Eine Erinnerungsübung:

Hattest du, hatten Sie im Lauf des Lebens schon einmal – oder mehrmals – den Eindruck, die Gewissheit: Gott hat mir geholfen, ein Gebet erhört, in mein Leben zum Guten eingegriffen …?

Zünden Sie eine Kerze an, setzen Sie sich still hin und versuchen Sie, sich zu erinnern.

Schreiben Sie auf, was Ihnen einfällt – und heben Sie den Zettel auf?

Besser: Wenn Sie es nicht schon getan haben oder ohnehin praktizieren: Besorgen Sie sich heute (Wohnungsfundus) oder morgen ein schönes Notizbuch für Ihre persönlichen Aufzeichnungen, für Ihr geistliches Tagebuch – für dieses Seminar in den Wochen bis zum 1. Dezember – und für später!

Das Alte Testament basiert stark auf der Übung des Gedächtnisses – weil ich weiß, dass Gott bereits geholfen hat, glaube und vertraue ich darauf, dass er es wieder – jetzt – tun wird …

Morgen teile ich ein Beispiel aus meinem Leben mit Ihnen!

Predigt zu Mt 25, 1-13

1 Dann wird es mit dem Himmelreich sein wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen. 2 Fünf von ihnen waren töricht und fünf waren klug. 3 Die Törichten nahmen ihre Lampen mit, aber kein Öl, 4 die Klugen aber nahmen mit ihren Lampen noch Öl in Krügen mit. 5 Als nun der Bräutigam lange nicht kam, wurden sie alle müde und schliefen ein. 6 Mitten in der Nacht aber erscholl der Ruf: Siehe, der Bräutigam! Geht ihm entgegen! 7 Da standen die Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen zurecht. 8 Die törichten aber sagten zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, sonst gehen unsere Lampen aus! 9 Die Klugen erwiderten ihnen: Dann reicht es nicht für uns und für euch; geht lieber zu den Händlern und kauft es euch! 10 Während sie noch unterwegs waren, um es zu kaufen, kam der Bräutigam. Die Jungfrauen, die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal und die Tür wurde zugeschlossen. 11 Später kamen auch die anderen Jungfrauen und riefen: Herr, Herr, mach uns auf! 2 Er aber antwortete ihnen und sprach: Amen, ich sage euch: Ich kenne euch nicht. 13 Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Kommt uns da etwas eigenartig vor? Sonst heißt es ja immer, wir sollen teilen und zusammenhelfen, es ist im Sinne Jesu, dass wir auf unsere Mitmenschen schauen …

Oder?

Es geht hier um etwas anderes.

Ich habe Bekannte, die in Wien leben – beide schwer im Berufsleben stehend, der Mann ist selbständig, die haben folgendes erzählt – bei einer Feier – : sie haben geplant, dass sie an einem bestimmten Tag um 11 Uhr die standesamtliche Trauung haben. Am Abend zuvor hat der Bräutigam seine Zukünftige angerufen und gesagt: Du, wir haben ein Problem. Wir müssen bitte morgen schon um 10.30heiraten, ich habe nämlich um 11.30einen geschäftlichen Verhandlungstermin, der neue Kunde kann nur da, dann ist er wieder drei Wochen im Ausland … …das hat bedeutet, dass die Braut ihren Friseurtermin nicht wahrnehmen konnte, weil sich das dann nicht mehr ausging. Das gemeinsame Stehbuffet im Gasthaus mit ein paar Freunden dauerte dann etwas länger, weil die Braut mit den Freunden zuerst allein hinging, ihr Frischangetrauter kam erst um 13.00 dazu … ok, sie haben trotzdem geheiratet am nächsten Tag, sie waren schon zwei Jahre zusammen, sie mögen einander wirklich – aber lustig war das nicht …

Verständlich, und recht oft darf so etwas nicht passieren, wozu heiratet man, wenn der andere dann nie da ist … Gerade beim Heiraten sehen wir ein: da bin ich selber gefragt, da kann ich mich nicht vertreten lassen, es kommt auf mich an, ich selbst bin gefragt, niemand sonst.

Jesus verwendet die Hochzeit als Vergleich für das – wer hat es sich gemerkt? – ja, als Vergleich mit dem Himmel.

Himmel meint die direkte Kommunikation mit Gott, die Beziehung. Bei einer Hochzeit geht es ja auch in erster Linie um eine Beziehung.

Ist es wurscht, wen wir heiraten?

Na, eben nicht, Ganz und gar nicht. Und es ist genauso wenig egal, ob und wie sehr ich mich einbringe, wieviel Zeit ich aufwende für die Beziehung, wie ernst und wichtig ich den Partner, die Partnerin nehme – weil, wie gesagt, wenn ständig etwas anderes wichtiger ist als die Beziehung, wozu dann überhaupt…

Wir alle sind Personen, zu denen Gott eine persönliche Beziehung, eine Freundschaft, haben will. Hier und jetzt, in diesem Leben hier auf der Erde. Nicht erst wenn wir gestorben sind und im Jenseits in anderer Form weiterexistieren.

Dann werden wir mit Gott diese Freundschaft haben – oder eben nicht, wenn er uns als Person Jahrzehnte hindurch wurscht war… oder ständig etwas anderes wichtiger.

Jesus möchte keine Drohbotschaft verkünden, wie es viele Theologen in den vergangenen Jahrhunderten leider getan haben.

Hinweisen möchte er und klarstellen: Es ist nicht gleichgültig, wie wir denken, wie wir uns verhalten. Es ist im Grunde die Botschaft vom Wert jedes Augenblicks, vom Wert, von der unendlichen Wichtigkeit und der Unersetzbarkeit jeder und jedes einzelnen.

Der folgende Text ist als Trost für das Volok Israel verfasst worden.

Wir dürfen ihn jede/r auf uns selbst beziehen. Gott geht auf jeden Menschen so persönlich zu wie auf das Bundesvolk im Alten Testament. Meditiere diesen Text in der Gebetszeit und setze statt „Israel“ deinen eigenen Vornamen ein.

Jesaja 43, 1-5a

1 Aber jetzt, so spricht der HERR, der dich geschaffen[1], Jakob, und der dich gebildet hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. 2 Wenn du durchs Wasser gehst, ich bin bei dir, und durch Ströme, sie werden dich nicht überfluten. Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt werden, und die Flamme wird dich nicht verbrennen. 3 Denn ich bin der HERR, dein Gott, ich, der Heilige Israels, dein Retter[2]. Ich gebe Ägypten als Lösegeld für dich, Kusch und Seba an deiner Stelle. 4 Weil du teuer bist in meinen Augen und wertvoll bist und ich dich lieb habe, so gebe ich Menschen hin an deiner Stelle und Völkerschaften anstelle deines Lebens. 5 Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir!

Wenn ich lernen will zu glauben, ist es am Anfang einmal gut zu klären, an wen ich glauben soll oder darf.

Gott – wer ist das? Wie ist er? Wieso sagen wir eigentlich „er“ und nicht „sie“?

Gott ist reiner Geist, nicht männlich oder weiblich.

Ist Gott eine höhere Existenzform, die weit weg lebt, distanziert uns gegenüber – oder wie ein strenger König aus dem mittelalterlichen Märchen, dem es hauptsächlich darum geht, dass wir seine (!) Gesetze einhalten, und der nur aktiv wird, wenn wir dies nicht tun – so wie es im Staat zu geschehen pflegt?

Der Philosoph Blaise Pascal hat eine Gotteserfahrung gemacht, die er der Nachwelt hinterlassen hat.

„Feuer. Mehrere Stunden Feuer. Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Nicht der Gott der Philosophen“

In einem Buch habe ich die Formulierung gelesen: „Es ist ein uns zugewandtes, überaus zärtliches Universum“

Viele Menschen haben von der Erfahrung gesprochen und geschrieben: Gott spricht sie von sich aus an. Ohne dass sie es wollen, geplant haben, damit rechnen …

Versuchen wir heute, uns an die Weisen zu erinnern, wie wir uns Gott vorzustellen gelernt haben.

Und dann: Sprechen wir mit ihm/ihr darüber … fragen wir ganz einfach.

Kann man „Glauben“ lernen?

Heute lade ich ein zum ersten Tag des gleichnamigen Onlineseminars.

Definieren wir zuerst, was „Glauben“ überhaupt bedeutet.

Es gibt das Glauben dass … Ich glaube, dass sich dieser Einsatz lohnt.

Ich glaube, dass Jesus auferstanden ist.

Ich glaube, dass es morgen regnet.

usw.

Es gibt aber auch das „Glauben im Sinn von „Vertrauen“.

Ich vertraue dir.

Ich glaube deinen Worten.

Ich vertraue dir meine Kinder an zur Beaufsichtigung

Die erste Form des Glaubens kann man sicher lernen – das Glaubensbekenntnis auswendiglernen, dann weiß ich, was ich zu glauben habe …

Es geht aber darum: Können wir diese zweite Form lernen? Einüben? Gott vertrauen, dass er es unwahrscheinlich gut mit uns meint?

Vielleicht gerade in diesen Tagen angesichts von Corona und Lockdown eine gewissen Herausforderung …

Doch: Ja, die Bibel, das Alte Testament geht davon aus, dass Glaiben gelernt werden kann und muss.

Es kommt darauf an, eigene Erfahrungen weiterzuerzählen. Zu teilen. Sich zu erinnern.

Eine Übung für den heutigen Tag:

Wo habe ich gespürt, dass Gott mir Gutes tut, mit mir in Kontakt ist, ein Gebet ge- und erhört hat?

Ich spüre dieser Erinnerung eine Weile nach. Vielöleicht 10 Minuten.

Ich spreche mit Gott über diese Erfahrung: loben, danken, bitten … fragen – wenn ich wo mehr erfahren, wissen will. Ich schließe mit einem Kreuzzeichen ab.

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Die Ausstellung hier in unserer Kirche soll an die Menschen erinnern, die vor 75 Jahren als wertlos gegolten haben, die man versuchte, jeder Würde zu berauben, auch im Tod noch – sie wurden zum Teil einfach im -Straßengraben liegengelassen, zum Teil in eilig ausgehobenen Gruben, Massengräbern, verscharrt. Namenlos, ohne jede Ehrfurcht … Damit sollte zum ausdruck gebracht werden: auf die kommt es nicht an. Erinnerung überflüssig.

In vielen Kulturen und zu fast allen Zeiten war ja das Umgekehrte üblich: Das Gedenken, die Erinnerung sollte hochgehalten werden, mit allen Mitteln. Grabbeigaben bei den Kelten, Gedenksteine, Mausoläen, die Pyramiden zeugen davon, dass keine Kosten und Mühen gescheut wurden.

Man hat auch Wert darauf gelegt, einen Leichnam möglichst so einzubalsamieren, dass er für die Ewigkeit haltbar gemacht wird. Das diente zum Trost: Wenn etwas so ausschaut, als ob es halten würde, dann glaubt man auch eher an das ewige Leben, dass sich die Person „hält“, weiterbesteht, weiterlebt.

Wir erfahren im Evangelium, dass auch Jesus mit einem Gemisch aus Myrrhe und Aloe einbalsamiert wurde. Allerdings sehr hastig, weil vor Einbruch der Dunkelheit am Rüsttag zum Schabbat zuwenig Zeit war. Deswegen gingen die Frauen ja 2 Tage später nochmal zum Grab, um das Einbalsamieren zu vervollständigen.

Auch heute ist es oft so, dass Menschen Menschliches möglichst lange aufrechterhalten, konservieren, wollen. Reiche in Nord und Süd, Ost und West optieren auf Angebote findiger Geschäftemacher: Chemikalien sollen den Leichnam erhalten, oder Einfrieren und später mal Auftauen kommen manchen verlockend vor.

Auf diese Weise will man vorsorgen und erhofft sich „ewiges“ Leben im Sinne von nicht aufhörend bis in die ferne Zukunft.

Wer Geld hat, kann sich also das ewige Leben kaufen?

Oder zumindest die Erinnerung an die eigene Person.

Man erkennt sofort, wo jemand von den „Oberen zehntausend“ bestattet ist, auch heute noch, nicht nur im alten Ägypten oder China oder Mittelamerika. Die Größe und Prunkentfaltung der letzten Ruhestätte macht deutlich, dass Menschen ihre allzumenschliche Gesinnung vom Diesseits ins Jenseits mitnehmen möchten.

Sogar im Tod noch sollen gesellschaftliche Unterschiede, sollen Rangordnung usw. gewahrt bleiben.

Es gilt jedoch: Auch der größte Aufwand kann die Verwesung nicht auf Dauer aufhalten.

Im Sterben und Tod – ob es den Größen dieser Erde passt oder nicht – werden alle gleich.

Vor Gott zählt das Äußere nicht.

Reichtum, langes Leben, viele Kinder, Erfolg, Prominenz, Gesundheit, Schönheit, Volkszugehörigkeit … spielen keine Rolle.

Jetzt haben wir seit 8 Monaten Corona. Auf unserer Erde sind Zigtausende an der Krankheit gestorben. Auch in Österreich waren und sind es zu viele. Jeder einzelne ist zu viel.

Bei all dem bleibt es eine Tatsache, dass die meisten in armen Ländern sterben, weil es dort weder ausreichend Hygienemaßnahmen noch medizinische Versorgung gibt. Zumindest nicht für die arme Normalbevölkerung.

Dazu bleiben uns weiterhin die täglichen Hungertoten. Und die Unzähligen, die auf der Flucht sterben – vor Lampedusa, bei Kriegshandlungen in Syrien, im Nahen Osten, in Afrika. Alle, die sterben an Unterernährung und mangelnder Hygiene und medizinischer Versorgung in der sogenannten „3. Welt“, in Afrika, Indien, Lateinamerika: jede/r einzelne von ihnen ist bei Gott so angesehen und bedeutungsvoll wie etwa Donald Trump, Wladimir Putin, Franziskus von Rom, Queen Elizabeth oder Angelina Jolie …

Auch die Ausstellung, die wir in dieser Woche bei uns in der Kirche haben, soll darauf ein Hinweis sein.

Es kommt allein darauf an, wie es im Herzen eines Menschen aussieht. Ausgesehen hat, ein Leben lang. Gott können wir nichts vormachen.

Gott demonstriert sogar manchmal ganz deutlich, wer bei ihm Ansehen hat: Es gibt eine Reihe Heiliger, die von uns angesehen werden können, weil deren Leichnam nicht verwest ist – ganz ohne besondere Maßnahmen. Z. B. Benedikt von Nursia, Katharina von Siena, Teresa von Avila, Vinzenz von Paul, von dem wir am Dienstag gehört haben, der Hl. Pfarrer von Ars, Bernadette Soubirous von Lourdes, Don Bosco, Johannes XXIII, Pater Pio und eine Reihe anderer sind bisher erhalten geblieben.

Vielleicht ist ja die beste Vorsorge für die Ewigkeit, und in dieser werden wir den größten Teil unseres Daseins verbringen,  dass Gott uns gerne sieht …und dass wir uns gerne bei ihm sehen lassen.

Vor einer Woche war ihr Gedenktag.

Hier die Predigt vom Frauengottesdienst:

Teresa – Predigt

Vielleicht habt ihr euch gewundert, dass ich die Heilige Teresa von Avila, die große Ordensgründerin, als Prophetin tituliert habe. Wie das?

Die Prophetinnen und Propheten der Bibel zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihr gesamtes Leben Gott zur Verfügung stellen. Das hat Teresa gewiss auch getan. Propheten zeigen etwas auf, das nicht in Ordnung ist und zwar in den Augen Jahwes nicht in Ordnung ist – in Gesellschaft, Staat, Kirche … – und weisen auch darauf hin, wie es besser gehen könnte, meistens leben sie das selber auch gleich vor als Prototyp gewissermaßen.

Teresa fand folgende Bedingungen vor:

Sie wurde in Spanien geboren zu einer Zeit, als die Mauren, die Muslime meist nordafrikanischen Ursprungs, gerade erst vertrieben worden waren. Viele Bräuche und Sitten waren noch präsent: der Gesichtsschleier für Frauen z. B., auch die patriarchale Gesellschaftsordnung, in der Frauen in der Öffentlichkeit kaum präsent waren und schon gar nicht etwas zu melden hatten. Machismo heißt das heute.

Sie lebte in der Hochblüte der spanischen Inquisition. Viele Muslime und auch Juden waren nur zum Schein Christen geworden, zwangsweise, um nicht vertrieben zu werden oder die Todesstrafe zu erleiden.

Außerdem war es die Zeit kurz nach der Reformation. Auch in Westeuropa gab es mehrere spirituelle Bewegungen, die dieselben Anschauungen vertraten wie Martin Luther sie formuliert hatte – nicht selten auch extemere und radikalere.

Religiöse Schwärmer gab es auch noch, und zwar jeder Art – mystische wunderbare Phänomene waren quasi „in“ – Visionen, Trancezustände, Stigmatisierung, Wunder aller Art …

Der Staat Spanien bemühte sich in Ordnung und normal zu bleiben; das Königshaus beauftragte die katholische Kirche mit dieser Aufgabe, religiöse Abweichler und Sonderformen jedweder Art zum Verschwinden zu bringen …

Die katholische Kirche war in dieser Zeit geprägt vom mündlichen Gebet, wie Teresa es nennt: Bekannte Gebete durften und sollten gesprochen werden, Vater unser, Ave maria usw. Bei der Heiligen Messe daei sein – und Schluss.

Sensationell: Wie Teresa die persönlichen Gebetserfahrungen praktisch „passieren“, ohne dass sie sie sucht. Wie Jesus mit ihr spricht, mit ihr Kontakt aufnimmt.

Dass sie merkt und spürt – vermittelt durch ihre spirituelle Erfahrung! – Ich bin als Frau vorGott genauso wertgeschätzt wie ein Mann.

Gott macht da keine Unterschiede.

Dass sie mental, im Geist, #betet und es weiterempfiehlt, ja lehrt und propagiert.

Und dass sie als Frau in der öffentlichkeit tätig wird: Ordenshäuser gründen, da ist sie Geschäftsfrau, spirituelle Lehrerin, selbständig denkende und agierende …

Dieser Ausspruch: Ich bin ein Weib, und obendrein kein Gutes“ – damit drückt sie genau diese Sachverhalte aus, wie sie in den Augen der Menschen ihrer Zeit dasteht. Nicht brav und angepasst, nicht den Erwartungen entsprechend – und das ist wieder eine ihrer sensationellen Erkenntnisse: Dass eine Frau gut daran tut, den Erwartungen Gottes zu entsprechen – und nicht denen der Männer, auch nicht des eigenen Ehemannes.

Es ist kein Wunder, dass auch heutige Feministinnen sich auf sie berufen – denn viele heutige Frauen auch in der westlichen Welt haben es in keiner Weise begriffen, dass sie nicht vom Gatten, Vater oder wem immer her ihre Definition, ihren Wert und ihre würde erhalten, sondern dass sie eigenständige Personen sind, vor Gott sich selbst verantworten müssen und als sie selbst gemeint sind.

Manche Männer ihrer Zeit haben das wohl gesehen – es wurde auch versucht, sie mundtot und unschädlich zu machen – es wurde bemerkt, dass ihr Weg der Mystik, diese Gespräche von du zu du mit dem Herrn, mit Jesus, genau das sind, was frei und unabhängig werden lässt.

Dass sie nicht in irgendeinem Inquisitionsgefängnis verschwand, verdankte sie ihrer vornehmen Herkunft und etwas, das wir heute Lobbyismus nennen würden. Teresa war mit mehreren Bischöfen und hochgestellten Persönlichkeiten des spanischen Königreiches persönlich oder durch regen Briefkontakt bekannt.

In den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts hat Papst Paul VI. sie zur Kirchenlehrerin ernannt. Übrigens gleichzeitig mit Katharina von Siena.

D. h., die gesamte katholische Kirche, die Christenheit hat etwas von ihr zu lernen.

Dieses persönliche intime Reden mit Jesus Christus – dass wir das mit Begeisterung oft üben, das wünsche ich Ihnen und mir.

Denn Frauen, die das tun, werden dringend benötigt – in der Menschheitsgeschichte und in der Welt von heute.

Predigt                                                     11. 10. 2020

Liebe Brüder und Schwestern!

Ein Münchner im Himmel.

Kennen sie diese Geschichte?

Der fühlt sich im Himmel nicht wohl, weil es immer nur kühl und distanziert zugeht, Manna und Hosianna singen, musizieren … Bei ihm zuhause war es schöner. Das Münchner Hofbräuhaus oder Oktoberfest – da möchte er hin. Wenn er es sich aussuchen könnte.

Wie sieht der Himmel aus? Reich Gottes, was sollen wir uns darunter vorstellen?

Die Bibel ist da sensationellerweise eher auf der Linie des Münchners – die abgeklärte Vorstellung frommer Menschen des vorvorigen Jahrhunderts muss woanders herkommen.

Jesus spricht von einem Hochzeitsmahl – und diesen Vergleich gibt es schon im AT. Und es geht nicht ums jenseits, zumindest nicht in erster Linie. Reich Gottes – ist hier und jetzt, wo Christen leben.

Wir haben vermutlich ein Problem damit und fragen uns, wie denn der König, der offensichtlich Gott darstellen soll, sich so schrecklich rächen kann, dass er die Mörder seiner Diener töten und ihre Städte in Schutt und Asche legen lassen kann. Und dann der „arme Kerl“, der von der Straße kommt und ohne hochzeitliches Gewand bei der Tafel erscheint. Warum wird er hochkantig hinaus geworfen in die äußerste Finsternis, wo man nur Heulen und Zähneknirschen kennt?

Bei aller Güte, so möchte Matthäus betonen, hat Gott auch Rückgrat und Format. Wer gegen Gott antritt und ihn durch böses Tun zum Einschreiten herausfordert, wird sich über die ungeahnte Kraft, Macht und Stärke Gottes nicht nur wundern, sondern erschrecken. Gott hat für alle ein Herz; aber gegen bewusste Gemeinheit wird er sich zu wehren wissen. Das sollen wir bedenken.

Meistens ist es jedoch so, dass einfach das Interesse fehlt, „man hat was Wichtigeres vor“. Jesus meint: Wer nicht dazugehören will, hat sich selber Schaden zugefügt. Sich selber ausgeschlossen. Gott zwingt uns nicht zu unserem Glück.

Warum finden so wenige die Einladung attraktiv?

Wissen sie nicht, dass es bei uns das Beste vom Besten für alle gibt?

Wenn wir von der Erlösung und vom Reich Gottes reden: haben wir selber überhaupt verstanden, worum es dabei geht? Oder beten wir jahrhundertealte Floskeln nach oder engstirnige Vorstellungen, die es heute in fundamentalistischen Kreisen gibt?

Es stellt sich die Frage: Kann so wirklich der Himmel sein?

Es stellt sich die Frage: Was muss Kirche, was müssen die Kirchen, was müssen wir denn eigentlich tun, um für den Himmel effizient zu werben? Was erwartet man von uns – vom Papst bis zur Christin in der Ortsgemeinde?

Da ist sicher einmal eine Echtheit, eine Ehrlichkeit.

Christen sind nicht perfekt. Es ist kontraproduktiv, so zu tun als ob es so wäre.

Was wir haben, ist eine unwiderstehliche aufrüttelnde unwahrscheinlich befreiende Botschaft.

Nämlich die von Vergebung und Neuanfang, die jederzeit möglich sind, wir brauchen es nur zu wollen. Die Einladung anzunehmen – um im Bild des heutigen Evangeliums zu bleiben.

Wo mir die Vergangenheit nicht nachhängt, und zwar ab sofort, alle Optionen weiterhin offenstehen, ist das nicht eh schon wie ein ewiges Freudenfest?

Ja, bei echten Festivitäten, bei Hochzeiten auch, gibt es Menschen, immer wieder, die tatsächlich die Einladung ausschlagen: Was der Neffe, der mich beleidigt hat, was, die Cousine, mit der ich gestritten habe, … die sind ebenfalls eingeladen und werden da sein? – Na, dann komme ich aber nicht …

Liebe Brüder und Schwestern: Im Himmelreich Gottes, beim ewigen Hochzeitsmahl, ist es genauso. Es ist zu erwarten, dass alle da sein werden – mit denen wir hier und jetzt lieber nicht reden, mit denen wir nichts zu tun haben möchten, um die wir einen weiten Bogen machen… Es wird für uns gut sein, ab sofort daran zu arbeiten, dass wir uns dann und dort über ihre Gesellschaft freuen können.

Verzeihen, bereinigen, auf sie zugehen … Verständnis üben… beten …

Statt viel Kraft darin zu investieren, wie die Kirchen sich gegeneinander abgrenzen, wäre es gut und wichtig, Geschwisterlichkeit vorzuleben. Das funktioniert übrigens jetzt schon an der Basis besser als in der Kirchenspitze.

Gefordert ist auch ein Einfühlungsvermögen für die anderen. Christinnen und Christen haben den Himmel nicht gepachtet. Auf dieser Erde glauben viele Millionen in der Form von Islam, Judentum, Buddhismus, Hinduismus u. a. Religionen. Es wäre wichtig, mit all jenen, die das wollen, Seite an Seite für Gerechtigkeit und Frieden zu einzutreten. Auch zusammen mit den nicht glaubenden Menschen, die durch ihr politisches und soziales Handeln einen Vorgeschmack vom Himmel bieten, ohne dass sie das so nennen würden.

Bischof Reinhold Stecher hat in einem seiner Bücher geschildert, wie ein Erstklässler im Troler Bergdorf, dessen Eltern Hüttenwirte sind, sich den Himmel vorstellt – vorher wurde das heutige Evangelium erzählt -: ja, das kenn ich – a volle Hittn! (Ziehharmonika, Gesang, Fröhlichkeit und die Kochkünste seiner Mutter).

Gott freut sich wie die liebe Mutter und Hüttenwirtin wirklich über eine „volle Hittn“ – nehmen wir die Einladung an.

Was ist zu tun, wenn die Heizung kaputt wird?

3 Tage muss ich auf den neuen Boiler warten…

Schlafen mit Weste, Socken und Halstuch.

Ein heißer Tee davor.

In der Früh turnen, sehr schnell duschen (es gibt auch drei Tage kein Warmwasser), superschnell ins Gwand, zwei Kaffee, und los in die Arbeit.

Dort bleibe ich so lang es geht …

Zum Glück ist Oktober, draußen hat es 15 Grad.

Sich Zeit nehmen, abgeschieden vom Alltag.

Ohne Einflüsse von außen.

Sorgen wegschieben, Lärm ausschalten, Störendes ausblenden.

Ob das geht?

Versuchen lohnt sich. Das Wesentliche tritt zutage. Nur so.

Die Wurzeln, Fundamente.

Des Glaubens, des Christseins, der Pfarre, …

der eigenen Persönlichkeit.

Angehen wollen wir es am 143. und 14. November in der Pfarre Pucking.

Denkt über diese Möglichkeit nach – und probiert es aus.