Die Fülle Gottes – und unser Beitrag

Die heutige Bibelstelle: Johannes 6, 1-15, die „Brotvermehrung“ oder „wunderbare Speisung einer Volksmenge“

1 Danach ging Jesus an das andere Ufer des Sees von Galiläa, der auch See von Tiberias heißt. 2 Eine große Menschenmenge folgte ihm, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. 3 Jesus stieg auf den Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern nieder. 4 Das Pascha, das Fest der Juden, war nahe. 5 Als Jesus aufblickte und sah, dass so viele Menschen zu ihm kamen, fragte er Philippus: Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben? 6 Das sagte er aber nur, um ihn auf die Probe zu stellen; denn er selbst wusste, was er tun wollte. 7 Philippus antwortete ihm: Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll. 8 Einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagte zu ihm: 9 Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele? 10 Jesus sagte: Lasst die Leute sich setzen! Es gab dort nämlich viel Gras. Da setzten sie sich; es waren etwa fünftausend Männer. 11 Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet und teilte an die Leute aus, so viel sie wollten; ebenso machte er es mit den Fischen. 12 Als die Menge satt geworden war, sagte er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrig gebliebenen Brocken, damit nichts verdirbt! 13 Sie sammelten und füllten zwölf Körbe mit den Brocken, die von den fünf Gerstenbroten nach dem Essen übrig waren. 14 Als die Menschen das Zeichen sahen, das er getan hatte, sagten sie: Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll. [1] 15 Da erkannte Jesus, dass sie kommen würden, um ihn in ihre Gewalt zu bringen und zum König zu machen. Daher zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein.

Fünf Brote, zwei Fische: Was ist das für so viele!

Jesus spricht ein Dankgebet und beginnt auszuteilen. Und dann staunen alle, auch wir, was alles möglich ist.

Jesus ist auf unseren Beitrag angewiesen, und sei er noch so klein. Was immer wir ihm geben, Fähigkeiten, materielle Dinge,… das segnet er. Es wird vermehrt – im Evangelium um das Tausendfache und mehr.

Meine Überlegung für heute könnte sein:

Was bin ich bereit, Jesus zu übergeben – vollständig zu überlassen?

PS.: Es ist dann nicht etwa weg im Sinne von „spurlos verschwunden“, sondern er bekommt dann die Chance, meinen Beitrag zu veredeln, zu segnen, das Geringe kostbar und zahlreich zu machen …

Ich überlege also: Was möchte ich Jesus geben?

Ich spüre hinein, wie sich die neue Situation anfühlt.

Es hat sich bewährt, einige Wochen zu warten – und sich dann überraschen zu lassen, was bis dahin entstanden ist.

Tipp: Suchen Sie sich einen Gegenstand oder etwas aus der Natur, das als Symbol dienen kann. Legen Sie das Fundstück feierlich auf Ihren Gebetsplatz; es soll als Erinnerung dienen für das, was Sie Jesus geschenkt, dargeboten haben.

Was Jesus seinen Jüngern und Jüngerinnen zutraut, ist erstaunlich. Vielleicht sind wir verblüfft, wenn wir die folgenden Texte lesen.

Was traut Gott mir zu? (Dies ist das Thema der heutigen Betrachtung)

  • Was traue ich mir selbst zu?
  • Wovon glaube ich, dass ich es nicht tun kann?
  • Was halte ich für unmöglich, undenkbar?
  • Was würde ich gern tun, traue mich aber nicht bzw. traue es mir aber nicht zu?

Bibelstellen:

Lk 5,13-16

13 Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr, außer weggeworfen und von den Leuten zertreten zu werden. 14 Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. 15 Man zündet auch nicht eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; dann leuchtet sie allen im Haus. 16 So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Lk 10, 1-9.17-20

1 Danach suchte der Herr zweiundsiebzig andere aus und sandte sie zu zweit vor sich her in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte.

 2 Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden!

 3 Geht! Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe.

 4 Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe! Grüßt niemanden auf dem Weg!5 Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als Erstes: Friede diesem Haus!

6  Und wenn dort ein Sohn des Friedens wohnt, wird euer Friede auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkehren.7 Bleibt in diesem Haus, esst und trinkt, was man euch anbietet; denn wer arbeitet, ist seines Lohnes wert. Zieht nicht von einem Haus in ein anderes!8 Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so esst, was man euch vorsetzt. 9 Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt ihnen: Das Reich Gottes ist euch nahe!

(…)

 17 Die Zweiundsiebzig kehrten zurück und sagten voller Freude: Herr, sogar die Dämonen sind uns in deinem Namen untertan.

 18 Da sagte er zu ihnen: Ich sah den Satan wie einen Blitz aus dem Himmel fallen.

 19 Siehe, ich habe euch die Vollmacht gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten und über die ganze Macht des Feindes. Nichts wird euch schaden können.

 20 Doch freut euch nicht darüber, dass euch die Geister gehorchen, sondern freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind!

Lk 17,6

6 Der Herr erwiderte: Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, würdet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Entwurzle dich und verpflanz dich ins Meer! und er würde euch gehorchen.

Joh 14,12

Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater.

Jesus lässt sich unterstützen. Die Jüngerinnen taten das „mit ihrem Vermögen“, mit dem, was sie besaßen und vermochten. Mit ihrem ganzen Sein und Können …

Jesus beruft Jünger/innen deswegen, damit sie tun, was er tut. Zuerst leben sie bei ihm, erleben, wie er spricht, lehrt, heilt, isst und trinkt, wie er arbeitet und seine Freizeit verbringt, was er macht, wenn er zornig ist oder traurig oder begeistert oder wenn er sich freut …

Schüler/innen und Lehrlinge sind sie, lernen sollen sie vom „Rabbi“ (Lehrer, Meister).

Jesus beruft sie auch deswegen, weil sie sich eignen. Sie haben Fähigkeiten, die sie als ApostelInnen, MissionarInnen, GemeindegründerInnen, VerkünderInnen, EvangelistInnen, LehrerInnen, GemeindevorsteherInnen … brauchen werden.

Wir sind alle zum Jünger- und Jüngerinsein berufen.

Jede/r von uns hat einzigartige Fähigkeiten,

Welche sind das bei mir?

Das was ich am liebsten tue und am besten kann, könnte da die „heiße Spur“ sein.

Gott liebt uns (ja, das alte Thema, hatten wir schon, ich weiß!); das Nachfolgen als JüngerIn darf und soll uns Freude machen!

Übung: Ich schalte leise entspannende Musik ein, setze mich an meinen Lieblings- oder Gebetsplatz und schreibe – mindestens – 5 Dinge auf, die ich wirklich besonders gut kann, für die ich meistens gelobt werde.

Dann komme ich mit Jesus ins Gespräch darüber. Ich danke und überlege mit ihm gemeinsam, wie ich eine oder zwei dieser Fähigkeiten, Talente JETZT – in der momentanen Situation – in seinem Sinne einsetzen kann.

PS.: Ich kann ihm auch sagen, was ich immer schon tun oder können wollte …

Lk 8, 1-3

1 Und es geschah in der folgenden Zeit: Er wanderte von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und verkündete das Evangelium vom Reich Gottes. Die Zwölf begleiteten ihn 2 und auch einige Frauen, die von bösen Geistern und von Krankheiten geheilt worden waren: Maria, genannt Magdalena, aus der sieben Dämonen ausgefahren waren, 3 Johanna, die Frau des Chuzas, eines Beamten des Herodes, Susanna und viele andere. Sie unterstützten Jesus und die Jünger mit ihrem Vermögen.

Die Jüngerinnen – gerade sie spüren bei Jesus, wie ihr Leben eigentlich von Gott her gemeint ist. Dass sie glücklich und frei leben und ihre Begabungen entfalten und einsetzen können, dürfen, sollen.

Bevor sie Jesus begegnet sind, waren sie krank, an Leib und/oder Seele.

Verbogen von den traditionellen Gesellschaftsmustern: als Persönlichkeit vernachlässigbar, Wert wird zugemessen aufgrund des Vaters und/oder Ehemanns und der Kinderzahl.

Und jetzt erfahren Sie: Jesus nimmt sie ernst in ihrer Würde als individuelle Person, sie „sind wer“ bei ihm. Sie bekommen eine Ahnung davon: von Gott geliebt zu sein, wertvoll als Mensch an sich, total angenommen …

Sie haben das Heil erfahren – wie Gott sie anschaut und beurteilt.

Jesus unterstützen – mit dem eigenen Vermögen: Das ist nicht nur Geld, auch wenn es sich bei den drei namentlich Genannten in der Tat um reiche Frauen gehandelt hat. Da gibt es mehr. … aber darum wird es morgen gehen.

Heute bin ich eingeladen, egal ob Frau oder Mann, dem nachzuspüren: Jesus steht vor mir und nimmt mich vollkommen an in meiner Identität, akzeptiert mich, schaut mir ins Herz, ins innerste Wesen – voll Liebe, Verstehen, Barmherzigkeit – aber auch voll seiner Kraft zu heilen und in Ordnung zu bringen …

Die Berufung der ersten Jünger

Lk 5, 1-11

1 Eines Tages stand Jesus am Ufer des Sees von Gennesaret. Die Menschen drängten sich um ihn und wollten Gottes Botschaft hören.
2 Da sah er zwei Boote am Ufer liegen. Die Fischer waren ausgestiegen und reinigten ihre Netze.
3 Er stieg in das eine, das Simon gehörte, und bat ihn, ein Stück vom Ufer abzustoßen. Dann setzte er sich und sprach vom Boot aus zu der Menschenmenge.
4 Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: »Fahr hinaus auf den See und wirf mit deinen Leuten die Netze zum Fang aus!«
5 Simon erwiderte: »Herr, wir haben uns die ganze Nacht abgemüht und nichts gefangen. Aber weil du es sagst, will ich die Netze noch einmal auswerfen.«
6 Sie taten es und fingen so viele Fische, dass die Netze zu reißen begannen.
7 Sie mussten die Fischer im anderen Boot zur Hilfe herbeiwinken. Schließlich waren beide Boote so überladen, dass sie fast untergingen.
8 Als Simon Petrus das sah, warf er sich vor Jesus nieder und bat: »Herr, geh fort von mir! Ich bin ein sündiger Mensch!«
9 Denn ihn und alle anderen, die bei ihm im Boot waren, hatte die Furcht gepackt, weil sie einen so gewaltigen Fang gemacht hatten.
10 So ging es auch denen aus dem anderen Boot, Jakobus und Johannes, den Söhnen von Zebedäus, die mit Simon zusammenarbeiteten.
Jesus aber sagte zu Simon: »Hab keine Angst! Von jetzt an wirst du Menschen fischen!«
11 Da zogen sie die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten Jesus.

(Üs.: www.treffpunktleben.at)

Wir sind eingeladen, Lk 5, 1-11 zu betrachten.

Ein paar Gedanken:

Unwahrscheinlicher Erfolg zu einer ganz und gar unwahrscheinlichen Zeit.

Und auch unwahrscheinlich, dass Petrus und Co. das wirklich machen: Zu Mittag hinausfahren auf den See um zu fischen.

Weniger unwahrscheinlich wird es, wenn wir bedenken: Petrus – und auch alle anderen Beteiligten – haben eine Stunde oder auch zwei Jesus zugehört: wie er predigte, von Gott erzählte und vom Heil der Menschen, das zu bringen er gekommen war. Einer, der so glaubwürdig, authentisch redet – „mit Vollmacht“ heißt es an anderen Stellen -, dem vertraue ich und tue das, was ich sonst nie tun würde, was menschlicher Logik und aller Lebenserfahrung widerspricht.

Und das nicht wirklich Erwartete geschieht.

Mit Gottes Fülle werden sie beschenkt. Zuerst im materiellen Sinn.

Noch ganz andere Fülle – geistliche, spirituelle, heilsame … Überfülle wird es in Zukunft geben. Davon haben sie eine Ahnung, einen Vorgeschmackbekommen.

Nein, es handelt sich nicht um blindes Vertrauen, als sie sich entschließen, Jesus zu folgen, ein neues Leben zu beginnen. Begründete Hoffnung schon eher.

Aufgrund welcher Erlebnisse, Heilserfahrungen in meinem Leben folge ich Jesus nach? Welche begründete Hoffnung veranlasst mich, als Christ/in auf die Suche, auf dem Weg zu bleiben?

Wenn ich mir am 2. Tag Notizen gemacht habe, ist es vielleicht hilfreich, sie jetzt durchzulesen.

Ich beende meine Gebetszeit mit einem persönlichen Gespräch mit Jesus.

Die heutige Bibelstelle für die Betrachtung:

Vom Vertrauen beim Beten Mt 7, 7-11

7 »Bittet Gott, und er wird euch geben! Sucht, und ihr werdet finden! Klopft an, und euch wird die Tür geöffnet! 8 Denn wer bittet, der bekommt. Wer sucht, der findet. Und wer anklopft, dem wird geöffnet. 9 Würde etwa jemand von euch seinem Kind einen Stein geben, wenn es um ein Stück Brot bittet? 10 Oder eine Schlange, wenn es um einen Fisch bittet? 11 Trotz all eurer Bosheit wisst ihr Menschen doch, was gut für eure Kinder ist, und gebt es ihnen. Wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes schenken, die ihn darum bitten!«

Mein Vorschlag: Malen Sie ein Bild. Egal, was dabei herauskommt – spüren Sie während des Malens in das Vertrauen hinein.

Das Material spielt eine untergeordnete Rolle. Verwenden Sie, was Sie gerne mögen, was Sie gerade zu Hause haben. Wasser- oder Aquarellfarben, Acrylfarben, Ölkreiden, Farbstifte …  Papier, Karton, Keilrahmen, Holzplatte … Bleiben Sie eine halbe Stunde dabei. Auch wenn Sie das Gefühl haben, dass das Bild dann nicht „fertig“ ist: die Stille Zeit mit einem persönlichen Gespräch mit Gott oder Jesus beenden.

Wer mag, kann später oder am nächsten Tag weitermalen.

Einen schönen Sonntag wünsche ich!

Die letzte Frage gestern lautete: Wie sieht mein Leben aus, wenn ich frei und glücklich bin?

Es gilt weiterhin die Einladung, am Beginn meiner Gebetszeit das Vorbereitungsgebet zu beten.

Anschließend begebe ich mich auf eine Reise in meiner Vorstellung.

Ich stelle mir vor, wie ich an einen Urlaubsort fahre – oder an einen Ort, wo ich mich gern aufhalte, es kann auch das eigene Haus, Schlafzimmer sein, z. B. an einem Sommertag… oder ein Zelt oder Wohnwagen, wenn das zu meinen geliebten Freizeiterfahrungen gehört.

Ich stelle mir folgendes vor:

Ich erwache am Morgen ausgeruht und froh, dehne und strecke mich, steige aus dem Bett/Schlafsack und öffne das Fenster/ die Balkontüre/ den Zelteingang, gehe vielleicht ein paar Schritte ins Freie.

Ich atme tief ein – die Luft ist wunderbar, erfüllt von Gerüchen des Grases, der Blumen, vielleicht des Wassers an einem See oder Meeresstrand … von Vogelgezwitscher und Blätterrauschen.

Und etwas ist absolut neu:

Ich fühle mich leicht, beschwingt und frei wie noch nie zuvor. Alle meine Sorgen und Probleme sind weg. Haben sich gelöst. Ich spüre dem nach, wie es sich anfühlt: eine Krankheit, ein körperlicher oder seelischer Schmerz, Trauer oder Zorn über eine Situation, Unfrieden, Konflikt mit jemandem, Unstimmigkeiten, eine Unrechtssituation, unter der ich bis jetzt immer gelitten habe, persönliche Schuld, Charakterfehler, Suchtverhalten, Mängel,  (an Bildung, Vermögen, Freunden …), ein Zuwenig oder gänzliches Fehlen von etwas, eine Sorge um jemanden, Angst vor einem Ereignis, vor einem oder mehreren Menschen, Erfahrungen von Einsamkeit oder Stress, von Sinnlosigkeit, Erfolglosigkeit, Scheitern, Unfähigkeit (dass ich etwas schlecht oder gar nicht kann oder vermag, eine übliche menschliche Tätigkeit nicht ausführen kann), wo mich etwas hindert, Machtlosigkeit, Überforderung, Ausweglosigkeit …

Was immer mich bisher belastet haben mag:

Es ist weg. Aufgelöst. Für immer.

Heute gibt es wieder eine Bibelstelle, in der jemand geheilt wird. Ein Gelähmter kann wieder gehen. Es ist eine der bekanntesten Begebenheiten im Evangelium überhaupt; und doch verschwindet es meistens aus unserem Blick, dass vor der körperlichen Heilung die seelische erfolgt.

„Deine Sünden sind dir vergeben“.

Alles, was in der Vergangenheit an Erstarrung, an Lähmung, an Einengung, an Fixierung geschehen ist – durch fremde und eigene Entscheidungen, durch das Umfeld, die Systeme, in denen wir leben.

Wo Gefühle immer eindimensionaler geworden sind, wo es scheinbar keinen Ausweg gibt.

Dies alles hebt Jesus auf mit einem Blick, mit einem Wort.

Einfach, damit dieser Mensch wieder glücklich und frei sein kann.

Welche Lähmung, Erstarrung, krankmachende Festlegung ist es, von der mich Jesus befreien, er-lösen soll?

Wie werde ich leben, wie sieht mein Leben aus, wenn ich frei bin?

Lk 5, 17-36

 17 Und es geschah eines Tages, als Jesus lehrte, saßen Pharisäer und Gesetzeslehrer dabei; sie waren aus allen Dörfern Galiläas und Judäas und aus Jerusalem gekommen. Und die Kraft des Herrn war mit ihm, sodass er heilen konnte. 18 Und siehe, Männer brachten auf seinem Bett einen Menschen, der gelähmt war. Sie wollten ihn ins Haus bringen und vor Jesus hinlegen. 19 Weil es ihnen aber wegen der Volksmenge nicht möglich war, ihn hineinzubringen, stiegen sie aufs Dach und ließen ihn durch die Ziegel auf dem Bett hinunter in die Mitte vor Jesus hin. 20 Als er ihren Glauben sah, sagte er: Mensch, deine Sünden sind dir vergeben. 21 Und die Schriftgelehrten und die Pharisäer fingen an zu überlegen: Wer ist dieser, der Lästerungen ausspricht? Wer kann Sünden vergeben außer Gott allein? 22 Jesus aber erkannte ihre Gedanken und erwiderte ihnen: Was überlegt ihr in euren Herzen? 23 Was ist leichter, zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben! oder zu sagen: Steh auf und geh umher? 24 Damit ihr aber erkennt, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, auf der Erde Sünden zu vergeben – sprach er zu dem Gelähmten: Ich sage dir: Steh auf, nimm dein Bett und geh in dein Haus! 25 Und sogleich stand er vor ihren Augen auf, nahm das Bett, auf dem er gelegen hatte, und ging Gott preisend in sein Haus. 26 Da gerieten alle außer sich; sie priesen Gott und sagten voller Furcht: Heute haben wir Unglaubliches gesehen.

Wenn Gott uns, die Menschen, über alles liebt – wie kommt es dann, dass Schlechtes, Böses … in der Welt existiert?

Verschiedene Religionen und religiöse Strömungen haben im Lauf der Geschichte versucht, Antworten darauf zu geben. Erklärungsversuche.

Am besten davon gefällt mir folgender: Gott will das Negative nicht. Die Entscheidung, es zuzulassen, war jedoch der einzige Weg, unsere Freiheit zu garantieren.

Was wir glauben dürfen:

Jesus Christus hat, wo immer er hinkam, Leid gelindert und Gutes beginnen lassen. Die vielen Heilungswunder, die in den Evangelien geschildert sind, (und vieles mehr, im Grunde sein gesamtes Wirken) zeugen davon.

Der heutige Bibeltext zur Betrachtung:

Die Heilung der gekrümmten Frau: Lk 13, 10-17

Ein Gedanke dazu: Auch nach so vielen Jahren des Leids ist es möglich, dass alles gut wird. Gott ist Herr über die Zeit. Das, was er jetzt tut, wie er heute und in Zukunft an uns wirken will und kann, ist mächtiger als das Vergangene.

Lukas 13, 10-17

10 Am Sabbat lehrte Jesus in einer Synagoge. 11 Und siehe, da war eine Frau, die seit achtzehn Jahren krank war, weil sie von einem Geist geplagt wurde; sie war ganz verkrümmt und konnte nicht mehr aufrecht gehen. 12 Als Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sagte: Frau, du bist von deinem Leiden erlöst. 13 Und er legte ihr die Hände auf. Im gleichen Augenblick richtete sie sich auf und pries Gott. 14 Der Synagogenvorsteher aber war empört darüber, dass Jesus am Sabbat heilte, und sagte zu den Leuten: Sechs Tage sind zum Arbeiten da. Kommt also an diesen Tagen und lasst euch heilen, nicht am Sabbat! 15 Der Herr erwiderte ihm: Ihr Heuchler! Bindet nicht jeder von euch am Sabbat seinen Ochsen oder Esel von der Krippe los und führt ihn zur Tränke? 16 Diese Frau aber, die eine Tochter Abrahams ist und die der Satan schon seit achtzehn Jahren gefesselt hielt, sollte am Sabbat nicht davon befreit werden dürfen? 17 Durch diese Worte wurden alle seine Gegner beschämt; das ganze Volk aber freute sich über all die großen Taten, die er vollbrachte.

Exerzitien – Tag 5

Es hat uns wirklich gut getan, diese Besinnung darauf, wie sehr wir von Gott geliebt sind. Vielleicht war dieser Zugang etwas ganz Neues für uns, ungewohnt.

Und vielleicht kamen Zweifel und Fragen etwa in der Art: Ja, aber früher haben wir immer nur gehört, wie sündig wir sind und nicht wert, in die Nähe Gottes zu kommen – und außerdem: in meinem Leben ist so viel schief gegangen … ja, aber dieser Konflikt in der Familie, in der Firma belastet mich … ja, aber ich leide an dieser Krankheit, Behinderung … ja, aber in Zeiten von Corona … wieso müssen so viele leiden und sterben – Not, Kriege, Katastrophen … und warum ist so vieles auf dieser Erde ganz und gar nicht in Ordnung …?

Also: Die erste dieser Fragen stammt aus einer negativen Tradition, die sich leider breit gemacht hat – dafür kann Gott nichts.

Aber sonst: Lauter Fragen, die sich nicht mit einer schnellen logischen Erklärung beantworten lassen.

Die Versuche, Antworten darauf zu finden, füllen Bibliotheken.

Die heutige Bibelstelle: Lk 4, 14-21 lädt uns ein zur Betrachtung, aber noch mehr dazu, uns selbst die Frage zu stellen: Sind auch meine Augen voller Erwartung auf Jesus gerichtet?

Erwarte ich von ihm – ja: was eigentlich? Das umfassende Heil? Die Vergebung meiner und aller Sünden? Glück? Erfüllung? Heilung? Die Lösung sämtlicher Probleme? Dass alles in Ordnung kommt? Gerechtigkeit? Frieden? …?

Es ist gut, wenn ich mit ihm darüber ins Gespräch komme.

Lukas 4, 14-21

14 Jesus kehrte, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück. Und die Kunde von ihm verbreitete sich in der ganzen Gegend. 15 Er lehrte in den Synagogen und wurde von allen gepriesen.

16 So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um vorzulesen, 17 reichte man ihm die Buchrolle des Propheten Jesaja. Er öffnete sie und fand die Stelle, wo geschrieben steht: 18 Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn er hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze 19 und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe. 20 Dann schloss er die Buchrolle, gab sie dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. 21 Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.