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Liebe Erstkommunionkinder, lieber Eltern, liebe Brüder und Schwestern!

„Regenbogen“ lautet das Thema der heurigen Erstkommunion. Wie entsteht so ein Regenbogen?

Wenn es regnet und gleichzeitig die Sonne scheint.

Kommt das oft vor? – Nein, es ist eher selten.

Die Menschen, von denen das Alte Testament, der erste Teil der Heiligen Schrift, erzählt, haben den Regenbogen als Zeichen dafür verstanden, dass Gott die Menschen lieb hat. Dass Gott mit den Menschen, ja mit der ganzen Schöpfung, einen Bund geschlossen hat. Ein Abkommen ,,, Gott hat feierlich versprochen, bei den Menschen zu sein und sich zu kümmern, dass es uns gut geht.

Der Regenbogen ist ein besonderes Zeichen – normalerweise gibt es das nicht, dass es gleichzeitig regnet und sonnig ist.

Mit Jesus ist auch etwas ganz besonders, was es sonst nicht gibt: Jesus ist Mensch und Gott zugleich. Und beides zu 100 Prozent, würden wir sagen.

Gott hat sein Versprechen, dass er vor langer Zeit mit dem Regenbogen gegeben hat, in sensationeller Weise wahr gemacht: er ist als Mensch auf die Erde gekommen.

Aber weil wir Jesus nicht ständig sehen und erleben können nach seinem Tod und seiner Auferstehung, hat er sich etwas echt Tolles einfallen lassen:

Wir brauchen nur ganz einfach Eucharistie zu feiern, über Brot und Wein zu beten wie Jesus damals beim letzten Abendmahl, und er ist anwesend, ist da, gegenwärtig bei uns.

Gott weiß, dass wir uns schwer tun etwas zu glauben, wenn wir es nicht sehen können. Deshalb etwas aus unserem Alltag, etwas ganz Normales, Brot, ein sichtbares Zeichen, das wir angreifen und sogar essen können …

Wir sollen nicht nur glauben, sondern dürfen wissen: Gott ist bei uns.

Es ist aber jetzt nicht nur so, dass es uns selber gut tut, Kraft gibt und glücklich, froh macht, wenn wir die Kommunion empfangen.

Wir nehmen ja Jesus in uns auf.

Die Kommunion hilft uns dabei, immer mehr so zu werden wie Jesus. Wir nehmen von Jesus immer auch dann etwas auf, wenn wir die Bibel lesen oder beten …

Aber wenn wir die Hostie empfangen, haben wir Jesus in uns. Wir sind wie lebendige Tabernakel auf 2 Beinen. Jede/r von uns ein Ort der Anwesenheit Gottes …

Stellen wir uns vor, wie großartig das ist, wenn wir das Wesen Jesu, seine Anwesenheit, überall hin bringen … Jeder Mensch, der bei der Kommunion war, strahlt den Segen Gottes in diese Welt.

Dass ihr das selber spüren könnt und oft und gern tut, ihr Erstkommunionkinder, aber auch alle anderen, die heute hier sind, das wünschen wir euch: die Religionslehrerin, der Kurat und ich.

Liebe Firmkandidaten! Liebe Brüder und Schwestern!

Der Himmel – wo ist das? Was ist das überhaupt?

Wahrscheinlich kennen Sie das Lied: Imagine. Inzwischen ein Klassiker. Imagine, there’s no heaven – only sky. Stell dir vor, da (oben) ist kein Himmel, nur das Firmament.

Im Englischen gibt es zwei Wörter dafür.

Die Welt Gottes ist nicht dort, wo wir an wolkenlosen Tagen hinschauen – obwohl es uns gut tut, in die blaue Weite zu schauen, bis zum Horizont, wo wir wissen, da geht es noch weiter hinaus, immer weiter, nur unser Sehvermögen ist begrenzt, da bekomme ich neue Hoffnung, dass jenseits meines bisherigen Sehvermögens, meiner Erfahrungen, was ich für möglich halte – dass da noch weit mehr ist, weit mehr möglich ist, als ich mir vorzustellen wage.

Dieser Himmel, die Dimension Gottes, ist nicht an Raum und Zeit gebunden. Es ist ein Bereich direkt neben uns, in uns, jedenfalls erreichbar, wahrnehmbar, wenn wir offen sind dafür.

Im Evangelium von der „Verklärung“ Jesu sehen die 3 Jünger, die dabei sind, ein Stück in diesen Himmel hinein. In den Bereich Gottes. Klar, dass man dort auch auf die dort befindlichen Verstorbenen trifft, die großen Heiligen des Judentums…

Den meisten Religionen ist es bekannt, dass so etwas möglich ist, und oft ist gerade der Weg, die Art und Weise, wie man in diesen Bereich gelangt, die Spezialität der jeweiligen Religion. Ob man es Lichterfahrung oder Erleuchtung nennt oder Andere Welt oder Jenseits oder eben Himmel –

Die Spezialität des Christentums liegt darin, dass die Nähe, die Anwesenheit Jesu genügt, ja mehr als das, vollkommen ausreicht, um diese andere himmlische Welt zu erleben.

Gnade ist so ein altes Wort für diesen Umstand.. Man kann sich den Himmel nicht verdienen.

Die Techniken, die es auch in unserer Tradition genauso gibt wie anderswo, beten, fasten, meditieren, Tugendübungen, Askese, Bemühungen. Exerzitien usw. sind gut, weil sie uns gut tun – eigentlich eine Sache des gesunden Hausverstandes. Ja, sie können offener machen – für das Spüren und Erleben der Anwesenheit Jesu hier in unserer Welt, für das Wirken Gottes.

Das Sich Zurückziehen in die Stille und Einsamkeit, an einen besonderen Ort ist auch so ein Mittel, zu spüren, worauf es eigentlich ankommt, weil die Alltagseinflüsse wegfallen, die oft von der himmlischen Wirklichkeit ablenken. Der Adler in der Lesung hat den Berggipfel gebraucht, einen Ort, wo er die Hühner nicht mehr sehen konnte, um zu seiner vollen Größe zu finden.

Auch wir Menschen sind irgendwie arm und unvollständig, nicht in unserer vollen Kraft, wenn wir uns nur auf der Ebene des Irdischen bewegen.


Unsere vordergründigen Lebenserfahrungen sind oft unverständlich. Wir leiden an der Endlichkeit der Natur, der Dinge, der Beziehungen, unseres eigenen und jedes Lebens. Diese begegnet uns in der Krankheit, im Tod, im Sterben-müssen, in den persönlichen Unzulänglichkeiten, im Aneinander-schuldig-werden und im Einander-schuldig-bleiben. Ohnmächtig stehen wir diesen Schattenseiten des Lebens gegenüber.

Im Fasten und Beten suchen wir Wege, wie wir im Wissen um eine andere viel größere Welt, die unsere direkt erfahrbare Welt übersteigt, trotzdem Halt und Geborgenheit finden können

Und wie wir aus der himmlischen Perspektive ziemlich sicher Lösungsmöglichkeiten für unsere irdischen Nöte finden, die dem normalen Tagesbewusstsein und der Schulweisheit nicht zugänglich sind.

Heiliger Geist bewirkt, dass wir gute Einfälle haben, mehr sehen als mit unserem rein menschlich-irdischen Blick…alles wissen und können, was nötig ist zum Glück, zum guten Leben – und zwar für alle in dieser Weltgemeinschaft.

Wenn die jungen Menschen sich seit heute auf das Erfülltwerden mit Gottes Geist im Sakrament der Firmung vorbereiten, so ist dies ein gutes Zeichen – für sie selber, für Pucking, für die Diözese Linz und eigentlich die ganze Menschheit.

Was. I soll wichtig sein für die ganze Pfarre, für das Land, für die Welt? Ausgerechnet? Denkt ihr jetzt vielleicht. Wer bin ich schon?

Vergesst doch bitte auch die Geschichte mit dem Adler nicht!

Ihr seid in der richtigen Umgebung und in der besten Gesellschaft – mit Jesus in eurer Nähe. Rechnet damit, dass Gott euch dabei hilft!

Eine oder einer von euch – ja jede/r von uns – kann im Lauf des Lebens etwas erfinden, entscheiden oder bewirken, was die Menschheit um einen bedeutenden Schritt weiterbringt. Dass ihr das wirklich tut, weil ihr für Gottes Anregungen offen seid, wünschen wir euch. Wir, die Firmbegleiter, und die ganze Pfarre.

Predigt                                                 Faschingsonntag, 14. 2. 2021  Haid

Liebe Brüder und Schwestern, lieber Kinder!

Gesund möchte der Mann im Evangelium sein. Und Jesus hilft ihm dabei.

Auch in der Geschichte, die die Kinder gelesen haben, geht es um Gesundheit. Aha, wieso – fragen wir vermutlich. Da geht es doch um ein Kloster, um Mönche und einen Clown und darum, wie man richtig beten kann …

Ja das stimmt, Aber es geht um mehr.

Jesus möchte und wirklich gesund haben und gesund machen – in allen Beziehungen unseres Lebens.

Dazu gehört nicht nur die körperliche Unversehrtheit oder das Freisein von Krankheit, sondern das Glücklichsein, die Freude, die Gemeinschaft, die rechte Beziehung zu Gott, …

Gesunde Spiritualität kümmert sich um all das, da sind immer Leib und Seele gemeint, und wenn wir nachdenken, fällt uns ein Sprichwort ein, das heißt: Humor ist die beste Medizin.

Der Gaukler in der Geschichte und der Aussätzige im Evangelium haben etwas gemeinsam.

Beide gehören zuerst nicht richtig dazu. Am Ende der Geschichte schon. Sie haben dann sogar eine besondere Rolle, eine spezielle Aufgabe bekommen.

Jemand, der damals zur Zeit Jesu den Aussatz hatte, Lepra, eine hoch ansteckende Krankheit, die ohne Antibiotika stets tödlich verläuft, wurde von der Familie, von der Dorfgemeinschaft ausgestoßen. Die Kranken lebten oft miteinander in Höhlen oder Unterständen außerhalb der Siedlungen und waren auf Spenden angewiesen. Sie waren in Quarantäne, würden wir heute sagen.

Ihre nächsten Angehörigen durften sie nie mehr sehen, und eine Hoffnung, gesund zu werden, hatten sie auch nicht. Aussätzig meint nicht mehr dazugehören, ausgesetzt sein in der Wildnis.

Wenn Jesus so jemanden heilt, dann ist danach der gesamte Mensch gesund – nicht nur die körperliche Erscheinungsform der Krankheit ist weg, sondern man darf wieder zu seiner Familie, zu den Freunden, in den Beruf, in das normale Lebensumfeld zurück. Klar, dass der Jubel beim Geheilten groß war.

Er hat Gott gelobt, hat begeistert von Jesus erzählt, wohin er auch gekommen ist.

Der Gaukler in der Geschichte gehörte auch nicht richtig dazu. Er fühlte sich im Kloster ausgestoßen. Warum?

Weil er nicht lateinisch mitbeten konnte. Er war nicht ausgebildet für ein Leben im Kloster.

War er dumm? Nein. Er hatte dafür Fähigkeiten, die die Mönche nichthatten: Er konnte tanzen und Akrobatenkunststücke aufführen, auf den Händen laufen, Saltos schlagen, Jonglieren, …

Obwohl er an Gott geglaubt hat und sehr fromm war, er wollte ja nicht mehr im Zirkus bei der Gauklertruppe sein, sondern im Kloster, war er irgendwie ausgestoßen.

Wie ist es besser geworden?

Er hat das gemacht, was er konnte. Seine Kunststücke aufführen.

Und der Abt des Klosters hat seine Qualitäten gesehen. Erkannt, dass der Gaukler genau richtig ist im Kloster, weil für ihn das wichtigste ist, Gott zu loben – und er macht es so gut er kann, mit all seinen Fähigkeiten, mit Herz und Hirn und Leib und Seele. Die Mönche vielleicht nur mit halbem Hirn.

Bei uns werden auch manche zu Außenseitern, weil sie besondere Fähigkeiten haben, anders aussehen, anders beten oder anders glauben als wir.

Als die Masse.

Die frohe Botschaft: Gott hat die Welt und die Menschen bunt erschaffen. Vielfalt, Anderssein, Sich unterscheiden – das ist ein Zeichen von Gesundheit. Die Schöpfung ist keine Monokultur.

Feiern wir jede und jeder unsere Einzigartigkeit und auch die jedes anderen um uns – zum Lob Gottes!

Ich möchte euch einen Liedtext mitgeben:

Im Land der Blaukarierten …

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Was ist ein unreiner Geist?

Wir glauben so etwas nicht. Seltsam. Böse Geister gehören ins Märchen. Oder in Gruselgeschichten.

Was passiert im Evangelium?

Jesus kann dem Befehle erteilen. Jesus ist mächtiger.

Gibt es in unserer heutigen Zeit – und da frage ich jetzt auch die Erwachsenen – nicht jede Menge unreiner Geister?

Denkhaltungen, die Menschen halb oder ganz verrückt machen?

Konsumdenken, Hektik, Habgier – ein Radl, das knechtet, wo einer nicht einfach aussteigen kann, sobald er will? Wo Leistung alles ist, Selbstbehauptung, Aggressivität …

Und die totale Angst: was, wenn ich es nicht mehr schaffe, arbeitslos werde, zu alt, zu krank, zu wenig tüchtig bin …?

Die Folgen des Wirtschaftsterrors: Umweltzerstörung, neue Krankheiten wie Corona, was uns seit 11 Monaten in Atem hält … die Ausrottung ganzer Völker und irgendwann der Menschheit …

Oder die Esoterik, die rapide um sich greift wie eine Seuche.

Unglaube. Wenn man alles gleich glauben kann und es gleichgültig – wurscht ist: Es wird irrelevant, dass Jesus gekreuzigt wurde und auferstanden ist.

Auf der anderen Seite Fanatismus, religiöse Engstirnigkeit.

Wo es wiederum Denkverbote geben soll…

Am ärgsten von allem ist die Angst, die um sich greift – vor all dem, was ich geschildert habe. Terror, Horror heißt ja Angst, Schrecken.

Vieles was sich heute weltweit tut, kommt mir vor wie eine Krankheit: Zuerst merkt man es gar nicht, dass etwas nicht in Ordnung ist – man hat sich angesteckt, fühlt sich möglicherweise nicht 100prozentig wohl, denkt sich aber nicht viel.

Wenn es dann ausbricht ist es zu spät.

Vieles empfinden wir nicht als krank, weil es so normal ist – was alle, fast alle haben, das fällt nicht auf – wie in der Zeit des Nationalsozialismus diese Denkweise normal war. Allgemein üblich.

Aber eben nicht gesund und gut.

Der Mann in der Synagoge aus dem Evangelium hat sich vielleicht gar nicht krank gefühlt.

Erst als Jesus eintritt, kommt es auf, was ihm fehlt. In der Nähe Jesu, in der Anwesenheit Gottes, hält sich das Böse nicht länger.

Wo man wieder spürt, wie das Gute ist, sein könnte, erst da merkt man auf einmal, wie störend die Krankheit ist. Wie sie das Wohlbefinden beeinträchtigt.

Liede Brüder und Schwestern: Wie gern würden wir unsere Kinder, aber natürlich auch uns selber und alle unsere Lieben, vor allem Unguten, Kranken, Schädlichen bewahren und schützen.

Unter normalen Umständen würden wir an diesem Sonntag eine Kindersegnung haben im Gottesdienst.

Aber ich kann mir noch etwas vorstellen, was besser wirkt:

Wenn sie Jesus immer bei sich haben, ständig in seiner Nähe leben. Schließlich ist es ja auch so. Wir haben recht, wenn wir uns gesegnet fühlen und wissen.

Wie kann man da tun? Wie geht das?

Beten jeden Tag.

Mit ihm leben. Sich vorstellen und fragen: was würde Jesus tun, sagen … in der einen oder anderen Situation?

Jesus vertreibt den unreinen Geist.

Vielleicht ist manches bei uns so, dass wir auch zunächst einmal schreien möchten vor Trauer und Schmerz über das, was schief läuft in unserer Welt oder in unserer Familie, Gesellschaft …

Aber dann wird es besser. Und zwar ziemlich rasch. Wir erkennen, dass wir Christen heute diejenigen sind, die die Aufgabe haben, das Böse (Krankheit, Unrecht, Unfrieden, Armut, Dummheit…) in jeder Form zum Verschwinden zu bringen. Es unterstützt uns einer dabei, der bewiesen hat, dass er’s kann.

Liebe Brüder und Schwestern!

Der widerwilligste Prophet der Bibel – wir haben heute in  der Lesung von Jona gehört – hatte den größten Erfolg.

Viele von uns werden mit seiner Geschichte nicht so vertraut sein: Bevor Jona nach Ninive geht und Gottes Auftrag ausführt, vergeht einige Zeit und es geschieht so manches: Jona will nämlich zuerst gar nicht nach Ninive. Erstens will er seine Ruhe haben, und zweitens leben in Ninive Heiden, die Stadt liegt im Ausland, und ihr Schicksal ist ihm denkbar egal.

Jona flieht vor dem Auftrag Gottes. Er tritt eine Schiffsreise an und will mit dem allen nichts zu tun haben.

Aber Gott ist hartnäckig. Er verfolgt den, den er sich als Propheten ausgesucht hat; das Schiff gerät in einen furchtbaren Sturm. Jona weiß sehr wohl, was los ist: Er ist gemeint. Gott will was von ihm. Er lässt sich vom Kapitän ins Meer werfen, dort wird er von einem Wal verschluckt, der ihn allerdings nach drei Tagen heil an Land bringt – praktischerweise in die Nähe von Ninive, denn da soll er ja hin.

Jetzt führt Jona seinen göttlichen Auftrag aus. Allerdings extrem lustlos. Ohne Begeisterung.

Er geht in die Stadt hinein. „Noch 40 Tage, und Ninive ist zerstört!“

Keine Rede von Gott, keine Rede davon, dass die Menschen eventuell umkehren sollen …

Aber das Unerwartete geschieht:

Die Leute von Ninive glauben an Gott. Sie ändern ihr Verhalten, fasten und beten. Die gesamte Einwohnerschaft dieser riesigen Metropole. Wo man drei Tage zum Durchqueren braucht – 90 km. In Sao Paulo, der damals größten Stadt der Welt mit 19 Mio Einwohnern, brauchte man 1993, als ich dort war, drei Stunden mit Bus oder Auto von einem Ende zum anderen.

Und Gott überlegt es sich anders. Die von Jona angekündigte Zerstörung bleibt aus.

Der Prophet hat mit all dem nicht gerechnet.

Nun ist er beleidigt.

So eine Umkehr der Menschen und Umkehr Gottes, so eine Barmherzigkeit Gottes, passen ihm nicht ins Konzept. Er hätte es sich so toll vorgestellt: Zuerst seine Strafpredigt, dann der gerechte Untergang der Heidenstadt.

Jona ist fix und fertig – Gott muss ihn erst wieder aufmuntern: „Wie hätte ich denn kein Erbarmen haben sollen mit 200.000 Menschen und noch dazu so viel Vieh…“

Was könnte das für uns bedeuten, mit uns zu tun haben?

Bei uns ist es oft nicht so, dass wir nicht gern Gottes Aufträge erfüllen würden.

Es ist leider so, dass wir gar nicht damit rechnen, Gott könnte einen speziellen Auftrag für uns haben.

Wir fürchten uns ein bisschen oder machen unsere Ohren halb zu, weil wir wohl glauben, Gott möchte was von uns – allerdings dass wir uns bessern, umkehren, usw. und so fort. Wir sind von der kirchlichen traditionellen Verkündigung noch immer ver-bildet.

Es wurde Jahrhunderte gepredigt: Wer bist denn du schon, bilde dir ja nichts ein, schon gar nicht, dass es irgendwie auf dich ankäme … oder dass du irgendwie annähernd wichtig wärest …

Es gab diese fatale Engführung: Berufung = (ist gleich) Ordensstand oder Priester.

Und das wollen die meisten Menschen nun eben doch nicht, also legt man das Hören auf Gott in Ermangelung geeigneterer Angebote ad acta.

Schade.

Denn es gibt so viele verschiedene Berufungen, wie es Menschen gibt.

Wir sind kraft unserer Taufe alle Propheten – und sicher ist auch der oder die eine oder andere Menschenfischer/in unter uns.

Es käme darauf an, wieder dieses Selbstbewusstsein zu bekommen: Ja, Gott meint mich persönlich. Ja, Gott spricht zu mir – zu lernen, in geistlicher Begleitung mit theologisch und geistlich erfahrenen Menschen kann man das lernen und prüfen -: was stammt da vom Heiligen Geist, was ist meine Persönlichkeit auch mit ihren Vorlieben und Erfahrungen und Handicaps, die das Gehörte filtert und ev. verändert … oder sogar missversteht.

Ein Kriterium wäre: Gott macht glücklich, führt zu mehr Frieden, Freude, Freiheit, Gerechtigkeit, Glauben, Hoffnung und Liebe.

Auch zu mehr Mut.

Mich beeindruckt an der Jona-Erzählung, dass er solchen Erfolg hatte, obwohl er höchst widerwillig und ohne eigene Motivation agiert. Vielleicht soll uns sein Beispiel erst recht mutig machen: Wenn wir das, was Gott wirklich will, tun, wird sich der Erfolg einstellen – mehr und rascher als wenn wir super ausgebildet und höchst motiviert irgendwas machen was auf unserem eigenen Mist gewachsen ist.

Eines ist notwendig, wenn wir unser prophetisches – oder auch sonst ein Charisma ausüben: Wir müssen Jesus zuerst nachfolgen. Das, was Jesus zu den Jüngern sagt, meint wörtlich: „hinter mich!“ –hinter Jesus hergehen, auf ihn schauen, von ihm lernen: wie verhält er sich, mit ihm reden, täglich oder öfter, Jesus als Lehrer betrachten für sich selber. Was würde Jesus tun – was sagt er zu diesem oder jenem …? Das war die einzige theologische Bildung, die die Fischer hatten – und sie reichte aus.

Und den Mut haben, das, was er uns sagt und zeigt, für wichtiger und relevanter zu halten als unsere Lebensgewohnheiten, kulturellen und religiösen Traditionen.

Alles was in unserer Kirche – und weltweit in Politik, Wirtschaft und Familien, … schief läuft, hängt damit zusammen, dass zuwenig gefragt wird: Was will Jesus – oder für Nichtchristen: was sagt uns der Geist Gottes, der ja zu jedem Menschen unmittelbar sprechen kann, Ninive war nicht das auserwählte Volk – und dass es zuwenig getan wird.

Wär doch was, wenn wir im kleinen schon einmal damit anfangen.

Mit dem Feiertag übermorgen ist es wieder vorbei; aber heute war es noch ungewohnt wie nie zuvor – Sonntag, nach dem Frühstück wegfahren, in der Natur spazierengehen, Keksbacken, Mittagessen kochen, essen, lesen, Mittagsschlaf, nochmal Keks backen, mit lieben Menschen telefonieren, noch einmal kurz hinausgehen, ein paar Dinge ordnen, Computerarbeit, ausgiebige Schönheitspflege, schlafen gehen …

Viele haben solche Sonntage – viele nehmen nie oder sehr selten an Gottesdiensten teil.

Ja, mir geht es ab – ich bin ja fast immer zum Gestalten dran – das pünktliche Ankommen in der Pfarre, die Vorbereitung, die manchmal stressig ist, etwas aufgeregt bin ich immer noch – vor jedem Wortgottesdienst, vor jeder Predigt, die ich halte …

Das erhebende Gefühl nach dem Ende des Gottesdienstes in der Sakristei …

das beschwingte ermutigte Hinausgehen, Heimkommen, der Rest des Sonntags ab 10.30 …

Wie geht es euch?

Gott, Jesus, identifiziert sich mit uns.

Predigt Christkönig

Liebe Brüder und Schwestern!

Ein Fest, in dem es darum geht, dass Jesus Christus König ist – über uns, über alles – ist das nicht eigenartig zu einer Zeit, wo die Könige beinahe vollständig von der Bildfläche verschwunden sind? Gott sei Dank, denn entweder fällt uns zum Begriff „König“ eher etwas ein bisschen Komisches ein  – wenn wir beim Zahnarzt sitzen und warten, dass wir drankommen und in einer Zeitschrift blättern, wo irgendetwas aus dem englischen Königshaus berichtet wird … oder wir sehen manchmal einen Film, wo ein König mit Macht und Willkür agiert, der sich von den Untertanen bedienen lässt, eine Schreckensherrschaft ausübt, wo wir froh sind, dass es mit so was aus und vorbei ist…

Es gibt aber auch andere Bilder von „König“, Kinder haben die – wenn sie Märchen lesen oder Sagen, dann treten da oft Könige auf, die gütig sind und weise, die sich wirklich um ihre Bevölkerung annehmen, die für Gerechtigkeit sorgen, die letzte Instanz sind, Vorbilder in allen Fragen, wo man hinschaut: aha, so benehmen, so verhalten sich die, so entscheiden die, da kann ich mir etwas abschauen…

Mir fällt auch das orientalische Märchen ein mit dem Kalifen Harun al Raschid, der mit seinem Großwesir sich als ganz einfacher Mensch, als Bettler auch, verkleidet und ein, zwei Wochen unters Volk begibt – da kann er nämlich hautnah erleben, wie es der armen und der Normalbevölkerung geht – einer, der in Pracht und mit Gefolge kommt, erfährt ja nicht, wie es wirklich steht. Der sich in die Lage des Bauern, Bettlers, … versetzt.

Eine faszinierende Geschichte.

Nur: es ist kein Märchen. Das Evangelium meint: Jesus handelt genau so. Und es ist Wirklichkeit. Zuerst schon einmal, wie er als Normalverbraucher, in der Durchschnittsbevölkerung lebt, als Zimmermann, als Handwerker, in einem kleinen Volk, unterdrückt und besetzt von einer Großmacht – und dann als Gott, auferstanden, sich identifiziert mit dem, der Geringsten … mit denen, wo wir kein zweites Mal, ja wenn überhaupt einmal, hinschauen.

Was das bedeutet, das haben wir nach 2000 Jahren Christentum möglicherweise besser als je zuvor, aber noch nicht vollkommen begriffen. In den Jahrhunderten vor uns hätte es keine Standesunterschiede geben dürfen – im Mittelalter z. b. oder in der Barockzeit.

Aber auch jetzt: Wenn wir uns das zu Gemüte führen: Jesus begegnet uns im Behinderten, im Obdachlosen, in den Armen, für die wir vor einer Woche am elisabethsonntag gesammelt haben, in den alleinerziehenden Frauen, in dne noch nicht geborenen Kindern, in den Alten, in den Kranken, in denen, die aus der Fremde kommen und bei uns Schutz und ein besseres Leben suchen und kein Asyl finden, sondern abgeschoben werden, in den Landlosen und Straßenkindern Lateinamerikas, in den Frauen in orientalischen Ländern, wo sie als Frauen überhaupt keine Rechte haben: in genau die versetzt sich Jesus hinein. Sie sind Orte der Anwesenheit Gottes.

Wenn Christen, nur die Christen, das ernst nehmen würden, nur einmal für eine Woche, das Leben auf diesem Planeten sähe schlagartig anders aus …

Jeder würde sich überlegen, was er sagt, wie er den anderen behandelt, anschaut …

Ich möchte Ihnen einen Witz erzählen: Der ehemalige Papst Benedikt XVI. ist in Bayern auf Urlaub, fährt mit seinem Chauffeur im Auto – da sagt er: Ich möchte doch selber einmal den Wagen lenken – in Italien komme ich nie dazu – und sie tauschen Platz, der Papst steigt aufs Gas – und wie es so ist, gerät er in die Radarüberwachung, weit zu schnell gefahren, der Inspektor hält ihn auf, kontrolliert die Papiere – und geht zurück zum 2. Kollegen, der im Streifenauto wartet. Der sagt: Nun, wie viel haben die gezahlt? Und der Polizist sagt: Was glaubst du, wer da drin gesessen ist … ich habe sie weiterfahren lassen. Der 2. ist entsetzt: Was. Mit 180 auf der Landstraße, und du lässt die einfach so weiterfahren? Das gibt’s doch nicht…und wenn es der Bundespräsident oder der Ministerpräsident ist, das kannst doch nicht machen, der hat das Gesetz übertreten und gehört bestraft! Wer wars denn?

Ja, sagt der andere – nicht auszudenken, wer da noch im Auto gesessen ist … der Chauffeur war jedenfalls der Papst

Jesus möchte uns im Evangelium einladen, unsere Ansicht zu ändern. Über die Wichtigkeiten dieser Welt. Mit dem Weltgericht meint er: Ja, es ist ganz und gar ernst. Menschen, die Rang- und Wertunterschiede zwischen Menschen machen, werden es im Himmel einmal nicht aushalten.

Jeder, mit dem ich es zu tun bekommen – und lieber nichts zu tun hätte vielleicht -, kann Jesus Christus sein, ist es versteckt! Ich möchte Sie ermutigen, Ihre Mitmenschen eine Woche lang – bis zum Advent – so anzuschauen: – und so zu behandeln als ob ich es mit jesus zu tun hätte.

Mt 25, 31 – 46

»Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt, begleitet von allen Engeln, dann wird er auf seinem Herrscherthron Platz nehmen.









 32Alle Völker der Erde werden vor ihm versammelt werden, und er wird die Menschen in zwei Gruppen teilen, so wie ein Hirt die Schafe von den Böcken trennt. 33Die Schafe wird er auf seine rechte Seite stellen und die Böcke auf seine linke Seite.

34Dann wird der König zu denen auf seiner rechten Seite sagen: ›Kommt her! Euch hat mein Vater gesegnet. Nehmt Gottes neue Welt in Besitz, die er euch von allem Anfang an zugedacht hat. 35Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und ihr habt mich bei euch aufgenommen;


 36ich war nackt und ihr habt mir etwas anzuziehen gegeben; ich war krank und ihr habt mich versorgt; ich war im Gefängnis und ihr habt mich besucht.‹

37Dann werden die, die den Willen Gottes getan haben, fragen: ›Herr, wann sahen wir dich jemals hungrig und gaben dir zu essen? Oder durstig und gaben dir zu trinken? 38Wann kamst du als Fremder zu uns und wir nahmen dich auf, oder nackt und wir gaben dir etwas anzuziehen? 39Wann warst du krank oder im Gefängnis und wir besuchten dich?‹

40Dann wird der König antworten: ›Ich versichere euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder oder für eine meiner geringsten Schwestern getan habt, das habt ihr für mich getan.‹

41Dann wird der König zu denen auf seiner linken Seite sagen: ›Geht mir aus den Augen, Gott hat euch verflucht! Fort mit euch in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel vorbereitet ist!


 42Denn ich war hungrig, aber ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig, aber ihr habt mir nichts zu trinken gegeben; 43ich war fremd, aber ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt, aber ihr habt mir nichts anzuziehen gegeben; ich war krank und im Gefängnis, aber ihr habt euch nicht um mich gekümmert.‹

44Dann werden auch sie ihn fragen: ›Herr, wann sahen wir dich jemals hungrig oder durstig, wann kamst du als Fremder, wann warst du nackt oder krank oder im Gefängnis – und wir hätten uns nicht um dich gekümmert?‹

45Aber er wird ihnen antworten: ›Ich versichere euch: Was ihr an einem von meinen geringsten Brüdern oder an einer von meinen geringsten Schwestern zu tun versäumt habt, das habt ihr an mir versäumt.‹

46Auf diese also wartet die ewige Strafe. Die anderen aber, die den Willen Gottes getan haben, empfangen das ewige Leben.«

Predigt                                                                   So., 9. 8. 2020, 9.00 Haid

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

War Petrus mutig oder feig? …

Zuerst war er mutig. Dann war er feig.

Mutig, weil er den wahnwitzigen Gedanken laut ausspricht und sich tatsächlich traut, aus dem Boot auszusteigen. Zuerst hat er ganz auf Jesus vertraut. Der hat ihn aufgefordert, eingeladen, aus dem Boot auszusteigen und zu ihm zu kommen. Mitten durch die hohen Wellen und den Sturm hindurch.

Aber dann: Dann hat Petrus vor lauter Wellen auf Jesus vergessen. Er hat nicht mehr hingeschaut, dass er ja eh da ist.

Und dann hat er sich zu fürchten begonnen und ist untergegangen.

Glücklicherweise hat er sich im letzten Moment noch an Jesus erinnert und ihn um Hilfe gerufen.

Uns geht es auch oft so, dass manches so groß und furchtbar wird, dass es uns den Blick total verstellt. All unsere Gedanken blockiert. Sorgen um die Gesundheit. Die Firma, der Arbeitsplatz. Finanzielle Probleme. Schwierigkeiten mit Nachbarn, Verwandten, Kollegen … Feindschaft. Vielerorts leben Menschen in Krieg, Dürre, Katastrophengebieten, in Unrechtssituationen, …

Wir können Jesus nicht mehr sehen. Wir vergessen auf ihn, dass er eh da ist.

Was das in unserem Leben ist, das uns den Blick verstellt, das weiß jeder selber. Jesus lädt uns ein, dass wir in solchen Momenten nicht auf ihn vergessen, sondern daran denken, dass wir jederzeit und unter allen Umständen nach ihm rufen können, um Hilfe vor dem Untergang.

Es kann aber noch was anderes sein, was uns dazu bringt, nicht auf Gott zu schauen, ihn nicht um Beistand und Schutz zu bitten.

Viele glauben, Gott ist so gewaltig – wenn da ein Unglück oder was Schreckliches geschieht, dass das Gott geschickt oder verhängt hat – als Strafe oder Prüfung oder was weiß ich.

In der Vergangenheit haben sind leider viele Glaubensverkündiger, Priester, Theologen, einem Irrtum verfallen.

Sie haben sich Gott so vorgestellt wie einen der Herrscher, diesie zu ihrer Zeit vor Augen gehabt haben. Einen älteren Mann, der unbedingten Gehorsam verlangt, keine Widerrede duldet, auch die kleinsten Übertretungen seiner Gebote aufs Grausamste bestraft oder zumindest nicht vergisst, wo man im Grunde nie weiß, wie mandran ist und im besten Fall durch unbedingte Unterwerfung, verschiedene Opferleistungen und stetiges Schöntun eine Chance auf willkürliche Gnadenerweise, kleinere oder größere Gefälligkeiten erhalten kann…

In der Bibel steht nichts dergleichen. Die Mächtigen haben sich da nach ihrem eigenen Vorbild etwas gebastelt, konstruiert, was man bestenfalls als Götzen bezeichnen kann – wie die Götter im griechischen Altertum, oder eher eine Karikatur oder Horrorversion derselben.

Eine Gottesvorstellung, die die herrschenden Unrechts- und Machtverhältnisse legitimieren, rechtfertigen soll – zu Recht haben kluge und aufrichtig denkende, gesund empfindende Menschen gespürt, so etwas kann es nicht geben – …

Der Prophet Elia hat auch so ähnlich über Gott gedacht. Am Anfang der Geschichte, die wir heute als Lesung gehört haben.

Wissen Sie, was der vorher gemacht hat?

Da waren Priester einer anderen Religion in seinem Land, mit denen hat er einen Streit gehabt. Die haben ihn ausgelacht und gesagt. Wir sind viele und du bist ganz allein. Dein Gott kann nicht so mächtig sein …

Da hat er sich geärgert und gebetet und ein Wunder heraufbeschworen und mit Hilfe der königlichen Soldaten alle fremden Priester umbringen lassen.

Er hat geglaubt, Gott ist so gewalttätig, dass er die von der anderen Religion nicht mag, dass er das tun darf.

So wie er haben unzählige religiöse Obrigkeiten vor und nach ihm – bis heute – die Religion dazu missbraucht, Gewalt über andere Menschen auszuüben.

Dann hat er Angst bekommen und ist in die Wüste geflüchtet. Irgendwie hat er gespürt, das passt nicht. Gott ist eigentlich hoffentlich … ja , wie?

In einer Höhle hat sich Elia versteckt. Und Gott hat ihm gezeigt, wie er wirklich ist.

Gewalttätig zerstörerisch wie das Feuer? Ohrenbetäubend laut wie der Sturm? Furchterregend wie das Erdbeben?

Nein. Eben und genau das nicht.

Im leichten sanften Säuseln, im wohltuenden kühlenden Wehen des Windes in der heißen Wüste hat Elia gespürt, wie es Gott meint …

Wo Gott wirkt, hören die Stürme auf.

Jesus setzt sich im Evangelium zu den Jüngern ins Boot.

Wenn wir mitten im Sturm nicht wissen, was wir tun sollen und Angst bekommen: Denken wir daran, dass wir nicht alleingelassen sind.

Wir können etwas tun – wie Petrus. Aus der Situation kurz aussteigen und mit Jesus sprechen. Dann mit ihm zurückkommen und ihn einladen, sich zu uns ins Boot zu setzen.

Laden wir Jesus ein – holen wir ihn ins Boot: in unser Lebensboot. In unser Firmenboot. In unser Familienboot. Ins Kirchenboot … Und schauen wir einfach, was geschieht.

Predigt                   16. So.-A

Liebe Brüder und Schwestern!

Beim Unkraut kann ich mitreden. Wer schon einmal hinten im Pfarrgarten war, weiß, warum. Ich habe nämlich zum Unkrautjäten nicht wirklich Zeit – ich komme nie nach, ich bin immer langsamer als das, was nachwächst… Das meiste Gemüse wächst zwar trotzdem unbeirrt, aber manchmal wird etwas überwuchert, dem Boden entzieht es Nährstoffe, und schön ausschauen tut es auch nicht.

Obwohl es biologisch gesehen ja kein Unkraut gibt – jede Pflanze hat einen Nutzen, wir sind nur mit dem Standort der einzelnen Arten nicht einverstanden – Eichen, so schön so ein Baum ist, im Salatbeet stört er; genauso wie die Brombeerstaude im Rosenbeet…

Unkraut ist lästig. Warum also nicht gleich weg damit?

Wir wundern uns mit den Menschen, die Jesus damals zugehört haben: Unkrautjäten in den Getreidefeldern war durchaus üblich.

Jesus spricht vom Reich Gottes. Er will frohe Botschaft vermitteln.

Und eine solche steckt in diesem Text, sogar eine doppelte.

Die bekannten Bibelübersetzungen reden immer vom „Unkraut“ – gemeint ist der sog. „Taumellolch“, der im Anfangsstadium dem Weizen zum Verwechseln ähnlich sieht; erst knapp vor der Reife ist er an den schwarzen Körnern vom Brotgetreide unterscheidbar. „Sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus“ – die Warnung ist berechtigt.

Liebe Brüder und Schwestern, wenn wir da schnell überlegen, ich trau mich wetten, uns fallen jede Menge Erscheinungen in unserer katholischen Kirche ein, im Geistesleben, die würden wir am liebsten zum sofortigen Verschwinden bringen – vieles kommt uns total übertrieben, ja ungesund vor, manche Formen der Marienfrömmigkeit, manche Gruppierungen, die wir unter obskur, wenn nicht gefährlich einstufen, Aberglauben – es gibt auch kirchlich institutionalisierten, jahrhundertealten Aberglauben -, aber auch manche esoterische Einflüsse, Denkmuster, Praktiken, wo die Meinungen über die Vereinbarkeit mit Jesu Botschaft geteilt sind …

Dafür gibt es Katholiken, durchaus auch mit theologischer Bildung, denen moderne Theologie, die sich über Filme, Bücher beschweren … ja eine halbwegs moderne Pfarre wie unsere, schon höchst verdächtig vorkommt.

Das alles ist maximal zweitrangig – in all dem mitten drin und durcheinander können Menschen das Heil, zu Jesus Christus finden.

Wir dürfen aufatmen: Menschen schaffen das nicht, hier und jetzt die richtige Entscheidung zu treffen. Es kommt uns auch gar nicht zu, etwas zu verurteilen. Gott macht das selber, höchstpersönlich, am Ende der Zeiten, beurteilt er, was schädlich, unnütz, was fruchtbringend gewesen ist.

Unsere Aufgabe besteht lediglich darin, den guten Weizen zu säen – und im übrigen alles wachsen zu lassen.

Wir dürfen aufatmen. Eine inquisitorische Geisteshaltung, die ständig ängstlich nach Abweichungen – noch dazu von der eigenen beschränkten Sichtweise  aufgestellten – Norm fahndet, kann sich nicht auf das Evangelium berufen.

Wenn das keine frohe Botschaft ist!

Und noch dazu steckt eine zweite in diesem Text, habe ich anfangs versprochen.

Unser Bemühen – Verbreitung des Evangeliums, Einsatz für das Gute, und und und – ist höchst erwünscht und notwendig und keinesfalls vergebens.

Aber: wir säen nur.

Das Wachsen und Gedeihen ist Sache Gottes. Der Vergleich mit dem Senfkorn, das zum Baum wird, und vom Sauerteig, der den Brotteig zum aufgehen bringt, deuten das geheimnisvolle, für Menschen nicht nachvollziehbare Wirken Gottes, des Geistes an – in einzelnen Menschen und in der ganzen Weltgeschichte. Das Reich Gottes ist nicht machbar. Und das ist auch gut so. Wo immer Menschen versucht haben, einen Gottesstaat zu konstruieren mit ihrer beschränkten Sicht, ist es höchst unheilvoll ausgegangen.

Jesus stellt in Aussicht: Er selber sorgt für den guten Ausgang.

Es wird nämlich dieses Ende der Welt geben, wo nicht einfach alles wieder ins Nichts hinein verschwindet, sondern alles ist Eigentum Gottes. Alles wird zu Gottes Bereich gehören. Nicht das Unkraut wird sich schließlich durchsetzen, Recht des Stärkeren, Streit, Krieg, Katastrophen …  – ja es wird nicht einmal eine Spur davon übrigbleiben -, sondern das Gute, das Nahrhafte und Nützliche, was Menschen fördert und aufbaut, Gott wird siegen in seiner Menschenfreundlichkeit. Alles und jeder wird zu ihm finden und bei ihm geborgen sein.

Predigt                                                                      21. 6. 2020  Haid

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

„Muss ich euch das wirklich dreimal sagen!?“

Wer sagt so etwas, wer hat das schon einmal von jemandem gehört?

Genervte Eltern zu den Kindern: … dass ihr im Wohnzimmer nicht Ball spielen sollt! … – dass die Kirschen noch nicht reif sind und ihr sie noch nicht essen sollt … dass zuerst die Hausübung gemacht wird und ihr nachher auf dem Spielplatz dürft …?!“ Oder vom Arzt: „… Dass Ihre Beschwerden nicht besser werden, solange Sie Ihre Ernährung nicht umstellen …“

Meistens ist es etwas, was wir NICHT tun sollen.

Auch Jesus sagt im heutigen Evangelium etwas dreimal: Fürchtet euch nicht!“

Diese Aufforderung steht im Neuen Testament übrigens genau 120 mal. Engel sagen es, Gott selber, und eben Jesus.

Ja gut, werden wir jetzt sagen, aber Angst ist doch normal, die tritt einfach auf, was kann ich da dagegen schon tun?

Angst, Furcht hat aber 2 Nuancen.

Es gibt die gesunde Angst. Der Mechanismus des Unterbewusstseins: Kampf oder Flucht. Der Puls beschleunigt sich, alle Kraftreserven werden mobilisiert, um adäquat auf die aktuelle Situation reagieren zu können. Es würde zu lange dauern, wenn wir bewusst darüber nachdenken müssten, also geht es praktisch automatisch. Gäbe es diese Art der Angst nicht, wäre die Menschheit vermutlich schon ausgestorben.

Und dann gibt es die Angst, die gelernt wurde, die antrainiert ist, die gesellschaftlich oder kulturell üblich und allgemein ist, aber vielleicht nicht oder schon lange nicht mehr logisch begründbar. … Was könnten die anderen denken … religiöse oder gesellschaftliche Tabus … eine Katastrophe könnte ausbrechen, wenn …

Die wirklich gute Nachricht heute von Gott an uns: er möchte uns Menschen von beiden Arten der Furcht frei machen.

Die Angst nämlich, dass die Jünger Jesu verfolgt werden würden, zu Außenseitern der Gesellschaft, Verurteilung und Tod drohten, war in der Realität begründet. Es waren Tatsachen, mit denen gerechnet werden musste.

Und nicht einmal da sollen sie sich fürchten.

Wie viel mehr, liebe Brüder und Schwestern, gilt die Aufforderung zur Furchtlosigkeit uns heute!

Wovor fürchten sich Menschen in unseren Breiten, zu unserer Zeit im Normalfall?

Wovor haben wir Angst – Sie und ich? Höchstwahrscheinlich nicht vor Verfolgung aufgrund unserer Glaubenszugehörigkeit.

Eher vor schwerer Krankheit und Tod. Vor Schmerzen, vor Leiden, vor Unheilbarkeit.

Davor, einen lieben Menschen zu verlieren.

Dann gibt es die Angst, zu wenig zu bekommen – an materiellen Gütern.

An Zuwendung, Aufmerksamkeit und Liebe.

Und die Angst, dass die eigenen Rechte beschnitten werden, dass die Integrität verletzt wird, die Würde.

All diese Ängste machen das Denken eng. Sie sind Ursache sämtlicher Sünden, die wir auf dieser Erde kennen. Sich bereichern auf Kosten anderer, auf Kosten der Natur, auf Kosten der Völker im Süden, in armen Ländern. Falschheit, Misstrauen, Hass, Gewalt, Verstellung, Zurückhaltung von Informationen, andere klein halten, damit man selbst groß herauskommt … lauter Absicherungsmaßnahmen, damit es einem selbst so gut wie möglich geht. Fanatismus in den Religionen, Unterdrückung, weltanschauliche Verfolgung… Unfreiheit, mangelnde Bildung … untaugliche aber allgemein verbreitete Mittel, um de eigene angst zu bekämpfen, die eigene Unsicherheit in Glaubensfragen, Zweifel nicht aufkommen zu lassen…

In den vergangenen Monaten haben wir erlebt, wie die Angst vor Erkrankung und die Angst vor Unfreiheit durch Kontrolle und Überwachung aufeinanderprallen.

Angst ist eine schlechte Ratgeberin, wie es das Sprichwort sagt.

Vor vielen Jahren hat ein Exerzitienbegleiter zu mir gesagt: Die einzige wirkliche Sünde ist das Misstrauen Gott gegenüber, dass wir seiner Güte nicht vertrauen.

Oder, das sage ich: dass wir ihn aus unseren Überlegungen überhaupt ausblenden und tun, als gäbe es ihn nicht.

Jesus lädt uns ein zum gelingenden Leben. Er möchte, dass wir glücklich sind. Wenn er uns auffordert und herausfordert, unsere Furcht loszulassen, dann setzt er etwas dagegen, dann bietet er uns eine Alternative an: Das Gottvertrauen imBewusstsein, dass meine Haare auf dem Kopf gezählt sind, dass alle meine Ängste und Sorgen und Lebensumstände – gegebenenfallls auch Missstände – bestens bekannt, liebevoll im Blick Gottes geborgen und aufgefangen sind.

Die äußeren Umstände haben nicht die letzte Macht und das letzte Wort – die oberste Instanz ist Gott selber, an den wir uns jederzeit wie an einen guten Papa wenden dürfen. Und Jesus ist bei uns. Wenn ich das weiß, dann besteht tatsächlich kein Grund, sich zu fürchten.

In meiner Jugend war ich zwei Jahre krank, zeitweise litt ich unter derart schlimmen Kreislaufstörungen, dass ich eigentlich am liebsten nicht außer Haus gegangen wäre. Es kam für mich nicht in Frage, eingesperrt zu sein, nicht fortzugehen, studieren, einkaufen gehen usw…Leute treffen.

Ich habe dann wortwörtlich darauf vertraut, dass Jesus wie ein Bruder oder Freund überall mit mir hingeht. Das hat mir wirklich geholfen.

Die Angst löste sich auf.

Und das wird sie bei jedem von uns tun. Wenn es eng wird, richten wir unseren Blick auf den, der bei uns ist, und er wird sich weiten.