Predigt zum Elisabethsonntag, Lk 21,5-19

Haben die Esoteriker und fundamentalistischen Evangelikalen recht, die seit Jahren (2012 war so ein Eckdatum) vom Weltende reden, vom bevorstehenden „Gericht“, weswegen man sich schleunigst bekehren, d. h. sich der entsprechenden Gruppierung anschließen bzw. mittels strahlensicherer Bunker und Vorratshaltung sich auf die weltweit zu erwartende Katastrophe vorbereiten  soll?

Tatsächlich hören wir im Evangelium dieses Sonntags die Prophezeiung eines katastrophalen Endes dieser Welt aus dem Mund Jesu. Was daran ist „Frohe Botschaft“?

Wenn so ziemlich alles, was auf dieser Erde normalerweise Halt und Sinn gibt, mit mehr oder weniger Getöse verschwindet: religiöse (Tempel) und staatliche (Kriege) Ordnung, Grundversorgung (Hunger, Seuchen), Stabilität der Natur (Erdbeben), familiärer Zusammenhalt (Verrat durch Nahestehende), ist das

furchtbar genug.

Wir dürfen nicht vergessen: 1. In weiten Teilen der Erde ist dies bereits Alltag.

2. Es handelt sich bei diesen Dingen, so wichtig sie sind, um Zweitrangiges. Die jetzt sichtbare Wirklichkeit wird nicht auf ewig bestehen.

Erstrangig ist: Jesus kündigt für diese Zeit sein Wiederkommen als Weltenrichter an. Müssen wir uns davor fürchten?

Ein einfacher Vergleich aus der Justiz: Wer fürchtet sich vor der Gerichtsbarkeit: Übertäter/in oder Geschädigte/r?

Leben wir so, dass wir uns freuen können, wenn alles in die gute Ordnung Gottes umgewandelt wird!

Und – wie schaut so ein Leben aus, das im Sinne Gottes geführt wird?

Heute begehen wir den Caritas- oder Elisabethsonntag.

Beim Hören der Lesung hat es uns möglicherweise gerissen – die Formulierung des Paulus: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ -das ist ja quasi der Anti-Slogan der Caritasarbeit. Oder nicht?

In den letzten 2 Jahrzehnten wird ja vermehrt von “Sozialschmarotzern“ gesprochen, die auf Kosten derer leben, die ordentlich und fleißig arbeiten. Und die, die so blöd sind und ihnen helfen, werden als „Gutmenschen“ beschimpft.

So, was jetzt? Können sich Politiker, die einen harten Kurs gegen Arme jeder Art fahren, zu Recht auf Paulus berufen (die christlichen Fundamentalisten in Nord- und Südamerika tun das übrigens)?

Paulus und die ersten Missionare, die Apostel fanden folgende Situation vor:

Menschen, die zu Christen geworden waren, nahmen die Worte z. B. des heutigen Evangeliums im buchstäblichen Sinne todernst. Man erwartete das rasche Wiederkommen Jesu Christi, für die eigene Lebenszeit, für jederzeit, und man wollte sich bereithalten und entsprechend leben.

Eine Reihe von Leuten schlug nun diesen Weg ein, als ob alles sowieso schon egal wäre, dass sie nicht mehr arbeiteten, sondern tatsächlich Tag und Nacht im Tempel waren oder in den Häusern und beteten und predigten, ohne einer Arbeit nachzugehen.

In einer der Städte, wo ich mehrere Jahre als leitende Seelsorgerin gearbeitet habe, bildete sich vor ca. 8 Jahren eine Gebetsgemeinschaft, wo auch einige spätberufene Jugendliche -Menschen um die 30 – plötzlich befanden, ihr Beruf sei zweitrangig, sie gingen jeden Tag in der Früh in die Heilige Messe, an Wochenenden fuhren sie zu Versammlungen oder in Gebetszentren und Seminaren -eine junge Dame hatte einen Bauernhof vom Onkel geerbt und dort  Wohnungen vermietet, die konnte eh gut leben, aber es gab auch Familienväter, die plötzlich so taten, als sei die Wiederkunft Christi bereits hereingebrochen und jede Berufsausübung unwesentlich geworden, oft arbeiteten sie ehrenamtlich in Sozialprojekten – aber als Techniker, Polizist oder Verkäuferin oder Bankangestellte Geld verdienen galt als unschick.

Die Elterngeneration und auch Ehepartner regten sich zu Recht auf und manche Partnerschaft ging kaputt…

Nach mehreren Jahren hat sich das zum Glück wieder normalisiert…

Wir wissen über den Apostel Paulus, dass er von Beruf Zeltmacher war und in Städten, wo er wirkte, immer bei Zeltmachern unterkam und dort im Betrieb mitarbeitete. Gepredigt hat er in der Freizeit, am Abend und am Sabbat.

Was heißt das für uns?

Selbstverständlich lautet die christliche Botschaft: Wir sollen nicht nur sondern müssen uns um Mitmenschen kümmern, die Notleiden. Fundierte Caritasarbeit – und man kann sogar Caritaswissenschaften studieren – bietet wo es geht Hilfe zur Selbsthilfe. Wenn möglich keine Almosen, sondern Sorge für Gereichtigkeit, fairen Lohn …

Das Ziel muss eine gesunde Gesellschaft sein, wo Menschen grundsätzlich geborgen sind und haben, was sie brauchen. Darum arbeitet qualitativ hochstehende Caritas immer auch sozialpolitisch und meinungsbildend.

Anfeindung von geizigen, selbstsüchtigen Kreisen ist auch Tradition – die Heilige Elisabeth von Thüringen hat da alles Mögliche von ihren Verwandten aushalten müssen.

Christen dürfen wissen: Bei welchem Einsatz immer für das Gute sind wir nicht allein, sondern handeln im Auftrag Gottes und haben ihn auf unserer Seite – und irgendwann wird jede Mühe ein Ende haben, weil diese sichtbare Welt nicht die endgültige ist.

Jedoch: Das göttliche endgültigen Richten, In-Ordnung-Bringen von allem und jedem macht unseren Einsatz für eine bessere Welt keineswegs überflüssig, sondern gibt ihm erst richtig Sinn – weil es schlussendlich Erfolg haben wird.

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