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Predigt                                                                 Sonntag, 28. 6. 2020

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Sind wir nicht gerade erschrocken beim Anhören des Evangeliums?

„Wer Eltern oder Kinder mehr liebt als Jesus, ist seiner nicht würdig… ?

Soll das etwa gute Nachricht, frohe Botschaft sein?

Umfragewerte heute zeigen: Die Familie genießt den höchsten Stellenwert.

Das war übrigens zur Zeit Jesu genauso, damals war der Stellenwert sogar noch höher.

Und genau deswegen sagt Jesus diese Worte.

Schauen wir uns die damalige Situation einmal an:

Im damaligen Israel gab es nichts Wichtigeres als die Familie. Das war das Um und Auf.  Die mizpoche, die Sippschaft, im heutigen Judentum ist es noch so, da hält man zusammen, ja es ist fast so: außerhalb kein Heil. Vielleicht waren manche von uns in Mittel- oder Süditalien auf Urlaub oder haben Bekannte, Verwandte dort, im Mittelmeerraum ist es viel stärker. Und erst recht im Orient, besonders damals. Ein herausfallen aus diesem Familienverband war beinahe gleichbedeutend mit einem Herausfallen aus der Gesellschaft.

Die ersten Christen, die Anhänger Jesu haben die Erfahrung gemacht: wenn wir an Jesus und sein Evangelium glauben, dann fallen wir heraus aus unseren Lebenszusammenhängen, dann sind wir bedroht und verfolgt, dann geht es uns nicht mehr gut …

Die frohe Botschaft, die Jesus für sie hat, lautet: es gibt etwas, das noch wichtiger ist als die Familie. Das ist Gott selber und das seid ihr selber, als Mensch, als Person, egal wo und wie ihr lebt … Ihr seid unendlich wertvoll und geliebt unabhängig von eurem Familienstand und eurer sonstigen Zugehörigkeit …

Wenn ihr gesellschaftlich und religiös – wegen Jesus Christus – aus euren Bezügen und Verbänden und Gemeinschaften herausfallt, dann seid ihr dennoch bei Gott geborgen, ja erst recht deswegen schaut Gott, schaue ich besonders auf euch.

Liebe Brüder und Schwestern, diese Botschaft gilt uns heute.

Das Orientieren an dem, was Gott, was Jesus will, ist für viele Menschen schwieriger, als wir uns im Moment vorstellen.

Ja, es gibt Menschen, die halt nicht am Sonntag in die Kirche oder auch in eine Gruppe, Bibelrunde usw.  gehen oder sich in der Pfarre engagieren, obwohl sie sich dafür interessieren würden, weil sich Familienmitglieder, der Partner, die Eltern, die Kinder, die Nachbarn, Kollegen … darüber lustig machen – weil sie befürchten, etwas von ihrem Ansehen zu verlieren.

Zu mir hat einmal ein Vater von einem Schüler oder einer Schülerin, die ich in Religion hatte, gesagt: Naja, Sie müssen ja in die Kirche gehen …

Er hat es eher bedauernd gemeint, so in der Art, ich wäre im Grunde ganz ok, ich kann ja nichts dafür, weil ich muss … gehört zum Beruf dazu und der Chef möchte es wohl …

Ich hab gesagt, nein, ehrlich gesagt, ich gehe freiwillig und absichtlich und sehr gern in die Kirche, und das hat er nicht wirklich verstanden…

Noch mehr werden Menschen aber in unserer Gesellschaft  – ja sogar verunglimpft und beschimpft und in den sozialen Medien bedroht, wenn sie öffentlich für die Werte des Evangeliums eintreten und deswegen caritativ tätig sind. „Das sind ja Gutmenschen“ ist da noch relativ harmlos, obwohl es durchaus als Schimpfwort gemeint ist.

Werte des Evangeliums – dass jeder Mensch gleich viel wert und gleich schützens- und achtenswert ist wie jede/r andere …

Im heutigen Text liegt noch eine radikalere Botschaft, von der sich in den letzten 2000 Jahren viele Christen leiten haben lassen, die uns heute nicht mehr so geläufig ist…  Wenn ich Jünger, eine Jüngerin Jesu, getaufte/r Christ/in bin, dann gibt es für mich keine Fremden mehr. Vor Gott sind wir alle Geschwister…

Und wenn die Blutsverwandtschaft und eigene Familienzugehörigkeit im Judentum zur Zeit Jesu den denkbar höchsten Stellenwert hatte und Jesus so spricht wie heute im Evangelium, dann können wir daraus ableiten, wie wichtig wir Menschen nehmen sollen, die nicht im bürgerlich traditionellen Sinn zu unserer Familie gehören.

Alle die, die z. B. in irgendeiner Weise Unterstützung brauchen. In der Bibel gibt es da zig Mal die gleiche Aufzählung: Fremde, Alleinstehende jeder Art (in der Heiligen Schrift heißt es Witwen und Waisen), Arme. Das sind genau die, die bei Gott in besonderem Ansehen stehen, auf die er schaut …

Wenn wir heute am Ende des Gottesdienstes für die Caritas etwas ins Körbchen hinten geben, dann unterstützen wir im Grund unsere eigenen Geschwister …

Es kann auch eine Option, gute Möglichkeit sein, wenn wir bei der nächsten Gelegenheit, wo jemand über die Caritas oder über „Gutmenschen“ schimpft,  diesem Tun. beherzt entgegentreten.

Ich freue mich auch, wenn es Menschen gibt, die in einem Caritasausschuss der Pfarre mittun – den gibt es nämlich derzeit nicht, es wäre aber höchst notwendig.

Und überhaupt mehr auffallen, wenn es darum geht, Gutes zu tun.

Predigt                                                                      21. 6. 2020  Haid

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

„Muss ich euch das wirklich dreimal sagen!?“

Wer sagt so etwas, wer hat das schon einmal von jemandem gehört?

Genervte Eltern zu den Kindern: … dass ihr im Wohnzimmer nicht Ball spielen sollt! … – dass die Kirschen noch nicht reif sind und ihr sie noch nicht essen sollt … dass zuerst die Hausübung gemacht wird und ihr nachher auf dem Spielplatz dürft …?!“ Oder vom Arzt: „… Dass Ihre Beschwerden nicht besser werden, solange Sie Ihre Ernährung nicht umstellen …“

Meistens ist es etwas, was wir NICHT tun sollen.

Auch Jesus sagt im heutigen Evangelium etwas dreimal: Fürchtet euch nicht!“

Diese Aufforderung steht im Neuen Testament übrigens genau 120 mal. Engel sagen es, Gott selber, und eben Jesus.

Ja gut, werden wir jetzt sagen, aber Angst ist doch normal, die tritt einfach auf, was kann ich da dagegen schon tun?

Angst, Furcht hat aber 2 Nuancen.

Es gibt die gesunde Angst. Der Mechanismus des Unterbewusstseins: Kampf oder Flucht. Der Puls beschleunigt sich, alle Kraftreserven werden mobilisiert, um adäquat auf die aktuelle Situation reagieren zu können. Es würde zu lange dauern, wenn wir bewusst darüber nachdenken müssten, also geht es praktisch automatisch. Gäbe es diese Art der Angst nicht, wäre die Menschheit vermutlich schon ausgestorben.

Und dann gibt es die Angst, die gelernt wurde, die antrainiert ist, die gesellschaftlich oder kulturell üblich und allgemein ist, aber vielleicht nicht oder schon lange nicht mehr logisch begründbar. … Was könnten die anderen denken … religiöse oder gesellschaftliche Tabus … eine Katastrophe könnte ausbrechen, wenn …

Die wirklich gute Nachricht heute von Gott an uns: er möchte uns Menschen von beiden Arten der Furcht frei machen.

Die Angst nämlich, dass die Jünger Jesu verfolgt werden würden, zu Außenseitern der Gesellschaft, Verurteilung und Tod drohten, war in der Realität begründet. Es waren Tatsachen, mit denen gerechnet werden musste.

Und nicht einmal da sollen sie sich fürchten.

Wie viel mehr, liebe Brüder und Schwestern, gilt die Aufforderung zur Furchtlosigkeit uns heute!

Wovor fürchten sich Menschen in unseren Breiten, zu unserer Zeit im Normalfall?

Wovor haben wir Angst – Sie und ich? Höchstwahrscheinlich nicht vor Verfolgung aufgrund unserer Glaubenszugehörigkeit.

Eher vor schwerer Krankheit und Tod. Vor Schmerzen, vor Leiden, vor Unheilbarkeit.

Davor, einen lieben Menschen zu verlieren.

Dann gibt es die Angst, zu wenig zu bekommen – an materiellen Gütern.

An Zuwendung, Aufmerksamkeit und Liebe.

Und die Angst, dass die eigenen Rechte beschnitten werden, dass die Integrität verletzt wird, die Würde.

All diese Ängste machen das Denken eng. Sie sind Ursache sämtlicher Sünden, die wir auf dieser Erde kennen. Sich bereichern auf Kosten anderer, auf Kosten der Natur, auf Kosten der Völker im Süden, in armen Ländern. Falschheit, Misstrauen, Hass, Gewalt, Verstellung, Zurückhaltung von Informationen, andere klein halten, damit man selbst groß herauskommt … lauter Absicherungsmaßnahmen, damit es einem selbst so gut wie möglich geht. Fanatismus in den Religionen, Unterdrückung, weltanschauliche Verfolgung… Unfreiheit, mangelnde Bildung … untaugliche aber allgemein verbreitete Mittel, um de eigene angst zu bekämpfen, die eigene Unsicherheit in Glaubensfragen, Zweifel nicht aufkommen zu lassen…

In den vergangenen Monaten haben wir erlebt, wie die Angst vor Erkrankung und die Angst vor Unfreiheit durch Kontrolle und Überwachung aufeinanderprallen.

Angst ist eine schlechte Ratgeberin, wie es das Sprichwort sagt.

Vor vielen Jahren hat ein Exerzitienbegleiter zu mir gesagt: Die einzige wirkliche Sünde ist das Misstrauen Gott gegenüber, dass wir seiner Güte nicht vertrauen.

Oder, das sage ich: dass wir ihn aus unseren Überlegungen überhaupt ausblenden und tun, als gäbe es ihn nicht.

Jesus lädt uns ein zum gelingenden Leben. Er möchte, dass wir glücklich sind. Wenn er uns auffordert und herausfordert, unsere Furcht loszulassen, dann setzt er etwas dagegen, dann bietet er uns eine Alternative an: Das Gottvertrauen imBewusstsein, dass meine Haare auf dem Kopf gezählt sind, dass alle meine Ängste und Sorgen und Lebensumstände – gegebenenfallls auch Missstände – bestens bekannt, liebevoll im Blick Gottes geborgen und aufgefangen sind.

Die äußeren Umstände haben nicht die letzte Macht und das letzte Wort – die oberste Instanz ist Gott selber, an den wir uns jederzeit wie an einen guten Papa wenden dürfen. Und Jesus ist bei uns. Wenn ich das weiß, dann besteht tatsächlich kein Grund, sich zu fürchten.

In meiner Jugend war ich zwei Jahre krank, zeitweise litt ich unter derart schlimmen Kreislaufstörungen, dass ich eigentlich am liebsten nicht außer Haus gegangen wäre. Es kam für mich nicht in Frage, eingesperrt zu sein, nicht fortzugehen, studieren, einkaufen gehen usw…Leute treffen.

Ich habe dann wortwörtlich darauf vertraut, dass Jesus wie ein Bruder oder Freund überall mit mir hingeht. Das hat mir wirklich geholfen.

Die Angst löste sich auf.

Und das wird sie bei jedem von uns tun. Wenn es eng wird, richten wir unseren Blick auf den, der bei uns ist, und er wird sich weiten.

Predigt                        Fronleichnam 2020

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Haben Sie heute schon Brot gegessen? Irgendein Gebäck? Vermutlich schon. Es ist heute gar nicht mehr so sicher, dass jede/r täglich Brot isst.

Zur Zeit Jesu war Brot das Grundnahrungsmittel schlechthin. Die Mahlzeit der einfachen Bevölkerung bestand aus Brot, vielleicht ein paar Oliven und Käse, und Wasser, das ein bisschen mit Wein gespritzt war wegen der Verträglichkeit, als Desinfektion, das Brunnenwasser war nicht immer einwandfrei sauber oder sagen wir keimfrei.

Brot war das Um und Auf der menschlichen Grundversorgung, es wurden Kriege darum geführt – das römische Reich brauchte Ägypten als Provinz wegen der Weizenanbauflächen.

Es ist kein Zufall, dass Jesus für das bleibende Zeichen seiner Anwesenheit bei uns Brot (und auch Wein) gewählt hat.

Erstens wollte er sicher gehen, dass wirklich jeder mindestens einmal am Tag an ihn denkt.

Gehen wir in unserer Vorstellung hinter die historische Entwicklung des Altarsakraments zurück, ganz an den Anfang. Da gab es keine Messfeier in unserem Sinn – da gab es die normalen Mähler, bei denen ganz normal gegessen und getrunken wurde – und beim Brotbrechen an Jesus gedacht, über ihn gesprochen, gebetet …

Jesus wollte, dass wirklich jeder mindestens einmal am Tag an ihn denkt. Aber er wollte noch mehr:

Wenn wir ohne Brot nicht leben können –

Wir haben Jesus Christus, ja, unsere Verbindung mit Gott, so bitter nötig wie das tägliche Brot.

Es ist ungewöhnlich, so zu denken, aber glauben Sie mir. Denken sie zumindest zuhause einmal darüber nach.

Wenn wir am Fronleichnamsfest Jesus in Gestalt des Brotes durch Städte, Dörfer, durch die Kulturlandschaft tragen, so drücken wir eine tiefe spirituelle, theologische Wirklichkeit aus:

Jesus ist bereits überall anwesend.

Er ist zu den Menschen gekommen.

In den Familien, auf der Straße, in den Geschäften, Fabriken, Krankenhäusern und Ämtern, in Wald und Feld, auf Sportplätzen usw. wartet Jesus darauf dass wir ihn bemerken und haben wollen, was er zu bieten hat.

Jesus hat, als er auf dieser Erde lebte, die Trennung zwischen Sakral und Profan aufgehoben. Aber nicht in der Weise, wie das heute meistens gedacht wird: es gibt nichts Heiliges, Sakrales mehr, nein umgekehrt. Weil er überall ist, hineingekommen ist, deswegen ist alles heilig.

Die Pflanzen, Tiere, leblosen Dinge, die gesamte Natur und erst recht und natürlich die Menschen …

Wenn wir das ernst nehmen würden, nur wir Christen: Wie würde unsere Erde aussehen – unser Land, unsere Familien, Geschäftsbeziehungen, unsere Pfarren, unsere Kirche …

Jesus ist überall – so unscheinbar und verborgen wie in dem Stück Brot, das wir als Hostie heute herzeigen und herumtragen. Das Auffällige ist das Gerät aus Gold und Edelsteinen, das dazu verwendet wird.

5 Gramm Jesus – das 300fache an Gold und Verzierung, Drumherum – ja, ist zu seiner Ehre so gemacht worden – aber da muss man gut achtgeben, dass man ihn nicht übersieht …

Leider ist es bei uns auch oft so: Vor lauter Drumherum, auch wenn wir es gut meinen, vor lauter Aktivitäten, Stress, Verbindlichkeiten usw. – was wir uns selber oder andere uns aufhalsen -, übersehen wir das Eigentliche.

Wir alle haben jetzt zweieinhalb Monate hinter uns, wo das äußere Drumherum zum Großteil weggefallen ist und wir wahrgenommen haben, worauf es ankommt, Oft schmerzlich, weil das Umarmen, der Händedruck, das Besuchen von Verwandten … das Zusammensitzen in geselliger Runde im Freundeskreis, das übliche gesellschaftliche Leben… nicht möglich waren. Auch keine Gottesdienste in der Kirche.

Vor einem Jahr – da war das allesselbstverständlich, nichts Besonderes …

Jesus möchte für uns da sein, ist für uns alle da: so selbstverständlich, nahrhaft und nutzbringend wie das tägliche Brot.

Es käme darauf an, zu bemerken, wie er in allen Lebenslagen zu uns steht, uns hilft, stärkt, …

Ich habe lange Jahre Religion unterrichtet. Kindern in der 2. Klasse Volksschule das Bild einer Fronleichnamsprozession gezeigt und gefragt: „Was siehst du da?“ Ein besonders aufgeweckter kleiner Bursche hat gemeint: Das kenn ich, das ist eine Parade.

Wenn wir in der heutigen Parade etwas später feierlich das Beste herzeigen, was wir zu bieten haben, dann sind wir spätestens ab morgen, besser schon ab heute Nachmittag, herausgefordert, in unseren Lebenswelten dasselbe zu tun. Wir sind ja jede/r eine lebendige Monstranz, sobald wir aus der Kirche hinausgehen nach dem Kommunionempfang. Zeigen wir, was wir katholische Christen im besten Fall zu bieten haben. In allen Eventualitäten und jedweder Lage für alle Menschen …

Ohne überflüssige Schnörksel – jedoch unübersehbar.

Predigt                                                       Dreifaltigkeitssonntag 2020

Liebe Brüder und Schwestern!

Achten Sie auf das Kleingedruckte! Heißt es oft, wenn es um Verträge oder Versicherungen geht. Schon manche haben ein böses Erwachen erlebt, als plötzlich unerwartete Nebengebühren angefallen sind, das Honorar oder die Versicherungssumme weit niedriger ausgefallen ist als angenommen …

Und dann heißt es: na, das hätten Sie aber wissen können …

Was hat das mit dem Dreifaltigkeitssonntag zu tun?

Der Glaube an den dreifaltigen Gott ist das grundlegende Unterscheidungsmerkmal zwischen „christlich“ und „nicht christlich“, was Religionen oder religiöse Gemeinschaften betrifft. Und das spielt in unserer heutigen Zeit eine größere Rolle als wir hier, wenn man uns schnell fragt, eigentlich meinen würden.

Jede Menge religiöser Erscheinungsformen tummeln sich auf dem freien Markt und bieten ihre Vorzüge an. Bei der einen Richtung wird umfassende Heilung versprochen, bei einer anderen Erfolg auf der ganzen Linie, wieder woanders garantierte spirituelle Weiterentwicklung bis zur göttlichen Vollkommenheit – und zwar ganz ohne die kirchliche Tradition und Hierarchie, unter der wir alle mehr oder weniger leiden und wo man gern was los wäre.

Versprochen wird nämlich in ca. zwei Drittel der Angebote, dies hier sei das bessere, erleuchtetere Christentum, wie es Jesus wirklich gemeint hat – übrigens haben das sämtliche Sekten der vergangenen 2000 Jahre genauso geglaubt.

Und jetzt wird es interessant, auf das Kleingedruckte zu achten – wo wir ungefragt mitgeliefert bekommen, was wir nicht bestellt haben.

Jesus bekommt in dieser religiösen Esoterikszene nämlich einen ganz hohen Stellenwert. Die Menschen, die sich von einer der Großkirchen nichts mehr erwarten oder enttäuscht sind und nichts mehr zu tun haben wollen, z. B. austreten, haben noch Jesus Christus im Herzen und möchten durchaus mehr über ihn erfahren, wissen, ihm näher kommen. Gehen Sie in die esoterische Buchhandlung und schauen Sie sich die Bücher oder Angebote an. Vorne auf dem Umschlag – Jesus Christus. Und viele andere Gestalten und Symbole des Christentums: Bibel, Maria, Heilige, Engel, Weihrauch, gotische Kirchenfenster …

Und wenn man genauer hineinliest: Jesus ist ein besonderer Mensch, ein Erleuchteter, aufgestiegener Meister, in derselben Gewichts- und Qualitätsklasse wie etwa Buddha, Zarathustra, Mose, Maria aus Nazaret …

Diese Anschauung , dass Jesus zwar der einzige Sohn Gottes, aber nur Mensch sei, wenn auch der denkbar beste und vorbildlichste, hat es in den Anfängen der Kirche gegeben – und ist beim Konzil von Nicäa 325 als unrichtig verurteilt worden.

Solche theologischen Spekulationen sind eh wurscht, denken vielleicht manche – mir nicht. Ich denke, es ist immens bedeutungsvoll, ob all das, was ich von Jesus weiß, ein vorbildlicher Mensch gesagt und getan, erlebt und erlitten hat – oder Gott selbst.

Wenn es nicht sicher ist, oder egal ist, ob Jesus Gott ist …

Das ist ein anderer Grad an Verbindlichkeit.

Für die Muslime ist Jesus ein wichtiger Prophet. Die Zeugen Jehovas glauben, Jesus ist nur Mensch.


Ganz ähnlich ist es mit dem Glauben an den Heiligen Geist als Person. Wenn wir das hebräische Wort übersetzen, die Heilige Geistin – Ruah Jahwe. Es ist auch eine Fehlform, sich die Dreifaltigkeit als drei männliche Personen vorzustellen.

In der Esoterikszene ist die Rede von der göttlichen Energie, die überall reichlich vorhanden sei und nur durch speziell erlernbare Techniken kanalisiert oder angezapft zu werden braucht – wie eine Stromleitung.

Nicht aber Person, die auch von sich aus aktiv wird, auf Menschen zugeht – und Bitten erhört oder auch nicht, wenn es nicht gut ist – wo es um den Kontakt geht zwischen Personen …

Gottes Geist sorgt ja v. a. auch für den guten Kontakt der Menschen untereinander, für den Gemeindeaufbau, für Struktur … Wo „Kirche“ (jetzt egal welcher Konfession) keine Rolle mehr spielt, wo alles individuell ist und jeder als einzelne/r für das eigene Heil selbst verantwortlich ist – da fehlt Wesentliches.

Oder wo eine Heilige Schrift direkt diktiert wird – in der Esoterik Channeling -, vom Himmel fällt, wo es keine Auslegung, Weiterentwicklung etc. geben darf … das ist Leugnung des Heiligen Geistes, der in Freiheit und Liebe mit freien Menschen wirkt. Die historisch kritische Bibelauslegung kommt dem auf die Spur.

Wenn schon das Bild vom Kanal für die göttliche Eingebung verwendet wird, dann müssen wir uns vorstellen, dass jeder menschliche Kanal innen eine Farbe, einen Geruch, Geschmack … hat, was auf das Wasser der Botschaft übertragen wird. Wahrscheinlich auch Schmutz, der die Qualität beeinträchtigt … Bibelauslegung erforscht, was für historische, kulturelle, persönliche … Beimengungen drin sind … dass sie drin sind, ist nichts Schlechtes, das ist ganz normal und erwartbar. Man muss nur wissen darum. Fundamentalismus tut so, als ob es diese menschlichen Dreingaben, Eigenheiten…  nicht gäbe…

Gottes heiliger Geist wirkt voller Respekt vor dem Menschen mit dem Menschen zusammen. Übrigens tut das auch Jesus überall in den Evangelien. Und der Gott Israels im AT.

Das ist die große Gemeinsamkeit. Jede der drei Personen ist ganz außer sich vor Liebe zu jeder und jedem einzelnen von uns Menschen. Auch zur ganzen Schöpfung …

Und wir, Sie und ich, sind in dieser immensen Liebe mitten drin …

Liebe Brüder und Schwestern!

Winnetou, Old Shatterhand, Robin Hood, Aeneas, Odysseus, König Artus, Johanna von Orleans, Gandhi, Friedrich Bonhoeffer, Sophie Scholl, Harry Potter, Mutter Teresa … Bischof Erwin Kräutler …

Echte Personen und erfundene Gestalten –

Was haben sie gemeinsam?

Sie sind unter Umständen das, was wir als Helden oder Heldinnen bezeichnen können.

Was sind Helden?

Sie setzen sich unbedingt für das Gute ein. Für Schwächere, für Gerechtigkeit.

Oft gegen eine Übermacht, gegen den Widerstand der Mächtigen, nehmen Verfolgung und Unbequemlichkeit, Mühe … unbeirrt in Kauf, haben einen guten Charakter, Gerechtigkeitssinn, sind hilfsbereit, sozial eingestellt, geben das Äußerste für ihre Ideale, und die sind sehr hoch.

Vorbilder, Originale, nicht erreichbar, man fühlt sich sicher, wenn sie da sind. Man empfindet es als tragisch, wenn se sterben, wenn sie nicht mehr sind.

So in diese Richtung etwa haben sich die Menschen zur Zeit Jesu den Messias erhofft.

Jesus ist durchaus in vielem so gewesen als Mensch auf der Erde.

Aber eben noch viel mehr, er hat den Rahmen gesprengt.

Bei der Himmelfahrt – oder wie wir das, was in Lesung und Evangelium geschildert wird, nennen wollen, geht er noch ein letztes Mal über menschliche Maßstäbe und Erwartungen hinaus.

Himmelfahrt – das ist ein Abschied. Ein menschenfreundlicher Abschied. Vorsichtig, behutsam, nach und nach.

Jesu, der Auferstandene, zeigt sich immer und immer wieder den Jüngerinnen und Jüngern.

40 Tage ist keine Zeitangabe, sondern 40 ist die biblische Zahl der Vollkommenheit. Der Abschied, die Phase der Umstellung auf das Neue, dauert genau so lang, wie es gut ist. Eine ideale Zeitspanne. Bis alle Jünger so weit sind und es packen. Trauer und Überraschung und Schock und alte Erwartungen verarbeitet haben.

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren: Jesus hätte es gern schneller, er hätte uns Menschen gern selbständiger, mutiger, … und er verabschiedet sich zum frühest möglichen Zeitpunkt.

Es entspricht seinem Wesen und dem Wesen Gottes, uns selbständig agieren zu lassen. Er braucht uns nicht zu kontrollieren wie ein misstrauischer Chef. Er vertraut uns wie seinen besten Freunden.

Gott sieht uns allezeit, aber er schaut uns voll Liebe an wie eine Mutter, die die Fortschritte ihres Kindes beobachtet …

Klopft uns nicht gleich auf die Finger, wenn wir etwas falsch machen, lässt uns die Folgen ausbaden, aber unterstützt uns dabei.

Und nie entzieht er uns das Vertrauen …

Jesus handelt auch wie optimale Pädagogen: Er zeigt den Jüngern alles, er lehrt sie alles, er sagt: Was ich tue könnt ihr ebenfalls, und sogar noch Größeres …

Sie waren auch immer wieder ohne ihn, selbständig unterwegs, haben verkündet, geheilt, Wunder gewirkt.

Jesus hat die Seinen zur größtmöglichen Selbständigkeit erzogen.

Die allzu Zaghaften tröstet er mit der Zusage: ich bin eh bei euch…

Wir brauchen seine Freundschaft, wir brauchen das: zu fragen: was hätte Jesus gesagt, was würde er in einer bestimmten Situation tun, wie würde er entscheiden …

Da könnte sich die Kirche ein gutes Stück abschneiden: Entscheidungen, die von Angst oder Kontrolle, von Vertrauensverlust oder -verweigerung bestimmt werden, kommen ganz sicher nicht vom Heiligen Geist.

Wartet, bis der Heilige Geist euch erfüllt – wartet mit Entscheidungen, bis ihr das ganz deutlich spürt …

Aber dann nichts wie los.

Der „Weiße Sonntag“, unser letzter Exerzitientag. Hier das heutige Evangelium:

Joh 20, 24-29

24 Thomas, der Didymus genannt wurde, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.

25 Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.

26 Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt und Thomas war dabei. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch!

27 Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!

28 Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott!

29 Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

Gedanken dazu – auch für die kommende Zeit nach den Exerzitien:

Gott hat unendlichen Respekt vor unserer je eigenen Persönlichkeit. Kommt uns genau dort entgegen, wo wir es brauchen.

Wenn irgendwo Zweifel auftreten oder ich etwas (genau/er) wissen will, frage ich ab jetzt Jesus selbst. Ich kann mich jederzeit an ihn bzw. an Gott selbst wenden.

Egal in welcher Form, mit welchen Worten – Hauptsache, ich tue es.

Nachdem Hiob Gott mit den schlimmsten Anschuldigungen konfrontiert und darauf ausführlich Antwort bekommt, sagt er: „Vom Hörensagen nur hatte ich von dir vernommen. Nun aber hat mein Auge dich geschaut.“ (Ijob 42,5)

Das worauf es ankommt, ist eine persönliche authentische individuelle Gottesbegegnung.

Theologische Bildung, Austausch mit anderen, immer wieder Dazulernen sind wichtig und notwendig.

Aber: Der christliche Glaube ist kein Lehrsatzgebäude, sondern eine Erfahrungsreligion. Nicht ohne Grund wurden wir zu Beginn „Anhänger des neuen Weges“ genannt.

Glaube(n) ist ein Prozess. Machen wir es wie Thomas: Probieren wir aus, treten wir in Kontakt!

Du selbst – und niemand sonst! – bist der/die Experte/in deines Lebens, für deinen Lebensweg.

Nichts und niemand, weder die heiligste Lehre noch die erhabenste Erfahrung eines heiligen Menschen noch die oberste irdische religiöse Instanz kann mir und dir die Entscheidung abnehmen, kann es mir und dir abnehmen, das Leben zu leben.

Wir, jede/r von uns, sitzt an der Quelle. Direkter Kontakt zu Gott ist unser Geburtsrecht und Merkmal als Menschen. Wir dürfen wie Thomas diesen unmittelbaren Kontakt einfordern!

Probiere aus, tritt in Kontakt, sei dabei du selbst!

Noch ein Satz von Ignatius von Loyola zur Stärkung auf dem Weg:

Die wenigsten Menschen ahnen, was Gott aus ihnen machen könnte, wenn sie sich ihm ganz überließen.

Und: Machen Sie Gebrauch vom Chat oder Telefon!

Nach Corona bin ich auch gern für ein persönliches Gespräch erreichbar.

Zur Betrachtung:

Joh 21, 15-19

15 Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer! 16 Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! 17 Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Liebst du mich? Er gab ihm zur Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! 18 Amen, amen, ich sage dir: Als du jünger warst, hast du dich selbst gegürtet und gingst, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst. 19 Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen werde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!

Anregung zum Weiterdenken:

Wie fühlt sich Petrus? Er Jesus verleugnet, ist dann wahrscheinlich davongerannt …

Ja, er liebt Jesus … aber seine menschlichen Eigenheiten sind stärker.

Jesus wartet auf seine Entwicklung – und gibt ihm trotzdem den Auftrag gleich.

Joh 21, 1-14

1 Danach offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal, am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise. [1] 2 Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus, Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen. 3 Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts. 4 Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. 5 Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr keinen Fisch zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. 6 Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas finden. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es. 7 Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See. 8 Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot – sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen – und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her. 9 Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot liegen. 10 Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt! 11 Da stieg Simon Petrus ans Ufer und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht. 12 Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu befragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. 13 Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch. 14 Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.

Jesus sorgt für die Seinen …

Wann begegne ich dem Auferstandenen in dieser Art, dass ich spüre: Er sorgt für mich?

Gebe ich der Versuchung nach, von „glücklichen Zufällen“ zu sprechen?

Was müsste geschehen, dass ich mich traue, seine Anwesenheit bei uns, sein Wirken… zu bezeugen?

Die „Emmausjünger“ – eine ziemlich bekannte Begebenheit aus dem Lukasevangelium. Dem Verein zur Resozialisierung Haftentlassener in St. Pölten, der seit Jahrzehnten erfolgreich arbeitet, haben sie den Namen gegeben. Mit gutem Grund: Wo Menschen nicht mehr weiterwissen, ihnen Hoffnung geben: eine Erfahrung von Auferstehung. Begleiten, miteinander ins Gespräch kommen, einladen, sich mit anderen zum Essen niedersetzen, beten … wo Menschen füreinander vor Gott da sind, ist er „mitten unter ihnen“.

Wo bin ich dem Auferstandenen begegnet – in  welchen Begegnungen brannte mir das Herz?

Hier der Text:

Lk 24, 13-35

3 Und siehe, am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist. [1] 14 Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte. 15 Und es geschah, während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen. 16 Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten. 17 Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen 18 und der eine von ihnen – er hieß Kleopas – antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als Einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist? 19 Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Tat und Wort vor Gott und dem ganzen Volk. 20 Doch unsere Hohepriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen. 21 Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist. 22 Doch auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab, 23 fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe. 24 Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht. 25 Da sagte er zu ihnen: Ihr Unverständigen, deren Herz zu träge ist, um alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben. 26 Musste nicht der Christus das erleiden und so in seine Herrlichkeit gelangen? 27 Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht. 28 So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen, 29 aber sie drängten ihn und sagten: Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt! Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben. 30 Und es geschah, als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es ihnen. 31 Da wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn; und er entschwand ihren Blicken. 32 Und sie sagten zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften eröffnete? 33 Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück und sie fanden die Elf und die mit ihnen versammelt waren. 34 Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen. 35 Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.

Ostern.

Die „Festwoche“ dauert tatsächlich bis nächsten Sonntag. Eine heilige Zeit.

Es dauerte eine Weile, bis die gute Nachroicht „einsickern“ konnte. Immer wieder war das Verzagtsein noch stärker als die Freude. Der Neuafbruch erfolgte überhaupt erst Wochen später. Deswegen wollen wir uns Zeit nehmen für die Oster-Erfahrungen. Die bekannten aus der Heiligen Schrift und für unsere eigenen.

In den nächsten Tagen gibt es verschiedene Bibeltexte, wo Menschen dem Auferstandenen begegnen – je auf ihre Art.

Johannes 20, 1-18

1 Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. [1] 2 Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben. 3 Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; 4 sie liefen beide zusammen, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab. 5 Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging jedoch nicht hinein. 6 Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen 7 und das Schweißtuch, das auf dem Haupt Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. 8 Da ging auch der andere Jünger, der als Erster an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. 9 Denn sie hatten noch nicht die Schrift verstanden, dass er von den Toten auferstehen müsse. 10 Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück.

Die Erscheinung Jesu vor Maria von Magdala

11 Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. 12 Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. 13 Diese sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wohin sie ihn gelegt haben. 14 Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. 15 Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast! Dann will ich ihn holen. 16 Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. [2] 17 Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott. 18 Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte.