Hermann Knapp – Lesung eigener Texte. Super! Formulierungskunst, tiefgründiger Humor, feine Menschenkenntnis und -freundlichkeit.

Die Poxrucker Sisters waren da.

Nach Abzug der Kosten gehört der Reinerlös der Turmsanierung.

Davon abgesehen: Ein wunderbarer Spätnachmittag am 2. Adventsonntag.

Stimmung.

Brote und Punsch vor der Kirche.

Alles so, wie es sein soll.

Danke an die Künstlerinnen, danke an die zahlreichen BesucherInnen.

Eine Veranstaltung, die sich gelohnt hat – im besten Sinn und im Vollsinn des Wortes!

Predigt                                                          Hubertusgottesdienst 3. 12. 2022, Pucking

Liebe Weidgenossen, liebe Brüder und Schwestern!

Der Täufer Johannes hat eine gute Zeit lang in der Wüste gelebt. Mitten in der Natur seines Heimatlandes. Er war mit den Gegebenheiten dort vertraut. Wir lesen da oft schnell darüber hinweg, wenn es heißt: Heuschrecken und wilder Honig waren seine Nahrung.

Er wusste sich der Kräfte und Gaben der Natur in der Wüste, so karg sie auch scheint, zu bedienen, er lebte davon.

Mit den Pharisäern und Sadduzäern schimpft er. Diese, so sagt er, wissen offenbar nicht, worauf es ankommt.

Vor Gott, in Wirklichkeit nämlich. Es war der Adel und das gute Bürgertum, Menschen, die in der Stadt lebten. Da geht es ums Geldverdienen, ums Gut Dastehen vor den anderen, um gesellschaftliche Regeln, Konventionen, um Traditionen, die gewachsen waren, aber die Menschen vom eigentlichen, vom Gottvertrauen und gesunden Leben ferngehalten haben.

Die Jägerschaft hat es da gut.

Der Aufenthalt in der freien Natur, der Umgang mit Tieren und Pflanzen, mit Wetter und dem Lauf der Jahreszeiten macht uns Menschen normal, gesund, bringt uns auf den Boden, zeigt uns, worauf es ankommt, was zählt und wichtig ist – ungekünstelt, unverstellt.

Ich bin davon überzeugt, viele von euch haben einen direkten Draht zum lieben Gott gefunden – was tut man denn in den eineinhalb oder 2 Stunden auf der Kanzel, oder auf den Wegen durch Wald und Au? Sich hingeben an die Natur, genießen, das Grün, die Luft, die Jahreszeit, die Gesundheit, Meditation…danken und loben : den, der sich das alles einst ausgedacht hat … ein wortloses oder auch formuliertes Gebet …  und wenn ein Wild erlegt wurde: die Dankbarkeit, die Ehrfurcht vor dem Lebendigen, vor dem Mitgeschöpf.

Die Sorge um Wald und Flur. Um das gesunde Gedeihen der Natur und aller ihrer Wesen.

Der Heilige Hubertus war in seiner Jugend, heißt es, ein ziemlich rücksichtloser Jäger, der sich der Natur bedient hat zum eigenen Nutzen und Vergnügen …

Dann hat er den göttlichen Ursprung und Hintergrund gesehen. Begriffen, dass dem Schöpfer nicht egal ist, was mit seiner Schöpfung, mit den Wesen geschieht. Gemacht wird. Und er hat sein Verhalten, sein Leben geändert.

Wir würden uns heute von vielen Umweltschädlingen und -zerstörern – im großen Stil – wünschen, dass sie ihr Verhalten ändern.

Dass wir am Karfreitag nicht jagen, das gilt uns heute als selbstverständlich. Oder die Weidgerechtigkeit.

Was wir tun können und schon tun: Als Jägerschaft Vorbild zu sein: puncto Verantwortung, Rücksicht und Gemeinschaftssinn. Da können die Visionen der Lesung aus Jesaja ein Stück wahr werden.

Dies wünsche ich euch und mir.

Liebe Kinder, liebe Brüder und Schwestern!

Na servas, da geht es zu … die Sterne fallen vom Himmel, Weltuntergang … und das soll eine frohe Botschaft sein? Das ist ja furchtbar.

Jesus möchte uns da aber wirklich etwas Gutes sagen damit.

Sonne und Mond – der Lauf des Jahres, die kosmische Ordnung – das sind Symbole für die ordnungen, für die systeme und Vorstellungen, die wir hier und heute bei uns für fix, für feststehend und unverrückbar halten.

Solche unveränderlich scheinenden Ordnungen gab es zur Zeit Jesu damals in Israel auch.

Und die meisten davon waren nicht toll und schön, sondern die Menschen haben unter ihnen gelitten, ganz gewaltig sogar.

Vor allem die JüngerInnen und ersten Christen.

Die militärische Gewalt der Römer. Die Unterdrückung der Armen undKleinen. Die starre Gesellschaftsordnung mit den Religionsgesetzen. Zum Beispiel.

Und Jesus sagt: Wenn ich komme, beseitige ich das. Auch wenn euch diese Ordnungen wie Fixsterne am Himmel vorkommen.

Gottes Ordnung ist das nicht. Ja ihr könnt die gar nicht mehr sehen, weil es verdeckt wird.

In diesem Advent in der ersten Woche sind wir aufgerufen, zu schauen: Wo sind bei uns ungute, menschenfeindliche, ungerechte Ordnungen, Systeme, die Menschen krank und unfrei machen?

Welche Furchtbarkeiten, die sich als Sterne tarnen, verdunkeln uns das gute milde sanfte Licht Gottes und Jesu, weil sie sich in den Vordergrund drängen mit schrillem Neongeblinke …?

Gottes gutes Licht strahlt angenehm und freundlich und gibt Orientierung und Trost – wie die echten Sterne am nächtlichen Himmel.

Wir können ihm zur Geltung verhelfen, wenn wir mit unserem eigenen wunderbaren Licht gegen die künstlich erzeugten Fixsterne anleuchten. Wenn wir auf der Seite der Kleinen und Unterdrückten sind. Ehrlich und rechtschaffen, obwohl das megaout ist. Uns einsetzen, statt uns ins Privatleben zurückzuziehen. Freundlich und hilfsbereit statt überheblich und rücksichtslos. Verlässlich statt verantwortungslos.

Viele von uns, die heute hier sind, sind wie solche freundlich leuchtenden
Sterne.

Und die Kinder, die in unserer Pfarre jetzt neu sind als MinistrantInnen, auch die lang dienenden und die Gruppenbegleiter, sind wie solche kleinen Sterne, die das Pfarrgeschehen leuchtender, bunter, fröhlicher, schöner machen.

Der Gedenktag der Heiligen Katharina von Alexandrien als internationaler Aktionstag gegen Gewalt an Frauen – eine sensationell gelungene Verbindung.

Ich weiß nicht, ob der Zusammenfall beider Termine mit Absicht so geplant worden ist – aber er ist schlichtweg genial.

Ein Einfall der Heiligen Geistin, wenn wir im christlichen Bezugssystem bleiben.

Katharina von Alexandrien war eine gelehrte Frau vornehmer Abstammung, die an der Universität von Alexandrien lehrte – und Christin wurde.

Der Statthalter des römischen Kaisers – oder er selber – hielt um ihre Hand an. Sie schlug das Angebot der Überlieferung zufolge aus, „weil ihr als Frau des vornehmen Gatten die Zeit fehlen würde, ihre
Studien weiter zu betreiben.“

Das war dem vornehmen Herrn zuviel. Er wurde aufmerksam, was die Begehrte denn so trieb – und entdeckte, dass sie, verbotenerweise, Christin war.

Zuerst soll er ihr 500 heidnische Gelehrte (Männer) geschickt haben, um sie zu überzeugen.

Katharina diskutierte diese nicht nur in Grund und Boden; der Legende zufolge ließen sie sich anschließend allesamt taufen.

Nun ließ sie der verschmähte vornehme Herr verhaften. Katharina wurde auf das Rad gespannt, eine grausame Foltermethode, die zum Tod führt. Das Rad zerbrach, so wurde sie enthauptet.

Katharina ist die Patronin, Schutzheilige der TheologInnen. Eine der 14 Nothelfer/innen.

Kommt Ihnen da erwas bekannt vor?

Wieviele Frauen sterben täglich weltweit oder nur in Österreich, weil sie einen Mann abweisen, verlassen, nicht tun, was er verlangt, anderes glauben, denken, sagen, widersprechen, … und und und …?

Der Termin ist gut gewählt.

Ich wünsche uns allen den Mut und die Tatkraft Katharinas – und ihren fürsprechenden und geistlichen Beistand – im Engagement für Gewaltfreiheit, für Freiheit und Sicherheit sämtlicher Frauen auf dieser Erde.

Gestern haben die LiturgInnen der Pfarren Haid, Ansfelden, Berg und Pucking einen Plan aller Sonn- und Feiertage bis Oktober 2023 erstellt – wann welche ZelebrantIn in welcher Pfarre den Gottesdienst hält. Insgesamt: 3 Priester, 8 LaiInnen und ein Diakon anwesend, weitere 5 LaiInnen in den Pfarren vorhanden …

Ja, es geht sich aus, alles zu besetzen. Unterzubringen. Den Plan zu füllen.

Wie lange noch?

Wie geht es euch mit dem Feiern von Gottesdiensten in euerer Pfarre/Einrichtung?

Vor einer Woche, am Elisabethsonntag, konnte die Pfarre Haid dieses brasilianische typische Gericht der armen Leute verkosten – gegen eine Spende für die Pfarrcaritas.

Ihr könnt es nachkochen:

Zutaten:

1 gr. Zwiebel, Butter zum Anrösten

1 Suppengrün

1 Zucchini

1 Dose rote Bohnen

1 Dose Weiße Bohnen

Erbsen und Maiskörner tiefgekühlt oder aus der Dose

1 Scheibe Hamburgerspeck, gewürfelt

1 Schweinsfuß

Salz, Pfeffer, Lorbeerblatt, Oregano, Knoblauch, 1 Suppenwürfel

1 Orange

Schweinsfuß (Sauzehen) kochen, Fleischteile ablösen, klein schneiden. Kochwasser aufheben.

Zwiebel fein schneiden, mit Speckwürfeln und Butter anrösten, gewürfeltes Suppengrün mitrösten.

Mit etwas Weißwein ablöschen

Ca. 15 min köcheln lassen, dann die Dosenbohnen und -erbsen sowie die Maiskörner samt Flüssigkeit dazugeben.

Gewürze dazugeben (Knoblauch pressen)

Zucchini schneiden, mitkochen, Fleischteile und Kochwasser dazugeben.

Alles ca. 30 min weiter köcheln lassen. Zum Schluss die Orange klein schneiden und mitsamt dem Saft beifügen.

Schmeckt gut zusammen mit Reis.

Liebe Firmkandidaten, liebe Brüder und Schwestern!

Ist der, der da gerade am Kreuz stirbt, ein König? Oder nicht doch eher ein Looser. In jeder Beziehung?

Wie soll ein König aussehen, woran erkennt man, dass jemand ein König ist?

Könige – die gab es – damals, in der „guten alten Zeit“ … Als die Welt in Ordnung war. Zeit vom Hl. Leopold? Oder Maria Theresia oder Kaiser Franz Josef … ? Sagenkönig Artus …

Für die Juden zur Zeit Jesu waren die legendären Vorbildkönige David und Salomo. Fromm und gerecht, auf der Seite der Schwachen, das Reich in Sicherheit, Frieden und Wohlstand … eine Ära, die im Nachhinein golden oder ideal erscheint. Sicher besser war als davor und danach, deswegen verklärt wird.

So einen 2. David erwarten die Juden – auch heute noch. Ein Nachkomme Davids, der ein ideales Reich Israel wiederherstellt, die äußeren Feinde vernichtet, die weniger Frommen bekehrt, für Recht sorgt, einen Ausgleich zwischen Arm und Reich, dass alle dieselbe Würde und Geltung haben im Land, Recht spricht ohne Ansehen der Person …

Zu Jesu Zeit hat es bereits viele Prophezeiungen gegeben, woran dieser König zu erkennen sei, was er tun würde usw.

Jesus hat mehrere dieser Erwartungen erfüllt, ja sogar übertroffen: Wunder, Heilungen, gleicher Wert aller Menschen, egal ob arm, reich, Mann, Frau, Kind, Krank, Gesund … Ausländer, Sünder … alle in die Mitte geholt vom Rand, Frieden in den Herzen gestiftet durch die Sündenvergebung.

Nur die eine nicht: als irdischer König mit Waffengewalt aufzutreten, eine neue politische Ordnung zu errichten.

Mein Reich ist nicht von dieser Welt.

Dies wurde ihm zum Verhängnis. Die führenden Schichten waren enttäuscht. Sie haben sehr wohl gehofft, dass dieser Jesus er Messias sei – aber dass er so auf irdische Macht verzichtet, und dass ihm die religiöse enge Tradition  im Zweifel herzlich egal ist, das passt nicht, dann muss er ein religiöser Spinner sein so wie viele andere vor und nach ihm auch.

Hätte Jesus den Erwartungen entsprochen, diese Szene, wo er gekreuzigt wird, gäbe es gar nicht.

Wenn du der erwartete große König bist, rette dich und uns… In unserer heutigen Redeweise würden sie sagen: Du Jesus bist echt eine Enttäuschung, mit dir wollen wir nichts zu tun haben.

Viele Menschen wollen mit dem Christentum nichts zu tun haben, weil sie meinen, es ist eine Religion der Enttäuschten, der Verlierer, die es zu nichts bringen, wo es fad ist und mehr oder weniger seltsam….

Aber – ist es das?

Jesus ist auferstanden, ja, er ist ein König. Könnte es nicht sein, dass er zu uns sagen möchte: Aber eure allzu irdischen befangenen traditionellen Vorstellungen von oben und unten, von Herrschaft und Macht und weltlichem Sieg und religiöser und staatlicher Ordnung, die mag ich nicht, mit mir nicht. Ich habe Besseres mit euch vor, ganz anderes.

Der Tod am Kreuz war unter anderem notwendig, dass wir Menschen endlich die Angst vor Gott ablegen. Die Befürchtung, Gott könnte es schlecht mit uns meinen. Wir hätten kein schönes Leben mehr, wenn wir religiös werden …

Dabei ist das Gegenteil der Fall.

Gott, Jesus, macht unser Leben schön, wenn er in unserem Leben Raum bekommt und wir ihm erlauben, dass er alles in Ordnung bringt, was nicht ok ist. All diese Dinge, nach denen wir uns richten: Meinung der Whatsappgruppe, der Facebookfreunde, der Werbung, der Schulklasse, der Wirtschaft und der politischen Zwänge, ungute gesellschaftliche oder auch religiöse Traditionen, unserer schlechten Gewohnheiten, unsere Süchte, Genussmittel, Vorurteilen, fixen Ideen, Handicaps usw und so fort …

Wir werden draufkommen: In uns steckt viel mehr, als man auf den ersten Blick sehen kann. Wenn all dieser Mist rund um uns weg ist.

Unsere Begabungen, guten Anlagen werden sich erst noch entwickeln, unser königliches Wesen wird und darf zum Vorschein kommen. Gott möchte, dass wir leuchten und strahlen …

Wenn wir Jesus unseren König sein lassen, dann befreit er uns von allem, was irgendwie Macht über uns ausüben will. Er duldet nicht, dass wir uns klein machen, zu Sklaven machen lassen – von wem oder was auch immer.

Und wir brauchen es nur wollen und ihn bitten darum.

So lautet das diesjährige Thema bzw, Motto der Firmvorbereitung in Haid und Pucking.

„Es gibt viele Glieder, aber nur einen Leib“ oder „viele Charismen – alle zum Aufbau der Kirche“ schreibt Paulus.

Wenn jede/r die eigene Begabung voll Freude entwickelt und einsetzt, optimiert sich die Gesamtheit.

Der menschenfreundliche Gott will, dass wir Freude haben bei unserem Einsatz für das Reich Gottes. Das was wir am besten können und was wir am liebsten tun, ist unsere Berufung, ist gefragt und notwendig für das Heil der Welt.

Daran dürfen wir glauben.

Wie sehen deine Erfahrungen damit aus?

Schreibt mir gern einen Kommentar.

Wovor haben wir Angst?

Einige Antworten, die spontan kamen:

Teuerung, dass ich mir das Heizen, das normale Leben nicht mehr leisten kann

Überfall im Dunkeln, Raub, Gewalt …

öffentlich zu reden, aufzutreten

dass ich bei der Prüfung durchfalle

vor Rasern und rücksichtslosen Autolenkern

vor einem Unfall

mich mit Corona anzustecken

unheilbare Krankheit (Krebs …)

dass die Ehe scheitert

Streit

Arbeitslosigkeit

Es ist ziemlich gemischt. Manche Ängste sind wahrscheinlich gut, weil sie uns im Grunde beschützen, weil wir vorsichtig agieren.

Aber woher kommt z. B. die Angst davor, öffentlich laut zu sprechen vor anderen?

Handelt es sich eigentlich um die Angst vor Ablehnung – weil das, was wir zu sagen haben, beim Publikum auf Ablehnung stoßen könnte? Ist es die Angst, nicht dazuzugehören? sich zu sehr abzuheben von der (unsichtbaren) Masse?

Gehen wir unseren Ängsten am besten auf den Grund.

Und nehmen wir sie nicht zu ernst.

Es kann helfen, Gleichgesinnte oder gleich Leidende zu suchen und sich auszutauschen.

Vor allem: Lassen wir uns von ihnen das Leben nicht vermiesen, die Lebensfreude nicht nehmen, unseren Radius, unser Tun und Sein nicht einschränken.

Dann wäre schon viel gewonnen.

Übrigens: Wissen Sie, wozu in der Bibel Engel und Gott selbst die Menschen am häufigsten auffordern?

„Habt keine Angst!“