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Predigt                                    Mariä Himmelfahrt 2013

 

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

 

Was wissen wir über Maria?

Mutter von Jesus. Mehr als das, was im Evangelium  gepriesen wird – sie hat ihn erzogen, sprechen und beten gelehrt …

Staatszugehörigkeit, Beruf, Mann, Kind(er)… das Leben mit den Aposteln nach der Auferstehung ihres Sohnes. „Ich bin überzeugt, dass ihr Leben ganz einfach gewesen sein muss“ schreibt Edith Stein, wir haben diesen Satz in der Kapelle auf dem Gobelin stehen.

Legenden. Eine davon: dass sie im Moment ihres Sterbens plötzlich nicht mehr da war. Entrückt, Gott hat sie ganz zu sich genommen, mit Leib und Seele.

 

Wir glauben, und die ganze Kirche glaubt bis heute: Maria war – ist ein ganz besonderer Mensch.

Aber im Grunde ist dieser Glaube sehr klein – etwas beschränkt, wenn wir der Aussage Jesu im heutigen Evangelium Glauben schenken: Selig, die das Wort Gottes hören und es befolgen. Seine Mutter hat das in vorbildlicher und einzigartiger Weise getan.

 

Aber es steht dem nichts im Wege, dass wir dies auch tun.

Und weil wir ganz verschiedene einzigartige Wesen sind, wird jeder, der diesen Weg einschlägt, dies in einzigartiger Weise tun – und manche bestimmt auch in vorbildlicher Weise.

Gott macht keinen Wertunterschied zwischen den Menschen.

Gerade Maria, die in ihrem Erdendasein unscheinbar war, die niemand um ihre Meinung gefragt hat, die nichts galt bei den Mächtigen und Vornehmen ihrer Zeit, kann uns da Mut machen.

 

 

Die Heilkräuter bringen diese Wertordnung Gottes auch ganz toll zum Ausdruck:

Da ist es ganz ähnlich: Für welche Pflanze müssen wir im Blumengeschäft, in der Gärtnerei wohl mehr zahlen?

Rose – Orchidee – Lilie

Brennessel – Spitzwegerich – Löwenzahn

 

Aha, die sind gratis. Unkraut, das gar nicht in die Blumenhandlung hinein darf …

Aber gerade die haben eine gewaltige Heilkraft.

Die Unscheinbaren. Holler. Weidenrinde. Hirtentäschel. Beifuß, Beinwell und Baldrian. Gänseblümchen. Storchenschnabel. Farnkraut. Wo man kein 2. mal hinschaut. Viele Menschen kennen diese Kräuter nicht einmal.

 

Bei den Menschen kann es ebenso sein. Die, von denen keine Zeitung schreibt, sind oft die, die im Sinne Gottes viel Heilsames und Großartiges leisten.

 

Mir ist beim Vorbereiten bewusst geworden, dass wir mit den Augenblicken unseres Lebens ganz genau so umgehen.

Wir teilen sie ein in Sternstunden und normal, in wichtig und unwichtig. Momente, denen wir nicht sonderlich viel Beachtung schenken:

Beim Gemüseschneiden oder Bügeln, Zähneputzen, der Weg in die Arbeit, das Warten an der Supermarktkasse … das Warten auf die Telefonverbindung, auf den Bus …auf das Grünwerden der Ampel …

Verlorene Zeit?

Aber aus diesen kleinen alltäglichen Momenten setzt sich unser Leben zusammen, nicht einmal nur der Alltag.

Diese Augenblicke sind Lebenszeit. Kostbar und unwiederbringlich, unwiederholbar. Gerade die normalen, unscheinbaren – auch hier – die, auf die es ankommt, die den Takt, die Richtung unseres Lebensweges bestimmen.

Fröhlich und hoffnungsfroh – oder ärgerlich, ungeduldig, gestresst, unzufrieden, hektisch, oberflächlich oder genau, bewusst, voll Angst oder Vorfreude, gelassen und ruhig. Vertrauensvoll, gläubig, voll Liebe für die Mitmenschen oder für das, was rund um mich geschieht …halte ich mich heraus oder bringe ich mich ein …

Diese sind die Einheiten unserer Zeit, auf die es ankommt …

In so einem unscheinbaren Moment ist Maria vom Verkündigungsengel angesprochen worden.

Würden wir den Engel hören?

Im „Gegrüßet seist du, Maria“ heißt die Bitte zum Schluss: „Bitte für uns jetzt und in der Stunde unseres Todes.“ Da ist beides drin. Jetzt, der alltägliche banale Augenblick, nichts Besonderes, und der wichtigste und besonderste aller Momente, in dem wir den Schauplatz wechseln, die Daseinsform vom sichtbaren zum unsichtbaren Bereich … es wird die Zusammenfassung und Steigerung aller dieser kleinen Augenblicke sein.

Jeder von ihnen ist heilig.

Wie das unscheinbarste Gewächs gewaltige Heilkraft entwickeln kann, wie der unscheinbarste Moment unser Gesamtes Leben beeinflusst, so ist auch der unbekannteste und unscheinbarste Mensch einer, der als Gottes ebenbild seine Wirklichkeit zum Ausdruck bringt.

 

Predigt                                                                 20./21. 7. 2019

 

Liebe Brüder und Schwestern!

 

Aha – möchte uns Jesus etwa faul und untätig haben? Oder was soll das heute wieder im Evangelium? Sollen wir nur mehr beten und nicht mehr arbeiten?

 

Da kommen drei Ebenen, drei Schichten der Wirklichkeit zur Sprache, von denen alle drei uns in unserem Leben ganz konkret begegnen und bei denen Jesus uns helfen will. Eine gute Nachricht für uns hat.

 

Stellen wir uns diese Situation, die geschildert wird, ganz konkret vor. Es kommt seltener Besuch. Die Hausfrau ist nicht wirklich greifbar, weil sie ununterbrochen herumsaust um besondere Festmenübestandteile zu zaubern zu ordern – es war ja ein vornehmes Haus mit Dienern, das Beste vom Besten soll es sei, ist ja ein denkbar vornehmer Gast.

Dieser Gast ist extra gekommen – warum? Um mit den Menschen, die er besucht, Kontakt zu pflegen. Um sich mit der Hausfrau, mit der Hausherrin, denn das war Martha, zu unterhalten, auszutauschen. Der Besuch gilt – ihr und dem Bruder Lazarus und der kleinen Schwester Maria … Der Gast würde sich über ein weniger aufwändiges Mahl, dafür über die Gesellschaft seiner lieben Freundin, durchaus mehr freuen.

Persönliche Beziehung ist wichtiger als äußere Perfektion.

 

Dann ist da die 2. Ebene – der Besuch, der da kommt, ist wie auch schon in der Lesung – Gott in Menschengestalt, Jesus.

Maria hat das Bessere erwählt, weil sie das wahrnimmt. Und entsprechend handelt – sie tut das Angemessene: sie begibt sich in seine Nähe, hört zu, nimmt ihn ernst, nimmt seine Botschaft in sich auf.

 

Uns geht es ja oft so: Wir sind wie Martha total beschäftigt – und zwar in kirchlichen Belangen, denn sie tut durchaus etwas für Jesus, für Gott – wie die vielen Ehren- und Hauptamtlichen, die in dieser und anderen Pfarren unermüdlich tätig sind – Fast hätt ich gesagt. Rastlos tätig sind. Denn genau das wäre verkehrt.

In Braunau – St. Franziskus habe einmal folgendes erlebt: Einer der Firmbegleiter und ich trugen 10 schwere Tische vom Keller ins Erdgeschoß, damit beim Eltern- und Patenabend am Abend des gleichen Tages die Leute im schönen Raum bei Tischen sitzen könnten. Wir machten das gleich in der Früh; der Firmbegleiter ging dann in die Arbeit, ich in den Schulunterricht.

Kurz nach Mittag rief mich eine sehr ordnungsliebende, fleißige Mitarbeiterin der Pfarre an und erklärte empört: „Also, die Leute sind wirklich furchtbar. Da lassen sie einfach 10 Tische mitten am Gang zur Kirche stehen Was denken sich die dabei?

Ich habe alle wieder in den Keller getragen!“

Wieviel Pläne wurden – in unserer Diözese, im Pfarrgemeinderat, in der einen oder anderen Gruppe oder Fachausschuss – schon gemacht, wieviel Seelsorgskonzepte existieren und füllen Bibliotheken, wieviel Ratgeber für Verkündigung und Liturgie kann man erwerben – und doch übersieht man oft das einzig Wichtige:

Auf Gott, auf Jesus selbst zu hören.

Beten.

Mit ihm in Kontakt treten, zuhören, mit dem Herzen hinspüren, was er gerade von mir, genau von diesem Gremium, exakt in dieser speziellen Situation, … will, was es braucht, was wirklich gut ist und angemessen. Und nicht nur Beschäftigungstherapie.

 

Seien wir ehrlich: Das persönliche Beten, überhaupt die Pflege unserer Spiritualität, da gehört Kunst, Kultur, Nichtstun dazu,  fällt oft unserer unermüdlichen Tätigkeit, unserer Überbeschäftigung zum Opfer.

Wie in den zwischenmenschlichen Beziehungen, dort ist es auch nicht das Wahre, machen wir es auch in der Freundschaft mit Jesus Christus: Wenn es stressig wird, wenn die Zeit knapp ist, sparen wir die Beziehungspflege ein, lassen wir die Kommunikation verarmen, …

Und dann wundern wir uns, wieso unsere Bemühungen ins Leere laufen…

Wir benötigen unbedingt den Austausch mit Gott, so bekommen wir Energie, Ideen, Ausdauer, …

Mit Sport und Bewegung ist es auch ganz ähnlich.

 

Unsere gesamte Tätigkeit nützt nichts, wenn die Richtung nicht stimmt.

Vielleicht kennen Sie noch den Ausspruch der ersten Motorradfahrer in den späten 50er- Jahren: Halbstarke hat man sie genannt: Wir wissen zwar nicht, wohin wir wollen, aber dafür sind wir umso schneller dort …

 

Und dann gibt es noch eine dritte Ebene, eine Schieflage, die hier durch Jesus zurechtgerückt wird. Maria tut etwas, was zwar im Jünger- und Jüngerinnenkreis um Jesus üblich geworden war, was aber für das damalige und auch das heutige Judentum in seiner orthodoxen oder ultraorthodoxen Form unerhört ist: Sie sitzt zu Füßen des Rabbi, das ist die Position des Rabbinerschülers, des Jüngers. Sie hört den Ausführungen des Meisters zu und diskutiert vielleicht nicht heute, aber später mit. Und Schüler/in eines Rabbi zu sein hat ein Ziel: selber einer zu werden, zu lehren, schriftkundig zu sein.

Vielleicht erinnert sich jemand an den Film „Yentl“ – die Tochter eines Rabbiners, die sich als Mann ausgibt, um selber Rabbi zu werden. Unnachahmlich dargestellt von Barbra Streisand.

Im orthodoxen Judentum dürfen Frauen die Hl. Schrift nicht lesen und auch die Torarolle nicht berühren – denn da drin ist Gott anwesend, und Frauen sind – unrein.

 

Die große Schwester Marta verhält sich umgekehrt genau so, wie es von der vorbildlichen jüdischen – und auch Jahrtausende lang christlichen – Hausfrau erwartet wurde (und wird).

 

Wenn Jesus jetzt das Verhalten Marias als vorbildlich lobt und Marta freundschaftlich tadelt – so in der Art – geh Marta, jetzt kennst mi schon so lang, denk do amal nach – dann rückt er die Rolle der Frauen zurecht – in die Richtung, wie es Gottes Absicht besser entspricht.

Der Platz der Frau ist laut Jesus im Kreis der Jünger/innen, bei der Theologie, in der Diskussionsrunde, dort wo Gesetze gemacht werden, denn genau das geschah unter Schriftgelehrten und Gesetzeslehrern, sichtbar und hörbar in der Öffentlichkeit. Nicht wie die Stammmutter Sara, die noch vom Zelt aus zuhört …

Es soll eine Aufmunterung für Marta sein und für alle Frauen, die heute noch im orientalischen Bereich es allzuoft für normal, gottgegeben halten, sich mit dem privaten Bereich, mit Küche und Haushalt zu begnügen. Sondern das Bessere, ein besseres Los, zu wählen.

Jesus zeigt Gottes Menschenfreundlichkeit und Gerechtigkeit.

Und ich wünsche uns, Ihnen und mir, dieser zu vertrauen, sie annehmen zu wollen.

Bei der heutigen Maiandacht beim Bannholzkreuz im Haibacher Wald zum Thema “Maria, die Königin” habe ich diese alte Legende erzählt:

 

Der tanzende Gaukler

 

Es war einmal ein Gaukler, der tanzend und springend von Ort zu Ort zog. Aber plötzlich war er das Herumziehen leid. Er verschenkte alles, was er besaß, und ging zu Mönchen, die in einem französischen Kloster lebten. Aber weil er bis dahin sein Leben mit Springen, Radschlagen und Tanzen zugebracht hatte, war ihm alles fremd, was die Klosterbrüder machten: Er konnte nicht beten und auch keine religiösen Lieder singen. So ging er stumm umher, und wenn er sah, wie sie alle aus frommen Büchern lasen, während der Messe im Chor mitsangen und viele Gebete sprechen konnten, stand er dabei und schämte sich …

In seinem Gram flüchtete er eines Tages in eine abgelegene Kapelle. „Wenn ich schon nicht zusammen mit den Mönchen beten kann”, sagte er vor sich hin, „so will ich tun, was ich kann.”

Er zog sein Mönchsgewand aus und stand da in seinem bunten Röckchen, in dem er als Gaukler umhergezogen war. Und während er die Lieder der Mönche hört, beginnt er mit Leib und Seele zu tanzen – vor- und rückwärts, linksherum und rechtsherum. Mal geht er auf seinen Händen durch die Kapelle, mal überschlägt er sich in der Luft und springt die kühnsten Tänze, um Gott zu loben. Er tanzt ununterbrochen, bis ihm der Atem stockt und seine Beine nicht mehr können.

Als er sich erschöpft auf den kühlen Steinboden der Kapelle legt, um ein bisschen auszuruhen, geschieht etwas Seltsames: Die Marienstatue neben dem Altar wird lebendig, löst sich, setzt ihr Kindlein ab, tritt zu dem Gaukler und trocknet ihm mit einem Tüchlein die schweißnasse Stirn.

Dann nimmt sie das Jesuskind wieder in die Arme, steigt zurück auf den Marmorsockel und steht da wie zuvor.

Ein Mönch war ihm gefolgt und hatte durch ein Fenster seine Tanzsprünge gesehen und heimlich den Abt geholt. Am anderen Tag ließ der Abt den tanzenden Bruder zu sich rufen. Der Arme erschrak zutiefst und dachte, er solle bestraft werden. Also fiel er vor dem Abt nieder und sprach:

„Ich weiß, Herr, dass ich hier nicht mehr bleiben kann. So will ich freiwillig ausziehen und wieder in Geduld die Unrast der Straße ertragen.”

Doch der Abt verneigte sich vor ihm, und sprach: „In deinem Tanz hast du Gott mit Leib und Seele geehrt. Uns aber möge Gott alle Worte verzeihen, die uns über die Lippen kommen, ohne dass unser Herz sie sendet.”

 

 

 

7 Teilnehmerinnen kamen gestern zum Thema “Maria und wir”.

Ich konnte gar nicht alle Programmpunkte abhaken, weil es seit Beginn Diskussionen gab – Fragen, Erörterungen, … biblische Auskünfte wurden erbeten, und nach einer guten Weile zeigte ich 10-15 Minuten eines Films über Medjugorje.

 

Da war das Interesse und auch die Begeisterung groß.

Um 21.10 endete ich also mit dem inhaltlichen _Teil, und es wurde eine Stunde lang gejausnet.

 

Ein gelungener, ergiebiger Abend!

Frage; Wart ihr schon einmal – oder öfter? – in Medjugorje? Teilt doch eure Erfahrungen, Gedanken … mit!

Der nächste FrauenGenussAbend in Haibach findet am 11. Juni statt zum Thema “Sommerfreuden” – Erholung oder Mehrarbeit …

Am Dienstag ist es wieder so weit.

 

Spirituelle Texte,kreative Übungen und saisonale Köstlichkeiten erwarten euch!

Thema: “Maria und wir”.

Wir versuchen, aus der vielfältigen Tradition Heilsames für uns auszuwählen.

Im Zusammenhang mit Maria, der Mutter Jesu, ist ja in 2000 Jahren derart viel, davon unwahrscheinlich viel Unsinniges, Seltsames,Befremdliches, Falsches, Ungesundes, Haarsträubendes gesagt und geschrieben worden, dass moderne ChristInnen am liebsten nichts mit Maria zu tun haben wollen.

Dabei verbirgt sich ein unermesslicher Schatz in der reichen Tradition.

Diesen wollen wir ein Stück weit erschließen an diesem Abend – mit allen Sinnen.

19.30, Pfarrzentrum 4083 Haibach ob der Donau

In dieser Woche habe ich drei Maiandachten. Nächste Woche einen Frauengenussabend zum Thema Maria und wieder eine Maiandacht.

Es nimmt fast überhand.

Was ist das immer noch und offenbar immer neu Faszinierende an Maria, der Mutter Jesu?

Ist es nur oder vorwiegend Brauchtum?

Oder was ist es, denn: auch bei 95% Brauchtum bleiben 5 % unerklärlicher Rest …

Sehnsucht nach heiler Welt, wie sie in der Kindheit war, in der Vergangenheit?

Oder doch – ganz theologisch – die Sehnsucht nach Heil und Ganzsein, gerade als Frau, gerade in den Gebrochenheiten und Unperfektheiten des normalen Lebens?

 

Was meinen Sie zu diesem Thema?