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Ich bin es wert, dass es mir gut geht!

Wieviele Menschen gibt es, die das nicht glauben können? Nicht einmal ansatzweise?

Ich treffe immer wieder Bekannte oder Verwandte, die resigniert haben.

„Für mich gibt es keine Hilfe“, sagen sie. Oder: „Da kann man nichts machen. Mit den Schmerzen muss ich leben.“ „Früher oder später kommt halt etwas daher.“ „In meinem Alter ist das normal.“

Ich bin ja auch Theologin. Und da behaupte ich strikt: Nein, das alles muss keineswegs so sein.

Gerade wenn ich das heutige Evangelium zum Sonntag (Mt 9,36-10,8) lese, packt mich der „heilige Zorn“. Da steht ausdrücklich, dass Jesus von seinen JüngerInnen (von Menschen, die sich an ihm orientieren) verlangt, „alle Krankheiten und Leiden zu heilen.“ (Mt 10,1)

Kirchliche Verkündiger haben jahrhundertelang Menschen eingeredet, dass sie ihre Leiden geduldig ertragen sollen. „Aufopfern“. Ja eh. Bei den heidnischen Opfern an Gottheiten wurde immer das Beste und Schönste gegeben, sicher keine Krankheitssymptome und Schmerzen.

Davon abgesehen: Ich frage mich, wie man überhaupt auf solche Ideen kommen kann, wen man die Bibel liest?

Woher kommt diese menschenverachtende Einstellung? Aus der historischen sozialen de facto-Situation, wo Unrecht, Unterdrückung, Unwissenheit und materielle Not gang und gäbe waren, vermutlich.

Inzwischen dürfen wir es besser wissen – und besser machen. So wie die Menschheit in der Zwischenzeit begriffen hat, dass Freiheit, Geschwisterlichkeit, Gleichheit vor dem Gesetz, Bildung und Unversehrtheit des Leibes und Geistes unser Geburtsrecht sind, so dürfen wir uns auch den Gedanken zu eigen machen: Gesundheit ist uns quasi per himmlischem Dekret zugesichert – und auch der Wille, uns nach Kräften dabei zu unterstützen.

Wir werden ja mit allem, was uns als Menschen ausmacht, unvorstellbar und unendlich geliebt,

Nehmt euch heute doch einige Minuten Zeit, um in diese Vorstellung einzutauchen!

Apostola Apostolorum

Apostelin der Apostel. Diesen Ehrentitel hat die Ostkirche der ersten Zeugin der Auferstehung, Maria Magdalena, schon vor sehr langer Zeit verliehen.

Papst Franziskus hat dies offiziell für die römisch-katholische Kirche nachgeholt und ihren Gedenktag am 22. Juli offiziell zum Apostelfest erklärt. So steht sie zumindest im Kirchenkalender gleichrangig neben den sogenannten „12 Aposteln“, wobei Judas durch den später gewählten Matthias ersetzt wurde, aber das ist eine andere Geschichte.

Mirjam, die Migdalah, „Turmfrau“, ist der erste Mensch, der Jesus nach der Auferstehung begegnet. Für viele handelt es sich dabei um einen klaren Hinweis darauf, dass sie ein (Ehe)Paar waren. Das kann sein, macht aber nicht die Essenz der Persönlichkeit Mirjams aus. Ihre Bedeutung als spirituelle Anführerin im JüngerInnenkreis und in der ersten Zeit nach Ostern wurde lange Zeit verschwiegen. In der Westkirche wurde Mirjam sogar herabgewürdigt zur Prostituierten, die Jesus geheilt und „bekehrt“ habe.

Die 7 Dämonen, von denen sie Jeschua laut Evangelium befreit hat: Die Depression, das Leiden an der Situation, die sie als hochgebildete in jeder Spiritualität und Theologie bewanderte Frau in der patriarchalen Gesellschaft und Theokratie ihrer Zeit und Umgebung gespürt haben muss: Wenn nun JHWH selbst klarmacht, dass eine andere Wahrheit zählt, dass sie wertvoll und würdig ist als Person, dass die Gesellschaftsordnung krank und verkehrt ist und nicht diejenigen, die an ihr leiden: eine Erfahrung von Befreiung und Auferstehung, ein Neuanfang muss das für sie gewesen sein und für viele Frauen mit ihr, die sich dem Rabbi anschlossen.

Dazu kommt, dass sie ihren Meister und Freund auf dem Leidensweg begleitet und unter dem Kreuz ausgeharrt hat zusammen mit anderen Frauen.

Wo braucht ihr so eine Auferstehungserfahrung, so ein Befreitwerden von der üblichen Denkweise der heutigen – immer noch patriarchalen – Gesellschaft?

Wir reden oft über die notwendige Änderung unseres Mindsets.

Wir arbeiten daran und haben nicht immer den gewünschten Erfolg.

Laut Bibel versucht JHWH seit Anbeginn, uns Menschen dieses Mindset zu vermitteln. Wie wäre es, wenn wir die Göttin einfach bitten, uns da zu unterstützen?

Kann sein, sie wartet nur darauf uns zu beweisen, dass Auferstehung und Erlösung gelten und wirklich sind.

Was mich heute am Evangelium fasziniert – nicht so sehr, dass der Tote wieder zum Leben auferweckt wird – wem, wenn nicht Jesus oder JHWH würde ich das zutrauen!

Mich fasziniert:

Das Sterben des jungen Freundes, die Trauer der Schwestern, ja der ganzen Dorfbevölkerung, das alles lässt Jesus nicht kalt.

Er weint.

Er ist erschüttert und regt sich seinerseits auf – über den Tod des Freundes, über das Leid der Schwestern, über die Hoffnung, die an ihn herangetragen wird, über die Tatsache menschlichen Sterbens an sich, über die Wundersucht, wo es mehr um die Sensation geht als um Leben und Tod eines Menschen …

Jesus lässt sich durch Menschen bewegen.

Liebe Brüder und Schwestern – Gott/Göttin lässt sich durch Menschen bewegen.

Wir sind gerade mitten in der Fastenzeit, eher schon am Höhepunkt.

Es geht beim Fasten darum, selber weniger zu verbrauchen, bewusster zu leben, damit alle Menschen weltweit das Nötige zum Leben haben.

Menschen können als Einzelwesen nicht leben.

An vielen Orten und in weiten Gebieten unserer Erde fehlt das Grundlegende: Nahrung, Wasser, medizinische Versorgung, Bildung. Frieden..

In beinahe 100 % fehlt Wesentliches, weil Menschen nicht zusammenhelfen.

Weil sie nicht auf ihre Menschengeschwister achten.

Weil es in vielen Ländern zuviel gibt.

Weil der Austausch nicht funktioniert – und damit meine ich nicht bloß den Transport. Viele Menschen, viele Firmen, viele Länder leben als ob es die anderen nicht gäbe.

Und: Menschen sind nicht lästig genug – wie die Jünger und Marta.

Menschen lassen sich durch fremde Tränen nicht erschüttern, nicht durch den Tod der jungen Menschen in armen Ländern.

Menschen bleiben in ihren Grabhöhlen, obwohl sie beim Namen gerufen werden berufen sind, Verantwortung zu übernehmen – für das eigene Verhalten und für ihre Mitmenschen.

Menschen beten nicht, sind nicht lästig Gott gegenüber, schreien zu leise oder gar nicht um Hilfe, erwarten das Unmögliche nicht.

Dabei ist die Bibel voll von Beispielen, wie Gott angesichts unmöglicher Situationen noch handeln und alles zum Besseren verändern kann. Für Gott ist es nie zu spät. Aber er mag nicht allein handeln ohne aktive Menschen. Ohne uns.

Was ich für wirklich bemerkenswert halte: Die Kombination der heutigen Bibeltexte, die für den katholischen Gottesdienst des 4. Fastensonntags vorgesehen sind.

Das Evangelium: Die Heilung des Blindgeborenen (Joh 9,1-41) und der Psalm 23: „Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen…“

Was das mit uns zu tun hat (denn darum geht es im Grunde jedesmal in diesen Texten)?

Wir sind auch meistens blind – nicht blind geboren, sondern zur Blindheit erzogen, richtiggehend „dressiert“ durch Gesellschaft, Familie, Medien … Zum Mangeldenken in einer Art Armutsfalle: Ständig anstrengen, nie nachlassen – und auch dann wird es maximal für das Nötigste reichen. Menschen, die Reichtum und Fülle leben: Ist ein bisschen verdächtig, unanständig, die haben sicher ein bisschen getrickst, geerbt – wenn nicht Ärgeres…

Diese Einstellung tut uns nicht gut.

Aber woher kommt sie?

Vor nicht allzulanger Zeit stand die sogenannte „Sündenfallerzählung“ auf dem Programm. Ihr wisst schon: Adam, Eva, Schlange, Apfel …

Die Menschen im Paradies hatten dieses Mangeldenken schon. Es könnte uns etwas Wesentliches vorenthalten werden. Und dann fallen sie raus, werden vertrieben aus dem Garten Eden. Wir könnten es auch so verstehen: Was sie geglaubt haben, geschieht ihnen.

Die Beschreibung der „Erbsünde“.

Die gute Nachricht:

Jesus heilt den Blinden, dass er sehen kann.

Jesus befreit die Menschheit von der Erbsünde. Klar, das Gesetz des Denkens und Glaubens, der Anziehung usw. existiert und gilt weiterhin (wir erleben es ja dauernd), aber der Kreislauf kann jederzeit durchbrochen werden.

Zum Beispiel jetzt, in diesem Augenblick.

Wir sind nicht an die Denkweisen oder unser Verhalten in der Vergangenheit gebunden, auch wenn es 50 Jahre oder länger so war.

Es ist jederzeit möglich, umzukehren (wieder so ein Begriff aus der Bibel…😊) und ganz neu zu beginnen.

Ab sofort:

Neu sehen. Die Fülle. Das Gute. Beachten, was gelingt, was schön ist, wo wir Glück hatten und worüber wir froh und dankbar sind…

Heute ist Sonntag.

Vielleicht habt ihr mehr Zeit als sonst.

Dieses Umdenken, neu Sehen: Probiert es aus!

Ganz schön streng, oder?

Und: Wenn wir ganz ehrlich sind: Genau dieses Verhalten, das Jesus da empfiehlt, wünschen wir uns im Grunde.

Wir möchten uns auf andere verlassen können.

Dass andere es ehrlich mit uns meinen.

Dass Menschen feste Beziehungen, Ehe, Treue, respektieren, hochachten.

Und wir leiden darunter, dass das oft und schnell einmal wo nicht so ist.

Dieser Abschnitt des Evangeliums steht in einem größeren Zusammenhang. Innerhalb der sogenannten Bergpredigt. Am Anfang der Bergpredigt stehen die Seligpreisungen.

Das was wir heute gehört haben, sind die genauen Erläuterungen von Jesus, er will uns eigentlich Handlungsanleitungen geben, wie das geht, wie das gehen kann: glücklich sein. Denn:

Dieses glücklich sein als Christ…

Das geht über das Normal-Menschliche noch hinaus.

Es gibt noch mehr, möchte Jesus in der Bergpredigt sagen.

Das menschlich Erwart- und Wünschbare, das Durchschnittliche, das was alle erwarten, der Konsens, was gesellschaftlich etwas gilt,  ist nicht das, was im Grunde und im letzten glücklich macht. Wieviele Menschen haben alles, Reichtum, Haus, Familie, gute Arbeit… und sind nicht glücklich,

Ja, Gott will, dass wir Menschen glücklich sind.

Gottes Ordnung ist eine ganz andere als die der Menschen. Als Christen gehören wir eigentlich zu dieser Ordnung Gottes dazu, da gelten andere Gesetze – Gesetze nicht im Sinn von Vorschriften, sondern von Naturgesetzen oder geistlichen Gesetzmäßigkeiten. Und in diesem Sinn ist Dieser Text aus dem Evangelium das neue Gesetz, Jesus steigt auch wie einst Mose bei den 10 Geboten auf einen Berg…

Jesus fordert uns auf, ein gesundes Gottvertrauen zu entwickeln – wenn wir in seinem Auftrag unterwegs sind, wenn wir handeln, wie er es möchte, ehrlich und gerecht, dann liegt sein Segen darauf – und wir brauchen uns die Sorgen um den weiteren Verlauf und guten Ausgang der Sache nicht zu machen.

Viele Menschen sind der Meinung, sie müssten ein bisschen tricksen, sich Vorteile verschaffen durch Lobbys oder Freunde, „Vitamin B“, Beziehungen … damit „was weitergeht“. Das ist menschliches Denken.

Gott ist anderer Meinung.

Bei ihm spielt das alles keine Rolle. Wenn er für jemanden, für etwas ist, dann kann sein was will – die Großkopferten dieser Welt, auch innerhalb der kirchlichen Hierarchie, werden sich anschauen.

Jesus möchte uns einladen zu größerem Vertrauen.

Wie bekommen wir das? Der Fasching ist eine tolle Möglichkeit dafür. Ausgelassen feiern, wirklich lustig sein. Dem Leben und seinen Widrigkeiten ins Gesicht lachen. Über sich selbst lachen.

Humor ist ein Geschenk Gottes.

Humor hat dieselbe Wortwurzel wie „humilitas“, Demut. ERDE Da geht es ja gerade darum, dass ich nicht alles selber zu machen brauche, weil ich als Mensch das gar nicht schaffen kann. Wir brauchen schlicht und einfach 1. die natürlichen Lebensgrundlagen – Luft zum Atmen. Essen, Trinken, ein Klo, Wärme, Kleidung, ausreichend Schlaf, Hygienemaßnahmen, Geborgenheit, Heimat, ggf. ärztliche Versorgung und später einmal ein Begräbnis usw. … Ich brauche die anderen Menschen.

Und ich brauche den göttlichen Beistand und Segen.

Die Leichtigkeit, die im Lachen steckt – ist nicht zu verwechseln mit Leichtfertigkeit. Humor blendet das Schwere und Dunkle des Lebens nicht aus – es gibt Krankheit, Tod, Katastrophen … Aber von dauerndem ängstlichem Sorgen, was alles sein könnte, hat noch niemand etwas besser gemacht. Dies ist verschwendete Lebenszeit, in der man sich dankbar über das Gute, das da ist, freuen könnte.

Und sooft wie möglich herzlich lachen.

Ihr seid das Salz der Erde.

Wozu ist Salz gut?

Salz brauchen wir zum Leben. Es bindet Wasser an den Körper. Ohne Salz würden wir nicht Nahrung aufnehmen und nicht Wasser im Körper, in den Zellen halten können – es gäbe keinen Stoffwechsel, keinen Austausch, keine Entgiftung des Körpers, kein Leben. Wir würden ohne Salz verdursten.

Essen schmeckt nicht nur besser mit Salz, sondern wir brauchen es dringend.

Wir Christen sind nötig, damit es Leben gibt auf dieser Erde. Alle Arbeit und jedes Vergnügen ist schal, geschmacksneutral, geschmacklos – ohne Sinn, ohne Zukunft.

Wasser gibt Stabilität.

Wir Christen sollen Stabilität geben: Erstens Sicherheit, Gewissheit in Zeiten des Umbruchs, des Zweifels, der Not – den Weg zeigen, Orientierung geben.

Eine Zuflucht sein für Gestrandete, für vom Leben Zerbrochene.

Zweitens sollen wir Rückgrat beweisen, einen aufrechten Gang gegenüber Unrecht, Willkür, Lüge, Gewalt usw.

Salz brennt in offenen Wunden.

Wir sollen auf offene Wunden dieser Welt aufmerksam machen, damit sie nicht schöngeredet oder vergessen werden, damit sich die Satten und Zufriedenen nicht an sie gewöhnen, die Armut, die Ungleichstellung verschiedener Menschen, Not, Krieg, unheilbare Krankheiten, Fanatismus, Dummheit, Bosheit Unrecht … für normal halten – „da kann man nichts tun“ – Christen haben die Verpflichtung, in schrecklichen, schwierigen und aussichtslosen Fällen etwas zu tun, sich einzumischen, die Wunden öffentlich zu machen.

Salz kann aber auch heilen. Wunden heilen schneller, wenn man z. B. im Meer badet. Brennt zwar am Anfang, aber hilft enorm.

Salz brauchen wir im Winter, um Glatteis aufzutauen.

Christen sollen auch unter eiskalten Bedingungen, Umwelt … das Eis des Hasses, der Gleichgültigkeit, der Feindschaft, des Unglaubens, … zum Schmelzen bringen.

Anderen helfen, die aufs Glatteis gelangt sind.

Menschen in Sicherheit bringen, für einen gangbaren Weg sorgen.

Für ein gefahrloses Ans Ziel Kommen.

Übrigens: Zuviel Salz im Essen ist ungesund, ja gesundheitsschädlich.

Ein ziemlich neues Buch heißt: „Ihr seid das Salz, nicht die Suppe.“

Bitte nicht zuviel des Guten. Wo es nichts anderes gibt als nur mehr Bibelverse, Moralkontrolle jeder durch jeden – christliche Milieus uah, Tilman Moser spricht da von Gottesvergiftung.

Es ist gut, sich bei allem an Jesus zu orientieren.

Aber es ist nicht gut, wenn jeder jedem dreinredet, wie er/sie gefälligst zu leben habe.

Es kann nämlich für jeden etwas anderes bedeuten. Einer ist zur ehre Gottes arm – ein anderer reich, einer erträgt Krankheit mit Geduld, ein anderer preist Gott durch die Heilung, einer durch gute ehe, einer im Orden ehelos.

Einer himmelt den Papst an aus Liebe zur Kirche, andere kritisieren ihn aus demselben Grund.

Das alles muss drin sein.

Nur eines geht nicht, meint Jesus: Gar nichts tun – oder nichts tun, weil es einen nicht interessiert oder weil wir uns zu minderwertig vorkommen, zu unbegabt, weil wir uns nicht in den Vordergrund rücken wollen, usw.

Das sollen wir nicht.

Er räumt uns einen Rang neben sich ein. Er ist ja das Licht der Welt. Hier sagt er, WIR sind es. Er traut uns viel zu. Schüchternheit ist nicht in.

Heute am Sonntag ein Irrtum im Bereich Theologie:

Die sogenannten „Seligpreisungen“ (Mt 5, 1-12) rufen bzw. Jesus ruft dazu auf, Unrecht und Gewalt widerstandslos hinzunehmen …

Ihr wisst schon: „Selig die keine Gewalt anwenden…“ 

Ganz und gar nicht.

Lange Zeit wurde gerade den Ärmeren, den unterdrückten Gesellschjaftsschichten, insbesondere den Frauen, vermittelt: Sich nicht zu wehren, alles still zu ertragen und zu erdulden … sei eine Tugend, und Gott würde die Betroffenen ja am Ende (im Jenseits) entschädigen…

Gepredigt haben das einflussreiche Männer, die ein Interesse daran hatten, dass alles so bleibt wie es ist: Wenige Mächtige und Reiche leben auf Kosten anderer, die bequemerweise glauben, dies sei in Ordnung so.

Dass die Worte genau an sie gerichtet sein könnten und tatsächlich auch waren, sahen sie nicht. Sich zufrieden geben mit dem, was man hat und nicht noch und noch mehr haben wollen und deshalb Kriege anfangen, andere ausbeuten, kontrollieren, alles für sich nehmen, sodass nichts übrig bleibt: das spielte sich auch zu biblischen Zeiten schon ab – und WER DAS NICHT TUT, SORGT DAUERHAFT FÜR FRIEDEN UND DAFÜR; DASS ES ALLEN GUT GEHT, lautet der Klartext.

Diesen Text ausschließlich als Vertröstung auf ein besseres Jenseits zu interpretieren, war und ist grundverkehrt.

Die Frohe Botschaft für die „NormalverbraucherInnen“: Wenn wir uns dafür einsetzen, dass Unrecht aufhört und gutes Leben für alle möglich wird, und lange keine oder wenig Erfolge sehen, brauchen wir nicht traurig zu sein; denn Gott/Göttin ist auf unserer Seite, und das Recht wird sich schlussendlich durchsetzen; rascher, je mehr darauf hinarbeiten. Jeder Einsatz zählt und wird vom Universum bemerkt und gewürdigt.

Liebe Frauen und irgendwie Kleingehaltenen: Seien wir NICHT genügsam und bescheiden oder zurückhaltend, wenn es um unsere Rechte und Lebenschancen geht!

Predigt Christkönigsonntag 2025

Liebe Brüder und Schwestern!

Könige – die gibt es bei uns heutzutage nicht mehr.

Höchstens in manchen Illustrierten, die so tun, als ob echte und vermeintliche Skandale diverser europäischer Königshäuser irgendwen interessieren… ein künstliches Interesse an Hochzeiten, Kindersegen und Krankheiten wach halten…

Könige mancher Filme, die eher als degenerierte Witzfiguren in Erscheinung treten…

Oder es fallen uns die Herrscher der sogenannten guten alten Zeit ein, der Sagen und Märchen, die weisen und gütigen, wo alle anderen Untertanen sind, und nichts zu lachen haben, wenn der König zufällig einmal weniger weise und gütig ist – und sich nur durch Gewalt und Unterdrückung an der Macht halten kann… Wer spürt, die eigene Position ist angemaßt, muss Opposition verfolgen… da ist man dann heilfroh, in einem demokratischen Land zu leben.

Diese Königs-Erfahrungen haben leider auch unser Gottesverständnis geprägt. Die Menschen haben sich ein Bild gemacht – auch der beste der tatsächlichen Herrscher war ein Mensch mit Fehlern, und wir haben angst, Gott könnte einem solchen ähnlich sein, tyrannisch, undurchschaubar, willkürlich, rachsüchtig…

Solche Gottesbilder hindern uns am Glauben.

Ich habe den Eindruck, Gott tut das ganze AT hindurch nichts anderes, als durch den Mund der Propheten diese allzumenschlichen Vorstellungen aufzusprengen, zu widerlegen. Weitgehend ohne Erfolg. Die guten Gegenbilder – Gott als Vater, Mutter, Suchender, Tröstender, Liebender…

Bis er selber kommt, in Jesus – Jesus, die Verkörperung all dessen, die Inkarnation. Ja, auch der König, so wie ihn sich Menschen erträumt haben und wie es kein menschlicher König zustandebringt…

Der Vorbild ist im Guten, der allen voraus ist in Güte und Weisheit, wo das Kleine und Schwache Platz haben… vielleicht denken wir an Jesaja: Das geknickte Rohr zerbricht er nicht, und den glimmenden Docht löscht er nicht aus. Ja, er bringt wirklich das Recht. Durch Beispielwirkung, nicht gewaltsam – weil er die Verantwortung und Sorge trägt, seine Krone aus Dornen drückt und sticht, ist Belastung, nicht Schmuck und Rangabzeichen wie bei den Königen, die keiner mehr ernst nimmt… der König, der sich lieber umbringen lässt als seine Botschaft – Liebe – zu verleugnen.

Der eine der beiden Männer, die neben Jesus gekreuzigt werden, kommt in diesen Stunden des qualvollen Sterbens drauf: So nicht wie bisher, vermutlich waren beide Freiheitskämpfer, die eben auch Römer und Kollaborateure überfallen, umgebracht, ausgeraubt haben… der eine denkt um, der andere verharrt in seiner Enttäuschung: der politische Messias, ein neuer irdischer König David, wäre ihm lieber gewesen, an so einen Schwächling glaube ich nicht, verschwende ich keinen Gedanken, wenn du der Messias bist, dann hilf dir und uns…

Der andere bekommt eine Ahnung von Gottes Wirklichkeit – und erlebt gleich noch mehr davon, wie dieser Jesus ist: er tröstet, hilft, richtet auf, noch am Kreuz.

Ist das nicht ungeheuer befreiend für uns?

Nicht Macht, Gewalt, Unterdrückung, Berechnung, Hierarchien, menschliche Strukturen in Erfolg-Misserfolg, Arm-Reich,—  werden sich im letzten durchsetzen, sondern das Gute, Barmherzigkeit, Recht, Hilfsbereitschaft, Geduld, Durchhalten, zweckfreie Zuwendung… Gott selber hat es bewiesen, worauf es ankommt.

Liebe Brüder und Schwestern, wir sind Jesu Königsgeschwister – wir sollen ein bisschen so sein wie er, an ihn erinnern, ………… Wir haben Anteil an seiner königlichen Würde. Besonders dann, wenn uns unsere kleine Königsgeschwisterkrone drückt und sticht: die Verantwortung, die wir übernehmen für Mitmenschen in der Familie, im Betrieb, in der Freizeit, in Gesellschaft und Politik. Die Arbeit, die wir uns antun, weil wir helfen, uns engagieren für gesunde Umwelt, für Gerechtigkeit, Freiheit, Frieden…

Wenn wir mehr arbeiten als andere, weil wir nicht Dienst nach Vorschrift machen, nach Minimalanforderung, sondern putzen, kochen, reparieren, erziehen und unterrichten, bauen, pflegen, kaufen und verkaufen, planen und verwalten als Stellvertreter und Stellvertreterinnen unseres Herrn, vor seinem Angesicht, als ob er selbst es tun würde. Dieser Einsatz bedeutet mühsame Kleinarbeit, manchmal auch Spott und Verfolgung.

Und immer wieder ist es auch so, dass unser Einsatz keinen Erfolg hat, dass etwas völlig misslingt.

Könige wurden im AT gesalbt, man hielt ein Sakrament, könnten wir vergleichsweise sagen, für nötig, die besondere Begleitung und den Schutz und Segen Gottes, damit sich ein Mensch – und ein Mensch ist fehlbar und angefochten – überhaupt diesen Anforderungen stellen kann…

Wir sind getauft, gefirmt – mit hl. Öl gesalbt, dieses Sakrament, das uns Verantwortung tragen hilft, gibt es, genau dadurch sind wir ja Jesu Geschwister, wir Christen…

Indem wir diese Verantwortung übernehmen, wird Gottes Weltanschauung auf dieser Erde nachhaltig bekannt gemacht – und seine Königsherrschaft hält Einzug, immer wieder ein Stück mehr. Glauben wir daran.

Vergangenen Samstag beim Ritual zu Allerheiligen/Samhain äußerte eine Teilnehmerin: „Also, dieses ganze Gerede in der Kirche von Himmel-Hölle-Fegefeuer zu Allerheiligen und Allerseelen, das kann ich nicht mehr hören, diese Angstmacherei; das wird jetzt wieder ärger als es schon einmal war – wie im Mittelalter!“

Woher kommt diese wahrscheinlich allen bekannte Vorstellung? In der Bibel finden wir sehr wenig; da geht es um den gerechten Ausgleich, um Belohnung für Gutes und Bestrafung für Böses und um die Auferstehung der Toten. Also: woher?

In der griechisch-römischen Antike gab es zwei große Dichtungen, die damals in den besseren Gesellschaftsschichten jeder männliche Jugendliche in der Schule lernen musste: Homers Odyssee und Vergils Aeneis. In beiden Dichtungen unternimmt der Titelheld jeweils eine Reise in die Unterwelt, um dort bestimmte Verstorbene zu treffen und von ihnen Informationen einzuholen. Vergil hat dabei die Schilderung Homers praktisch 1:1 übernommen. Aus meiner schamanischen Erfahrung handelt es sich jeweils um schamanische Reisen unter Führung durch die Seherin Pythia.

Die Unterwelt wird als dreigeteilt beschrieben: Elysium für besonders verdienstvolle Menschen; Tartaros als Bestrafungsort für extreme Verbrecher; neutrales Schattenreich für die „Unauffälligen“, die NormalverbraucherInnen.

Zwei Dinge geschahen:

Die sogenannten Kirchenväter, gebildete Männer wie z. B. Augustinus, die in den ersten Jahrhunderten des Christentums Theologie entwickelten, kannten aufgrund ihrer römischen Bildungslaufbahn diese Vorstellung, die der Bibel auch nicht widersprach und plausibel klang.

Im Mittelalter verwendete Dante Alighieri die Beschreibung Homers und Vergil, formte sie ein wenig um, „erfand“ das Fegefeuer – und die abendländische Kultur übernahm das Paradigma als theologische Wahrheit.

Früher als jede institutionalisierte Religion prägte das schamanische Weltbild die Spiritualität der Menschen – weltweit. Darüber erfahrt ihr morgen mehr.

Na servas …

Wir denken doch: Jesus bringt Harmonie, Frieden – durch eine christliche Einstellung wird alles besser, auch unsere zwischenmenschlichen Beziehungen.

Und das soll jetzt doch anders sein?

Überlegen wir einmal:

Jesus sagt da etwas, worüber erst die Psychologen des 20. Jahrhunderts sich sprechen getraut haben.

In Familien ist nicht alles in Ordnung, es kann sogar ziemlich extrem zugehen. Und da brauchen wir nicht sofort an Straftaten denken wie Missbrauch, Gewalt, Misshandlung, Freiheitsentzug usw. Oder an verbrecherische Strukturen – die „famiglia“ bei der Mafia z. B.

In jeder Familie gibt es Strukturen, die z. T. gewachsen sind, z. T. vererbt, übernommen wurden von Vorfahren. Meinungen, Handlungsmuster, Denkweisen, sogar Feindschaften – mit wem man redet und Kontakt pflegt, mit wem nicht, es bilden sich Hierarchien… Familienaufstellungen geben da mitunter Erkenntnisse, die für die Beteiligten schockierend sind. Man wird „betriebsblind“ und kann das für außenstehende Offensichtliche, wo es hakt, was im Argen liegt, nicht sehen.

Wenn dann ein Familienmitglied beginnt bewusst hinzuschauen, wenn Werte neu gelernt werden – und das haben Menschen damals durch die Frohe Botschaft Jesu, durch Orientierung an seinem Beispiel, durch die Predigt der JüngerInnen erlebt -: dann stößt dieses Neue auf Widerstand.

Denken wir nur an unsere eigene Vergangenheit in Mitteleuropa: Wenn da die Erleuchtung kommt: Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren – und auf die starre Tradition einer alteingesessenen Adelsfamilie prallt…

Oder denken wir an die heutigen Religions- und Kulturunterschiede – wenn da zwischen jungen Menschen Freundschaften entstehen, löst das nicht sofort helle Freude bei den Herkunftsfamilien aus…

Konflikte sind quasi vorprogrammiert…

Das Evangelium erspart uns solche Konflikte nicht. Ebenso wenig wie die Psychologie. Solche Konflikte sind heilsam und bedeuten einen Fortschritt. Wenn die Beteiligten gut damit umgehen, dazulernen.

Wo Wahres, Gutes, Schönes, Heilsames auf eine unterdrückende, ungute, krankmachende Struktur trifft, besteht immerhin jedesmal die echte Chance, dass sich das Bessere durchsetzt…

Und:

Dabei übrigens hilft uns die liebende Gottheit, die überaus interessiert ist an unserem Wohlergehen und unserer heilsamen Entwicklung und der der gesamten Menschheit, dabei hilft sie uns garantiert.