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Liebe Brüder und Schwestern!

Denken sie sich manchmal: Das, diese Aufgabe, Herausforderung, was Sie tun sollen, ist eine Nummer zu groß für mich – das schaffe ich nie und nimmer, das übersteigt meine Fähigkeiten und Möglichkeiten?

Das heutige Evangelium, der Text, den wir gerade als Evangelium gehört haben, will uns da wirklich eine gute Nachricht und eine frohe Botschaft bringen:

Da geht es um ein paar Menschen, die überfordert sind.

Zuerst als Fischer. Obwohl das eigentlich ihr angestammter Brotberuf ist, fangen sie nichts. A Wahnsinn, net amal das bringen wir zusammen … Erst als Jesus ihnen hilft, und auf einmal sind sie äußerst erfolgreich.

Petrus ist ebenfalls überfordert.

Die dreimalige Frage und Antwort erinnert uns, das hat der Autor beabsichtigt, an die dreimalige Verleugnung. Petrus selber ist sich dessen nur zu deutlich bewusst. Der, dem er praktisch die _Freundschaft aufgekündigt hat – ja, wie lange ist das her, ein paar Tage, eine gute Woche vielleicht, der steht jetzt vor ihm und schaut ihm ins Gesicht und fragt genau danach: Liebst du mich?

Für uns hört es sich schon eindringlich genug an. Dabei werden im griechischen Urtext 2 verschiedene Wörter verwendet: Jesus fragt nach der Agape – Ganzhingabe, die Liebe, mit der eigentlich er uns geliebt hat bis zum Tod am Kreuz ist das – eine Mutter, die für das kleine Kind Tag und Nacht parat steht …

Petrus antwortet: phileo te – ich bin dir freundschaftlich verbunden, ich mag dich, du bist mir sympathisch, du taugst mir irgendwie … das ist das, wozu er imstande ist im Moment.

Aber wir spüren: da liegen Welten dazwischen, das passt nicht zusammen – und Petrus spürt es selber, das kanns nicht sein, das bleibt hinter dem zurück, was Jesus entsprechen würde … und er wird traurig.

Jesus fragt ihn zweimal nach der Agape – und als sich Petrus gerade selber zu fragen beginnt, ob er das irgendwann können wird vielleicht – ob es nicht doch drin wäre, Jesus so zu lieben – da steckt Jesus zurück. Er passt sich dem an, was Petrus zu leisten imstande ist, und fragt: Bist du mir freundschaftlich verbunden? Und Petrus meint, ja, du weißt, wie es mit meiner Liebe und Liebesfähigkeit, mit meinen Möglichkeiten steht …

Das ist die Frohe Botschaft:

Jesus beauftragt Petrus – nichts nimmt er zurück. Im Gegenteil: Du bist der Fels – an dir sollen sich die anderen orientieren und anhalten können, du stärke deine Brüder … Er holt Petrus dort bei dem ab, wo der sich momentan geistig und kapazitätsmäßig befindet.. Das, wozu Petrus fähig ist, ist nicht das, was Jesus sich eigentlich wünschen würde, aber es reicht aus.

Liebe Brüder und Schwestern, wir dürfen aufatmen.

Gott, Jesus, nimmt niemanden in Anspruch über seine Möglichkeiten hinaus. Er nimmt jede/n so an mit dem, was wir einbringen können.

Der große Anspruch nach der Ganzhingabe bleibt bestehen – aber Jesus freut sich über alles und kann alles brauchen, schätzt alles, was wir ihm bieten, wie weit es auch hinter dem, was im Optimalfall möglich wäre, zurück bleibt.

Wir kennen das aus allen Bereichen, in denen Menschen für das Reich Gotte arbeiten: in Pfarren, in Büros und Organisationen der Kirche, in Ordenshäusern …

Wir meinen oft, alles müsste perfekt sein, und alles muss mit voller Hingabe getan werden. Oft gibt es die, die pausenlos im Einsatz sind und sich zu Hause noch etwas überlegen und ihr Bestes geben – und dann gibt es die, die ein Mal im Jahr kommen, wenn es was zu feiern gibt und sich sonst nicht blicken lassen – und es gibt sämtliche Abstufungen dazwischen. Und es ist gar nicht so selten, dass die sehr Engagierten über die seltenen schimpfen und sich ärgern. Der sucht sich die schönen Dinge aus … und umgekehrt lachen oft die weniger Eifrigen: Ja, die haben ja einen Vogel, dauernd sans in der Pfarre, was haben sie denn davon.

Schauen wir doch auf Jesus: Zuerst hilft und stärkt er uns einmal. Er sorgt dafür, dass die Jünger eine Menge Fische fangen. Und als sie von ihren Booten kommen, hat er schon ein Frühstück für sie bereitet. Kommt und stärkt euch einmal …

Keinem sagt er: Das, was du einbringst, genügt nicht für die Verkündigung und das Leben im Reich Gottes. Nicht alle haben dieselben Zeit- und Kraftreserven. Das, was du kannst, super, mach das.

Tu, was dir Freude macht und möglich ist.

Er lädt uns ein, nicht auf das leere Netz zu schauen: was wir alles nicht können, schaffen, was liegenbleibt und wichtig wäre, … sondern auf unsere Möglichkeiten, was wir können.

Er würde uns sagen: O.K., wenn du bloß meine Ideen gut findest, was immer du tust dafür, es ist gut. Es dienst der Botschaft vom Reich Gottes. Du dienst dem Heil der Welt.

Liebe Brüder und Schwestern!

Wieso ist diese Familie heilig? Ja klar, Familienmitglieder heißen Maria, Josef und Jesus – das versteht sich fast von selbst.

Wir haben in den letzten Tagen und Wochen ja auch ausführlich über alle Beteiligten gehört. Über ihren Glauben, ihr Verhalten …

In der Lesung aus dem AT kommt auch eine Familie vor – von der haben wir noch nicht so viel gehört, möglicherweise hat sie uns gerade deshalb mehr zu bieten, wenn wir fragen, wie Familien heilig sein können.

Hanna ist mit Elkana verheiratet und leidet jahrelang darunter, dass sie keine Kinder bekommen kann. In der damaligen Situation gilt Kinderlosigkeit als große Schande, sie kommt sich von Gott beinahe wie verflucht vor. Interessanterweise stört ihren Mann das gar nicht – er beteuert „Du bist mir mehr wert als viele Söhne“ – es sind auch schon mehrere Kinder von seiner ersten Frau da.

Aber Hanna reicht das nicht – sie ist unglücklich wegen ihrer Kinderlosigkeit, und das AT schildert, ein paar Sätze zuvor, wie Hanna im Tempel inständig betet – Gott möge ihr Kinder schenken, damit sie von den Menschen ihrer Umgebung, vor allem von der anderen Frau Elkanas, Pennina, die mit den Kindern, nicht verachtet und verspottet wird.

Als Hanna so betet, erlebt sie, dass Gott sie als Person ganz ernst und annimmt.

Ihre Sorgen versteht – und um ihr zu helfen, ihr den Sohn Samuel schenkt – und danach noch weitere Kinder.

Hanna empfindet den Sohn ganz deutlich als Geschenk Gottes. Mit großer Dankbarkeit.

Und so betrachtet sie ihn nicht als Privateigentum, sondern überlässt ihn so früh wie möglich dem Handeln und Wirken Gottes, entlässt ihn in die Freiheit.

Dort darf er sein, wo er ungehindert seiner Berufung folgen kann.

Maria und Josef haben diese Einstellung nicht so leicht und einfach. „Kind, wie konntest du uns das antun“ – und da ist Jesus kein kleines Kind mehr, sondern nach seiner Bar Mizwa im religiösen Sinn als Jude erwachsen. Auch als Jesus als Prophet bekannt ist, ist seine Familie – die Mutter und die Brüder – bemüht, ihn so schnell wie möglich nach Hause zu holen. Er soll sich gefälligst nicht so verrückt aufführen, meinen sie.

Maria hat im Laufe ihres Lebens ständig dazugelernt. Sie war offen für die Anregungen des Heiligen Geistes. Das ist es, was Heilig Sein meint. Obwohl sie sich auch schwer getan hat immer wieder mit diesem besonderen Kind…

Wir alle können unseren Ehebund, unsere Familie jeden Tag wieder ausdrücklich in den Wirkungsbereich Gottes stellen. Eine Familie ist christlich, wenn sie auf Gott hin offen ist. Heilig, heil, gesund…

Familien, überhaupt Systeme die nicht vom Geist Gottes inspiriert sind, sind geschlossene Systeme und tun den Beteiligten nicht gut… Wo alles ein für alle Mal feststeht und reglementiert werden muss – Rollen, Regeln, Abläufe … Wo kein Raum für neue Ideen, Verhaltensweisen oder Personen ist – wo es Schwiegertöchter und –söhne schwer haben. Oder Kinder sogar beziehungsunfähig werden, weil sie ewig an der Mutter oder am Vater kleben.

Familie kann da leicht zum Albtraum werden.

Wo sich der Familienvater, die Familienmutter selbst von Gott getragen, beschützt, begleitet, gesegnet weiß – da brauchen sie nicht ständig aufpassen wie die Haftelmacher, bloß nichts falsch zu machen. Zigtausend Ernährungs-, Erziehungsratgeber und Tipps für die für die richtige Versicherung oder Schulwahl … Da können alle Beteiligten aufatmen, statt krampfhaft zu kontrollieren, da entsteht Freude und Freiheit, tiefes Vertrauen und Wohlwollen …

dort ist echte Liebe – nicht Abhängigkeit.

Bitten wir Gott, dass er unsere Familien zu solchen offenen gesunden, heiligen Systemen macht.

Predigt                         Segnung für Liebende    11. 2. 23,19.00

Liebe Brüder und Schwestern!

Dieser Bibeltext, den wir soeben gehört haben, wird oft und gern bei Hochzeiten ausgesucht. Ja, weil es um eine Hochzeit dabei geht, natürlich. Aber da steckt noch mehr dahinter.

Die Verwandlung von Wasser in Wein, in einer unglaublichen Menge. 600 Liter sind ja wirklich nicht gerade wenig.

Bisschen schräg, was da von Jesus erzählt wird. Manchen kommt das beinahe unmoralisch vor. Will er alle betrunken machen?

Liebe Brüder und Schwestern, Jesus zeigt da etwas davon, wie Gott ist. Wie Gott es meint mit den Menschen, mit uns. Mit Ihnen, … mit jedem und jeder.

Gott gönnt uns alles Gute in großer Fülle. Es gibt da keine knausrige Kleinkariertheit, bürgerliche Engstirnigkeit, was jemandem unter Umständen gerade noch zusteht und was nicht. Kalkulation und Berechnung. Weil: es könnte ja irgendwann aus sein, die Ressourcen sind begrenzt, einmal wird es zu Ende sein mit dem Segen…

Nein, bei Gott gibt es keine Knappheit, keine Missgunst und Zurückhaltung …

Gott wünscht sich nichts mehr, als dass wir in Freude und Fülle leben. In Begeisterung.

Alles möchte er uns, IHNEN, schenken und noch mehr.

Aber – jetzt kommt das große ABER.

Die Menschen müssen auch etwas machen dafür. Im Evangelium ist es zunächst nötig, dass die Diener Jesus Vertrauen schenken. Zutrauen, dass er weiß, was er tut, ist ja keine Kleinigkeit, die 6 großen Krüge zu füllen, das bedeutet schließlich Wasser schleppen. Das ist ganz schon anstrengend. 60 Gänge zum Brunnen und zurück mit einem 10-Liter-Eimer.

Wir bitten heute Gott um seinen Segen. Das heißt, wir vertrauen ihm, trauen ihm zu, dass er sich um uns kümmert, uns begleitet, Situationen in der Zukunft zum Guten wendet, Sie als Paar und Familie – genauso aber auch als Einzelperson wachsen und gedeihen lässt.

Viele ganz junge Paare haben am Anfang in der Phase der großen Verliebtheit NICHT im Blick, dass sie auch selber an der Beziehung arbeiten werden müssen. Dass eine gute Freundschaft, Beziehung, Partnerschaft … kein Zufall ist und nicht einfach so vom Himmel fällt.

Gottes Segen meint: Unterstützung auf jeder Linie, wenn wir erproben und lernen, wie das geht, schwierige Zeiten gemeinsam zu überstehen.

Diese Anstrengung, dass Menschen das Ihre tun, ist Voraussetzung, dass Gott das Seine in der besten Weise tun kann.

Er stattet uns mit Fähigkeiten und Begabungen aus, damit unser Glück von Dauer sei, damit Beziehung gelingt.

Aus den vielen Kleinigkeiten, wo wir im Alltag Verständnis zeigen, Selbstbeherrschung, Verzeihen, ein Lächeln, wo uns zuerst gar nicht danach ist, wo wir den ersten Schritt machen, eine winzige Geste oder Aufmerksamkeit … das sind die vielen Tropfen und Liter Wasser, die Gott in die Kostbarkeit einer wundervollen Beziehung verwandelt …

Und zur Erinnerung daran, dass das so ist, habe ich heute Weihwasser mitgebracht. Diese 2 Tropfen, mit denen wir ein Kreuz auf die Stirn uns gegenseitig zeichnen – oder bekommen -, ergeben, wenn wir es oft tun, auch eine ganz schöne Menge.

Und nach dem Gottesdienst dürfen wir miteinander anstoßen mit einem Glas Sekt- Auf die Liebe, auf das Leben, auf Gottes Sein mit uns.

Herzlich möchte ich euch einladen:

Am 11. Februar findet in der Pfarrkirche Pucking eine Segensfeier für Liebende statt.

Egal, ob:

Verliebt – verpartnert – verlobt – verheiratet – verlassen – verwitwet – zerstritten – getrennt – trauernd – voll Erwartung – bis über beide Ohren – erneuerungsbedürftig – hin und weg – am Erkalten – befreundet – auf den ersten Blick – Spätzünder –  allein oder zusammen … oder ganz etwas anderes …

Ihr seid willkommen!

Anmeldung ist erbeten, aber nicht Bedingung.

Predigt Gründonnerstag                                          14. 4. 2022,  Haid

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Wie ist es Ihnen gegangen, als Ihnen die Hände gewaschen worden sind? Ungewohnt? Unangenehm?

Sich waschen lassen – und nicht einmal die Füße, sondern auch nur die Hände – wie fühlen wir uns dabei? Es ist nicht jedermanns Sache. Auch dort, wo ich es sonst erlebt habe, auch im Europakloster Gut Aich, wo der Prior P. Johannes Pausch den Gästen des Klosters am 1. Abend vor dem Abendessen die Hände wäscht, wollen das nicht alle.

Ein Art Empörung: als Erwachsene wollen wir das irgendwie nicht …

Wieso mussten zur Zeit Jesu vor dem Essen überhaupt die Füße gewaschen werden?

Im Mittelmeerraum trug man Sandalen; die Wege und Straßen waren voller Staub, und Füße waren am Tagesende schlicht und einfach schwarz.

Noch dazu hatte es sich in besseren Kreisen in Israel wie in allen römischen Provinzen eingebürgert, dass man beim Essen nicht saß, sondern nach römischem Vorbild der Besatzungs- und Kulturmacht lag – die Füße befanden sich in Augenhöhe der Tischnachbarn.

Sich die Füße beim Betreten eines Hauses zu waschen oder – von Sklaven, eher noch Sklavinnen, jedenfalls von den Rangniedrigsten der Dienerschaft – waschen zu lassen, war derart normal und üblich, dass man kein Wort darüber verlor.

Und Jesus macht das – als Vermächtnis an seine Jünger und Jüngerinnen.

Wir spüren, glaube ich, schon, wieso Petrus das als so unerhört empfindet.

Das, was eigentlich damit gemeint ist, ist auch für uns heute derart unerhört, dass wir nicht daran denken, es in Anspruch zu nehmen.

Gott wäscht uns die Füße – behutsam befreit uns von Dreck und allem Unguten, das uns anhaftet. Kennt unsere Schwächen und Fehler, was uns hässlich macht.

Ich möchte Ihnen eine Begebenheit erzählen, die beim Spazierengehen während Exerzitien vorgefallen ist:

Es war im Juli, nach 2 Tagen Regen der erste sonnige Tag.

Ein kleines Mädchen, vielleicht 5, 6 jahre alt, kommt mit der Oma auf dem Feldweg daher. Das Mädchen hat eine zerrissene Hose und ein aufgeschürftes Knie – das Mädchen sagt zur Oma – gell, ich schau aus … Oma: naja – du bist schon sehr schmutzig…“ Das Mädchen sagt: Ja, ich bin schmutzig – wirklich schmutzig … das macht aber nix, die Mama hat mich lieb. Und die Freude des kleinen Mädchens ist richtig spürbar.

So sollen wir miteinander umgehen. Im Wissen, wir sind nicht perfekt und manchmal wirklich sagenhaft dreckig, und sonst niemand ist perfekt und auch mitunter sagenhaft dreckig – und Gott liebt uns. Und wir sollen einander nicht lieben, weil wir perfekt sind, sondern weil es ein Mensch ist.

Wir leben in einer Kultur der Fehlersuche, des ständigen Betonens von dem, was falsch läuft und zu perfektionieren ist.

Das macht Menschen krank – und die gesamte Gesellschaft.

Wer nicht bereit ist, Fehler zu machen, wird nichts lernen.

Wenn wir die Fehler und Mängel in den Menschen um uns sehen: Machen wir es also wie Jesus:

Verwenden wir die Schwachpunkte nicht dazu, unsere Mitmenschen klein zu halten oder klein zu machen, sondern helfen wir ihnen auf. Waschen wir ihnen, einander die Füße – beziehen wir die Störungen ein in unsere Planungen, in unser Handeln – leben wir eine Grundhaltung wohlwollender Toleranz. Toleranz heißt: Wir halten das aus, dass es unperfekt zugeht, weil Menschen unperfekt sind … Drücken wir ein Auge zu, und wenn nötig auch einmal beide.

Nicht weil es wurscht ist, wenn Fehler passieren, sondern weil es Wichtigeres gibt. 

Vertrauen in die Welt, in die Mitmenschen, Freude über die guten Eigenschaften und Fähigkeiten, über alles, was gelingt, Kreativität, Sinn, Humor, Liebe und Glück. Zum Beispiel.

Liebe Brüder und Schwestern, wir haben die Fußwaschung durch Christus durchaus nötig.

Wer sich nicht die Hände und Füße schmutzig macht, hat nichts getan, nichts gearbeitet, sich nicht eingesetzt – ist irgendwie unlebendig – wie aus Kunststoff. Wir haben auf unserem Mariengobelin stehen: Maria ist nicht aus Gips und Plastik.

Wenn wir lebendige echte Christinnen und Christen sind, dann kommen wir mit dem echten Leben in Berührung. Mit Dreck und Schmutz und Blut und Staub und Erde und Verletzungen …

NUR SO werden wir dem Auftrag Jesu gerecht.

Der Teufel macht sich nicht schmutzig und er wäscht auch niemanden. Vielleicht erinnern wir uns an die Weisheitsgeschichte von dem Mann, der nicht in den Himmel kommen kann, weil er NICHTS gemacht hat – nichts Böses, aber auch nichts Gutes.

Große Heilige sind mit ihren Mitmenschen immer in Berührung gekommen – Katharina von Siena hat Aussätzige gewaschen, Franz von Assisi sie gepflegt …

ApostelInnen, SeelsorgerInnen, ChristInnen … WIR müssen mit dem Leben in Berührung kommen – nach dem Vorbild Jesu – sonst haben wir unseren Sinn verfehlt.

Fußwaschung und Eucharistie hängen unmittelbar zusammen – denn nur auf diese Weise werden wir einander zum Brot, zur lebensnotwendigen Nahrung.

Es gibt eine ganz neue Tendenz: Weiße (nun ja, helle halt, Europäer o. ä.) Menschen dürfen sich nicht für dunkelhöutige engagieren – weil: erst recht Rassismus.

Männer dürfen sich nicht für Frauenrechte einsetzen oder zu Wort melden, – weil: erst recht Sexismus.

Wahrscheinlich existieren noch mehr Varianten …

Meine Meinung. Man kanns auch übertreiben.

Im Geiste Jesu: wer sich engagiert nach bestem Wissen und Gewissen, ist willkommen und bewirkt etwas. Gottes Ruach macht vollkommen, was an unserem wollen und tun unvollkommen sein mag.

Daran glaube ich.

Und: Liebe ist wichtiger als Korrektheit. (steht in der Bibel)

Eine Filmempfehlung:

Alphabet – Angst oder Liebe.

Ein Film von Erwin Wagenhofer über unser Bildungssystem, über Bildung überhaupt, Grenzen und Möglichkeiten …

Anschauen!

Lernen!

Predigt                                                       Dreifaltigkeitssonntag 2020

Liebe Brüder und Schwestern!

Achten Sie auf das Kleingedruckte! Heißt es oft, wenn es um Verträge oder Versicherungen geht. Schon manche haben ein böses Erwachen erlebt, als plötzlich unerwartete Nebengebühren angefallen sind, das Honorar oder die Versicherungssumme weit niedriger ausgefallen ist als angenommen …

Und dann heißt es: na, das hätten Sie aber wissen können …

Was hat das mit dem Dreifaltigkeitssonntag zu tun?

Der Glaube an den dreifaltigen Gott ist das grundlegende Unterscheidungsmerkmal zwischen „christlich“ und „nicht christlich“, was Religionen oder religiöse Gemeinschaften betrifft. Und das spielt in unserer heutigen Zeit eine größere Rolle als wir hier, wenn man uns schnell fragt, eigentlich meinen würden.

Jede Menge religiöser Erscheinungsformen tummeln sich auf dem freien Markt und bieten ihre Vorzüge an. Bei der einen Richtung wird umfassende Heilung versprochen, bei einer anderen Erfolg auf der ganzen Linie, wieder woanders garantierte spirituelle Weiterentwicklung bis zur göttlichen Vollkommenheit – und zwar ganz ohne die kirchliche Tradition und Hierarchie, unter der wir alle mehr oder weniger leiden und wo man gern was los wäre.

Versprochen wird nämlich in ca. zwei Drittel der Angebote, dies hier sei das bessere, erleuchtetere Christentum, wie es Jesus wirklich gemeint hat – übrigens haben das sämtliche Sekten der vergangenen 2000 Jahre genauso geglaubt.

Und jetzt wird es interessant, auf das Kleingedruckte zu achten – wo wir ungefragt mitgeliefert bekommen, was wir nicht bestellt haben.

Jesus bekommt in dieser religiösen Esoterikszene nämlich einen ganz hohen Stellenwert. Die Menschen, die sich von einer der Großkirchen nichts mehr erwarten oder enttäuscht sind und nichts mehr zu tun haben wollen, z. B. austreten, haben noch Jesus Christus im Herzen und möchten durchaus mehr über ihn erfahren, wissen, ihm näher kommen. Gehen Sie in die esoterische Buchhandlung und schauen Sie sich die Bücher oder Angebote an. Vorne auf dem Umschlag – Jesus Christus. Und viele andere Gestalten und Symbole des Christentums: Bibel, Maria, Heilige, Engel, Weihrauch, gotische Kirchenfenster …

Und wenn man genauer hineinliest: Jesus ist ein besonderer Mensch, ein Erleuchteter, aufgestiegener Meister, in derselben Gewichts- und Qualitätsklasse wie etwa Buddha, Zarathustra, Mose, Maria aus Nazaret …

Diese Anschauung , dass Jesus zwar der einzige Sohn Gottes, aber nur Mensch sei, wenn auch der denkbar beste und vorbildlichste, hat es in den Anfängen der Kirche gegeben – und ist beim Konzil von Nicäa 325 als unrichtig verurteilt worden.

Solche theologischen Spekulationen sind eh wurscht, denken vielleicht manche – mir nicht. Ich denke, es ist immens bedeutungsvoll, ob all das, was ich von Jesus weiß, ein vorbildlicher Mensch gesagt und getan, erlebt und erlitten hat – oder Gott selbst.

Wenn es nicht sicher ist, oder egal ist, ob Jesus Gott ist …

Das ist ein anderer Grad an Verbindlichkeit.

Für die Muslime ist Jesus ein wichtiger Prophet. Die Zeugen Jehovas glauben, Jesus ist nur Mensch.


Ganz ähnlich ist es mit dem Glauben an den Heiligen Geist als Person. Wenn wir das hebräische Wort übersetzen, die Heilige Geistin – Ruah Jahwe. Es ist auch eine Fehlform, sich die Dreifaltigkeit als drei männliche Personen vorzustellen.

In der Esoterikszene ist die Rede von der göttlichen Energie, die überall reichlich vorhanden sei und nur durch speziell erlernbare Techniken kanalisiert oder angezapft zu werden braucht – wie eine Stromleitung.

Nicht aber Person, die auch von sich aus aktiv wird, auf Menschen zugeht – und Bitten erhört oder auch nicht, wenn es nicht gut ist – wo es um den Kontakt geht zwischen Personen …

Gottes Geist sorgt ja v. a. auch für den guten Kontakt der Menschen untereinander, für den Gemeindeaufbau, für Struktur … Wo „Kirche“ (jetzt egal welcher Konfession) keine Rolle mehr spielt, wo alles individuell ist und jeder als einzelne/r für das eigene Heil selbst verantwortlich ist – da fehlt Wesentliches.

Oder wo eine Heilige Schrift direkt diktiert wird – in der Esoterik Channeling -, vom Himmel fällt, wo es keine Auslegung, Weiterentwicklung etc. geben darf … das ist Leugnung des Heiligen Geistes, der in Freiheit und Liebe mit freien Menschen wirkt. Die historisch kritische Bibelauslegung kommt dem auf die Spur.

Wenn schon das Bild vom Kanal für die göttliche Eingebung verwendet wird, dann müssen wir uns vorstellen, dass jeder menschliche Kanal innen eine Farbe, einen Geruch, Geschmack … hat, was auf das Wasser der Botschaft übertragen wird. Wahrscheinlich auch Schmutz, der die Qualität beeinträchtigt … Bibelauslegung erforscht, was für historische, kulturelle, persönliche … Beimengungen drin sind … dass sie drin sind, ist nichts Schlechtes, das ist ganz normal und erwartbar. Man muss nur wissen darum. Fundamentalismus tut so, als ob es diese menschlichen Dreingaben, Eigenheiten…  nicht gäbe…

Gottes heiliger Geist wirkt voller Respekt vor dem Menschen mit dem Menschen zusammen. Übrigens tut das auch Jesus überall in den Evangelien. Und der Gott Israels im AT.

Das ist die große Gemeinsamkeit. Jede der drei Personen ist ganz außer sich vor Liebe zu jeder und jedem einzelnen von uns Menschen. Auch zur ganzen Schöpfung …

Und wir, Sie und ich, sind in dieser immensen Liebe mitten drin …

Predigt                                               6. So. d. Osterzeit           16./17. 5. 2020

Liebe Brüder und Schwestern!

Aha, haben wir eh befürchtet, es geht also doch vor allem darum, Gebote einzuhalten im Christentum … wie vor 100 Jahren üblich, Hauptsache brav und gehorsam…?

Liebe Mitchristen, wir sind eingeladen, genau hinzuhören.

Jesus sagt im Evangelium: Wer meine Gebote hat und hält, ist es, der mich liebt…

Wir erinnern uns: Jesus hat sich selber des öfteren nicht an die Gebote und Vorschriften der Pharisäer, des stenggläubigen Judentums gehalten – nämlich immer dann, wenn sie lebensfeindlich waren, wenn sie der Liebe diametral entgegengestanden sind.

Jesus selbst hat stets gegen engstirnige Auslegung gekämpft – man wollte ihm verbieten, am Sabbat zu heilen. Verurteilt ist er mit dem Argument worden: Wir haben ein Gesetz und nach dem muss er sterben – nämlich als Gotteslästerer.

Schauen wir, welche Gebote sind das denn, die Jesus gibt? Finden wir etwas im Evangelium?

Da gäbe es zunächst einmal die Bergpredigt.

Einige Sätze fallen mir spontan ein aus den Evangelien:

Seid barmherzig.

Vergebt nicht 7x, sondern 77 mal.

Liebt Gott von ganzem Herzen und euren Nächsten wie euch selbst.

Liebt eure Feinde, tut gutes denen, die euch hassen.

Betet für die, die euch verfolgen.

Sorgt euch nicht ängstlich.

Bemüht euch, durch die enge Tür zu gelangen.

Na gut, werden wir sagen. Aber viel Konkretes ist da nicht herauszufiltern.

Aber um das geht es auch nicht.

Jesu Absicht ist es nicht, ein Gesetzeswerk zu hinterlassen. Klar ist für Jesus, dass z. B. die 10 Gebote gelten.

ABER: Er verspricht, bei uns zu sein bis zum Ende der Welt.

Es geht darum, auf ihn zu hören.

Sich auf ihn einzulassen. Sein Wesen zu erfassen und unser Handeln, ja unser ganzes Denken und Sein nach ihm in Liebe auszurichten.

In den letzten Wochen sind gerade unter Christen immer wieder Zweifel aufgekommen im Zusammenhang mit den Bestimmungen, den Beschränkungen angesichts der Coronakrise.

Das Wesen des Christentums ist doch Gemeinschaft, Zusammenhalten, der Heilige Geist stiftet Verbindung, Kontakt, konkrete Nähe zwischenMenschen.

Im heutigen Evangelium, in der frohen Botschaft Jesu, bekommen wir da genau die Hilfestellung, die wir brauchen.

Jesus verspricht uns als Beistand den Heiligen Geist – und der ist lebendig. Was lebendig ist, ist nicht ein für alle Mal starr und fix. Ein Organismus, der sich nicht mehr verändert, ist tot.

Jesu Gesetz besteht nicht in starren Prinzipien, die ein für allemal gültig sind.

Das ist auch der Unterschied zu einem fundamentalistischen Buchstabengehorsam.

Das – das – Unterscheidungsmerkmal ist die Liebe, die je größere Liebe.

Wenn Nähe, Gemeinschaft, zwischenmenschlicher Kontakt extrem hohe Werte sind – dann kann es dennoch sein: dass in der Coronazeit Abstand, Distanz, weniger Kontakt das liebevollere Verhalten darstellen – weil es lebenserhaltend ist.

Es hat so Ansätze von Brutalo-Katholizismus gegeben. Nein, keinen Gottesdienst feiern widerspricht dem Christentum, nicht zusammenkommen, keine Körperkontakt, keine Sterbesakrament – das ist ja unchristlich, da sollten wir uns besser gar nicht dran halten …

Gottes lebensspendender Geist ist uns geschenkt, damit wir uns leicht tun zu unterscheiden: Wo ist etwas menschenfeindlich, wo werden Vorschriften oder sogar die Religion benützt, um anderen das Leben schwer zu machen — und wo sind sie menschenfreundlich, d. h. ermöglichen und garantieren Leben und machen das Leben leichter.

Es ist unsere Aufgabe als mündige Christen: immer wieder neu zu erforschen: Wo ist der Geist Jesu Christi eher am Werk?

Zur Betrachtung:

Joh 21, 15-19

15 Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer! 16 Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! 17 Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Liebst du mich? Er gab ihm zur Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! 18 Amen, amen, ich sage dir: Als du jünger warst, hast du dich selbst gegürtet und gingst, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst. 19 Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen werde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!

Anregung zum Weiterdenken:

Wie fühlt sich Petrus? Er Jesus verleugnet, ist dann wahrscheinlich davongerannt …

Ja, er liebt Jesus … aber seine menschlichen Eigenheiten sind stärker.

Jesus wartet auf seine Entwicklung – und gibt ihm trotzdem den Auftrag gleich.