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Predigt                                     1. 6. 2025

Liebe Schwestern und Brüder!

„Dass alle eins sind“ – Einer der größten Wünsche, die Jesus in den Evangelien äußert.

Was ist denn damit gemeint? Einheit. Einheitlichkeit? Wenn alle das gleiche denken und glauben? Dieselbe Meinung haben? Gleich ausschauen?

In China hat man das versucht: Einheitskleidung, Mao-Outfit. Egal ob Manderl oder Weiberl. Optischer Ausdruck einer sogenannten Einheitspartei, zu der jeder ausnahmslos gehören musste. Die katholische Kirche in einer gewissen Ausrichtung hat das auch … die Puritaner in England …Iran zur Zeit von Khomeini, Saudiarabien. Diktaturen haben die Tendenz, alle gleichzuschalten. Wer besonders oder anders ist, ist gefährlich.

Bei diesen Ansätzen handelt es sich aber nicht um Einheit, sondern um Gleichförmigkeit.

Englischer Rasen. Lauter identische Grashalme in derselben Länge – und sonst nichts.

Ich persönlich freue mich mehr über eine bunte Blumenwiese: Das ist Einheit – unzählige unterschiedliche Pflanzen bilden etwas Schönes.

Feuerwehrleute beispielsweise kennen das ganz genau, was Einheit ist.

Bei einem Einsatz helfen alle zusammen.

Und zwar ganz bestimmt nicht so, dass jede/r der Beteiligten dasselbe tut: Es wäre extrem störend, wenn alle exakt denselben Handgriff tätigen würden!

Die Einheit besteht im gemeinsamen Ziel, das es mit vereinten Kräften zu erreichen gilt. Und das gelingt umso besser, je effektiver jeder einzelne seine/ihre individuelle lang geübte Aufgabe wahrnimmt. Nur am je eigenen Platz. Dann läuft alles wie am Schnürchen, bis es heißt: Brand aus.

Ganz ähnlich meint es Jesus.

Er will uns nicht „katholisch machen“ – alle nicken und beten und keine/r rührt sich und muckt auf.

In jeder Familie, in der Kirche, bei jeder Organisation und in Betrieben geht es dann vorwärts, können Ziele erreicht werden, je besser die einzelnen ihre Fähigkeiten und ihre Persönlichkeit entfalten und einbringen. Einmütig. Mit demselben Ziel vor Augen.

Ich verstehe gut, wieso Jesus sich diese Einmütigkeit so dringend wünscht.

Wenn nur alle, die sich Christen nennen, in allen Konfessionen, Staaten, Völkern, … sich vereint um die gro0en Ziele dieser Welt mühen würden: Frieden. Klimagerechtigkeit. Ende von Hunger und Not. Wasser und Medizin für alle.

Uneinigkeit, Streit, Hass, Neid und Unrecht sind die großen Bremser, die das gute Leben aller verhindern.

Wenn alle Menschen, die diesen Planeten bewohnen, gemeinsam handeln würden, vergleichbar mit unserer Feuerwehr: Es wäre gar nicht anders möglich, als dass es gelingt.

Gott segne und helfe uns in Zukunft dabei.

Liebe Brüder und Schwestern!

„Damit für uns der Himmel offen bleibt, haben wir auf Erden viel zu tun. Ihre Lufthansa.“

So zu lesen auf einem riesigen Werbeplakat auf dem Flughafen Frankfurt.

Eine nette Verflechtung der beiden Bedeutungsebenen von „Himmel“ in unserer Sprache – der naturwissenschaftliche freie Raum zwischen den Himmelsobjekten, der uns hier durch Sonnenlicht und Luftspiegelung blau erscheint – und dem mythologischen Symbol für den Zustand der Seligen im Jenseits. Im englischen gibt es zwei Wörter dafür: Sky und Heaven. Vielleicht kennen wir alle das Lied „Imagine – imagine, there’s no heaven, only sky…“

Den Himmel offen halten, dafür sorgen dass er offen und erfahrbar bleibt – ist eigentlich die schönste und vornehmste Aufgabe der Kirche. Das Reich Gottes, die angebrochene Gottesherrschaft verkünden, deutlich machen, sichtbar und erfahrbar machen.

Der Himmel beginnt in dir, heißt ein Buch von Anselm Grün.

Dieser Himmel der Himmelfahrt – Jesus verließ die Jünger, heißt es im Evangelium, und wurde zum Himmel emporgehoben. „Und dann sahen sie ihn nicht mehr“ wird von den Emmausjüngern erzählt.

Jesus hat sich wieder ganz in den Raum, in die Dimension Gottes begeben.

Das bedeutet nicht, dass er weg ist, fort. Es bedeutet im Gegenteil, dass die Erfahrbarkeit des Reiches Gottes, das ja mit seiner Geburt begonnen hatte, nicht mehr an die räumliche und zeitliche menschliche Anwesenheit seiner Person gebunden ist – die Menschen sind ihm immer nachgelaufen, wollten ihm zuhören, von ihm geheilt werden, ihre Sünden von ihm vergeben lassen usw. –

Dieses Fortgehen, sich in den Himmel Gottes begeben, das meint, Jesus ist jetzt wieder bei Gott und der hat einen Namen: Jahwe. Ich bin da. Ich bin der für euch.

Gott in seiner Allmacht, der es vermag, ganz und ungeteilt bei jedem Menschen überall auf der Welt da zu sein, als Gesprächspartner beim Beten, als Helfer in der Not, im Vollzug der Sakramente als der, der sich hingibt in Brot und Wein, als der, der tauft, der Sünden vergibt, den Geist sendet, den Ehebund zweier Menschen segnet, Kranke aufrichtet, in seine Nachfolge beruft…   Frieden und Versöhnung stiftet, Gemeinschaft aufbaut und nährt als Herz und Blutkreislauf einer Pfarre, eines Ordens, der Weltkirche…

„In ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir“ heißt es in einem Hochgebet.

Christen sind eigentlich und im Grunde immer von dieser Gegenwart Gottes, Jesu durchdrungen und erfüllt. Wie die Luft, die wir atmen.

Zum Greifen nah für jeden, der dafür offen ist.

Ich habe schon einmal erzählt, dass ich zwei Jahre krank war und zeitweise solche Kreislaufstörungen hatte, dass mir immer schlecht und schwindlig war. Ich bekam manchmal Angst, wenn ich etwas erledigen musste, einen ort erreichen sollte… ob ich das wohl schaffe.

Ich war ja hartnäckig – mein Leben zu hause verbringen wollte ich nicht.

Ich hab dann ab einem bestimmten Moment glauben können. Jesus ist bei mir. Wie ein Freund, ein Bruder, der mich zur Sicherheit und aus Freundschaft begleitet.

Ich war dann von großer Freude und Beschwingtheit erfüllt, obwohl ich erst ein Jahr später ca. geheilt wurde.

Jetzt, wo es mir schon lange wieder gut geht, muss ich gestehen, denke ich nicht immer daran, dass Jesus immer bei mir ist…

Ich lade Sie ein, sich das auch vorzustellen. In schönen Zeiten, wenn gerade alles so prächtig aufblüht in Fülle, ist es wahrscheinlich leichter, und Gottes Wirken in dieser Welt vorzustellen. Aber er ist genauso da im Streit, im Konflikt, in Mangel und Not, in Krankheit, in sehr schweren Situationen. Jede Lage hätte, hat das Potential in sich, durch dieses Anteilnehmen und Dabeisein Gottes, dass sich Erstaunliches tut, zum Besten wendet.

Im Himmel, den wir uns als Zustand nach dem Tod vorstellen, fällt es uns leichter, das zu glauben. Dass es geht, dass Todfeinde sich versöhnen, Mörder und Ermordete, Folterer und Gefolterte, Kinderschänder und Missbrauchte. Klar, sind die Betroffenen ungeheuer gefordert, sich auf diesen Prozess einzulassen.

Es geht aber schon jetzt, vor dem Tod.

Und die Kirche, die Amtskirche, aber wir alle als mündige Christen, haben die Aufgabe, von diesen Möglichkeiten zu sprechen und zu zeigen, wie’s geht…

Es muss mindestens das zu merken sein, dass Gott, Jesus alle Menschen in gleicher Intensität liebt und in seiner Nähe haben will…

So ein offener Himmel, ein erlebbarer Jesus – wäre das nicht etwas, wofür sich der Einsatz lohnt? Die Werbung vom Anfang könnte dann anders lauten, z. B.:

Damit der Himmel für uns offen bleibt, haben wir auf Erden alle Hände voll zu tun. Machen Sie mit! Ihre Kirche.

Liebe Brüder und Schwestern!

„Meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt …“, sagt Jesus im Evangelium zu den JüngerInnen und Jüngern. Er sagt es heute zu uns. Was meint er denn damit?

Frieden: da kann Verschiedenes damit gemeint sein – in unserer Sprache verwenden wir für alles dasselbe Wort.

Pax: Der Begriff aus dem Imperium Romanum, der römischen Weltmacht. Gemeint war: Ruhe und Ordnung, die durch ständige Gegenwart des römischen Militärs in sämtlichen Provinzen des Reiches hergestellt worden war – und aufrecht erhalten wurde mühsam, mit strengem Durchgreifen, mit Grausamkeit und einheitlichen genauen Normen für alles und jeden. Palästina war eine dieser römischen Provinzen, das kannte man dort. Eine Art Friedhofsruhe – vergleichbar vielleicht mit dem ehemaligen Ostblock: da rühmte man sich damit, dass man die niedrigste Verbrechensrate der Welt hatte – klar, ständige Überwachung, Bespitzelung und rigorose Bestrafung für alles Abweichende waren ja an der Tagesordnung…

Und dann gibt es noch eine andere Art des Friedens.

Die Heilige Schrift hat dafür den Begriff „Schalom“. Das meint weit mehr als die Abwesenheit von Krieg. Es meint das völlige Fehlen von Gewaltausübung – denn die war bei der Pax Romana notwendig… Es steckt Fülle drin. Vielfalt, Toleranz, ein liebevolles Miteinander. Gerechtigkeit, Lebensfreude, Sinn… Dass alle ausreichend haben, was sie benötigen, dass jede einzelne, Frau, Mann, Kind, jedweder Herkunft und Aussehens, … zu seinem/ihrem Recht kommt. Leben in Freiheit, Würde, und einem gewissen Luxus. Mit ausreichend Freizeit, Kultur, Sport, Bildung, medizinischer Versorgung… Der Anklang des Paradieses… Dies alles auf der Grundlage eines gesunden Gott- und Selbstvertrauens. Glückliche Menschen, die stark sind, frei und gebildet und in sich ruhen, begehen kein Unrecht.

Es ist ein so umfassender Friede, der unsere menschliche Vorstellungskraft und das was wir gewohnt sind, übersteigt und den es nicht ohne Hilfe von oben gibt – Jesus sagt: Er selbst will ihn uns geben.

Es gibt nur eine einzige Bedingung: Wir müssen es wollen.

Jahwe ist selber der Inbegriff dieses Friedens – er zwingt uns nicht, oktroyiert uns nichts auf. Mit Ruhe und Ordnung, alle gleichgeschaltet, haben die himmlischen Mächte nichts am Hut.

Wir erleben ja, dass dieser Schalom nicht verwirklicht ist auf unserem Planeten.

Wieso eigentlich nicht?

Am Anfang des heutigen Evangeliumstextes spricht Jesus dreimal von Gott: „der Vater wir lieben, wer an Jesu Wort festhält – die Worte Jesu stammen vom „Vater“ – und der „Vater“ wird „den Heiligen Geist“ schicken.

Der griechische Urtext tut da genau das Gegenteil. Er hält sich nicht an Jesu Worte. Haben Sie das gewusst?

Wie hat Jesus JHWH genannt? ABBA. Papa, Papi, lieber Vati. Oder warum auch nicht gleich „Mama“ – aber wenn Jesus zu JHWH Mama gesagt hätte, wöre er nach seiner ersten Predigt nicht mehr auf der Bildfläche erschienen, weil gesteinigt und mausetot.

Jesus hat aramäisch gesprochen – und: Er verwendet jedenfalls das Kosewort des kleinen Kindes, das zum Beispiel ein Spielzeug nicht selber derglengt im Regal oben und sagt, Papi, bitte Teddybär… Wenn da immer und immer wieder „Vater“ im Text steht, stellen sich Menschen der letzten 1950 Jahre zumindest eher so einen Familientyrannen vor, der nur in Erscheinung tritt, wenn es schlimme Kinder zu bestrafen gilt, dem man es nur ja immer recht machen muss, Patriarch … Familienoberhaupt, das für Ordnung sorgt und Gehorsam verlangt – nach dem Muster der Pax Romana.

Solange Menschen dieses Gottesbild mit allem Drum und Dran im Kopf haben, wird es den Schalom im Sinne Jesu nicht geben.

Mit dem Heiligen Geist ist durch die Übersetzung Ähnliches geschehen: Ruach – lebendiger Atem Gottes, Leben, Hauch der wärmt oder kühlt, je nachdem, was grad nötig ist … ruach ist ein weibliches Wort. Die große Theologin Dorothee Sölle hat es mit „Lebensstiftende Aufregung Gottes“ übersetzt.

Im griechischen Text steht pneuma. Luft. Noch ärger in der lateinischen Übersetzung. Spiritus. Geist. Wie beim Spiel „Stille Post“ – Einer übersetzt vom anderen – und immer wird es ein bisschen anders…

Wo ist da jetzt in alle dem die Frohe Botschaft für uns?

  • Gottes gute Geistkraft liebt uns Menschen und lehrt uns tatsächlich alles, was wir benötigen. Was Sache ist, wie es Jesus gemeint hat.

Und das ist die Voraussetzung für den Frieden, wie Jesus ihn sich vorstellt. Den Schalom Gottes. Das, worum wir eigentlich beten, wenn wir sprechen: „Dein Reich komme“. So und nur so, in der ständigen Rückbindung an Jesus und die Ruach und Vergewisserung, wie wir jetzt im konkreten Fall tun sollen – und dann mit unserem vollen Einsatz -,wird dieser Friede möglich sein.

Liebe Brüder und Schwestern!

Verherrlichen – ein Wort, das wir sonst eigentlich nie verwenden.

Es ist auch nicht die wörtliche Übersetzung des griechischen Wortes, aber die Strahlkraft und das Wesen Gottes weithin sichtbar machen ist etwas langatmig.

„Verherrlichen“ passt ganz gut zu dem, was Jesus, das Johannesevangelium hier meint, wenn wir mitbedenken, woher der Begriff „herrlich“ kommt.

Im deutschen Sprachgebrauch hat ursprünglich „herrlich“ all das bezeichnet, was mit der „Herrschaft“, der Grundherrenfamilie oder eben mit einer oder 2 Ebenen darüber, mit Herzog, König, Kaiserhaus zu tun hatte.

Die einfache Bevölkerung stellte sích da vor, wie auf dem Schloss, in der Hauptstadt, bei Kaisers gelebt wird – nämlich in der Herrlichkeit besten Essens und schöner Kleidung und ohne Arbeit und Feste, im Warmen – selber hatte man zeitweise gerade das Nötigste zu essen und fror im Winter, musste schwer arbeiten.

In diesem Sinn vermittelt Jesus wie Gott ist, wie es bei ihm zugeht: wir können es am Verhalten Jesu ablesen.

Er heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.

Er vergibt Sünden.

Er tröstet.

Holt Ausgegrenzte in die Gemeinschaft herein.

Gibt Entrechteten neues Ansehen, schief angeschauten, Verachteten einen Platz neben sich.

Kennt keinerlei ‚Rangunterschiede. Heilt die Tochter der Samariterin und den Knecht des römischen Hauptmanns.

Lasst die Kinder zu mir kommen.

Keinerlei Vorbehalte gegenüber Frauen. Nimmt sie ernst als Personen. Macht sie zu Jüngerinnen und zu Verkünderinnen seiner Botschaft.

Persönliche Zuwendung.

Er versteht selbst zu feiern, genießt die guten Gaben des Lebens.

Fröhlichkeit und Humor hat er ausgestrahlt.

Jede Verehrung und Stilisierung seiner eigenen Person erstickt er im Keim.

Schaut, dass keiner hungrig heimgehen muss.

Schaut, dass sich niemand zu fürchten braucht – stillt den Sturm.

Redet über Gott: Abba – lieber Paps, Papa. So redet das kleine Kind, wenn es ein Spielzeug aus dem Regal haben möchte und selber nicht rauflangt. Oder dem es raufklettert, einfach weil es der Papa ist und möglichst in seiner Nähe sein möchte.

Im Predigtbehelf steht großartig: Jesus hat uns einen neuen Namen Gottes geoffenbart: Vater. Ich glaub ich spinne – Gott hat einen Namen: Jahwe.

Ich bin da – wie die Mama in der Nacht antwortet, wenn das kleine Kind aus dem Nachbarraum voll Angst vor der Dunkelheit – oder um sich zu vergewissern, dass es nicht allein ist, ruft: Mama – und die zurückruft: Ich bin ja da.

Bloß: Wenn Jesus von der „Mama im Himmel“ geredet hätte, hätte sein Wirken rasch geendet mit seiner Steinigung.

Die große Muttergottheit, Schöpferin des Alls und des Lebens, wie sie im gesamten Orient verehrt wurde, galt ja als Fremdreligion, als Heidentum und musste verfolgt werden.

In dieser ansprechbaren, zugewandten Haltung verhält sich die Göttin – und ich verwende jetzt mit voller Absicht die weibliche Bezeichnung – uns gegenüber.

Liebe Brüder und Schwestern, es ist nicht gleichgültig, an welchen Gott und was wir glauben.

Fundamentalisten machen Gott wieder streng und unnahbar. Warum? Aus Machtgier, weil sie dann Menschen Angst einjagen und ihnen eine Abhängigkeit von ihnen einreden können?

Wir sollen Gott, wie es Jesus zeigt, verkünden, bekannt machen auf dieser Erde. Das bedeutet nicht, ständig über Gott oder Göttin zu reden und predigend durch das Dasein zu laufen. Obwohl das auch dazugehört.

Die Form muss zum Inhalt passen. Unser Benehmen und Verhalten, alle Äußerlichkeiten – muss wie bei Jesus zum Ausdruck bringen, wie dieser Gott ist. Zumindest ein bisschen, dass es nicht komplett in die verkehrte Richtung läuft.

Das II. Vatikanum spricht sogar davon, dass viele Strukturen in der Kirche geeignet sind, das Wesen Gottes zu verdunkeln – bis zur Unkenntlichkeit.

Vieles ist seitdem besser geworden, aber nicht alles.

Wir sind Kirche.

Jede/r von uns ist eingeladen und berufen, es besser zu machen. Ab sofort.

Halleluja, Jesus ist auferstanden!

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Glauben Sie das? So wirklich, von Herzen und aus tiefster Überzeugung: dass Jesus auferstanden ist und lebt?

Und wenn ja, schließlich sind sie jetzt hier, um genau das zu feiern: Glauben Sie, dass dies mit uns, mit Ihnen, mit dieser ganzen Wirklichkeit etwas zu tun hat, dass dies alles verändert?

Ich möchte heute den Versuch antreten, diesen Glauben zu stärken.

Zuvor noch eine Frage: Ist bei irgendwem hier schon einmal eingebrochen worden? Da herrscht nachher ein ziemliches Durcheinander, meistens wird mehr kaputt, der Reparaturaufwand ist größer als das, was gestohlen wurde.

Heute hören wir in allen biblischen Texten von der Ordnung, die Gott schafft.

  • Zuerst der Schöpfungsbericht – aus Chaos und Dunkel (tohuwabohu – wüst und leer) werden Licht und der Kosmos – Kosmos ist das griechische Wort für Ordnung.
  • Dann der Durchzug durch das Schilfmeer, die Befreiung des unterdrückten Volkes. Unrecht, Gewalt, Unfreiheit als Unordnung, mit der Gott aufräumt …
  • Und dann Not, in die Menschen geraten, weil sie eine Ordnung ohne Gott schaffen wollen – sie ernten ständige Arbeitsüberlastung und Uneinigkeit hinsichtlich der Werte, die gelten sollen. Gott wirbt um das Vertrauen der Menschen, darum, dass seine Ordnung wieder Geltung bekommt, weil es dann auch Fülle geben wird. Wissen, Glaube, aber auch materielle Güter.
  • Im Brief an die Römer schreibt Paulus davon, dass Gott die Menschen, die das wollen, die sich darauf einlassen, umwandelt – aus der alten Unordnung, Sünde, heraushebt und umgestaltet in der Weise, wie sie ursprünglich gedacht waren – es war sehr gut.

Wo Gott handelt, entsteht mehr an Ordnung – eine größere Ordnung.

Im Evangelium begegnen wir Menschen, die sich bereits auf die Ordnung Gottes eingelassen haben, die Jesus als Jüngerinnen und Jünger gefolgt sind. Es geht ordentlich zu.

Die Frauen gehen in der Früh des 1. Tages der Woche zum Grab, um die Bestattung Jesu perfekt durchzuführen; am Rüsttag des Paschafestes war ja nur mehr Zeit für das Allernotwendigste. Menschen, die in der Gnade leben, halten sich an die religiösen Gebote: sie halten den Sabbat, da hätten sie weder den weiten Weg aus der Stadt hinaus gehen dürfen noch mit einem Leichnam in Berührung kommen.

Und: Menschen, die in der Gnade, mit Gott verbunden, leben, spiegeln Gotts Ordnung wider: Sie tun mehr als unbedingt nötig. Jesus, die wichtigste Person in ihrem Leben, soll ein Begräbnis haben wie ein König.

Solchen Menschen kommt Gott mit seinem Tun zu Hilfe. Beseitigt Hindernisse: Der Stein ist schon weg, die Frauen können das Grab ungehindert betreten.

Der tote Jesus ist nicht mehr da.

Die Jüngerinnen sind ratlos, ihr Weltbild ist aus den Fugen – jedoch offen für die himmlischen Boten, die sie informieren – und zwar der Ordnung halber umfassend. Gott lässt sie nicht im Unklaren. Und die Erklärung der Engel stimmt haargenau mit dem überein, was Jesus die ganze Zeit schon über seinen Leidensweg gesagt hat, als sie mit ihm seit Galiläa herumgezogen sind.

Und dann bringen die Frauen das neue Wissen zu den männlichen Jüngern, die im Obergemach in Jerusalem geblieben sind.

Nur einer lässt sich auf den Hauch, die Ahnung von Gottes Ordnung ein und läuft zum Grab, sieht die Leinenbinden – wir wissen aus dem anderen Evangelium, von Johannes, dass im leeren Grab säuberlich aufgeräumt war, alles zusammengelegt an seinem Platz …

So viele Hinweise auf Ordnung – und die Auferstehung? Damit ein Organismus am Leben sein kann, ist ein höchstmögliches Maß an Ordnung nötig: Zusammenspiel chemischer, physikalischer, biologischer Prozesse … Leben ist ein äußerst sensibles Gefüge, ein hochkomplexes System, Leben ist anstrengend: dauernd muss man etwas tun, damit es nicht aus dem Gleichgewicht gerät – Tod ist einfach. Sobald das Leben draußen ist, zerfällt alles, wird wieder Chaos. Unordnung. Mist.

Jesus hat mit seinem Wirken die ganze Zeit schon auf Gott hingewiesen: wohin er auch kam, hat er etwas ins Lot gebracht, das rechte Maß, Gottes Ordnung wieder hergestellt. Gesundheit; er hat Tote wieder ins Leben gerufen. Aus Not Fülle geschaffen (das Weinwunder, die Brotvermehrung). Freude statt Trauer. Versöhnung. Frieden. Gerechtigkeit und Barmherzigkeit.

Auferstehung geschieht auch heute, wo Menschen sich auf Gottes Wirken einlassen. Menschen allein schaffen das bei aller fieberhaften Anstrengung nicht: Frieden. Fülle für alle. Nicht einmal im Kleinen, in Familie oder Beruf. Wer an die Auferstehung Jesu glaubt und sich darauf einlässt, darf sich einklinken in Gottes Struktur, sich tragen lassen, spüren und erleben, wie alles umgestaltet wird- unser Denken, die Menschheit, die Erde, die gesamte Wirklichkeit.

Liebe Brüder und Schwestern!

Aha, auf frischer Tat ertappt.

Kennen Sie das auch: Jemanden einmal so richtig bloßstellen, alle Fehler und Mängel ans Licht zerren und an die Öffentlichkeit, jetzt sagen wir es dem einmal so richtig hinein …

Die Ankläger sind in der Mehrheit – wir wundern uns heute, was die Leute das angeht, wenn jemand in der Ehe fremdgeht.

Ist alles privat. Denen ihre Angelegenheit.

Damals war das nicht so.

Frau und Mann waren rechtlich in keiner Weise gleichgestellt.

Die Frau galt als so etwas wie das Eigentum des Mannes. Wenn sie ihn betrügt, ist das quasi eine Besitzstörung – umgekehrt höchstens ein Charakterfehler des Mannes, ein Kavaliersdelikt.

Das hatte sich historisch so entwickelt. Im jüdischen Gesetz, in der Tora, in der Bibel, steht nichts davon. Da gilt für beide, Frau und Mann, auf Ehebruch steht die Todesstrafe: Warum?

Der Bund zwischen Mann und Frau wurde als Sinnbild, Symbol, Ausdruck des Vertrages gesehen, den Gott mit den Menschen seines Volkes geschlossen hat.

Ehebruch galt wie das Aufkündigen des Bundes mit Gott, war also ein Sakrileg.

Die Männer hatten die Macht und haben sich’s gerichtet.

Sie haben schon recht, die Frau ist schuldig. Sie wehrt sich auch nicht.

Aber die Selbstgerechten übersehen und übergehen die höhere Gerechtigkeit:

Vermutlich haben sie schon länger vom Verhältnis dieser Frau gewusst. Wahrscheinlich war ihr Geliebter einer aus ihrem Kreis, vielleicht Sohn oder Bruder. Der war ihnen mehr wert – sie haben dafür gesorgt, dass er das Weite suchen kann.

Erstens messen sie mit verschiedenem Maß.

Zweitens: Sie stöbern die Frau gerade jetzt auf, weil sie sie brauchen können, um Jesus eine Falle zu stellen. Um ihn aufzublatteln. Ginge es ihnen nicht darum, hätten sie das Paar möglicherweise ungestört weiter machen lassen.

Und Jesus spürt das.

Es geht nicht um den Bund mit Jahwe. Es geht nicht um das Gesetz, und es geht schon gar nicht um diese Frau.

Und da schafft er Ordnung. In genialer Weise.

Ihm geht es um Jahwe, um das Gesetz und um die Frau. Da ist eine höhere ORDNUNG UND EINE TIEFERE; STIMMIGERE GERECHTIGKEIT:

Da täte es gut, wenn wir uns etwas von Jesus abschauen.

Sünde ist schlecht und gehört benannt. Umkehr ist erforderlich. Gott will nicht den Tod des Sünders, sondern dass er sich bekehrt.

Recht muss für alle gleich gelten.

Menschen gelten um ihrer selbst willen – und nicht als Zweck und Sache.

Liebe Brüder und Schwestern!

Das Gleichnis aus dem Lukasevangelium, das wir eben gehört haben, ist nicht nur einer der bekanntesten Texte unter Christen, sondern ist weltweit bekannt, gehört praktisch zur Weltliteratur.

Worum geht’s?

Der jüngere Sohn ist erstens an seiner Notlage selber schuld.

Zweitens kehrt er bemerkenswerterweise nicht zu seinem Vater zurück, weil er plötzlich große Sehnsucht nach seiner Familie verspürt, sondern schlicht und einfach, um nicht zu verhungern.

Dann bekommt er nicht nur gerade das Notwendigste, sondern wird als Mitglied der Familie wertschätzend wieder aufgenommen.

Und viertens regt sich sofort jemand auf, der eigene Bruder, bei dem, der geholfen hat, dass es ihm wieder gut geht.

Mit all dem ist die Caritasarbeit und die Menschheit allgemein ständig konfrontiert.

Viele helfen leichter und lieber, wenn Menschen unverschuldet in Not geraten sind, aufgrund einer Katastrophe, Brand, Unfall, Krankheit … Das ist oft ganz wichtig bei der Berichterstattung in den Medien, bei Hilfs- und Spendenaufrufen.

Wenn da wer „selber schuld“ ist, auch nur vermeintlich, schaut die Sache schon anders aus. -Aha, der war eingesperrt, die haben sich scheiden lassen, da sind Drogen, Alkohol, Spielsucht die Ursachen, oder die Menschen, die ihr Land wegen der dort herrschenden Not oder wegen des Krieges verlassen …….…man hört sogar den Ausspruch „Ich bin ja nicht die Caritas“

Nun: Wir sind die Caritas, schließlich sind wir Christinnen und Christen – oder?

„Die Caritas hilft allen, da wird gar nicht mehr gefragt, ob das Christen sind, ja wenn die alle wenigstens in die Kirche gehen würden!“ – Der Vorwurf ist auch zu hören.

Gottseidank ist das seit mehreren Jahrzehnten so, dass man nicht Kirchgänger sein oder einer bestimmten Religionsgemeinschaft angehören muss, um Hilfe zu erfahren.

Das Kriterium, ob jemandem geholfen wird, ist die Notlage, dass es ein Mensch ist, der oder die Hilfe braucht. Sonst nichts.

Die Organisation der Caritas arbeitet – auch seit mehreren Jahrzehnten – höchst professionell. Durchdacht, strukturiert und wissenschaftlich und weltanschaulich, christlich theologisch fundiert.

Das christliche Menschenbild kennt nur Familienmitglieder auf Augenhöhe. Eine Hilfe von oben herab, so ein bisschen Almosen auf der Basis „mei bist du arm“, wo es Underdogs gibt, die irgendwie doch nicht so ganz dazugehören, weil man für sie sorgen muss, weil sie selbstständig nicht über die Runden kommen, weil sie das gesellschaftliche schöne Bild – alles perfekt, gesund, wohlsituiert – stören … so etwas kommt nicht in Frage.

Der ältere Bruder, der ordentliche brave Bürger, hätte sich, denke ich, nicht aufgeregt, wenn der abgesandelte Heimkehrer tatsächlich als Tagelöhner hätte arbeiten müssen. 

Jesus erzählt dieses Gleichnis ja gerade deswegen, weil die damaligen „Guten“ es in keiner Weise eingesehen haben, dass die Zöllner und Sünder die gleichen Chancen bei Gott haben, von Jesus Zuwendung und Heil erfahren.

Und: Missgunst und Neid, auch allzustrenges „Bravsein“, verstellen den Blick. Ich finde es höchst bezeichnend, dass der ältere Bruder, der tüchtige, anständige Bürger, es die ganzen Jahre, die er „seinem Vater dient“, nicht auf die Idee kommt, dass er ja selber der Eigentümer oder zumindest Miteigentümer ist – er sieht nur das Negative, fühlt sich als Knecht und unrecht behandelt.

Wie geht es uns da?

Wie fühlen wir uns?

Reich beschenkt vom Universum?

Eines lehrt das wunderbare Gleichnis nämlich noch: JHWH ist überaus großzügig. Wie oft und wie sehr und aus welchen Gründen wir unser Vermögen verspielen, Misserfolg haben, scheitern …; Die Fülle steht für uns bereit, und jederzeit und unter allen Umständen sind wir geliebt und Anwärterinnen für die Fülle und den Reichtum. Immer und immer wieder. Bedingungslos. Einfach, weil wir ihre Kinder, Töchter oder Söhne, sind.

Liebe Brüder und Schwestern!

Prallen heute nicht vollkommen unterschiedliche Gottesbilder aufeinander?

Oder doch nicht?

Ich kann mich noch gut an den Sturm der Entrüstung erinnern, als vor einigen Jahren katholische Geistliche von Naturkatastrophen als der Strafe Gottes gesprochen haben, – ist da heute nicht von gan etwas Ähnlichem die Rede im Evangelium?

Aber wirklich nur etwas Ähnliches.

Jesus redet nicht davon, dass Menschen aufgrund ihrer Sünde von Unglücksfällen getroffen werden – ganz im Gegenteil: er hebt den Zusammenhang auf, den die Menschen damals in Gedanken hergestellt hatten. Alle sind Sünder – wenns nach dem ginge, müsstet ihr alle auch so enden, müsste alle das Unglück treffen …

Diese Aussage ist schockierend – hören wir nicht gern.

Aber da gehört ein größerer Zusammenhang dazu:

Es geht darum, wie Gott ist – und wie Menschen diesem Gott antworten, auf seine Zuwendung reagieren – oder eben auch nicht.

Gott offenbart sich Mose im brennenden Dornbusch. Von sch aus. Es steht nirgends, dass Mose vorher extra gebetet hätte. Ich habe das Elend meines Volkes gesehen, ihre laute Klage habe ich gehört – nun bin ich herabgestiegen …ICH BIN

Gott mischt sich in das Irdische ein.

Jahwe – ich bin da für euch.. Überlegt sich etwas. Geht auf den Menschen zu, ruft Mose mit Namen, überlegt, wie könnte ich die Aufmerksamkeit dieses Menschen da erregen, damit er aufmerksam wird auf meine Gegenwart …

Und dann begleitet er den Mose auf allen Wegen, bei allem Tun, befreit , rettet, hilft, ordnet …

Wir kennen die Geschichte.

Und im Evangelium – wir können es auch so sehen: Menschen sind oft recht streng mit ihresgleichen; da geht einem oft sehr schnell die Geduld aus, wenn wir uns bemühen und es ist kein Ergebnis zu sehen. Die Schriftgelehrten zur Zeit Jesu – und immer, sie sterben nicht aus, religiöse Fanatiker, die meinen, Gottes Strafe treffe manche zu Recht…

Jahwe, Jesus ist anderer Meinung – Gott handelt wie ein guter Gärtner – probiert noch etwas und noch was, verwöhnt uns Menschen, päppelt uns auf, damit auch einmal eine Frucht zu sehen ist.

Gott verliert die Geduld nicht. Er wird nicht müde sich anzustrengen, damit as uns etwas wird.

Es stört ihn dabei eher nicht, wie oft wir beten, wie orthodox oder katholisch strenggläubig unsere Ansichten sind, ob wir alle Dogmen auswendig kennen, der kirchlichen Obrigkeit gegenüber gehorsam sind (😊) oder … oder … oder …

Wichtig ist unserer guten Mutter im Himmel . der Gottesname ist ja geschlechtsneutral – einig: ob und wie wir Gerechtigkeit üben – unseren Mitmenschen gegenüber. Was wir tun, wie wir uns verhalten angesichts von Unterdrückung, Unrecht, Not.

Rest: denkbar egal.

Liebe Brüder und Schwestern!

Solche Lichtblicke und Sternstunden wünschen wir uns auch manchmal, denke ich:

Da erleben Petrus, Jakobus und Johannes, wie die beiden berühmtesten, bekanntesten, wichtigsten Gestalten ihrer Religionsgeschichte plötzlich vor ihnen stehen und mit Jesus reden.

Die Frage ist: ob wir nicht solche Momente erleben könnten, ja tatsächlich erleben – aber darüber ein bisschen später.

Der theologische Gehalt dieser Evangeliumsstelle ist sehr dicht.

Bald nach diesem Erlebnis geht es nach Jerusalem; Leiden und Kreuzigung Jesu sind nicht mehr fern. Die Jünger werden an Jesus zweifeln, sie werden verzweifelt sein.

Ich denke, Gott will ihnen etwas auf den kommenden schweren Weg mitgeben – ihnen und Jesus auch. Es soll klar feststehen, wer dieser Jesus ist. Das, was die Stimme aus dem Himmel sagt – wie bei der Taufe Jesu -: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe -, wird durch das, was geschieht, gezeigt.

Mose und Elia. Erinnern wir uns kurz: wer sind die?

Mose, der eigentliche Religionsgründer der Juden. Das Erlebnis beim brennenden Dornbusch: Gott stellt sich vor mit Namen JAHWE, ich bin da. Ich habe die Tränen gesehen, die Schreie gehört. Nun bin ich herabgestiegen, um mein Volk aus Ägypten herauszuführen. Gott als der, der die Unterdrückten befreit, für sie in der Wüste sorgt und in menschenfreundlicher Weise mit einer Ordnung ausstattet, den 10 Geboten, mit der jeder zu seinem Recht kommen kann, mit deren Hilfe man gut zusammenleben kann.

Elia, der, als er sich gescheitert und am Ende glaubt, Gott nicht im Erdbeben, Feuer und Sturm erfährt, sondern im leichten Säuseln des Windes. Gott sanft, tröstend, aufbauend… Elia ist der Legende nach nicht gestorben, sondern entrückt worden von einem Himmelswagen.

Jesus ist der dritte und größte dieser Reihe: auch mit dem Gottesbild, das er repräsentiert – und der er selbst ist: Freiheit, neue, bessere Ordnung als zuvor, Gott als der Barmherzige, den Menschen zugewandte – das geknickte Rohr bricht er nicht, und den glimmenden Docht löscht er nicht aus…

Und: da Mose und Elia als Persönlichkeiten eindeutig für die drei Apostel erkennbar sind, leben sie offenbar – mit dem Tod ist nicht Ende und Schluss. Sie leben in der Dimension, im Bereich Gottes – auch die leuchtende Wolke und das strahlend weiße Licht (ihrer Gewänder) sind im AT Hinweise auf die Anwesenheit Gottes.

Und dann ist aber noch eine weitere Dimension der frohen Botschaft drin, genau für uns heute, die wir ohnehin an das Leben nach dem Tod und die Auferstehung glauben:

Erstens stelle ich mir bei diesen Stimmen, die aus dem Himmel erschallen, weibliche Stimmen vor. Die höchste Himmelsmacht, die Schöpfergöttin.

Und: Diese himmlische, andere Realität, diese Dimension, in der Göttin anwesend, erfahrbar, gegenwärtig ist, anzutreffen ist für uns, für jede und jeden von uns: das ist der Ort, wo wir herstammen. Unsere eigentliche Heimat. Wir alle sind Götter und Göttinnen, Geschwister des Jesus, wir haben Anteil daran , und was immer über uns hereinbrechen mag (wie alles, was über Jesus aus Nazaret hereingebrochen ist), kann uns im Endeffekt nichts anhaben.

Wo immer wir uns engagieren für das Gute auf diesem Planeten, und sooft wir Rückschläge erleben und womöglich keinen Ausweg mehr sehen können, dort gilt die Botschaft uns: Wir sind nicht allein auf unsere kleine im Hier und Jetzt dieser Erde sichtbaren Menschlichkeit gestellt und von allen guten Geistern verlassen, wie man sagt, sondern im Gegenteil: Sämtliche himmlische Möglichkeiten und Ressourcen sind unser, wir können und dürfen auf sie zurückgreifen, wir brauchen nicht machtlos zuzusehen, wie alles immer schlimmer wird.

Wunderbare machtvolle Wesen sind wir – und wenn diese Wirklichkeit mitunter durchscheint, sichtbar wird, dann ist das keine Illusion.

Liebe Brüder und Schwestern!

Die zwei alten Menschen – der Prophet Simeon und die Prophetin Hanna, sagen da im heutigen Evangelium über Jesus – was aus dem kleinen Kind einmal werden wird.

Nach dem Verständnis der Heiligen Schrift handelt es sich dabei um das Bestmögliche, das passieren kann: Er ist der Messias, der Meschiach, der lang Erwartete … mehr geht nicht.

Sie alle haben das Fest, das wir heute feiern, schon unzählige Male miterlebt. Darstellung des Herrn. Oder Mariä Lichtmess, wie es bis zum 2. Vatikanum hieß. Es sind da zwei oder sogar drei Feste oder Vorkommnisse zusammengefallen: Früher hieß es Beschneidung des Herrn, die wäre aber am 7. Tag nach der Geburt fällig – dann die Auslösung der Erstgeburt, nach jüdischem Verständnis gehört diese Gott, ist Gottes Eigentum und es braucht eine Opfergabe – und dann das Ende des AT Mutterschutzes – nach einer Geburt nahm eine Frau 6 Wochen , bei einem Mädchen sogar 12 Wochen, nicht am gesellschaftlichen und am Arbeitsleben teil. Man hat im Lauf der Geschichte das gut Gemeinte ins Gegenteil verkehrt, als ob eine junge Mutter durch die Geburt unrein würde, was natürlich Unsinn ist – es wurde als Gesetz bestimmt, damit sich auch wirklich alle dran halten…

Zurück zum Evangelium: Das, was Simeon sagt, ist zu einem kirchlichen Gebet geworden, das Ordensleute und Priester täglich beten, und heißt „Benedictus“. Segen. Heute wird bei uns im Gottesdienst ziemlich viel gesegnet: Die Kerzen zu Beginn – und am Schluss der Blasiussegen.

Was ist denn das überhaupt: ein Segen?

Im lateinischen Wort steckt bene – gut und dicere – sagen. Wörtlich übersetzt: etwas Gutes sagen.

Gute Wünsche – wie wir es auch gewohnt sind, bei bestimmten Anlässen: Taufe, Geburtstag, Heirat, wenn jemand etwas Neues beginnt, vor einer Reise oder Geschäftseröffnung usw.

Gutes zusprechen. Auf die guten Möglichkeiten hinweisen, Hoffnung und Mut machen.

Wir wissen, wie wichtig das gerade für Kinder ist. Oder umgekehrt wie schädlich es sich auswirken kann, wenn ein Kind dauernd zu hören bekommt: Du taugst zu nichts. Aus dir wird nie was werden. Du bist zu nichts zu gebrauchen. Du hast da nichts verloren. Du hast nichts zu sagen. Du machst nur Ärger, Sorgen und Arbeit …

Ein schlechte Basis für das Leben – und das soll ja gelingen.

Uns ist meistens nicht bewusst, wieviel Macht, Einfluss unser Reden – und unser Denken – hat.

Überlegen wir einmal, wie wir im Normalfall sprechen – im Alltag.

Über uns selber. Reden wir begeistert über unsere Pläne, voll Freude über das, was wir tun und geschafft haben, über scöne Erlebnisse – auch wenn sie ganz klein sind -, über einen wunderbaren Film, den wir gesehen haben, über Leistungen und Glücksfälle in der Familie, im Bekanntenkreis… ? Worüber wir froh und dankbar sind? Oder wärmen wir immer wieder die Fehler und Mängel auf, die Sorgen, die wir haben, was uns für ein Unglück widerfahren ist – oder geschehen könnte, schildern wir lang und breit unsere Krankheiten und betonen wir, was alles nicht geht und unmöglich ist …?

Die negative Sicht schadet nicht nur uns selbst, sondern vergiftet das Denken aller, die sich das anhören müssen.

Segen bringt Licht ins Leben. Ja, und bewirkt was. Ich habe in einem Glaubensseminar vor zig Jahren eine Idee gehört: Im Vortrag wurde geschildert, dass und wie wir – sagen wir einmal: verhaltensauffällige – Mitmenschen bewusst segnen können und diese dann tatsächlich sich ändern.

Ich bin im Innviertel als Seelsorgerin viel Auto gefahren, auch beruflich, und habe das umgehend probiert. Verhaltensauffällige Verkehrsteilnehmer gibt es genug.

Man weiß ja nicht, wieso z. B. Autofahrer seltsam fahren. Möglicherweise ist ihnen nicht gut oder sie tragen mit Beifahrern einen Streit aus oder haben Sorgen usw. … wenn sie mit knapp 70 km/h vor dir ewig herfahren, obwohl 100 erlaubt sind… wenn ich sie segne, fahren sie entweder dann anständig oder sie biegen ab oder fahren an den Rand und bleiben stehen. In 9 von 10 Fällen.

Oder bei einer Schlange an der Supermarktkassa. Segnen Sie die Kassierin und alle vor Ihnen und hinter ihnen, die sich anstellen. Es ist erstaunlich, wie freundliche Worte man dann meistens hört.

Oder loben Sie die anderen, die Sie treffen: Ob Aussehen oder etwas, was diese gut können – oder wenn Sie ihnen einfach einen wunderbaren Tag, schöne Stunden oder gute Fahrt usw. wünschen.

Das hat eine positive Wirkung nicht nur auf die Gesegneten, sondern mindestens genauso auf uns selber.

Es ist ja ohnehin Fasching – machen Sie alles mit einer riesen Dosis Humor.