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Predigt                                                     11. 10. 2020

Liebe Brüder und Schwestern!

Ein Münchner im Himmel.

Kennen sie diese Geschichte?

Der fühlt sich im Himmel nicht wohl, weil es immer nur kühl und distanziert zugeht, Manna und Hosianna singen, musizieren … Bei ihm zuhause war es schöner. Das Münchner Hofbräuhaus oder Oktoberfest – da möchte er hin. Wenn er es sich aussuchen könnte.

Wie sieht der Himmel aus? Reich Gottes, was sollen wir uns darunter vorstellen?

Die Bibel ist da sensationellerweise eher auf der Linie des Münchners – die abgeklärte Vorstellung frommer Menschen des vorvorigen Jahrhunderts muss woanders herkommen.

Jesus spricht von einem Hochzeitsmahl – und diesen Vergleich gibt es schon im AT. Und es geht nicht ums jenseits, zumindest nicht in erster Linie. Reich Gottes – ist hier und jetzt, wo Christen leben.

Wir haben vermutlich ein Problem damit und fragen uns, wie denn der König, der offensichtlich Gott darstellen soll, sich so schrecklich rächen kann, dass er die Mörder seiner Diener töten und ihre Städte in Schutt und Asche legen lassen kann. Und dann der “arme Kerl”, der von der Straße kommt und ohne hochzeitliches Gewand bei der Tafel erscheint. Warum wird er hochkantig hinaus geworfen in die äußerste Finsternis, wo man nur Heulen und Zähneknirschen kennt?

Bei aller Güte, so möchte Matthäus betonen, hat Gott auch Rückgrat und Format. Wer gegen Gott antritt und ihn durch böses Tun zum Einschreiten herausfordert, wird sich über die ungeahnte Kraft, Macht und Stärke Gottes nicht nur wundern, sondern erschrecken. Gott hat für alle ein Herz; aber gegen bewusste Gemeinheit wird er sich zu wehren wissen. Das sollen wir bedenken.

Meistens ist es jedoch so, dass einfach das Interesse fehlt, „man hat was Wichtigeres vor“. Jesus meint: Wer nicht dazugehören will, hat sich selber Schaden zugefügt. Sich selber ausgeschlossen. Gott zwingt uns nicht zu unserem Glück.

Warum finden so wenige die Einladung attraktiv?

Wissen sie nicht, dass es bei uns das Beste vom Besten für alle gibt?

Wenn wir von der Erlösung und vom Reich Gottes reden: haben wir selber überhaupt verstanden, worum es dabei geht? Oder beten wir jahrhundertealte Floskeln nach oder engstirnige Vorstellungen, die es heute in fundamentalistischen Kreisen gibt?

Es stellt sich die Frage: Kann so wirklich der Himmel sein?

Es stellt sich die Frage: Was muss Kirche, was müssen die Kirchen, was müssen wir denn eigentlich tun, um für den Himmel effizient zu werben? Was erwartet man von uns – vom Papst bis zur Christin in der Ortsgemeinde?

Da ist sicher einmal eine Echtheit, eine Ehrlichkeit.

Christen sind nicht perfekt. Es ist kontraproduktiv, so zu tun als ob es so wäre.

Was wir haben, ist eine unwiderstehliche aufrüttelnde unwahrscheinlich befreiende Botschaft.

Nämlich die von Vergebung und Neuanfang, die jederzeit möglich sind, wir brauchen es nur zu wollen. Die Einladung anzunehmen – um im Bild des heutigen Evangeliums zu bleiben.

Wo mir die Vergangenheit nicht nachhängt, und zwar ab sofort, alle Optionen weiterhin offenstehen, ist das nicht eh schon wie ein ewiges Freudenfest?

Ja, bei echten Festivitäten, bei Hochzeiten auch, gibt es Menschen, immer wieder, die tatsächlich die Einladung ausschlagen: Was der Neffe, der mich beleidigt hat, was, die Cousine, mit der ich gestritten habe, … die sind ebenfalls eingeladen und werden da sein? – Na, dann komme ich aber nicht …

Liebe Brüder und Schwestern: Im Himmelreich Gottes, beim ewigen Hochzeitsmahl, ist es genauso. Es ist zu erwarten, dass alle da sein werden – mit denen wir hier und jetzt lieber nicht reden, mit denen wir nichts zu tun haben möchten, um die wir einen weiten Bogen machen… Es wird für uns gut sein, ab sofort daran zu arbeiten, dass wir uns dann und dort über ihre Gesellschaft freuen können.

Verzeihen, bereinigen, auf sie zugehen … Verständnis üben… beten …

Statt viel Kraft darin zu investieren, wie die Kirchen sich gegeneinander abgrenzen, wäre es gut und wichtig, Geschwisterlichkeit vorzuleben. Das funktioniert übrigens jetzt schon an der Basis besser als in der Kirchenspitze.

Gefordert ist auch ein Einfühlungsvermögen für die anderen. Christinnen und Christen haben den Himmel nicht gepachtet. Auf dieser Erde glauben viele Millionen in der Form von Islam, Judentum, Buddhismus, Hinduismus u. a. Religionen. Es wäre wichtig, mit all jenen, die das wollen, Seite an Seite für Gerechtigkeit und Frieden zu einzutreten. Auch zusammen mit den nicht glaubenden Menschen, die durch ihr politisches und soziales Handeln einen Vorgeschmack vom Himmel bieten, ohne dass sie das so nennen würden.

Bischof Reinhold Stecher hat in einem seiner Bücher geschildert, wie ein Erstklässler im Troler Bergdorf, dessen Eltern Hüttenwirte sind, sich den Himmel vorstellt – vorher wurde das heutige Evangelium erzählt -: ja, das kenn ich – a volle Hittn! (Ziehharmonika, Gesang, Fröhlichkeit und die Kochkünste seiner Mutter).

Gott freut sich wie die liebe Mutter und Hüttenwirtin wirklich über eine „volle Hittn“ – nehmen wir die Einladung an.

„Du hast im Sinn, was die Menschen wollen.“

Liebe Brüder und Schwestern, ist das nicht bei uns auch öfter einmal so?

Wir wollen, wissen, denken und planen und machen so viel, unserer Meinung nach Gutes – da haben wir gar keine Zeit mehr oder kommen gar nicht auf die Idee, noch lang zu fragen, was Gott, was Jesus von uns will.

Petrus, der da heute so geschimpft wird – wir erinnern uns, vorigen Sonntag haben wir gehört, dass Jesus ihm die Schlüssel des Himmelreiches anvertraut, er erkennt, dass Jesus der verheißene Messias Gottes ist – und gleich nachher, nach diesem „Highlight“ – heute gerade das Gegenteil –

Petrus und die anderen Jünger waren gesund und normal, begeistert, voller Tatendrang, haben auch gelernt, sich wo durchzusetzen, und klar haben sie lieber Macht und Reichtum, Gesundheit, Erfolg und Ansehen als das Gegenteil davon.

Wir wollen das auch – und das alles ist auch gut und richtig.

Aber Jesus erklärt gerade das Wesen seiner Sendung. Sein Auftrag – gerade weil er Gott ist – besteht nicht darin, einen irdischen Gottesstaat zu errichten. Wir wissen aus der politischen Geschichte unseres Planeten, dass alle Gottesstaaten, religiöse Herrschaft, Durchsetzung des Glaubens mit politischer Gewalt, sich schädlich ausgewirkt hat – das Gottesbild wird verzerrt oder ganz verdunkelt.

Gott ist im Wesen ja so, dass er/sie niemals Menschen gegenüber Gewalt anwendet, etwas erzwingt. Reine Liebe.

Petrus hat das im Lauf seines Lebens immer besser begriffen. Er ist im heutigen Evangeliumstext wie oft der, der das, was sich eigentlich alle Apostel denken, laut ausspricht. Er war eben besonders eifrig, schnell entschlossen, mutig.

Heute sind auch viele Christen besonders eifrig.

Manche meinen, sie müssten biblische v. a. alttestamentliche Werte, Moralvorstellungen des 19. Jh. mit Hilfe einer politischen Partei – das läuft auf Durchsetzung mit politischen Mitteln hinaus – durchsetzen.

Oder – wir erinnern uns, welchen großen Schaden die angerichtet haben, die nach Bekanntwerden der kirchlichen Missbrauchsfälle zuerst noch lange versucht haben, zu verschweigen und zu vertuschen – der Versuch, heile Kirche nach außen hin darzustellen.

So etwas gibt es immer wieder. So nach dem Motto: nur nicht dran rühren, wie stehen wir denn dann da …

Dabei sind die normalen Menschen in unserer Welt schon viel weiter: im allgemeinen hat man vor einem Menschen, der Fehler eingesteht und zu ändern versucht, dazu auch um Hilfe bittet, weit mehr Achtung als vor einem, der alles vertuscht, womöglich um weitermachen zu können wie bisher oder zumindest um als perfekt und super dazustehen.

Es ist jetzt freilich jede und jeder super, weil Gott jeden einzelnen besonders ins Herz geschlossen hat und super findet – aber das ist nicht das gleiche wie perfekt oder fehlerlos.

Manche sind in ihrer Liebe zur Kirche so übereifrig, dass sie die Augen verschließen vor Fehlentwicklungen, dass sie angebrachte Kritik an Amtsträgern, Papst und Bischöfen, am System, an Traditionen als lieblos oder sogar als verwerflich ansehen.

Andere wieder sind in ihrer Liebe zur Kirche, zu Jesus so übereifrig, dass sie alle Frömmigkeitsformen, die sie nicht rational mit ihrem Hausverstand erklären können, sofort einmal verdächtig finden und ablehnen.

Petrus war auch übereifrig in seiner Liebe zu Jesus.

Immerhin lässt Petrus sich von Jesus eines Besseren belehren. Aus Liebe zu ihm denkt er nach, denkt er um, lässt sich überzeugen.

Jesus lädt uns hier ein, liebevoll, dass wir umdenken und uns vom Besseren überzeugen lassen.

Wo haben wir etwas, wo wir spontan alarmiert denken: „Das darf nicht geschehen“?

Krankheit? Misserfolg im Geschäft, Betrieb? Dass die Ehe scheitert? Kinderlos bleibt? Arbeitslosigkeit? Wirtschaftskrise? Dass eine bestimmte Partei an die Regierung kommt? Dass sich in der Kirche eine bestimmte uns missliebige Richtung durchsetzt? – Oder was es sonst an Schrecklichkeiten gibt.

Wir dürfen Jesus nicht falsch verstehen: Er möchte nicht, dass es uns schlecht geht. Wir sind sogar aufgefordert, um alles Gute des Lebens zu beten und uns energisch dafür einzusetzen.

Was er meint, ist, soweit ich ihn verstanden habe: Wir sollen ernsthaft in Betracht ziehen, wie unser Leben trotz größerer und kleinerer Störungen und Handicaps und oftmaligen Scheiterns glücklich verlaufen kann.

Wir sollen uns durch nichts – auch nicht durch unsere eigenen Fehler und Sünden – davon abhalten lassen, ihm nachzufolgen – mit ihm eine enge, ja eine Liebesbeziehung einzugehen – wie Petrus. Auch wenn wir mit Jesus ringen und streiten und geschimpft werden, wenn wir Enttäuschungen und Misslingen, Widrigkeiten erleben, das Unverständnis unserer mitmenschlichen Umgebung, vielleicht sogar Anfeindungen, nicht aufgeben, sondern weiter dabeibleiben, uns an Jesus zu orientieren.

Ich möchte die heutige erste Sonntagslesung mit euch teilen. Im Kontrast dazu seht euch den Cartoon auf der letzten Seite des Freitagstandard an!

1Kön 3, 5-14

5 In Gibeon erschien der HERR dem Salomo in einem Traum bei Nacht. Und Gott sprach: Bitte, was ich dir geben soll! 6 Und Salomo sagte: Du selbst hast ja an deinem Knecht David, meinem Vater, große Gnade erwiesen, weil er vor dir gelebt hat[3] in Treue[4], in Gerechtigkeit und in Aufrichtigkeit des Herzens gegen dich; und du hast ihm diese große Gnade bewahrt und ihm einen Sohn gegeben, der auf seinem Thron sitzt, wie es am heutigen Tag ist. 7 Und nun, HERR, mein Gott, du selbst hast deinen Knecht zum König gemacht anstelle meines Vaters David. Ich aber bin ein kleiner Junge, ich weiß nicht aus- noch einzugehen[5]. 8 Und dein Knecht ist inmitten deines Volkes, das du erwählt hast, eines großen Volkes, das wegen seiner Menge nicht gezählt noch berechnet werden kann. 9 So gib denn deinem Knecht ein hörendes[6] Herz, dein Volk zu richten, zu unterscheiden zwischen Gut und Böse. Denn wer vermag dieses dein gewaltiges[7] Volk zu richten? 10 Und das Wort war gut in den Augen des HERRN, dass Salomo um diese Sache gebeten hatte. 11 Und Gott sprach zu ihm: Weil du um diese Sache gebeten hast und hast dir nicht viele Tage erbeten und hast dir nicht Reichtum erbeten und hast nicht um das Leben[8] deiner Feinde gebeten, sondern hast dir Verständnis erbeten, um auf das Recht zu hören[9], 12 siehe, so tue ich nach deinen Worten. Siehe, ich gebe dir ein weises und verständiges Herz, so dass es vor dir keinen wie dich gegeben hat und nach dir keiner wie du aufstehen wird. 13 Und auch das, was du nicht erbeten hast, gebe ich dir, sowohl Reichtum als auch Ehre[10], so dass es unter den Königen keinen wie dich geben wird alle deine Tage. 14 Und wenn du auf meinen Wegen gehst, indem du meine Ordnungen und meine Gebote bewahrst, so, wie dein Vater David auf ihnen gegangen ist, dann werde ich auch deine Tage verlängern.

Predigt                   16. So.-A

Liebe Brüder und Schwestern!

Beim Unkraut kann ich mitreden. Wer schon einmal hinten im Pfarrgarten war, weiß, warum. Ich habe nämlich zum Unkrautjäten nicht wirklich Zeit – ich komme nie nach, ich bin immer langsamer als das, was nachwächst… Das meiste Gemüse wächst zwar trotzdem unbeirrt, aber manchmal wird etwas überwuchert, dem Boden entzieht es Nährstoffe, und schön ausschauen tut es auch nicht.

Obwohl es biologisch gesehen ja kein Unkraut gibt – jede Pflanze hat einen Nutzen, wir sind nur mit dem Standort der einzelnen Arten nicht einverstanden – Eichen, so schön so ein Baum ist, im Salatbeet stört er; genauso wie die Brombeerstaude im Rosenbeet…

Unkraut ist lästig. Warum also nicht gleich weg damit?

Wir wundern uns mit den Menschen, die Jesus damals zugehört haben: Unkrautjäten in den Getreidefeldern war durchaus üblich.

Jesus spricht vom Reich Gottes. Er will frohe Botschaft vermitteln.

Und eine solche steckt in diesem Text, sogar eine doppelte.

Die bekannten Bibelübersetzungen reden immer vom „Unkraut“ – gemeint ist der sog. „Taumellolch“, der im Anfangsstadium dem Weizen zum Verwechseln ähnlich sieht; erst knapp vor der Reife ist er an den schwarzen Körnern vom Brotgetreide unterscheidbar. „Sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus“ – die Warnung ist berechtigt.

Liebe Brüder und Schwestern, wenn wir da schnell überlegen, ich trau mich wetten, uns fallen jede Menge Erscheinungen in unserer katholischen Kirche ein, im Geistesleben, die würden wir am liebsten zum sofortigen Verschwinden bringen – vieles kommt uns total übertrieben, ja ungesund vor, manche Formen der Marienfrömmigkeit, manche Gruppierungen, die wir unter obskur, wenn nicht gefährlich einstufen, Aberglauben – es gibt auch kirchlich institutionalisierten, jahrhundertealten Aberglauben -, aber auch manche esoterische Einflüsse, Denkmuster, Praktiken, wo die Meinungen über die Vereinbarkeit mit Jesu Botschaft geteilt sind …

Dafür gibt es Katholiken, durchaus auch mit theologischer Bildung, denen moderne Theologie, die sich über Filme, Bücher beschweren … ja eine halbwegs moderne Pfarre wie unsere, schon höchst verdächtig vorkommt.

Das alles ist maximal zweitrangig – in all dem mitten drin und durcheinander können Menschen das Heil, zu Jesus Christus finden.

Wir dürfen aufatmen: Menschen schaffen das nicht, hier und jetzt die richtige Entscheidung zu treffen. Es kommt uns auch gar nicht zu, etwas zu verurteilen. Gott macht das selber, höchstpersönlich, am Ende der Zeiten, beurteilt er, was schädlich, unnütz, was fruchtbringend gewesen ist.

Unsere Aufgabe besteht lediglich darin, den guten Weizen zu säen – und im übrigen alles wachsen zu lassen.

Wir dürfen aufatmen. Eine inquisitorische Geisteshaltung, die ständig ängstlich nach Abweichungen – noch dazu von der eigenen beschränkten Sichtweise  aufgestellten – Norm fahndet, kann sich nicht auf das Evangelium berufen.

Wenn das keine frohe Botschaft ist!

Und noch dazu steckt eine zweite in diesem Text, habe ich anfangs versprochen.

Unser Bemühen – Verbreitung des Evangeliums, Einsatz für das Gute, und und und – ist höchst erwünscht und notwendig und keinesfalls vergebens.

Aber: wir säen nur.

Das Wachsen und Gedeihen ist Sache Gottes. Der Vergleich mit dem Senfkorn, das zum Baum wird, und vom Sauerteig, der den Brotteig zum aufgehen bringt, deuten das geheimnisvolle, für Menschen nicht nachvollziehbare Wirken Gottes, des Geistes an – in einzelnen Menschen und in der ganzen Weltgeschichte. Das Reich Gottes ist nicht machbar. Und das ist auch gut so. Wo immer Menschen versucht haben, einen Gottesstaat zu konstruieren mit ihrer beschränkten Sicht, ist es höchst unheilvoll ausgegangen.

Jesus stellt in Aussicht: Er selber sorgt für den guten Ausgang.

Es wird nämlich dieses Ende der Welt geben, wo nicht einfach alles wieder ins Nichts hinein verschwindet, sondern alles ist Eigentum Gottes. Alles wird zu Gottes Bereich gehören. Nicht das Unkraut wird sich schließlich durchsetzen, Recht des Stärkeren, Streit, Krieg, Katastrophen …  – ja es wird nicht einmal eine Spur davon übrigbleiben -, sondern das Gute, das Nahrhafte und Nützliche, was Menschen fördert und aufbaut, Gott wird siegen in seiner Menschenfreundlichkeit. Alles und jeder wird zu ihm finden und bei ihm geborgen sein.

Schon mein Angebot gesehen?

Hier der Text:

Heil werden an Leib und Seele …

3 Tage mit der Bibel, mit Elementen der traditionellen europäischen Medizin, kreativen und schamanischen Impulsen.

Was mich erwartet:

SEMINARZEITEN:

9.30 – 21.00  mit einer Vormittags- und Nachmittagspause, einer längeren Mittags- und Abendpause.

Ende am Samstag: 16.00

Vorträge, Übungen, Meditation, Einzel- und Gruppenphasen im Haus und im Freien.

Morgen- und Abendritual.

Feste Schuhe und wetterfeste Kleidung sind von Vorteil.

Für den Aufenthalt (wenn Sie nicht täglich anreisen möchten) ist ein eigenes Quartier zu buchen. Das Tourismusbüro Lunz ist Ihnen gern dabei behilflich: Tel. 07486 8081

In der Mittagspause Eigenverpflegung (wir gehen gemeinsam in ein Gasthaus im Ort).

Getränke und Pausensnacks sind vorhanden, Abendjause im Haus (Zubereitung gemeinsam z. T. aus gesammelten Naturprodukten)

Anmeldung persönlich per Mail oder Brief:

MMag. Dagmar Ruhm, Ledererstr. 5, 4070 Eferding

dagmar.ruhm@kostbarleben.jetzt

Kosten: EUR 200,- Mit der Anzahlung von EUR 70,- wird ein Seminarplatz fix reserviert.

Bankverbindung: IBAN: AT162033003401096007

BIC: SPPBAT21034

Predigt                                                       Dreifaltigkeitssonntag 2020

Liebe Brüder und Schwestern!

Achten Sie auf das Kleingedruckte! Heißt es oft, wenn es um Verträge oder Versicherungen geht. Schon manche haben ein böses Erwachen erlebt, als plötzlich unerwartete Nebengebühren angefallen sind, das Honorar oder die Versicherungssumme weit niedriger ausgefallen ist als angenommen …

Und dann heißt es: na, das hätten Sie aber wissen können …

Was hat das mit dem Dreifaltigkeitssonntag zu tun?

Der Glaube an den dreifaltigen Gott ist das grundlegende Unterscheidungsmerkmal zwischen „christlich“ und „nicht christlich“, was Religionen oder religiöse Gemeinschaften betrifft. Und das spielt in unserer heutigen Zeit eine größere Rolle als wir hier, wenn man uns schnell fragt, eigentlich meinen würden.

Jede Menge religiöser Erscheinungsformen tummeln sich auf dem freien Markt und bieten ihre Vorzüge an. Bei der einen Richtung wird umfassende Heilung versprochen, bei einer anderen Erfolg auf der ganzen Linie, wieder woanders garantierte spirituelle Weiterentwicklung bis zur göttlichen Vollkommenheit – und zwar ganz ohne die kirchliche Tradition und Hierarchie, unter der wir alle mehr oder weniger leiden und wo man gern was los wäre.

Versprochen wird nämlich in ca. zwei Drittel der Angebote, dies hier sei das bessere, erleuchtetere Christentum, wie es Jesus wirklich gemeint hat – übrigens haben das sämtliche Sekten der vergangenen 2000 Jahre genauso geglaubt.

Und jetzt wird es interessant, auf das Kleingedruckte zu achten – wo wir ungefragt mitgeliefert bekommen, was wir nicht bestellt haben.

Jesus bekommt in dieser religiösen Esoterikszene nämlich einen ganz hohen Stellenwert. Die Menschen, die sich von einer der Großkirchen nichts mehr erwarten oder enttäuscht sind und nichts mehr zu tun haben wollen, z. B. austreten, haben noch Jesus Christus im Herzen und möchten durchaus mehr über ihn erfahren, wissen, ihm näher kommen. Gehen Sie in die esoterische Buchhandlung und schauen Sie sich die Bücher oder Angebote an. Vorne auf dem Umschlag – Jesus Christus. Und viele andere Gestalten und Symbole des Christentums: Bibel, Maria, Heilige, Engel, Weihrauch, gotische Kirchenfenster …

Und wenn man genauer hineinliest: Jesus ist ein besonderer Mensch, ein Erleuchteter, aufgestiegener Meister, in derselben Gewichts- und Qualitätsklasse wie etwa Buddha, Zarathustra, Mose, Maria aus Nazaret …

Diese Anschauung , dass Jesus zwar der einzige Sohn Gottes, aber nur Mensch sei, wenn auch der denkbar beste und vorbildlichste, hat es in den Anfängen der Kirche gegeben – und ist beim Konzil von Nicäa 325 als unrichtig verurteilt worden.

Solche theologischen Spekulationen sind eh wurscht, denken vielleicht manche – mir nicht. Ich denke, es ist immens bedeutungsvoll, ob all das, was ich von Jesus weiß, ein vorbildlicher Mensch gesagt und getan, erlebt und erlitten hat – oder Gott selbst.

Wenn es nicht sicher ist, oder egal ist, ob Jesus Gott ist …

Das ist ein anderer Grad an Verbindlichkeit.

Für die Muslime ist Jesus ein wichtiger Prophet. Die Zeugen Jehovas glauben, Jesus ist nur Mensch.


Ganz ähnlich ist es mit dem Glauben an den Heiligen Geist als Person. Wenn wir das hebräische Wort übersetzen, die Heilige Geistin – Ruah Jahwe. Es ist auch eine Fehlform, sich die Dreifaltigkeit als drei männliche Personen vorzustellen.

In der Esoterikszene ist die Rede von der göttlichen Energie, die überall reichlich vorhanden sei und nur durch speziell erlernbare Techniken kanalisiert oder angezapft zu werden braucht – wie eine Stromleitung.

Nicht aber Person, die auch von sich aus aktiv wird, auf Menschen zugeht – und Bitten erhört oder auch nicht, wenn es nicht gut ist – wo es um den Kontakt geht zwischen Personen …

Gottes Geist sorgt ja v. a. auch für den guten Kontakt der Menschen untereinander, für den Gemeindeaufbau, für Struktur … Wo „Kirche“ (jetzt egal welcher Konfession) keine Rolle mehr spielt, wo alles individuell ist und jeder als einzelne/r für das eigene Heil selbst verantwortlich ist – da fehlt Wesentliches.

Oder wo eine Heilige Schrift direkt diktiert wird – in der Esoterik Channeling -, vom Himmel fällt, wo es keine Auslegung, Weiterentwicklung etc. geben darf … das ist Leugnung des Heiligen Geistes, der in Freiheit und Liebe mit freien Menschen wirkt. Die historisch kritische Bibelauslegung kommt dem auf die Spur.

Wenn schon das Bild vom Kanal für die göttliche Eingebung verwendet wird, dann müssen wir uns vorstellen, dass jeder menschliche Kanal innen eine Farbe, einen Geruch, Geschmack … hat, was auf das Wasser der Botschaft übertragen wird. Wahrscheinlich auch Schmutz, der die Qualität beeinträchtigt … Bibelauslegung erforscht, was für historische, kulturelle, persönliche … Beimengungen drin sind … dass sie drin sind, ist nichts Schlechtes, das ist ganz normal und erwartbar. Man muss nur wissen darum. Fundamentalismus tut so, als ob es diese menschlichen Dreingaben, Eigenheiten…  nicht gäbe…

Gottes heiliger Geist wirkt voller Respekt vor dem Menschen mit dem Menschen zusammen. Übrigens tut das auch Jesus überall in den Evangelien. Und der Gott Israels im AT.

Das ist die große Gemeinsamkeit. Jede der drei Personen ist ganz außer sich vor Liebe zu jeder und jedem einzelnen von uns Menschen. Auch zur ganzen Schöpfung …

Und wir, Sie und ich, sind in dieser immensen Liebe mitten drin …

Heute ist der vorletzte Tag.

Bevor morgen zum Abschluss wieder ein Evangeliumstext im Zentrum stehen wird, ist es heute für uns Zeit, innezuhalten und uns den Verlauf der letzten Wochen zu vergegenwärtigen.

Diese Fragen könnte ich stellen:

  • Wann (an welchen Tagen) ist meine Seele besonders in Bewegung gekommen?
  • Welche Texte habe ich besonders liebgewonnen – oder in Erinnerung (vielleicht auch, weil sie mich nicht angesprochen, sondern abgestoßen haben)?
  • Welche Art zu beten, zu meditieren … ist so richtig „meine“ geworden?
  • Gibt es ein Wort, einen Satz, eine Übung, bei dem/der mir „das Herz brannte“, wo ich das Wehen des Heiligen Geistes, die Nähe Gottes gespürt habe?

Es gibt so etwas wie die „persönliche Berufung“. Die geistliche Übung – es kann sich durchaus um eine handeln, die nach außen hin ganz unscheinbar wirkt -, die in mir eine Bewegung auslöst, mich im Tiefsten meines Herzens beschwingt, motiviert, erfreut, tröstet, glücklich macht…, deutet auf dieses Persönliche hin: auf die gottgegebene Einmaligkeit meiner Person.

Ein Beispiel: Aus : Herbert Alphonso: Die persönliche Berufung. Münsterschwarzach 1993, S. 18:

„Du hast lange nicht gebetet. Sag mir: Hast du dich irgendwann in deinem Leben spontan Gott nahe gefühlt … hast du jemals dein Herz angerührt gefühlt und dich selbst in Berührung mit Gott, in Einheit mit Gott?“ Kaum hatte ich die Frage formuliert, da sagte er: „Natürlich, immer wenn ich auf mein vergangenes Leben zurückschaue und sehe, wie gut Gott zu mir gewesen ist, …“ Ich merkte, wie er dabei lebendig geworden war, daß er aus der Tiefe heraus sprach und seine Augen zu leuchten begannen.“

Wenn Gott uns, die Menschen, über alles liebt – wie kommt es dann, dass Schlechtes, Böses … in der Welt existiert?

Verschiedene Religionen und religiöse Strömungen haben im Lauf der Geschichte versucht, Antworten darauf zu geben. Erklärungsversuche.

Am besten davon gefällt mir folgender: Gott will das Negative nicht. Die Entscheidung, es zuzulassen, war jedoch der einzige Weg, unsere Freiheit zu garantieren.

Was wir glauben dürfen:

Jesus Christus hat, wo immer er hinkam, Leid gelindert und Gutes beginnen lassen. Die vielen Heilungswunder, die in den Evangelien geschildert sind, (und vieles mehr, im Grunde sein gesamtes Wirken) zeugen davon.

Der heutige Bibeltext zur Betrachtung:

Die Heilung der gekrümmten Frau: Lk 13, 10-17

Ein Gedanke dazu: Auch nach so vielen Jahren des Leids ist es möglich, dass alles gut wird. Gott ist Herr über die Zeit. Das, was er jetzt tut, wie er heute und in Zukunft an uns wirken will und kann, ist mächtiger als das Vergangene.

Lukas 13, 10-17

10 Am Sabbat lehrte Jesus in einer Synagoge. 11 Und siehe, da war eine Frau, die seit achtzehn Jahren krank war, weil sie von einem Geist geplagt wurde; sie war ganz verkrümmt und konnte nicht mehr aufrecht gehen. 12 Als Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sagte: Frau, du bist von deinem Leiden erlöst. 13 Und er legte ihr die Hände auf. Im gleichen Augenblick richtete sie sich auf und pries Gott. 14 Der Synagogenvorsteher aber war empört darüber, dass Jesus am Sabbat heilte, und sagte zu den Leuten: Sechs Tage sind zum Arbeiten da. Kommt also an diesen Tagen und lasst euch heilen, nicht am Sabbat! 15 Der Herr erwiderte ihm: Ihr Heuchler! Bindet nicht jeder von euch am Sabbat seinen Ochsen oder Esel von der Krippe los und führt ihn zur Tränke? 16 Diese Frau aber, die eine Tochter Abrahams ist und die der Satan schon seit achtzehn Jahren gefesselt hielt, sollte am Sabbat nicht davon befreit werden dürfen? 17 Durch diese Worte wurden alle seine Gegner beschämt; das ganze Volk aber freute sich über all die großen Taten, die er vollbrachte.

Predigt                                   1. Fastensonntag, 1. 3. 2020

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Eine alte Geschichte. Jeder kennt sie. Klar, haben wir schon in der Schule gehört: Der Teufel, der Böse will Jesus davon abbringen, seine Mission zu erfüllen. Dann würde die Welt nämlich nicht gerettet bzw. erlöst.

Wenn Jesus seine Berufung nicht gelebt hätte, am kreuz zu sterben …

Der Böse – oder der Widersacher des Guten können wir vielleicht sagen, dann verstehen wir besser, um was es geht -, versucht Jesus einzureden, wie erseiner Meinung nach zu sein hat:

Der Messiaskönig, Gott als Mensch, der selbstverständlich keinen Mangel leidet, weil er die Macht hat, sich jeden Wunsch jederzeit und unverzüglich zu erfüllen.

Klar, dass er seine Wunderkräfte einsetzt.

Und klar auch, dass er es demonstriert, vor aller Welt klarstellt, dass Gott auf seiner Seite ist. Ihn auffängt, wenn er sich wo hinunterstürzt…

Vor ein paar Wochen habeich mir die Oper“ Der Prophet“ von Jakob Meyerbeer angeschaut.

Da kann man mitverfolgen, wie ein normaler junger Mann mit der Zeit zum Messias stilisiert wird, aufgebaut, als Superstar im Religiösen – der keine menschlichen Probleme mehr haben darf. Als er versucht, sich normal menschlich zu benehmen, wird er vom religiösen Kommandoteam fallengelassen.

Was hat das jetzt mit uns zu tun?

Auch heute, in unser aller Leben, gibt es diese Stimmen, die uns weismachen möchten: sie wissen ganz genau, wie wir zu sein haben. Was wir kaufen, we wir handeln, was wir in der Freizeit tun, wie wir aussehen, usw.

Unser wahres Wesen: komplett gleichgültig.

Dazu müssen wir wissen: Glücklich werden wir nur, wenn wir unserer ureigenen persönlichen Berufung folgen. Grundsätzlich: dass wir Gottes geliebte Kinder sind. Und alles andere unter „ferner liefen“.

Die österliche Bußzeit lädt uns ein, es besser zu machen als bisher. Buße kommt von besser.

Wir dürfen frei sein. Frei werden von allen Zumutungen und unguten Vorbildern. Was Illustrierte, Facebook und Instagram, Fernsehen und die Werbung uns nahelegen und vorschreiben wollen: was wir haben, kaufen, machen, denken, wie wir unsere Freizeit verbringen sollen… damit wir abhängiger und abhängiger werden von ihren Angeboten, damit sie mehr Geschäft mit uns machen, an uns verdienen.

Die gute Botschaft lautet: Wir müssen und brauchen gar nichts, um perfekt oder auch nur akzeptabel zu sein. Wir brauchen nicht erst intelligenter, schöner, attraktiver, besser gestylt, gebildeter, fitter, sportlicher, schlanker oder besser proportioniert zu sein.

Wir sind akzeptiert – zutiefst angenommen und geliebt von Gott – ohne Vorbedingungen, einfach weil wir da sind. Wir dürfen und sollen uns entwickeln, dazulernen, natürlich. Aber im Grunde ist das Vollkommene schon da.

Diese alte Geschichte hatten wir heute im Jugendgottesdienst als Lesung:

Der tanzende Gaukler

Es war einmal ein Gaukler, der tanzend und springend von Ort zu Ort zog. Aber plötzlich war er das Herumziehen leid. Er verschenkte alles, was er besaß, und ging zu Mönchen, die in einem französischen Kloster lebten.

Aber weil er bis dahin sein Leben mit Springen, Radschlagen und Tanzen zugebracht hatte, war ihm alles fremd, was die Klosterbrüder machten: Er konnte nicht beten und auch keine religiösen Lieder singen. So ging er stumm umher, und wenn er sah, wie sie alle aus frommen Büchern lasen, während der Messe im Chor mitsangen und viele Gebete sprechen konnten, stand er dabei und schämte sich …

Man schickte ihn eines Tages in eine abgelegene Kapelle, um dort zu putzen. Während er arbeitete, bestaunte er die Statuen der Heiligen und begann, voller Ehrfurcht an Gott zu denken. „Wenn ich schon nicht zusammen mit den Mönchen beten kann”, sagte er vor sich hin, „so will ich tun, was ich kann.”

Er zog sein Mönchsgewand aus und stand da in seinem bunten Röckchen, in dem er als Gaukler umhergezogen war. Und während er die Lieder der Mönche hört, beginnt er mit Leib und Seele zu tanzen – vor- und rückwärts, linksherum und rechtsherum. Erst geht er auf seinen Händen durch die Kapelle, dann wieder überschlägt er sich in der Luft und springt die kühnsten Tänze, um Gott zu loben. Er tanzt ununterbrochen, bis ihm der Atem stockt und seine Beine nicht mehr können.

Ein Mönch war ihm gefolgt und hatte durch ein Fenster seine Tanzsprünge gesehen und empört den Abt geholt. Dieser sah dem Gaukler heimlich zu.

Am anderen Tag ließ der Abt den tanzenden Bruder zu sich rufen. Der Arme erschrak zutiefst und dachte, er solle bestraft werden. Also fiel er vor dem Abt nieder und sprach:

„Ich weiß, Herr, dass ich hier nicht mehr bleiben kann. So will ich freiwillig ausziehen und wieder in Geduld die Unrast der Straße ertragen.”

Doch der Abt verneigte sich vor ihm, und sprach: „In deinem Tanz hast du Gott mit Leib und Seele geehrt. Mit allem, was du kannst.

Uns aber möge Gott alle Worte verzeihen, die uns über die Lippen kommen, ohne dass unser Herz sie sendet.”