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Liebe Brüder und Schwestern!

Wieso ist diese Familie heilig? Ja klar, Familienmitglieder heißen Maria, Josef und Jesus – das versteht sich fast von selbst.

Wir haben in den letzten Tagen und Wochen ja auch ausführlich über alle Beteiligten gehört. Über ihren Glauben, ihr Verhalten …

In der Lesung aus dem AT kommt auch eine Familie vor – von der haben wir noch nicht so viel gehört, möglicherweise hat sie uns gerade deshalb mehr zu bieten, wenn wir fragen, wie Familien heilig sein können.

Hanna ist mit Elkana verheiratet und leidet jahrelang darunter, dass sie keine Kinder bekommen kann. In der damaligen Situation gilt Kinderlosigkeit als große Schande, sie kommt sich von Gott beinahe wie verflucht vor. Interessanterweise stört ihren Mann das gar nicht – er beteuert „Du bist mir mehr wert als viele Söhne“ – es sind auch schon mehrere Kinder von seiner ersten Frau da.

Aber Hanna reicht das nicht – sie ist unglücklich wegen ihrer Kinderlosigkeit, und das AT schildert, ein paar Sätze zuvor, wie Hanna im Tempel inständig betet – Gott möge ihr Kinder schenken, damit sie von den Menschen ihrer Umgebung, vor allem von der anderen Frau Elkanas, Pennina, die mit den Kindern, nicht verachtet und verspottet wird.

Als Hanna so betet, erlebt sie, dass Gott sie als Person ganz ernst und annimmt.

Ihre Sorgen versteht – und um ihr zu helfen, ihr den Sohn Samuel schenkt – und danach noch weitere Kinder.

Hanna empfindet den Sohn ganz deutlich als Geschenk Gottes. Mit großer Dankbarkeit.

Und so betrachtet sie ihn nicht als Privateigentum, sondern überlässt ihn so früh wie möglich dem Handeln und Wirken Gottes, entlässt ihn in die Freiheit.

Dort darf er sein, wo er ungehindert seiner Berufung folgen kann.

Maria und Josef haben diese Einstellung nicht so leicht und einfach. „Kind, wie konntest du uns das antun“ – und da ist Jesus kein kleines Kind mehr, sondern nach seiner Bar Mizwa im religiösen Sinn als Jude erwachsen. Auch als Jesus als Prophet bekannt ist, ist seine Familie – die Mutter und die Brüder – bemüht, ihn so schnell wie möglich nach Hause zu holen. Er soll sich gefälligst nicht so verrückt aufführen, meinen sie.

Maria hat im Laufe ihres Lebens ständig dazugelernt. Sie war offen für die Anregungen des Heiligen Geistes. Das ist es, was Heilig Sein meint. Obwohl sie sich auch schwer getan hat immer wieder mit diesem besonderen Kind…

Wir alle können unseren Ehebund, unsere Familie jeden Tag wieder ausdrücklich in den Wirkungsbereich Gottes stellen. Eine Familie ist christlich, wenn sie auf Gott hin offen ist. Heilig, heil, gesund…

Familien, überhaupt Systeme die nicht vom Geist Gottes inspiriert sind, sind geschlossene Systeme und tun den Beteiligten nicht gut… Wo alles ein für alle Mal feststeht und reglementiert werden muss – Rollen, Regeln, Abläufe … Wo kein Raum für neue Ideen, Verhaltensweisen oder Personen ist – wo es Schwiegertöchter und –söhne schwer haben. Oder Kinder sogar beziehungsunfähig werden, weil sie ewig an der Mutter oder am Vater kleben.

Familie kann da leicht zum Albtraum werden.

Wo sich der Familienvater, die Familienmutter selbst von Gott getragen, beschützt, begleitet, gesegnet weiß – da brauchen sie nicht ständig aufpassen wie die Haftelmacher, bloß nichts falsch zu machen. Zigtausend Ernährungs-, Erziehungsratgeber und Tipps für die für die richtige Versicherung oder Schulwahl … Da können alle Beteiligten aufatmen, statt krampfhaft zu kontrollieren, da entsteht Freude und Freiheit, tiefes Vertrauen und Wohlwollen …

dort ist echte Liebe – nicht Abhängigkeit.

Bitten wir Gott, dass er unsere Familien zu solchen offenen gesunden, heiligen Systemen macht.

U

Beitrag und Übung für Freitag, 25. 10. 2024

Religiöse Tabus

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Spiritualität ist eine der wertvollsten oder sogar die grundlegende Haltung der Menschen.

Religionen haben immer die Tendenz, Absolutheitsansprüche zu stellen.

Da wird erklärt, es ist z. B. unvereinbar mit dem Christentum, schamanische Reisen zu unternehmen, Yoga zu praktizieren, an Gottesdiensten anderer Weltreligionen teilzunehmen (oder als KatholikIn beim evangelischen Abendmahl …), alternative Heilmethoden anzuwenden, Astrologie in Anspruch zu nehmen usw. usf.

Kleingeistige ängstliche Menschen wollen andere auf ihr Niveau herunteriehen – um die eigene Enge und Strenge zu legitimieren vielleicht – oder um geistliche Macht auszuüben, i. e. religiöse Follower zu generieren (für sich selbst, versteht sich, nicht etwas für die Religion oder den Religionsgründer)

Wenn euch etwas anspricht, probiert es aus. Ihr werdet es merken, wenn es nicht u euch passt, wenn es nicht heilsam wirkt.

Daneben gibt es aber noch die innerreligiösen Tabus, die mit dem Glauben an sich absolut nichts u tun haben, sondern fixe, tradierte Vorstellungen sind, die quasi religiösen Status erlangt haben und als absolut gelten.

Beispiele:

  • Eine Frau, die gerade menstruiert, ist  – religiös, kultisch – unrein
  • Sex ist unheilig, irgendwie „schmutzig“
  • Verschiedene Speisevorschriften (kein Fleisch, kein Schweinefleisch, kein Alkohol… neuere Biofreaks haben das ebenfalls: kein Zucker, kein Kaffee, …)
  • Zwischen Weihnachten und Dreikönig keine Wäsche aufhängen
  • Während der Periode keine Mayonnaise machen, keinen Kuchen backen, keine Marmelade einkochen …
  • Im Advent und in der Fastenzeit nicht tanzen
  • Frauen müssen ein Kopftuch tragen
  • Keine Bluttransfusionen

Ihr seht schon: Bei vielem handelt es sich um reinen Aberglauben…

(vor dem Geburtstag darf man nicht gratulieren; der Bräutigam darf das Brautkleid nicht vor der Hochzeit sehen; …)

Wenn ihr die Evangelien aufmerksam lest, werdet ihr schnell draufkommen: Jesus haben solche Dinge massiv gestört. Er hat sich gegen Unsinniges gewehrt, nicht mitgemacht – und sein Handeln erklärt. Am Sabbat z. B. war Berufsarbeit absolut verboten. Das Heilen eines Arztes, das Behandeln eines Patienten zählte dazu. Die „Strenggläubigen“ haben Jesus verurteilt, weil er Kranke und Behinderte am Sabbat heilte…

Unser neuzeitlicher Kommentar dazu würde wohl lauten. „Hallo, Leute, geht’s noch?“

Die heutige Übung:

Nimm dir ein paar Minuten Zeit und notiere spontan alles, was dir in diesem Bereich während deines Lebens schon begegnet ist.

Welche „Gebote“ befolgst du, die dich einschränken, unglücklich machen, deine Ängstlichkeit verstärken …?

Versuche, einen Tag lang eines diese Tabus zu ignorieren und so zu leben, als gäbe es das nicht.

Wenn es mehrere sind: Nimm dir in ca. einer Woche wieder einen Tag, an dem du lebst, als gäbe es das 2- Tabu nicht …

Und so weiter …

Ich bereite die nächste Serie für euch vor: UNVEREINBAR?
Immer wieder stoßen wir an Grenzen, die wir selbst gezogen haben. Imaginäre Denkverbote, Verhaltensregeln aus dem Jahre Schnee, Kommunikationsmuster aus dem Kindergartenalter oder der Pubertät … dazu kommen mitunter religiöse Tabus, die uns irgendwann eingetrichtert wurden oder Familienstreitigkeiten (so nach dem Motto: mit denen kann man nicht reden … die laden wir aber besser nicht ein zur Geburtstagsfeier … wenn die kommt, müssen wir die Bilder von Onkel X bzw. die Zeitung XY wegräumen, weil sonst Unfrieden entsteht …) und überhaupt: was sollen DIE bloß von mir/uns denken, wenn…
Also: Humor und tiefe Spiritualität helfen garantiert, solche „Zustände“ zu überwinden, oder einfach alles zu vereinfachen…
Das Leben darf genossen werden!
An den nächsten drei Tagen findet ihr vorbereitende Übungen zum Weiten eurer Perspektive, zum Vertiefen des Humors und zum wirklichen Wesen der frohen Botschaft, die Jesus gebracht hat.

(Fast) letzte Gelegenheit, mein De luxe-Jahresbegleitprogramm zum alten Preis zu buchen:

Glücklich, frei, gesund und begeistert!

Trainings- und Begleitprogramm

Wissensvermittlung – Training/Übungen – individuelle Begleitung – Erfolge feiern

De luxe – lebensverändernd

Dauer: 9-12 Monate, ca. wöchentliche Treffen, Übungen und Aufgaben für die Zeit dazwischen. Beginn je nach Auslastung jederzeit möglich

2 Retreatwochenenden (zweitägig)

Skriptum

Fest mit Dinner und Segensritual zum Abschluss (vor Ort mit allen TeilnehmerInnen, max. 8 Personen gleichzeitig)

Gebucht bis 22. Februar, 23.59 Uhr: alter Preis!

Schau morgen in meine Facebookgruppe „Göttinnen in Ausbildung“! Ich erkläre live, worum es geht.

Ab 16.00 Uhr.

Hier der Link: www.facebook.com/groups/goettinneninausbildung/

Schreibt auch gern – wir können ein persönliches Telefongespräch oder Zoommeeting vereinbaren!

Bis morgen!

Predigt                                                                St. Leonhard, 6. 11. 2022

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Ich bin gekommen, den Gefangenen die Entlassung zu verkünden.

So stellt sich Jesus vor in seiner Antrittsrede in Nazaret.

Das Befreien von zu Unrecht Gefangenen gehört zutiefst und schon seit den Anfängen zur christlichen Tradition. Der Messias wurde zunächst als Befreier von (politischen) Gefangenen erwartet, die gab es nämlich, man hatte ja die römische Besatzungsmacht im Land …

Die ersten Christen haben Geld gesammelt, um getaufte Sklaven freizukaufen, man empfand es als absolut unpassend, dass Getaufte, freie Bürger des

Reiches Gottes, im römischen Staat als Unfreie leben sollten, und hat etwas dagegen unternommen.

Wenn wir uns bei Amnesty International oder CSI, Christen in Not für politisch, weltanschaulich oder religiös Verfolgte einsetzen, stehen wir in einer guten Tradition.

Jetzt hat aber das Befreien, das Lösen oder Sprengen von Ketten weitere Dimensionen.

Zunächst das Befreien aus dem Tod. Es gibt eine Reihe von Bildern, die Jesus als Auferstandenen zeigen, wie er an den Händen links und rechts die Verstorbenen aus der Unterwelt herausholt ins Licht, in seinen Bereich, in den Himmel.

Dann natürlich das Befreien von der Sünde, das Jesus bewirkt. Und da steckt mehr dahinter als die schnelle Lossprechung nach einer noch schnelleren Aufzählung von Verhaltensweisen, die uns verkehrt vorkommen.

Der Heilige Leonhard ist auch einer der Schutzpatrone für eine glückliche Geburt.

In den letzten Monaten ist in mehreren Industrieländern wieder neu die Abtreibungsproblematik ins Blickfeld gerückt.

Gesetzliche Lösungen wie z. B. in Österreich die Fristenlösung, wo eine Abtreibung gesetzlich verboten ist, aber unter strengen Voraussetzungen nicht strafrechtlich verfolgt wird, sind in weiten Teilen der USA und in Polen derzeit nicht mehr möglich.

Selbstverständlich sollen Menschen, v. a. Christen, Menschenleben schützen.

Die sog. Fristenlösung bei uns und anderswo ist aber das geringere Übel.

Es ist nämlich genauso das Leben der beteiligten Mutter schützenswert.

Wie kommt eine Frau dazu, ihr Kind nicht bekommen zu wollen?

Fragen wir nach dem beteiligten Vater.

In sämtlichen Fällen handelt es sich um eine Gewaltbeziehung. Um nicht einvernehmlichen Sex – wo der Mann nicht nach Verhütungsmitteln fragt. Wo es keine Kommunikation auf Augenhöhe gibt.

Der Mann verschwindet dann … oder er stellt die Frau vor ein Ultimatum: das Kind oder ich – von ihm ist sie aber finanziell abhängig, sie und die 3 Kinder, die es vielleicht schon gibt… oder es ist eine unterdrückende Familiensituation, wo die junge Frau in ihrer Herkunftsfamilie mit dem Schlimmsten rechnen muss…aber – in Migrationsfamilien – den Kindesvater, den Freund gar nicht heiraten darf, weil die Familie einen anderen Kandidaten ausgesucht hat …gibt es aber in alteingesessenen österreichischen Familien genauso – da darf auch nicht jede jeden heiraten, ohne ev. größten Unmut zu erzeugen…

Solche Mädchen und Frauen werden eine Abtreibung durchführen, weil sie sonst selber nicht mehr leben könnten. Illegal und nicht von Arzt oder Ärztin, sondern mit Pfuschmethoden. So bringen sie ihr Leben erst recht in Gefahr.

Der Hl. Leonhard würde heute vermutlich Mutter-Kind- Wohnungen initiieren.

Jesus ist gekommen, um Ketten jedweder Art zu entfernen, im übertragenen Sinn: er möchte uns den Klotz am Bein entfernen, der uns am glücklichen Leben hindert.

Was können wir tun?

Halten wir Jesus unsere Ketten hin, die wir aus eigener Kraft nicht loswerden: Gewohnheiten, Denkweisen, verfahrene Situationen, alles wo wir glauben es muss so sein aber im Grunde darunter leiden, fixe Vorstellungen, Festlegungen anderer, wie wir angeblich immer seien oder zu sein haben, gesellschaftliche Schranken, Standesdünkel, Feindschaften, Beziehungen, Gruppenzwänge, Süchte, seelische und körperliche Krankheiten… die Weltlage und und und …

Wir brauchen nur sagen, wir wollen das nicht mehr…

Heilige haben die Aufgabe, auf uns Menschen ein bisschen ein Auge zu haben – wie ältere Geschwister auf Kleinere. Bitten wir den Heiligen Leonhard, dass er sich für uns einsetzt, wo wir unfrei sind. Als Befreier aktiv wird Jesus, Gott, selber.

Wir brauchen uns nur überraschen lassen, wie und wie sehr.

Gestern Nachmittag habe ich mir die dritte Impfung gegen Covid19 geholt.

Ein bisschen schummrig ist mir heute gewesen, aber ich hatte einen normalen Arbeitstag.

Ich genieße es, geimpft zu sein.

Theater, Kino, Veranstaltungen, Lokalbesuche …

Ich könnte meinen Beruf als leitende Seelsorgerin nicht ausüben ohne Impfung.

Für Sitzungen braucht man sie, Arbeitstreffen …

Ein guter Rat: Holt euch die Impfung – egal die wievielte!

Ein Stück Freiheit und Lebensqualität.

„Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt.“ (Lk 3,6)

So steht es im heutigen Sonntagsevangelium. Und es ist auch dringend nötig.

Gestern haben wir von Barbara gehört, die als Märtyrin gestorben ist. Ihre Legende spielt im Gebiet der heutigen Türkei,

Wir denken oft nicht daran, dass Zwangsverheiratungen von minderjährigen Mädchen in vielen Kulturen gang und gäbe sind. Ein Eingriff in die persönliche Integrität und Entscheidungsfreiheit, wie er größer kaum sein kann.

Die Freiheit, das eigene Leben eigenverantwortlich zu bestimmen und zu gestalten, haben nicht nur die meisten Frauen und Mädchen in den orientalischen Ländern nicht, sondern immer noch zu viele weltweit.

Ohne Zugang zu Bildung, Beruf, sauberem Wasser, Gesundheitsversorgung und gesellschaftlicher Anerkennung ist die Entscheidungsfreiheit erheblich eingeschränkt.

Uns Christen kommt es zu, nach dem Vorbild Jesu Gottes Heil zu jedem Menschen zu bringen, bis in die entferntesten Winkel der Erde.

Das Nachdenken darüber, wie und was wir unternehmen können, kann in diesem Advent beginnen, an besten jetzt gleich.

Predigt Christkönigsonntag 2021

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

„Bist du ein König?“ Der römische Statthalter ist vorsichtig. Die Anhänger eines Königs könnten einen Aufstand beginnen, wenn er ihren Anführer zum Tod verurteilt. Andererseits: Die Anhänger gibt es offenbar schon…Wenn er ihn nicht verurteilt, ist er selber dran. Ich denke, er hofft, dass Jesus die Frage mit „Nein“ beantwortet. Dann kann er ihn nämlich freilassen, was er sowieso vorhat.

Zwischen König und König ist ein Unterschied.

Das Königsein hat sich im Lauf der Geschichte entwickelt.

Im frühen Mittelalter war König derjenige, der aufgrund eigener Tüchtigkeit – Kampferfolg, Gefolgschaft und Persönlichkeit – zum Anführer wurde. Andere Fürsten schlossen sich dem an, dem sie die Führungsrolle – zumindest momentan in einer Krisensituation – zutrauten.

Die Artuslegende und auch die König-David-Legende im Judentum erzählen von Königen dieser Art.

Dass die Königswürde mit der Zeit erblich wird und der Verwandtschaftsgrad wichtiger wird als die Eignung, das entwickelt sich in allen Völkern so.

Und irgendwann werden die Monarchen mehr schädlich als nützlich, und sie verschwinden so oder so …

Das Modell setzt auf freie Wahlen, damit die Chance besteht, dass wieder die Tüchtigsten eines Landes das Sagen haben …

Menschen, die sich für das Wohl der Gemeinschaft einsetzen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, werden immer seltener.

Wenn sie ehrlich und klug sind, erkennen sie genau: Aus eigener Anstrengung ist vieles nicht zu schaffen. Man kann es nie jedem recht machen, es sind Entscheidungen zu treffen, die möglicherweise fast niemand freuen, aber richtig sind, und bei bestem Willen und aller Umsicht kann leicht Wichtiges übersehen werden … allwissend ist eben niemand.

Ich bin mir sicher, viele Politiker/innen oder auch Verantwortliche oder Vorsitzende verschiedener Gremien fühlen sich öfter wie dieser Jesus, der schon die Dornenkrone aufhat – mehr Bürde als Würde…

Hier durchzuhalten, nicht das Handtuch zu werfen, das geht nur mit einer gesunden Spiritualität, mit tiefem Glauben. Wenn Gottes Geist als Kraftspenderin dahintersteht …

Ab heute sind wir hier in der Pfarre Pucking aufgerufen, KandidatInnen für den nächsten Pfarrgemeinderat vorzuschlagen.

Wie wir als Staatsbürger der Souverän des Volkes sind, die Verantwortung haben, unser Land und Volk zu gestalten, so sind wir als Katholiken, als Christen berufen, die Gemeinde vor Ort zu gestalten. Zu Königinnen und Königen sind wir bei unserer Taufe ja sowieso gesalbt worden.

Wir tragen die Verantwortung, der Ball liegt bei uns.

Allerdings dürfen wir den guten König, den Souverän des ganzen Universums, bei uns wissen. Jesus Christus, dem alles zu Füßen gelegt ist, der den Kampf zwischen Gut und Böse bereits für sich entschieden hat, steht hinter uns…

Wir fühlen uns heute gerade wieder verzagt und ohnmächtig, wütend und verzweifelt – angesichts der Lage.

Aber dass alles gut ausgehen wird, mit der Welt, mit der Menschheit, mit der – mit den Glaubenden im großen Stil, nicht mit einer Konfession oder Pfarre -, wenn wir unseren Beitrag dazu leisten.

Das dürfen wir als Christen nie aus den Augen verlieren.

Alles ist sein Eigentum, heißt es in einem Lied.

Ja, Gott greift in die Geschichte ein, ins Weltgeschehen, davon spricht die Bibel in immer neuen Variationen. Aber nicht ohne unsere Mitwirkung.

Gott, Jesus, ist kein König, der Untertanen braucht.

Gott, Jesus, möchte uns frei und glücklich. Das hat einen Preis, wenn wir nicht wollen, dass uns wer anderer beherrscht. Wir müssen das dann höchstpersönlich selber übernehmen: Selbstbeherrschung.

Ganz sicher möchte er unser König sein: der sich um uns kümmert, dass es uns gut geht, dass wir frei sind – deswegen mag er das ganz und gar nicht, wenn wir andere Könige (oder sogar Götter) haben neben oder statt ihm.

Auch die Angst, die wir vielleicht jetzt neu haben, darf uns nicht knechten, unterdrücken, beherrschen. Genausowenig wie andere Menschen oder das Geld, die Karriere, die Firma, ja nicht einmal unsere Familie. Erst recht nicht Süchte oder Krankheiten, oder fixe Ideen, Traditionen oder Systeme … – wenn und sobald wir Gott als König annehmen, verteidigt er uns vor sämtlichen selbsternannten Königen, die Untertanen suchen…

Jesus Christus verteidigt unsere Freiheit – uns stärkt unsere eigene Verantwortung.

Lassen wir ihn das tun.

Amen.

Liebe Brüder und Schwestern!

Die Wüste hat 2 Seiten.

Ich weiß nicht, welche Ihnen momentan eher ins Auge springt.

Für uns ist eine Wüstenlandschaft eher etwas Exotisches, die Schönheit steht im Vordergrund.

Ja, die Wüste ist überwältigend schön. Schon allein die Farben. Der Sand der Sahara: aber auch in Jordanien und Israel: orangerot. Manche Reiseteilnehmer haben sich ein kleines Gefäß mit diesem Sand gefüllt, als Andenken für zu Hause.

Dann die grenzenlose Freiheit. Keine Obrigkeit, der man sich unterordnen müsste.

Die Israeliten nach dem Auszug aus Ägypten haben 40 Jahre in der Wüste verbracht – wenn man es nicht gewohnt ist, muss man Freiheit lernen, Selbstverantwortung.

Claudia Mitscha-Eibl singt im Mirjamlied von der Gefahr, zurückzufliehen – zu den Fleischtöpfen Ägyptens, in die Sicherheit der Sklaverei.

Denn: Das Leben in der Wüste – in der Freiheit – ist anstrengend und gefährlich.

Man muss genau auf jeden Schritt achten. Erfordert genaue Planung: wie viel Wasser und Nahrung brauche ich für welchen Weg. Nur das Wesentliche kann mitgenommen werden, jedes Zuviel bedeutet untragbare, unerträgliche Last.

Man kann verhungern und verdursten.

Sich verirren, auf wilde Tiere stoßen. Orientierung ist gefragt. Die Sterne des Himmels zeigten den Weg.

Fata Morganas, Luftspiegelungen, täuschen Leben und Ziel – Wasser, die rettende Oase – vor, wo keines ist.

Bei einem Unfall kann es sein, dass keine Hilfe kommt.

Am Tag droht der Sonnenstich, in der Nacht die Unterkühlung. Beim Sandsturm kann man ersticken.

Alles ist in der Wüste intensiver als im „normalen“ Leben. Als in der Stadt oder im fruchtbaren Tal.

„Wüste“ steht für eine Ausnahmesituation.

Ein Symbol für Ausnahmesituationen im Leben.

Für Zeiten der Not, Krankheit, Enttäuschung, des Mangels, der Einsamkeit und der Prüfungen, des Scheiterns und Nicht mehr Weiterwissens – wo wir an unsere Grundsubstanz kommen.

An unsere Grenzen.

Wo unsere Filter und Schutzhüllen wegfallen. Kultur, Tradition, Religion, Besitz, Herkunft …

Keine Ablenkung. Unsere Seele liegt bloß – Ausflüchte bringen nicht weiter.

Wir haben alle im letzten Jahr ein Stück „Wüste“ erlebt – die Gefahr des krankwerens, die drohende Not, Arbeitslosigkeit, echteNot durch Isolation, den Mangel an Ablenkung durch kulturelle, sportliche,vereinsmäßige, pfarrliche, … Tätigkeiten, durch Reisen, durch Lokalbesuche, den Freundeskreis, die Verwandtschaft.

Auf uns selbst zurückgeworfen wurden viele – einzeln und innerhalb der Kernfamilie.

In der Wüste und ähnlichen Regionen, z. B. auch bei Bergbauern, gibt es aber noch eine Besonderheit:

Legendär ist die Gastfreundschaft der Beduinen.

In Kargheit und Würde. Ohne Ansehen der Person.

Ausgeliefert sein, das Wissen: wir alle sind aufeinander angewiesen.

Jesus hat das gewagt. Alle Fülle und alle Macht als Gottes Sohn abgelegt.

Die Versuchung war, sich als göttlich und leidfrei zu zeigen, nicht an die Grenze zu kommen, kein Risiko einzugehen.

Wir sind in der Fastenzeit eingeladen, uns in die Wüste zu begeben.

Freiheit zu üben.

Selbstverantwortung. Achtsamkeit – ausprobieren, was ich alles nicht brauche, weil es zuviel ist … trotz Corona sind da immer noch Denkmuster, Abhängigkeiten und Strukturen die unfrei und krank machen …

Aussteigen – nicht für immer, aber für eine gewisse Zeit.

Nicht nur, weil wir diese Erfahrungen brauchen – damit wir mit Extremsituationen, die in unserem Leben auf uns zukommen, besser umgehen können. Wir wissen, was wir alles aushalten. Weil wir es trainiert haben. Menschen, die besser mit dem Lockdown zurechtgekommen sind, haben zuvor geübt!

Aber auch deswegen, weil wir die Erfahrung machen dürfen:

Wo wir uns aus unseren Schutzmauern und Panzern, aus unserer 100fach abgesicherten Zuckerwattewelt ins wirkliche freie und gefährliche Leben hinaustrauen, da hat es Gott ganz leicht, für uns sichtbar zu werden. Da wird die Grenze durchlässig zur „anderen“ Welt.

Es ist zu wünschen, dass wir zu spüren beginnen: da schaut jemand auf uns, der uns liebt.

Wir haben uns jetzt eine Weile mit dem Thema beschäftigt, dass Gott jeden Menschen bedingungslos liebt, dass wir wertvoll, umsorgt, behütet, gesegnet, … sind.

Und doch ist da bei manchen diese Frage: Wie soll ich an einen gütigen. gerechten, liebenden Gott glauben – wenn er doch nie eingreift, sich heraushält, nichts unternimmt angesichts des Leids in der Welt?

Wie kann er zulassen, dass ein 19jähriger Sohn an Krebs stirbt, dass die jungen Eltern beim Autounfall draufgehen, dass Zigtausende bei einem Erdbeben sterben und obdachlos werden, … dass Millionen Kinder mangelernährt sind und vor Hunger umkommen, dass es ständig Kriege gibt auf der Welt … oder angesichts Corona und verschiedener weiterer Epidemien…?

Gott muss entweder nicht allmächtig sein – oder nicht gütig.

Und wenn er eines von beiden nicht ist, ist es kein Gott, an den zu glauben möglich ist …

Dieses Dilemma ist alt. Man nennt es das „Theodizeeproblem“.

Ich möchte dazu ein paar Sätze formulieren, die aus meiner persönlichen Glaubens-Erfahrung gewachsen sind:

  • An vielen Übeln ist nicht Gott „schuld“, sondern sie sind von Menschen verursacht: Krieg, Gewalt, Unrecht, Hunger, medizinischer Unterversorgung und anderer Not in armen Ländern (es ließe sich lösen! Fehlt an Einsicht, gutem Willen.)
  • Bei natürlichen Ursachen ist daran zu denken, dass wir nicht im Paradies leben, sondern als Menschen auf einem Planeten mit natürlichen Bedingungen(Wetter, Vulkanausbrüche, Erdbeben, …). Auch Krankheiten und unser körperlicher Tod, unsere Endlichkeit, ist da dazuzurechnen.
  • Es ist keineswegs so, dass Gott NIE eingreift. Zahlreiche Beispiele geben Zeugnis davon, dass Menschen mit ihrem Beten „Erfolg“ haben, dass sich ein Problem auf wunderbare (menschlich nicht planbare und nicht herstellbare ) Weise lösen. Es gibt Krankenheilungen, abgewendete Katastrophen, beendete Kriege, plötzlich erreichte Gerechtigkeit …

Die Frage lässt sich meiner Meinung nach eingrenzen auf die Formulierung: Warum greift Gott nicht IMMER ein, wenn Negatives droht oder geschieht?

Als Anregung zum Selber-Weiterdenken:

Gott lässt uns die größtmögliche Freiheit. Dazu gehört auch, dass wir mit unseren menschlichen Möglichkeiten und Fähigkeiten selber wirken sollen und dürfen.

Gott drängt uns ihre/seine allumfassende Liebe nicht auf, wenn wir sie nicht haben möchten.

Kann es nicht sein: Gott tut ausschließlich etwas für uns, wenn wir darum bitten, wenn wir mitteilen, dass wir das möchten, es uns wünschen?

Da kann dann auch ein Freund für den anderen, die Mutter für das Kind, eine Gebetsgemeinschaft für ein Staatsoberhaupt … bitten …

Wir müssen Gott einladen, Zutritt gewähren … so leid es ihm/ihr tut, weil sie ja möchte, dass es uns erdenklich gut geht: Wir verhindern sonst selber, dass uns die himmlischen Mächte unterstützen …

Schreibt mir doch eure Meinung, eure Erfahrungen dazu!