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Liebe Brüder und Schwestern!

Wer hier möchte heilig werden?

Als ich 18 oder 19 war, war ich zu Hause in meiner Pfarre in einer Jugendbibelrunde. Irgendwann einmal fragte der Kaplan damals: Wer von euch will heilig werden?

Nein danke, sicher nicht, war meine 1. Reaktion. Ich war mir ziemlich sicher, wie so ein heiliges Leben aussehen müsste: ohne Freude, Feste, Fröhlichkeit, Freiheit, Schönheit… In meiner Vorstellung gab es höchstens so etwas wie einen traurigen Heiligen oder einen komischen Heiligen, jedenfalls nichts, was irgendwo erstrebenswert ausschaute.

Im Evangelium steht „selig, die…“ Da ist nicht das kirchliche Seligsprechungsverfahren gemeint, sondern „glücklich“. „Makarios“ meint „glücklich“, und zwar nicht irgendwann und irgendwo, im Jenseits oder nach dem Tod, sondern hier und jetzt in diesem konkreten Leben.

Ändern wir die Frage: Wer von Ihnen möchte glücklich werden?

Die kirchliche Verbildung reicht so weit, dass ich erst vor ein paar Tagen in einem Kommentar gelesen habe: Das „Selig“ bezieht sich auf die Ewigkeit.

Na, sicher nicht. Jesus und sein Evangelium gelten immer für den speziellen Menschen.

Glücklich ist, wer hier und jetzt Gott zutraut,  dass er alles zum Guten wenden kann. Er wird es nämlich erleben.

Glücklich, wer mit seiner Trauer und seinen Sorgen sich an Gott wendet, denn Gott tröstet.

Wer keine Gewalt anwendet, durchbricht die Spirale der Gewalt und stiftet dauerhaft Frieden und Wohlstand.

Die Barmherzigen sorgen für ein Klima des Zusammenlebens, das ihnen selbst auch zugute kommt, wenn sie Fehler machen oder Hilfe brauchen.

Nur wer ein reines Herz hat, unverbildet von menschlichen Traditionen, Machtsystemen, egoistischen Interessen…, kann überhaupt erfassen, wie es Gott tatsächlich meint…

Gott zieht keine Trennungslinie mit seinem Heil zwischen vor und nach dem Tod. Aber Jesus wendet sich immer an hier und jetzt lebende wirkliche reale Personen mit einer handfesten Lebenswirklichkeit.

Deshalb gibt es unter den echten Heiligen auch keine Kopien, sondern nur Originale.

Wenn wir Lieblingsheilige nehmen, die wir auch gern als Vorbild nehmen, dann nicht um bestimmte Verhaltensweisen, Eigenheiten oder sogar Absonderlichkeiten nachzumachen, sondern um uns abzuschauen, wie das gehen kann, wie das schon einmal jemand geschafft hat: mit der eigenen Geschichte, mit all den persönlichen Eigenschaften, mit Vorzügen und Begabungen, aber auch Fehlern und Sünden, mit der je anderen gesellschaftlichen und kulturellen Herkunft und Erziehung – manchmal trotz dieser Herkunft und Erziehung – , zu verschiedenen Zeiten mit verschiedenem Familienstand und Beruf und Intelligenzquotienten den Weg als Christ/in mit Gott, mit Jesus zu gehen und auf diesem Weg GLÜCKLICH zu werden.

Aber jede/r von uns muss den eigenen Weg selber gehen.

Verheiratet oder Nicht, mit oder ohne Kinder, asketisch oder lebensfroh, arm oder reich, in sich gekehrt oder weltoffen, in einem Orden oder nicht, mit kirchlichem Beruf oder mit eigenem Geschäft, als Bäurin oder Angestellter, als Akademikerin oder Arbeiter, als Schülerin oder Pensionist…

Wie sich das Leben mit Gott gestaltet, ist für den einzelnen keineswegs beliebig.

Wer nicht zur Ehe berufen ist und das im Herzen spürt, würde mit Partner und Kindern nicht glücklich. Es wird auch nur der im Kloster glücklich, seine tiefste Erfüllung finden, für den das wirklich der persönliche Weg ist. Wessen Weg es ist, Straßenarbeiter oder Bettlerin zu sein, der/die wird als solcher weit glücklicher sein als ein Konzernchef, der im Grunde eine andere Berufung gehabt hätte. Katharina von Alexandrien ist ihrer Berufung, Theologin und Wissenschafterin, treu geblieben – sie hat gespürt: Gemahlin des Oströmischen Kaisers – das bringts nicht.

Elisabeth von Thüringen: Arbeit für Kranke, früher Tod – und sie war glücklich dabei. Sie hätte ebenfalls Gattin eines Kaisers werden können.

Jeder Mensch ist dazu berufen, einen ganz bestimmten Aspekt Gottes im Leben und durch sein Leben auszudrücken. Wir sind ja schon nur deswegen geboren worden, weil Gott uns ausdrücklich auf dieser Erde haben will.

Was das für jeden von uns ist?

Da können wir drauf kommen: wer Gott ernsthaft bittet, dem zeigt er diesen einzigartigen Weg, der von Grund auf glücklich macht: das ist an keine Altersgrenze gebunden. Wer Gott mit 12 bittet, ihm den Weg zu zeigen, der wird ihn natürlich früher finden als einer, der mit 40 oder 60 oder 80 Jahren zu fragen und zu suchen beginnt. Aber möglich ist es immer.

Gemeinsam ist ihnen: Ihr Leben ist durch und durch heil geworden. Sie haben zu ihrem tiefsten Wesen gefunden, ihre Berufung gelebt, sind glücklich geworden (das hat nichts mit dem bürgerlichen Erfolgsverständnis zu tun!), strahlen das Heil Gottes aus, Menschen haben gespürt: bei diesem Menschen ist es gut sein, da kann ich selber etwas von Gott spüren…

Und genau darauf kommts an.

Predigt     Sonntag der Weltkirche 2022                                    Pucking                                                  

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Wir kennen diese Stelle aus dem Evangelium alle schon lange und ziemlich gut.

Zachäus, der Jesus zu Besuch hat. Ausgerechnet.

Die anderen, die „Frommen“, haben das gar nicht verstanden, dass Jesus gerade bei Zachäus einkehrt, dem Zolleintreiber zugunsten der feindlichen Besatzungsmacht… und noch dazu mit dessen Freunden isst und trinkt, sich freut … mit ihnen zu reden. Und wie sich der dann besinnt und das unrechtmäßig Genommene zurückgibt.

Heute ist mir ein Blickwinkel, ein Detail dieser Evangeliumsstelle besonders aufgefallen.

Jesus sagt über Zachäus: Auch dieser ist ein Sohn Abrahams. Alle Verheißungen und Zusagen Gottes, alles Gute, das er für die Menschen bereithält und plant, ist genauso für ihn gedacht.

Für jeden einzelnen Menschen auf der Welt. Spirituell und materiell.

Heute geht es ja um die Weltkirche. Ich war ja in Brasilien und habe dort 2 Basisgemeinden vor Ort kennengelernt.

Seitdem sind mir die Anliegen der Entwicklungshilfe, wie es heißt, der Zusammenarbeit zwischen 1. Und 3. Welt, in Fleisch und Blut übergegangen.

Viele Menschen in den Industrieländern in der sogenannten „1. Welt“ verhalten sich ähnlich wie Zachäus vor seiner Begegnung mit Jesus.

Die Menschen tun dies nicht jede/r einzeln und geplant und gezielt. Die große Wirtschaft tut das.

Jahrzehntelang ist den Ländern des Südens alles genommen worden. Vor allem den einfachen Menschen dort. Die Mächtigen wurden z. T. reich durch die Zusammenarbeit, die Kollaboration mit der Weltwirtschaft, mit den großen Konzernen.

Begonnen hat es im 18. Jahrhundert mit dem Sklavenhandel. Baumwolle. Reis. Bananen. Schokolade. Kaffee. Ananas. Palmöl. Hölzer des Regenwaldes. Bodenschätze. Seltene Erden. Rindfleisch auf gerodetem Regenwald.

Seit den 80erJahren gibt es die EZA, die Initiative Entwicklungszusammenarbeit. Das Bewusstsein wird stärker, die Initiative greift, Erfolge, Kleinbäuerinnen … können leben von dem, was sie anbauen und tun.

Viele ArbeiterInnen in Fabriken und Bergwerken oder auf Plantagen können das nicht.

Ihnen jetzt das Evangelium zu verkünden oder den Kirchenbesuch nahezulegen allein hilft da nicht. Echte Missionare sorgen immer für gerechte Lebenschancen, für Gesundheit, Bildung, Gerechtigkeit…

Mission so gesehen kann nie längst überholt sein. Aber:  Hat das etwas mit uns zu tun?

Mission ist, wenn wir hinausgehen in die Öffentlichkeit.

Wir wirken als Gesamtperson.

Wenn wir ordentlich arbeiten, Fleiß, Verlässlichkeit, Tüchtigkeit, Genauigkeit, Umsicht, Verantwortung, gerecht, fair, hilfsbereit, anständig – auch großzügig, lebensfroh, humorvoll sind ..… dann wird es heißen: aha, Sie sind also ein Christ – interessant … kann ich das auch?

Wir sind Gottes Gesandtschaft – die Werbeträger der Botschaft.

Das Christentum ist niemals abstrakt – es ist die Religion der Menschwerdung, Inkarnation – das Evangelium wird an uns abgelesen oder eben nicht.

Die Trennung von „Sakral“ und „profan“ gibt es nicht. Alles ist Gottes gute Schöpfung, durchwoben und durchatmet von seiner Gegenwart.

Es gibt ein modernes Kirchenlied: „Jeder Mann, jede Frau, jedes Kind ist unserem Gott heilig“.

Katholisch heißt allumfassend – offene Augen, Interesse dafür, wie es anderswo zugeht – in Lateinamerika, Afrika, Asien, … Anteilnahme an den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, Einsatz für das Gute, für die Gemeinschaft – Salz sein, das in blind gewordenen Augen brennt, Sand im Getriebe der Rüstungs-, Umweltzerstörungs- und Menschenverachtungsmaschinerie.

Wer getauft ist, hat kein Recht, sich auf Dauer ins Privatleben, in einen Elfenbeinturm oder auf eine Insel der Seligen zurückzuziehen. Der Schlaf der Sicherheit. Geht mich nix an.

Wer getauft ist, hat überall Familie. Darauf möchte der Sonntag der Weltkirche jedes Jahr hinweisen.

Predigt Patrozinium Braunau – St. Franziskus

Liebe Brüder und Schwestern!


Das, was wir gerade gehört haben, hat der heilige Franz ernst genommen.

Er hat von Jesus gelernt. Er hat sich angeschaut: Wie hat denn dieser Jesus gelebt? Wie hat er sich verhalten, den Menschen gegenüber, der Schöpfung gegenüber, sich selbst gegenüber… Wie waren seine Tage? Was haben seine Jünger von ihm mitbekommen?

Und Franziskus hat genau das, auf was er da draufgekommen ist, nachgemacht, sich angeeignet, sein Leben danach gestaltet.

Franziskus ist so zum lebenden Evangelium geworden, und seine Ordensgeschwister mit ihm, und sie haben der Welt damals enorme Hoffnung gegeben, einen spirituellen Input, Fortschritt, der einzigartig war.

Lange Zeit waren Ostkirche und Westkirche ungetrennt.

Bis ca. 100 Jahre vor Franziskus.

Das, was wir jetzt noch an Ikonen der östlichen Christenheit sehen und ein bisschen als fremd empfinden, war damals überall verbreitet: Christus, der Auferstandene, der Weltenherrscher, der kommen wird zu richten… Stilisiert, in einiger Entfernung, als König und Kriegsherr…

Franz und viele vor ihm , die sind aber als Ketzer verfolgt worden, Katharer und Waldenser z. B. – haben Jesus als den wiederentdeckt, der unter den Menschen, auf dieser Erde gewohnt hat.

Müde und hungrig, froh und betrübt, zornig und feiernd, betend, hilfsbereit, lehrend, heilend, abgelehnt, verurteilt, einsam, gekreuzigt… Eben auch ganz Mensch, wie wir ihn kennen und gewohnt sind, uns ihn vorzustellen.

Es ist der nahe Jesus der Mystiker/innen, der zuhört und versteht, der mahnt, tröstet und hilft.

Es ist kein Wunder, wenn dieser Jesus mitsamt seinem Jünger Franziskus in den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts wieder in den Mittelpunkt des Interesses gerückt sind – 2. Vatikanum, Hippiebewegung christlich… alles echt und authentisch erleben, Christsein wie in der Urkirche… es war ein richtiger Boom. Alle neuerrichteten Pfarren um diese Zeit haben Franziskus als Pfarrpatron, so auch wir…

Das Evangelium sagt uns heute, wir sollen von Jesus lernen, weil unser Leben dann leichter wird.

Was gibt es da zu lernen? Schauen wir Jesus so an, wie Franziskus es tat:

Jesus hat unglaublich viel gebetet. Es war der direkte Kontakt jeden Tag, manchmal mehrere Stunden, mit dem Vater, der ihn immer wieder normal gemacht hat, fähig, den Willen Gottes zu tun – die Traditionen und Vorurteile abzustreifen, die überhandzunehmen drohen immer wieder einmal.

Jesus war kein strenger Asket. Er war menschenfreundlich, im Umgang mit den Menschen so, dass man gern mit ihm zusammen war. Er hat seine Gefühle gezeigt. Freude, Begeisterung, Mitleid, Trauer, Angst, Zorn, Erschütterung.

Er verstand zu feiern, wenn es angebracht war. Er machte keine Unterschiede zwischen Menschen. Die vornehme Gesellschaft hat sich bekanntlich genauso aufgeregt wie die fromme puritanische.

Er hat seine Macht dazu benützt, den Menschen zu helfen. Heilung. Rettung aus Gefahr.

Nie hat er grob oder streng zu armen Sündern gesprochen, zu Kranken, Hilfesuchenden, ..

Er hat geschimpft mit den Mächtigen, wenn sie den Kleinen, Schwachen zu viele Lasten auferlegten, zu strenge Religionsgesetze. Wenn Arme unterdrückt wurden, da kannte er keinen pardon.

Er hatte unbegrenztes Vertrauen zum Vater. Alles wird er schenken auf dem Weg, sucht das Reich Gottes, alles andere kommt von selbst…

Selber hielt er sich ohne weitere Umstände nicht an jüdische Religionsgesetze, wo sie dem echten Zugang zu Gott, dem Leben im Wege standen.

Er ging Anstrengung und Gefahr, Hunger, Durst, Verfolgung, Spott, Schmerzen nicht aus dem Weg, wo es unvermeidlich war für das Ziel.

Er traute seinen Jüngern sehr viel zu. Wer glaubt, kann noch größere Werke tun als ich. Er war nicht dünkelhaft oder von oben herab. Er hat seinen Jüngern freie Hand gelassen. Ohne Bevormundung. Voll Vertrauen auf den Heiligen Geist.

Er erstickte Ansätze zu Herrschaft und Hierarchie im Keim: Wer der 1. sein will, soll der Diener aller sein.

Sie werden noch mehr finden. Es ist unsere Aufgabe als Christen, diesen Jesus in dieser Welt lebendig zu halten.

Denken wir jeden Tag daran, nicht nur heute am Patrozinium.

Predigt                                                                                 28. 8. 2022

Liebe Brüder und Schwestern!

Das, was Jesus im Evangelium sagt, ist für uns 100%ig einleuchtend. Logisch und nachvollziehbar. Und das war es für die Gäste des vornehmen Simon damals auch.

Jetzt hat Jesus aber nicht wirklich im Sinn, als Trainer guten Benehmens zu wirken. Wenn er etwas sagt und lehrt, geht es ihm immer um Gott, um das Reich Gottes, um das Verhältnis zwischen Gott und den Menschen.

Übrigens gab es Zeiten, in denen das, was Jesus da vermitteln möchte, überhaupt nicht verstanden, ja nicht einmal gesehen worden ist.

Im Mittelalter oder bis vor ca. 100 Jahren auch hier bei uns in unserem Land: da gab es die großen Standesunterschiede. Es wäre einem Grafen oder Baron nie im Leben eingefallen, mit den Knechten und Mägden, auch wenn sie freie Menschen waren und keine Leibeigenen, das gab es nämlich bis Maria Theresia auch in der Geschichte der Christenheit, zusammen am selben Tisch zu sitzen.

Ein absolutes NoGo. Geht nicht. Undenkbar.

So sehr undenkbar, dass man die Botschaft Jesu nicht wahrnehmen konnte. Außerhalb des Blickfeldes.

In der katholischen Kirche gab es Gegenden, da wurden in die Kirchenräume hinein sogenannte Sakramentshäuschen reingebaut: quasi ein „Extrazimmer“ nur für die Priester, wo die Wandlung und das Hochgebet gesprochen wurden – die Normalsterblichen, wie wir so schön sagen, sollten das nicht sehen – zu minder, nicht würdig, … oder was immer.

Vor ca. 30 Jahren war ich Pastoralassistentin in Hörsching. Da wurde mir von einem großen Bauern, der in den 60erJahren eingeheiratet hatte, erzählt, es hat 20 Jahre gebraucht, bis er am Stammtisch der örtlichen Bauern Platz nehmen durfte … War ja schließlich kein Hiesiger …

In Hörsching hat der Pfarrer, der war auch der größte Bauer im Ort, alles, wo dann der Fliegerhorst und der Flughafen entstanden, bis zur Zeit des 2. Weltkriegs übrigens 2 Pfarrerköchinnen gehabt: eine für sich und den Verwalter und Gäste, und eine fürs Gesinde …

Liebe Brüder und Schwestern, zum Glück sind wir alle bereits in einer Demokratie geboren worden und erzogen worden.

Bei Gott gibt es keine Rangunterschiede zwischen Menschen.

Und das hat Jesus sicher auch im Blick gehabt: Unter Glaubenden spirituellen Menschen gibt es auch so eine Art Wettbewerb oder Hierarchiebildung: Wer ist frömmer, wer betet mehr, wer ist fortgeschrittener im geistlichen Leben, näher bei Gott z. B. …

Eine Weisheitsgeschichte erzählt:

Einige Mönche streiten, wer von ihnen Gott näher sei. Ich bete länger, sagt der eine. Ich bin schon länger Mönch, sagt der nächste. Ich halte das Fasten am längsten durch. Ich die Stille und Einsamkeit. Ich begeistere am meisten durch meine Predigt. Ich bewege die Menschen zu großen Spendenbeträgen …… Und so geht es eine Zeit weiter …

Bis der Meister sagt: Am frömmsten von allen, weitaus frömmer als ihr, ist diese Bäurin, die da gerade vom Feld kommt.

Was, die? Schreien sie durcheinander – die betet doch fast nie… und im Tempel sieht man sie auch nur, wenn es unbedingt sein muss…

Gefäß in flacher Schale tragen ohne zu verschütten mit Wasser – im Kloster und auf der Hauptstraße. Zweiteres unmöglich.

Der Meister sagt: Ja, ihr betet viel. Mitunter den ganzen Tag.

Aber diese Bäurin arbeitet täglich hart auf dem Feld, versorgt ihre 6 Kinder und den gesamten Haushalt und hat oft keine freie Minute. Wenn sie am Morgen und Abend für einen kurzen Augenblick ihre Augen zum Himmel erhebt und ein kurzes Gebet stammelt oder auch nur einen Gedanken fasst, weil sie bei alldem nicht auf Gott vergisst, hat das droben mehr Gewicht als eure ausgesuchten Worte, für die ihr alle Zeit der Welt habt.

Gottes Tisch ist aber eine Tafelrunde. Jeder mit der gleichen Entfernung oder Nähe.

Predigt                                                    Sonntag, 21. 8. 2022, 9.00

Liebe Brüder und Schwestern!

„Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel – weil wir so brav sind …“ …Sie kennen dieses Lied, haben es vermutlich auch schon selber gesungen.

Gerade haben wir gehört: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen …“ – was stimmt jetzt?

Ist das jetzt eine Drohbotschaft?

Will uns Jesus Angst machen?

Die Jünger fragen Jesus: Sind es nur wenige, die gerettet werden?

Was bedeutet das eigentlich: „gerettet werden“?

Jesus ist der Retter. Erlöser, Messias. Alle möchte er zu Gott führen, zum Heil, zu Freude, Fülle, Frieden…

In der Lesung haben wir das schöne Bild von den Menschen, die getragen werden von Gott persönlich ins vollendete himmlische Jerusalem.

Jesus lässt uns aber die Freiheit. Er benötigt unsere Zustimmung, dass wir uns von ihm tragen lassen. Er rettet niemanden zwangsweise, gegen unseren Willen.

Es gibt einen alten Witz, vor 20 Jahren wurde er über den Bischof Krenn erzählt, aber die Geschichte ist viel älter.

Also: Nach einem sintflutartigen Regen wacht der Bischof Krenn in der Früh auf und schaut aus dem Fenster. Das Wasser steht schon fast bis in den 1. Stock und gerade fährt ein Schlauchboot draußen vorbei und die Rettungsleute sagen. „Herr Bischof, schnell, steigen Sie ein, wir bringen sie hier raus.“

Der Bischof antwortet: „Nein danke, der Herr wird mich retten.“

Das Hochwasser steigt weiter, der Bischof geht 2 Stockwerke höher in den Dachboden. Dort fährt wieder ein Boot vorbei und will ihn retten. Er sagt: „Nein, danke, ich warte. Der Herr wird mich bestimmt retten.“

Das Wasser steigt weiter, der Bischof klettert auf den Domturm, und als er sich ganz oben an der Spitze anklammert, kommt ein Hubschrauber vorbei, die Rettungsleute drin sagen: Jetzt aber rasch, Herr Bischof, es ist höchste Zeit, steigen Sie ein …!“

Bischof Krenn antwortet: „Danke, sehr nett, aber nein – der Herr wird mich retten.“

Das Wasser steigt weiter, er geht unter und ertrinkt. Im Himmel begegnet er Jesus. Sofort macht er ihm Vorwürfe: Also wirklich, Jesus, ich hab so sehr auf dich vertraut, warum hast du mich nicht gerettet …?“

Jesus antwortet: „Du bist gut – ich habe dir doch 2 Rettungsboote und einen Hubschrauber geschickt … wieso hast du sie denn nicht benützt?“

Die Erzählung zeigt eine ungesunde Art von Frömmigkeit auf, da gibt es nur den Blick auf Gott, Mitmenschen werden absolut ausgeblendet.

Die Frommen zur Zeit Jesu waren wirklich fromm, gläubig, haben die Gesetze und Religionsvorschriften bis aufs I-Tüpferl eingehalten, und haben Jesus zugehört, mit ihm über religiöse Fragen diskutiert, ihn live erlebt, mit ihm gegessen und getrunken.

Aber eines haben sie nicht: Getan, was er wollte.

Ihre Herzen geöffnet. Menschen als Geschwister wahrgenommen.

Und so haben sie zwar ein religiöses Erlebnis oder intellektuelle Bereicherung oder sogar Sensationen ev. erlebt – aber alles blieb beim Alten.

Nichts ist neu geworden. Neu im Sinne Jesu, das Reich Gottes konnte nicht anbrechen bei ihnen.

Und warum nicht?

Sie haben sich nicht getraut.

Sie wollten brav sein, damit sie in den Himmel kommen.

Was bedeutet das denn, brav sein? – Leider nicht das, was es im Mittelalter bedeutet hat: nämlich tüchtig, tapfer, beherzt, unerschrocken, mutig…

Im Lied geht es übrigens im Text folgendermaßen weiter:

„Das sieht sogar Petrus ein …“ … Nein, der sieht das ganz und gar nicht ein. Er selber war nämlich BRAV im alten Wortsinn: Beherzt, ein Mensch der Tat – mit dem Potential, Fehler zu machen, und das hat er, und mit der Bereitschaft, sich vergeben zu lassen, was bedeutet: die Chance zum Dazulernen ergreifen.

Das ist Himmel. Die Welt Gottes: Wir sind kreativ und tüchtig. Und deswegen machen wir Fehler. Aber das ist normal und gesund.

Der Himmel ist keine Beamtenburg. Mein Opa hat in seinem Büro einen Spruch aufgehängt gehabt, der hat mich als Volksschulkind fasziniert:

Wer arbeitet, macht Fehler.

Wer viel arbeitet, macht viele Fehler.

Wer wenig arbeitet, macht wenig Fehler.

Wer wenig Fehler macht, wird befördert.

Wer keine Fehler macht …                             ist ein fauler Hund.

Oder wie Willi Hoffsümmer schreibt: Ein Mensch erschien vor dem Gericht des Herrn und sprach: „Siehe, Herr, ich habe dein Gesetz beachtet, habe nichts Unrechtes, Böses oder Frevelhaftes getan. Herr, meine Hände sind rein.“ Gott antwortet: „Ohne Zweifel, doch sie sind leer.“

Menschliche ängstliche Denkweise ist: Nur ja keine Fehler machen!

Wer glaubt, in den Himmel kommen zu können, sobald er/sie keine Fehler mehr hat, ist auf dem falschen Dampfer…

Wer das Risiko zum Fehlermachen eingeht und weiter bereit ist dazu – sich die Hände schmutzig zu machen, macht es im Sinne Jesu richtig.

Wir können üben, uns auf die Denkweise Gottes einzustellen. Wir können üben und lernen, uns beschenken zu lassen. Jetzt, in unserem unperfekten Tun und dann am Ende unseres unperfekten Hierseins…

Predigt                                                                 17. 7. 2022

Liebe Brüder und Schwestern!

Aha – möchte uns Jesus etwa faul und untätig haben? Oder was soll das heute wieder im Evangelium? Sollen wir nur mehr beten und nicht mehr arbeiten?

Oder: ist unsere Vorstellung davon, was produktiv sein bedeutet, verkehrt? Zu eng, überholt? Hat Gott andere Maßstäbe als wir?

Stellen wir uns diese Situation, die geschildert wird, ganz konkret vor. Es kommt seltener Besuch. Die Hausfrau ist nicht wirklich greifbar, weil sie ununterbrochen herumsaust um besondere Festmenübestandteile zu zaubern zu ordern – es war ja ein vornehmes Haus mit Dienern, das Beste vom Besten soll es sei, ist ja ein denkbar vornehmer Gast.

Dieser Gast ist extra gekommen – warum? Um mit den Menschen, die er besucht, Kontakt zu pflegen. Um sich mit der Hausfrau, mit der Hausherrin, denn das war Martha, zu unterhalten, auszutauschen. Der Besuch gilt – ihr und dem Bruder Lazarus und der kleinen Schwester Maria … Der Gast würde sich über ein weniger aufwändiges Mahl, dafür über die Gesellschaft seiner lieben Freundin, durchaus mehr freuen.

Persönliche Beziehung ist wichtiger als äußere Perfektion.

Dann ist da die 2. Ebene – der Besuch, der da kommt, ist wie auch schon in der Lesung – Gott in Menschengestalt, Jesus.

Maria hat das Bessere erwählt, weil sie das wahrnimmt. Und entsprechend handelt – sie tut das Angemessene: sie begibt sich in seine Nähe, hört zu, nimmt ihn ernst, nimmt seine Botschaft in sich auf.

Uns geht es ja oft so: Wir sind wie Martha total beschäftigt – und zwar in kirchlichen Belangen, denn sie tut durchaus etwas für Jesus, für Gott – wie die vielen Ehren- und Hauptamtlichen, die in dieser und anderen Pfarren unermüdlich tätig sind – Fast hätt ich gesagt. Rastlos tätig sind. Denn genau das wäre verkehrt.

In Braunau – St. Franziskus habe einmal folgendes erlebt: Einer der Firmbegleiter und ich trugen 10 schwere Tische vom Keller ins Erdgeschoß, damit beim Eltern- und Patenabend am Abend des gleichen Tages die Leute im schönen Raum bei Tischen sitzen könnten. Wir machten das gleich in der Früh; der Firmbegleiter ging dann in die Arbeit, ich in den Schulunterricht.

Kurz nach Mittag rief mich eine sehr ordnungsliebende, fleißige Mitarbeiterin der Pfarre an und erklärte empört: „Also, die Leute sind wirklich furchtbar. Da lassen sie einfach 10 Tische mitten am Gang zur Kirche stehen Was denken sich die dabei?

Ich habe alle wieder in den Keller getragen!“

Wieviel Pläne wurden – in unserer Diözese, im Pfarrgemeinderat, in der einen oder anderen Gruppe oder Fachausschuss – schon gemacht, wieviel Seelsorgskonzepte existieren und füllen Bibliotheken, wieviel Ratgeber für Verkündigung und Liturgie kann man erwerben – und doch übersieht man oft das einzig Wichtige:

Auf Gott, auf Jesus selbst zu hören.

Beten.

Mit ihm in Kontakt treten, zuhören, mit dem Herzen hinspüren, was er gerade von mir, genau von diesem Gremium, exakt in dieser speziellen Situation, … will, was es braucht, was wirklich gut ist und angemessen. Und nicht nur Beschäftigungstherapie.

Seien wir ehrlich: Das persönliche Beten, überhaupt die Pflege unserer Spiritualität, da gehört Kunst, Kultur, Nichtstun dazu,  fällt oft unserer unermüdlichen Tätigkeit, unserer Überbeschäftigung zum Opfer.

Wie in den zwischenmenschlichen Beziehungen, dort ist es auch nicht das Wahre, machen wir es auch in der Freundschaft mit Jesus Christus: Wenn es stressig wird, wenn die Zeit knapp ist, sparen wir die Beziehungspflege ein, lassen wir die Kommunikation verarmen, …

Und dann wundern wir uns, wieso unsere Bemühungen ins Leere laufen…

Wir benötigen unbedingt den Austausch mit Gott, so bekommen wir Energie, Ideen, Ausdauer, …

Und dann gibt es noch eine dritte Ebene, eine Schieflage, die hier durch Jesus zurechtgerückt wird. Maria tut etwas, was zwar im Jünger- und Jüngerinnenkreis um Jesus üblich geworden war, was aber für das damalige und auch das heutige Judentum in seiner orthodoxen oder ultraorthodoxen Form unerhört ist: Sie sitzt zu Füßen des Rabbi, das ist die Position des Rabbinerschülers, des Jüngers. Sie hört den Ausführungen des Meisters zu und diskutiert vielleicht nicht heute, aber später mit. Und Schüler/in eines Rabbi zu sein hat ein Ziel: selber einer zu werden, zu lehren, schriftkundig zu sein.

Im orthodoxen Judentum dürfen Frauen die Hl. Schrift nicht lesen und auch die Torarolle nicht berühren – denn da drin ist Gott anwesend, und Frauen sind – unrein.

Die große Schwester Marta verhält sich umgekehrt genau so, wie es von der vorbildlichen jüdischen – und auch Jahrtausende lang christlichen – Hausfrau erwartet wurde (und wird).

Wenn Jesus jetzt das Verhalten Marias als vorbildlich lobt und Marta freundschaftlich tadelt – so in der Art – geh Marta, jetzt kennst mi schon so lang, denk do amal nach – dann rückt er die Rolle der Frauen zurecht – in die Richtung, wie es Gottes Absicht besser entspricht.

Der Platz der Frau ist laut Jesus im Kreis der Jünger/innen, bei der Theologie, in der Diskussionsrunde, dort wo Gesetze gemacht werden, denn genau das geschah unter Schriftgelehrten und Gesetzeslehrern, sichtbar und hörbar in der Öffentlichkeit. Nicht wie die Stammmutter Sara, die noch vom Zelt aus zuhört …

Es soll eine Aufmunterung für Marta sein und für alle Frauen, die heute noch -nicht nur – im orientalischen Bereich es allzuoft für normal, gottgegeben halten, sich mit dem privaten Bereich, mit Küche und Haushalt zu begnügen. Sondern das Bessere, ein besseres Los, zu wählen.

Jesus zeigt Gottes Menschenfreundlichkeit und Gerechtigkeit.

Und ich wünsche uns, Ihnen und mir, dieser zu vertrauen, sie annehmen zu wollen.

Liebe Brüder und Schwestern!

Wieder eine der bekanntesten Stellen der Bibel, weltweit und religionsübergreifend …

Das Markenzeichen von uns Christen st also die Nächstenliebe.

Da wird keiner widersprechen.

Aber geht es uns nicht ganz ähnlich wie dem frommen Pharisäer im Evangelium? Keiner der damals gläubigen Juden hätte das Gebot in Frage gestellt, den Nächsten zu lieben. Das galt als selbstverständlich.

Allerdings hat es im Bewusstsein der Menschen ganz enge Vorstellungen gegeben, wer dieser Nächste denn ist.

Und so ist es bei uns auch, fürchte ich.

Schauen wir uns an, wie Jesus das vorherrschende Bewusstsein aufdehnt.

Und zwar in provokanter Weise.

Ein Mann wird von einer Räuberbande überfallen und liegt halbtot am Straßenrand.

Zuerst erzählt Jesus einmal, wer ihm aller NICHT hilft:

Ein Priester und ein Levit; die haben nämlich keine Zeit bzw. wollen sich die Hände nicht schmutzig machen. Der Priester darf nicht mit Blut in Berührung kommen, dann könnte er am gleichen Tag beim Opfer im Tempel seinen Dienst nicht mehr versehen. Davon abgesehen würde er zu spät kommen.

Es wäre das absolut Normale und selbstverständliche, einem, der da liegt, zu helfen.

Da sehen wir, wie sich Religion und ihre Bestimmungen von wahrer Frömmigkeit entfernen können – beinahe unbemerkt.

Wir haben auch in unserer Kirche eine Menge Verfestigungen und Gebräuche, die einige Tonangebende als katholische Lehre und unverzichtbar ansehen, die aber mit dem Evangelium Jesu Christi und mit dem Heil der Menschen rein gar nichts zu tun haben – ja kontraproduktiv, störend sind. Massen

Aber es gibt noch viel Ärgeres: In Amerika, Nord wie Süd, gehen Menschen frommen Herzens in die Kirche, und sie meinen es ehrlich. Es fällt ihnen nicht einmal auf, dass es das Natürliche und Normale und mitmenschlich Erwartbare ist, dafür zu sorgen, dass Angestellte so verdienen, dass sie gut leben können. Dass Kleinbauern auch das Recht auf Privatbesitz, Grund und Boden haben – sie selbst, die Großen, pochen ja so darauf. Dass es bei Gott keinen Unterschied gibt, dass alle, arm und reich, gleich viel wert sind. Hautfarbe, Herkunft egal …

In unserem Land gehen ebenfalls Menschen gut gläubig, fromm, in die Kirche, die Menschen ohne mit der Wimper zu zucken ihre Menschenrechte absprechen, sobald sie aus Afrika und Asien kommen und eine dunklere Hautfarbe haben.

Sie kommen nicht einmal auf die Idee, dass sich ihre Denkweise mit dem Christentum nicht vereinbaren lässt.

Es wäre das Natürliche und Normale, einem, der Schutz sucht, beizustehen.

Schauen wir weiter im Evangelium:

Jesus erzählt weiter, WER hilft: Ein verhasster Ausländer, Glaubensabtrünniger.

Es spielt keine Rolle, es darf keine Rolle spielen, meint Jesus, welchen Glauben jemand hat, aus welchem Land er kommt man kann nicht theoretisch festlegen und per Gesetz verordnen, wer der „Nächste“ ist – jede/r kann es plötzlich sein, wenn ich auf ihn/Sie treffe. Es hat sehr viel mit Offenheit für die Anregungen des Heiligen Geistes zu tun.

Jahrhundertelang sind bei uns Menschen fromm und im guten Glauben in die Kirche gegangen – und tun es noch heute, in vielen Ländern der Erde, auch bei uns – kommen nicht auf die Idee, dass eine Frau ihre Nächste sein könnte: dass sie z. B. genauso viel Lohn bekommt für die Arbeit, gleiche Rechte haben könnte … Dass das was zu tun hat mit der Armutsgefährdung vieler Familien und der realen Not vieler Rentnerinnen bei uns – und mit der Not in den Ländern der sogenannten 3. Welt …

Liebe Brüder und Schwestern!

Lassen wir uns von Jesus, unserem Herrn, neu provozieren – herausrufen aus festgefahrenen Mustern.

Dieses Anecken, gegen den Strom Schwimmen, sich unbeliebt machen – ist nämlich geradeso ein Markenzeichen der Christen wie die Caritas. Das lateinische Wort für „Nächstenliebe“. Caritas ist wenn sie Qualität hat, immer zugleich eine Provokation für die Umgebung, für das Bürgertum, für die Zufriedenen und Satten: sie legt nämlich den Finger in die Wunden der Gesellschaft, zeigt die Ursachen auf, warum es die überhaupt gibt, und das ist eigentlich der Skandal, um die sie sich kümmert.

Die Armen, Einsamen, Traurigen, Randgruppen, Leidenden aller Art, die es in der Christenheit im Grunde gar nicht geben dürfte.

Denken wir aber jetzt nicht nur an „die anderen“. Immer wieder, wenn es um konkrete Hilfe für jemand geht, höre ich als Ausrede: „Ich bin doch nicht die Mutter Teresa.“ Wie komm grad ich dazu, zu helfen, ist gemeint. Da könnte ja jeder kommen. Da denk ich mir: Eigentlich ist es noch viel ärger: Jeder Christ repräsentiert in dieser Welt Jesus Christus – und wir sollten es da durchaus so tun, dass er erkennbar wird. Uns so verhalten, wie er es tun würde.

Machen wir uns die Hände schmutzig. Kündigen wir so manche unserer Verpflichtungen auf, um Zeit und Luft zu bekommen für das Wesentliche. Stellen wir das Heil der Menschen an die 1. Stelle.

Amen.

Predigt                                     Feuerwehr 29. 5. 2022, 9.30 Pucking

Sehr geehrte Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen, liebe Schwestern und Brüder!

„Dass alle eins sind“ – Einer der größten Wünsche, die Jesus in den Evangelien äußert.

Was ist denn damit gemeint? Einheit. Einheitlichkeit? Wenn alle das gleiche denken und glauben? Dieselbe Meinung haben? Gleich ausschauen?

In China hat man das versucht: Einheitskleidung, Mao-Outfit. Egal ob Manderl oder Weiberl. Optischer Ausdruck einer sogenannten Einheitspartei, zu der jeder ausnahmslos gehören musste. Die katholische Kirche in einer gewissen Ausrichtung hat das auch … die Puritaner in England …Iran zur Zeit von Khomeini, Saudiarabien. Diktaturen haben die Tendenz, alle gleichzuschalten. Wer besonders oder anders ist, ist gefährlich.

Bei diesen Ansätzen handelt es sich aber nicht um Einheit, sondern um Gleichförmigkeit.

Englischer Rasen. Lauter identische Grashalme in derselben Länge – und sonst nichts.

Ich persönlich freue mich mehr über eine bunte Blumenwiese: Das ist Einheit – unzählige unterschiedliche Pflanzen bilden etwas Schönes.

Ihr Feuerwehrleute kennt das ganz genau, was Einheit ist.

Bei einem Einsatz helfen alle zusammen.

Und zwar ganz bestimmt nicht so, dass jede/r der Beteiligten dasselbe tut: Es wäre extrem störend, wenn alle exakt denselben Handgriff tätigen würden!

Die Einheit besteht im gemeinsamen Ziel, das es mit vereinten Kräften zu erreichen gilt. Und das gelingt umso besser, je effektiver jeder einzelne seine/ihre individuelle lang geübte Aufgabe wahrnimmt. Nur am je eigenen Platz. Dann läuft alles wie am Schnürchen, bis es heißt: Brand aus.

Ganz ähnlich meint es Jesus.

Er will uns nicht „katholisch machen“ – alle nicken und beten und keine/r rührt sich und muckt auf.

In jeder Familie, in der Kirche, bei jeder Organisation und in Betrieben geht es dann vorwärts, können Ziele erreicht werden, je besser die einzelnen ihre Fähigkeiten und ihre Persönlichkeit entfalten und einbringen. Einmütig. Mit demselben Ziel vor Augen.

Ihr leistet eure Einsätze bei Feuer, Unfällen und Katastrophen – und ihr wisst, worauf es ankommt.

Ich verstehe gut, wieso Jesus sich diese Einmütigkeit so dringend wünscht.

Wenn nur alle, die sich Christen nennen, in allen Konfessionen, Staaten, Völkern, … sich vereint um die gro0en Ziele dieser Welt mühen würden: Frieden. Klimagerechtigkeit. Ende von Hunger und Not. Wasser und Medizin für alle.

Uneinigkeit, Streit, Hass, Neid und Unrecht sind die großen Bremser, die das gute Leben aller verhindern.

Wenn alle Menschen, die diesen Planeten bewohnen, gemeinsam handeln würden: Es wäre gar nicht anders möglich, als dass es gelingt.

Liebe Feuerwehrleute, ich danke euch heute für das gute Beispiel, das ihr gebt – dass ihr im örtlichen Bereich hier in Pucking zeigt, wie das geht, in Einheit zu handeln und gute Ziele zu erreichen.

Gott segne und helfe euch auch in Zukunft dabei.

Predigt                       Christi Himmelfahrt 2022

Liebe Brüder und Schwestern!

„Damit für uns der Himmel offen bleibt, haben wir auf Erden viel zu tun. Ihre Lufthansa.“

So war es vor einigen Jahren zu lesen auf einem riesigen Werbeplakat auf dem Flughafen Frankfurt.

Eine nette Verflechtung der beiden Bedeutungsebenen von „Himmel“ in unserer Sprache – der naturwissenschaftliche freie Raum zwischen den Himmelsobjekten, der uns hier durch Sonnenlicht und Luftspiegelung blau erscheint – und dem mythologischen Symbol für den Zustand der Seligen im Jenseits. Im englischen gibt es zwei Wörter dafür: Sky und Heaven. Vielleicht kennen wir alle das Lied „Imagine – imagine, there’s no heaven, only sky…“

Den Himmel offen halten, dafür sorgen dass er offen und erfahrbar bleibt – ist eigentlich die schönste und vornehmste Aufgabe der Kirche. Das Reich Gottes, die angebrochene Gottesherrschaft verkünden, deutlich machen, sichtbar und erfahrbar machen.

Der Himmel beginnt in dir, heißt ein Buch von Anselm Grün.

Dieser Himmel der Himmelfahrt – Jesus verließ die Jünger, heißt es im Evangelium, und wurde zum Himmel emporgehoben. „Und dann sahen sie ihn nicht mehr“ wird von den Emmausjüngern erzählt.

Jesus hat sich wieder ganz in den Raum, in die Dimension Gottes begeben.

Das bedeutet nicht, dass er weg ist, fort. Es bedeutet im Gegenteil, dass die Erfahrbarkeit des Reiches Gottes, das ja mit seiner Geburt begonnen hatte, nicht mehr an die räumliche und zeitliche menschliche Anwesenheit seiner Person gebunden ist – die Menschen sind ihm immer nachgelaufen, wollten ihm zuhören, von ihm geheilt werden, ihre Sünden von ihm vergeben lassen usw. –

Dieses Fortgehen, sich in den Himmel Gottes begeben, das meint, Jesus ist jetzt wieder bei Gott und der hat einen Namen: Jahwe. Ich bin da. Ich bin der für euch.

Gott in seiner Allmacht, der es vermag, ganz und ungeteilt bei jedem Menschen überall auf der Welt da zu sein, als Gesprächspartner beim Beten, als Helfer in der Not, im Vollzug der Sakramente als der, der sich hingibt in Brot und Wein, als der, der tauft, der Sünden vergibt, den Geist sendet, den Ehebund zweier Menschen segnet, Kranke aufrichtet, in seine Nachfolge beruft…   Frieden und Versöhnung stiftet, Gemeinschaft aufbaut und nährt als Herz und Blutkreislauf einer Pfarre, eines Ordens, der Weltkirche…

„In ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir“ heißt es in einem Hochgebet.

Christen sind eigentlich und im Grunde immer von dieser Gegenwart Gottes, Jesu durchdrungen und erfüllt. Wie die Luft, die wir atmen.

Zum Greifen nah für jeden, der dafür offen ist.

Ich habe schon einmal erzählt, dass ich zwei Jahre krank war und zeitweise solche Kreislaufstörungen hatte, dass mir immer schlecht und schwindlig war. Ich bekam manchmal Angst, wenn ich etwas erledigen musste, einen ort erreichen sollte… ob ich das wohl schaffe.

Ich war ja hartnäckig – mein Leben zu hause verbringen wollte ich nicht.

Ich hab dann ab einem bestimmten Moment glauben können. Jesus ist bei mir. Wie ein Freund, ein Bruder, der mich zur Sicherheit und aus Freundschaft begleitet.

Ich war dann von großer Freude und Beschwingtheit erfüllt, obwohl ich erst ein Jahr später ca. geheilt wurde.

Jetzt, wo es mir schon lange wieder gut geht, muss ich gestehen, denke ich nicht immer daran, dass Jesus immer bei mir ist…

Ich lade Sie ein, sich das auch vorzustellen. In schönen Zeiten, wenn gerade alles so prächtig aufblüht in Fülle, ist es wahrscheinlich leichter, und Gottes Wirken in dieser Welt vorzustellen. Aber er ist genauso da im Streit, im Konflikt, in Mangel und Not, in Krankheit, in sehr schweren Situationen. Jede Lage hätte, hat das Potential in sich, durch dieses Anteilnehmen und Dabeisein Gottes, dass sich Erstaunliches tut, zum Besten wendet.

Im Himmel, den wir uns als Zustand nach dem Tod vorstellen, fällt es uns leichter, das zu glauben. Dass es geht, dass Todfeinde sich versöhnen, Mörder und Ermordete, Folterer und Gefolterte, Kinderschänder und Missbrauchte. Klar, sind die Betroffenen ungeheuer gefordert, sich auf diesen Prozess einzulassen.

Es geht aber schon jetzt, vor dem Tod.

Und die Kirche, die Amtskirche, aber wir alle als mündige Christen, haben die Aufgabe, von diesen Möglichkeiten zu sprechen und zu zeigen, wie’s geht… Und in der Feier der Liturgie die Erlösung zu feiern durch angemessene und ansprechende Gestaltungsformen. Es muss mindestens das zu merken sein, dass Gott, Jesus alle Menschen in gleicher Intensität liebt und in seiner Nähe haben will…

So ein offener Himmel, ein erlebbarer Jesus – wäre das nicht die beste Werbung für die Kirche? Auch im Interesse von Wachstum der Gemeinde, von Zuwachs an geistlichen Berufen? – Für die wir heute auch im Rahmen des Bittgottesdienstes beten, in Umwandlung der Luftfahrtwerbung könnte es heißen:

Damit der Himmel für uns offen bleibt, haben wir auf Erden alle Hände voll zu tun. Machen Sie mit! Ihre Kirche.

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Heute haben wir hier bei uns in der Kirche verschiedene Hirtinnen und Hirten versammelt.

Die Mütter, deren Ehrentag heute begangen wird; die Feuerwehrmänner und -frauen; die Mitglieder der Musikkapelle….

Menschen, die darauf schauen, dass es anderen gut geht, die für andere sorgen, für sie da sind.

Menschen, die sich für andere einsetzen. Tag für Tag, ja Tag und Nacht, Stunde um Stunde.

Die Feuerwehr hat in ihrem Patron, dem Heiligen Florian, das eindrucksvolle Vorbild eines guten Hirten: Er war ja zuerst beliebter und tüchtiger Stadtpräfekt in Lauriacum, vergleichbar einem heutigen Bürgermeister. Als die Christenverfolgung extrem wurde, war er abwesend – die Christengemeinde vor Ort brachte ihm eine Nachricht, wie schlimm es stand, und er blieb nicht in der sicheren _Ferne, sondern kehrte zu denen zurück, die ihm am Herzen lagen, nahm das Risiko des Martyriums in Kauf, was er dann auch erleiden musste. Zusammen mit seinen Gefährten…

Der Heilige Florian hatte seinerseits ein Vorbild: Jesus Christus selber.

Und alle anderen Hirtinnen und Hirten, allen voran die Mütter, haben dieses Vorbild auch.

Aber Jesus ist für sämtliche Eltern, Einsatzkräfte, Sozial- und Seelsorgsberufe nicht nur ein Vorbild.

Er sagt von sich: Ich bin der gute Hirte. Und die ihm Anvertrauten hören auf seine Stimme.

Im Idealfall.

Warum ist es für uns gut, wenn wir auf seine Stimme hören?

Im Jahr 2010 durfte ich 2 Wochen in der Mongolei verbringen, zu Fuß, mit dem Bildungshaus Puchberg.

Da trafen wir unterwegs immer wieder auf Hirten mit ihren Schaf- und Ziegenherden: Hunderte, ja manchmal über 1000 Tiere gehörten zu so einer Herde.

In der Weite der Steppe kommt für die Tiere alles darauf an, die Stimme ihres Hirten zu hören – die Herden sind wegen ihrer Größe manchmal auf einem Umkreis von ein oder 2 Kilometern verstreut. Zum Aufbruch ruft sie der Hirte zusammen, der auf einem Pferd reitet und von einem Hirtenhund begleitet wird. Wenn einzelne Tiere zurückbleiben würden, weil sie den Hirten überhören, wäre es verkehrt.

Wieso ist es gut, wenn wir die Stimme unseres Hirten hören,? Was sagt uns Jesus denn – oder Gott selber?

Menschen, die beruflich – und Mutter sein ist ein fordernder Beruf – genauso wie Feuerwehr oder Rettung … sich für andere einsetzen, gehen öfter über ihre eigenen Grenzen des Schaffbaren, des gesundheitlich Verträglichen und Zuträglichen und können irgendwann einfach nicht mehr. Bis zum Zustand des Krankseins.

Es ist gut, da zu wissen, es ist noch ein anderer Hirte da- Ich bin nicht für alles und jedes selber zuständig und verantwortlich. Da sorgt auch jemand für mich. Jemand, der das wirklich kann. Weil er allmächtig allgegenwärtig allwissend ist und weiß was ich gerade brauche, was nottut und was gut tut.

Viele Menschen betrachten Gott, wenn sie beten, wie einen Feuerwehrmann – es brennt der Hut, und er soll und möge bitte schleunigst Abhilfe schaffen.

Dabei handelt Gott eigentlich wie eine gute Mutter: Ist um uns bemüht, ohne dass wir es andauernd merken … auch und gerade in den kleinen Dingen des Alltags …

Der gute Hirte Jesus möchte uns mitteilen: dass er da ist – dass die menschlichen Hirten in ihren verschiedenen Erscheinungsformen nicht auf sich allein gestellt agieren müssen, sondern einen haben, der hilft. Der Mut macht – auch zur Pause und Erholung angesichts und trotz der Nöte dieser Welt, der neue Energie gibt, zu dem wir selber kommen dürfen mit unseren Fragen Zweifeln und Nöten, wo wir Trost und Stärkung finden – und zwar jederzeit.

Im Trubel des Geschehens dürfen wir seine beruhigende Stimme hören.

Gott sagt uns, dass wir nicht perfekt sein brauchen, sondern dass unser Einsatz so wie er ist, genügt.

Nur dort, wo Menschen Augen und Ohren verschließen so in der Einstellung, das alles geht mich nichts an, da will uns seine Stimme wachrütteln.

Ich möchte Ihnen, den Müttern, den Feuerwehrleuten und den Musikern, gratulieren: Ihr habt auf die Stimme gehört, die da sagt: Es kommt auf dich an. Du kannst und wirst etwas bewirken.

Und ich möchte Mut machen allen, die noch nicht so wirklich glauben, dass sie und niemand anderes der Hauptdarsteller, die Hauptdarstellerin im Film des eigenen Lebens sind. Nebenrollen oder Statisten gibt es nicht bei Gott. Jesus lädt uns ein, dass wir uns selbst so ernst und so wichtig nehmen, wie er es mit uns tut.

Wir stehen oft ein bisschen wie daneben, wie in einer Ecke, im Abseits, als ob wir nur Zuschauer/innen wären in unserem Leben.

Für den himmlischen Hirten – also in Wirklichkeit – sind Sie, jede/r einzelne, DER STAR, ohne den es nicht geht.