Unterscheidung der Geister

Ignatius von Loyola (1491-1556), Gründer der Jesuiten und „Erfinder“ der Exerzitien, der geistlichen bzw. spirituellen Übungen im katholischen Bereich, hat eine wunderbare Methode beschrieben, wie wir zu guten Entscheidungen kommen können. Sie ist in der katholischen Theologie als „Unterscheidung der Geister“ bekannt; gemeint ist: Wie können wir die unterschiedlichen Regungen unseres Gemüts, Körpers und Verstandes so wahrnehmen und einordnen, dass wir zur bestmöglichen Entscheidung bzw. Problemlösung kommen?

Ignatius schlägt zuerst vor, sich eine Zeit lang aus dem Alltagsgeschehen zurückzuziehen und sich frei von Stress und ständigen Beeinflussungen durch andere Menschen oder Umgebungsreize mit dem anstehenden Thema zu beschäftigen.

Diese Auszeit kann vier Wochen lang sein aber auch einige Tage – sollte zumindest aber einen Tag dauern.

In dieser Auszeit sind folgende Übungen hilfreich:

Ignatius geht davon aus, dass vor jeder einzelnen Übung gebetet wird wie folgt:

  1. Wenn eine Entscheidung zwischen 2 Optionen ansteht, je auf einem extra Blatt zuerst die Vorteile jeder der beiden aufschreiben, dann jeweils die Nachteile. Dabei soll man sich so realitätsnah wie möglich die Situation nach der getroffenen Entscheidung vorstellen – in allen 4 Varianten.
  2. Danach eine Pause einlegen (Mittagessen, Spaziergang, …)
  3. Aufrichtig bei jedem einzelnen der aufgelisteten Punkte die Fragen stellen (und beantworten): Handelt es sich um den Wunsch oder eine Befürchtung meines Ego? Handelt es sich um etwas, das mir von außen eingeredet wird, um Erwartungen anderer – um allgemeine Sichtweise, um gesellschaftlich Übliches, dem ich glaube entsprechen zu müssen? Kommt es aus meinem tiefsten Inneren, aus dem Gewissen, ..?
  4. Was erscheint mir besonders verlockend?
  5. Was erscheint mir besonders schwierig?
  6. Pause machen
  7. Die Entscheidung treffen.
  8. In der Vorstellung über die getroffene Entscheidung mit dem besten Freund, der besten Freundin sprechen – oder mit Jesus Christus – ev, aufschreiben
  9. Pause machen
  10. Wenn nötig einen oder mehrere Schritte wiederholen …

Entscheidungshilfen:

  1. Sich niemals drängen lassen oder unter Zeitdruck entscheiden (sondern mindestens drüber schlafen)
  2. Der schwerer durchführbare Weg kann der richtige sein; der Weg des geringsten Widerstandes ist nie der richtige
  3. Es gibt immer (viel) mehr Möglichkeiten als nur die zwei, die gerade zur Wahl zu stehen scheinen. Könnte ich auch etwas ganz anderes tun?

Ignatius geht davon aus, dass vor jeder einzelnen Übung gebetet wird. Dieses Gebet ist einzigartig kraftvoll. Ihr findet es morgen.

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