten – spirituell betrachtet -, weil keiner nachgießt – OK., manche gehen dem Wasser auch selber in weitem Bogen aus dem Weg -,

weil niemand den Boden lockert mit ständigem Nachstochern mit unserem Glaubenszeugnis oder einer Einladung.

Ein anderer Teil der Körner fällt auf den Weg und wird von den Leuten zertreten oder von den Vögeln gefressen.

Viele hören zu Hause und im Betrieb oder Verein oder in Gesellschaft – abfällige Meinungen über Kirche und Glauben – das Evangelium wird in der Tat mit Füßen getreten; und so schließen sie sich der Mehrheit an. Viel Werbung wird gemacht für Esoterik, Buddhismus, Atheismus … Christentum wird als altmodisch hingestellt, ist es auch in manchen Ausdrucksformen, aber die Menschen verlieren die Lust, auch das Moderne, das Tolle und Faszinierende am Christsein sich anzuschauen, sie wollen nichts mehr hören und sehen, das Wenige, das sie gehört haben, verschwindet, zerrieben,…

Ein Teil der Saat geht zwar auf, wird aber von den Dornen erstickt.

Wie oft hört man: Zum Beten habe ich keine Zeit.

In den Gottesdienst gehe ich nicht, der Sonntag gehört dem Ausschlafen, der Familie, Ausflügen, Sport, liegengebliebener Hausarbeit – oder Berufsarbeit.

Lesen – noch dazu im religiösen Bereich, nein, da weiß ich mir was Besseres. Die täglichen Aufgaben ersticken die Spiritualität.

Es gibt aber eben auch das fruchtbare Erdreich. Und dort wächst die Saat von selbst. Das Wort Gottes erweist seine Kraft, entfaltet seine Wirkung, auch wo Menschen das gar nicht planen. Ein paar Beispiele:

In der ehemaligen UdSSR zur Zeit des staatlich verordneten Atheismus wurden immer wieder Schriften veröffentlicht, die Bibelstellen widerlegen oder lächerlich machen sollten. Die bibel zu lesen oder zu besitzen war verboten. Was haben glaubende Menschen gemacht? Sie haben die Textabschnitte aus der Bibel oder auch anderer religiöser Texte, die verunglimpft wurden, ausgeschnitten, den atheistischen Erklärungsrest weggeschmissen, die Bibelsätze auf Papier geklebt und für ihr persönliches Glaubensleben verwendet. Kraft daraus bezogen.

Im ehemaligen Jugoslawien unter Tito war Glaubensverkündigung verboten. Frauen in katholischen Familien haben viel Rosenkranz gebetet; aber nicht die 4 offiziellen, zumindest nicht nur. Mit Hilfe der Einfügungen haben sie nach und nach das gesamte Evangelium an ihre Kinder weitergegeben.

Gebete murmelnde Frauen hat niemand kontrolliert.

Ich denke mir, wir, das Fünftel, das reiche Frucht bringen soll, kann etwas tun dafür: Es darf uns nicht egal sein und es ist bestimmt nicht unsere Aufgabe, tatenlos zuzusehen, wie gute Anfänge in unserer Pfarre und persönlichen Umgebung verdunsten, verkümmern, ersticken, aufgerieben werden.

Schauen wir ein bisschen auf unsere Mitchristinnen und Mitchristen – eine Möglichkeit wäre es, drei Personen auszuwählen und – für ein paar Monate vielleicht – auf deren Spiritualität zu achten, ihnen zu helfen, sie anzusprechen auf den Glauben, sie zu Veranstaltungen einzuladen, in unsere Gottesdienste, und für sie einmal am Tag zu beten. Probieren Sie das einmal.

Wenn wir nur bei einem von den dreien Erfolg haben, wird sich das Fünftel verdoppeln …

Ich werde nach meinem Urlaub die, die das tun, einladen, sich zu treffen zum Austausch und Gebet …

Haid, 12. 7. 2020

Predigt                                                                      21. 6. 2020  Haid

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

„Muss ich euch das wirklich dreimal sagen!?“

Wer sagt so etwas, wer hat das schon einmal von jemandem gehört?

Genervte Eltern zu den Kindern: … dass ihr im Wohnzimmer nicht Ball spielen sollt! … – dass die Kirschen noch nicht reif sind und ihr sie noch nicht essen sollt … dass zuerst die Hausübung gemacht wird und ihr nachher auf dem Spielplatz dürft …?!“ Oder vom Arzt: „… Dass Ihre Beschwerden nicht besser werden, solange Sie Ihre Ernährung nicht umstellen …“

Meistens ist es etwas, was wir NICHT tun sollen.

Auch Jesus sagt im heutigen Evangelium etwas dreimal: Fürchtet euch nicht!“

Diese Aufforderung steht im Neuen Testament übrigens genau 120 mal. Engel sagen es, Gott selber, und eben Jesus.

Ja gut, werden wir jetzt sagen, aber Angst ist doch normal, die tritt einfach auf, was kann ich da dagegen schon tun?

Angst, Furcht hat aber 2 Nuancen.

Es gibt die gesunde Angst. Der Mechanismus des Unterbewusstseins: Kampf oder Flucht. Der Puls beschleunigt sich, alle Kraftreserven werden mobilisiert, um adäquat auf die aktuelle Situation reagieren zu können. Es würde zu lange dauern, wenn wir bewusst darüber nachdenken müssten, also geht es praktisch automatisch. Gäbe es diese Art der Angst nicht, wäre die Menschheit vermutlich schon ausgestorben.

Und dann gibt es die Angst, die gelernt wurde, die antrainiert ist, die gesellschaftlich oder kulturell üblich und allgemein ist, aber vielleicht nicht oder schon lange nicht mehr logisch begründbar. … Was könnten die anderen denken … religiöse oder gesellschaftliche Tabus … eine Katastrophe könnte ausbrechen, wenn …

Die wirklich gute Nachricht heute von Gott an uns: er möchte uns Menschen von beiden Arten der Furcht frei machen.

Die Angst nämlich, dass die Jünger Jesu verfolgt werden würden, zu Außenseitern der Gesellschaft, Verurteilung und Tod drohten, war in der Realität begründet. Es waren Tatsachen, mit denen gerechnet werden musste.

Und nicht einmal da sollen sie sich fürchten.

Wie viel mehr, liebe Brüder und Schwestern, gilt die Aufforderung zur Furchtlosigkeit uns heute!

Wovor fürchten sich Menschen in unseren Breiten, zu unserer Zeit im Normalfall?

Wovor haben wir Angst – Sie und ich? Höchstwahrscheinlich nicht vor Verfolgung aufgrund unserer Glaubenszugehörigkeit.

Eher vor schwerer Krankheit und Tod. Vor Schmerzen, vor Leiden, vor Unheilbarkeit.

Davor, einen lieben Menschen zu verlieren.

Dann gibt es die Angst, zu wenig zu bekommen – an materiellen Gütern.

An Zuwendung, Aufmerksamkeit und Liebe.

Und die Angst, dass die eigenen Rechte beschnitten werden, dass die Integrität verletzt wird, die Würde.

All diese Ängste machen das Denken eng. Sie sind Ursache sämtlicher Sünden, die wir auf dieser Erde kennen. Sich bereichern auf Kosten anderer, auf Kosten der Natur, auf Kosten der Völker im Süden, in armen Ländern. Falschheit, Misstrauen, Hass, Gewalt, Verstellung, Zurückhaltung von Informationen, andere klein halten, damit man selbst groß herauskommt … lauter Absicherungsmaßnahmen, damit es einem selbst so gut wie möglich geht. Fanatismus in den Religionen, Unterdrückung, weltanschauliche Verfolgung… Unfreiheit, mangelnde Bildung … untaugliche aber allgemein verbreitete Mittel, um de eigene angst zu bekämpfen, die eigene Unsicherheit in Glaubensfragen, Zweifel nicht aufkommen zu lassen…

In den vergangenen Monaten haben wir erlebt, wie die Angst vor Erkrankung und die Angst vor Unfreiheit durch Kontrolle und Überwachung aufeinanderprallen.

Angst ist eine schlechte Ratgeberin, wie es das Sprichwort sagt.

Vor vielen Jahren hat ein Exerzitienbegleiter zu mir gesagt: Die einzige wirkliche Sünde ist das Misstrauen Gott gegenüber, dass wir seiner Güte nicht vertrauen.

Oder, das sage ich: dass wir ihn aus unseren Überlegungen überhaupt ausblenden und tun, als gäbe es ihn nicht.

Jesus lädt uns ein zum gelingenden Leben. Er möchte, dass wir glücklich sind. Wenn er uns auffordert und herausfordert, unsere Furcht loszulassen, dann setzt er etwas dagegen, dann bietet er uns eine Alternative an: Das Gottvertrauen imBewusstsein, dass meine Haare auf dem Kopf gezählt sind, dass alle meine Ängste und Sorgen und Lebensumstände – gegebenenfallls auch Missstände – bestens bekannt, liebevoll im Blick Gottes geborgen und aufgefangen sind.

Die äußeren Umstände haben nicht die letzte Macht und das letzte Wort – die oberste Instanz ist Gott selber, an den wir uns jederzeit wie an einen guten Papa wenden dürfen. Und Jesus ist bei uns. Wenn ich das weiß, dann besteht tatsächlich kein Grund, sich zu fürchten.

In meiner Jugend war ich zwei Jahre krank, zeitweise litt ich unter derart schlimmen Kreislaufstörungen, dass ich eigentlich am liebsten nicht außer Haus gegangen wäre. Es kam für mich nicht in Frage, eingesperrt zu sein, nicht fortzugehen, studieren, einkaufen gehen usw…Leute treffen.

Ich habe dann wortwörtlich darauf vertraut, dass Jesus wie ein Bruder oder Freund überall mit mir hingeht. Das hat mir wirklich geholfen.

Die Angst löste sich auf.

Und das wird sie bei jedem von uns tun. Wenn es eng wird, richten wir unseren Blick auf den, der bei uns ist, und er wird sich weiten.