Montag, 23. 3. 2020

Wie ist es Ihnen mit dem langen Evangelium gestern gegangen?

Heute begleitet es uns noch einmal.

Ja, es geht darum, die Augen aufzumachen und zu sehen.

Neu zu sehen. Anders hinzuschauen. Den Horizont zu weiten.

Mehr zu erkennen als bisher.

Zum Beispiel: Gottes Wirken in meinem Leben.

Die heutige Übung:

Ich begebe mich zu meinem vorbereiteten Platz.

Kreuzzeichen, Verneigung und/oder das Vorbereitungsgebet (das heute wirklich optimal passt … vgl. Blogeintrag 22. 3. 2020)

Ich denke nach: Wann habe ich in meinem Leben schon von Gott etwas gespürt? In welchen Situationen, zu welchen Zeiten war ich besonders „gottverbunden“? Habe ich erlebt, dass mein Beten erhört worden ist – oder gespürt, dass Gott mir wirklich zuhört, mich ernstnimmt? Wann habe ich mich beschützt, begleitet, geführt … gefühlt?

Vielleicht möchte ich aufschreiben, festhalten, was mir jetzt eingefallen ist.

Zum Abschluss komme ich mit Jesus, mit Gott ins Gespräch.

Tag 1                                     Sonntag, 22. 3. 2020

Heute sind wir eingeladen, das Sonntagsevangelium zu betrachten.

Joh 9, 1-41 (Text s. unten)

Eine BETRACHTUNG nach Ignatius von Loyola lädt zu folgenden Schritten ein:

  • Ich begebe mich bewusst in Gottes Gegenwart (Kerze anzünden, Kreuzzeichen, kurzes Gebet; z. B. das Vorbereitungsgebet – Text s. unten …)
  • Ich lese die Bibelstelle aufmerksam durch
  • Ich versetze mich in eine der beteiligten Personen hinein – in diesem Fall: der Blinde oder einer der Pharisäer, der Zuschauer/innen, der Jünger/innen, Jesus – und begebe mich in die Szene hinein, erlebe wie in einem Film das, was im Evangelium geschildert wird
  • Ich bete, d. h. ich komme mit Jesus Christus / Gott ins Gespräch über das, was ich gerade erlebt habe
  • Bewusster Abschluss der Gebetszeit: freies Dankgebet oder Vater unser oder Verneigung, Kreuzzeichen …

Ich kann mir Notizen machen: Gedanken und Gefühle, die gekommen sind, neue Erkenntnisse …

WICHTIG: „Nicht das Vielwissen ist das Ziel, sondern das Verkosten der Dinge von Innen her.“ „Lebe das, was du vom Evangelium verstanden hast, und sei es noch so wenig – aber lebe es!“

Es ist erlaubt und gut, wenn ich bei einem Satz, bei einer kleinen Handlung oder Szene hängen bleibe und mich z. B. 15 Minuten nur damit beschäftige. Ich darf daran glauben, dass der Heilige Geist mich führt und leitet während der Gebetszeit.

TEXTE:

Joh 5, 1-41

Die Heilung des Blindgeborenen

1 Unterwegs sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. 2 Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst oder seine Eltern, sodass er blind geboren wurde? 3 Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden. 4 Wir müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr wirken kann. 5 Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. 6 Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen 7 und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Das heißt übersetzt: der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen. 8 Die Nachbarn und jene, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte? 9 Einige sagten: Er ist es. Andere sagten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es. 10 Da fragten sie ihn: Wie sind deine Augen geöffnet worden? 11 Er antwortete: Der Mann, der Jesus heißt, machte einen Teig, bestrich damit meine Augen und sagte zu mir: Geh zum Schiloach und wasch dich! Ich ging hin, wusch mich und konnte sehen. 12 Sie fragten ihn: Wo ist er? Er sagte: Ich weiß es nicht. 13 Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern. 14 Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte. 15 Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Er antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen und ich wusch mich und jetzt sehe ich. 16 Einige der Pharisäer sagten: Dieser Mensch ist nicht von Gott, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen. 17 Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann sagte: Er ist ein Prophet. 18 Die Juden aber wollten nicht glauben, dass er blind gewesen und sehend geworden war. Daher riefen sie die Eltern des von der Blindheit Geheilten 19 und fragten sie: Ist das euer Sohn, von dem ihr sagt, dass er blind geboren wurde? Wie kommt es, dass er jetzt sieht? 20 Seine Eltern antworteten: Wir wissen, dass er unser Sohn ist und dass er blind geboren wurde. 21 Wie es kommt, dass er jetzt sieht, das wissen wir nicht. Und wer seine Augen geöffnet hat, das wissen wir auch nicht. Fragt doch ihn selbst, er ist alt genug und kann selbst für sich sprechen! 22 Das sagten seine Eltern, weil sie sich vor den Juden fürchteten; denn die Juden hatten schon beschlossen, jeden, der ihn als den Christus bekenne, aus der Synagoge auszustoßen. 23 Deswegen sagten seine Eltern: Er ist alt genug, fragt ihn selbst! 24 Da riefen die Pharisäer den Mann, der blind gewesen war, zum zweiten Mal und sagten zu ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist. 25 Er antwortete: Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht. Nur das eine weiß ich, dass ich blind war und jetzt sehe. 26 Sie fragten ihn: Was hat er mit dir gemacht? Wie hat er deine Augen geöffnet? 27 Er antwortete ihnen: Ich habe es euch bereits gesagt, aber ihr habt nicht gehört. Warum wollt ihr es noch einmal hören? Wollt etwa auch ihr seine Jünger werden? 28 Da beschimpften sie ihn: Du bist ein Jünger dieses Menschen; wir aber sind Jünger des Mose. 29 Wir wissen, dass zu Mose Gott gesprochen hat; aber von dem da wissen wir nicht, woher er kommt. 30 Der Mensch antwortete ihnen: Darin liegt ja das Erstaunliche, dass ihr nicht wisst, woher er kommt; dabei hat er doch meine Augen geöffnet. 31 Wir wissen, dass Gott Sünder nicht erhört; wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut, den erhört er. 32 Noch nie hat man gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet hat. 33 Wenn dieser nicht von Gott wäre, dann hätte er gewiss nichts ausrichten können. 34 Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus. 35 Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn? 36 Da antwortete jener und sagte: Wer ist das, Herr, damit ich an ihn glaube? 37 Jesus sagte zu ihm: Du hast ihn bereits gesehen; er, der mit dir redet, ist es. 38 Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder. 39 Da sprach Jesus: Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen: damit die nicht Sehenden sehen und die Sehenden blind werden. 40 Einige Pharisäer, die bei ihm waren, hörten dies. Und sie fragten ihn: Sind etwa auch wir blind? 41 Jesus sagte zu ihnen: Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde. Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen. Darum bleibt eure Sünde.

Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe© 2016 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart Alle Rechte vorbehalten.

Vorbereitungsgebet:

Herr, öffne mir die Augen,

damit ich sehe,

was ich noch nicht erkenne.

Herr, öffne mir die Ohren,

damit ich dein Wort nicht nur höre,

sondern verstehe, was du mir sagen willst.

Herr, gib mir ein großzügiges Herz,

das sich deinem Wort überlässt

und zu tun wagt, was es noch nicht getan hat.

Amen.

Tag 0

Heute ist der Tag der Vorbereitung.

Zwei Überlegungen sind wichtig:

  • Wo ist für mich ein guter Platz im Haus, in der Wohnung, im Freien …, wo ich eine halbe Stunde ungestört bin – wo ich nachdenken, einfach still sein kann, wo mich das Telefon nicht stört, das Haustier nicht … Gut ist es, wenn der Platz die gesamten 30 Tage hindurch der gleiche bleiben kann; aber nur Mut: Experimentieren ist erlaubt! Besser wechselnde Orte – als keiner.
  • Wann ist die optimale Zeit für meine tägliche Übung? Gleich in der Früh? Mitten am Vormittag? Am Abend …? Probieren Sie es einfach aus. Wichtig ist nicht, dass die „Stille Zeit“ immer zur gleichen Stunde stattfindet, sondern DASS sie stattfindet – und dass Sie nicht gestresst sind oder ständig auf dem Sprung…

Dann: Den Platz herrichten: Auf jeden Fall: Bibel, Tagebuch oder Notizblock, Schreibzeug und ev. Malfarben, Kerze, Vase mit Blumen, Lieblingsgegenstand …

Die Tätigkeit des Ordnens und Suchens ist bereits heiliges Tun. Möchten Sie meditativ hinausgehen ins Freie und sich die Zeit nehmen, ein paar kleine Frühlingsblumen zu pflücken?

Wichtig: Wenn mehrere Familienmitglieder an den Exerzitien teilnehmen: Halten Sie Ihre Gebets- und Meditationszeit dennoch jede/r für sich, allein.

Sie können zusätzlich auch gemeinsam beten oder in der Bibel lesen – aber die Beziehung zu Gott, Jesus … die eigene Spiritualität … ist individuell und etwas zutiefst Persönliches.

Wir werden in allen Pfarren ohne Palmprozession, ohne Kreuzweg, ohne Fußwaschung und Feier vom Letzten Abendmahl, ohne Osternachtfeier, ohne Ostereiersuche nach dem Kindergottesdienst am Ostersonntag … auskommen müssen …

Ein Gedanke: Tun wir es im solidarischen Gedenken an unsere verfolgten Glaubensgeschwister im Iran, in Nordkorea, in Saudiarabien oder im früheren Ostblock, die diese Situation oft jahrzehntelang ertragen mussten.

Beten wir in der Zeit, zu der ein Gottesdienst in der Kirche stattgefunden hätte.

Wir werden erfahren: Ohne Osterfeierlichkeiten heißt nicht „ohne Gott“!

Liebe Pfarrgemeinderäte/innen, liebe Pfarrmitglieder, liebe Mitchristen!

Nachdem ich jetzt krankheitsbedingt ein paar Tage ausgefallen bin, ist in der unvorhergesehenen Mehr-Zeit der Stille und des Nachdenkens folgende Idee entstanden:

Ich lade alle herzlich ein, an Online-Exerzitien teilzunehmen.

Ab Samstag, 21. 3. bis zum Weißen Sonntag, 19. April, werde ich jeden Tag einen Impuls (Anregung zum Gebet und einer zusätzlichen geistlichen Übung) auf die Homepages der Pfarren Haid und Pucking sowie auf meine eigene Homepage (www.kostbarleben.jetzt) stellen.

Macht einfach mit; und wer möchte, schreibt mir auch per Mail, dass er/sie dabei ist. In dieser Zeit der verordneten physischen Distanz tut es gut, geistige, spirituelle Verbundenheit zu spüren.

Telefonischer Austausch v. a. wenn Fragen auftreten ist möglich und sinnvoll:

Tel.: 0676 87765305

Mail: dagmar.ruhm@dioezese-linz.at

Meine Beiträge sind täglich ab 5.00 online abrufbar.

Infos zu Exerzitien: Auf Wikipedia oder Kathpedia. Auch unter „Ignatius von Loyola“

Es ist sinnvoll, von Anfang an mitzutun, weil ein geistlicher Prozess, eine persönliche spirituelle Entwicklung, in Gang kommt.

Aber natürlich könnt ihr jederzeit einsteigen!

Ich freue mich auf die gemeinsame Erfahrung!

Dagmar Ruhm

Heute möchte ich dieLinzer Kirchenzeitungvorstellen.

Ab heute gibt es einen Blog, in dem Redakteurinnen über ihre Erfahrungen, über ihr Leben mit „Corona“ schreiben.

Alle Artikel sind aktuell und qualitativ super, theologisch fundiert – nichts Seichtes, Frömmelndes, Abergläubisches … Kirschiges … (wie man es leider in manchen Kirchenmedien antrifft).

Topqualitt, TopmitarbeiterInnen …

Ihr könnt die Zeitung auch abonnieren, sie erscheint jeden Mittwoch, wöchentlich.

Oder in eurer Pfarrkirche kaufen, jede Pfarre hat einige Exemplare zum Auflegen am Schriftenstand.

Hab mir gerade den Auftakt zum diesjährigen Summit von „Pioneers of Change“ angesehen.

Empfehlung von mir: Seid dabei!

Ihr braucht nur „Pioneers of change“ googeln oder Martin Kirchner.

Es ist ein absolut bemerkenswertes Ereignis – zudem, wo die meisten von uns gerade viel mehr Zeit haben als sonst …

14 Tage Interviews zum positiven Wandel, der möglich ist und an vielen Orten weltweit bereits gelebt wird.

Unglaublich – und vorbildlich.

Schaut euch das an!

Hab ein neues Buch zu lesen angefangen.

Eigentlich zur Ablenkung von der Corona-Krise.

Ist nicht gelungen, weil der Inhalt denkbar erschreckend ist, wenn auch andere Themen betreffend.

Wie das Buch heißt?

Marco Politi: Das Franziskus – Komplott.

Genau: Nehmt es als Buchempfehlung. Öffnet die Augen.

Heute hat sich in Pucking spontan ein Studentenpaar gemeldet, um Besorgungen für Menschen zu übernehmen, die zu einer Risikogruppe gehören oder selber nicht fortgehen können.

Wer hat Zeit und könnte sich das überhaupt vorstellen? Am eigenen Wohnort z. B … Melden Sie sich bei der Gemeinde oder Pfarre!

Predigt                        3. Fastensonntag 2020

Liebe Brüder und Schwestern!

Unglaublich –

Ausgerechnet mit der, mit der niemand in der Stadt viel zu tun haben will, spricht Jesus.

Gerade mit einer, die gescheitert ist mit ihrem Lebensentwurf, und das bereits fünf Mal, 5 Ehen, allesamt nicht gelungen, nicht gehalten, und jetzt in einer schlampigen Beziehung, und das im Orient als Frau – ausgelacht werden ist noch das Mindeste, das ihr passieren kann, darum geht sie auch nicht wie alle anderen Frauen der Stadt, wie die geachteten, am Morgen oder am Abend, wenn es kühl ist, den weiten Weg vor die Stadt heraus zum Brunnen, sondern in der fast unerträglichen Mittagshitze.

Mit der schief Angeschauten, Verachteten beginnt Jesus eine Unterhaltung. Er, der Heilige, der Rabbi, der Sohn Gottes, Gott in Menschengestalt.

Unglaublich, aber wahr.

Unglaublich –

Überhaupt, dass ein jüdischer Mann, noch dazu ein angesehener, ein Rabbiner, Toragelehrter, mit einer Frau auf öffentlichem Platz redet. Das gehörte sich einfach nicht. Und schon gar nicht über Glauben und Theologie. Sich für diese Themen zu interessieren war für eine Frau schon tabu – erst recht eine theologische Diskussion.

Unglaublich für die damaligen Verhältnisse, dass Jesus sie als Gesprächspartnerin ernst nimmt.

Unglaublich, aber wahr.

Unglaublich außerdem: die Juden sprechen doch nicht mit den Samaritern. Handelt es sich doch bei diesen um Glaubensabtrünnige, die sichs leicht machen, nur die fünf Bücher Mose, aber von den hunderten rabbinischen Gesetzen wollen sie nichts wissen – na, dafür lassen wir sie auch nicht in den Tempel in Jerusalem, ins Zentralheiligtum, sollen sie schauen, was sie davon haben, nicht auf uns zu hören, selbständig sein zu wollen. Mit denen wollen wir nichts zu tun haben.

Als ob es ganz egal wäre, wo einer betet, als ob man überall auf der Welt Gott begegnen könnte – wo käme man da hin, …

Unglaublich: Jesus denkt anders. Genau so ist es tatsächlich, sagt er: Und das gilt selbstverständlich in diesen Tagen hier für uns, solange wir nicht in der Kirche zum Gottsdienst zusammenkommen dürfen: Gottes Gegenwart ist nicht an Gebäude, nicht an steinerne Heiligtümer und besondere Orte gebunden. Gottes Anwesenheit ist der lebendige Mensch. Jede und jeder, der/die betet.

Gut zu wissen in der Zeit, wo wir auf die Gemeinschaft in vielen Bereichen verzichten müssen.

Und Jesus sagt noch etwas laut und deutlich zu der Frau im Evangelium: im Geist und in der Wahrheit mit Gott in Kontakt treten, mit aufrichtigem, ernsthaftem Sinn. Dann sieht Gott nicht auf die Person.

Unglaublich, aber wahr ist noch mehr – was das Johannesevangelium da behauptet: Wenn Jesus mit dieser Frau vor den Toren Sychars, die damals als Inbegriff unwerten Menschseins galt, so ungeniert und problemlos spricht, von Du zu Du, sie ganz ernst nimmt, dann lautet die Botschaft:

Jeder und jede, wer er auch sei, kann mit Gott sprechen von Angesicht zu Angesicht, unmittelbar – so verloren und verachtet, so unbedeutend, so gescheitert, geschieden, abgehaust, anrüchig, vorbestraft, in Schuld und Sünde verstrickt, so viel oder so wenig christlich oder katholisch oder religiös oder nicht, oder was immer wir uns da an äußeren missliebigen Umständen ausdenken können -, kann er oder sie gar nicht sein.

Unglaublich, aber wahr: Für Gott sind alle Menschen gleich wichtig und gleich interessant. Wer sich für ihn öffnet, für den ist er da, hat er einen unmittelbaren Zugang.

Und noch etwas:

Die Frau wirkt nach dem Gespräch mit Jesus als Missionarin: Unglaublich: ausgerechnet die. Sie ruft alle zusammen, dass sie selbst erleben, wie dieser da ist, mit dem sie so gute Erfahrungen gemacht hat.

Jesus hat sie ja angenommen vorbehaltlos, wie sie war.

Die Begegnung mit Jesus heilt, richtet auf, beschwingt, ermutigt – und bewirkt Gutes für viele.

Wir sind alle eingeladen, uns an dieser Frau ein Beispiel zu nehmen.

Dies alles können wir nämlich ebenfalls erleben. Alles das gilt – unglaublich, aber wahr, für jede und jeden von uns.