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Predigt zu Christi Himmelfahrt

Liebe Brüder und Schwestern!

Winnetou, Old Shatterhand, Robin Hood, Aeneas, Odysseus, König Artus, Johanna von Orleans, Gandhi, Friedrich Bonhoeffer, Sophie Scholl, Harry Potter, Mutter Teresa … Bischof Erwin Kräutler …

Echte Personen und erfundene Gestalten –

Was haben sie gemeinsam?

Sie sind unter Umständen das, was wir als Helden oder Heldinnen bezeichnen können.

Was sind Helden?

Sie setzen sich unbedingt für das Gute ein. Für Schwächere, für Gerechtigkeit.

Oft gegen eine Übermacht, gegen den Widerstand der Mächtigen, nehmen Verfolgung und Unbequemlichkeit, Mühe … unbeirrt in Kauf, haben einen guten Charakter, Gerechtigkeitssinn, sind hilfsbereit, sozial eingestellt, geben das Äußerste für ihre Ideale, und die sind sehr hoch.

Vorbilder, Originale, nicht erreichbar, man fühlt sich sicher, wenn sie da sind. Man empfindet es als tragisch, wenn se sterben, wenn sie nicht mehr sind.

So in diese Richtung etwa haben sich die Menschen zur Zeit Jesu den Messias erhofft.

Jesus ist durchaus in vielem so gewesen als Mensch auf der Erde.

Aber eben noch viel mehr, er hat den Rahmen gesprengt.

Bei der Himmelfahrt – oder wie wir das, was in Lesung und Evangelium geschildert wird, nennen wollen, geht er noch ein letztes Mal über menschliche Maßstäbe und Erwartungen hinaus.

Himmelfahrt – das ist ein Abschied. Ein menschenfreundlicher Abschied. Vorsichtig, behutsam, nach und nach.

Jesu, der Auferstandene, zeigt sich immer und immer wieder den Jüngerinnen und Jüngern.

40 Tage ist keine Zeitangabe, sondern 40 ist die biblische Zahl der Vollkommenheit. Der Abschied, die Phase der Umstellung auf das Neue, dauert genau so lang, wie es gut ist. Eine ideale Zeitspanne. Bis alle Jünger so weit sind und es packen. Trauer und Überraschung und Schock und alte Erwartungen verarbeitet haben.

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren: Jesus hätte es gern schneller, er hätte uns Menschen gern selbständiger, mutiger, … und er verabschiedet sich zum frühest möglichen Zeitpunkt.

Es entspricht seinem Wesen und dem Wesen Gottes, uns selbständig agieren zu lassen. Er braucht uns nicht zu kontrollieren wie ein misstrauischer Chef. Er vertraut uns wie seinen besten Freunden.

Gott sieht uns allezeit, aber er schaut uns voll Liebe an wie eine Mutter, die die Fortschritte ihres Kindes beobachtet …

Klopft uns nicht gleich auf die Finger, wenn wir etwas falsch machen, lässt uns die Folgen ausbaden, aber unterstützt uns dabei.

Und nie entzieht er uns das Vertrauen …

Vorgestern habe ich den Film “Radical” gesehen, der die sensationellen Unterrichtsmethoden eines mexikanischen Grundschullehrers zeigt, dessen Schulklasse in Folge zu den besten des Landes werden.

Jesus handelt auch wie optimale Pädagogen: Er zeigt den Jüngern alles, er lehrt sie alles, er sagt: Was ich tue könnt ihr ebenfalls, und sogar noch Größeres …

Sie waren auch immer wieder ohne ihn, selbständig unterwegs, haben verkündet, geheilt, Wunder gewirkt.

Jesus hat die Seinen zur größtmöglichen Selbständigkeit erzogen.

Die allzu Zaghaften tröstet er mit der Zusage: ich bin eh bei euch…

Wir brauchen seine Freundschaft, wir brauchen das: zu fragen: was hätte Jesus gesagt, was würde er in einer bestimmten Situation tun, wie würde er entscheiden …

Da könnte sich die Kirche ein gutes Stück abschneiden: Entscheidungen, die von Angst oder Kontrolle, von Vertrauensverlust oder -verweigerung bestimmt werden, kommen ganz sicher nicht vom Heiligen Geist.

Wartet, bis der Heilige Geist euch erfüllt – wartet mit Entscheidungen, bis ihr das ganz deutlich spürt, was dran ist, was zu tun ist …

Aber dann nichts wie los.

Predigt                 21. 4. 2024, Jesus, der gute Hirte

Liebe Brüder und Schwestern!

Dieses Evangelium vom Guten Hirten Jesus wird jedes Jahr wieder  – ich möchte sagen: missbraucht -, in dem Sinne, dass wir um mehr Priesterberufungen beten sollen in der röm. Kath. Kirche.

Erst gestern habe ich wieder eine Predigt gehört; da wird gejammert, dass der Priester nicht mehr so angesehen ist wie früher – dass die Menschen gar keine Priester mehr beanspruchen, nachfragen …

Erstens ist diese Sicht extrem beschränkt, zweitens hat das Gründe. Ich mache auch um so manche Priester und andere Kirchenamtliche, gerade um solche, die in diesem Stil predigen,  – einen weiten Bogen.

Wieso?

Die heutigen Kirchenschafe merken es sehr genau und sehr schnell, wenn ihnen verdorbenes Gras geboten wird, wenn sie es in der Verkündigung nicht mit dem lebendigen Jesus und seiner frohen Botschaft zu tun bekommen, sondern mit der Forderung, irgendetwas zu tun und zu leisten, Erfüllung von Geboten und Normen, die größtenteils der Systemerhaltung dienen…

Die Menschen spüren, ob es um SIE geht – oder um die Macht- oder sonstigen Interessen …

Wir merken es genauso in der Politik und in großen oder kleineren Organisationen, bei Ärzten, Wirtschaftstreibenden, Beratern aller Schattierungen und vielen anderen, wenn es in erster Linie um das Ego und die Vorteile des Anbieters geht, um den Systemerhalt, um irgendwas – aber nicht so sehr um die Interessen der Klienten, Heilungswilligen, Anvertrauten, Kunden …

Jetzt aber noch etwas ganz anderes.

Evangelium ist immer Frohe Botschaft. Da erfahren wir etwas darüber, wie Gott ist, an uns handelt. Es geht um uns. Um UNS.

Jesus bezeichnet sich selbst als den guten Hirten, weil es Gott immer um UNS MENSCHEN geht.

Jesus will, dass es uns gut geht im umfassenden Sinn – Lebenssinn, Aufgabe, Bewältigung von Problemen, Fähigkeiten entfalten, Liebe, Gemeinschaft, Verstehen…

Gott sorgt sich um alles in unserem Leben, wenn wir ihn nur lassen:

Das Beispiel von Pfr. Schobesberger ist legendär: und viele haben die Probe gemacht, es funktioniert: bitten Sie Gott, wenn Sie dringend wo in eine Stadt, Braunau Innenstadt oder Linz … fahren müssen, um einen Parkplatz in der Nähe der Ortes, wo Sie hinmüssen, es wird einer frei sein. Mir ist es sogar schon passiert, mir sind in Linz dann im Verkehrstrubel Bedenken gekommen – und ich habe den ersten freien Parkplatz in vertretbarer Nähe benützt. Genau vor dem Haus, wo ich etwas zu erledigen hatte, war einer frei.

Gott hat Humor. Und liebt uns über alles. In dieser Woche findet ihr jeden Tag ein weiteres Beispiel dafür hier in der Gruppe, wie sehr wir verwöhnt werden von den himmlischen Mächten. Postet auch gern selber eure Erfahrungen! Ich freue mich.

Ja – nein, ich war am heutigen Karfreitag in keiner Liturgie, in welcher auch immer.

Ich war im Garten und habe gepflanzt: einen Baum, einen Strauch, Pfingstrosen, Roten Sonnenhut und einige Gemüsepflanzen, die ich in Töpfen auf dem Fensterbrett vorgezogen hatte.

Liturgie des Lebens.

Fast 30 Jahre lang habe ich jedes Jahr sämtliche Gottesdienste in der Kar- und Osterwoche selbst vorbereitet, gestaltet, als Gottesdienstleiterin gefeiert oder zumindest mitgefeiert – auch schon die 7-8 Jahre davor.

Gern habe ich das gemacht.

Heute ist es genug.

Ich schließe nicht aus, wieder, nächstes Jahr vielleicht, mitzutun, mitzufeiern.

Heuer ist anderes wichtig.

Ich frage mich: Was bedeutet es mir, was Jesus getan hat? Welche Auswirkungen spüre ich auf mein Leben? Welche möchte ich erleben?

Das allein ist für diesmal.

Mehr zur #ausgefastet-Challenge, wie es dazu gekommen ist und worum es dabei geht: www.wildmohnfrau.at/ausgefastet

Heute möchte ich auf die Webseite von Renate Fuchs-Haberl, der “Wildmohnfrau”, aufmerksam machen.

Was an der kirchlichen Tradition seltsam, lebensfeindlich, unjesuanisch, unbiblisch oder in irgendeiner Weise alles andere als empfehlenswert ist, bringt sie auf den Punkt.

Schaut euch das an!

Predigt                             5. SoJk-B

Liebe Brüder und Schwestern!

24 Stunden im Leben von Jesus… Wir wissen, dass Jesus viele Menschen geheilt hat, von feststellbarer Krankheit, aber auch von vielem sonst, worunter jemand leiden kann – Hass, Streit, Unversöhnlichkeit, Engstirnigkeit, Angst, Einsamkeit… falsche Vorstellungen

Heute dürfen wir sehen, wie er das gemacht hat.

Die Schwiegermuter des Petrus lag also mit Fieber im Bett.

Wenn wir uns einmal in ihre Lage hineinversetzen: Kein Wunder.

Ich denke, sie war fix und fertig. Vor lauter Sorge.

Gerade eben haben ihr Schwiegersohn und sein Bruder, die Ernährer der Familie, alles stehen und liegen gelassen und sind Jesus nachgefolgt. Sie ziehen mit ihrem Rabbi durch die Gegend.

„Und wo bleiben wir?“, wird sie sich gefragt haben.

„Was ihm, der sich neuerdings Petrus nennt, einfalle, seine Frau, seine Kinder, seine Familie, mir nichts, dir nichts im Stich zu lassen? Hat ihm der Mann aus Nazaret etwa einen geregelten Arbeitsplatz verschafft? Nein? Und wovon sollen wir leben? Uns von mildtätigen Fremden erhalten lassen? Die ganze Arbeit anderen überlassen, um selber als unverschämter Parasit ohne jede Verantwortung dem nachgehen zu können, was man als seine neue Freiheit zu bezeichnen die Frechheit besitzt…“

Und die Schwiegermuter des Simon hätte recht, wenn sie so denken und reden würde.

Und Grund genug, am Fieber zu erkranken, als sie hörte, Jesus komme in ihr Haus, denn er stellt ja alles in Frage, wofür man im bürgerlichen Sinn leben zu müssen glaubt.

Wahrscheinlich hat Petrus selber Jesus eingeladen extra aus dem Grund: Wenn seine Schwiegermutter ihn persönlich kennenlernt, dann wird sie verstehen, anders zu denken beginnen…

Aber diese Vorstellung treibt sie auf die Palme und zur Weißglut… im wahrsten Sinn des Wortes.

Und jetzt?

Petrus und die anderen sprechen mit Jesus über sie. Über die Frau, die sich durch Jesus in ihren Lebensglück und ihrer Existenz bedroht fühlt.

Und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf.

Die Erfahrung von Nähe, Liebe und Sorge.

Natürlich richtet Jesu die Kranke nicht in erster Linie körperlich auf – sondern gibt ihr Mut, Kraft, Zuversicht, … Sie darf spüren und hautnah erfahren: Ich selber bin diesem Jesus wichtig, er meint mich, mich als Person, er nimmt mich ganz ernst auch und gerade in meiner Verbitterung und Zukunftsangst.

Er versteht mich zutiefst. Sie begegnet dem Wesen Jesu – die besondere Nähe ihres Schwiegersohns zu diesem Rabbi nimmt ihr nicht etwas weg, sondern schenkt ihr neue, ungeahnte Möglichkeiten, bringt der ganzen Familie Heil und Segen, Gott bevorzugt im Grunde niemand vor dem anderen, es sind bloß die Berufungen, die Aufgaben verschieden…

Überströmende Liebe Gottes, die nichts und niemanden ausschließt oder kurz hält, ja die ganze Umgebung ist mit-gesegnet, die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt…

Gottes Güte kennt keine Grenzen.

Heute werden wir auch gesegnet. In besonderer Weise, wer will, kann nach dem Gottesdienst den Blasiussegen erhalten.

Was hat so ein Segen für einen Sinn?

Warum ist es gut, wenn Christen überhaupt segnen und sich segnen lassen?

Am heutigen Evangelium ist mir besonders aufgefallen: Jesus spricht nicht nur. Er tut etwas. Er handelt. Er gebraucht seine Hände. Er geht zur Kranken. Er beugt sich liebevoll zu ihr. Er nimmt sie an der Hand. Er richtet sie auf, er hilft ihr, sich hinzusetzen.

Die Frohe Botschaft, die wir weitersagen dürfen, braucht mehr als Worte. Klar sind Worte wichtig, segnen heißt im lateinischen benedicere, Gutes sagen – zu jemandem. Über jemanden. Und natürlich auch denken. Das Beste von jemand annehmen.

Segnen stammt von „signare“, ist eine Eindeutschung, das bedeutet „bezeichnen“, gemeint ist natürlich mit dem Kreuzzeichen.

Die Worte benötigen die Verleiblichung, Menschwerdung – auch bei uns. Bei einer Segenshandlung geschieht Berührung. Man kann etwas sehen und spüren.

Ein Kreuz auf die Stirn machen.

Die Hand auf die Schulter legen. Auf den Arm.

Über den Kopf streichen.

In den Arm nehmen.

Jemandem einfach nur freundlich, ermutigend zunicken.

Wir brauchen es, den Segen richtig sehen und spüren zu können.

Ja, Gott ist mit seiner Liebe immer für und da.

Aber er hat uns ganz konkret aus Fleisch und Blut erschaffen.

Wir sollen und dürfen und können – den Segen selber erfahren und dann ein Segen sein. Für unsere Mitmenschen und unsere Umgebung. Gottes Liebe weitertragen.

Gott hat uns auch nicht als isolierte Einzelwesen erschaffen. Wir sind aufeinander angewiesen. Wir sind auch aufgerufen, einander auf die Anwesenheit Gottes aufmerksam zu machen, uns gegenseitig Mut und Trost zu geben. Geborgenheit. Freundschaft, Sorge füreinander.

Wenn Christen segnen, dann schöpfen sie immer aus dem gigantischen Reservoir der Liebe und des Segens Gottes. Oft wird ja ausdrücklich um den Segen Gottes oder Jesu gebeten.

Besonders sollen Menschen andere segnen, für die sie Verantwortung tragen: Eltern in der Familie; LehrerInnen ihre SchülerInnen; Ehepartner oder Geschwister und Freunde einander; Anführer eines Teams bei einem schwierigen Einsatz (Kapitäne, Bergrettung, …); Seelsorger/innen die ihnen Anvertrauten aus der Gemeinde…besonders auch beim Gottesdienst; Gruppenverantwortliche die Gruppenmitglieder…

Es gibt, wo Menschen miteinander zu tun haben, immer auch Missverständnisse, Streit, Neid, Hass,…Engstirnigkeit. Einander segnen beginnt mit dem guten Denken übereinander. Mit dem Glauben daran, dass der/die andere gesegnet ist und ich genauso.

Tun wir es oft. Und wir und andere werden mit der Zeit merken, dass wir tatsächlich Gesegnete sind.

Predigt                                                          27. 8. 2023

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Heute ist es also soweit: Ich nehme Abschied von euch. Die Pfarre Pucking ist mir ans Herz gewachsen, vielleicht, weil so viel Besonderes los war in den letzten 4 Jahren. Ich möchte Danke sagen für das Entgegenkommen und die gute Zusammenarbeit.

In den letzten Monaten bin ich immer wieder gefragt worden: Wie geht es denn weiter, wenn Sie aufhören, wer tritt die Nachfolge an?

Es geht gut weiter, Sie haben es im Pfarrblatt sicher gelesen. Für das

Seelsorgeteam aus ehrenamtlichen Christen ist gesorgt, und Petar Kresan wird als hauptamtlicher Seelsorger, nicht Pfarrleiter, aber Begleiter des Seelsorgeteams mit einigen Aufgaben, seinen Dienst antreten.

Dennoch – ich habe mir heute die Lesung ausgesucht, die erst nächsten Sonntag dran wäre. Weil ich Ihnen, euch eine Ermutigung mitgeben, hinterlassen will.

Paulus schreibt: Wir sind Erben.

Was ist ein Erbe, eine Erbin?

Vielleicht haben wir Agatha Christie – Krimis gesehen oder Romane gelesen von reichen Erben, die erben eine Firma oder ein Schloss oder ein Vermögen … oder ein Hotel oder Gasthaus.

Da kann man mitverfolgen, wie sie langsam in ihr Erbe hineinwachsen, wie sie es schaffen, dass das Gasthaus wieder gut läuft oder die Firma oder dass das Schloss erhalten werden kann … Jedenfalls ist das Erben auch mit Schwierigkeiten, mit viel Arbeit und Einsatz verbunden.

Ich kann mich aber nicht erinnern, dass in einem dieser Filme oder Bücher der Erbe, die Erbin zwar das Erbe angenommen hat, dann aber so getan hätte als sei nichts gewesen und einfach weitergelebt hätte wie bisher.

Das Schloss ignoriert, das Vermögen nicht verwendet, die Firma nicht einmal angeschaut …

Wäre auch sehr seltsam – oder?

Dabei ist dieses Nicht-in-Anspruch-Nehmen eines tollen Erbes weiter verbreitet als man meinen sollte.

Wir sind alle Erbinnen und Erben. Nicht bloß Petrus.

Wovon?

Und was gibt es da zu erben? Alles. Alles, was Gott im besten Sinn für die Menschen bereithält. Gottes Freundschaft. Heilung. Vergebung, Gemeinschaft. Ewiges Leben. Heimat. Das Reich Gottes, alle Gaben und Charismen des Heiligen Geistes, Erlösung, Leben in Fülle … Wir sollen und dürfen so werden wie Jesus.

Im Bereich der Religion verhalten sich viele wie so ein Erbe, dem sein geerbtes Vermögen wurscht ist. Danke, brauch man net.

Dann gibt es andere, die verhalten sich, als ob sie Touristen in diesem Schloss wären – sie bewundern die Architektur und Kunst und zahlen für einen Event oder den Aufenthalt – aber ob es weiter besteht oder nicht, egal, dann gehe ich eben im nächsten Urlaub ein anderes besichtigen … (eine andere Pfarre, eine andere Konfession, eine andere Religion …) Aha, die Musik heute hat nicht viel geheißen; na, geh ma halt nächstes Mal woanders hin…

Sie haben nicht die Spur einer Ahnung, dass sie die rechtmäßigen ErbInnen, d. h., Eigentümer/innen sind! Und es in ihrer Verantwortung läge, wie die Zukunft sich gestaltet. Was für eine Musik spielt.

Jesus hat davon gesprochen, dass seine Nachfolge nicht nur sensationell und unglaublich bereichernd und heilsam ist, sondern auch ein Kreuz, das es aufzunehmen gilt.

Klar: Wenn wir zu Jesus gehören, sind wir mit ihm Erben und Eigentümer/innen, um mit einem Bild weiterzusprechen: wir machen nicht Urlaub am Bauernhof, sondern der Hof ist unser Besitz und unser Zuhause und unsere Existenz hängt davon ab. Wenn sich um eine kranke Kuh niemand kümmert und sie deswegen eingeht, dann gibt es diese Kuh in Zukunft nicht mehr. Der Reichtum der ganzen Familie, Gemeinschaft nimmt ab. Und das schaut bei 5 Kühen noch einmal anders aus als bei 50 oder 500.

Christsein ist im konkreten Einzelfall auch immer wieder mühsame Kleinarbeit.

Aber: Und das ist genauso wahr: Jesus ist erstens immer bei uns und kümmert sich mit, und zweitens ist er auferstanden. Alles ist bereits in ihm erlöst und geborgen. Auch wenn es für uns ausschaut, also ob etwas zugrundegeht.

Dies gilt in erster Linie für die Kirche, für die Christenheit – und natürlich gilt das für unsere Pfarre Pucking.

Jesus ist hier bei uns anwesend. Er leidet und freut sich und lebt und fühlt und denkt und überlegt und plant mit uns. Und er weiß, wie die optimale Zukunft aussieht.

Wir wünschen uns und beten, dass wir draufkommen, wie er es haben will. Und dass wir das dann auch tun.

In der Pfarre neu und überhaupt jederzeit ist Gelegenheit, Aus der Zuschauerrolle herauszusteigen – ja, auch ein betroffener Zuschauer, der vielleicht sogar weint, bleibt ein Zuschauer -, und zum Mitwirkenden, zum verantwortlichen Eigentümer zu werden.

Ihr Erbe wartet auf Sie. Treten Sie es an.

Liebe Brüder und Schwestern!

Märchen, Sagen, Legenden – dort kommt so etwas vor… Wir alle haben dieses Evangelium im Lauf der Jahre als gute Christen immer wieder gehört. Wir wissen schon: Es geht darum, wer Jesus wirklich ist. Es ist wichtig, dass die Jünger in der bevorstehenden Zeit der Verhaftung und Ermordung Jesu nicht den Glauben und die Hoffnung verlieren, weil sie wissen dürften und sich an diese Erfahrung erinnern: Ihr Rabbi, ihr Lehrer, ihr Meister ist kein gewöhnlicher Mensch, sondern stammt von Gott. Das ist mein geliebter Sohn, sagt die Stimme – oder begreifen sie in blitzartiger Erkenntnis.

Die Autoren, Redakteure des Matthäusevangeliums verfolgen aber mit dem Weitererzählen dieser Verklärung Jesu, wie es heißt, noch einen besonderen Zweck:

Jesus veränderte sein Aussehen, steht da, im griechischen Text Metamorphose, und dies ist in der griechisch-römischen Antike ein bekanntes Wort. Die Menschen aus dem umliegenden Kulturraum verstanden: da geht es um den göttlichen Bereich. Das Erscheinen in einer anderen beliebigen Gestalt war in ihrer Mythologie den Göttern vorbehalten.

Wenn in den Erzählungen über Jesus von seiner Metamorphose geredet wird, dann weckt das Ehrfurcht und Interesse – voll positiv, die besten Chancen, um mit den Heiden ins Gespräch zu kommen.

Und wo ist die frohe Botschaft für uns?

Mose und Elia treten auf – längst verstorben. Offenbar sind sie als erkennbare Persönlichkeiten einwandfrei erkennbar. Und:
Beide wissen, um wen es sich bei Jesus handelt, mit dem sie da sprechen. Mit dem sie sich austauschen.

Es ist die Botschaft vom Leben nach dem irdischen Tod, von der Dimension Gottes, die als erfahrbare Realität auf uns wartet – oder immer schon da ist neben uns und um uns…

Und da ist noch der Berg.

In allen religiösen Vorstellungen der Menschheitsgeschichte sind Berggipfel Sitz der Gottheit. Wieso?

Ein Ort, der sich abhebt von den Niederungen des Alltags. Man braucht Zeit, um hinaufzugelangen, Ablenkung schwindet, das Gewöhnliche interessiert zunehmend weniger, es beginnt ein Spüren dessen, worauf es ankommt …

Und: Wer wir eigentlich sind.

Staubkörner im Weltall, oder unendlich kostbar und von Gott geliebt und gewollt …

Es ist jetzt Urlaubszeit.

Vielleicht haben Sie solche Momente, solche Zeiten selber erlebt.

Ehrfurcht vor der Schöpfung. Nähe zu Gott – in der freien Natur, weitab vom Alltag.

Das Religiöse, Numinose, Außergewöhnliche ist unverzichtbar für unser Glück, Leben, Wohlbefinden, für unsere Gesundheit.

Wenn wir uns immer wieder Zeiten der Stille, des Alleinseins gönnen, unbeeinflusst vom Gedankenstrom und Lärm dessen, was grade üblich ist in der breiten Masse – dann werden wir zunehmend normal – weil wir uns auf das ausrichten und hinordnen, was wirklich zählt. Gottes Meinung. Leben. Freude, Mitmenschlichkeit, — wir können unser Gewissen wieder hören oder besser hören.

Wir sehen über den Tellerrand. Wir sehen mehr als bisher und verstehen ganz neu.

Ich wünsche Ihnen und mir, dass wir uns solche mystischen Erlebnisse, Ausflüge ins Wunderbare, gönnen.

Lesen. Filme. Eine Auszeit, vielleicht in einem Kloster, pilgern, ein Urlaub oder Ausflug weg von zu Hause. Eine Bergwanderung.

Wir sind die Freunde und Geschwister von Jesus – es tut uns gut und er freut sich, wenn wir uns oft in seiner Gesellschaft bewegen …

Liebe Brüder und Schwestern!

Schon ein bisschen verrückt, oder? – wie kann man nur sein ganzes Vermögen auf eine Karte setzen …

Gut, der erste mit dem Schatz im Acker gewinnt offensichtlich mehr, als er einsetzt.

Der mit der Perle – na ja, nicht nützlich, eine Liebhaberei, sein Hobby war Perlensammeln.

Kann es nicht sein, liebe Brüder und Schwestern, dass beide Gleichnisse von Jesus miteinander überliefert wurden, weil sie untrennbar zusammengehören?

Die Frage an uns lautet: was ist das für ein Schatz, um den sich alles dreht – oder die Schätze.

Jesus ist der Schatz, der weit mehr Aufmerksamkeit verdienen würde, als er von uns oft bekommt …

Aber zurück zu den Gleichnissen:

Dieser Glaube, die Bindung an Jesus, an Gott, scheint in unserer Welt, in Familie, Bekanntenkreis, Beruf oft na ja – zumindest ein bisschen – verrückt. Nicht normal, würden manche in unserem Land äußern, obwohl sie sich für Christen halten …

Es ist vielleicht gerade noch „in“, sich mit dem Glauben zu beschäftigen. Aber eher wie mit einer Liebhaberei halt, so denken die meisten. Schon irgendwie auch kostbar, aber es gäbe eigentlich Wichtigeres im Leben …

Es ist toll, wenn wir trotz dieser Einstellung unserer Mitmenschen dabei bleiben, uns für unseren Schatz zu interessieren. Ihn zu suchen mit aller Kraft, uns mit Leib und Seele einsetzen. Idealismus.

Mittelmäßige Gemüter fühlen da Argwohn – oder Angst. Denn Idealisten muss man ernst nehmen. Sie verfügen über eine unwahrscheinliche Macht.

Wir sind in der Nähe von Linz. Johannes Kepler. Hat er recht gehabt – oder die, die die Erde traditionellerweise für eine Scheibe hielten?

Abraham Lincoln – hat er recht gehabt oder die, die die Sklaverei für normal gehalten haben?

Heute im Iran oder in Afghanistan: Haben die recht, die revolutionär denken – oder die, die meinen, Frauen wären Menschen 2. Klasse?

Im Mittelalter sind die von den Normalen ausgelacht worden, die sich, die Hände vor dem Essen und die Nahrungsmittel regelmäßig gewaschen haben …

Noch so eine Bemerkung am Rande: Haben die Zeitgenossen damals Jesus für normal gehalten?

Der Mann im Gleichnis hat ja um sein ganzes Vermögen nur den Acker gekauft. Dass dieser Acker das Vielfache wert ist, das wusste nur er allein. Der Verkäufer, der Vorbesitzer hatte keine Ahnung, was in seinem Grund und Boden verborgen liegt.

Ich glaube, in unserem Leben, im Leben von jeder und jedem, wie war jetzt da sind, gibt es auch diese Momente der Entscheidung: wir wissen, spüren genau: es käme alles darauf an, Gott führt uns wo hin, zeigt uns einen neuen Acker, eine Perle, dies zu machen, dem Herzen und dem Vertrauen in Jesu Botschaft zu folgen – und alles andere sollte sich danach richten, ist untergeordnet dem Ziel, das uns gezeigt ist.

Mir ist es z. B. so gegangen, als ich 27 Jahre alt war: Ich habe genau gespürt, es kommt jetzt alles darauf an, Theologie zu studieren. Seitdem war ich keine Sekunde lang unglücklich, diesen Weg verfolgt zu haben.

Klar, ich habe mich über einiges in meinem Leben geärgert, über vieles in der Kirche, aber der Schatz ist ja nicht die kirchliche Struktur und Verfasstheit, sondern Jesus selber, ja der lebendige Gott – auch wenn er mitunter vor lauter Drumherum nicht zu sehen ist.

Es zahlt sich jedenfalls bei weitem aus, statt normal – besonders zu sein, einzigartig und wunderbar.

Kommentar zur Predigt, gehört am 11. 6. 2023 in Lunz am See

Zum Evangelium: Jesus sagt: Ich bin gekommen, die Sünder zu berufen, nicht die Gerechten“

Im Lauf der Predigt äußerte em. Pfr. Burmettler Folgendes: „Die Kirche mit ihren Sakramenten ist wie der Kanal, der die Gnade Gottes zu den Menschen lenkt.“

Ja eh.

Sofort kommt mir der Gedanke:

Ja, genau das macht „Die Kirche“ (die Amtskirche oder Rom oder der Vatikan oder die konservative Richtung in der Kirche): die freie Liebe und Gnade Gottes, die überall (allüberall singen wir im alten Kirchenlied) vorhanden ist und zu den Menschen strömt und uns anspricht – zu kanalisieren, einzufangen, und in kleinen Dosen nach eigenem Gutdünken an Menschen weiterzugeben: gegen Wohlverhalten, gegen Kirchenbeitrag, gegen Mitgliedschaft …

Jesusmeinte wohl: die allgegenwärtige Liebe und Gnade Gottes zu bemerken, lehren, sie zu sehen und sich ihr zu öffnen … DAS ist die Aufgabe seiner JüngerInnen. Oder Der „Kirche“ – die ja wir alle sind…

Was meinen Sie?

Predigt                                                                  Fronleichnam 2023

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Vor wenigen Tagen hat wieder einmal jemand in der Pfarre angefragt, per SMS, keine Ahnung ob es Mann oder Frau war, ob beim Vorabendgottesdienst ein WG oder eine Hl. Messe gefeiert wird. Ich hab zurückgeschrieben: welche Art Gottesdienst es auch ist: Jesus Christus ist jedenfalls anwesend.

Wir feiern heute Fronleichnam, der Leib des Herrn wird durch den Ort getragen. Früher haben wir öfter gelernt: Um den Ort, die Häuser, die Betriebe, die Felder usw. zu segnen. Den Segen hinauszutragen.

Ich bin mir inzwischen sicher: Die Fronleichnamsprozession ist eigentlich ein Hinweisen darauf, eine Demonstration, dass Jesus überall anwesend ist. Segen bedeutet dann: Wenn Menschen bewusst wird: Gott ist da.

Gott ist jedenfalls immer da. Weil er sich unwahrscheinlich für uns Menschen, für seine Schöpfung interessiert.

Und wir haben in den letzten Tagen die Nachrichten gehört.

Da wird ein Riesenstaudamm gesprengt, allein um Schaden anzurichten. Ganze Städte und Landstriche werden überflutet, Zigtausend verlieren ihr Zuhause und viele wohl auch ihr Leben. Überhaupt: Krieg. Die Tatsache, dass Menschen getötet werden, blühendes Land und Leben vernichtet –

  • Oder in Afghanistan, wo Frauen und Mädchen sämtlicher Rechte beraubt werden. Bildung, Selbstbestimmung, freie Wahl von Beruf und Lebensstand z. B. und wenn sie es sich nicht gefallen lassen, gefoltert und ermordet werden …

Ein glaubender Mensch fragt sich: Wo ist da Gott? Anwesend? Eher nicht …

Und ich meine: doch. Ist er. Und Gott leidet mit.

Wenn Segen bedeutet: Menschen werden sich bewusst, dass Gott da ist und auf sie schaut und für sie ist und alles tun würde … Wo solche Zustände die Herrschaft an sich gerissen haben, dann weil die Anwesenheit Gottes in keiner Weise bemerkt wird.

Leben, als ob Gott nicht existierte.

Dann muss ich selber alles tun, um über die Runden zu kommen:

Egal wie. Tricksen, Lug und Trug, Egoismus, Habgier, Übersteigerte Sorge um die Gesundheit, Abschottung gegen andere, My Home is my castle, Kleinkariertheit, es geht nur mehr um mich und den engsten Kreis, Vernichten der Feinde, sich als Gewaltherrscher aufführen über Mensch und Natur. Kontrolle, Vorschriften, Misstrauen, Angst…

Menschen, die sich selber als gläubig bezeichnen, kommen auf solche saublöden Ideen…Taliban

Ja, leider ist dieser krankmachende Glaube noch immer nicht ausgestorben, auch bei uns nicht: Gott als Polizist, als Rächer, als Tyrann, …

Wenn wir heute Jesus Christus hinaustragen in unsere Lebenswelt: wie zeigt sich denn Gott da für uns? Unscheinbar klein, eine papierdünne Brotscheibe, zum Übersehen …

Die meisten Menschen übersehen Gott die meiste Zeit ihres Lebens.

Wir singen öfter das Lied: Wo 2 oder 3 in meinem Namen versammelt sind …da bin ich mitten unter ihnen – und glauben, da geht es ums Beten.

Ja, das ist auch gemeint.

Aber da gibt es noch weit mehr Gelegenheiten – wo Menschen einander helfen. Eine Freude machen. Zum Lachen bringen. Wo jemand dazulernt. Klüber wird. Wo mehr Schönheit entsteht oder mehr Nutzen.

Kurz: Wo immer Menschen etwas Sinnvolles und Gutes tun – Kunst und Kultur, Unterricht und Erziehung, Handwerk und Landwirtschaft, Pflege und Heilung, Dienstleistungsberufe, Handel, Gaststätten, Verkehr und öffentliche Verwaltung, Reinigung und Bestattung, Freizeitindustrie – Dort überall, wohin bei einer Fronleichnamsprozession üblicherweise der Leib Christi hingetragen, wo er hergezeigt wird.

Sie kennen die Geschichte vom Rabbi, der den kleinen Schüler fragt: Ich gebe dir einen Taler, wenn du mir sagst, wo Gott wohnt. Und der kleine Bub antwortet: Und ich gebe dir 2 Taler, wenn du mir sagen kannst, wo er nicht wohnt.

Ja, wir feiern heute: Christus, Gott ist anwesend bei uns. In unserer Alltags- und Feierwelt, er schaut auf uns.

Wer das glaubt und wissend im Herzen spürt, kann entsprechend handeln und leben. Kann nicht Schaden planen oder anrichten, schafft es gar nicht mehr, Feindschaft oder Krieg aufrechtzuerhalten, oder irgendetwas Nachteiliges zu tun.

Wer bei der Kommunion war, trägt Jesus in sich. Trägt Gott in sich: das Potential und die Verantwortung, Jesus Christus in diese Welt hinaus zu tragen. Ich wünsche Ihnen und mir, das wir das immer und mit Freude tun.