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Wann haben Sie zuletzt gebetet?

Davon abgesehen, dass Gott sich über die Maßen freut, wenn Sie mit ihm/ihr in Kontakt treten, ist beten eines der wenn nicht das wirksamste Mittel, damit es uns gut geht.

Ausprobieren!

Wie?

Eine Übung für heute: Schreiben Sie 10 Dinge/Ereignisse …auf, für die Sie heute dankbar sind. Lesen Sie die Liste Gott vor. Formulieren Sie in Gedanken oder Worten einen Satz, den Sie ihm/ihr sagen.

Das wars schon.

Wie gesagt: ausprobieren!

Aktion “Kerze für Corona”

Ich erinnere mich an die ersten Tage des Lockdowns im März 2020, als ich wie gebannt jeden Abend um 19.30 den Fernseher einschaltete, um das Neueste über Corona zu erfahren. Wieder so und so viel Neuinfektionen, wieder so und soviel Tote …

Wir hören diese Meldungen jetzt seit Mitte November täglich wieder. Und so, wie ich nach 2 Wochen damals nicht mehr hingehört, ja die ZIB gar nicht mehr aufgedreht habe, so wird es vielen gehen. Wir lassen die Informationen an uns vorbeiziehen. Betrifft uns ja schließlich nicht, oder? Zumindest die Zahlen der Verstorbenen …

Doch da sind auch diejenigen, die es sehr wohl betrifft.

Jede/r an Covid 19 Verstorbene war Mutter oder Vater, Gatte oder Ehefrau, Tochter oder Sohn, Freund oder Kollegin von anderen. Nahestehend, und jetzt schmerzlich vermisst.

Es ist eine Angelegenheit der Solidarität, der Toten zu gedenken, auch wenn sie uns persönlich unbekannt sind.

Der Gedanke, eine Kerze aufzustellen, Partezettel von je einem Verstorbenen eine Woche lang auszuhängen, war überfällig.

Gerade wir Christen dürfen uns darauf verlassen: Für Gott ist jede/r so nahe wie der nächste Verwandte. Gott nimmt Anteil an uns, niemand ist ihm egal. In diesem Sinne: Rücken wir jede Woche eine/n Unbekannte/n in die Mitte, ins Zentrum unserer Aufmerksamkeit.

Sprechen wir – vielleicht nur in Gedanken – ein kurzes Gebet: für die Verstorbenen, für die Lebenden um Trost, für die Menschheit (uns!) um Kraft und Ideen zur Überwindung der Krankheit …

…steht vor der Kirchentür in Pucking

Liebe Brüder und Schwestern!

Wieso schickt uns Gott diese Pandemie? Warum beendet er sie nicht? Womit haben wir diese Strafe verdient? …

Warum hilft Gott heute nicht und heilt mich/ den jungen Familienvater/ usw. … nicht? Warum straft mich Gott so? Was habe ich getan?

Im Krankenhaus hört man immer noch, immer wieder diese Anklage, diesen Aufschrei, auch in den Medien – wie kann Gott, der uns angeblich liebt, das zulassen, wieso greift Gott nicht ein …?

Und die ganzen Verbrecher usw. laufen gesund und munter in der Weltgeschichte herum …

Das tun die tatsächlich. Und das allein müsste schon Beweis genug dafür sein, dass es sich bei Krankheit, Schicksalsschlägen, Naturkatastrophen, u. dergleichen nicht um himmlische Strafen handeln kann.

Natürlich kann es sein, dass Menschen in ihrer Gier und Beschränktheit Umweltschäden verursachen, die zu Naturkatastrophen führen können – denken wir an das Abholzen vieler Berghänge, wo dann Lawinen freie Bahn haben, oder die Luftverschmutzung in Großstädten, wo Menschen Schaden nehmen., wo das Öl eines Tankschiffes ausläuft oder die Erderwärmung – Klimawandel durch Co2-Ausstoß …

Wir wissen auch, dass Menschen so unvernünftig leben, dass sie davon ernsthaft krank werden. Zivilisationskrankheiten, …

Aber es bleibt vieles unerklärbar und ungeheuerlich. Gerade bei Corona.

Als glaubende Menschen fragen wir zu Recht: wo bleibt da der gütige, allmächtige Gott?

Ijob, der Gerechte, von dessen Geschichte wir ein Stück in der Lesung gehört haben, hatte genau diese Sichtweise: Ich bin rechtschaffen und gottesfürchtig, und darum geht es mir gut.

Das AT meint: nein, die Rechnung geht so nicht auf.

Der reiche, hochangesehene, vitale, mit glücklicher Familie Gesegnete verliert alles. Die Freunde und Nachbarn haben genau dieses Gottesverständnis und wollen Ijob einreden: Du musst etwas falsch gemacht haben, irgendeinen Frevel, eine Sünde muss es in deinem Leben geben, sonst hätte dir Gott dieses Unglück nicht geschickt.

Ijob widerspricht ihnen und hadert mit Gott, er schreit ihm seine Not und Anklage entgegen, ungebremst. Die Freunde wenden sich ab – Ijob halten sie für einen Gotteslästerer, als dieser ihn grausames Ungeheuer nennt.

Aber Ijob macht es richtig: er redet nicht mehr über Gott, sondern mit ihm. Er steigt aus dem Belohnungs- Bestrafungsmuster aus, er meint Gott persönlich, DU, eine Antwort will er haben, und die bekommt er auch. Vom Hörensagen hatte ich von dir vernommen – nun aber hat mein Auge dich geschaut.

Gott rechtfertigt den Ijob zum Schluss: Der da, mein Knecht, hat recht von mir gesprochen. Und die anderen alle nicht, die ach so wohlmeinenden frommen Freunde und Berater.

Ich bin davon überzeugt, dass Gott anwesend ist in unserer Welt.

Aber er hat uns in die Freiheit entlassen. Er hält uns nicht am Gängelband, eben gerade nicht – so dass wir bei jede Fehlverhalten sofort eins auf die Finger bekommen.

Es ist auch etwas in Vergessenheit geraten, das in vergangenen Jahrhunderten überbetont wurde. Dieses Leben hier ist nicht die einzige Wirklichkeit.

Wir sind zum Lernen, uns Entwickeln auf der Welt, wir dürfen im besten Fall Gott kennen und lieben lernen.

Und Gott hat uns auch in die Freiheit der Naturgesetze entlassen, uns dem Geschehen überlassen, mit Hirn und Fähigkeiten ausgestattet.

Wenn es überhaupt nichts zu tun gäbe, keine Schwierigkeiten, wo wir uns wirklich einsetzen müssen, wo eben vieles nicht problemlos verläuft – wir würden vielleicht vergessen, dass das Sichtbare nicht alles ist.

Und: Gott hat uns nicht vergessen. Er ist in Rufnähe.

Aber weil wir frei sind, gilt folgendes:

Nur, wenn wir uns an ihn wenden, tut er etwas, greift ein. Gott lässt sich ansprechen.

Gott interessiert sich für uns, liebt uns über alles. Ja, er spricht Menschen von sich aus an. Aber Gott sitzt nicht gluckenhaft auf uns drauf, sondern traut uns etwas zu. Selbstverantwortung, Eigeninitiative, Erfindungsgeist, Selbständigkeit … Freiheit.

Aber ein Zweck- und Nutzverhältnis wird ihm nicht gerecht. Und uns auch nicht. Ich bin brav und ordentlich und bete regelmäßig, spende usw, … und deswegen habe ich bei Gott etwas gut, deswegen ist er verpflichtet, zu tun, worum ich bitte – nein, so nicht. Mit der Gottesvorstellung des griechisch-römischen antiken Götterhimmels hat der lebendige Gott der Bibel so gut wie nichts zu tun.

Gott möchte, bittet um unsere Freundschaft. Er ist uns Freund. Alles, was uns unglücklich macht, wird er beseitigen helfen. Und alles, was uns wirklich im tiefsten glücklich macht, wird er uns schenken.

Daran glaube ich.

Wir sind eingeladen, darüber ernsthaft nachzudenken.

Predigt                                                              Christmette 2020

Liebe Brüder und Schwestern!

Wir haben oft den Eindruck, Weihnachten ist ein beschauliches, ruhiges Fest – oder sollte es zumindest sein. Vielleicht haben wir als gute Christen sogar ein bisschen ein schlechtes Gewissen, wenn wir noch kurz vor dem Heiligen Abend ziemlich gestresst sind.

Das Weihnachtsevangelium, das wir gerade gehört haben und das wir jedes Jahr wieder hören, spricht aber gar nicht von beschaulicher Ruhe.

Im Gegenteil: Ganz schön viel ist in Bewegung.

Schon der kaiserliche Befehl verursacht jede Menge Bewegung: Die Boten der Regierung strömen durchs ganze römische Reich.

Die Menschen sind unterwegs wegen der Volkszählung.

Maria und Josef suchen eine Unterkunft. Der Brauch des Herbergsuchens zeugt davon.

Die Hirten, eigentlich Nomaden, sind sowieso immer unterwegs, führen ein unstetes Leben ohne festen Wohnsitz.

Die Engel begeben sich vom Himmel auf die Erde, zu den Hirten und zum Stall.

Sogar der Stern von Bethlehem wird als Komet dargestellt, der vor den drei Weisen herzieht, aber davon später.

Auch die Geburt ist Bewegung: aus dem Mutterleib heraus in diese Welt, ins Freie.

Die Hirten kommen zur Krippe.

Und es dauert nicht lange bis zur Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten …

Gottes Kommen in die Welt bringt einiges in Bewegung, wenn nicht alles.

Es ist wie ein Umsturz des bisher Geltenden, eine Neuordnung.

Wenn man etwas neu ordnet, muss man es – alles – auch zuerst einmal vom gewohnten Platz weg bewegen.

Gott kommt zu uns Menschen, wird ganz menschlich: Er kommt mitten in unsere Hektik und Unordnung hinein, selbst ohne festen Wohnsitz, und die Nomaden, die keinen haben, bemerken und begreifen das als erste von allen …

Möglicherweise liegen wir falsch, wenn wir meinen, Gott käme, sobald alles ruhig und friedlich ist, geordnet und sicher.

Vielleicht ist es im Gegenteil gerade das Unstete, Ungesicherte, Improvisierte, die ungewisse Zukunft, der Gelegenheitsjob, die Übergangslösung, die getrennte und neu zusammengewürfelte Familie, die Flüchtlinge ohne Aufenthaltsgenehmigung, das Land ohne eigene Regierung, der viel Arbeitende, dem auf einem seiner gestressten Wege durch die Stadt kurz der Gedanke kommt, er könnte für einen Moment in die Kirche da hineinschauen …

Ja, vielleicht kommt Gott unangemeldet, ungeplant, im falschen Moment und zwischendurch … schneller und lieber und leichter, es käme nur drauf an, ihn zu bemerken …

Im AT ist Gottes Wohnung immerhin ein Zelt. Das ist etwas, wo man sich nicht fix niederlassen kann.

Als er Mensch wird, tut er das in einer Notunterkunft für Hirten und Tiere.

Alles bringt er durcheinander und in Bewegung: Die Weltordnung wird eine andere. Was Mächtige für unwichtig und vernachlässigbar halten (ein Kind armer Leute am Rand der Welt), wird zum Wesentlichen. Das übliche Verhalten wird als menschenfeindlich entlarvt. Die Menschen unten und am Rand der Gesellschaft, die in Unsicherheit und ständiger Bewegung leben müssen, sind die, auf die es ankommt, sind diejenigen, die Gottes Liebe zu spüren bekommen.

Die, die ihre starre Ordnung hinter geschlossenen Türen ängstlich zu bewahren suchen, bekommen nichts davon mit – höchstens eine kurze Störung merken sie, die sie aber nicht an sich heranlassen. Augen, Ohren, Herzen und Türen bleiben zu – angefangen in Bethlehem und bis heute.

Liebe Brüder und Schwestern: Auch Sie sind heute in Bewegung. Spät in der Nacht sind Sie noch in die Kirche gekommen.

Dieses Gehen in die Christmette ist ein Zeichen des Glaubens an diesen Gott und der Bereitschaft, sich von ihm in Bewegung setzen zu lassen. Die Feier in der Familie, zu Hause, das Essen, der Baum, die Geschenke und Gespräche, eigentlich ist es eine Störung, da herausgerissen zu werden.

Aber es ist die Gelegenheit, von Gott etwas mitzubekommen.

Denken wir an unser Leben: die Situationen, mit denen wir nicht gerechnet, die wir uns nicht gewünscht haben, gerade heuer, aber auch sonst überall, wo etwas schief gelaufen ist, wo wir traurig sind oder ein Stück ungeborgen oder heimatlos, gestresst oder überfordert, wo wir uns wünschen, es möge anders werden: Das, genau das sind die Orte, wo wir dem begegnen, wo der mitten drin ist, anwesend, präsent, der als Neugeborenes außer dem Stroh in der Krippe und einer Handvoll zwielichtiger Gestalten nichts weiter als Begrüßung durch die Welt vorgefunden hat.

Dies hat er sich zugemutet, selber. Weil so das durchschnittliche Schicksal eines der 8 Milliarden Menschen auf unserer Erde ausschaut.

Und wo er uns deswegen – von innen heraus- ganz und gar versteht. Weil er einer von uns geworden ist.

Habe gerade an einem Meeting der Pioneers of Change teilgenommen mit Kousha Joubert – es ging um kollektive Intelligenz …

Eines hat mich heute tief berührt:

Die Formulierung “wohlwollendes Universum”.

Ja, das ist es.

Und mich beschäftigt die Frage: Wieso glauben so viele Menschen, die in Pfarren mitarbeiten, die in die Kirche gehen … und sich selber als gläubig einstufen würden – oder so viele Engagierte, die sich in Initiativen engagieren und sich selber als spirituell bezeichnen – warum glauben diese nicht an das Wohlwollen des Universums – sondern stellen sich irgendetwas Feindseliges vor, man muss auf der Hut sein, … sich dauernd anstrengen

Kousha Joubert meinte, uns hängen unsere Traumata nach. die eigenen aus unserer Kindheit und die kollektiven aus der Menschheitsgeschichte…

Erbsünde, so gesehen …

Gott befreit uns genau davon!

Ihr Christen, nehmt sie ernst, eure Taufgnade!

Es ist vorbei.

Gott liebt uns. Das Universum ist zärtlich uns zugewandt.

Frohe Botschaft pur …

Wie erfahrt ihr das?

Schreibt einfach!

Heute ist der letzte Tag unseres Glaubensseminars.

Glauben ist ein nicht unbedingt 100% passendes Wort dafür, worum es eigentlich geht:

Lebendige Beziehung unter lebendigen Personen.

Im Alten Testament wird Gott „der Lebendige“ genannt.

Im Kontakt zu dieser Wirklichkeit werden wir Menschen immer lebendiger. Glaube stellt sich nicht idealerweise so dar, dass ich etwas für wahr halte und praktiziere, und als Folge stellt sich eine Gewissheit ein oder Belohnungen kommen in mein Dasein …

Die Freundschaft mit dem Lebendigen ist die Belohnung, der Sinn, der Zweck, das Ziel …

Jesus drückt es so aus: Ich bin der Weg, die Wahrheit, das Leben.

Im Leben und in einer guten Beziehung gibt es immer wieder Überraschungen, nicht Geplantes, nicht Planbares.

Die ersten Christen wurden genannt und nannten sich „Leute des neuen Weges“.

Ein Unterwegssein, ständiger Wandel, Anstrengung und Freude, Abenteuer und Erfolg, Gemeinschaft, Gefahr, Müdigkeit, Aufgebenwollen, …

Das alles gehört dazu.

Dazu gehört aber auch das Dranbleiben.

Bleiben Sie dran!

Zum Abschluss dieser 4 Wochen Glaubensseminar und zum Neubeginn Ihrer persönlichen spirituellen Reise hier noch einmal das Vorbereitungsgebet des Ignatius von Loyola:

Herr, öffne mir die Augen,

damit ich sehe,

was ich noch nicht erkenne.

Herr, öffne mir die Ohren,

damit ich dein Wort nicht nur höre,

sondern verstehe, was du mir sagen willst.

Herr, gib mir ein großzügiges Herz,

das sich deinem Wort überlässt

und zu tun wagt, was es noch nicht getan hat.

Herr, ich weiß, dass ich nur lebe,

wenn ich mich von dir rufen

und verändern lasse.

Amen.

Heute, am vorletzten Tag, eine Übung, wie Vertrauen entstehen kann.

Wahrscheinlich ist Ihnen das Buch „Der kleine Prinz“ bekannt.

Hier ein Abschnitt, den Sie eingeladen sind, heute zu lesen:

Da verstummte der Fuchs und schaute den kleinen Prinzen lange an:

»Bitte … zähme mich!«, sage er.

»Das würde ich gern tun«, antwortete der kleine Prinz, »aber ich habe nicht viel Zeit. Ich muss Freunde finden und viele Dinge lernen.«

»Man versteht nur die Dinge, die man zähmt«, sagte der Fuchs. »Die Menschen haben keine Zeit mehr, um etwas kennen zu lernen. Sie kaufen sich alles fertig in den Geschäften. Da es aber keine Läden für Freunde gibt, haben die Menschen keine Freunde mehr. Wenn du einen Freund willst, dann zähme mich!«

»Was muss ich machen?«, sagte der kleine Prinz.

»Du musst sehr geduldig sein«, antwortete der Fuchs. »Du wirst dich zunächst mit einem kleinen Abstand zu mir in das Gras setzen. Ich werde dich aus den Augenwinkeln aus anschauen und du wirst schweigen. Sprache ist eine große Quelle für Missverständnisse. Aber jeden Tag setzt du dich ein wenig näher …«

Am nächsten Tag kam der kleine Prinz wieder.

»Es wäre besser gewesen, wenn du zur gleichen Zeit gekommen wärest«, sagte der Fuchs. »Wenn du zum Beispiel um vier Uhr am Nachmittag kommst, dann kann ich schon um drei Uhr beginnen, glücklich zu sein. Je mehr die Zeit voranschreitet, umso glücklicher werde ich. Um vier werde ich mich schon aufregen und beunruhigen; dann entdecke ich den Preis des Glücks! Aber wenn du zu irgendeiner Zeit kommst, werde ich nie wissen, wann mein Herz bei dir sein soll … Es muss Bräuche geben.«

»Was ist ein Brauch?«, frage der kleine Prinz.

»Das ist auch in Vergessenheit geraten«, sagte der Fuchs. »Dies ist etwas, das einen Tag vom anderen unterscheidet, eine Stunde von der anderen Stunde.

Aus: Antoine de Saint-Éxupery: Der kleine Prinz

Vertrauen Gott gegenüber wächst ebenfalls durch „feste Bräuche“. Es wächst möglicherweise langsam, aber es wächst.

Wichtig:

Wählen Sie jeden Tag eine bestimmte Zeit, die Sie für das Gespräch mit Gott reservieren.

20 Minuten sind ausreichend.

5 Minuten davon brauchen wir meistens, bis wir ruhig geworden sind.

Reden Sie frisch von der Leber weg. Verwenden Sie keine Floskeln. Werden Sie dann still und hören Sie hin …

Richten Sie sich ein Tagebuch oder einen Notizblock her: es kann sein, dass Ihnen etwas einfällt, was Sie aufschreiben möchten.

Wichtig: jeden Tag!

Ein Vorbild im Beten …

Betrachten Sie die Bibelstelle, versetzen Sie sich ins Geschehen hinein wie in einen Film, in dem Sie mitspielen!

Sprechen Sie zum Abschluss mit Gott oder mit Jesus über Ihre Gedanken, Gefühle, Erkenntnisse, …

Gen 18, 20-33

Der Herr sprach also: Das Klagegeschrei über Sodom und Gomorra, ja, das ist laut geworden, und ihre Sünde, ja, die ist schwer.

Ich will hinabgehen und sehen, ob ihr Tun wirklich dem Klagegeschrei entspricht, das zu mir gedrungen ist. Ich will es wissen. Die Männer wandten sich von dort ab und gingen auf Sodom zu. Abraham aber stand noch immer vor dem Herrn. Er trat näher und sagte: Willst du auch den Gerechten mit den Ruchlosen wegraffen?

Vielleicht gibt es fünfzig Gerechte in der Stadt: Willst du auch sie wegraffen und nicht doch dem Ort vergeben wegen der fünfzig Gerechten dort? Das kannst du doch nicht tun, die Gerechten zusammen mit den Ruchlosen umbringen. Dann ginge es ja dem Gerechten genauso wie dem Ruchlosen. Das kannst du doch nicht tun. Sollte sich der Richter über die ganze Erde nicht an das Recht halten?

Da sprach der Herr: Wenn ich in Sodom, in der Stadt, fünfzig Gerechte finde, werde ich ihretwegen dem ganzen Ort vergeben.

Abraham antwortete und sprach: Ich habe es nun einmal unternommen, mit meinem Herrn zu reden, obwohl ich Staub und Asche bin.

Vielleicht fehlen an den fünfzig Gerechten fünf. Wirst du wegen der fünf die ganze Stadt vernichten? Nein, sagte er, ich werde sie nicht vernichten, wenn ich dort fünfundvierzig finde.

Er fuhr fort, zu ihm zu reden: Vielleicht finden sich dort nur vierzig. Da sprach er: Ich werde es der vierzig wegen nicht tun.

Und weiter sagte er: Mein Herr zürne nicht, wenn ich weiterrede. Vielleicht finden sich dort nur dreißig. Er entgegnete: Ich werde es nicht tun, wenn ich dort dreißig finde.

Darauf sagte er: Ich habe es nun einmal unternommen, mit meinem Herrn zu reden. Vielleicht finden sich dort nur zwanzig. Er antwortete: Ich werde sie um der zwanzig willen nicht vernichten.

Und nochmals sagte er: Mein Herr zürne nicht, wenn ich nur noch einmal das Wort ergreife. Vielleicht finden sich dort nur zehn. Und wiederum sprach er: Ich werde sie um der zehn willen nicht vernichten.

Nachdem der Herr das Gespräch mit Abraham beendet hatte, ging er weg und Abraham kehrte heim.

Ich habe schon so viel gebetet – warum erhört Gott meine Gebete nicht?

Sicher kennen Sie diese Bibelstelle:

Darum sage ich euch: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. Oder ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn eine Schlange gibt, wenn er um einen Fisch bittet, oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet? Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten. Lk 11, 9-13  

Wenn das Kind um eine Schlange oder einen Skorpion bittet – werden wir die Bitte erfüllen? Sicher nicht – und zwar im Interesse des Kindes …   Was ist wirklich gut – oder das Bessere – für uns? Für die Gemeinschaft (Familie, Firma, Pfarre, Staat, Verein,…), in der wir leben und wirken? Für die gesamte Menschheit? Für einen Menschen, der uns nahesteht?   Ja, wir sind aufgerufen, zu bitten, zu bitten und noch einmal zu bitten. Aber wir sind auch aufgerufen und herausgefordert zu größerem Gottvertrauen. Es kann sein, dass wir um etwas bitten, das ins im Letzten von etwas Besserem, das eintreten könnte, abhält … Hören tut uns Gott immer, und ernst nimmt sie/er uns auch. … Manchmal erfüllt Gott unsere Wünsche, obwohl es nicht gut für uns ist. Zu Lernzwecken? Damit wir sehen, wie diese Entwicklung konkret ausschaut? Weil wir es aushalten, diese Erfahrung zu machen … oder weil wir auch Umwege machen dürfen …? Jedenfalls: Gott liebt es, wenn wir mit ihr sprechen …      

In der Bibel gibt es ein prominentes Beispiel eines Menschen, dem es sehr schlecht geht, der „Pech gehabt“ hat, auf der ganzen Linie …

Ich lade euch heute ein, dass wir uns mit Hiob beschäftigen.

Hiob ist reich, fromm und glücklich, hoch angesehen, beliebt, gesund … usw.

Im alttestamentlichen Text steht, dass er zum Objekt einer Wellte zwischen Gott und Satan wird, Dies ist zeitbedingte Sprechweise – die Menschen, die Theologen damals haben sich das so vorgestellt – die einzige Erklärung damals, warum es einem gerechten und frommen Menschenschlecht geht …

Was passiert?

Seine Kinder – 3 Töchter, 7 Söhne – sterben alle auf einen Schlag, weil die Festhalle, in der sie versammelt sind, einstürzt.

Das Vermögen versinkt im Meer oder wird geraubt oder durch Missernten, Wetterkatastrophen zerstört.

Hiob bekommt Aussatz, damals die schwerste bekannte Krankheit.

Seine Frau verlässt ihn.

Die Freunde wenden sich ab, wollen nichts mehr mit ihm zu tun haben.

Sie wollen ihm einreden, dass Gott ihn bestrafe für ein Vergehen, das er selber nur nicht sehe. – „Bereue, unterwirf dich Gott und stirb!“

Hiob jedoch lässt seiner Empörung freien Lauf.

In dieser Situation gibt er keineswegs klein bei oder gar auf, sondern er klagt Gott an. Hiob beschwert sich, er schimpft, er nennt Gott gewalttätig, grausam, unberechenbar, ungerecht, … usw.

Für seine Umwelt damals ist das unerhört, sie wirft ihm Gotteslästerung vor.

In der Erzählung geht es erstaunlich weiter:

Gott antwortet auf die Anschuldigungen Hiobs. Ausführlich.

Und als Schlussbemerkung Gottes steht da: „Ich nehme Rücksicht auf Hiob, meinen Knecht. Er hat recht von mir geredet, nicht so wie ihr (die äußerlich frommen Freunde) …“ (Ijob 42,7 und 8 – zwei Mal!)“Mein Diener Ijob soll für euch beten, denn auf ihn werde ich hören und euch nicht für euren Unverstand bestrafen.“

Und die Schlussbemerkung Hiobs: „Denn nur vom Hörensagen hatte ich dich gekannt. Nun aber hat mein Auge dich geschaut. Ich atme auf – in Staub und Asche.“ (Ijob 42,5f)

Gott und der Mensch sind einander auf Augenhöhe begegnet. Unmittelbar. Von Person zu Person.

Genau das sollen, dürfen, … wir auch!

Worauf es ankommt, ist: Nicht ÜBER Gott reden, nachdenken, theologische Floskeln verwenden … – sondern MIT Gott … in allen Situationen des Lebens.

Das ist das Ziel jedes Versuchs zu glauben, jeder Religion, jeder Spiritualität.

Ich verrate noch ein Geheimnis:

Es geht gar nicht ums „Glauben“.

Es geht ums Schauen, um die Erfahrung.

Die Frage: „Kann man Glauben lernen?“ ist auf einer anderen Ebene zu beantworten:

„Erfahrungen kann man machen.“