Die „Emmausjünger“ – eine ziemlich bekannte Begebenheit aus dem Lukasevangelium. Dem Verein zur Resozialisierung Haftentlassener in St. Pölten, der seit Jahrzehnten erfolgreich arbeitet, haben sie den Namen gegeben. Mit gutem Grund: Wo Menschen nicht mehr weiterwissen, ihnen Hoffnung geben: eine Erfahrung von Auferstehung. Begleiten, miteinander ins Gespräch kommen, einladen, sich mit anderen zum Essen niedersetzen, beten … wo Menschen füreinander vor Gott da sind, ist er „mitten unter ihnen“.

Wo bin ich dem Auferstandenen begegnet – in  welchen Begegnungen brannte mir das Herz?

Hier der Text:

Lk 24, 13-35

3 Und siehe, am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist. [1] 14 Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte. 15 Und es geschah, während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen. 16 Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten. 17 Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen 18 und der eine von ihnen – er hieß Kleopas – antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als Einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist? 19 Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Tat und Wort vor Gott und dem ganzen Volk. 20 Doch unsere Hohepriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen. 21 Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist. 22 Doch auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab, 23 fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe. 24 Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht. 25 Da sagte er zu ihnen: Ihr Unverständigen, deren Herz zu träge ist, um alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben. 26 Musste nicht der Christus das erleiden und so in seine Herrlichkeit gelangen? 27 Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht. 28 So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen, 29 aber sie drängten ihn und sagten: Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt! Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben. 30 Und es geschah, als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es ihnen. 31 Da wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn; und er entschwand ihren Blicken. 32 Und sie sagten zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften eröffnete? 33 Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück und sie fanden die Elf und die mit ihnen versammelt waren. 34 Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen. 35 Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.

Ostern.

Die „Festwoche“ dauert tatsächlich bis nächsten Sonntag. Eine heilige Zeit.

Es dauerte eine Weile, bis die gute Nachroicht „einsickern“ konnte. Immer wieder war das Verzagtsein noch stärker als die Freude. Der Neuafbruch erfolgte überhaupt erst Wochen später. Deswegen wollen wir uns Zeit nehmen für die Oster-Erfahrungen. Die bekannten aus der Heiligen Schrift und für unsere eigenen.

In den nächsten Tagen gibt es verschiedene Bibeltexte, wo Menschen dem Auferstandenen begegnen – je auf ihre Art.

Johannes 20, 1-18

1 Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. [1] 2 Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben. 3 Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; 4 sie liefen beide zusammen, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab. 5 Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging jedoch nicht hinein. 6 Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen 7 und das Schweißtuch, das auf dem Haupt Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. 8 Da ging auch der andere Jünger, der als Erster an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. 9 Denn sie hatten noch nicht die Schrift verstanden, dass er von den Toten auferstehen müsse. 10 Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück.

Die Erscheinung Jesu vor Maria von Magdala

11 Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. 12 Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. 13 Diese sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wohin sie ihn gelegt haben. 14 Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. 15 Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast! Dann will ich ihn holen. 16 Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. [2] 17 Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott. 18 Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte.

Das Osterevangelium nach Matthäus

Mt 28, 1-10

Nach dem Sabbat, beim Anbruch des ersten Tages der Woche, kamen Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.

Und siehe, es geschah ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Sein Aussehen war wie ein Blitz und sein Gewand weiß wie Schnee. Aus Furcht vor ihm erbebten die Wächter und waren wie tot. 

Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch den Ort an, wo er lag! Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden und siehe, er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt.

Sogleich verließen sie das Grab voll Furcht und großer Freude und sie eilten zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden.

Und siehe, Jesus kam ihnen entgegen und sagte: Seid gegrüßt! Sie gingen auf ihn zu, warfen sich vor ihm nieder und umfassten seine Füße. Da sagte Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen und dort werden sie mich sehen.

Karsamstag.

Wie ist es den JüngerInnen gegangen, als Jesus begraben war?

Es war nichts zu tun.

Das Paschafest war im Gange. Schabbat. Ruhetag.

Gleich nach Jesu Tod salbten Maria Magdalena, Maria, die Mutter Jesu, und seine Tante . die drei Frauen, die unter dem Kreuz ausgeharrt hatten – den Leichnam, umwickelten ihn mit Leinenbinden.

Sie taten es rasch. Die Sonne ging ca. um 18.30 unter. Da musste jede/r wieder zuhause sein.

Eine Stunde maximal, flüchtig … übermorgen würde man noch einmal kommen und es in Ruhe tun, ordentlich, …

Und jetzt ist der Tag des Wartens.

Sie laufen nicht davon. Wohin auch? Es ist ja auch morgen Arbeit da, wenn auch eine traurige.

Ich habe in meinem Leben Bereiche, Situationen, Menschen, Informationen … – vor denen ich am liebsten weglaufen würde.

Heute stelle ich mich diesen „Dämonen“. Ich harre aus. Ich mache nichts.

Verordne mir keine Beschäftigungstherapie (Kochen, Putzen, Backen, Einkaufen, Rasenmähen, Reparaturarbeiten …). OK., vielleicht Zeitung lesen zur Erinnerung daran, was in unserer Welt im Argen liegt (außerhalb von Corona).

Es heißt, Jesus stieg in die Unterwelt hinab – an diesem Tag zwischen Kreuzigung und Auferstehung besucht er die Geister, die Guten und die, die wir unerlöst nennen.

Er harrt aus in ihrer Gegenwart. Jede/n schaut er an, wendet sich nicht ab. Ist präsent.

Das vermag den Bann zu brechen.

Wo bin ich gerufen hinzuschauen, da zu bleiben, mich nicht ab- sondern zuzuwenden?

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Jesus, der selber Gott ist und gerade am Kreuz stirbt, fühlt und erlebt sich von Gott verlassen, allein, getrennt, abgeschnitten vom Heil, vom Leben …

Vor vielen Jahren, 1991 war es, hat der Begleiter bei Exerzitien, die ich gemacht habe, einmal geäußert: Die einzige wirkliche Sünde ist es, Gott nicht zu vertrauen.

Mit „Sünde“ ist hier nicht „Schuld“ gemeint, sondern dem Wortsinn nach „Absonderung, Trennung“- die Annahme, Gott fern zu sein, von Gott vergessen und verlassen zu sein.

Vielleicht ist Gott so nahe, dass wir es nicht sehen können?

So ähnlich, wie wir unsere eigenen Augäpfel nicht sehen oder auch die eigene Nase nicht oder unsere Wimpern …?

Gott identifiziert sich, kommt in unser Inneres …

Ich bin eingeladen, mich an eine schreckliche, ausweglos scheinende Situation in meinem Leben zu erinnern, in eine Zeit großen Leids – und sie heute im Licht dieser Wirklichkeit noch einmal anzuschauen …

Alternative: einen der zahlreich vorhandenen (Internet, Gotteslob, …) Kreuzwege beten …

Gründonnerstag.

Jesus stiftet zwei Zeichen als Bleibendes. Als Hinweise auf seine Gegenwart:

Ihr müsst einander die Füße waschen.

Tut dies (Brot und Wein miteinander teilen) zu meinem Gedächtnis.

In der gegenwärtigen Coronakrise haben die allermeisten von uns nicht die Möglichkeit, Eucharisite zu feiern und die Kommunion zu empfangen.

Aber wir alle sind mehr als sonst herausgefordert, einander die Füße zu waschen.

Eigen Vorlieben, Freiheiten zu beschränken, damit es allen gut geht und das Virus sich nicht weiter verbreitet.

Es gab Zeiten, da war die Fußwaschung ein eigenes Sakrament. (Äbte in Klöstern wuschen den Gästen üblicherweise die Füße.)

Die Haltung, die zugrundeliegt, dahintersteckt, ist in der Lage, den Tod zu besiegen.

Ich spüre heute in die Erfahrung hinein: Heuer zu Ostern – und noch viele Wochen danach – gibt es für mich keine Gottesdienstgemeinschaft und Kommunion -weil in dieser Zeit die Fußwaschung dran ist.

Gleichzeitig – trotzdem oder deshalb – spüre ich: Sehnsucht? Traurigkeit? Ärger? Empörung? Gleichmut? …?

Ich erinnere mich bewusst an das letzte Mal, als ich die Hostie und vielleicht den Wein empfing. Wie war das?

Wie immer komme ich mit Jesus über alles ins Gespräch.

Heute wäre der Tag in der Karwoche, an dem in jeder katholischen Diözese der Welt Bischöfe die heiligen Öle weihen; die Öle, die für Taufe, Firmung, Weihe und Krankensalbung verwendet werden.

Im Alten Testament wurden Priester, Propheten und Könige gesalbt. In der Regel von einem anerkannten berühmten Propheten (Samuel salbt Saul und David) oder vom Hohenpriester.

Jesus wird gesalbt- vor seiner letzten und schwierigsten Aufgabe als Messias. Sein messianisches Heilswirken erfährt jetzt den Höhepunkt: Leiden, Sterben, Auferstehen.

Jesus wird gesalbt von einer Frau.

Nur in einem der 4 kanonischen Evangelien wird sie mit Namen genannt: Maria Magdalena. Apokryphe Evangelien (die nicht in die Bibel aufgenommen wurden) sprechen ebenfalls von ihr als der Salbenden

Sie wird auch die erste Zeugin und Verkünderin der Auferstehung sein.

Übrigens: Wir alle sind Gesalbte – „Christen“.

Die heutige Aufgabe: Ich suche mir ein kosmetisches Öl (z. B. Arganöl, bio, Drogeriemärkte) oder Ringelblumensalbe oder gutes Körperöl o. ä. und stelle es während meiner Gebetszeit vor mich hin.

Ich kann ganz bewusst und behutsam meine Hände damit salben.

Ich erinnere mich: Seit meiner Taufe bin ich gesalbt zur Priesterin, Porphetin, Königin …

Ich beginne mit Jesus ein Gespräch darüber.

Bibeltext:

Mk 14, 3-9

3 Als Jesus in Betanien im Haus Simons des Aussätzigen zu Tisch war, kam eine Frau mit einem Alabastergefäß voll echtem, kostbarem Nardenöl, zerbrach es und goss das Öl über sein Haupt. 4 Einige aber wurden unwillig und sagten zueinander: Wozu diese Verschwendung? 5 Man hätte das Öl um mehr als dreihundert Denare verkaufen und das Geld den Armen geben können. Und sie fuhren die Frau heftig an. 6 Jesus aber sagte: Hört auf! Warum lasst ihr sie nicht in Ruhe? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 7 Denn die Armen habt ihr immer bei euch und ihr könnt ihnen Gutes tun, sooft ihr wollt; mich aber habt ihr nicht immer. 8 Sie hat getan, was sie konnte. Sie hat im Voraus meinen Leib für das Begräbnis gesalbt. 9 Amen, ich sage euch: Auf der ganzen Welt, wo das Evangelium verkündet wird, wird man auch erzählen, was sie getan hat, zu ihrem Gedächtnis.

Ganz schön wild… aber berechtigt. Uns heute wundert das Verhalten Jesu nicht.

Hier zunächst der heutige Bibeltext:

Mk 11, 15-19

15 Dann kamen sie nach Jerusalem. Jesus ging in den Tempel und begann, die Händler und Käufer aus dem Tempel hinauszutreiben; er stieß die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler um 16 und ließ nicht zu, dass jemand irgendetwas durch den Tempelbezirk trug. 17 Er belehrte sie und sagte: Heißt es nicht in der Schrift: Mein Haus soll ein Haus des Gebetes für alle Völker genannt werden? Ihr aber habt daraus eine Räuberhöhle gemacht. 18 Die Hohepriester und die Schriftgelehrten hörten davon und suchten nach einer Möglichkeit, ihn umzubringen. Denn sie fürchteten ihn, weil das Volk außer sich war vor Staunen über seine Lehre. 19 Als es Abend wurde, verließ Jesus mit seinen Jüngern die Stadt.

Schauen wir uns unseren Tempel an.

Ich schaue meinen eigenen Tempel an: Was mir heilig ist. Meine Glaubensvorstellungen. Das Bild, das ich von Gott habe. Von Jesus, von Maria, von verschiedenen Heiligen …

Was ist wichtig und wesentlich an meinem Christsein?

Was kann weggelassen werden?

Was stört und fiele besser weg?

Was sind Entwicklungsschritte, die früher gut und nützlich waren, um meinem Glauben zu festigen – heute aber überflüssig sind – oder sogar in Weg?

Wo ist Platz für Neues? Für Anregungen des Heiligen Geistes?

Was gehört entstaubt, entrümpelt, aufpoliert …?

Was fehlt und sollte besorgt, erworben … werden?

Was stünde besser im Mittelpunkt, im Zentrum?

Wie sieht das Allerheiligste aus? Handelt es sich um ein Buch, eine Person, ein Symbol, eines der Sakramente, ein Satz, ein Ritual, ein bestimmtes Fest im Lauf des Jahres? Ist es ein Gefühl oder Bewusstseinszustand? Ein liebgewordener Brauch?

Zum Abschluss gehe ich Hand in Hand mit Jesus durch meinen Tempel (meine Spiritualität, katholische Praxis, Glaubenssätze, Bräuche, …) – und nehme wahr, was er dazu meint …

Jesus hat damit gerungen, wie seine Rolle aussehen sollte in dieser Welt. Und dies sicher nicht nur ein einziges Mal, wie es in der Versuchungsgeschichte erzählt wird.

Bibeltext zur Betrachtung: Lk 4, 1-13

1 Erfüllt vom Heiligen Geist, kehrte Jesus vom Jordan zurück. Er wurde vom Geist in der Wüste umhergeführt, 2 vierzig Tage lang, und er wurde vom Teufel versucht. In jenen Tagen aß er nichts; als sie aber vorüber waren, hungerte ihn. 3 Da sagte der Teufel zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl diesem Stein, zu Brot zu werden. 4 Jesus antwortete ihm: Es steht geschrieben: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. 5 Da führte ihn der Teufel hinauf und zeigte ihm in einem Augenblick alle Reiche des Erdkreises. 6 Und er sagte zu ihm: All die Macht und Herrlichkeit dieser Reiche will ich dir geben; denn sie sind mir überlassen und ich gebe sie, wem ich will. 7 Wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest, wird dir alles gehören. 8 Jesus antwortete ihm: Es steht geschrieben: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen. 9 Darauf führte ihn der Teufel nach Jerusalem, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich von hier hinab; 10 denn es steht geschrieben: Seinen Engeln befiehlt er deinetwegen, dich zu behüten; 11 und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. 12 Da antwortete ihm Jesus: Es ist gesagt: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen. 13 Nach diesen Versuchungen ließ der Teufel bis zur bestimmten Zeit von ihm ab.

Ganz bestimmt kommt die Versuchung wieder in dieser Situation, wo ihm die Massen zujubeln – und wo er auf dem ganzen Weg nach Jerusalem bereits weiß, dass er leiden und sterben wird – mit dieser Absicht und Aussicht kommt er … er hätte sich weiterhin in Galiläa verstecken können.

Könnte es nicht sein, dass es doch ganz anders auch geht …?

Das Judentum (und viele religiöse Strömungen die Jahrhunderte hindurch) erwartete einen Erlöser, der hart durchgreift, streng religiös agiert, als König vom Palast aus regiert, an der Spitze des Heeres als siegreicher Feldherr sämtliche äußeren Feinde ein für alle Mal beseitigt – und gleichzeitig aller materiellen Not (Hunger, Krankheit, Naturkatastrophen …) ein Ende macht.

Der aus Steinen Brot macht, für den die Naturgesetze nicht gelten, der seiner Macht freien Lauf lässt bzw. religiöse Macht für eigene Zwecke missbraucht.

Mit welchen Versuchungen werde ich konfrontiert?

Wie verhalte ich mich da?

Die Menschen jubeln Jesus zu, als er in Jerusalem einzieht. Es gibt die alte Prophezeiung von Jesaja – oder vielleicht die Formulierung eines Wunschtraumes, einer Vision, die er gehabt hat, wie der Messias sich verhalten wird -: „Er reitet auf einer Eselin“. Das Tier der armen Leute, mit dem man keinen Staat machen kann… ein Bild der Bescheidenheit und des Friedens – kein Pferd, mit Pferden zieht man in die Schlacht.

Jesus wählt dieses Zeichen ganz bewusst; selbstverständlich weiß er, welche Hoffnungen, Assoziationen er damit heraufbeschwört. Schließlich kennt er die Heilige Schrift.

Ja, er erhebt den Anspruch: Ich bin der Erwartete. Ich bin der Messias.

Alle, die da die Straßen säumen, begreifen das.

Und doch – sofort stellen sie sich wieder vor, was sie gern hätten, was sie gelernt haben, was es an alten Bildern gibt.

Die Menschen suchen sofort den „starken Mann“, rufen nach ihm. Einen, auf den man alle Verantwortung und jede Entscheidung abwälzen kann. Einen, der „es richten wird“. Der es allen recht machen kann. Der endlich Schluss macht mit sämtlichen Missständen der Weltgeschichte.

Wie geht es mir mit diesen Vorstellungen?

Ja, Jesus ist der ersehnte Retter, der letztendlich alles heilen und vollenden wird. Ja, Gott ist allmächtig.

Und doch:

Er entlässt uns nicht aus unserer Verantwortung.

Er nimmt uns Entscheidungen nicht ab.

Er respektiert unseren freien Willen. Unsere Persönlichkeit.

Achtet unsere Fähigkeiten.

Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit: durch und durch biblische Werte…

Und hier der Bibeltext:

Mt 21, 1-11

211 Als sie sich Jerusalem näherten und nach Betfage am Ölberg kamen, schickte Jesus zwei Jünger aus

2 und sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt; dort werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr. Bindet sie los und bringt sie zu mir!

3 Und wenn euch jemand zur Rede stellt, dann sagt: Der Herr braucht sie, er lässt sie aber bald zurückbringen.

4 Das ist geschehen, damit sich erfüllte, was durch den Propheten gesagt worden ist:

5 Sagt der Tochter Zion: / Siehe, dein König kommt zu dir. /

Er ist sanftmütig / und er reitet auf einer Eselin / und auf einem Fohlen, / dem Jungen eines Lasttiers.

6 Die Jünger gingen und taten, wie Jesus ihnen aufgetragen hatte.

7 Sie brachten die Eselin und das Fohlen, legten ihre Kleider auf sie und er setzte sich darauf.

8 Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf dem Weg aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg.

9 Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm nachfolgten, riefen:

Hosanna dem Sohn Davids! / Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. / Hosanna in der Höhe!

10 Als er in Jerusalem einzog, erbebte die ganze Stadt und man fragte: Wer ist dieser?

11 Die Leute sagten: Das ist der Prophet Jesus von Nazaret in Galiläa.