Eine Königin hatte zwei Töchter. Als sie alt wurde, da wollte sie eine der beiden zu ihrer Nachfolgerin bestellen. Sie versammelte die Weisen ihres Landes und rief ihre beiden Töchter herbei. Sie gab jeder der beiden fünf Silberstücke und sagte: „Ihr sollt für dieses Geld die Halle in unserem Schloss bis zum Abend füllen. Womit, das ist eure Sache.“ Die Weisen sagten: „Das ist eine gute Aufgabe.“

Die älteste Tochter ging davon und kam an einem Feld vorbei, wo die Arbeiterinnen und Arbeiter dabei waren, das Zuckerrohr zu ernten und in einer Mühle auszupressen. Das ausgepresste Zuckerrohr lag nutzlos umher. Sie dachte sich: „Das ist eine gute Gelegenheit, mit diesem nutzlosen Zeug die Halle meiner Mutter zu füllen.“ Mit den Arbeitern wurde sie einig, und sie schafften bis zum späten Nachmittag das ausgedroschene Zuckerrohr in die Halle. Als sie gefüllt war, ging sie zu ihrer Mutter und sagte: „Ich habe deine Aufgabe erfüllt. Auf meine Schwester brauchst du nicht mehr zu warten. Mach mich zu deiner Nachfolgerin.“

Die Mutter antwortete: „Es ist noch nicht Abend. Ich werde warten.“

Bald darauf kam auch die jüngere Tochter. Sie bat darum, das ausgedroschene Zuckerrohr wieder aus der Halle zu entfernen. So geschah es. Dann stellte sie mitten in die Halle eine Kerze und zündete sie an. Ihr Schein füllte die Halle bis in die letzte Ecke hinein.

Die Mutter sagte: „Du sollst meine Nachfolgerin sein. Deine Schwester hat fünf Silberstücke ausgegeben, um die Halle mit nutzlosem Zeug zu füllen. Du hast nicht einmal ein Silberstück gebraucht und hast sie mit Licht erfüllt. Du hast sie mit dem gefüllt, was die Menschen brauchen.“

Frieden schließen – das haben wir auch in Bezug auf Gott nötig.

Immer wieder einmal ist unser Vertrauen in Gott gestört. Die antrainierten oder althergebrachten Gottesvorstellungen sind stärker als die Vernunft, stärker als die Erinnerung an geglückte Momente der Meditation, der Gebetserfahrung, der verspürten Nähe … so scheint es zumindest.

Ihr wisst es alle, dass Gott sich nicht wie ein Polizist verhält, wie ein Kontrollor, wie ein orientalischer Despot (Gewaltherrscher) der schlimmsten Sorte … aber wir tun so, als ob es so wäre … Wir sagen Gott nicht alles, wir vertrauen uns ihm/ihr nicht offen an. Wir halten etwas zurück.

Manchmal hilft es (ein bisschen zumindest), wenn wir darüber nachdenken, wie Gott ist, sein könnte – und in der Bibel lesen…

Am besten ist es, direkt mit JHWH ins Gespräch zu kommen.

Sag ihm/ihr (Gott ist reiner Geist, weder männlich noch weiblich), was dich beschäftigt, wovor du Angst hast, was du nicht glauben kannst, was du erhoffst und was du dir wünschst.

Wir kommen uns normalerweise von Gott getrennt vor, so als ob wir extra etwas unternehmen müssten, uns bemerkbar machen…

Dabei handelt es sich um einen gewaltigen Irrtum.

Jahwe heißt „Ich bin da“.

Einfach still hinsetzen, durchatmen, aufmerksam werden.

Adventkalender Tag 22

4. Adventsonntag, 19. Dezember 2021

Zum Evangelium Lk 1, 39-45

Wieso besucht Maria überhaupt ihre Tante? Wieso geht sie tagelang zu Fuß quer durchs Land?

Ich habe heuer dazu eine Erklärung gelesen, die neu für mich war und die mir zu denken gibt:

Maria hat die Aussage des Engels überprüft.

Wir erinnern uns: Bei der Verkündigung hat der Bote ja dick aufgetragen: Sohn des Höchsten wird er heißen, sein Reich wird kein Ende haben … usw.

Schon da hat Maria äußerst bedacht reagiert: Ja und wie bitte stellst du dir das vor? Sie wusste ja: Nach menschlichem Ermessen und dem Stand der Wissenschaft war es unmöglich, dass sie schwanger war.

Genauso unmöglich wie bei ihrer Tante, die die Wechseljahre hinter sich hatte.

Und gerade die hatte der Engel als Beispiel genannt – dafür, dass bei Gott nichts unmöglich ist.

Wenn jetzt Elisabeth tatsächlich ein Kind erwartete, dann, so muss Maria überlegt haben, ja dann kann auch all das andere stimmen, was der Gottesbote gesagt hat.

Vielleicht nehmen wir uns Maria zum Vorbild: In der Skepsis gegenüber übernatürlich erscheinenden Phänomenen und Spekulationen und Behauptungen aller Art.

OK, da war ein echter Engel bei ihr – und sie ist nicht vor Ehrfurcht erstarrt, sondern hat zuerst ihn ausgefragt und danach seine Behauptungen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft.

Bei uns ist gerade so viel Obskures in Umlauf, was Corona betrifft – der helle Wahnsinn.

Das Virus sei eigens erfunden worden, um die Weltbevölkerung zu verringern. Oder um mit der Impferei über die Pharmakonzerne unwahrscheinlich viel Geld zu scheffeln. Oder um durch die Maßnahmen eine weltweite Diktatur zu errichten … und … und … und …

Sogar himmlische Botschaften werden schon verbreitet: Wer sich impfen lässt, kommt nicht in den Himmel usw.

Da schrecken tatsächlich so manche vor nichts zurück.

Wir sind gefirmt, erwachsene Christen. Wir haben nicht nur die Fähigkeit, sondern die Pflicht, uns ordentlich zu informieren. Nachfragen, selber zu den Quellen gehen.

Was Menschen bezwecken, die Misstrauen gegenüber der Schulmedizin, der Ärzteschaft, der Politik usw. säen, kann auf keinen Fall etwas Gutes sein.

Davon bin ich überzeugt.

Maria hat sich auch deswegen auf den Weg gemacht, um herauszufinden, ob die ihr gemachten Verheißungen glaubwürdig sind.

Vernunft, Erkenntnis und Wissenschaft sind Gaben des Heiligen Geistes. Schätzen und erstreben und verwenden wir sie. Tauschen wir und mit unseren Mitmenschen aus. Stehen wir in ständigem Kontakt mit Gott. All das hat Maria gemacht.

Überprüfen wir – auch wo es nicht um Corona geht – alles, was uns seltsam vorkommt.

Das kann auch für uns nur von Vorteil sein.

Hast du „Feinde“?

Ich setze das Wort absichtlich unter Anführungszeichen. Die meisten Menschen würden spontan sagen: Nein, natürlich nicht.

Aber jede/r hat im Bekanntenkreis Personen, denen man lieber nicht begegnet:

Die Nachbarin, die immer alles besser weiß und ungefragt ihre fragwürdigen Ratschläge (du sollst etwas anders machen, so wie sie meint) anbringt. Den Chef, dem nichts passt, der deine Leistung niemals würdigt und nach Fehlern förmlich sucht, um darauf herumzureiten. Die Verwandten, die ständig anrufen oder vorbeikommen und nicht wahrhaben wollen, dass du berufstätig bist, Kinder hast und am Sonntag deine Ruhe brauchst. Mitschüler, die blöde Gerüchte über dich verbreiten. Und… und … und …

Oder es gab einen echten Streit, und die Beteiligten haben sich nicht wirklich ausgesprochen und versöhnt…

So etwas stört. Vor allem, wenn bei größeren Festen die „Gefahr“ besteht, dass alle zusammenkommen, einander treffen.

Du kannst etwas tun:

Stell dir vor, wie Gott dich voll Liebe anschaut. Wenn du dich nach einer Weile so richtig wohl fühlst, stell dir vor, wie Gott eine/n deiner Freund/inn/en voll Liebe anschaut.

Dann stell dir den Menschen vor, mit dem du Schwierigkeiten hast, mi dem du zerstritten bist – und stell dir ebenfalls vor, wie Gott ihn/sie voller Liebe anschaut. Male dir richtig aus, wie ihr alle(!) vom Himmel her mit allem Seh+´gen und allen Wohltaten, die es gibt, überschüttet werdet.

Tipp (er stammt von Ignatius von Loyola, du kannst googeln, wer das ist): Mach diese Übung jeden Tag mehrmals und jedenfalls bis Weihnachten!

Wenn wir Frieden mit uns selbst schließen, ist es gut, zuerst die Vorbilder zu hinterfragen, die wir im Lauf der Zeit aufgedrängt bekommen oder selber übernommen haben.

In früherer Zeit waren das oft irgendwelche Heilige, deren Tugendkatalog gerade modern erschien – zuerst mutige Märtyrer/innen, später asketische Mönche oder Nonnen … dann wieder Muster an Hilfsbereitschaft.

Nach den Stars der Kirche kamen die von Film, Fernsehen und Popkultur.

Nicht zu vergessen: Mode und Sport.

Es kann auch eine ältere Cousine sein oder ein Onkel, eine Mitschülerin, ein Lehrer, eine Figur aus der Literatur …

Wer sind deine persönlichen Vorbilder? Welche Eigenschaften findest du nachahmenswert?

Hast du es schon einmal mit Jesus als Vorbild versucht?

Wichtig:

Du wirst nie so werden wie dein Vorbild.

Das sollst du aber auch gar nicht; es ist nicht im Sinne des „Erfinders“.

Gott hat ausschließlich Originale erschaffen. Und er hilft uns dabei, unsere spezifische Eigenart zu entfalten.

Sei du – und werde es immer mehr!

Weihnachten: das Fest des Friedens …

So hören wir es immer wieder. Aber: Stimmt das auch? Die Erfahrungen vieler Menschen sprechen dagegen. Gerade zu Weihnachten gibt es besonders viel Streit.

In diesem Jahr wollen wir ernsthaft versuchen, Frieden zu machen.

Heute geht es um den Frieden in uns selbst.

Überleg einmal: Womit bist du unzufrieden? Wo haderst du mit dir selbst?

Was stört bei dir den Frieden?

Fehler, die du gemacht hast?

Fähigkeiten, die du gern hättest, die aber nicht vorhanden sind?

Mangelnder Mut, etwas zu ändern?

Deine Familie, die dich deiner Meinung nach nicht richtig versteht?

Äußere Bedingungen wie die finanzielle Situation, dein Aussehen, der Wohnort, eine Krankheit oder körperliche Behinderung, eine Fertigkeit, die du nicht hast ,,,

Ich möchte dich ermuntern: Gott wollte genau DICH als Mensch auf diesem Planeten haben, sonst wärst du nicht hier.

So wie du bist, bist du geliebtes Kind und Ebenbild Gottes.

Du bist ok.

Stell dir vor, wie dich Gott anschaut – wie jemand, der/die dich über alles gern hat. Nobody is perfect, das ist richtig. Aber: Wer liebt, sieht zuallererst und vor allem das Gute und Großartige und Schöne und Besondere am anderen. Gott schaut so auf dich. Gewöhne auch du dir an, dich so zu sehen.

Mach Frieden mit deinen Handicaps und Unzulänglichkeiten, Charakter- und Schönheitsfehlern …

Mach Frieden mit dir.

Das Wunderbare ist es, worauf es ankommt.

So kannst du selber Geschenkpapier herstellen:

Nimm die losen Blätter einer alten Zeitung und bemale sie mit Wasserfarben – rot oder grün oder dunkelblau zum Beispiel. Die Schrift darunter bleibt natürlich sichtbar. Du kannst auch Sterne oder irgendwelche Muster auf das Zeitungspapier malen und/oder kleine selbstklebende Sterne draufkleben.

Achtung, du brauchst viel Platz und auch einige Zeit, um die Papierblätter zu trocknen.

Warum das sinnvoll ist?

Papier ist ein wertvoller Rohstoff. Sehr viel unseres Gebrauchspapiers wird aus Altpapier erzeugt. Es ist leichter recycelbar, wenn wenig Zusatzstoffe: Farbe, Lack, …) dabei sind.

Außerdem: Es macht Freude, kreativ zu sein.

Du kannst auch das selbstgemachte Geschenkpapier vor Weihnachten jemandem schenken …

In 10 Tagen ist Weihnachten.

Hast du dir schon überlegt, wie du den Heiligen Abend heuer verbringen willst?

Vieles wird vorgegeben sein, wenn du mit deiner Familie feierst, vor allem, wenn du als Kind oder Jugendliche/r zu Hause lebst.

Dennoch: Worauf freust du dich?

Gibt es etwas (Abläufe, Familienbräuche …), die du nicht so magst – oder lieber gar nicht hättest?

Warum sprichst du nicht einfach mit den anderen an der Feier Beteiligten darüber?

Wie kann der Weihnachtsabend schöner, gehaltvoller, … werden? Wie kann dein Beitrag dazu aussehen?

Heute ist der Gedenktag der Heiligen Lucia von Syrakus in Sizilien (ca. 283 – 304 n. Chr.).

Sie hat in ihrem Namen schon das „Licht“. Sicher habt ihr schon irgendwo Darstellungen von ihr gesehen: eine junge Frau, die einen Lichterkranz (ein Gestell mit brennenden Kerzen) auf dem Kopf trägt. Dieser Brauch der Lucia-Lichterprozessionen entstand in Skandinavien, wo die Winternacht (Polarnacht) besonders lang dauert.

Luzia war von Anfang an eine sehr bekannte und beliebte Heilige.

Der Erzählung nach brachte Luzia heimlich in der Nacht Körbe voller Lebensmittel zu armen christlichen Familien; um die Hände frei zu haben, setzte sie sich den Lichterkranz auf. Geld für die Lebensmittel hatte sie genug, weil sie die Hälfte ihres Erbes verkauft hatte. Dies erboste ihren heidnischen Verlobten, den sie schon mehrmals abgewiesen hatte; er zeigte sie beim römischen Statthalter als Christin an, worauf sie verhaftet wurde und als Märtyrin starb.

Luzia brachte Licht zu ihren Mitmenschen, im wahrsten Sinn des Wortes.

Wem kannst du heute Licht bringen?

Ein paar Tipps: Ermutigen, loben, trösten, eine Freude machen, Überraschung überlegen, unerwartete Hilfe, mitmachen lassen, besuchen …

Du kannst dir Ideen dazu natürlich in dein Tagebuch schreiben – und später in die Tat umsetzen, wenn es gut möglich ist!

„Gaudete“ – „Freut euch“, seid fröhlich – so lautet der alte Name dieses 3. Adventsonntags.

Freude, weil Gott anwesend ist in dieser Welt, immer schon war (er heißt auch so!) und in Jesus sichtbar als Mensch geboren wird …

Worüber freust DU dich?

Wann hast du zum letzten Mal wirkliche, unbändige Freude gespürt?

Worüber würdest du dich freuen?

Es ist üblich, am 3. Advent im Rahmen der Aktion „Sei so frei“ für Menschen in den armen Ländern der Erde Spenden zu sammeln, heuer besonders für Brunnenbauprojekte in Tansania und für die Völker in den Regenwäldern Amazoniens, die von Zerstörung bedroht sind. Informiere dich über die Aktion „Sei so frei“ (früher hieß sie „Bruder und Schwester in Not“) – und erzähle einem anderen Menschen darüber!