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Entscheidungen – machen wir ein Erntedank- und Pfarrfest?

Jede Pfarre findet ihren Weg auf andere Weise, verantwortungsvoll einerseits mit dem Feier- und Gemeinschaftsbedürfnis der Menschen, andererseits mit der Sorge und Behutsamkeit im Umgang mit Corona ein Auskommen zu finden.

Pfarrfest: wenn, dann nur im Freien. Die Überlegungs- und Arbeitsschritte waren unterschiedlich, das Ergebnis ist erstaunlich ähnlich.

Kann sein, der selbe Heilige Geist wirkt in beiden Pfarren …

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Predigt                                                       Dreifaltigkeitssonntag 2020

Liebe Brüder und Schwestern!

Achten Sie auf das Kleingedruckte! Heißt es oft, wenn es um Verträge oder Versicherungen geht. Schon manche haben ein böses Erwachen erlebt, als plötzlich unerwartete Nebengebühren angefallen sind, das Honorar oder die Versicherungssumme weit niedriger ausgefallen ist als angenommen …

Und dann heißt es: na, das hätten Sie aber wissen können …

Was hat das mit dem Dreifaltigkeitssonntag zu tun?

Der Glaube an den dreifaltigen Gott ist das grundlegende Unterscheidungsmerkmal zwischen „christlich“ und „nicht christlich“, was Religionen oder religiöse Gemeinschaften betrifft. Und das spielt in unserer heutigen Zeit eine größere Rolle als wir hier, wenn man uns schnell fragt, eigentlich meinen würden.

Jede Menge religiöser Erscheinungsformen tummeln sich auf dem freien Markt und bieten ihre Vorzüge an. Bei der einen Richtung wird umfassende Heilung versprochen, bei einer anderen Erfolg auf der ganzen Linie, wieder woanders garantierte spirituelle Weiterentwicklung bis zur göttlichen Vollkommenheit – und zwar ganz ohne die kirchliche Tradition und Hierarchie, unter der wir alle mehr oder weniger leiden und wo man gern was los wäre.

Versprochen wird nämlich in ca. zwei Drittel der Angebote, dies hier sei das bessere, erleuchtetere Christentum, wie es Jesus wirklich gemeint hat – übrigens haben das sämtliche Sekten der vergangenen 2000 Jahre genauso geglaubt.

Und jetzt wird es interessant, auf das Kleingedruckte zu achten – wo wir ungefragt mitgeliefert bekommen, was wir nicht bestellt haben.

Jesus bekommt in dieser religiösen Esoterikszene nämlich einen ganz hohen Stellenwert. Die Menschen, die sich von einer der Großkirchen nichts mehr erwarten oder enttäuscht sind und nichts mehr zu tun haben wollen, z. B. austreten, haben noch Jesus Christus im Herzen und möchten durchaus mehr über ihn erfahren, wissen, ihm näher kommen. Gehen Sie in die esoterische Buchhandlung und schauen Sie sich die Bücher oder Angebote an. Vorne auf dem Umschlag – Jesus Christus. Und viele andere Gestalten und Symbole des Christentums: Bibel, Maria, Heilige, Engel, Weihrauch, gotische Kirchenfenster …

Und wenn man genauer hineinliest: Jesus ist ein besonderer Mensch, ein Erleuchteter, aufgestiegener Meister, in derselben Gewichts- und Qualitätsklasse wie etwa Buddha, Zarathustra, Mose, Maria aus Nazaret …

Diese Anschauung , dass Jesus zwar der einzige Sohn Gottes, aber nur Mensch sei, wenn auch der denkbar beste und vorbildlichste, hat es in den Anfängen der Kirche gegeben – und ist beim Konzil von Nicäa 325 als unrichtig verurteilt worden.

Solche theologischen Spekulationen sind eh wurscht, denken vielleicht manche – mir nicht. Ich denke, es ist immens bedeutungsvoll, ob all das, was ich von Jesus weiß, ein vorbildlicher Mensch gesagt und getan, erlebt und erlitten hat – oder Gott selbst.

Wenn es nicht sicher ist, oder egal ist, ob Jesus Gott ist …

Das ist ein anderer Grad an Verbindlichkeit.

Für die Muslime ist Jesus ein wichtiger Prophet. Die Zeugen Jehovas glauben, Jesus ist nur Mensch.


Ganz ähnlich ist es mit dem Glauben an den Heiligen Geist als Person. Wenn wir das hebräische Wort übersetzen, die Heilige Geistin – Ruah Jahwe. Es ist auch eine Fehlform, sich die Dreifaltigkeit als drei männliche Personen vorzustellen.

In der Esoterikszene ist die Rede von der göttlichen Energie, die überall reichlich vorhanden sei und nur durch speziell erlernbare Techniken kanalisiert oder angezapft zu werden braucht – wie eine Stromleitung.

Nicht aber Person, die auch von sich aus aktiv wird, auf Menschen zugeht – und Bitten erhört oder auch nicht, wenn es nicht gut ist – wo es um den Kontakt geht zwischen Personen …

Gottes Geist sorgt ja v. a. auch für den guten Kontakt der Menschen untereinander, für den Gemeindeaufbau, für Struktur … Wo „Kirche“ (jetzt egal welcher Konfession) keine Rolle mehr spielt, wo alles individuell ist und jeder als einzelne/r für das eigene Heil selbst verantwortlich ist – da fehlt Wesentliches.

Oder wo eine Heilige Schrift direkt diktiert wird – in der Esoterik Channeling -, vom Himmel fällt, wo es keine Auslegung, Weiterentwicklung etc. geben darf … das ist Leugnung des Heiligen Geistes, der in Freiheit und Liebe mit freien Menschen wirkt. Die historisch kritische Bibelauslegung kommt dem auf die Spur.

Wenn schon das Bild vom Kanal für die göttliche Eingebung verwendet wird, dann müssen wir uns vorstellen, dass jeder menschliche Kanal innen eine Farbe, einen Geruch, Geschmack … hat, was auf das Wasser der Botschaft übertragen wird. Wahrscheinlich auch Schmutz, der die Qualität beeinträchtigt … Bibelauslegung erforscht, was für historische, kulturelle, persönliche … Beimengungen drin sind … dass sie drin sind, ist nichts Schlechtes, das ist ganz normal und erwartbar. Man muss nur wissen darum. Fundamentalismus tut so, als ob es diese menschlichen Dreingaben, Eigenheiten…  nicht gäbe…

Gottes heiliger Geist wirkt voller Respekt vor dem Menschen mit dem Menschen zusammen. Übrigens tut das auch Jesus überall in den Evangelien. Und der Gott Israels im AT.

Das ist die große Gemeinsamkeit. Jede der drei Personen ist ganz außer sich vor Liebe zu jeder und jedem einzelnen von uns Menschen. Auch zur ganzen Schöpfung …

Und wir, Sie und ich, sind in dieser immensen Liebe mitten drin …

Kurz nach Pfingsten eine Werbeeinschaltung an dieser Stelle:

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Morgen mehr zu diesem Thema!

Warum sind diese ganzen Geräte da zu Beginn des Gottesdienstes nicht gelaufen? Warum haben sie nicht funktioniert?

Sind sie kaputt?

Sollen wir sie besser entsorgen?

Aha, sie sind nicht kaputt – oder veraltet – der Stromanschluss hat gefehlt.

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder – bei den Jüngern und Jüngerinnen damals in Jerusalem war es ganz ähnlich.

Die Luft war heraußen, würden wir heute vielleicht sagen.

Der Anschluss zu ihrer Kraftquelle war nicht vorhanden. Die Verbindung nicht intakt.

Ja früher, noch vor wenigen Wochen, war Jesus selber bei ihnen.

Er hat ihnen erklärt, was zu tun ist, sie gelehrt, was wichtig ist, ihnen gezeigt, wie man Wunder wirkt …

Zeitweise haben sie sich bestimmt wie in einem Rausch befunden, waren high von den Erfolgen, die es da gegeben hat, die 5000 oder mehr, die einen ganzen Tag lang zugehört haben, die Brotvermehrung bei diesem Anlass; das Aufhören des Sturms auf Jesu Wort hin. Die Auferweckung von Toten … das Gehen auf dem Wasser …

auch von ihren eigenen, Jesus hat sie ausgeschickt um zu predigen und Kranke zu heilen, und es ist ihnen gelungen, sie waren begeistert.

Sie haben gemeint, das geht immer so weiter, eines Tages ist Jesus Herrscher und sie seine Minister…die ganze Welt wird ihnen zu Füßen liegen.

Und dann – der Karfreitag. Alles aus.

Nichts ist mehr wie vorher.

Ja, Jesus war auferstanden. Aber was bedeutete das für ihr weiteres Leben? Sollten sie weitermachen mit der Verkündigung des Evangeliums – und wie? Was sollte das bringen?

Irgendwie waren sie blockiert, zurück konnten sie nicht mehr, und für das Weitergehen fehlte Plan und Energie.

Wir befinden uns jetzt in einer ähnlichen Situation.

Nach der Coronakrise kehren wir gerade wieder in die Normalität zurück. Neue Normalität.

Es  wird noch manches anders werden als es jetzt schon ist – aber so wie vor Corona wird es nicht mehr sein. Nie wieder.

Es fehlt vielen der Plan, eine Perspektive, wie es weitergehen kann in ihrem Leben, in ihrem Beruf, in der Wirtschaft überhaupt in der EU und weltweit.

Es wird weitergehen, das ist gewiss. Weltuntergang war es schließlich keiner.

Aber das genaue Wie, wie das zu bewerkstelligen ist, der Anschluss von vorher auf Nachher – das gute Alte bewahren, aber auch das neugewonnene Gute aus der Krise weiterführen: mehr Zusammenhalt und Rücksicht, Regionalität der Wirtschaft, Sparsamkeit, manches selber machen statt kaufen, Schonung der Umwelt … da fehlts noch.

Aber: Fehlt es nicht auch an uns Christen?

In der Kirche gab es auch einmal einen Enthusiasmus – Aufbruch in der Freiheit, nach den Schrecken des 2. Weltkrieges, zugleich mit dem Wirtschaftswunder, das 2. Vatikanum, alle dürfen mittun beim Gottesdienst, alle mitbestimmen in der Pfarre…

Jugendmessen, Ferienlager, Katholikentage…Papstbesuche …

Immer mehr und noch immer schöner, das haben viele von uns erhofft, auch ich.

Es kam anders: Schwindendes Interesse an der Kirche, außer wenn wieder einmal ein Skandal aufgedeckt wurde…

Weniger Taufen und Hochzeiten, mehr Austritte.

Kirchenbesuch? Naja.

Und als Mitarbeiter in der Pfarre? Was soll man mitbestimmen, wenn nichts da ist? Wenn fast keiner mittut?

Manche glauben, die Lösung liege in der Strenggläubigkeit – manche sehen sie in mehr Planung, mehr Einsatz, mehr Events…

Aber das Wahre ist das nicht…  irgendwie fehlt was.

Die perfekt gebauten Geräte, gute Qualität, …laufen nicht …

Genau. Der Stecker muss in die Steckdose. Eine Verbindung muss hergestellt werden.

Persönliche Beziehung zur Kraftquelle tut not.

Diese Nachttischlamperl, Ventilator, Föhn, CD-Player befinden sich in der Kirche… aber sie laufen nicht, wenn ich sie nicht anstecke.

Wir sind getauft, wir gehen in die Kirche. Wir sind da. Aber das genügt nicht.

Aber wir werden als Christen nicht lebendig und produktiv, solange wir nicht angesteckt sind. Solange wir nicht die Verbindung herstellen, suchen und pflegen, die Gott, Jesus mit uns haben möchte.

Die Jüngerinnen und Jünger damals im 1. Stock des Hauses in Jerusalem am Morgen des Laubhüttenfestes haben genau das getan. Sie haben gebetet.

Und dann plötzlich konnte der Strom fließen – in jede und jeden von ihnen – Mut, Wissen, wie s geht, Plan, Liebe, Begeisterung, die richtigen Worte, auf andere zugehen … alles war da.

Also … wie es weitergeht, es liegt an uns …

Predigt                                                So., 24. 5. 2020

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Ist hier jemand, der sagt: Beten ist meine Lieblingsbeschäftigung?

Gehört es überhaupt zu den Dingen, die wir gern tun – oder eher nicht?

Ganz ehrlich: Ich denke wenn ich gefragt werde, was ich gern mache, auch nicht automatisch ans Beten.

Das heutige Evangelium hat mich nachdenklich gemacht. „Sie befanden sich gemeinsam im Obergemach, einmütig im Gebet…“ … Gute 20 Personen, einmütig. Und sicher freiwillig und mit Freude. 10 Tage, wenn man den Text wörtlich nimmt.

Warum fehlt uns so oft die Freude am Beten? Wie kommen wir zu mehr Begeisterung?

Wenn ich gelernt habe, dass das Beten ein Muss oder zumindest ein „Soll“ ist und feststehende Texte aufgesagt werden müssen, entfalte ich eine Grundhaltung wie allem gegenüber, was getan werden muss, was Pflicht ist. In meiner Freizeit, wenn ich es mir aussuchen kann, mache ich es nicht.

Ich schlage vor, dass wir das Wort „Beten“ vorerst einmal gar nicht verwenden.

Reden wir von dem Geschenk, das Gott uns macht. Der Name Gottes, der im Judentum nicht ausgesprochen werden darf? Wie lautet der? Jahwe. Ich bin da. Das Gegenteil von weg, abwesend, distanziert, unerreichbar, uninteressiert …

Jederzeit können wir uns mit ihm verbinden, an ihn wenden. Uns von dem erfüllen lassen, was er zu bieten hat.

Ich nehme an, dass Sie den Film „Die Hütte“ gesehen haben, er läuft jetzt öfter im Fernsehen – oder das Buch gelesen.

Gott als Papa oder Mama – nahe, ansprechbar, Jesus hat das Wort „Abba“ verwendet, Papa. Das bedeutet nicht, dass Gott mehr männlich als weiblich vorzustellen ist. Wenn Jesus Mama gesagt hätte, wäre das zu nahe an den altorientalischen Göttinnenkulten gewesen, und er wäre nicht ernst genommen oder weit früher als Gotteslästerer verurteilt worden. Es hätte sein öffentliches Wirken erheblich beeinträchtigt oder ganz unmöglich gemacht.

Wichtig ist: Gott verhält sich uns gegenüber so – und möchte, dass wir uns voll Vertrauen wie ein Kind mit allem an ihn/sie wenden.

Stellen wir uns ein Kind vor, vielleicht 1. Volksschule. Ich mache es jetzt traditionell: Der Papa kommt abends von der Arbeit nach Hause und setzt sich auf die Couch. Das Kind kommt, stellt sich gerade hin und sagt: Vater, ich lobe und preise dich, dass du mir das Leben geschenkt hast. Ich danke dir, dass du täglich in deinem Beruf für die Familie und mich sorgst. Ich bitte um Verzeihung, weil ich heute nichtständig an dich gedacht habe. Voll Hoffnung auf dein Erbarmen wage ich zu bitten: Repariere bitte mein Fahrrad, das heute kaputt geworden ist …“

Jeder, der das hört, wird sich denken, das Kind hat einen Vogel oder die ganze Familie ist verrückt oder irgendwie krank im System.

Gesund und normal ist es, dass das Kind dem Papa raufhüpft, das Herzibinki, sich anschmiegt und einfach drauflosplaudert, sich einfach freut, dass er jetzt da ist.

Wissen Sie, ich glaube, die einzige wirklich gefährliche Sünde besteht darin, dass wir nicht auf die Idee kommen, uns Gott gegenüber genau so zu verhalten. Oder es uns nicht trauen oder dass wir es nicht einfach tun.

Viele Mystiker, Heilige der Kirchengeschichte haben beim Beten gar nichts getan. Es ist für sie eine Zeit, die sie gemeinsam mit Gott verbringen, wie mit einem besten Freund … Oder sie beschreiben es als ein Sich-Lieben-Lassen – aus dem man gestärkt und ermutigt und reich beschenkt hervorgeht…

Und dann ist da noch das Wort „einmütig“ im Evangelium.

Wir haben, wenn wir beten, vielleicht den Eindruck, es bewirkt nichts, es tut sich nichts …

Liebe Brüder und Schwestern, viele haben Animositäten, Feindschaften, Vorbehalte aufgebaut anderen gegenüber. Oder starre Vorstellungen, wie das Leben zu verlaufen habe. Wie sich andere zu verhalten haben.

Festlegungen: Das würde ich niemals essen… anziehen…  Das würde ich nie machen… dorthin würde ich nie fahren … Und wir beginnen Menschen abzulehnen, die diese bestimmten Geschmacksvorlieben oder Hobbies haben … Wenn die oder der dabei ist, dann komme ich nicht.

mit der würde ich nie reden … mit dem setze ich mich nicht an einen Tisch … ja warum eigentlich nicht?

Das kann einfach nicht gut gehen. Nicht nur, dass wir mindestens die Hälfte der Geschenke nicht haben wollen, mit denen Gott uns eine Freude machen will.

Sondern so entsteht keine Einmütigkeit.

Das macht niemanden glücklich. Fürs Verfeindetsein ist das Leben zu kurz und die Ewigkeit zu lang.

Es tut uns und der ganzen Menschheit gut, wenn wir uns vergegenwärtigen: Gott betrachtet und behandelt jeden Menschen wie den besten Freund, die beste Freundin. Oder, wir kennen das: wie das Herzibinki …

Da kann der Heilige Geist dann landen, etwas anfangen mit uns. Dass wir das erfahren, das wünsche ich Ihnen und mir.

Predigt                                               6. So. d. Osterzeit           16./17. 5. 2020

Liebe Brüder und Schwestern!

Aha, haben wir eh befürchtet, es geht also doch vor allem darum, Gebote einzuhalten im Christentum … wie vor 100 Jahren üblich, Hauptsache brav und gehorsam…?

Liebe Mitchristen, wir sind eingeladen, genau hinzuhören.

Jesus sagt im Evangelium: Wer meine Gebote hat und hält, ist es, der mich liebt…

Wir erinnern uns: Jesus hat sich selber des öfteren nicht an die Gebote und Vorschriften der Pharisäer, des stenggläubigen Judentums gehalten – nämlich immer dann, wenn sie lebensfeindlich waren, wenn sie der Liebe diametral entgegengestanden sind.

Jesus selbst hat stets gegen engstirnige Auslegung gekämpft – man wollte ihm verbieten, am Sabbat zu heilen. Verurteilt ist er mit dem Argument worden: Wir haben ein Gesetz und nach dem muss er sterben – nämlich als Gotteslästerer.

Schauen wir, welche Gebote sind das denn, die Jesus gibt? Finden wir etwas im Evangelium?

Da gäbe es zunächst einmal die Bergpredigt.

Einige Sätze fallen mir spontan ein aus den Evangelien:

Seid barmherzig.

Vergebt nicht 7x, sondern 77 mal.

Liebt Gott von ganzem Herzen und euren Nächsten wie euch selbst.

Liebt eure Feinde, tut gutes denen, die euch hassen.

Betet für die, die euch verfolgen.

Sorgt euch nicht ängstlich.

Bemüht euch, durch die enge Tür zu gelangen.

Na gut, werden wir sagen. Aber viel Konkretes ist da nicht herauszufiltern.

Aber um das geht es auch nicht.

Jesu Absicht ist es nicht, ein Gesetzeswerk zu hinterlassen. Klar ist für Jesus, dass z. B. die 10 Gebote gelten.

ABER: Er verspricht, bei uns zu sein bis zum Ende der Welt.

Es geht darum, auf ihn zu hören.

Sich auf ihn einzulassen. Sein Wesen zu erfassen und unser Handeln, ja unser ganzes Denken und Sein nach ihm in Liebe auszurichten.

In den letzten Wochen sind gerade unter Christen immer wieder Zweifel aufgekommen im Zusammenhang mit den Bestimmungen, den Beschränkungen angesichts der Coronakrise.

Das Wesen des Christentums ist doch Gemeinschaft, Zusammenhalten, der Heilige Geist stiftet Verbindung, Kontakt, konkrete Nähe zwischenMenschen.

Im heutigen Evangelium, in der frohen Botschaft Jesu, bekommen wir da genau die Hilfestellung, die wir brauchen.

Jesus verspricht uns als Beistand den Heiligen Geist – und der ist lebendig. Was lebendig ist, ist nicht ein für alle Mal starr und fix. Ein Organismus, der sich nicht mehr verändert, ist tot.

Jesu Gesetz besteht nicht in starren Prinzipien, die ein für allemal gültig sind.

Das ist auch der Unterschied zu einem fundamentalistischen Buchstabengehorsam.

Das – das – Unterscheidungsmerkmal ist die Liebe, die je größere Liebe.

Wenn Nähe, Gemeinschaft, zwischenmenschlicher Kontakt extrem hohe Werte sind – dann kann es dennoch sein: dass in der Coronazeit Abstand, Distanz, weniger Kontakt das liebevollere Verhalten darstellen – weil es lebenserhaltend ist.

Es hat so Ansätze von Brutalo-Katholizismus gegeben. Nein, keinen Gottesdienst feiern widerspricht dem Christentum, nicht zusammenkommen, keine Körperkontakt, keine Sterbesakrament – das ist ja unchristlich, da sollten wir uns besser gar nicht dran halten …

Gottes lebensspendender Geist ist uns geschenkt, damit wir uns leicht tun zu unterscheiden: Wo ist etwas menschenfeindlich, wo werden Vorschriften oder sogar die Religion benützt, um anderen das Leben schwer zu machen — und wo sind sie menschenfreundlich, d. h. ermöglichen und garantieren Leben und machen das Leben leichter.

Es ist unsere Aufgabe als mündige Christen: immer wieder neu zu erforschen: Wo ist der Geist Jesu Christi eher am Werk?

Jesus hat damit gerungen, wie seine Rolle aussehen sollte in dieser Welt. Und dies sicher nicht nur ein einziges Mal, wie es in der Versuchungsgeschichte erzählt wird.

Bibeltext zur Betrachtung: Lk 4, 1-13

1 Erfüllt vom Heiligen Geist, kehrte Jesus vom Jordan zurück. Er wurde vom Geist in der Wüste umhergeführt, 2 vierzig Tage lang, und er wurde vom Teufel versucht. In jenen Tagen aß er nichts; als sie aber vorüber waren, hungerte ihn. 3 Da sagte der Teufel zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl diesem Stein, zu Brot zu werden. 4 Jesus antwortete ihm: Es steht geschrieben: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. 5 Da führte ihn der Teufel hinauf und zeigte ihm in einem Augenblick alle Reiche des Erdkreises. 6 Und er sagte zu ihm: All die Macht und Herrlichkeit dieser Reiche will ich dir geben; denn sie sind mir überlassen und ich gebe sie, wem ich will. 7 Wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest, wird dir alles gehören. 8 Jesus antwortete ihm: Es steht geschrieben: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen. 9 Darauf führte ihn der Teufel nach Jerusalem, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich von hier hinab; 10 denn es steht geschrieben: Seinen Engeln befiehlt er deinetwegen, dich zu behüten; 11 und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. 12 Da antwortete ihm Jesus: Es ist gesagt: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen. 13 Nach diesen Versuchungen ließ der Teufel bis zur bestimmten Zeit von ihm ab.

Ganz bestimmt kommt die Versuchung wieder in dieser Situation, wo ihm die Massen zujubeln – und wo er auf dem ganzen Weg nach Jerusalem bereits weiß, dass er leiden und sterben wird – mit dieser Absicht und Aussicht kommt er … er hätte sich weiterhin in Galiläa verstecken können.

Könnte es nicht sein, dass es doch ganz anders auch geht …?

Das Judentum (und viele religiöse Strömungen die Jahrhunderte hindurch) erwartete einen Erlöser, der hart durchgreift, streng religiös agiert, als König vom Palast aus regiert, an der Spitze des Heeres als siegreicher Feldherr sämtliche äußeren Feinde ein für alle Mal beseitigt – und gleichzeitig aller materiellen Not (Hunger, Krankheit, Naturkatastrophen …) ein Ende macht.

Der aus Steinen Brot macht, für den die Naturgesetze nicht gelten, der seiner Macht freien Lauf lässt bzw. religiöse Macht für eigene Zwecke missbraucht.

Mit welchen Versuchungen werde ich konfrontiert?

Wie verhalte ich mich da?

Exerzitien – Tag 5

Es hat uns wirklich gut getan, diese Besinnung darauf, wie sehr wir von Gott geliebt sind. Vielleicht war dieser Zugang etwas ganz Neues für uns, ungewohnt.

Und vielleicht kamen Zweifel und Fragen etwa in der Art: Ja, aber früher haben wir immer nur gehört, wie sündig wir sind und nicht wert, in die Nähe Gottes zu kommen – und außerdem: in meinem Leben ist so viel schief gegangen … ja, aber dieser Konflikt in der Familie, in der Firma belastet mich … ja, aber ich leide an dieser Krankheit, Behinderung … ja, aber in Zeiten von Corona … wieso müssen so viele leiden und sterben – Not, Kriege, Katastrophen … und warum ist so vieles auf dieser Erde ganz und gar nicht in Ordnung …?

Also: Die erste dieser Fragen stammt aus einer negativen Tradition, die sich leider breit gemacht hat – dafür kann Gott nichts.

Aber sonst: Lauter Fragen, die sich nicht mit einer schnellen logischen Erklärung beantworten lassen.

Die Versuche, Antworten darauf zu finden, füllen Bibliotheken.

Die heutige Bibelstelle: Lk 4, 14-21 lädt uns ein zur Betrachtung, aber noch mehr dazu, uns selbst die Frage zu stellen: Sind auch meine Augen voller Erwartung auf Jesus gerichtet?

Erwarte ich von ihm – ja: was eigentlich? Das umfassende Heil? Die Vergebung meiner und aller Sünden? Glück? Erfüllung? Heilung? Die Lösung sämtlicher Probleme? Dass alles in Ordnung kommt? Gerechtigkeit? Frieden? …?

Es ist gut, wenn ich mit ihm darüber ins Gespräch komme.

Lukas 4, 14-21

14 Jesus kehrte, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück. Und die Kunde von ihm verbreitete sich in der ganzen Gegend. 15 Er lehrte in den Synagogen und wurde von allen gepriesen.

16 So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um vorzulesen, 17 reichte man ihm die Buchrolle des Propheten Jesaja. Er öffnete sie und fand die Stelle, wo geschrieben steht: 18 Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn er hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze 19 und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe. 20 Dann schloss er die Buchrolle, gab sie dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. 21 Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.

Predigt                                            Hl. Stephanus 2019

Liebe Brüder und Schwestern!

Der rote Faden da verläuft von der Krippe … wohin? Zur letzten Kreuzwegstation. Der rote Faden des Evangeliums beginnt beim Weihnachten Feiern und zieht sich durch die Welt, durch die Geschichte …

Weihnachten feiern viele. Auch Atheisten, weil es so schön ist. Auch in den Harry Potter – Büchern wird jedesmal Weihnachten gefeiert.

Der rote Faden stört auch – wie Jesus. Einige von Ihnen haben geschaut, was das ist – versucht, ihn ein bisschen zur Seite zu schieben, haben sich sogar anderswo hin gesetzt, lenkt uns ein bisschen ab vom gewohnten Geschehen.

Jesus hat auch gestört:

  • die in Ruhe fromm auf ihrem Platz sein möchten
  • die nur die Idylle von Weihnachten oder von der Religion wollen
  • auch die, die nur das negative, das Kreuz sehen, die Drohbotschaft
  • die, die ihre Umgebung im Grunde nicht interessiert
  • die ausschließlich auf das Hier und Jetzt achten, ohne an Anfang, Gründe, Ziel und Ende zu denken
  • die nicht wahrhaben wollen, dass nicht alles in Ordnung ist … und dass Menschen etwas dagegen unternehmen können und sollen

Rot – bedeutet „Alarm!“ Stop! Tu was! Herz und Hirn einschalten!

Rot ist die Farbe des Lebens: Das volle Leben für alle möchte ich, sagt Gott – und eher lasse ich euch nicht in Ruhe.

Der rote Faden von Gottes Wirklichkeit zieht sich von der Krippe durch die gesamte Geschichte der Menschheit sowie jeder/s einzelnen. Wenn ein Mensch ihn nicht absichtlich auslässt oder abschneidet. Und wieder in das andere Leben hinein.

Menschen wie Stephanus machen auf den roten Faden aufmerksam – und bewirken, dass er allmählich zu einer immer breiteren Straße wird.

Rot ist auch die Farbe des Heiligen Geistes.

Menschen wie Stephanus sind vom Geist Gottes erfüllt, bringen die Gaben, ihre Charismen ein ins Kirchen- und Weltgeschehen.

Machen wir Gottes Straße breiter.

Während des Frühstücks die erste Kerze am Adventkranz anzünden und die Vorfreude auf Weihnachten – oder auf den bevorstehenden Tag – auf sich wirken lassen …

Wenn du Probleme befürchtest, Schwieriges vorhast oder viel Arbeit auf dich wartet, vielleicht die Fortsetzung eines Streits,einer verfahrenen Situation: Bitte den Heiligen Geist, Gottes Ruach, schon jetzt, im Vorhinein, in diese Situationen hineinzukommen und sie mit Liebe und Freude zu füllen.

Und lass dich überraschen, was passieren wird!

So ein Frühstück mit Gottes Geist wirkt immer.