Predigt Darstellung
des Herrn 1. + 2. 2.
2020
Liebe
Brüder und Schwestern!
So
schöne Begegnungen, die wir gerade im Evangelium gehört haben.
Zwei
alte Menschen, die im kleinen Kind Jesus den lang ersehnten Retter erkennen …
Der
Prophet Simeon und die Prophetin Hanna.
Was
ist das eigentlich, ein „Prophet“?
Niemand,
der die Zukunft voraussagen könnte, wie wir es z. B. von Nostradamus annehmen
oder ähnliches. Weltuntergangspropheten, Wetterpropheten usw. oder die
Seherkinder in Fatima und Medugorje.
Im
biblischen Sinn ist Prophet ein Mensch, Mann oder Frau, die mit Gott verbunden
lebt und quasi mit Gottes Augen sehen kann, mitbekommt, was Gott möchte, stört,
worüber sich freut …
Die
alttestamentlichen Propheten haben falsche Verhaltensweisen kritisiert und Wege
zu richtigem Tun und Leben aufgezeigt und eingefordert.
Kritikpunkte
gab es hauptsächlich zwei: Wenn Menschen das Vertrauen in Gott verloren haben
und sich deswegen anderen religionsfremden Heilsversprechen zugewandt haben – Götter
der geografischen Umgebung, Geldverdienen -Kommerz – oder militärische Stärke.
Das
2. Thema, das sich durchzieht, ist Sozialkritik: dass die reiche Oberschicht
die Armen im Land immer ungerechter zu behandeln begann. Unterdrückung,
Rechtsverdrehung …
Schauen
wir uns uns aber noch an, was die beiden Propheten im
Evangelium überhaupt für eine Botschaft haben.
Sie
sehen das kleine Baby das von den Eltern in den Tempel getragen wird und
erkennen in ihm den lang ersehnten Messias, den Retter der Welt; sie sehen die
Möglichkeiten, die in ihm angelegt sind, die zur Entfaltung kommen, nach und
nach in Erscheinung treten werden.
Sie
sprechen auch darüber, dass im zukünftigen Leben dieses Kleinen nicht alles
vollkommen reibungslos ablaufen wird, alles nur mit Triumph und Erfolg – Eltern
und er selber werden auch – no na net, sagen wir heute – mit Leid und Schmerz
konfrontiert werden. Auch – und gerade weil er der Hoffnungsträger ist.
Es
sind sehr alte Menschen, die hier im Evangelium sprechen. Nicht mehr die
Großeltern-, sondern eher die Urgroßelterngeneration. Viel Erfahrung haben sie,
viele Jahrzehnte Lebenserfahrung. Und jetzt haben sie Zeit. Zum Erinnern, zum
Nachdenken, zum Beten, Zum Lesen, für persönliche Begegnungen.
Auch
in unserer Zeit sind die ganz Alten oft die „Weisen“. Die, die Zeit haben –
denn Eltern und meistens auch Großeltern stehen voll im Berufsleben.
In
unserer Zeit braucht es Menschen, die tiefer sehen und weiter – wie damals
auch.
Menschen,
die voll Liebe auf die ganz Jungen und die ganz Kleinen schauen – die
prophetisch erkennen, was in so einem kleinen Kind steckt. Die Möglichkeiten
sehen und sie ins Gespräch bringen.
Wir kennen das auch
aus dem normalen Leben.
Ein Kind kann eine
besondere Begabung haben – und Eltern, Mutter, Vater oder ein Lehrer sprechen
eines Tages ein Machtwort, so sagen wir, du setz dich in deiner Freizeit hin
und male. Oder über Klavier. Oder schreiben ihn in einen Sportverein ein. Vor
wenigen Jahrzehnten war es auf dem Land noch so: Ich habe Klassenkameradinnen
gehabt, die waren im Internat in St. Pölten bei den engl. Frl., da hat in der
4. Volksschule die Klassenlehrerin in Annaberg oder Mariazell oder Lilienfeld,
Pöchlarn … ein Machtwort gesprochen: die ist gscheit, die müssts was lernen
lassen…
Jeder Mensch hat eine
individuelle persönliche Berufung. Meist kommen wir drauf, wenn uns andere das
auf den Kopf hin zusagen – wenn es uns im Herzen trifft. Wir spüren das. Wir
sprechen davon, dass ein kleiner Mensch der geborene Arzt ist, die
Gerechtigkeit in Person, es gibt unter Kindern Friedensstifter, Musiker, Dichter,
Humoristen, Schönheitsberaterinnen, usw. …
Jeder Mensch hat als
Lebensaufgabe, einen Aspekt Gottes zu verwirklichen – Kreativität oder
Barmherzigkeit oder Ordnung oder Wahrheit oder Fülle oder Zuflucht oder
Reinheit …
Jeder neue Mensch,
jedes Kind bringt etwas Neues in diese Welt, etwas, was noch nie in dieser
speziellen Ausprägung vorher da war.
Im
Judentum wartet man noch immer auf den Meschiach.
Wir
glauben, dass er in Jesus gekommen ist. Aber wir können uns die Grundhaltung an
sich zum Vorbild nehmen: In jedem Neugeborenen steckt die Möglichkeit, das
Potential, die Welt, die Menschheit komplett rundumzuerneuern, etwas absolut
Neues zu bringen, einen Umschwung, eine Kehrtwende zum Guten einzuleiten …
In
jedem Menschen. Wirklich in jedem und jeder, weil wir alle Auserwählte Gottes,
Gesegnete sind.
Berufen,
Licht und Segen zu verbreiten. Wo wir leben. An jedem Ort, wohin wir kommen.
Überall.